DAS WALDSTERBEN ... ein Nachruf (obwohl es eigentlich nicht gestorben ist, sondern bloss vom Waldsterben zum Waldserbeln verkam. Nach der neuesten Ausgabe, dem Waldbericht 2005, könnte man auch sagen: Der Wald stirbt nicht ... er wird ganz einfach von den Käfern gefressen (2003 fielen in der Schweiz 2 Millionen m3 an Käferholz an, also gut ein Drittel des Hiebsatzes! Das Forstpersonal kam mit Räumen kaum nach. Aber das liegt natürlich an Lothar ... (... He jooo drnooo... Und woran liegt Lothar?)): Stark gelitten hat auch wieder die Weisstanne, die im geschwächten Zustand vom Krummzähnigen Weisstannenborkenkäfer befallen wurde.
Waldbericht 2005, S. 54, Buwal Die Kronenverlichtung nimmt seit 1985 zyklisch, aber mit steigender Tendenz, zu:
Da 2003 beschlossen wurde, nur noch alle 2 Jahre einen Waldbericht zu den Sanasilva-Erhebungen zu veröffentlichen, müssen wir uns bis zum Juni 2005 gedulden mit neuen Zahlen. 2001-3 lagen die Werte übrigens immer unter 20%, 2003 sogar auf einem Tiefstwert von 14.9%, der seit 1993 nicht mehr erreicht worden war. Dies ist auf die günstigen Bedingungen zurückzuführen die in beiden vorgehenden Jahren herrschten, sowie auf die Tatsache, dass die Erhebungen grossenteils abgeschlossen waren, bevor sich Auswirkungen und Folgeschäden (Borkenkäfer!) der extremen Trockenheit dieses Jahres zeigen konnten. Am 10. Dezember 2004 wurden mal vorläufige Resultate für die Schweiz bekannt (Tagesanzeiger S. 42). 40% der Bäume sollen im Jahr 2004 geschädigt sein. Vor allem betroffen sind in der Schweiz die Buchen und Fichten. Viel stärkere Wirkung hatte der Hitzesommer 2003 in Deutschland, wo dieses Jahr 72% der Bäume geschädigt sind. Betroffen sind in Deutschland vor allem Buche (55% stark geschädigt) und Eiche (45% stark geschädigt). (Badische Zeitung: Der Wald ist kränker denn je. 9. Dezember 2004. S. 1). Dass die Schweiz relativ glimpflich davongekommen ist, liegt am Mittelwert. Für die Tieflagen dürften die Zahlen mit denen Deutschlands vergleichbar sein - in den Hochlagen über 1200m und an der Waldgrenze jedoch führte das heisse Jahr natürlich zu weitaus besseren Bedingungen als gewohnt und damit zu stärkerem Wachstum. Gerade der sehr lange Horizont von 100 Jahren bis zur vollständigen Schädigung könnte z.B. darauf hinweisen, dass es sich bei dem Trend zum Nadelverlust um eine ganz normale Alterserscheinung handelt (falls immer wieder die selben Bäume gemessen werden), denn je älter Bäume werden, desto schütterer ihre Belaubung/Benadelung (Extremfall toter Baum: Belaubung = 0). Interessant wäre in diesem Falle aber immer noch zu wissen, auf welche Ursachen die Zyklen zurückzuführen sind. Einerseits ... andererseits deuten die extrem schwundsüchtigen Wurzeln, gerade bei Eichen, wie sie bei vielen von Lothar gefällten Bäume sichtbar wurden, doch eher in Richtung Schädigung. Weitere Faktoren die zu Kronenverlichtung führen können sind plötzliche Freistellung, Nährstoffmangel, Parasiten, Witterungsextreme (Hitze, Frost, Regen, Trockenheit, Stürme, Hagel) und Luftschadstoffe. Die Verringerung des Wachstums von Trieben und der Vitalität der Mykorhyza durch Ozon z.B. ist belegt
Einer der wenigen, der sich nicht unsichtbar gemacht * oder gar den Reihen derer angeschlossen hat, für die das Waldsterben eine PR-Aktion der Forstdienste und Forschungsanstalten war, die der Subventionsförderung dienen sollte, ist Walter Flückiger, Leiter des Instituts für Angewandte Pflanzenphysiologie in Schönenbuch. Seine Forschungen auf über 100 Waldflächen die z.T. seit 20 Jahren beobachtet werden, zeigen:
