Warum sind Rohstoffpreise vorgestern so tief? (2003) - und gestern (2008) so hoch - und heute (Okt. 08) gleich wieder so tief?

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Das Nordamerikanische Modell profitabler Waldwirtschaft

Von Plünderung der Naturwälder zur industriellen Holzplantage

Nach: Roger A. Sedio: The Forest Sector: Important Innovations. Discussion Paper 97-42. August 1997. Resources for theFuture http://www.rff.org/CFDOCS/disc_papers/PDF_files/9742.pdf

Nordamerika liefert über ein Drittel des weltweiten Holzbedarfs. Die USA und Kanada haben damit einen beträchtlichen Einfluss auf die Holzpreise am Weltmarkt. Da die weit herum geteilte Meinung herrscht, dass der Markt die Preise bestimme und die Preise den Absatz, müssen wir uns also genauer ansehen, wie diese Preise entstehen.

Geschichte der Waldbewirtschaftung in den USA

Holz war während Jahrtausenden ein wichtiges Konstruktionsmaterial. Bereits  vor 4600 Jahren wurden Zedern aus dem Libanon nach Ägypten verschifft. Die Beschaffung von Zedernsetzlingen ist sogar ein dominantes Element der ältesten geschriebenen Saga der Welt, des Gilgamesch Epos.

Im kolonialen Amerika waren Wälder ein Hindernis für die Besiedlung, für die Landwirtschaft. Oft wurde gerodet und das Holz verbrannt, um Platz zu schaffen - genau wie heute in manchen Tropenländern. Dazu wurden die Bäume oft nicht gefällt, sondern geringelt oder abekokelt, wie heute noch z.B. in Somaliland. Sägereien entstanden damals vor allem entlang den Transportwegen, also Flüssen, Eisenbahnen und Strassen

Die Wälder der Seenstaaten waren bereits zu Beginn des 20n JH weitgehend geplündert. Zwischen 1880 und dem Ende des 1. Weltkrieges erlitten die Föhrenwälder in Florida, Georgia, Alabama, Mississippi, Louisiana, Arkansas und Osttexas das gleiche Schicksal.

In der Zwischenkriegszeit wurde etwas aufgeforstet (Arbeitslosenprogramme), aber zu Ende des 2. Weltkriegs wurden die Urwälder des Pazifischen Nordwesten zum weltweit bedeutendsten Holzlieferanten. Die Motorsäge beschleunigte den Vorgang massiv.

Im Süden begann ein zweiter Erntezyklus in Wäldern, die auf verlassenem Landwirtschaftsland entstanden waren und nun bereits zur Reife gelangten.

Die Situation weltweit

In Kanada, Russland, Indonesien und Malaysia, sowie Teilen des Amazonas, werden immer noch Wälder genutzt, die alleine von der Natur geschaffen wurden *. In den USA sind diese Vorräte seit 20 Jahren kaum mehr zugänglich. So stammt immer mehr Holz aus Aufforstungen und Plantagen. Der Weg, getrieben durch finanzielle Überlegungen, führt zu eher landwirtschaftlicher Produktion. Nachdem jedoch die Wälder der USA weitgehend geplündert waren, wurde Indonesien in den Siebzigern zum wichtigsten Lieferanten von Tropenholz, Kanada zum grössten Holzproduzenten generell und Russland für die planwirtschaftlich organisierten Länder.

Weltweit gibt es heute eigentlich nur noch wenige Wälder deren Nutzung gefördert werden kann. Es handelt sich dabei vor allem um Russland, den Westen und Osten Kanadas. Urwälder liefern das meiste Holz!!! Diese finden sich vor allem noch in Sibirien und Russlands fernem Osten wie auch in Kanadas Norden. All diese Wälder sind aber nur unter beträchtlichem Aufwand zu erschliessen.

Der Tropenwald trägt verhältnismässig wenig zur weltweiten Holzversorgung bei (< 25%). Die grössten Reserven finden sich im Amazonas. Dass diese Waldbestände aber über eine grosse Vielfalt verfügen, ist für die Natur ein Plus, für die Holzindustrie jedoch eine Mühsal ist. Man sieht hier, wie am Beispiel der Malbouffe und der Kulturindustrie von Holly-Bolly-Cairo-wood, dass Wirtschaftlichkeit der Vielfalt offensichtlich schadet.

Holz und Fische sind bis anhin die ersten Naturprodukte, die knapper werden - was sich seltsamerweise noch kaum in den Preisen ausdrückt - was wiederum logisch ist, da die Preise hier nicht durch die Knappheit der Güter, sondern durch den Zwang der Amortisation bereits vorhandener Überkapazitäten bestimmt werden.

Bis 1950 fand eine leichte Preissteigerung statt. Diese verschwand aber zwischen 1950 und 1970. Seit 1992 ist die Tendenz eher wieder steigend.

Definition old growth forests: Alte Wälder, erntereife Naturwälder und dergleichen sind etwas gesuchte Umschreibungen des amerikanischen Begriffs old growth forests. Urwald wäre eine etwas zu strenge Definition, obwohl der Begriff der Sache manchmal nahe kommt. Taiga Rescue Network definiert old growth forests als:

Bestände die durch natürliche Verjüngung entstanden sind, einen beträchtlichen Anteil alter Bäume und Totholz enthalten und oft eine ungleichaltrige Struktur aufweisen.

Natürliche "alte Wälder" repräsentieren ein Klimax- oder zumindest spätes Entwicklungsstadium mit wenig oder keinem menschlichem Einfluss. Alte Naturwälder sind Biotope für viele bedrohte Arten, besonders Moose, Flechten, Pilze und Wirbellose (besonders Käfer). Einige der heutigen alten Naturwälder stehen unter menschlichem Einfluss, behielten aber dennoch viele der Charakteristiken eines Urwalds.

www.forest.ru/eng/old-growth/definitions.html

Augeschlossen sind Wälder mit:

  • Kahlschlag oder intensiver Durchforstung
  • Bewirtschaftung durch Feuer
  • intensiver Anwendung von Pestiziden, Herbiziden und Dünger
  •  schwerer Verschmutzung
  • Umwandlung
  • intensive Erholungsnutzung etc.

www.forest.ru/eng/old-growth/

Produktionssteigerung durch Mechanisierung

Die wichtigste Innovation, welche die Waldarbeit nach dem 2. Weltkrieg enorm erleichtert und beschleunigt hat, war die Motorsäge. Da allerdings in den Städten noch weitaus weniger anstrengende und dafür besser bezahlte Arbeit zu finden war, gab es immer weniger Arbeiter die gewillt waren, das harte Leben in Holzercamps zu erdulden. Auch der Niedergang der kleinen Landwirte reduzierte die Verfügbarkeit billiger Arbeitskräfte, die speziell im Winter zur Verfügung gestanden hatten. Derartige Arbeitskräfte sind immer günstiger, da sie selbständig, also auf eigenes Risiko, arbeiten (ein Vorteil, der heute auch im Dienstleistungsbereich - durch Outsourcing - immer stärker genutzt wird). Dies gab mit den Anreiz zur Erfindung arbeitssparender Maschinen. Arbeit wurde somit immer mehr durch Kapital ersetzt. Die Schwedische Firma Stora Skog konnte die Zahl ihrer Angestellten in 40 Jahren von 20'000 auf 1200 reduzieren.

Mechanische Fällgeräte sind dort effizient einzusetzen, wo das Gelände flach und die Bäume von ähnlichem, nicht zu starkem, Durchmesser sind. In steileren Lagen kommt der Seilkran zum Einsatz. Die zwei wichtigsten Geräte sind der Ernteprozessor und der Forwarder. Der Prozessor greift den Baum, fällt, entastet, sägt ihn in Stücke und stapelt diese. Der Forwarder transportiert die Stammabschnitte (Trämel) vom Fällort zur Strasse oder zum nahegelegenen Lagerplatz.

Jede dieser Maschinen kostet zwar einige hunderttausend Dollar, kann aber durch einen einzigen Fahrer bedient werden, dessen Trainingsprogramm ca. 15'000 $ kostet. Die Vermutung, dass Billigproduzenten die den Weltmarktpreis bestimmen, nicht mehr Waldbau mit Fachleuten betreiben sondern nur noch Holzernte mit Maschinisten, erweist sich als richtig.

Es werden im Prinzip die selben Maschinen für die Ernte wie für Durchforstung benutzt. Viele Schweizer Forstleute haben Vorbehalte gegenüber diesen schweren Erntemaschinen, da sie den Boden verdichten und den Wurzeln beträchtlichen Schaden zufügen können. Durch grosse Räder wird zwar versucht, den Druck auf den Boden, und damit die Bodenschäden so weit als möglich zu vermindern. Die im Wald verbleibenden Äste bilden zudem eine Schutzdecke für den Boden - ein weiteres Argument gegen das Aufräumen im Wald. Dass sich der Text hier selbst widerspricht, zeigt vielleicht doch, dass etwas Vorsicht geboten ist. Auf Seite 19 wird argumentiert, dass im Norden die Ernte auf die Wintermonate beschränkt sei, und somit Schäden durch den Frost verhindert werden. Auf Seite 19 jedoch steht: In Skandinavien basiert(e) die Ernte auf Jahresplänen, hatte sich also nicht den ändernden Marktbedingungen anzupassen und die teuren Maschinen stunden so kaum still. Zudem werden ja die selben Maschinen im Sommer zu Pflegearbeiten verwendet - also taugt das Argument mit dem Einsatz im Winter nicht und man fragt sich, warum es hier steht. Man beachte auch, dass der Erfolg der Skandinavier hier auf Planung, und gerade nicht auf Markt und just-in-time/supply chain/blablaetc zurückgeführt wird!

Die temperierten und borealen Bergwälder wie im Pazifischen Nordwesten können, wegen ihrer Steilheit und Zergliederung, nur unter sehr hohen Kosten genutzt werden. Das grosse Volumen, wie auch die Qualität der Stämme, kann die Nutzung dennoch rentabel machen. Der notwendige Strassenbau benötigt jedoch meist hohe Investitionen.

Weil die leicht zu erschliessenden Wälder der USA zumeist bereits ausgebeutet wurden, steigen dort heute die Erntekosten, trotz erhöhter Produktivität durch technologische Innovationen und das Ersetzen von Arbeitskräften durch Maschinen, also von Arbeit durch Kapital!
 


Von Aufforstungen zur Plantage und Fiber-Farm

Die Holzproduktion kann erhöht werden durch:

Aufforstungen haben trotz Kosten auch einige Vorteile, so lassen sich die produktivsten Arten auslesen (oft auch genetisch veränderte) und der  der Standort kann  nach Zugänglichkeit zu Sägen und zum Markt optimiert werden.

