COMMONWEALTH OF AUSTRALIA. Proof Committee Hansard. SENATE. RURAL AND REGIONAL AFFAIRS AND TRANSPORT. REFERENCES COMMITTEE. Reference: Plantation forests industry. WEDNESDAY, 8 OCTOBER 2003. CANBERRA [pdf 444 kb]
Bill Manning war Auditor des Tasmanian
Forestry Practices Board, also ein Forstexperte mit langjähriger
Erfahrung. Er klagte die Waldzerstörung durch vielfältige Verstösse gegen die
gesetzlichen Richtlinien gerichtlich an - was (natürlich ...) zu seiner
Entlassung führte. Hier Auszüge aus seiner Präsentation:
Ich glaube dass die Anwendung des regional forest agreement und der Vision 2020 zu einer Aufweichung des Forest Practice Codes (der forstlichen Bewirtschaftungsnormen) geführt hat, indem die Behauptung, es handle sich um die besten Verfahren (best practice) zur Lüge gemacht wurden, zweitens führten sie zur Korruption der Forstverwaltung Tasmaniens, so dass kein Vollzug dieser bereits aufgeweichten Vorschriften mehr möglich ist und kein anderes Resultat, als Kahlschlag und grossflächige Aufforstungen mit exotischen Baumarten ... der Irreführung des Tasmanischen Parlaments, der Vernichtung von Lebensräumen bedrohter Arten (s. Bilder: Schwalm (d) - spotted tail quall - velvet worm) und nicht zuletzt zu Tyrannei, Seilschaften, Geheimniskrämerei und Lügen innerhalb der tasmanischen Waldwirtschaft.
Die Bewirtschaftungsnormen, eingeführt als minimaler Standard für die Industrie, wurden darauf ausgelegt, periodisch revidiert und durch wissenschaftliche Prüfung verbessert zu werden. Statt dessen wurde die Wissenschaft weitgehend ignoriert, was auf den dominierenden Einfluss der Schnitzelindustrie, des Normen-Rates und des Beratungsgremiums zurückzuführen ist. Die Erosion dieser best practice entstand durch die Selbstregulation der Industrie, die so ineffizient ist, das sie praktisch inexistent ist. Das heisst, dass der Bewirtschaftungsstandard substantiell gefallen ist und die Industrie sich im freien Fall befindet was ihre Kontrolle betrifft.
Ein
Beispiel das dies erhellen mag, sind die Schlagreserven entlang den Flüssen. In
den frühen Neunzigern wurde die Industrie (gemeint ist hier immer die
Forstindustrie) dazu angehalten, entlang den Flüssen einen Streifen von 30m
Breite nicht zu nutzen. Diese Flussuferstreifen sind nicht nur von höchster
Bedeutung für bedrohte Arten, sondern auch was die Erhaltung der Qualität des
Wassers betrifft. Diese Streifen wurden auf 20, oft auch auf 10 m reduziert.
Die Situation verschlimmerte sich mit dem Kulturwechsel durch die betriebliche Verselbständigung (Privatisierung) von Forest Tasmania und die Einführung der regionalen Forstverträge wie der Vision 2020. Die neusten Forstnormen wurden 2000 erlassen. Die Schutzzonen entlang den Flüssen darin für Klasse-4-Flüsse gar von 10 auf 2 Meter reduziert. (wie in British Columbia http://www.fpb.gov.bc.ca/BOARD/Factsheets/streamside.htm)
Forestry Tasmania schlug kahl und pflanzte.
Ich wurde von weiteren Aktivitäten Forest Tasmaniens unterrichtet, die
Zweifel an der Einhaltung der best practice aufwerfen. Quellen aus
der Firma informierten mich darüber, dass die Kader seit der betrieblichen
Verselbständigung Bonuszahlungen erhielten, basierend auf dem Umfang der
geernteten Fläche und der Menge an geernteten Spänen. (Bemerkung des
Übersetzers: Die riesigen und äusserst wertvollen Urwaldriesen werden nicht mal
zu Wertholz verarbeitet, sondern zu Spänen). Wenn sich Gemeinden beklagen über
die Verletzung der Normen passiert nichts. Dies war auch meine Erfahrung, als
ich noch für die Firma arbeitete. Der Holzschlag wird zwar inspiziert, die
Verursacher aber nicht zur Rechenschaft gezogen.