Waldbericht 2005, S. 43. Buwal
Schadstoffkarten Luftbelastung bafu Dass NOx eine Gefahr darstellt die noch der Lösungen harrt, ist eigentlich europaweit anerkannt: UNECE - Nitrogen pollution threatens Europe’s forests Dass SO2 nicht erwähnt wird, liegt ganz einfach daran, dass es in der Schweiz kaum (noch) eine Rolle spielt. Hier wurden auch, anders als bei NOx, europaweit beträchtliche Fortschritte erzielt (die über den CO2-Zertifikathandel auch den Ländern zugute kommen sollen, bei denen die Prozesse der Industrialisierung erst am Anlaufen sind):
NH3-Ausstoss in Tonnen pro Jahr Darstellung der Prozesse der "Luftchemie"
Was sagt die Kronenverlichtung über den Gesundheitszustand aus?Forstwissenschafter wie Pflanzenphysiologen suchen schon lange nach Indikatoren, die es erlauben die Gesundheit (oder Krankheit) von Pflanzen zu beurteilen. In erster Linie wäre da das Wachstum geeignet, auch das generelle Aussehen, die Überlebensfähigkeit bei Stress, Anpassungsfähigkeit auf der positiven - Fäule und Krebs auf der negativen Seite. Kronenverlichtung nimmt generell mit zunehmendem Alter zu. Sie ist also eine Alterserscheinung wie ein Stresssymptom. Kronenverlichtung nimmt zu, wenn die Mykorrhyza geschädigt ist oder die Wurzeln selbst, also die Wasserversorgung prekär wird - was auch durch klimabedingter Trockenheit der Fall sein kann. Kronenverlichtung nimmt zu bei Rindennekrosen, welche die Gesamtgesundheit des Baumes enorm schwächen. Der Zuwachs ist für die Beurteilung von Waldbäumen nur schlecht geeignet, da er einerseits sehr stark von der Lichtverfügbarkeit abhängt. Erhält ein Baum mehr Licht weil sein(e) Nachbarbäum(e) verschwinden, sei es durch Krankheit und Tod, durch Windwurf oder die Motorsäge, so erhält derjenige der bleibt mehr Licht, kann seine Krone vergrössern und mehr produzieren. Vergleiche des Durchmesserzuwachses mit dem Nadelverlust auf Kontrollflächen ergaben aber trotzdem vielerorts einen eindeutigen Zusammenhang. Bei einer Kronenverlichtung von 25% reduziert sich der Zuwachs auf die Hälfte! Ein weiterer wichtiger Faktor ist die unfreiwillige Stickstoffdüngung. Die im Regen gelösten Stickoxide führen dem Wald (wie Magerwiesen und anderen Standorten, wo dies noch stärkere Folgen hat) pro Jahr fast einen Drittel der in der Landwirtschaft verwendeten Düngemengen zu. Dies erhöht die Photosynthese. Allerdings werden durch diese Förderung Zucker vermehrt in der Krone gelagert, deren Bild sich verbessern kann, auf Kosten der Wurzeln. Kommen noch erhöhte Ozonwerte hinzu, wird der Transport des Zuckers zu den Wurzeln nochmals geschwächt. Höhere Stickstoffwerte im Boden gehen zu lasten des Phosphors - worunter die Mykhorrhiza und die Feinwurzeln leiden. Verlichtete Kronen gäben dem Wind eigentlich weniger Widerstand. Die erhöhte Windwurfgefahr von 47% bei 25% Verlichtung statt 10% ohne Verlichtung ist so vermutlich auf die erwähnten negativen Wirkungen auf das Wurzelsystem zu erklären. Da zum Zustand der Wurzeln aber noch keine systematischen Erhebungen gemacht werden, lässt sich hier wenig aussagen. Infos von: Dr. W. Flückiger, IAP (www.iap.ch,
priv. com. & PD Dr. P. Schmid-Haas; ehem. WSL, SZF Februar 2002 S.
68-75.
Für eine Analyse des "Medienevents" Waldsterben s. http://www.umwelt-schweiz.ch/imperia/md/content/forstdirektion/wh_waldundholz/wh20_factsfigures/wh20_006_wald-infos/23.pdf
2003 liegt bei c. 16, 2005 wieder bei 30 % Kronenverlichtung. Der präzis selbe Verlauf wie 97-98-99-200 wurde
also wiederholt: Zustand unruhig stabil.