Viele der ursprünglichen Aufforstungen in Nordamerika dienten dem Schutz vor Hochwasser, Erosion und Lawinen. Nach 1960 begann man jedoch auch in den USA, die Holzschläge wieder mit den erwünschten Baumarten aufzuforsten, da sich durch die natürliche Ansahmung und Sukzession oft weniger wertvolle Baumarten verbreitet hatten.

Holz aus Naturwäldern wird immer knapper, zugleich wird die Ernte durch Naturschutzauflagen immer mehr eingeschränkt. Die wenigen noch verbleibenden Urwälder sind zudem oft nur schwer zugänglich, was die Ernte verteuert, da sie Strassenbau, Seilkran- oder gar Helikoptereinsatz nötig macht.  Da also einige US-Firmen bereits eine Verknappung des Angebots an Zellstoff erwarten, investieren sie bereits in Programme zur "Verbesserung" der Eigenschaften von Bäumen und Holz. Unter Verbesserung wird ein höherer Zuwachs, die Resistenz gegen Krankheiten und Schädlinge sowie eine verwertungsoptimale Baumform und Qualität der Fasern verstanden.

Fiber-Farms

Die Studie schliesst auf eine starke Zunahme von Aufforstungen und Plantagen < intense forestry > mit stark intensiviertem Management und eher landwirtschaftlichen Produktionsmethoden, inklusive Genmanipulation.

Für solche Verbesserungen wird bereits DNA-Analyse, in-vitro Klonung, genetische Manipulation und Hybridisierung eingesetzt. Die Produkte erzielen bereits bis zu 50m3/ha und Jahr und die Rotationszeit konnte auf 6-7 Jahre gesenkt werden, bei Einsatz einer Kombination von Tröpfchenbewässerung mit Düngung sogar auf 5 Jahre. Die Plantagen werden zumeist auf verlassenem Landwirtschaftsland angelegt, wo auch weniger stringente Regeln bezüglich Düngung und Pflanzenschutz.

Aber auch so werden die Kosten für Holz steigen, da sie nicht mehr nur auf Erntekosten basieren, sondern die Kosten für Aufforstungen und Pflegemassnahmen mit eingerechnet werden müssen.

Nordamerika hatte bis anhin einen komparativen Vorteil in der industriellen Holzproduktion, weil es bestehende  riesige Naturwälder nur zu beernten brauchte. Diese Vorräte sind nun aber weitgehend abgebaut und die verbleibenden Urwälder unter Schutz gestellt. Kanada verfügt zur Zeit allerdings noch über derartige Reserven.

Was Plantagen mit schnellwachsenden Arten betrifft, so hat Amerika hier kein Monopol, da auch in Südamerika, Süd- und Südostasien wie Afrika günstige Bedingungen für intensive Forstwirtschaft vorhanden sind. Zudem sind die USA kein Tiefpreisland. Die Antwort Sejios auf diesen Einwand, der Schlusssatz des Artikels, zeigt noch einmal deutlich, in welcher Richtung eine von Ökonomen veranstaltete Forstwirtschaft gehen soll: Nicht all diese Regionen haben das nötige politische, soziale und kulturellen Voraussetzungen für die erfolgreiche Entwicklung einer nachhaltigen forstlichen Produktionsindustrie. Da kann man nur sagen: Es ist zu hoffen, dass die meisten dieser Regionen die Vernunft haben, ihre Wälder nicht in Plantagen mit genetisch manipulierten Klonen umzuwandeln.

In diesem Zusammenhang sind die Querelen zwischen Kanada und den USA betreffend Holzhandels von einigem Interesse.

 

Der Weltmarkt und seine Probleme:

Der Holz-Handelsstreit zwischen Kanada und den USA

Ursprünge der Waldplünderung in Europa:

Trotz der Arbeitsteilung zwischen Köhlern, Eisenschneidern und Schmieden war Alnecestre ein in sich geschlossener Arbeitskreis hektischer, ohrenbetäubender Schwerarbeit für wohl 40 Wochen im Jahr. Man konnte den Stückofen nicht ausgehen, das Eisen auf dem Amboss nicht kaltwerden lassen, um in der Hauptarbeitszeit die Predigt eines freundlichen Herrn anzuhören. Städtisch war das Eisenfach nicht, eher ein ländliches Gewerbe, aber in seinem Rhythmus schon für die nächsten Nachbarn unverständlich. Man erkennt keine soziale Gliederung, weder Namen von Meistern noch von Zünften; für Aussenstehende war diese Versammlung der Schmiede eine anonyme Gruppe, die in den Tag hineinlebte, nach der Arbeit gierig ass und trank und keine höheren Interessen kannte. Sie hatte auch keine Heimat; wenn der Erzvorrat erschöpft oder der Wald abgeholzt war, zog sie weiter und hinterliess Ruinen, über die bald Gestrüpp wuchs.

[Arno Borst: Lebensformen im Mittelalter. Nikol Verlagsgesellschaft Hamburg 2004. A. 226]

Weichholz wird in den USA gerne im Hausbau verwendet. Die USA importieren einen Drittel ihres Bedarfs, zum Preis von 6-10 Milliarden Dollar, aus Kanada. Während in den USA die meisten Wälder (80%) in Privatbesitz sind, sind 90% der Wälder Kanadas sind in öffentlichem Eigentum. Die Regierung verkauft die Nutzungsrechte an stehendem Holz zu preisen, welche Wiederaufforstung und Unterhalt garantieren sollten. Die USA kritisieren diese Preise als zu tief und sehen dahinter eine Subventionierung, die es Kanadischen Sägereien erlaubt, ihr Holz zu Dumpingpreisen auf den Markt zu werfen und dabei erst noch die offenbar notwendigen Restrukturierungsmassnahmen zu unterlassen. Dieser Vorwurf scheint nicht völlig aus der Luft gegriffen, denn bereits 2001 hatte A. Dowd von Reuters News Services berichtet, dass die veraltete Forstindustrie Kanadas an Überkapazitäten, veralteten Reglementen - und im internationalen Vergleich an 40% zu hohen Kosten leide.

Wir sehen, dass in Kanada nach tieferen Erntekosten gerufen wird - während diese für die USA bereits zu tief sind und die eigene Produktion gefährden. Die USA haben also mit Kanada das selbe Problem wie unsere Forstwirtschaft mit der gesamten nordamerikanischen. Offensichtlich sind aber auch in Kanada, obwohl in staatlicher Hand, die Ernteverfahren zerstörerisch für die Umwelt und immer noch zu stark abhängig von der Plünderung natürlich entstandener Altbestände. Diese neigen sich aber auch in Kanada dem Ende zu, folglich werden die Bäume kleiner und dünner, die Transportdistanzen und Kosten aber grösser. Insbesondere scheint es, dass Waldpflege erst langsam zum Thema wird, wenn die von der Natur gratis geschaffene Bestände weg sind. Die Mechanisierung von Pflegemassnahmen in Jungbeständen ist aber doch beschränkt.

Taiga News, der Newsletter der boralen Nadelwälder, berichtet in No 15 von 1995: Kanada ist das Brasilien des Nordens. Hier wird jede 12 Sekunden 1 acre gerodet, in Brasilien alle 9 Sekunden. In Manitoba, das seit dem späten 18. JH: grossflächig in Landwirtschaft umgewandelt wurde, erhielt REPAP eine Konzession, die 40% (108'000 km2 ) der Provinz abdeckt. REPAP wolltel die Produktion von 600'000 auf 3.4 Millionen m3 erhöhen (zum Vergleich: die Schweiz ist 42'000 km2 gross, zu gut einem Viertel von Wald bedeckt und produziert gut 1 Million m3 Holz.). Das Projekt war offenbar sogar für Kanadische Verhältnisse etwas überdimensioniert. Der US-Firma Louisiana-Pacific gelang dann die Errichtung einer Industrie etwa des halben Umfanges.

In Saskatchewan erhielt NorSask Forest Products eine Konzession von 3.3 Millionen ha, dem dreifachen des Waldareals der Schweiz, Weyerhhaeuser von sieben Millionen ha. Die Ernte basiert auf Kahlschlag, die Waldpflege ist höchst zweifelhaft.

In Alberta unterstützten die Steuerzahler Sägereien mit 320'000$ pro Arbeitsplatz. 220'000 km2 , also die Fläche von Grossbritannien, kommen dort unter Kahlschlagregime und werden zu Industriewald.

Ebenfalls in Britisch Kolumbia wird vor allem mit Kahlschlagverfahren geerntet, und zwar Flächen von jeweils 1000 Quadratmeilen (2590 km2). Die Firmen stossen dabei immer mehr in den Norden vor. Probleme entstehen bereits in den Fischgründen. Die in Kanada angewendeten Bewirtschaftungsnormen haben offenbar noch einen tieferen Standard als diejenigen der USA! [http://forests.org/archive/canada/statemer.htm]  - und diese nehmen die USA als Anlass für eine Antidumpingklage:

AP Toronto meldete am 31. August 2003 den Abbruch der Verhandlungen. Die Regierungen der USA und Kanadas hatten ein Quotensystem und eine Exportsteuer vorgeschlagen, während die Washingtoner Koalition für faire Holzimporte zusätzlich noch eine Senkung der Quoten verlangte, was von Kanada mit dem Rückzug der Verhandlungsdelegation beantwortet wurde.

Für Kanada, speziell Britisch Kolumbia, das die Hälfte des Holzes liefert, ist dies ein vitales Problem, denn jeder fünfte Job BCs hängt von diesem Wirtschaftszweig ab. Kanadas Holzindustrie produzierte 1995 Güter im Wert von 57 Milliarden US$, 41 Milliarden $ davon stammen aus dem Export.

Seit 1982 hat Kanada drei teure Rechtsstreitigkeiten zu diesem Thema mit den USA ausgefochten. Britisch Kolumbia verlor dabei 20% seines Marktanteils in den USA. Die Kosten für den gegenwärtigen Rechtsstreit werden auf 2 Milliarden Dollar geschätzt, sollte er, wie offenbar zu erwarten, 3 Jahre dauern (28 Monate sind bereits um). Diese 2 Milliarden hätten besser eingesetzt werden können, nämlich für Löhne, technologische Innovation, Umweltschutz, Steuern -mit denen immerhin auch Schulen und Spitäler bezahlt werden.

Aus der Sicht Kanadas  liegt es vor allem am Wechselkurs, dass sein Holz günstiger ist als das der USA. www.marxist.com/canada/softwood_dispute.html führt dieses Problem, ähnlich dem beim Stahl, auf Überproduktion und nationalistisch begründeten Schutz der eigenen Märkte  zurück.

