Themen des WAP-Prozesses

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Es soll eine Waldpolitik formuliert werden, welche (ganz im Sinne der A21) die sozialen, ökologischen und ökonomischen Ansprüche an den Wald erkennt und berücksichtigt. Interessenvertreter des Waldsektors und Vertreter anderer relevanter Sektoren arbeiten gemeinsam an der Erfüllung dieser Aufgabe.
Das Waldprogramm Schweiz ist ein politisches Handlungsprogramm. Darin sind langfristige Visionen über den gewünschten Zustand des Waldes, davon abgeleitete quantifizierte Ziele für das Jahr 2015, die Strategie zur Zielerreichung und die dafür notwendigen Massnahmen und Instrumente festgehalten.

 

Waldfläche und Waldverteilung:
Zustand: Insgesamt ist die Schweiz heute auf 30% ihrer Fläche bewaldet. Seit 1855 ist sie deutlich grösser geworden - dank einer strikten Walderhaltungspolitik.
Gemäss Landesforstinventar 2 betrug 1995 die gesamte Waldfläche (inkl. Gebüschwald) 12 340 km2. Das sind 476 km2 oder 4% mehr als 1985. Die Zunahme der Waldfläche erfolgte nicht gleichmässig: Markant war sie im Alpenraum, wo sich der Wald heute in die landwirtschaftlichen Grenzertragsflächen ausbreitet, die nicht mehr gemäht oder beweidet werden. Im Mittelland dagegen steht die Waldfläche nach wie vor unter grossem Druck.
Ziele: Die heutige Walderhaltungspolitik muss zu einer Waldflächenpolitik erweitert werden, darunter ist die regional erwünschte Menge und Verteilung des Waldes zu verstehen. Die Waldfläche soll nicht verkleinert werden. Die räumliche Verteilung des Waldes soll mit der Raumplanung verknüpft werden und inhaltlich der grossen kulturellen Vielfalt der Schweiz Rechnung tragen. Die Vernetzung von Lebensräumen soll an Bedeutung gewinnen. Wald-, Landwirtschafts-, Landschafts- und Naturschutzpolitik müssen stärker aufeinander abgestimmt werden.
Die zukünftige Rodungspolitik soll mehr auf einer gesamtschweizerischen Sicht basieren, als auf der Einzelbeurteilung von Rodungsfällen.
Es soll auch ausserhalb der Bauzone die Möglichkeit geschaffen werden, dass die Kantone, auf freiwilliger Basis, Waldkataster einführen können.
Diskussion über Waldverteilungsmuster, zusätzlich Flächen, Landwirtschafts- und Raumordnungspolitik ist nötig und wird begrüsst - aber es besteht kein Konsens zu Massnahmen.
http://www.waldprogramm.ch/struktur/waldflaeche.shtml

