Probleme der Restrukturierung über Grössenvorteile  (Economy of Scale)

Dreadfully sorry if you landed here as an english speaker. But as not only economists like to use english terms, that can happen. Because the site attracts quite a number of visitors, here the ENGLISH VERSION.

Beispiel Grosssägewerke

Grösse, Wirtschaftsmacht und Demokratie?

nach:  Impacts of gorvernment subsidies on sawmill industry in the european union. Report Helsinki, September 4, 2002. INDUFOR. European Organisation of the sawmill industry (EOS. Finnish sawmill association. http://edit.onstage.ch/holz-bois/fileupload/20021025823.pdf 

Eine detaillierte "wissenschaftliche" Analyse der ETH zum Fall Kogler und Grossägewerke finden Sie hier

Aussagen in der Presse zum Grossägewerk hier

"Amüsant" ist das Statement der Befürworter an der Medienkonferenz 24. Juni 04:

Einzelinteressen müssen mit Blick auf das Ganze zurückgestellt werden.

Und so was, nach dem ganzen neoliberalpropagandistischen Trara, das Einzelinteressen und Egoismus gegenüber Kooperation dermassen hervorhob. Man wundert sich ... nicht wirklich. Der Kommunismus sagte ja auch immer: Es kommen harte Zeiten bevor es ... noch schlimmer wird.

KOGLER SCHEITERT AUCH IN MÜNTSCHEMIER! [Situation Mai 08]
Nach Luterbach und Niederbipp hat nun auch Müntschmier den Verkauf von Land verweigert. Es steht nun zu hoffen, dass a) Kogler das Handtuch wirft und b) die Schweizer Säger dieses Potential nutzen - mit etwas mehr Augenmass.

Auch Stallinger stellt den Bau seines zweiten Werkes in der Zentralschweiz zurück (Domat_Ems in Betrieb seit 1007). Dies weniger aus Einsicht in die Problematik von Grosswerken - sondern schlicht und einfach weil die Immobilienkrise in den USA den Hausbau und damit Holzabsatz dorten abgesägt hat. Schilliger ist in Luterbach noch am Werken. 4 Grosssägereien wären vermutlich auch grad ein bisschen viel gewesen ... da leidet die Grösse ...

Das Projekt Grossägewerk in Luterbach wurde im Oktober 2009 aufgegeben. Grund dafür war primär die Möglichkeit für Schilling, das bankrotte Grosssägewerk Klenk SAS im elsässischen Vogelsheim zu übernehmen. Kaufpreis 22.8 Mio Fr. Die Entwicklung des "Holzclusters" in Luterbach hängt damit voll durch.

Europa ist reich an Wäldern, und wird immer reicher, da überall weniger geerntet wird als nachwächst. Dies liegt daran, dass Feuerholz durch Erdöl ersetzt wurde, dass Restholz immer effizienter genutzt wird, dass immer mehr Wald unter Schutz gerät, Weideland verwaldet und zudem die Waldpolitik meist sehr konservativ war, also ihr Kapital lieber im Wald stehen liess als es billig zu verscherbeln. Leider hat sich die Erwartung höherer Erlöse nicht bewahrheitet und der "Kapitalzuwachs" wird langsam aber sicher zum Problem. Weitere Gründe für diese Unternutzung sind die geringe Nachfrage, Flaschenhälse bei der Infrastruktur, geringe Erträge für die Waldeigentümer, schlecht definierte Eigentumsrechte und Kontrolle. Europas Wälder produzieren etwa 1 Milliarde m3 Holz pro Jahr, das Stehendvolumen betrug im Jahr 2000 39 Milliarden m3 und wird bei gleicher Unternutzung wie heute bis 2020 auf 43 Milliarden ansteigen. In der Periode 2000-2010 werden ca. 140'000 Personen eine Vollzeitstelle im Sägereigewerbe einnehmen, vor allem in eher ländlichen Gegenden.

In der Zwischenzeit ist nun auch noch Domat/Ems (Stallinger > Mayr-Meinhof), die grösste Sägerei der Schweiz, vom Kanton mit 40 Millionen Fr. gestützt, bachab gegangen.