Martin Herzog, Dipl. Forsting. ETH, Rheinfelden 14.4.03 * Beitrag des Autors (ETH 1985-88) zum Thema Waldsterben: Trockenresistenz und Immissionshärte der Weisstanne. Wichtigste Ergebnisse: 1. Wir wissen nicht mal, wann ein Baum krank ist oder wann und wie er stirbt. Tannen erholen sich von erstaunlicher Austrocknung. Die Messungen haben gezeigt, dass bis zur messbaren Saugspannung von 100 bar (sic!) nur 24% der derart belasteten Pflanzen abstarben. Nadelbäume sind dank ihrer mit Wachs überzogenen Nadeln ausgezeichnete Vermeider von Trockenstress. Um Tannen durch direkte Austrocknungsschäden sterben zu lassen, müsste also der Regen monatelang ausbleiben. Dies führt zum Schluss, dass Schädigungen und Erkrankungen in weit sensibleren Bereichen gesucht werden müssen. Neuere Ergebnisse der Dauerbeobachtungen der letzten 20 Jahre zeigen für Buche z.B., dass das Triebwachstum zunehmend bereits bei geringer Trockenheit vermindert wird. 2. Die Tannenrassen zeigen erstaunlich hohe Unterschiede in Wachstum und Verhalten. Die Optimierung eines Faktors, z.B. Trockenresistenz, reicht aber nicht, da Bäume zugleich an die lokalen Klimabedingungen angepasst sein müssen, also Frost oder Hitze, Insekten, Pilze etc, etc. Es gibt kein allgemeines "Resistenzgen", da äusserst unterschiedliche Strukturen und Verhaltensweisen zu optimieren sind, je nach gewünschter Resistenz. 3 Zuchtwahl oder gar genetische Manipulation von Bäumen, über deren Leben wir immer noch sehr wenig wissen, ist also eine Spielerei, deren Ausgang nicht abzuschätzen ist. 4 Waldbauliche Massnahmen können durch die Gestaltung des Mikroklimas mehr erreichen als genetische Selektion. Dies gilt auch für die Versauerung der Böden. Um Nährstoffverluste zu vermeiden müssen die Rückstände der Holzernte (Blätter, Nadeln, Feinäste und Rinde) im Wald bleiben, besonders auf armen Böden. Auf basenarmen Böden sind zudem die Laubbaumarten zu fördern. Da Forschung also offensichtlich wenig beitragen konnte zur Lösung des Problems Waldsterben (wie manch anderer Probleme), suchte der Autor eine sinnvolle Aktivität in der Entwicklungszusammenarbeit (FAO, Jemen, 88-94). Macht uns allerdings in den Naturwissenschaften die Komplexität bereits oft unmöglich, zu schlüssigen Ergebnissen zu kommen, so haben wir es in den Bereichen Gesellschaft und Kultur mit einem zusätzlichen, per Definitionem unberechenbaren, Faktor zu tun, nämlich der Freiheit des Menschen. Hier werden Modelle die zeigen sollen wie eine Gesellschaft ist beinahe obsolet. Sicher versucht die Tradition die Mitglieder einer Gesellschaft auf ein einigermassen berechenbares Verhalten festzulegen. Längerfristig betrachtet sind aber eigentlich Menschen wie Gesellschaften "unberechenbar". Man kann nie sagen wie sei sein werden, man kann (ihnen) nur sagen, wie sie sein sollten ... aber das wäre eigentlich Sache der Ethik (engl: practical philosophy).
|
|||||||
Waldsterben und die Politik: Das Waldsterben wurde 2003 von den Grünen für die Wahlen wieder aufs Panier gehoben. Laut ihrer Analyse hat die Bedrohung durch das Waldsterben zwar zu einigen positiven Effekten geführt. So sank seither der Bleiausstoss praktisch auf Null, der Ausstoss von Stickoxyden sank mit der Einführung der Katalysatorpflicht von 120'000 Tonnen 1985 auf 28'000 Tonnen heute, der Ausstoss von Stickoxiden auf die Hälfte - aber, was weiterhin ungehemmt zunimmt, ist etwa die Ozonbelastung, der Stickstoffeintrag (s.o.) und der CO2 Ausstoss durch Flugzeuge, zu deren Lasten heute bereits 11% des total verbrauchten Treibstoffs gehen! (Es gibt also nebst dem Lärm noch weitere Gründe, den Ausbau von Kloten, wie auch Billigstpreise für Flüge, nicht all zu euphorisch zu begrüssen.)