Kommentar zum Thema Staatswald - Privatwald: Hier schimpft als der eine Schelm den andern Gauner, oder, wie die Irakis das ausdrücken würden: Ghrab igulle Ghrab, betshek aswad (Sagt ein Rabe zum andern: Du, Dein Schnabel ist aber Schwarz! Während die USA ihre alten Wälder offenbar bereits vollständig geplündert haben und entsprechende Kosten für Aufforstung und Pflege in die Produktion mit einberechnen müssen, kann Kanada offenbar in einigen Wäldern ernten, was es nicht gesät hat.

Interessant ist hier auch die vieldiskutierte Angelegenheit des Besitzes. Gerade heute, wo unsere Forstpolitiker die Wohltaten des Privateigentums wieder über den grünen Klee loben, muss man vielleicht schon fragen: Ja, aber ... die Wälder der USA sind doch zu 80% in Privatbesitz. Warum sind sie trotzdem in einem derart schlechten Zustand, wenn der Private mit seinem Eigentum so pfleglich umgeht, wie die Theorie das vorsieht? Man kann sich aber genau so gut fragen: Was ist denn in Kanada los? Wo 90% des Waldes im Eigentum der öffentlichen Hand ist, die sich für das Gemeinwohl und das Gemeineigentum einsetzen sollte - und ihre Wälder genau so zerstörerisch nutzt wie die Privaten im südlichen Nachbarland? Die einzigen die sich wirklich für die Erhaltung der Wälder einsetzen sind die unabhängigen NGOs, die, in Anbetracht der Tatsachen, dann logischerweise jegliche Waldnutzung als zerstörerisch betrachten und ihrerseits mit der Verdammung jeglicher Waldwirtschaft übertreiben.

Die beiden Fälle zeigen deutlich, dass die Salven die von Hostettler in letzter Zeit auf Verbände und Interessenvertretungen (nichtwirtschaftlicher Art, logischerweise) abgefeuert wurden, selbst Interessenvertretung ist. Natürlich ist es einfacher, seinen Geschäften nachzugehen, wenn einem niemand reinredet. Aber einseitige Interessen können eben meist nur korrigiert werden durch unabhängige Personen und Organisationen. Weil die Macht schon lange vom Staat an das Kapital übergegangen ist, vertreten beide nun ähnliche Interessen. Gerade darum sind Verbände und das Verbandsbeschwerderecht, das logischerweise von den wirtschaftlichen Machthabern bekämpft wird, wichtige politische Korrekturfaktoren.

Die primäre Anforderung der Unabhängigkeit ist bei vielen Schweizer Vorständen von politischen, wirtschaftlichen und auch sozialen Organisationen eben gerade nicht gegeben. Der Tenor lautet: Aber er/sie hat soooo viele Beziehungen und hohe Sachkenntnis. Dabei wird von den meisten Forstleuten dann eine gehörige Portion Schizophrenie verlangt, wenn sie am Morgen die Interessen des Staates, am Mittag diejenigen der Gemeinde, am Abend diejenigen des Naturschutzes, und zwischendurch noch diejenigen des eigenen Betriebes vertreten sollen. Je besser die Show, je umfangreicher das Köfferchen der Vertretungen, desto mehr darf vermutlich damit gerechnet werden, dass der/die Betreffende in erster Linie eigene Interessen (Spesen, Einfluss, Macht, Ruhm und Ehre) vertritt. (s. NGO-Vertreter in PNG)

 

Einen weiteren Einblick in die Funktionsweise des freien Marktes in Sachen Wald und Holz gibt Hyde in Sedio S. 32.

Dass sich Waldbewirtschaftung und Aufforstungen nicht rentieren liegt vor allem daran, dass es in den USA noch grosse Reserven an reifen Baumbeständen gibt. Anders gesagt: Es macht wenig Sinn, in Aktivitäten zu investieren die rascher wachsende Baumarten produzieren, solange noch grosse Mengen an erntebereitem Holz vorhanden sind, die zu Erntekosten auf den Markt gebracht werden können.

Hier präzise liegt der Hase im Pfeffer:

Der so genannte freie Markt führt nicht zu Preisen, welche die Holzproduktion decken, sondern zu

Dumpingpreisen, welche bloss durch Plünderung gewährt werden können.

Das grösste Problem damit ist, dass der Weltmarkt diese Preise als

falsche, da unerreichbare, Referenzgrösse

für sämtliche Betriebe der Welt setzt,

und damit manch gut geführten Betrieb zerstört!

Das selbe Problem wurde übrigens, unter landwirtschaftlicher Perspektive, im Detail diskutiert unter Bauern und die Globalisierung: Mehr Arbeit - weniger Lohn.

In den USA führt einzig der Naturschutz dazu, dass einige der verbleibenden Naturwälder nicht geplündert werden. Der gelobte freie Markt war ganz offensichtlich unfähig, den Raubbau einzuschränken. Spotted Owl, Entscheide über Erntemenge durch Politik, statt Professionals. Einführung von Verfahrensnormen (im Land der Freiheit - während diese hier abgebaut werden sollen, Galileo und so). Die  Preise stiegen durch neue Umweltstandards um 5-14% in den USA, sogar um 18% in Finland, um 3 bis 8$ (15%) in Kanada. Wir dürfen also die Billigproduzenten nicht zu sehr als Vorbild nehmen, denn für die Mehrheit der Bürger dieser Länder sind offenbar eher wir das Vorbild. Die Entwicklung zeigt deutlich, dass billig, wie eigentlich bekannt, nur selten gut ist.

In vielen Ländern, nicht nur in den Tropen, laufen präzise die selben Prozesse der Ausbeutung immer noch ungebremst weiter. Urs Wälterlin hat dazu eine umfassendes Beispiel geliefert aus Tasmanien (Tagesanzeiger, 21. Juli 2003, S. 2). Einige Muster: Rodungsplatz No 27, eine 35 Hektaren grosse Wunde im Urwald. ... Ein Baumverarbeiter packt, fällt und entrindet Eukalyptusbäume. Zurück bleibt ein Schlachtfeld: Aus entwurzeltem Gebüsch und aufgewühlter Erde ragen gebrochene Äste zerschmetterter Bäume. Danach werfen Helikopter Bezinkugeln ab, in deren Gluthitze sämtliche Überreste eingeäschert werden. Sobald die Erde abgekühlt ist, verteilt ein Mitarbeiter darauf vergiftete Karotten, damit die Kängurus und Opossums später den Jungwuchs nicht abfressen.

Aus den Urwaldriesen, dem Sumpfeukalyptus, der hier eine Höhe von 95 Metern und einen Durchmesser von 5 Metern erreicht, werden nicht mal hochwertige Bretter. Sie werden zu Schnitzeln verarbeitet und von Gunns, dem lokalen Monopolisten, für 6 bis 12 Franken pro Tonne auf den Markt geworfen. Ein derartiger Urwaldriese wird also für 200 Franken verschleudert. Und an diese Methoden des freien Marktes, der die internationalen Holzpreise bestimmt, hat sich unsere Waldwirtschaft anzupassen, fordern heute sogar Schweizer Forstökonomen.

Fazit: Die USA machen also erst die ersten Gehversuche, was nachhaltige Waldnutzung betrifft. Uns die tiefen Kosten dieser Raubbaumethoden als vom Markt vorgegebenes, und darum von uns dringend zu erreichendes Ziel vor die Augen zu halten, ist mehr als kurzsichtig.

Dass Waldpflege, auf Grund der bisherigen Möglichkeiten Wald einfach zu plündern, in den USA noch kaum ein Thema ist, sowie der Vorsprung Europas in der Integration von Schutzwald und Naturschutzgebieten in die Waldbewirtschaftung, zeigt, dass die USA kein Vorbild ist, sondern eigentlich hinter Europa her hinkt, vor allem was die Praxis moderner und vor allem nachhaltiger Waldbewirtschaftung betrifft. Es gibt also absolut keinen Grund, die "Wettbewerbsfähigkeit" der USA zu loben, denn es ist die Wettbewerbsfähigkeit von Räubern.

Martin Herzog, Dipl. Forsting. ETH, Rheinfelden, 1. August 03

Lesermail (18.9.03) von Frank Strie, der seit 1987 in Tasmanien lebt:

Hier in Tasmanien erkannte ich schnell, daß der Großkahlschlag und die Umwandlung von artenreichen Wäldern zu Eucalyptusmonokulturen der Trend der Zeit war und weiterhin ist.
Hier ein paar Websites, welche Dir zeigen, wieviel Glück diese kleine Insel bishert hatte. Leider haben wir auch schon große waldfreie Gebiete, wo das Salienation-Problem voran schreitet.

  • http://www.discover-tasmania.com/weld-hill/index.html
  • http://www.discover-tasmania.com
  • http://www.hotkey.net.au/~touringtasmania/blue_tier_under_threat.htm
  • http://home.iprimus.com.au/ltuffin/LETTERS.HTML ein Diskussionsforum zum Problem Waldzerstörung in Tasmanien
  • http://www.tasmaniantimes.com What's up down under?
  • http://www.landliteracy.com/tasmania/TAZ_LANDliteracy_home.html Land literacy in forests.
  • http://www.doctorsforforests.com: The community oppose clear-felling of native forest and prefers plantation forests. While supportive of the logging industry, the community also believe that tourism is the key to Tasmania's long term success. It is the very same rapid expansion of native forest felling and low price sales that is pulling down the ROE of FT, which is also losing it support within sectors of the community. Hence, in the words of the title of this report "Forestry Tasmania is failing to meet its financial or its community targets in a worst of both worlds scenario".

    Für alle Freunde der Restrukturierung und Förderung der Produktivität: Unter dem letzten Link wird mit Zahlen belegt, dass sogar die Plünderung von Urwäldern sich für Tasmanien nicht rentiert, sondern gerade noch knapp für die Holzerntefirma. Welche Beweise braucht es noch, um zu begreifen, dass sich die göttliche Hand an diesem Wirtschaftskonzept schon lange die Finger verbrannt hat und wir für die Lenkung selbst zuständig sind? Solange wir den Propheten des freien Marktes unbedarft weiter folgen, so lange bleiben gut 90% der Bürger Döggeli (Holzköpfchen), herumgeschoben in einem Monopoly für Glücksspieler, das weiterhin hemmungslos unersetzliche Ressourcen plündert.  [Kommenar des Redaktors].

Wise use and careful maintenance of our Forests

‘Let us regard the forests as an inheritance, given to us by nature, not to be despoiled or devastated, but to be wisely used, reverently honoured and carefully maintained. Let us regard the forest as a gift, entrusted to any of us only for transient care, to be surrendered to posterity as an unimpaired property, increased in riches and augmented in blessings, to pass as a sacred patrimony from generation to generation.’