Da ich mit der Industrie und speziell auch mit den Überwachungsgremien gearbeitet habe, ist mein Schluss, dass das der Normenrat nicht von der Forstindustrie unabhängig ist, sonder eher hoffnungslos kompromitiert, dominiert durch Mitglieder aus eben der Industrie, und dass er es verpasst, die Normen durchzusetzen. Statt dessen liefert er das, was sich die Industrie wünscht, das heisst, Ausverkaufskahlschläge von Urwäldern und deren Umwandlungen in Plantagen. Wenn die Absicht der regionalen Forstabkommen war, die verbreitete Zerstörung der Urwälder und ihrer einzigartigen Flora durch eine nachlässige Industrie zu übersehen, dann war dies ein Erfolg. Wenn das Ziel aber war, diese Ressourcen integer und nachhaltig zu nutzen, dann ist dies gründlich misslungen.
Die nächste Sektion läuft unter dem Titel: Eine ökologische Katastrophe.
Die beschleunigte und verantwortungslose Forstindustrie, welche die einem
Ausverkauf gleich kommende Zerstörung unserer Wälder einfach übersieht, tut dies
in vielen Fällen in Wäldern mit einer weltweit einzigartigen Fauna und Flora.
Ungeachtet des enormen biologischen Reichtums vieler Staatswälder sind diese für
Kahlschlag freigegeben. Der leitende Beamte hat sogar Zoologen des Rates dazu
angehalten, ihre Reporte zu Übergriffen zurückzuhalten, so dass die Ernte nicht
gestört wird. 2000 und 2001 habe ich selbst Kontrollen durchgeführt und fand
mehr als 80 Verstösse in 40% der Schläge. 60% der Schläge wurden nicht
kontrolliert, weil es darin keine bedrohten Arten gab.
Dies bringt mich zum Schluss, der Kultur von Seilschaften, Einschüchterung und Täuschung. Die Kultur der Forstindustrie und der Überwachungsorgane ist eine Kultur der Einschüchterung, Täuschung und eines Mangels an Transparenz, eine die jene schlecht macht und ausschliesst, die Ungereimtheiten ans Licht bringen. Es gibt viele Förster die das Richtige tun möchten, aber sich nicht trauen etwas zu unternehmen.
Im Bass und Murchison Distrikt machte ich auf eine unrechtmässig angelegte Plantage aufmerksam, weil sich die Angestellten nicht trauten und mich darum baten. Was mir dann geschah, meine Behandlung durch den Arbeitgeber, muss allen als Warnung dienen, die sich für einen integren Forstdienst einsetzen. Ich wurde eingeschüchtert und belästigt, mit vollem Wissen des Rats und des Sekretärs des Departements für Infrastruktur, Energie und Ressourcen, der für diese Kontrollen zuständig ist. Diese Kultur einer mangelnden Verantwortung und fehlenden Transparenz durchzieht alle höheren Kader.
Ich will nur noch etwas über die Kultur reden, wenn es Ihnen passt. Als ich 1970 anfing gab es keine Spanindustrie und die Holzernte diente der Gewinnung von Stämmen für die Sägereien. als Kind, direkt weg von der Schule, habe ich mit vielen erfahrenen Forstleuten gearbeitet. Die Kurse waren ein bisschen wie Kadettenschulen. Über sechs Jahre hinweg hatten wir Prüfungen an den Schulen. Wir wurden im ganzen Staat herumgeschickt um Erfahrungen aus erster Hand und mit allen Waldtypen zu erwerben, so dass wir später fähig sein sollten, die Konzessionäre und Arbeiter zu instruieren - wissend worüber wir reden. Was sich mir besonders eingeprägt hat ist die Tatsache, dass der Wald ein besonderer Ort war. Er war da für die Menschen, um darin zu arbeiten und für eine dauerhafte Industrie, so lange wir sauber wirtschafteten. Das war der Eindruck den ich damals hatte und immer noch habe.
Das Problem ist heute, dass Förster einen extrem schlechten Namen haben in Tasmanien - zu recht - nicht wegen einer schlechten persönlichen Arbeitsausführung, sondern wegen Anordnungen die sie dazu zwangen und die von oben kamen.
