Was ist Nachhaltigkeit?
Der Begriff Nachhaltigkeit stammt aus der Forstwirtschaft wo er seit langem praktisch eingesetzt wird. Er bedeutet dort, dass nur so viel Holz geschlagen werden darf wie nachwächst. Dabei stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung:
Flächennachhaltigkeit: Für jede geschlagene oder gerodete Fläche muss durch die selbe Fläche an Jungwuchs ersetzt werden (natürlich oder durch Pflanzung).
Massennachhaltigkeit: Der jährliche Zuwachs an Holz (m3) wird durch periodische Forstinventare festgestellt und entspricht dem jährlichen Hiebsatz.
Stammzahlnachhaltigkeit ("Populationskurve"): Kaum zu bewerkstelligen, da durch Sturmschäden und andere Unwägbarkeiten immer wieder Ungleichgewichte entstehen - genau wie in der humanen Population.
Wertnachhaltigkeit: Schwierig - da bei den langen Produktionszeiträumen der Zukunftswert nur schlecht geschätzt werden kann.
Funktionale Nachhaltigkeit: Neu - und immer wichtiger - aber noch zu klären. Wird von holzproduktionsorientierter zu eher ökosystemischer Bewirtschaftung führen.
Eine Perversion des Begriffes Nachhaltigkeit ist hingegen das "nachhaltige Wachstum" - besonders wenn es in Wachstumsprozenten formuliert wird: "Die Wirtschaft braucht mindestens 3% jährliches Wachstum". Es gibt nichts das immer nur wächst, konstant (d.h. linear) nicht - exponentiell noch - ohne auf Grenzen zu stossen durch Verbrauch der Ressourcen, des Raumes, durch Alter oder, last not least, durch Ersticken im eigenen Abfall was auch in der Natur vorkommt wie z.B. in borealen Fichtenwäldern deren Streuschicht ab und zu durch Waldbrände zerstört werden muss. In unserer Wachstumswirtschaft muss die Ueberproduktion ab und zu durch Kriege zerstört werden - zumindest durch Wirtschafts-Kriege.
Für die Agenda 21 von Bedeutung ist vor allem die Definition der nachhaltigen Entwicklung aus dem Brundtland-Bericht von 1987:
Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, welche weltweit die heutigen Bedürfnisse zu decken vermag, ohne für künftige Generationen die Möglichkeit zu schmälern, ihre eigenen Bedürfnisse zu decken.
(Brundtland-Bericht 1987)