Soziökonomische Funktionen
30% unserer Landesfläche ist mit Wald bedeckt. Dem Wald fallen unterschiedlichste Leistungen und Funktionen zu, wie beispielsweise die Schutzfunktion, Wohlfahrt, Erholung, der Wald als Rohstofflieferant für andere Branchen, etc. Es kann uns also nicht gleichgültig sein, wie sich die Waldwirtschaft in der Schweiz entwickelt.
Der Schwerpunkt Sozioökonomische Funktionen des Waldes ist in drei Arbeitsgruppen unterteilt:
Wirtschaftlichkeit und Forstbetriebe: Rein zahlenmässig ist die Waldwirtschaft eine unbedeutende Branche, nicht aber, was die Wirkung betrifft. Immerhin sind 27% der Schweiz mit Wald bedeckt. 73% des Schweizer Waldes sind Eigentum von rund 3000 öffentlichen Körperschaften. Die restlichen 27% der Waldfläche verteilen sich auf rund 245 000 private Waldbesitzer. Seit 1980 sind die Einnahmen aus den Holzerlösen zurückgegangen. Parallel dazu stiegen die Subventionen - und ebenso die Defizite der Forstbetriebe. Im Gegensatz zu den 80er-Jahren weist die Holzproduktionsbilanz seither Verluste pro Kubikmeter aufgerüstetes Holz aus. Der äussere wirtschaftliche Druck zwingt die Forstbetriebe zu Strukturanpassungen. Andererseits weisen die Forstbetriebe und Waldeigentümer immer mehr darauf hin, dass sie vermehrt öffentliche Leistungen erstellen, die keine Entschädigung finden.
Frage: Welche Strukturen sind notwendig, damit öffentliche wie private Güter optimal vermarktet werden können.
Arbeitsgruppe Erholung: Als Teilgruppe der sozioökonomischen Funktionen erarbeitet die Arbeitsgruppe Erholung die Frage, wie stark der Erholungswald in der Schweiz bis zum Jahr 2015 bewirtschaftet werden soll. Wo zeigen sich die Chancen und wo die Grenzen einer Erholungsbewirtschaftung. In gewissen Wäldern besteht heute ein hoher Erholungsdruck, welcher sich in Konflikten unter Erholungssuchenden und zu anderen Waldfunktionen hin manifestiert.
Arbeitsgruppe Bildung: Strukturveränderungen in der Forstbranche gehen mit politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen einher. Die nachhaltige Nutzung des Waldes verlangt nach forstlich, planerisch und in Bezug auf Arbeitssicherheit bestens ausgebildeten Berufsleuten. Die Bildungspolitik muss ein modernes Aus- und Weiterbildungssystem ermöglichen.
In der Arbeitsgruppe Bildung werden folgende Punkte behandelt:

  • Ausrichten der Berufsbildung auf die nationalen und internationalen Rahmenbedingungen.
  • Entwicklung und Ansprüche an die forstlichen Berufe der Zukunft.
  • Bedarf an forstlichem Personal.

Waldschutz

Zustand: Waldkatastrophen und Folgeschäden nehmen zu. Die Belastung mit kritischen Schadstoffen wird für Stickstoff bei 90% der Flächen überschritten, für Säuren bei rund 60%. Derr Anteil an Bäumen mit Kronenverlichtung über 25% liegt heute bei17%. Er steigt zwar nur langsam und zyklisch, aber stetig.
Ziele: Es besteht ein Konsens darüber, dass zur Senkung der Luft- und Bodenbelastung die Emissionen gesenkt werden müssen, aber auch dass dies mit waldpolitischen Massnahmen nicht erreicht werden kann. Das Thema Schutz des Waldes hat heute Schwierigkeiten, bei Politikern und Bevölkerung auf Interesse zu stossen, da die Meldungen zum Untergang des Waldes (Waldsterben) sich als ziemlich übertrieben erwiesen haben.
Diskussionspunkte: Wald-Wild-Problematik / Schadorganismen / Boden-Luft / Emissionszertifikate [CO2]

 

3 Schutzwald:
Zustand: Die Notwendigkeit des Schutzwaldes wird anerkannt, die Notwendigkeit der Schutzwaldpflege jedoch nicht unbedingt. Einige Organisationen setzen auf das Selbstregulierungspotential.
Tatsache ist, dass sich die Stabilität der Wälder in Hochlagen verschlechtert hat, da sie zu wenig verjüngt werden. 50% der Gesamtwaldfläche haben heute eine verminderte bis kritische Stabilität, verursacht vor allem durch die Auflösung des Bestandesgefüges durch den Lawinenwinter 99, Lothar, u.a.. Da die Schutzwaldpflege in den meisten Fällen defizitär ist, wird sie von vielen Eigentümern unterlassen. Hier sind finanziell tragbare Lösungen zu suchen. (s. Effor 2)
In der Schweiz stehen rund 130 000 Gebäude unter dem Schutz der Bergwälder. Dazu kommt ein Strassen- und Bahnnetz von mehreren hundert Kilometern. Der Schutzwald macht Menschen sicherer. Und schafft Arbeitsplätze. Ohne Schutzwald gäbe es in den Alpen keinen Lebensraum. Intakte Gebirgswälder schützen Siedlungen, Infrastrukturbauten und Verkehrswege vor Naturgefahren wie Lawinen, Steinschlag und Erdrutschen.
Ziel: Ein intakter Gebirgswald dient aber nicht nur dem Schutz vor den Auswirkungen von Naturkatastrophen. Er ist für die Regionalwirtschaft von grosser wirtschaftlicher Bedeutung - schafft er doch mehrere zehntausend Arbeitsplätze in der Forstwirtschaft und im Holz verarbeitenden Gewerbe. Weite Teile des Berggebietes währen ohne Schutzwald unbewohnbar - und somit auch dem volkswirtschaftlich bedeutsamen Tourismus und der landwirtschaftlichen Nutzung verschlossen. Der Bergwald prägt die Landschaft auf unverkennbare Art und Weise.
Diskussionspunkte: Abgeltung immaterieller Leistungen wie Schutz und Erholung, spez. auch für Privatwaldbesitzer.
Chance für Forstwirtschaft: Aufklärung über Notwendigkeit der Pflege, Sinn und Zweck des Waldbaus generell.