BARON SIR FERDINAND VON MUELLER Suggestions on the Maintenance, Creation and Enrichment of Forests 1879 (Founder of the Herbarium in the Botanical Gardens Melbourne, Victoria)

So ähnlich wie in Tasmanien geht's bald auch in Madagaskar zu und her. Während dem aber Tasmanien von der eigenen Regierung ausgeplündert wird (na ja, von den vor Jahrhunderten eingewanderten Europäischen Kolonialisatoren), spielt in Madagaskar der Markt gleich selbst diese Rolle. Da viele boomende und bereits überbevölkerte ostasiatische Länder ihren Nahrungsmittelbedarf nicht selbst decken können, sind sie auf Importe angewiesen, und verschaffen sich zusätzliche Produktionsressourcen "am Markt". So eben etwa Südkorea auf Madagaskar. Ein Artikel von Christoph Neidhart im Tagesanzeiger (22. Nov. 08, S. 11) stellt zwar die Frage: Eher Neokolonialismus oder doch eine Chance? - ist aber mit der abwägenden Antwort darauf vor allem enorm blauäugig in Bezug auf die hier aufkommende Dynamik und Bedrohung der einzigartigen Natur Madagaskars. Daewoo Logistics will hier 1.3 Millionen ha Land pachten zur Produktion von 4 der jährlich benötigten 11 Millionen Tonnen Mais (primär für Futterzwecke) und Palmöl, das längst zu einer der grössten Bedrohungen der Tropenwälder geworden ist.

Aehnliche Deals werden von den Philippinen, Kuwait, Qatar und andern Golfstaaten etwa in Kambodscha, Angola, Aethiopien, Russland und der Ukraine angestrebt. Click auf karte rechts:

Diese Entwicklung geht recht rasant von statten. Nun haben auch Südafrikanische Bauern im Kongo Land erworben - dafür die britische Investmentexpertin Susan Payne eine halbe Milliarde Euro im African Agricultural Land Fund investiert, der 150'000 ha Land im südlichen Afrika erwarb.

Länder in denen Agrarland gekauft wurde und wird:

  ha Käufer oder Pächter
Sudan 1.5 Mio Saudi-Arabien, Kuwait, OAU, Aegypten, Südkorea
Kenia 100'00 US-Konzern Dominium
Uganda 840'000 Aegypten
Tansania 600'000 China
Ghana - europ. Firmen, u.a. Biofuel Africa Ltd (Nor.)
Rep. Kongo 10 Mio Farmer aus Südafrika, China: 2.8 Mio ha für Palmölproduktion)
Sambia -  
Moçambique 4 Mio China
Madagaskar 1.3 Mio Daewo, Südkorea
Aethiopien   Vertrag mit Saudi Arabien über den Anbau von Getreide für 100 Mio $
Preise für Farmland pro ha
Afrika südlich der Sahara 800 bis 1000 Dollar
Deutschland 22'000 Dollar

Solche Deals bringen aber nicht bloss neue Arbeitsplätze, Strassen und Infrastruktur, sondern auch Umweltzerstörung, Dünger, Wasserverbrauch, Waldzerstörung und weitere Beeinträchtigung der äussserst vielfältigen und einzigartigen Fauna und Flora Madagaskars. Die Schweiz etwa betreibt seit Jahrzehnten Entwicklungszusammenarbeit in Madagaskar, vor allem forstlicher Art. Waren bisher aber die Probleme lokale Kleinbauern die den Wald und die Landschaft (die Ersosionsform Lavaka ist eine madagassische Creation, bezeichnet mit einem madagassisches Wort) mit Wanderfeldbau zerstörten, so kommt nun eine Dimmension hinzu, zu der diese Organisationen offenbar nicht mal eine Meinung haben.

Hier beginnt also eine Neokolinisation per Geld, und neuer staatlicher, allerdings fremdstaatlicher Grossgrundbesitz, der bei Armut, insbesondere bei Hungersnöten im eigenen Land zu extremen Spannungen führen wird. Ein grosses Problem spielt dabei auch die Tatsache, dass der Grundbesitz der Landbevölkerung, insbesondere wo es sich um alteingesessene Kulturen handelt, oft nicht verbrieft ist, das Land also dem Staat gar nicht gehört der es verkauft, so ähnlich wie das oft bei Waldnutzungskonzessionen der Fall ist.

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ANHANG:

Warum sind Rohstoffpreise so tief?

Die Holzproduktion, nicht nur der Tropen, befindet sich also seit Jahren in einer Drittweltfalle, in der nur noch die Grossen verdienen, da die Produkte, Rohstoffe, zu sehr tiefen Preisen gehandelt werden. Warum ist dies so? Erklären wir es mal am Beispiel Holz:

  1. Für den Waldbesitzer ist der Baum der Rohstoff, der Stamm am Waldweg das Produkt.
  2. Für den Säger ist der Stamm der Rohstoff, das Brett im Lager das Produkt.
  3. Für den Schreiner ist das Brett der Rohstoff, der Tisch im Lager das Produkt.
  4. Für den Möbelhänder ist der Tisch im Lager der Rohstoff, der Tisch beim Kunden das Produkt.

Wir haben hier eine relativ kurze Prozess- und Preistreppe. Sie kann bei technischen Gütern um einiges länger sein, bei Nahrungsmitteln jedoch auch nur 2 Stufen (Produzent - Konsument) umfassen.

Um den Wert der Arbeitskraft zu senken, muss die Steigerung der Produktivkraft Industriezweige ergreifen, deren Produkte den Wert der Arbeitskraft bestimmen, also entweder dem Umkreis der gewohnheitsmässigen Lebensmittel angehören oder sie ersetzen können.

Karl Marx: Das Kapital 1.1. S. 354

Auf jeder Stufe wird ein Mehrwert geschaffen. Auf jeder Stufe wird das Produkt fast doppelt so teuer wie das Rohmaterial. Auf jeder Stufe soll das Rohmaterial möglichst günstig sein, damit das Produkt günstiger wird. Im Interesse des Kunden sollten also die Rohstoffe also eigentlich gratis abgegeben werden! Eine Ansicht, die insbesondere - mit Unterstützung der Linken - die Preise von Nahrungsmitteln tief hält. Eine weniger soziale Absicht, allerdings mit dem selben Effekt, ist der Wunsch nach einer möglichst weiten Spanne zwischen Einkauf und Verkauf, also eine hohe eigene Mehrwertschöpfung. Jeder Produzent schätzt sein Produkt weitaus höher als das Rohprodukt und drückt so als Käufer tüchtig auf den Preis - folglich drücken im obigen Falle 3 Käuferstufen auf den armen Waldbesitzer. Gleiches gilt für sämtliche Rohstoffe. Für die Gesamtwirtschaft wird die Maximierung der Mehrwertschöpfung durch kleine Gruppen dann zum Problem, wenn dadurch die Löhne bei grossen Käufergruppen geschmälert werden, das die Kaufkraft mindert und so auf Um- und Absatz drückt. Wenn Betriebe und Staaten zu sehr sparen, sägen sie wirtschaftlich am eigenen Ast. Etwas salopp formuliert:

Wenn alle für schlechte Zeiten sparen,

dann kommen diese bestimmt.

Die Länge der Preistreppe ist aber nicht der einzige Faktor. Je weiter das Endprodukt vom Rohprodukt weg, um so mehr Innovationen sind vermutlich daran beteiligt. Je kürzer der Weg von Rohprodukt zu Verbraucher, je weniger Kapital und Wissen dazu erforderlich, desto einfacher die Angelegenheit, desto höher der Wettbewerb und desto tiefer die Preise - was besonders bei Landwirtschaftsgütern zur extremen Situation geführt hat, dass hier eigentlich niemand mehr verdient (s. Agrarplattform). Es handelt sich um wenig innovative "me too"-Märkte, bei denen (fast) jeder mitmachen kann (denn auch Bauernhöfe und Restaurants erfordern bereits beträchtliche finanzielle Mittel und Kenntnisse). Folglich weisen diese (Gastgewerbe, Detailhandel, persönlichen Dienstleistung ...) eine minimale Wertschöpfung mit entsprechenden Löhnen auf (s. Lohnsystem). Der zur Zeit wohl extremste Fall von Entwertung bei Rohstoffen, finden wir in der Schweiz wohl bei der Wolle. Jährlich werden hunderte  von Tonnen (zur Zeit 400) an Wolle verbrannt, da die Schweizer Wolle preislich nicht die geringste Chance hat mit Neuseeland und andern Grossproduzenten mitzuhalten. Dazu wurde die Unterstützung des Bundes von 1.8 Millionen auf 600'000 Fr. reduziert. Hier treibt der Markt aber nicht nur Schindluder mit einem wertvollen Rohstoff, hier werden weitere Landwirtschaftsbetriebe zur Aufgabe gezwungen und, gerade was Schafe (und Ziegen) angeht, so beraubt uns der Markt hier des günstigsten Mittels, Brachland vor Verwaldung zu schützen. (s. Wollpetition, Longo Mai: http://www.sab.ch/Wollpetition.PDF).

Der wichtigste Grund für den extremen Verfall der Holz- und Landwirtschaftspreise dürfte aber der Wechsel vom Verkäufer zum Käufermarkt sein. Heute steht praktisch alles im Übermass zur Verfügung und kann nur abgesetzt werden, wenn die Bedürfnisse so richtig geweckt und angefeuert werden. Als wird der Aufwand für neue Verarbeitungsmöglichkeiten (Holz mit Goldfarbe, Joghurt mit Geldgeschmack) immer höher, Verpackung, Design und Werbung immer bedeutender und aufwändiger. Man kann ja offenbar keine Produkte mehr verkaufen, sondern bald nur noch Einkaufserlebnisse. Der Spruch von Ökonomie als Wissenschaft des Umgangs mit Knappheit gehört also auf den Müll, denn was heute knapp ist, sind eben gerade die Konsumenten - mit ihren theoretisch unendlichen Bedürfnissen.

Übertriebene Preiskonkurrenz, statt ein meist notwendiges Mass an Koordination und Planung, führt die Wirtschaft auf den neoliberalen Weg der Zerstörung, auf dem Investitionen schneller entwertet werden als sie sich amortisieren lassen. Dies führt zu Investitionsunlust, Börsenblasen, Depression - auf welche die Verantwortlichen noch mehr der selben Rezeptur verschreiben: Wettbewerb. (Im Detail unter Wenn Denkfehler zum System werden. Neoliberalismus? Bitte spülen!)

