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Holzvermarktung -

Thesen und Empfehlungen des Schweizerischen Waldwirtschaftsverbandes

[aus: Wald und Holz 9/02, S. 30-31. S. auch: Grundlagenpaket Holzvermarktung 2. BUWAL: docu@buwal.admin.ch ]

Basierend auf dem Chaos das Lothar am Holzmarkt verursacht hat, formuliert der Schweizerische Waldwirtschaftsverband einige Thesen und Empfehlungen.

Nach Lothar herrschten recht diffuse Strategien, wie der Katastrophe beizukommen sei. Die einen wollten möglichst rasch aufräumen und ihr Holz um jeden Preis loswerden, die andern widmeten sich erst der Erhaltung des verbleibenden Bestandes. Zu ersteren gehörten vor allem Privatwaldbesitzer, während die Waldwirtschaftsverbände und regionalen Koordinationsstellen empfohlen hatten, nur so viel aufzurüsten wie sich laufend vermarkten liess. Die technische Forstverwaltungen und grösseren Waldbesitzer verfolgten eine weitere Strategie: Möglichst viel Holz aufrüsten und die Vermarktung mit grossen Abnahmeverträgen sichern. Dieses Chaos wurde von ausländischen Holzkäufern ausgenutzt, indem sie die Anbieter im Unklaren liessen über ihre Möglichkeiten und Absichten, bis die Anbieter zu jedem Preis zu verkaufen gewillt waren.

Dass sich die Holzproduktion immer mehr den Schutz- und Wohlfahrtsfunktionen unterordnet, wird von der Waldwirtschaft offenbar eher als Problem denn als Chance gesehen. Anerkannt wird allerdings auch die Tatsache, dass vielfach die Passivität der Waldbesitzer mit ein Grund ist dafür, dass der Staatsdienst die Waldbewirtschaftung in immer stärkerem Ausmass übernahm. Laut Waldwirtschaftsverband wird die Holzproduktion heute noch nach zwei problematischen Gesichtspunkten betrieben:

12 Thesen der Holzmarktgruppe des WVS

  1. Die Holzvermarktung muss den geänderten Absatzverhältnissen angepasst werden.
  2. Konzentration des Holzangebotes: öffentliche und private Forstbetriebe müssen gemeinsam am Markt auftreten.
  3. Die Holzvermarktung muss professioneller erfolgen.
  4. Es braucht verbindliche Beziehungen zwischen Waldeigentümer und Holzvermarktungsorganisation mit klarer Regelung der Kompetenzen für die Vermarktungsorganisation.
  5. Die Strukturen müssen organisch wachsen und können nicht verordnet werden.
  6. Holzvermarktung kostet Geld, bringt aber auch bessere Preise.
  7. Die waldeigentumsbasierte Vermarktung garantiert die Vermarktung aller Sortimente.
  8. Eine gut funktionierende Holzvermarktung muss zu Normalzeiten aufgebaut werden, damit sie in Krisenzeiten tauglich ist.
  9. Anschubfinanzierungen über Bund und Kantone zur Holzvermarktung sind nach geltendem Recht grundsätzlich möglich. Zum Aufbau von neuen Strukturen sind sie wahrscheinlich unumgänglich.
  10. Die Vermarktungsorganisationen müssen sich weiterentwickeln und weitere Dienstleistungen anbieten, wie beispielsweise Leistungen als Generalunternehmer.
  11. Die Vermarktungsorganisationen sollen uneigennützig und im Sinne der Waldeigentümer tätig sein. Das Geschäftsgebaren muss nach innen transparent sein. (Nach aussen wäre nach Swissair und Enron eigentlich auch zu empfehlen...)
  12. Der Zentralverband WVS, soll sich dafür einsetzen, dass die Rahmenbedingungen zur Holzproduktion wesentlich verbessert werden (Regelungsdichte usw.). Er ist das politische Instrument der Waldeigentümer. Operativ sind die Regionalverbände gefordert.

Forstpolitische Empfehlungen:

  1. Die Optimierung der Holzkette setzt die klare Trennung der Hoheits- und Bewirtschaftungskompetenz voraus.
  2. Die ständige Unterordnung der Nutzfunktion unter die Wohlfahrts- und Schutzfunktionen behindert oder verhindert gar die Holzproduktion im internationalen Wettbewerb. In der Planung der Waldfunktionen müssen genügend Flächen ausgeschieden werden, die ausschliesslich zur Nutzung bzw. Holzproduktion dienen.
  3. Der Waldeigentümer muss wieder lernen, die Verantwortung für sein Eigentum bzw. die Bewirtschaftung seines Waldes zu übernehmen. Er muss dazu eine möglichst grossen unternehmerischen Freiraum erhalten. Grundsätzlich gilt: Wer die Verantwortung für das finanzielle Ergebnis zu tragen hat, legt die Strategie und die Zielsetzung fest und entscheidet über die operativen Tätigkeiten. ...
  4. Die Produktionsstrukturen müssen den Verhältnissen der Holzvermarktung angepasst werden. Autonom agierende Kleinstbetriebe sind zu reorganisieren. Entweder ist die ganze Holzproduktion inklusive Vermarktung auszulagern, oder die Holzvermarktung wird an eine regional tätige Organisation (Waldbesitzervereinigung, Händler) delegiert.

Empfehlungen für eine gut funktionierende Holzvermarktung

  1. Die Holzvermarktung darf nicht als isolierte Tätigkeit betrachtet werden. Sie muss in die Holzproduktion und -Verarbeitung eingebettet sein.
  2. Die Holzkette muss durchgehend organisiert und optimiert werden. Die Einzelnen Teilprozesse sind aufeinander abgestimmt. Die Holzvermarktung bzw. -beschaffung ist dabei für die Steuerung des physischen Warenflusses verantwortlich.
  3. Die Holzvermarktung muss mit umfassenden Kompetenzen für den Holzverkauf ausgestattet sein, aber auch mit Kompetenzen zur Steuerung der Produktion.
  4. Ein Holzvermarkter bzw. -beschaffer muss über fundierte Kenntnisse der Betriebswirtschaft, des Prozessmanagements und des Handelsrechts verfügen.

Die Holzvermarkter verfügen über eine fundierte

betriebswirtschaftliche und holzfachliche Ausbildung,

die weit über die derzeit übliche forstliche Ausbildung hinausgeht.

Diese berechtigte Forderung (Empfehlung Holzvermarktung No 4) scheint zur Zeit leider  weder auf der Stufe Forsting. ETH noch beim Forsting. FH in Betracht gezogen zu werden. (Kommentar des Präsentators, der dann allerdings bei einer Steuerung der Waldbewirtschaftung über die Holzvermarktung (Empfehlung Holzvermarktung No 3) F doch noch ein paar Vorbehalte hätte, die sich allerdings über Punkt 2 der forstpolitischen Empfehlungen lösen liessen.).

Martin Herzog, Dipl. Forstingenieur ETH, Rheinfelden, 21. September 2002