Von normativen Grundlagen zu Handlungsansätzen.
Mit der Agenda 21 wurde 1991 ein Aktionsplan für das 21. Jahrhundert vereinbart, welcher Vorgaben für die Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklung enthält.
Die neue Bundesverfassung erhebt die Nachhaltigkeit in den Rang eines Staatsziels. In der Präambel werden erwähnt:
· Verantwortung gegenüber der Schöpfung
· Freiheit, Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt
· Gegenseitige Rücksichtnahme und Achtung, Vielfalt in Einheit leben
· Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen
· Frei ist nur wer seine Freiheit gebraucht. Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen.
Ethische Grundelemente:
Die Wirtschaft reicht nicht aus, um eine Gesellschaft zu entwickeln, denn Gerechtigkeit, ein zentrales Anliegen der meisten Gesellschaften, ist kein Anliegen der Wirtschaft, sondern der Politik: Der Zugang zu und die gerechte Verteilung von Gütern und Dienstleistungen weltweit im Rahmen der Tragfähigkeit der Lebensgrundlagen jetzt und in Zukunft muss für alle unter menschenwürdigen Umständen gesichert sein. (Agenda 21)
„Nur ein Weltwirtschafts- und Finanzsystem, das die Interessen der Grossen und Kleinen, der Armen und Reichen berücksichtigt, hat im Sinne einer Nachhaltigen Entwicklung auf Dauer bestand.“ Umwelt- und sozialpolitische Anliegen müssen von Internationalen Organisationen in den Bereichen Weltwirtschaft und Finanzen besser berücksichtigt werden.
Gesellschaftliche Entwicklung basiert also nicht nur auf natürlichen, sozialen und ökonomischen Gesetzmässigkeiten, gesellschaftliche Entwicklung basiert ebensoehr auf Glauben und auf Werten. Der Report macht diese Grundlagen deutlich:
1. Der explizit deklarierte normative Rahmen bildet das Grundgerüst für die Bewertung. Wer diesen normativen Rahmen nicht akzeptieren kann, für den können auch die Schlussfolgerungen nicht gelten.
2. Zwei Paradigmen stehen im Zentrum:
(1) Der aus der Vergangenheit extrapolierte Glaube, dass technischer Fortschritt sozusagen allein und auf Dauer in der Lage sei, die von der Technik erzeugten Probleme selber wieder mit Technik zu lösen und die (ökologischen) Grenzen des physisch-materiellen Wachstums hinauszuschieben.
(2) Marktwirtschaftliche Freiheit, Wettbewerbsprinzip und Individualismus als wirtschaftlich-gesellschaftliche Grundprinzipien sowie auf Dauer wachsender materieller Wohlstand durch technischen Fortschritt als dominantes Lebensziel.
Wirtschaft ist eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung menschlichen Lebens. In der Realität findet aber in industrialisierten Ländern in den letzten Jahrzehnten fast unbemerkt eine Sinnverkehrung statt. Gesellschaftliche Ziele werden den „Sachzwängen„ der marktwirtschaftlichen Gesetze untergeordnet. Im privaten wie im staatlichen Bereich werden bei Güterabwägungen wirtschaftliche Aspekte (Standortwettbewerb, Börsenkapitalisierung, Arbeitsplätze, Rentabilität von Geldinvestitionen) fast fraglos an die oberste Stelle gesetzt. Gleichzeitig wurden in vielen Branchen die Arbeitsbedingungen härter, Stress und gesundheitliche Risiken nahmen zu. Trotzdem kann ein Teil der Arbeitnehmer den Lebensunterhalt für eine Familie nur knapp bestreiten.
3. Nachhaltigkeit als Macht- und Verteilungsproblem
Nachhaltige Entwicklung im Sinne der Pflichtenethik ist kein Konzept, welches automatisch zur Harmonie führt. Vielmehr macht es auf soziale, ökologische und wirtschaftliche Konflikte aufmerksam, die … gemeinschaftlich gelöst werden müssen: Verteilungsprobleme zwischen ökonomischer und politischer Macht, Solidarität mit schwächeren Partnern und Umwelt, Generationen, Nord-Süd …
4. Relative Knappheit des Kapitalstocks
Die Stärkung eines trendmässig abnehmende oder bereits knapp vorhandenen Kapitalstocks ist wichtiger als die Vergrösserung eines ausreichend vorhandenen Kapitalstocks. Kapitalstöcke Umweltressourcen und gesellschaftliche Solidarität und Zusammenhalt geraten gegenüber dem Wirtschaftskapital in Bedrängnis.
5. Ethik und Risiko: Machbares wird gemacht
6. Schweizerische Leistungsbilanz
7. Umsetzung, Monitoring und Erfolgskontrolle
Wenn es um Probleme der nachhaltigen Entwicklung geht, so ist das Argument „Bevölkerungswachstum noch immer zuvorderst. Heute beträgt die Weltbevölkerung rund 6 Milliarden. Sie wächst jährlich um 80 Milliarden. Dieses Wachstum wird sich, laut UNO-Schätzung, bis 2050 verlangsamen. Die Weltbevölkerung wird dann ca. 9 Milliarden betragen - 97% dieses Zuwachses entfällt auf Entwicklungsländer.
Zum einer ähnlichen Perspektive führt der environmental sustainability index. Dieser misst die Qualität der Umwelt und die personellen wie institutionellen Ressourcen, welche für den Schutz der Umwelt zur Verfügung stehen. Motto: Nur wenn ausreichend Geld vorhanden ist, kann man auch etwas für die Umwelt investieren.Mit diesem Index stehen hoch industrialisierte und reiche Nationen an der Spitze der Nachhaltigkeit.
Benutzen wir als Kriterium für Nachhaltigkeit aber den ökologischen Fussabdruck und die Ansprüche im Welthandel, dann sieht die Sache präzise umgekehrt aus.
Indikatoren:
http://www.ids.ac.uk/eldis/hot/indicator.htm
http://www.un.org/esa/sustdev/csd.htm