Joseph Stieglitz zeigt in Segen und Fluch der natürlichen Ressourcen (CASH 28. Oktober 2004, S. 34) noch ein paar weitere Probleme einer Wirtschaft, die zu sehr auf Rohstoffe baut. In einem Land das im Überfluss über gewisse Ressourcen verfügt, versuchen alle, sich ein grösseres Stück vom Kuchen zu sichern - anstatt einen grösseren Kuchen zu backen. Die Folge ist häufig Krieg. Da die Preise für natürliche Ressourcen mit der Konjunktur beträchtlich schwanken können, führt eine zu einseitige Abhängigkeit bei tiefen Preisen dann leicht zu Problemen mit den Banken, denn: Banken leihen nur denen gerne Geld, die das Geld nicht brauchen. Des weitern schaffen Rohstoffexporte zwar keine Arbeitsplätze, führen aber zu höheren Wechselkursen, womit sie der eh schon geringen einheimischen Produktion das Leben schwer machen. (s. Irak)

Solange Rohstoffe dem Bedarf entsprechend gefördert werden, tritt keine Knappheit ein und die Preise bleiben tief, aus der Perspektive nachhaltiger Nutzung oft zu tief. Auch daran trägt die betriebswirtschaftliche Entscheidung Schuld, denn, während 1 Million, die beim Einkauf von Rohstoffen oder Vorprodukten gespart werden kann, 1 Million mehr Ertrag bedeutet, muss der Umsatz um das Doppelte bis 10-fache gesteigert werden, um den selben Mehrertrag zu schaffen.

FAZIT:

Druck auf die Zulieferer zahlt sich aus!

FAZIT des FAZITS:

Es rentiert sich, nicht Zulieferer, sondern Marktherrscher zu sein.

Den neusten Beweis für diese These liefern gerade Rewe, Leclerc, Coop und Conad, die zusammen die Einkaufsallianz Coopernic gründen, mit einem totalen Umsatz von 150 Millionen Euro. Für den Konsumenten dürfte wenig dabei rausschauen, für die Beteiligten schon - und für die Zulieferer mehr Stress, Arbeitslosigkeit und weniger Löhne. (s. Die grössten Lebensmittelhändler Europas).

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Warum sind heute die Rohstoffpreise so hoch?

Nachwort Januar 2008: Der Artikel stammt von 2003. Inzwischen hat sich auf dem Rohstoffmarkt einiges geändert, vor allem auf Grund der steigenden Nachfrage Chinas, was die Landwirtschaftsgüter betrifft auch auf Grund der zunehmenden Verwertung für die Energieproduktion, die hier eh dominiert:

Bis zum April/Mai 2008 hat sich die Situation in vielen Bereichen der Nahrungsmittel drastisch, wenn nicht gar dramatisch verändert [Stefan Hostettler: Die Welt steht vor einer Revolution der Hungrigen. Tagesanzeiger 8.4.08. S. 25]:

In Aegypten gab es Ausschreitungen, in asiatischen Staaten werde solche befürchtet, in Mexiko wird längst protestiert wegen der Tortillia-Preise. Die Weltbank warnt, dass in 13 Staaten soziale Unruhen ausbrechen könnten. Es droht eine Revolution der Hungrigen. Die Situation in China und Indonesien könnte für die Armen kritisch werden - was dazu führt, dass die Situation für die Politiker kritisch wird. In Afrika stehen Kamerun, Burkina Faso und Senegal vor einer Krise ... und in Dubai machen sich die Scheichs Sorgen, dass die Asiaten angesichts der Reiskosten mehr Lohn verlangen könnten. 

Gründe für die relativ rasante Preissteigerung sind:

  1. der konstant weiter steigende Oelpreis

  2. die konstant steigende Nachfrage nach allen Rohstoffen in China (Fleischkonsum seit 1980 um 150% gestiegen. China verbraucht bereits 1/3 der Weltproduktion an Getreide!) und Indien.

  3. In den USA wächst bereits auf 16% der landwirtschaftlichen Flächen Benzin- und Oelersatz.

  4. Die Lagerbestände sind auf Tiefststand. Die 72 Millionen Tonnen Reis die zur Zeit noch vorhanden sind, decken 17% des Jahresbedarfs.

  5. Die Verkäufer horten, weil sie mit noch höheren Preisen rechnen.

  6. Vermutlich auch der Zerfall des Dollars, der bald weder als Wertmass noch als Wertspeicher taugt.

  7. Nebst dem Dollar dürfte auch die Verlagerung des Kapitals von den unverständlichen und immer öfter einbrechenden Ballons der Finanzmärkte auf reellere Güter sein. Greenspan hat mit tiefen Zinsen die Börse bei Laune gehalten. Da das Geld nicht in den Konsum floss, sondern in die Finanzmärkte, blieb eine Inflation der Konsumentenpreise zwar aus - dafür blähten sich die Preise für Aktien, d.h. die Kapitalwerte auf, die derzeit etwa auf dem Immobilienmarkt massiv einbrechen.

    Diese Theorie wird prominent (also nicht bloss so als Annahme eines Layen wie ich es bin ...) von Heiner Flassbeck, Direktor der UNCTAD. Laut seiner Meinung ist insbesondere die Behauptung, dass die durch Bioenergie verursachte Knappheit in erster Linie daran schuld sei, unsinn, denn dann wäre z.B. Reis nicht betroffen, da auf diesen Anbauflächen nie, nirgends und niemand Energielieferanten angebaut hat. Er sieht dagegen einen starken Zusammenhang mit der Krise der Immobilienpreise (subprime Krise), bei deren Beginn sich die spekulativ investierten Milliarden andere Anlagemöglichkeiten suchten - und bei dem knappen Gut Nahrung fanden. An der weltführenden Rohstoffbörse in Chicago stiegen die Transaktionen von Januar bis April (25.) generell um 20%, um 61% bei Soja und um 53% beim Weizen. Seit 2001 sind weltweit um die 200 Milliarden $ in dieses

    Die Situation Anfangs August zeigt einen massiven Verfall der Preise - was eindeutig auf Spekulation deutet.

    Spekulationsvehikel geflossen, mit dem Effekt, dass die Preise beim  Reis um 122% stiegen,, Weizen 99%, Sojabohnen 83% . Die Börsianer ihrerseits behaupten natürlich, dieser Preisanstieg sei nur durch die hohe Nachfrage und das zu geringe Angebot bewirkt worden und das Problem löse sich bei einer guten Ernte. Dass hier aber andere Kräfte am Werk sind belegt der Einbruch der Weizenpreise im März, als viele Spekulanten wegen des Zusammenbruchs von Bear/Sterns Geld locker machen mussten, und die Preise um das Maximum fielen, dass die Börse toleriert vor geschlossen wird. Die Leute kennen also die Spielregeln, und nutzen sie bis zum Rande aus. Mit den Konsumenten wird so eben auch gespielt ...

    Weitere Belege für die relativ künstliche Preissteigerung durch Börsenaktivitäten zeigt der Reispreis. Dank einer guten Ernte ist er innert 2 Wochen wieder um 15% gefallen. (Meldung 6. Juni 08). Auch Indien rechnet mit einer sehr guten Ernte, was zu noch weiterem Sinken beitragen wird. In Thailand muss der Staat den Preis bereits wieder durch Stützkäufe stabilisieren. Kambodscha wird ebenfalls wieder Reis exportieren.

    Als Kritik am Lieblingsmodell der Oekonomen zwecks Begründung des Vorteils globaler Märkte, dem komparativen Vorteil, zeigt er anhand des Beispiels Hühnerzucht wie dieses eben nicht funktioniert. Die Aufzucht von Hühnerns ist ein einfaches landwirtschaftliches Verfahren, bei dem ein Land wie Ghana komparative Vorteile haben müsste. Da aber im Norden die besten Teile viel stärker nachgefragt werden, Hühnerflügel übrig bleiben, werden diese für Peanuts eben in Länder wie Ghana exportiert - und ruinieren die eigene Produktion.

    Seine Meinung zum Wissen der Oekonomen also: Die Oekonomen glauben grundsätzlich zu sehr an stark vereinfachte Zusammenhänge, die in der realen Welt so nicht existieren. Würde ich Oekonomen mit Physikern vergleichen, dann suchen die Oekonomen immer noch mit einer 200 Jahre alten Lupe nach den Bausteinen der Atome und wundern sich, dass sie sie nicht finden. 

    [Stefan Hostettler interviewt Heiner Flassbeck: Spekuatives Geld ist ein unglaubliches Systemrisiko. Tagesanzeiger, 14. Mai 2007. S. 26]

Man sollte das Augenmerk auch nicht alleine auf Nahrungsmittel richten. Das Problem ist weitaus älter und umfassender:

Die am rasantesten wachsenden Betriebe befinden sich, ja wo denn, in China. Vom Handel mit China profitieren in erster Linie die umliegenden Länder, die so ebenfalls zusätzlich wachsen können.

Wachstum verbraucht Rohstoffe (nicht und nie vergessen, ob all er Wachstumsbegeisterung!). Nicht alle Rohstoffe können beliebig mehr gefördert werden, bei einigen davon, speziell Erdöl (s. peak oil), zeichnet sich ab, dass sie eben nicht unendlich vorhanden sind, sondern verbraucht werden, also enden. Ein Bewohner der USA verbraucht 4100 l Oel pro Jahr - ein Chinese 320 l.

China wächst ... die Oelpreise steigen ...  die Rohstoffpreise steigen insgesamt.

Minengigant Rio Tinto hat einen Eisenerz- Preisanstieg von fast 100 Prozent durchgesetzt und damit weltweit Sorgen wegen einer deutlichen Verteuerung von Gütern wie Autos ausgelöst. Die weltweiten Eisenerz-Bestände befinden sich zum Grossteil in der Hand der drei Minen-Betreiber Rio Tinto und BHP Billiton aus Australien sowieVale aus Brasilien. Diese Beinahe-Monopole belasten sogar China, dessen grösstes Stahlwerk Baosteel eine Preisanhebung von bis zu 96,5 Prozent akzeptieren musste. Offenbar haben auch die weltweite Nummer zwei der Branche, Nippon Steel, und andere japanische Firmen des Landes einer Verdoppelung der Preise für das Geschäftsjahr 2008/09 zugestimmt. Diese 3 Unternehmen kontrollieren 80% des Handels mit Eisenerz, kontrollieren also den Markt.

Die angestrebte Fusion von BHP mit Rio Tinto wurde aufgegeben, da a) die Rohstoffpreise stark fielen, b) Rio eine Menge Schulden in diese Ehe eingebracht hätte, c) diverse Auflagen das Geschäft massiv erschwert hätten

Seit dem die Währungen nicht mehr Goldgedeckt sind, legen sich diejenigen, die's vermögen, eben selbst Gold zur Sicherheit beiseite (oder hängen es sich um den Hals).

Das teure Brüderchen Platin zieht mit ...

und auch weniger edles, aber für die Elektronindustrie unentbehrliches, wie Blei und Kupfer ziehen mit.