Das bestätigt die Warnung vor Grösse. Grösse ist grandios, solange alles normal läuft. Rein durch die Vorteile der Grösse, ist eine Ueberlegenheit gegenüber kleinern Betrieben gegeben, eben die economy of scale. Läuft allerdings was nicht so wie geplant, sind die Rohstoffpreise zu hoch, die Mengen zu klein, oder die Exporte schwach wegen zu teurem Fränkli, dann haben grosse Betriebe eben auch grosse Probleme. Die Un-Kosten sind dann genau so masslos wie die Grösse. Man könnte dies das Titanik-Syndrom nennen: Eine relative kleine Ursache, die dazu noch zu bloss 15% sichtbar ist, kann das grösste Schiff versenken. Also mich persönlich freut's, dass offenbar doch ein Kraut gewachsen ist gegen die Dominanz der Grösse. Je riskanter und volatiler das wirtschaftliche Umfeld wird, um so riskanter eben auch die Grösse. Die Bevölkerung, speziell als Steuerzahler, sollte das Problem des too big to fail (UBS, cs) also nicht auf die leichte Schulter nehmen, einfach weil wir für einmal noch billig davon gekommen sind, sondern echte Lösungen suchen.

Fazit: EIN HOCH DEN KMUS.

Aufgabe: Die Kooperation der Waldwirtschaft mit den KMUs ist zu verbessern.

Die Sägeindustrie ist eine reife Wirtschaftsbranche mit niedrigen Margen. Diese werden weiter gedrückt durch die fragmentierten Produktionsstrukturen und die starke Abhängigkeit von Wirtschaftszyklen (vor allem diejenigen der Bauwirtschaft.

Die Produktivität einer modernen Säge liegt bei 2500 bis 3000 m3 pro Jahr und Kopf , eine ältere, mittelgrosse Sägerei verarbeitet 800 bis 1000m3, ein der typischen Kleinsägereien etwa 200 bis 600 m3.

Dies ist allerdings nicht alles an Problemen. Wachstum findet zur Zeit vor allem in Osteuropa statt, begünstigt von tiefen Löhnen und tiefen Holzpreisen ab Stock. Die Rundholz wie Sagholzpreise betragen in Russland etwa 40-50% der EU-Preise.

1960 gab es in der Schweiz noch rund 2500 Sägereien, mit entsprechend vielen Arbeitsplätzen. Heute  sind es noch rund 400, Tendenz schwindend (bei der nun als optimal erachteten Grösse würden 5-10 ausreichen, d.h. 1500 Arbeitsplätze für die primären Holzverarbeitung + eine Menge Kapital und Maschinen ... Auch hier wurde ein für selbständigen Erwerb ausgezeichnetes Gebiet durch das Kapital erschlagen. (s. Mit dem Bauern-Opfer - verschwindet die Urform einer selbständigen, eigenständigen, eigenverantwortlichen Produktions- und Lebensstils)


 

Economy of Scale & die Folgen der Restrukturierung

Eine Sägerei die 500'000 m3 pro Jahr verarbeitet hat ca. 15% tiefere Produktionskosten als eine die 10'000 m3 verarbeitet.

Beitrag einer Besucherin:

Zur geplanten Subventionierung einer ausländischen Grosssägerei in der Ostschweiz.
Eine gesunde Forstwirtschaft muss die Gesetze der Natur und der örtlichen Gemeinschaft achten.

Elsbeth Schaffner, Müselbach, 9.7.05

Wir sehen den deutlichen Vorteil der Grösse, wir sehen aber auch etwas, was den wenigsten bei einer Fusion vielleicht bewusst ist: Die erwähnte Grossägerei  (Ich kenne den mit der Grosssägerei, scheiss aber drauf. Im Internet finden Sie zwar 70 Grosssägerei gegen nur 18 Grossägereien, aber da ich es gewohnt bin, in der Minderheit zu sein ...). ist 50 mal grösser als die Kleine. Aus zwei kleinen wird also noch lange keine grosse. ... 65% der Sägereien gehören aber zu den kleinen, mit weniger als 10 Angestellten.

Eine neue Sägerei mit einem jährlichen Umsatz von 500'000 m3 schafft zwar 200 Arbeitsplätze - sie vernichtet aber die Existenz von 100 Kleinsägereien und damit 1000 Arbeitsplätze. Die sozialen Kosten der Restrukturierung sind 800 Arbeitslose - mit einer Berufserfahrung die dann kaum mehr gefragt ist.