5 Holznutzung

Würde das Holz in der Schweiz mehr genutzt, hätten wir jüngere Bäume und höhere Erträge.
Zustand: Die Wälder werden immer älter und vorratsreicher. Im Schweizer Wald wachsen jährlich rund 10 Millionen Kubikmeter Holz nach. Gefällt werden aber nur 7 Millionen. Ein Teil davon bleibt als Ernteverlust im Wald liegen, sodass schliesslich knapp 5 Millionen Kubikmeter Holz auf den Markt gelangen. Die Forstbetriebe melden eine sinkende Rentabilität, weil zwar die Erntekosten steigen, nicht aber der Holzpreis. Fegen dann noch Orkane wie "Lothar" (1999) durch den Wald, verursachen sie eine Holzschwemme, unter der die Preise zusätzlich leiden.
Schwierig abzusetzen ist insbesondere das "Starkholz" mit mehr als 50 cm Durchmesser, das die hiesigen Sägereien technisch kaum mehr zu verarbeiten in der Lage sind. Weil zu wenig Altbestände verjüngt werden, ist auch der Jungwaldanteil im Schweizer Wald zu gering. Dabei ist der Bestandesaufbau ein wichtiger Faktor für die Stabilität des Waldes.
Ziel: Bis im Jahr 2015 sollte das Gleichgewicht zwischen Zuwachs und Nutzung wieder hergestellt sein. Längerfristig gilt es, den Holzbedarf der Schweiz möglichst mit Schweizerholz zu decken.

 

4 Artenvielfalt

Zustand: Der Wald beherbergt 50% aller Tier- und Pflanzenarten der Schweiz. Die Waldreservatspolitik wurde positiv von Forstwirtschaft aufgenommen. Aktionen der Forstwirtschaft und fachliche Kompetenz werden weitgehend anerkannt. Der in der Schweiz gepflegte kleinräumige und naturnahe Waldbau ist international einzigartig! Dafür sind die Flächen an Waldreservaten noch eher gering. Nicht erschlossene Waldflächen 12%. (z.Z. 1.1%. Ziel: 10%, die Hälfte davon als Totalreservat, also ohne menschliche Eingriffe).
Ziele: Lebensraum für Grossraubtiere wie Luchs, Wolf, Bär / Vernetzung ökologischer Flächen / Waldrandpolitik …
Diskussionspunkte: Dynamische Bewirtschaftung zur Erhaltung der Artenvielfalt nötig / kein Konsens bezgl. Waldränder / Schutz genetischer Ressourcen / Anteil Alt- und Totholz …

 

Das Waldprogramm wird in einem partizipativen Prozess ausgearbeitet, d.h., die Interessenvertreter des Waldsektors und Vertreter anderer relevanter Sektoren arbeiten aktiv im Prozess mit. Das Waldprogramm bildet die Grundlage für die zukünftige Ausrichtung der Waldpolitik des Bundes, für die Ausarbeitung einer Botschaft an den Bundesrat mit Empfehlungen für eine Waldgesetzrevision und für den Länderbericht zuhanden der internationalen Foren.
Zur Zeit werden die oben dargestellten Themenkreise in Arbeitsgruppen behandelt.

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