Chinas Nachfrage ist nicht nur preistreibend für Landwirtschaftsgüter und Metalle, sondern auch für so seltsame Dinge wie die Lantaniden und weitere seltene Erden. Diese sind heute äusserst wichtig, da sie helfen, Energie effizienter zu nutzen, Metalle besser leitend zu machen oder ihre magnetischen Eigenschaften zu verändern. Elektroautos, Hybridautos, Flachbildschirme werden dazu führen, dass die Nachfrage in den nächsten Jahren um 20% ansteigt. Dummerweise werden die meisten davon (95%) in China gefördert, dass auf dem Gebiet ebenfalls eine merkantilistische Wirtschaftspolitik betreibt und die Knappheit fördert, also die Preise treibt:

Im Landwirtschaftsbereich kommen 2.5 Probleme hinzu:

Die Verringerung der Anbaufläche pro Kopf (nicht der "Anzahl Aecker" wie im Artikel geschrieben), denn die (präziser die Anzahl der Bauernhöfe) haben bloss abgenommen auf Grund des Druckes zur Restrukturierung, also zu grössern Betrieben) wird primär verursacht durch die Verbauung der Landschaft mit Häusern und Strassen ie auch die Zerstörung der natürlichen Grundlagen (Verwüstung) durch Uebernutzung (= Verringerung der potentiellen Anbaufläche), aber auch durch  jahre-, ja jahrhundertelange Ausnutzung der Bauern als Billigstarbeitskräfte sowie .(= Verringerung der effektiven Anbaufläche).

Auch ohne wirkliche Verringerung der Anbaufläche, hat der Markt hier eine preissteigernde Wirkung, da ertragreichere Bodennutzungen spekulativ (in Hinblick auf Nutzungsänderung) die Preise für den Landwirtschaftsboden in die Höhe treiben. Bauern die also nicht von Geburt her Millionäre sind, haben meist enorme Schulden abzutragen, was bei beinahe-Gratisproduktion eben nicht möglich ist.

Im Alter nimmt offenbar der Konsum an Getreide zu, dank Ueberalterung ist also mit einem höheren Getreidekonsum zu rechnen ... was allerdings positiv zu werten ist, denn Fleischkonsum verbraucht fast das 7 bis 15-fache an Getreide zur Produktion einer Einheit Fleisch. Das Argument ist also ein Scheinargument, drum höchstens ein halbes, wenn überhaupt.

Production on demand: Die Lagerhaltung hat sich enorm verringert. Der kleinste Ausfall durch Unwetter (Myanmar wird ebenfalls grüssen lassen ...) führt also sofort zu Preisanstiegen.

 

Das deutlichste Zeichen aber für die Verschiebung "des Zentrums der Welt" dürfte die Internetnutzung sein. Glauben heute noch viele, dass hier die USA führend sei, so liegen sie falsch, denn diese wurde längst von Europa abgelöst - aber dieses ebenfalls - eben - von Asien.

[Graphiken und Infos aus: Swiss Financial Trends Guide 2008. Stocks/Handelszeitung. April 2008]

Die Gründe dafür, dass der Markt hier, im Landwirtschaftsbereich, tödlich wird:

  1. In Entwicklungsländer geben die Armen 50-80% ihres Geldes für Nahrung aus. Dieser Anteil am verfügbaren Einkommen erlaubt eigentlich überhaupt keine Preissteigerung. Im Oekonomenslang: Die Preiselastizität für Nahrungsmittel ist fast bei Null, da in diesen Ländern eh bereits das Minimum des Notwendigen an Kalorien konsumiert wird. Inder geben im Durchschnitt 40% ihres Einkommens für die Ernährung aus. Weil Indien, der drittgrösste Reisexporteur, den Reisexport im Oktober 2007 verbot, geriet der Weltmarkt aus den Fugen. 4 Millionen der 29 Millionen weltweit gehandelten Tonnen fehlen. Darauf folgte Vietnam, der zweitgrösste Reisexporteur der Welt (22%), der seine Ausfuhr um 1 Million Tonnen kürzte. Ursache war auch der Wirbelsturm in Bangladesh, der 2007 die komplette Reisernte vernichtete.

  2. Das Welternährungsprogramm erhält a) keine Ueberschüsse mehr gratis, und muss b) für Zukauf mehr als das Doppelte bezahlen wie früher.

Die Gründe, warum der Ruf nach "Preissenkungen" verfehlt ist:

  1. Die Bauern steigen (stiegen? .... es wird sich zeigen) aus aus der Produktion oder um auf Benzin/Oelproduktion weil sie zu wenig verdienen, also von ihrer Arbeit nicht leben können. Es kann nicht von den Bauern erwartet werden, dass sie zum Volkswohl praktisch gratis arbeiten - während dem Händler und Spekulanten sich den Arsch vergolden.

    1. Die Reisbauern freuen sich. Die Mais- und Weizenbauern werden folgen. Die Milchbauern sehen eh seit längerem wieder Licht am Ende des Tunnels - China sei dank (trotz Laktoseallergie der Asiaten).

Lösungsmöglichkeiten:

  1. Viele Landwirte haben aufgeben, Landwirtschaftsfläche liegt brach, gerade weil die Preise keine Existenz mehr erlauben, zumal bei Kleinproduzenten. Die Landwirte müssen also faire Preise erhalten für ihre Leistung! Ihnen die Exporte zu verbieten, sie zum Verkauf zu Tiefstpreisen zu zwingen, macht wieder mal die Bauern zu Sklaven. [Tja, tut mir leid, aber jede Münze hat eben zwei Seiten ...]

    1. Solche Flächen (11-13 Mio ha) sind vor allem in Russland, der Ukraine und Kasachstan vorhanden (Rumänien nicht vergessen ...). Oder Afrika, ein Kontinent mit permanenten Entwicklungsproblemen, Hungerproblemen - aber ausreichend Boden und an vielen Orten immer noch Wasser. DAS zu lösenden Problem lautet: Wie können die Landwirtschaftsexporte Afrikas von den Märkten so aufgenommen werden, dass die einheimischen (noch subventionierten) Bauern nicht untergehen?

    2. gentechnisch verändertes Saatgut löst hier praktisch kein Problem s. Gentechnologie

       

      1. Allerdings entsteht hier das Problem, dass ökologische Ausgleichsflächen, Brachen, traditionell bewirtschaftete Gebiete (Magerwiesen z.B.) wieder intensiver bewirtschaftet werden, die Natur also verliert - weil die Marktpreise mehr hergeben als die Ausgleichszahlungen. In vielen Ländern wird auch der Druck auf Wald und Weide noch mehr zunehmen, also Wälder verschwinden, Weiden noch mehr übernutzt. Dies ist bereits ein Problem mit den riesigen Sojamonokulturen in Südamerika, vor allem Paraguay. Diese "Kultur" vertreibt dann mit der Natur auch die Kleinbauern. Hier ist darauf zu achten, dass das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet wird, die gegenwärtige Krise also zur Eliminierung des Nachhaltigkeitsgedankens und der letzten Reste Natur führt.

  2. Fleisch sollte in Massen verzehrt werden, da es ein vielfaches der Menge an Getreide verbraucht.

Gerade weil es hier marktwirtschaftliche Möglichkeiten gibt, das Problem eben über den Markt zu lösen, tönt bereits wieder: Lasst den Markt bloss machen! Bis zu gewissen Grenzen mag das ja stimmen, das Dumme daran ist bloss, dass der Markt eben keine Grenzen kennt, weder nach oben (s. Betriebsgrösse (economy of scale), Monopolisierung, neofeudale Herrschaftsbildung, Oligarchen. Gerade der Landwirtschaft wurde noch bis vor ein, zwei Jahren empfohlen, die Betriebsgrösse (optimale Grösse von Landwirtschaftsbetrieben) zwecks rücksichtsloser Rationalisierung zu steigern. Immer mehr Landwirte mussten aussteigen, begingen oft Selbstmord, da sie bei den tiefen Preisen am Markt nicht bestehen konnten.) noch nach unten (s. Arbeitslosigkeit, Verlagerung der Existenzkosten auf den Staat, d.h. Sozialstaat-Asozialpolitik, Kriminalisierung oder zumindest Veräppelung der Ausgeschlossenen, Armen, die der Markt nicht brauchen kann ... )

Wo Markt-Preise töten, trägt (na ja, grammaddisch gorrect: trüge) der Markt <Verantwortung> ... was bei demselben natürlich bloss zu einem hämischen Grinsen führt. Eben. Da "der Markt" aber nicht grinst, wird aber sofort klar, dass es Menschen sind, die den Markt gestalten, organisieren, nutzen, beeinflussen - und es sind eben die, die dann grinsen - obwohl sie eigentlich Antworten geben müssten, taugliche Antworten, nicht Ausflüchte. "Der Markt" ist also häufig bloss ein Schutzschild für verantwortungsloses Handeln. (s. Def. Veranwortung).

VERANTWORTUNG HEISST - ANTWORTEN GEBEN!

DER MARKT aber gibt keine Antworten - er reagiert mechanisch auf Preise.

DER MARKT kennt keine Vernunft.

DER MARKT kennt keine Gerechtigkeit.

Nicht dass ich der zentralen Planung das Wort reden möchte. Der freie Markt ist nach wie vor das effizienteste Allokationsverfahren mit weitaus geringeren Usurpationsmöglichkeiten der Herrschaft als bei politischen zentralistischen Planungsinstanzen - aber er ist beileibe nicht sooo ideal oder gar heilig, wie er gesprochen wird. Der freie Markt erzeugt auf der einen Seite ungeheure Kapitalvermehrungen, auf der andern nach wie vor Hunger, Kriege, Not, Ausschluss von Menschen. Er ist ungerecht, da die "Leistung" nach der er verteilt, von den Leistungserbringern listig gleich selbst definiert wird. Die Mechanik des Marktverfahrens ist heute die dominierende Ideologie und Produktionsgesinnung wie Produktivismus die dominierende Gesinnung (immer noch, obwohl diese ein Produkt der Nazis war ..). Nach ihr richtet sich nicht nur die Betriebswirtschaft, für die diese Orientierung als einzige legal und vernünftig wäre, sondern auch Politik, Bildungswesen, Kultur, ja sogar soziale Unterstützung. ]s. welfare - workfare - forced labour fair: Der autoritäre Markt hat den sog. "freien" längst ersetzt]

Gegenwärtig wird allüberall über den Untergang und die Verfehlungen der 68er berichtet. Die 68er sind gegen angemasste Autoritäten aufgestanden, wollten Mitbestimmung - und sie haben sie erhalten, allerdings eben nach dem Leistungsprinzip: Wer hat, der darf befehlen. (Ich bin da ein bisschen zynisch ...). Die 68er richteten ihre Kritik und Wut gegen personalifizierte Autoritäten, gegen das Patriarchat, gegen das Establishment - sie wurden überholt vom System, das Autorität quasi objektiviert hat, sie usurpiert hat, sie als wirtschaftlichen Sachzwang getarnt hat, sie zum Gehorsam nicht gegenüber Personen, sondern zur getreuen Gefolgschaft von Marktprinzipien und -Mechanismen umgeformt hat. Die Herrschaft gehört heute nicht mehr fassbaren Personen, sondern anonymen Gesellschaften mit beschränkter Haftung, bei der die Beteiligten nicht mehr persönlich Handlung haften, sondern nur noch ihr Papier, ihre Aktie, die sie verlieren können. Dieser kleine Minderheit, die dank flüssiger Mittel die Marktmechanik zu eigenen Gunsten nutzen und gestalten können, steht aber eine grosse Mehrheit gegenüber, die für Schäden haften, oft nicht bloss finanziell, sondern gleich mit der eigenen Existenz, da "der Markt" gleich sämtliche Erfahrungen entwertet. <UEBERFLUESSIG> - so das häufigste Urteil des Marktgerichts, das ohne Ansehen der Personen und Schicksale vom Marktgericht gefällt wird. Die Freiheit des Marktes besteht für eine kleine, mit Geld "begabte" Minderheit darin, ihr Geld mit allen Mitteln und ohne Einschränkungen zu vermehren - für die grosse Mehrheit der andern aber, dafür zu bezahlen (zumindest durch Unterwerfung), solange sie können, solange sie leben.