Es ist nun zu hoffen, dass dieses Engagement auch erhalten bleibt, wenn es als Wahltaktik nicht ganz so wirksam ist, wie erwartet. Sicher müssen wir für 2003 und 2004 mit stark steigender Entlaubung rechnen, aber aussagekräftig wird erst das Jahr 2005. Kommt nicht eine weitere Jahrhunderkatastrophe in die Quere, müssten sich die Bäume bis dahin erholen. Da jeder abgestorbene Baum zudem seinem Nachbarn Licht und Raum verschafft, wäre dann eher mit einer Belaubung zu rechen, die noch besser ist als heute. Trifft dies ohne ersichtliche Gründe nicht ein, dann besteht allerdings Grund zur Sorge.
Apropos Sorge - Wenn Sie, wie ich, Leute schätzen, sie sich für den Wald einsetzen, sehen Sie sich vor den Nationalratswahlen doch bitte das Abstimmungsverhalten ihrer Kandidaten an.
Ergänzung vom 19.9.03, Martin Herzog, Dipl. Forsting. ETH/Webredaktor, Rheinfelden
Hypothese: Klimawandel [Global Warming] ist schuld am "Waldserbeln":
Der Begriff Waldsterben wird nach wie vor veräppelt ... von den selben Leuten die am meisten damit verdient haben und als erste wieder dabei sind, falls sich heraus stellt, dass die Entwarnung doch zu früh war. Motto: Bloss nicht selbst Denken ... immer schön im Einklang mit der Volksmeinung singen! Die Idee, dass die globale Erwärmung dazu etwas beitragen könnte, war zwar zur Boomzeit des Waldsterbens auch in Diskussion. Damals allerdings konnte eine solche Erwärmung noch kaum schlüssig belegt werden, taugte also nicht zur prüfbaren Hypothese, wurde also auch nicht geprüft. Augenfällig war die Abhängigkeit der Waldschäden von der enormen Luftverschmutzung damals vor allem in Ostdeutschland - also wurde diese Hypothese erweitert und intensivst getestet. In jüngerer Zeit wird diese Hypothese vor allem von Greenpeace vorgebracht - was vermutlich eben bereits als ausreichendes Argument betrachtet wird, gar nicht auf solch "linke Propaganda" einzugehen.
Heute darf man zwar immer noch darüber streiten, ob nun wirklich der Mensch alleine an der globalen Erwärmung schuld ist - nicht aber darüber, ob sie passiert oder nicht! Die Erwärmung als Faktor des "Waldsterbens" oder der "neuartigen Waldschäden" aber auszuschliessen, scheint mir nicht gerade weise.
Global warming bedeutet, dass sich in 100 Jahren die Temperatur um ca. 1 Grad erhöht (seit 1861 hat sie sich bereits um 0.6° C erhöht!), oder, anders ausgedrückt, sich alle Klimazonen um ca. 100 km in den Norden, oder 100 m in die Höhe, verschieben. Die oft ausgezeichnet an den lokalen Standort angepassten Pflanzen müssten also jedes Jahr 1 km Richtung Norden wandern, oder 1 m bergwärts, um der Erwärmung zu entgehen. Die Gesundheit der Wälder müsste sich also an der Waldgrenze verbessern, an der untern Artengrenze (Wärmegrenze) aber verschlechtern. Das können die Pflanzensoziologen leicht artspezifisch testen.
Da nun aber die Bäume nicht jeweils bei Neumond, wenn sie sich unbeobachtet glauben, oder während der Walpurgisnacht, die Wurzeln aus dem Boden ziehen um etwas gegen Norden oder in die Höhe zu wandern, kann der Ersatz nur geschehen durch Absterben und Neuwuchs ... wobei dummerweise der Nachwuchs die selben genetischen Eigenschaften besitzt wie die bereits vorhandenen Bäume. Der Anpassungsprozess dauert in der Natur also Jahrhunderte, und zwar präzise dadurch, dass der Wald stirbt und sich durch neue Rassen und Arten an neue Bedingungen anpasst.