Eine andere Schätzung liefert Christina Leutwyler in "Grossägereien sollen Holzbranche aufmöbeln (Tagesanzeiger, 11.7.05, S. 5). Stallinger (Graubünden) und Kogler (Luterbach) würden zusammen die Hälfte des Schweizer Säge-Holzes verarbeiten - mit einem Zehntel der in diesem Bereich heute in der ganzen Schweiz Tätigen. Jedes der beiden Werke wäre 3 x so gross wie die bisher grösste Sägerei.

Apropos Luterbach ... das dortige Holzcluster wurde bereits anulliert, oder bestenfalls etwas gestreckt, da Koho Swisswood (wie sich das Ding heute offenbar nennt. Aktienkapital lächerliche 200'000 - so wenig reicht, um so viele Sägereien nieder zu machen!) nun doch nicht in Luterbach (SO), sondern, noch grösser, in Nieberbipp (BE) bauen will.

Es kostet nicht mehr Zeit, mit grossen als mit kleinen Zahlen zu rechnen. Es kostet zehnmal soviel Zeit, 10 Einkäufe für 100 Pfd St. wie einen Einkauf für 1000 Pfd St. zu machen. Es kostet zehnmahl soviel Korrespondenz, Papier, Briefporto, mit 10 kleinen Kaufleuten, wie mit einem grossen zu korrespondieren.

Karl Marx: Das Kapital. 3.3.4.17

Die positiven Folgen der Restrukturierung, eine um 15% günstigere Produktion von einer mächtigen Masse von einer halben Million m3, mit der eine Sägerei in der Schweiz eine starke marktbeeinflussende  Stellung hätte (Oligopol), leitet die Mehrwertschöpfung die vorher über Löhne den nun überflüssig gewordenen Arbeitskräften zugute kamen, in die Kassen der andern Produktionsfaktoren, Kapital und (Wald-)Boden. Die Besitzer des Ersteren sind eher selten in ländlichen Gebieten anzutreffen (wozu ich die Goldküste und den Kanton Zug nicht zähle), die letzteren je länger desto öfter im Ausland (zumindest was Finnland betrifft).

Die von Kogler im solothurnischen Lutherbach geplante Grosssägerei wäre so aus der Perspektive neoliberaler Wirtschaftstheorie eine ziemlich gute Sache:

Dazu kommt,

dass  Holz zur Zeit

beträchtlich unter seinem Energie- und Rohstoffwert gehandelt wird!

Da Neoliberalismus aber immer eine gute und eine schlechte Seite hat, hier die andere:

Ein Denkfehler der viel begangen wird, aber die positiven Effekte der Restrukturierung und tiefen Preise vollends zunichte machen kann, ist der, dass eine Nachfrageelastizität von 1 angenommen wird, also die Vermutung, dass sich bei halbem Preis doppelt so viele Produkte absetzen lassen (s. dazu Preis-Menge-Gesetz). Dummerweise ist die Nachfrage gerade bei Holz sehr inelastisch, d.h. dass bei einer Halbierung des Preises eben nicht doppelt so viel Holz verkauft wird, sondern nur 1.2 bis 1.4 mal mehr. So rational Rationalisierung tönen mag, so unvernünftig ist das Resultat, denn am Ende wird nicht für den gleichen Lohn das doppelte produziert, sondern vielleicht für 3/4 des Lohnes, das 1.3 fache. Für Betriebe welche Ihren Umsatz nicht entsprechend der Einsparungen durch Rationalisierung vergrössern können, bedeutet sie die Eliminierung. Rationalisierung ohne neue Produkte und Märkte ist volkswirtschaftlich destruktiv.

Die Wirkungen der sehr beliebten Nutzung der Effekte durch die economy of scale zeigen sich bereits eindrücklich - ohne gigantische Grosssägereien:

[Daten von http://www.agr-bfs.ch/deu/TableViewer/Wdsview/dispviewp.asp?ReportId=235 Das Bundesamt für Statistik hat übrigens sein Angebot an Daten extrem verbessert und die Uebernahme z.B. als Excel-File enorm erleichtert. Sollten sie sich mal ansehen.]