Der Markt ist, bei aller Kritik, DER optimale Allokationsmechanismus - kann aber, wie jeder Mechanismus, nicht antworten. Er gibt keine Antwort auf die dringendsten Fragen der Menschen. Er ist - verantwortungslos - wie jede Mechanik und Technik. Er ist nichts als ein Verfahren, oft aber ein verfahrenes Verfahren.

Der Markt maximiert die Gewinne, auf Grund von Preisen. Preise lassen sich optimieren bei möglichst grossen, ja dominanten Betrieben, bei Vereinheitlichung, Standardisierung, Vereinfachung, Rationalisierung, Mechanisierung. Endzustand: Die 80/20 Gesellschaft. Nur in einem kontrollierten, sozialen Markt der obere Grenzen der Markbeherrschung und untere Grenzen bei Löhnen und Einkommen kennt, bleibt Kleinen, ev. gar Individuen eine Chance, Alternativen zu entwickeln, die zwar teurer sind, dafür "bunter", vielfältiger, eben anders.

Der reine Marktentscheid nach Preisen schädigt nicht bloss den Markt selbst, sondern auch Natur und Gesellschaft, die (beide) maximal ausgebeutet werden. Hohe Preise für Rohstoffe sind nicht bloss schlecht, sie bewirken auch Sparen, was insbesondere bei Erdöl und allen andern nicht nachwachsenden Rohstoffen dringend nötig ist. Die Förderung von noch intensiverer Ueber-Nutzung von Umwelt und Bauern wäre die falsche Antwort, eine Antwort, die vor allem die Umwelt noch mehr belasten würde. Was von Marktfundamentalisten heute Indien, Vietnam, Pakistan ... vorgeworfen wird, die den Reisexport einschränken, um erst ihre eigene Bevölkerung ernähren zu können, ist Zynismus erster Güte. Sollen sie verrecken ... bis der Markt reagiert?  Oder sollen sie Kuchen essen - wie Marie Antoinette unter ähnlichen Bedingungen mal meinte? Es ist zwar richtig, dass der Markt alle Probleme löst, aber wenn die Lösung Hunger, Revolten, Umstürze, Gewalt, ja Tod beinhaltet, dass ist diese Form von Markt als Problemlöser eben dem Menschen nicht tauglich.

Ein humaner, d.h. menschentauglicher Markt
müsste also nebst Preisen auch Werte berücksichtigen.

Aber davon sind wir noch weit weg ... theoretisch wie praktisch. [s. Soziallabels und ähnliches. Das Nichtvorhandensein unter Google bestätigt meine Behauptung. Meine letzten Bemerkungen zu dem Thema stammten ebenfalls von ca. 1998 (Agenda 21 Rheinfelden) - und sind längst gelöscht. Das Florieren der Umweltlabel zeigt aber, dass hier noch Potential vorhanden ist.]

Diese Label komplizieren die Marktmechanik,
    machen das Verfahren weniger leicht berechenbar,
        stören.
            Deshalb sind sie den Markbeherrschern ein Dorn im Auge -
                und genau deshalb sollten wir sie fördern!

Denn der Automat ist unpersönlich, besteht nur aus Marktgesetzen, betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen - und -Entscheiden. Und genau da kann man ihn dann doch packen, bei den Entscheiden, denn diese werden, entgegen aller Behauptungen, nicht vom Markt getroffen, sondern von Menschen. Die automatische Entscheidungsfindung auf Grund von Preisen wurde ja an der Börse längst aufgegeben, da sie regelmässig zu Abstürzen führt, d.h. dazu, dass der Betrieb eingestellt werden muss, um den Programmierern Zeit zu geben, mal nachzudenken - und ihre Entscheidungsprogramme entsprechend zu korrigieren.

Der Nahrungsmittelsektor ist ein Kulturbereich ... wie schon der Ausdruck Agri-Kultur besagt. Er kann also nicht beliebig mechanisiert werden, auch nicht finanztechnisch. Er ist pfleglich zu behandeln, also nachhaltig. Wurde noch vor wenigen Monaten überall nach Restrukturierung in der Landwirtschaft geschrien, da die Flächen zu klein, die Bewirtschaftung weder rational noch rentabel sei, Investieren Spekulanten nun plötzlich in Landwirtschaftsflächen und -Güter, und verursachen gerade dadurch extreme Störungen der Versorgung.

Martin Herzog, Basel, 11.5.08: Erleuchtung zu Pfingsten

Warum sind die Rohstoffpreise plötzlich gar nicht mehr so hoch?

 

Deutlich wird, dass, sehr zum Leidwesen der Bauern, die Preise von Milchprodukten rasch wieder auf das alte Niveau gesunken sind. Eben so deutlich,dass dies bei Getreide nicht im selben Ausmass geschah. Milch dürfte hier eher ein Luxusprodukt sein - Getreide als Grundnahrungsmittel unentbehrlich. Dem entsprechend titelt die Handelszeitung Nr. 21 am 20. Mai auf Seite 32: Die Ernte langfristig einfahren. So lange China und Indien wachsen, wird der Konsum zunehmen. Dazu kommen Verknappung durch Bodenzerstörung, Anbau von Biokraftstoffen, stagnierende Mehrerträge durch Züchtung und Düngung, Ernteausfälle durch Unwetter und die klimatische Erwärmung (zunehmende Trockenheit) etc. Kurzum, die Aermeren der Welt erwartet eine Hungerkatastrophe, die reicheren Profite. Wohl bekomms.

Die gemässigte Preisentwicklung in der Landwirtschaft liegt an den Reaktionen, die zu hohe Nahrungsmittelpreise erzeugen. Da gerade die ärmere Bevölkerung bereits an der unteren Grenze versorgt ist, lässt dies keine Einschränkungen mehr zu. Hunger führt aber nur selten zu Selbstmord, sondern vorzugsweise zu Rabatz, Aufständen, Revolutionen und dergleichen. Die meisten Regierungen, insbesondere diejenigen, die mit Empfehlungen des IWF bereits ihre schlechten Empfehlungen gemacht haben, sind darum hier äusserst vorsichtig (s. Russland zur Zeit).

Erdöl:

Ist zwar knapp, also teuer, wird immer knapper, also noch teurer - wenn allerdings die Wirtschaft (sprich Konjunktur) im A... ist, fällt die Nachfrage, also die Preise. Das gibt sich wieder. In der Zwischenzeit wirft dieses Kapitalmarktphänomen aber massive Probleme auf für die Entwicklung alternativer Energien, wie sparsamerer Autos, Häuser etc., da der Glaube wieder aufkommt, Oel sei ja vermutlich doch nicht so knapp - was ein Irrtum ist (s. Oil Peak). Ebenso wird die Erschliessung neuer, wenig ergibiger, also teurer Felder aufgeschoben, was beim nächsten Boom dann prompt wieder zu Verknappung und eben so extremen Preisausschlägen nach oben führen wird, wie vor kurzem gesehen. Der Oelpreis tendiert nicht wieder gegen 20$, sondern sollte heute zwischen 80 und 130 liegen - Tendenz steigend. Die Rettung der Citybank (24.11.08) brachte bereits wieder einen Kursanstieg um 6% auf 54$ - allerdings erst nachdem dieser von den hier abgebildeten 52$ im November noch auf 48$ gesunken war. (Dass der Preisunterschied maximal 6$ beträgt und dennoch nur 6% im Tagesdurchschnitt, ist Zufall, keine Verwechslung von % und $). Diese Kurve hier fiel erst noch auf 40 und ist inzwischen wieder auf 60. Generell wird davor gewarnt, mit dem Tankfüllen anzuwarten, da die Preise wieder langsam anziehen. Bereits kurz bis mittelfristig wird mit 70 bis 80 $ gerechnet. Die Heizölpreise in der Schweiz stiegen von 59 Fr./100l im März bereits auf 69 Fr./100l im Mai 09.

Zu diesem Preis können aber nur 3 der 11 in der OPEC zusammengeschlossenen Länder überhaupt produzieren, womit sich die nächste Verknappung, und damit der nächste Preisexzess, bereits wieder abzeichnen. Experten rechnen für 2009 mit einem Preisband von 63-88 Dollar. Den Börsenkursen von Rohstoffhändlern wie xstrata bekam dies nun gar nicht.

Die Preisentwicklung bei Brent zeigt seit 2006 eigentlich eine "dynamische" Stagnation bei etwa 80 $, womit die meisten Produzenten wie Verbraucher leben können Terminkontrakte zeigen die Erwartung eines eher schwachen Anstiegs auf 90 $ in den nächsten 8 Jahren ... worauf man sich aber nicht all zu sehr verlassen sollte (s. 2008).

Auch an der Börse sind die Interessen eben recht unterschiedlich - und genau dies ist ja der Grund, warum die einen die zu erwartende Entwicklung oft ganz anders sehen als die anderen. Die Handelszeitung (Nr. 2, 1§3.-19. Januar 2010, S. 29) sah beim Preisanstieg von 2009 vor allem spekulatives Engagement. Immerhin waren Spekulationen mit Rohstoffen 2009 das einträglichste Geschäft für die Banken.

Lange galt, dass Spekulationen sich in einem gesonderten Markt abspielen und auf die Preise in der realen Welt kaum Einfluss haben. Das dahinter stehende Modell von Keynes/Kaldor beruht allerdings auf der Annahme, dass Spekulanten bessere Einsicht haben in reale Preisentwicklungen, und daraus ihren Vorteil ziehen, womit sie dem Markt aber eigentlich einen Dienst tun. Dies hat sich mit der Tortillakrise (2007) geändert. Der Zusammenhang wurde durch eine Studie von Jochen Möbert auch belegt. Ursache für die unterschiedlichen Preisvorstellungen sind unterschiedliche Interessen:

Würde die Regulationsbehörde (cftc z.B.) eingreifen, hätte das beträchtliche Auswirkungen auf die Bilanzen der Banken ...