Ende des 19., bis Mitte des 20. JH. wurden in der Schweiz enorme Flächen mit Fichten bepflanzt, oft mit Herkünften, die sich heute nicht mehr nachweisen lassen (na ja, ein genetischer Fingerprint wäre theoretisch vermutlich schon möglich, aber ...). Saatgut kam oft aus dem Schwarzwald, also aus höheren Lagen (als dem Mittelland) wie aus nördlicheren Lagen, was einen Teil der meist stärkeren Betroffenheit der Fichten durch Verlichtung erklären könnte.
M. Herzog, Basel, 14.9.05
Wie lange sich extreme klimatische Ereignisse auswirken, zeigt gerade der Jahrhundertsommer 2003. Erst jetzt, Ende Mai 06!, nach einem relativ versaichten Frühling, kam die Meldung, die Grundwasserreserven seien wieder auf dem normalen Stand. Dieser Wassermangel dürfte sich auf den Zustand der Bäume recht negativ ausgewirkt haben.
Mitte Juli hatten wir nun bereits wieder 6 Wochen ohne Regen und mit Jahrhunderttemperaturen, wie 2003, die nie zuvor gemessen wurden. Da braucht die Weltwoche natürlich schon ihren Köppel wieder, um uns einzureden, dass das alles ganz normal sei und global warming eine reine Fiktion. Also mir ist schon klar, dass persönliche Erinnerungen keine Statistik ersetzen. Aber während meiner Schulzeit (1962-1975 hatten wir kaum mehr als 3 oder vier mal Hitzeferien, und die gab's wenn um 9 Uhr morgens die Temperatur mehr als 25 Grad betrug. Hätten wir die Regelung heute noch, wären die Schüler im Juli und August wochenlang nicht an der Schule, abgesehen von Ferien. Auch die Höhe der Temperaturen ist für Schweizer Verhältnisse extrem. Vor 30 bis 40 Jahren stiegen die im Sommer kaum und wenig über 30 Grad, nun hatten wir 2003 wie 2006 wochenlang Temperaturen von bis zu 38 Grad - und müssen sogar die Fische in kühlere Gewässer transportieren. Wer trägt die hitzeempfindlichen Bäume, die gibt's nämlich auch, in höhere und kühlere Lagen?
Die Überreste steinzeitlicher Pfahlbauten am Bodensee haben 6000 Jahre überdauert - wurden aber in den letzten Jahren freigespült, erodieren also heute und werden von Frost, Pflanzen und Tieren abgebaut. Dies wegen des tiefen Wasserstandes im Sommer. Nicht nur die Schmelzwasser fehlen, weil der Schnee sich nur noch in den höchsten Lagen hält, sondern auch die Sommer sind deutlich trockener geworden.
Aus der Praxis kommen immer mehr Meldungen, die die globale Erwärmung bestätigen. So häuft sich in der Westschweiz die Jahre in denen eine frühe Ernte (September) der Trauben nötig ist. In den letzten 10 Jahren trat dies eben so häufig auf wie in den ganzen 90 vorangegangenen Jahren. Zudem lässt sich inzwischen im Genferseegebiet die Merlot-Traube anbauen, die eigentlich mediterranes Klima verlangt und typisch ist für das Tessin und den Piemont.
In Genf wurde 2006 zum ersten Mal seit Beginn der Beobachtungen im Jahr 1818 beobachtet, dass der "offizielle" Kastanienbaum im Oktober die Knospen öffnete. Normalerweise gilt dies in Genf als Zeichen für den Frühlingsanfang! Nach dem Rekordsommer folgte nun auch noch ein Rekordherbst. Bäumen, die im Herbst den Frühling spüren, dürfte es im Winter schlecht ergehen.
In der Zwischenzeit wurde diese These (es wird immer trockener und wärmer ...) offenbar auch von "der Wissenschaft" übernommen, zumindest mal was das Föhrensterben betrifft. Käfer, Pilze und neue Würmer werden als sekundär betrachtet.
Im Internet zur Verfügung stehende pdfs des wsl zu Wald und Klimawandel
4.4.07: Der an vielen Orten völlig niederschlagsfreie April 07 (s. Basel) dürfte dem Wald wieder einen Tritt ans Bein geben, nicht bloss, weil durch die Wärme die Entwicklung der Borkenkäfer beschleunigt wurde. Dass unsere Bäume ausgerechnet in dem Monat, der für sein unzuverlässiges, verregnetes Wetter berühmt war, im April, sich belauben und blühen, ist kein Zufall. Gerade in der Periode des Ausschlagens, das ja (meist) mit Reserven vom Vorjahr erfolgt, verbrauchen die Bäume eine Menge Energie - und Wasser. Fehlt hier schon das Wasser, ist die Entwicklung bereits beim Start extrem gestört.