Ich sage, dass Tasmaniens Wälder nachhaltig genutzt werden sollten um sie
auch zukünftigen Generationen zu erhalten. Wenn Sie diese Wälder kahl schlagen
und durch Plantagen ersetzen, wird es zukünftigen Generationen unmöglich sein,
sich ein Bild zu machen und zu urteilen, da diese Wälder dann weg sind. Wenn Sie
andererseits Ihre Entscheidung fällen auf Grund der besten
Bewirtschaftungsmethode - nicht auf Grund des Wunsches, 1000 acres an Plantagen
anzulegen - identifizieren Sie diejenigen Flächen, die sich nur schwer
bewirtschaften lassen, schlagen sie kahl und forsten sie auf. Aber sie sagen
nicht, sie werden alles Kahlschlagen. Die dazu notwendigen Kenntnisse gingen
vielfach verloren durch die Art, wie Forstwirtschaft heute betrieben wird. Viele
junge Menschen, seien sie Förster, Fäller oder was immer, kennen nur noch den
Kahlschlag. Sie haben es nicht gelernt, reife Bäume für die Produktion von
Saatgut zu halten, Jungwuchs zu schützen, Bäume im Bestand zu fällen und ohne
Schaden für die verbleibenden herauszuholen. Sie haben nur die totale Ernte
gelernt. Viele Kenntnisse gingen auch verloren durch die rasche Ausdehnung von
Plantagen. Dies ist wirklich traurig, denn in meinen Augen sollte die
Waldwirtschaft nachhaltig und mt Nutzen für Jedermann betrieben werden.
Diese Leute kommen in die Situation, dass sie z.B. nicht mehr gewohnt sind grosse Bäume stehen zu lassen, um sie in sagen wir 10 oder 20 Jahren als Sagholz zu ernten. Die Industrie setzt sie einem derartigen Druck aus, schnell grosse Mengen zu ernten - und von hier kommt die Gefahr.
Zusammengefasst und übersetzt von M. Herzog, Dipl. Forsting. ETH. Aehnlichkeiten mit bekannten Organisationen und Personen in der Schweiz ist rein zufällig und nicht beabsichtigt ... aber doch einigermassen frappant.
Rheinfelden, 18. Dezember 2003
Eine guten Überblick über die historische Entwicklung der Forstwirtschaft Tasmaniens sowie eine Beschreibung, wie diese laut Gesetz aussehen sollte, bietet Martin Magnes: Forstwirtschaft in Tasmanien.
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Einschub 4. Oktober 2004:
In der Zwischenzeit spitzt sich die Lage für die Regierung zu.
Premierminister Howard sicht sich gezwungen, Multimillionen an Abfindungen für
einen Verlust an 9 Milliarden Umsatz an die Holzindustrie auszurichten, da der
Kahlschlag von Urwäldern zur Schnitzelproduktion, sowie der Kahlschlag zur
Errichtung von Holzplantagen, politisch nicht mehr tragbar ist (2/3 der
Australier sagen aus, dass Umwelt für sie ein wichtiges Kriterium bei
Abstimmungen ist!). Jedes Jahr werden 20'000 ha kahl geschlagen. In den letzten
7 Jahren wurden 80'000 ha Urwald in Plantagen umgewandelt. Ohne Rückbau der
Lizenzen würden Tasmanien sonst nur noch 13% seiner Urwälder verbleiben.
Zusätzlich kommt die tasmanische Forstwirtschaft noch in Verruf, weil sie Flüsse und Grundwasser durch Pestizide vergiftet (Attrazin z.B.)
Korrektur 11. Oktober 2004:
Howard wurde gewählt. Die oben erwähnte Strategie Mark Lathams von der Labor-Partei ging nicht auf. Die Tasmanier wählten Howard, der ihnen ebenfalls den Schutz von Wäldern versprochen hatte ... allerdings den Schutz der Wälder, die gar nie für Rodung vorgesehen waren.
Er gewann die Wahlen, ähnlich wie Bush und die SVP, dadurch, dass eine wenig kritische dafür um so freundlichere Presse seine Lügen und Betrügereien verbreitete. Die neoliberale Regierung Australiens fördert Privatschulen mit Millionen, während die Staatsschulen um Bücher betteln. Bei den Wahlen 2001 inszenierte er ein Medienevent um die Bootsflüchtlinge, verbot den Asylbewerbern die Landung und wurde als mutiger Verteidiger australischer Eigeninteressen wieder gewählt.