Würden die Zinsen erhöht, hätte das beträchltiche Auswirkungen auf die Bilanzen der Banken ...

Würden die Anforderungen an Eigenkapital erhöht, hätte das beträchtliche Auswirkungen auf die Bilanzen der Banken ..

Und da bei Bankrott dann noch der Staat einspringen muss - spielen halt alle mal mit, bis es wieder raucht, denn:

Würden die USA vorpreschen mit Vorschriften, würden die Händler abwandern aus den USA, vermutlich nach London.

Führt London die Bonisteuer ein, wandern die Banken ab ....

Fällt in der Schweiz das Bankgeheimnis, wandern die Banken ab ....

Weshalb zur Zeit vermutlich derartige Anstrengungen unternommen werden, den Mars zu erkunden, denn irgendwo müssen die ja auch hin.

Die Illusion eines nachhaltig tiefen Oelpreises

Die Graphik rechts (Klicken zur Vergrösserung!)(BP Statistical Review of World Energy June 2008) zeigt deutlich, dass in Europa das Energiesparen zwar funktioniert, also weniger Erdöl verbraucht wird, dies aber in den USA noch nicht stattfindet, und die Ersparnisse durch den Mehrverbrauch in Asien mehr als wettgemacht werden. Der globale Verbrauch an Erdöl steigt weiter, obwohl bereits mehr als die Hälfte der globalen Reserven verbraucht sind (s. peak oil), und die Förderung immer teurer wird (s. Minimalpreis für Investitionen, bedingt durch Förderkosten).

http://tonto.eia.doe.gov/country/index.cfm

Top World Oil Consumers, 2006
(thousand barrels per day)
Rank
Country
Consumption

 

1
20,687

 

2
7,201

 

3
5,198

 

4
2,811

 

5
2,692

 

6
2,572

 

7
2,297

 

8
2,220

 

9
2,180

 

10
2,139

 

Diese Entwicklung ist wenig verwunderlich, sieht man sich die gegenwärtige Nutzung an: Den höchsten Verbrauch, pro Kopf wie total, haben die USA und Kanada, mit vergleichsweise geringer Bevölkerung (305 + 33 = 338 Millionen).

China folgt zwar bereits heute (na ja, 2006) auf Platz zwei, Indien aber erst auf Platz 6. China hat jedoch eine Bevölkerung von 1.3 Milliarden, Indien 1.15 Milliarden, total 2.5 Milliarden). Dass deren Verbrauch so tief liegt, liegt an der noch vergleichsweise geringen Industrialisierung, die aber in beiden Ländern gewaltig aufholt.

  • 2004 wuchs der Bedarf in China um 3.4 Prozent auf 82.4 Millionen Barrel pro Tag.

  • 2006 führte das Land 145,2 Millionen Tonnen Erdöl aus dem Ausland ein, 14,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

  • 2007 wuchs der Oelverbrauch in China gar um 52%

  • ...

Die Zahlen für Indien sind zwar etwas bescheidener, aber Indien auch noch ein rechtes Stück weniger weit in der Beziehung als China:

Table 2: Petroleum Production and Consumption in India, 1993-2003
(in thousands of barrels per day)

 

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

Production (total)*

578

651

770

751

780

761

765

770

782

813

815

Production
(Crude Oil only)

534

590

703

651

675

661

653

646

642

665

660

Consumption

1,311

1,413

1,575

1,681

1,765

1,844

2,031

2,127

2,184

2,263

2,320

* includes crude oil, natural gas plant liquids, other liquids, and refinery processing gain
Source: DOE/EIA

http://www.cslforum.org/india.htm

Obige Graphik zeigt, dass der Energieverbrauch Chinas heute noch unter dem Weltmittelwert liegt. Wenn China schon nur den Standard von Russland erreicht, bedeutet das eine Verdreifachung, bei einem Verbrauch wie in den USA oder Kanada sogar eine Versechsfachung, d.h.

Aus diesen Gründen ist kaum mit einer längeren Baisse bei den Oelpreisen zu rechnen, im Gegenteil, auf Grund der Starken Substitution von Erdöl durch Kohle (verflüssigte Kohle) in China sogar mit einem Ansteigen der Kohlepreise:

http://www.greencarcongress.com/2006/06/eia_forecasts_g.html

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Der Reispreis hat sich etwas erholt und liegt Ende September bei 722 $ pro Tonne.


 

Weizen hat seit dem Höchststand im April mehr als die Hälfte verloren.
 

Die Preise für Mais (r) wie Sojaöl (u.) liegen wieder auf dem Stand des Vorjahres.

 

 

 


Goldpreis:

Die Finanzkrise hatte zu einem beträchtlichen Ansturm auf Gold geführt, das allerdings seinem Ruf als sicherer Hafen nicht mehr gerecht wird, sondern mehr den Gesetzen aller Rohstoffe folgt. Je mehr Spekulation, desto mehr Preisschwankungen, also nicht die Bohne von sicherem und verlässlichem Wert. Geld, sollte man nie vergessen, erfüllt eben gleichzeitig 3 Funktionen, die sich ab und zu ins Gehege geraten können (s. Geldökologie):

  1. Wertsetzung, Bewertung, Eichung: Preisbildung

  2. Tauschmittel

  3. Wertaufbewahrung

Dementsprechend ist auch der Rohstoffindex generell wieder auf dem Stand wie vor dem Hype:

Kupfer zeigt als Trend einen leichten Anstieg, der dem Verbrauch in China entspricht. Der Gegenwärtige Tiefststand ist nun eine Unterertreibung der Börse, basierend auf reduzierten Wachstumsraten, insbesondere auch in China. Die gegenwärtige Entwicklung ist also reiner Finanzmarktschabernack. Kupfer wie Erdöl und die meisten Rohstoffe bleiben, objektiv betrachtet, knapp. do Platin. Die Untertreibung hier basiert zusätzlich noch auf den Einbussen der Luxusindustrie. Beim Blei dürfte die Entwicklung ähnlich verlaufen wie bei Kupfer.

Die Situation Anfangs Herbst 09:

Trotz der Kurve: Mit sinkenden Weizenpreisen ist längerfristig auf keinen Fall zu rechnen`

Die Aussage hat sich mehr als bewahrheitet mit den schweren Produktionseinbussen Russlands (45 Millionen statt wie im vergangenen Jahr 97 Millionen Tonnen. Exportverbot), der Ukraine und Kasachstan (Trockenheit) und Pakistans (Ueberschwemmung) im Sommer 2010. Stocker und Zschäpitz empfehlen in "Satte Gewinne mit Agraranlagen [Handelszeitung Nr 35, 1-7. September 2010, S. 31), lieber in land- oder forstwirtschaftliche Flächen/Betriebe zu investieren, um a) nicht in die Unwägbarkeiten spekulativer Preise zu kommen und b) Geld zur Verfügung zu stellen zur Produktivitätssteigerung. Genau dies macht jedoch China in Afrika, was in Madagaskar bereits zu einem Umsturz geführt hat. Hat das Volk nichts mehr zu essen, bezahlt es eben nicht mehr für dieses knappe Gut, abgesehen davon, dass es keine Mittel dazu hat, sondern macht Rabatz. Dass diesmal der Preis nicht all zu steil anstieg, liegt an guten Ernteaussichten für die USA (+ 20% Weizenverkäufe) wie für Australien.

Die Händler weinen Krokodilstränen, weil die dummen Russen den Export verbieten und so die Preise in die Höhe treiben (für den Rest der Welt). Dabei ist die Sache so oder so ungerecht:

  1. Russland sichert sich so zwar günstigen und sicheren Weizen für sein Volk. Da die Preise aber den Minderertrag nicht wettmachen, heisst das, das die Bauern für den klimabedingten Minderertrag einstehen müssen, also häufig bankrott gehen werden.
  2. Exportiert Russland trotz Knappheit (privat), muss es den Weizen teuer wieder einkaufen (als Staat). Private verdienen - das Volk bezahlt dafür.

 

Kupfer und Blei werden knapp.

 

Der Goldpreis hat sich gehalten, und steigt sogar weiter, ein schlechtes Zeichen für die Realwirtschaft, insbesondere was Deflations- oder Inflationserwartungen betrifft. Palladium, Silber, Platin do - zur Zeit vielleicht die aktivsten Spekulationsinstrumente.

Nickel legt wieder zu, allerdings noch weit entfernt von den Spitzen die er 2007 erreichte.

Weitere Metalle

Die Finanzkrise verschärft nun eine Situation, die bereits vor 2 Jahren zu massiven Preissteigerungen bei den Rohstoffen geführt hat. Bei der Erschliessung neuer Erdölquellen, wie bei Kupfer, Blei, ja sogar Eisen fehlen die Investitionen - während die Nachfrage steigt, vor allem durch China (s. Eisen, rechts; Metalle generell unten: China verbraucht inzwischen die Hälfte der Weltproduktion aller Metalle, inkl. Stahl).

Da sich die Holzpreise nach Rohstoffpreisen, bei Brennholz ganz klar nach Erdölpreis richten, werden diese sich also vermutlich auch wieder eher nach unten anpassen. Die Waldwirtschaft muss sich hier also an etwas anpassen, mit dessen Dynamik sie nicht schritt halten kann - weshalb wir wieder bei Punkt 1) im Leiterlispiel stehen: Warum sind die Rohstoffpreise so tief ... Wenn die Reserven verbraucht sind und zu wenig neue Quellen erschlossen, dürfen wir dann wieder fragen: Warum sind die Oelpreise so hoch? etc.

Wie schnell und unberechenbar unsere Wirtschaft zur Zeit ist, können Sie am besten ermessen an den (zu schnell) vergessenen Schlagzeilen. So titelt etwa Swiss Financial Trens Guide 2008 von Stocks noch im April 08, eine renommierte Zeitschrift, die sich immerhin nicht auf Finanzgeschichte sondern Trens einlässt:

Das alles in ein und derselben Zeitschrift. Und dann können einige weniger reiche Amis aus dem Mittelstand die Mieten für ihre Häuschen nicht mehr zahlen - kabum, und nix läuft mehr, nix stimmt mehr, weltweit. Ist das so? Ist das richtig so? - Oder müsste man die Dynamik, die der Finanzmarkt mit "Blaugeld" entfacht, etwas dämpfen bevor sie auf die reellen Märkte durchschlägt? Immerhin titelte Werner Vontobel im oft als Wirtschafts-Blick verschrieenen CASH bereits am 26. April 2002 auf S. 45: Finanzmärkte - Weniger Leisten, mehr Kassieren. Hier ging für einmal die falsche Zeitung ein.

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