13.5.2010: Irgendwie scheint mir die Sache doch nicht so ganz geheuer, denn 1/3 Nadel- oder Laubverlust jedes 5. Jahr ist doch nicht grad nichts ... Und der Aufwärtstrend scheint immer noch vorhanden zu sein, wenn auch deutlich langsamer als zwischen 1985 und 1996. Mit Sonnenflecken (eine beliebte Theorie bei denen, die gerne unbeschränkt weiter wursteln in Sachen Verkehr und Energieverbrauch) hat das übrigens nichts zu tun, denn dort wären die Zyklen 11 Jahre lang). Es gab inzwischen einige extreme Jahre, ja eigentlich bloss irgendwie extreme Jahre, aber mit den Trockenjahren (max 2003/2007 scheint es wenig (Laubbäume 2007) bis nichts zu tun zu haben). DAS wäre meines Erachtens eine interessante Frage für die forstliche Forschung: Worauf beruhen dies Zyklen? Denn ohne diese Kenntnisse lassen sich die Zyklen nicht interpretieren.
KRONENVERLICHTUNG 1985-2009 (Jahrbuch Wald und Holz 2009, S. 20)

_____________________________________
These zum Bienensterben:
Meine Hypothese wäre: Stress durch Klima-Anomie.
Bienen sollten im Winter ja schlafen, da es eh nix zu ernten gibt. Bei den
seltsamen Temperaturen in letzter Zeit, wo des öftern der Frühling bereits im
Januar beginnt, temperaturmässig, allerdings ohne Honigblüten!, dürfte dies zu
erhöhten Aktivitäten bei den Bienen führen - allerdings eben ohne entsprechend
erhöhte Energiezufuhr. Die meisten Viecher die im
Winter schlafen sollten und dies nicht tun können, gehen ein. Ich
kenn das aus eigener Erfahrung anhand eines halben Dutzends Schildkröten und
mehrerer Igel, die ich als Kind im Keller versucht habe zu überwintern. Da der
Keller aber halt, obwohl ungeheizt, relativ warm war, war das das Todesurteil
für alle.
Die Bienenheinis (s.
http://www.alp.admin.ch/themen/00502/00538/00543/index.html?lang=de)
lehnen diese Interpretation ab und tippen auf falsche Behandlung der Varoa. Sie
interpretieren allerdings nur die Ausflugszeit, die sich im März um 1 bis 2
Wochen verfrüht hat, nicht den höheren Engergieverbrauch und die besseren
Überlebensbedingungen dank höherer Temperaturen für Milben und anderer
Schädlinge (s. Borkenkäfer, der dieses Jahr den Zahn schon wetzen konnte, bevor
die Bäiume nur im entferntesten ans Austreiben dachten. )
Meine Hypothese für das Bienensterben wäre also:
Extremer Stress, d.h. Schwächung, durch
Klima-Anom(al)ie.
Auf wirtschaftsdarwinistisch:
Die Bienen müssen flexibler werden, sportlich-dynamisch auf den Klima-Markt reagieren, sich rascher auf den wechselnden Pollen- und Saft-Markt einstellen und lokale Probleme durch globale Vernetzung ausgleichen ... "Fleissig wie die Bienen" zu sein, genügt nicht mehr, Leistung ist gefragt, nicht Fleiss. Im übrigen kann sich auch der Bienenstaat die sozialen Kosten nicht mehr leisten, einfach ein halbes Jahr blau zu machen, weil es zufällig draussen kalt ist und keine Blüten vorhanden sind. Genau wie die Bauern werden sich die Bienen eben um Zusatzbeschäftigung bemühen müssen, allenfalls die Bestäubung (die als Leistung an den Gemeinnutzen eh nicht entschädigt wird) besser vermarkten und/oder sich ihren Lebensunterhalt durch alternative Zusatzarbeit im Winter (z.B. als Saisonarbeiter in den Treibhäusern Hollands oder Spaniens) sichern müssen.