Diesmal warnte er, dass unter einer Labor-Regierung die Zinsen steigen würden. Da Australien die weltweit höchste Rate an Wohneigentum, sowie eine extrem hohe private Verschuldung hat, wäre das für viele Hauseigentümer fatal. Allerdings hat 1. die Regierungsform nichts mit den Zinsen zu tun, denn in Australien, wie in den meisten Ländern, ist die Nationalbank unabhängig. 2. bedeuten höhere Zinsen nicht nur höhere Kosten für Kreditnehmer. Zinsen sind ein janusgesichtiges Optimierungsproblem. Wir wünschen uns höhere Zinsen für die Rentner - wir wünschen uns tiefe Zinsen für die Unternehmer, die investieren und neues schaffen wollen. Höhere Zinsen sind notwendig, wenn Inflation droht, also zu viel Geld im Umlauf ist, das so abgeschöpft wird. Hohe Zinsen können aber auch Zeichen einer florierenden Wirtschaft sein, die sich hohe Zinsen leisten kann, ohne die Konjunktur abzuwürgen. Zinsen erhöhen den Anteil des Kapitals am Mehrwert - folglich hätten die Stimmbürger Labour wählen müssen, da Labour offensichtlich die Wirtschaft noch mehr in Schwung gebracht hätte.
Tasmanien lehrt uns also nicht bloss, dass Weltmarktpreise als Orientierung nichts taugen, sondern bestätigt, was wir aus den USA bereits gelernt haben: Politik und Wahrheit sind auf Scheidungskurs - dank Medien, die immer mehr ideologisch und propagandistisch arbeiten, statt die Bevölkerung mit kritisch geprüften Informationen zu versorgen. Da Lügen aber bekanntermassen kurze Beine haben, wird eine derartige Politik nicht sehr weit kommen.
Was die zunehmende Fehlleitung der Massen durch die Presse betrifft, so ist das Mittel zur Korrektur vorhanden. Hier ist ein breites Feld offen für Internetjournalismus und wirklich freie Meinungsbildung, die sich nicht nach Mehrheiten richten muss, sondern sich nach Wahrheit und Optimierung richten kann (- natürlich genau so gut nach irgend einer abstrusen Sektenmeinung. Da besteht ein Problem, das vorerst noch ungelöst ist).
Ergänzung vom 16.4.05:
Der Holzgigant Gunns, der 85 % der Tasmanischen Holzindustrie kontrolliert, schiesst scharf auf Kritiker. 20 Einzelpersonen und Umweltgruppen (die Grünen Australiens z.B.) werden auf 5.8 Millionen Fr. Schadenersatz verklagt, da sie Rodungen behindert haben. Hier soll Meinungsfreiheit der Wirtschaftlichkeit untergeordnet werden, kritische Stimmen zum schweigen gebracht werden. Wie weit die Regierung mit der Holzindustrie verfilzt ist, zeigt obiger Report. Es fehlt also bereits an objektiver, neutraler Kontrolle durch den Staat. Nun sollen auch noch die privaten Verbände mundtot gemacht werden, die sich für die Rettung der Urwälder Tasmaniens einsetzen. Kommt die Klage durch, sind viele der Aktivisten ruiniert - und die Meinungsfreiheit in Tasmanien eine Farce.
Dass hier eine Firma 85% Tasmaniens beerntet, wo sie nie gesät hat und nur selten pflanzt (und wenn, dann in Plantagen), zeigt das Problem des Weltmarktpreises. Die Firma kann Holz zu Tiefstpreisen anbieten, da sie auf jegliche Pflegekosten verzichten kann. Ihr Preis besteht aus Erntekosten + Gewinn (+ Gerichtskosten etc.) - kommt aber ohne Aufwand für Waldpflege aus. Dieses Holz kommt legal auf den Markt und beeinflusst die Holzpreise in der Schweiz, auch wenn kein einziger Schnipsel in die Schweiz kommt, da der Weltmarktpreis als Orientierung dient. Die verbissene Verhinderung der Verwendung von Tropenholz und illegalem Holz in der Schweiz ist Schattenboxen, denn der Schaden entsteht nicht durch die paar Bretter die vielleicht in die Schweiz gelangen, sondern der Schaden geschieht durch die Dumpingpreise auf dem Weltmarkt, die durch "legale", aber zerstörerische Praktiken der Waldbewirtschaftung möglich sind.
Der Schaden ist nicht nur ökologischer Art. Auch wirtschaftlich wird die Gesellschaft Tasmaniens über den Tisch gezogen. Die Finanzexpertin Naomi Edwards zeigte, dass durch den Kahlschlag von 17'000 ha öffentlichen Waldes Forestry Tasmania nur 3 Millionen verdiente, der Holzerntegigant Gunns aber 104 Millionen. Die Privaten profitieren, die Öffentlichkeit als Eigentümer wird über den Tisch gezogen. [ http://www.echo.net.au/archives/20_12/pdf/p13.pdf ]
Martin Herzog, Basel, 16.4.05