Neo-Neo-LIBERALISMUS UND sein faschistoider FREIHEITsbegriff. Vom politischen zum wirtschaftlichen - und über den Ordo-Neoliberalismus zum Wirtschaftseliten-NeoNeoLiberalismus. Klärt die Begriffe um Liberalismus und vor allem die irrige Vorstellung, dass dieser, in seiner Form als Neo- oder Wirtschaftsliberalismus, irgend etwas mit Freiheit oder gar Gerechtigkeit zu tun habe.
8 Thesen für eine zukunftsfähige Waldwirtschaft fordert die Aufhebung der Planungspflicht für Forstbetriebe, einen Stellenabbau (mit Sozialplänen) und präsentiert eine sehr kurzsichtige Strategie zur Bewirtschaftung des Waldes. Statt einer zwar wenig rentablen, aber verlässlichen Bewirtschaftung, das auf die speziellen Bedingungen des langfristigen Waldwachstums Rücksicht nimmt, soll die Bewirtschaftung an ein kurzfristig und primär an den Interessen der Produktionskette orientiertes Management übergeben werden.
Wirtschaftsliberales Halali gibt Waldgesinnung zum Abschuss frei kritisiert die Forderung nach einer gesinnungslosen Wirtschaft, die den Wald industrialisieren will. Es finden sich hier NeoNeoLiberale Perlen die zum Hallali auf die Waldgesinnung blasen, weil z.B. eine pflegliche Nutzung, welche die Bestände schont, eine wirtschaftsschädigende Beschränkung darstellt.
Neo - (abernichtwirklich)liberale Strategien zur Rettung des Waldes kommentiert das Konzept der Berner Kantonsforstverwaltung, Die Waldwirtschaft soll privatisiert, zu Gunsten der Eigentümer von jeglicher staatlicher Aufsicht befreit werden (wobei die Helden der Wirtschaftsfreiheit allerdings vergessen, dass 72% des Schweizer Waldes in öffentlicher Hand sind und Zustände wie in Skandinavien, Kanada, USA oder Neuseeland dem Volk wenig Freude bereiten werden. Interessant ist auch der mehrfache Hinweis auf notwendige harte Top-Down-Entscheide, also eine klare Übernahme des neoliberal-elitären Gehabes. (Erklärungen zu Elite).
Einige forstliche Kader, bis anhin Staatsbeamte, scheinen hier eine neue Affinität zum Kapital zu entwickeln. Zu verwundern mag dies wenig, waren sie doch von jeher dem treuen Vollzug von Vorschriften verpflichtet, also eher Diener von Herrschaften als Ingenieure und Entwickler eigener Produkte. (s. Wald oder Forst? Mehr als eine Frage der Terminologie.) Denjenigen die nach dem neoliberalen Motto vorgehen: Eigentlich egal was ich tue - Hauptsache es ist gut bezahlt, werden sich rasch an die neue Herrschaft des Kapitals gewöhnen. Es fragt sich allerdings, wie gut das dem Wald, dem Rest der Umwelt (als Forstingenieur bin ich halt etwas sylvizentrisch ...) und der Gesellschaft bekommt.
Wenn Denkfehler zum System werden ... Neoliberalismus? Bitte spülen! zeigt das Problem des neoliberalen Paradoxons: Je mehr Wettbewerb und Individualismus, je weniger Kooperation und Planung, desto höher die Überproduktion und desto tiefer die Gewinnmargen, desto monopolistischer das Endresultat des Wettbewerbs. Das neoliberale Modell erledigt sich gerade selbst, belastet aber den Staat mit den Kosten für die Zerstörung. Der Effekt lässt sich leicht durchmodellieren anhand der geplanten Grossägerei: 1 Million Festmeter pro Jahr, 20% günstiger, also Weltmarktpreis. Einkauf: 1 Million Festmeter - also ein prächtiger Rabatt fällig, also noch tiefere Einkünfte für die Produzenten. Arbeitsmarkt: 400 neue Arbeitsplätze - 200 Kleinsägereien mit 2000 Arbeitsplätzen bankrott. Regionale Holzwirtschaft adée - Holztransport juhee.
Die Liberalisierung rettet den Wald aus der Not …zumindest den, der sich mechanisch bewirtschaften lässt. Die Waldwirtschaft macht, wie jede andere Wirtschaft, das, wofür sie bezahlt wird. Die freie Wahl des Eigentümers nach Preisen könnte also den Status quo noch verschärfen: Produktive Wälder werden noch intensiver genutzt, was heisst: mehr Eintönigkeit - mehr Maschinen - Kahlschlag. Unproduktive Wälder werden zu Reservaten erklärt, d.h. man macht nichts – und lässt sich dafür noch bezahlen. (Waldränder und Biotope sind hier nicht gemeint, denn die bleiben nur durch dauernde Pflege in dem gewünschten Zustand, was aber offenbar manche Naturschützer noch nicht begriffen haben, obwohl sie ihre Biotope mit Inbrunst pflegen.)
Liberalismus lässt sich dort erfolgreich einsetzen, wo es keine Rolle spielt, wer, was, wo und wie produziert. Diese Bedingungen treffen beim Wald eindeutig nicht zu, denn es gibt keinen Wald ohne Holz. Steile oder anderweitig wenig produktive oder aufwändig zu nutzende Wälder lassen sich, ganz ähnlich wie die Landwirtschaft, nicht einfach extensivieren.
Zudem braucht die Waldbewirtschaftung eine verantwortliche, verlässliche, lokal gut verankerte Organisation die auch fachlich qualifiziert ist, langfristig Bestand hat, langfristig planen kann. Diese muss nicht unbedingt staatlich sein – dürfen sich aber nicht alleine nach Profitoptimierung richten, sondern sollten im Konsensverfahren multifaktoriel optimieren.
Martin Herzog, Dipl. Forsting. ETH, Rheinfelden, 4.4.03