Nun werden aber solche "Grössen" in Europa zum Vorbild:

 

Der Trend wird in der Schweiz bestätigt durch die Absicht des österreichischen Famlienunternehmens Stallinger, das in Untervaz eine Sägerei mit einer Kapazität von 800'000 (600'000? neuste Angaben, also rund 1/10 der Produktion des Schweizer Waldes) Festmetern einrichten will - die von gerade mal 100 bis 150 Mitarbeitern verarbeitet werden. Der Kanton Graubünden unterstützt das Vorhaben, sehr zum Ärger der bestehenden Sägereien, mit 8 Millionen Fr. à Fonds perdu, 10 Millionen Fr. zinslosem Kredit, zehn Jahren Steuerbefreiung, 25 ha Land (fast gratis), Mithilfe bei der Rohstoffbeschaffung und einer Bewilligung für Schichtbetrieb. Da fragt sich nicht bloss die Konkurrenz, warum denn ein bereits durch die Grösse derart dominierender Betrieb auch noch durch öffentliche Mittel gefördert werden muss. Die Befürworter begründen dies mit dem Zwang zum Export und dem damit verbundenen Zwang zu Tiefstpreisen. Da diese Preise allerdings zu einem grossen Teil durch Ausbeutung (s. als extremes Beispiel Tasmanien), also Marktverzerrung, gebildet werden, dürften sie die falsche Orientierung darstellen.


Situation und Zukunft der Schweizer Sägeindustrie. Struktur- und Potentialanalyse. Holz 21 (Wurde unter diskussionsforen abgelegt, da sich der Originallink des öftern verschiebt) Der Bericht macht auf eine Lösung aufmerksam, die Grösse möglich macht, aber die Beteiligung vieler erlaubt: Mehr Kooperation.

 

Mitarbeiter zahlen Steuern - statt Betrieb ...

Interessant ist die Bemerkung von Gemeindepräsident Wettstein (FDP), die heute (9.9.05) im Tagesanzeiger publiziert wurde (Streit um Grossägerei: Die einen versprechen sich Arbeit, die anderen Lärm. H. Nussbaumer): Drittens würde Domat/Ems nicht erst in zehn Jahren profitieren, sondern sofort - weil die Stallinger-Mitarbeiter ja ihr Einkommen im Dorf versteuern würden. Dass diese für die ersten Jahre eh aus Oesterreich kommen werden, wird erst später im Artikel erwähnt, ist aber nicht das Hauptproblem. Sonst schreit die Wirtschaft doch laufend zetermordio, man müsse die Löhne von Steuern entlasten [keine Mehrwertssteuer, keine Konsumsteuern ...], um die Wirtschaft anzukurbeln. Hier wird nun aber expressis verbis klar gesagt, dass es um die Entlastung des Kapitals und seiner Pfründe geht, nicht um die Entlastung und Besserstellung des Konsumenten - denn der soll ja gerade auch noch für die Steuern für die Unternehmer gerade stehen.

Zum Vergleich: Zur Zeit gibt es in der Schweiz noch 445 Sägewerke die 2.3 Millionen m3 /J. verarbeiten. Die grössten Sägereien sind zur Zeit noch Schilling in Küsnacht mit 230'000 m3 /J., Jean François Rime in Bulle mit 160'000, Zahnd in Rueyeres und Olwo/Reinhardt in Erlenbach mit je 90'000.

Kleinstsägen, Kleinsägen und mittlere Sägen haben sich angestrengt und ihre Leistung erhöht - ohne sich damit besser zu stellen. Während nur einige wenige grosse Werke entstanden, verschwanden viele kleine und damit sehr viele Stellen. Praktisch der gesamte Mehreinschnitt ging, trotz beträchtlicher Leistungssteigerungen bei den kleinen, an die Grosssägereien - die nichtsdestoweniger sogar noch Stellen abbauen konnten. Ökonomisch können wir hier die Tatsachen nicht widerlegen, die Sache ist nun mal so, dass die Grossen eher die Kleinen fressen als umgekehrt. (Die äusserst beweglichen und agressiven Velociraptoren die in der Lage waren, gigantisch-träge vegetarische Kolosse anzufallen und aufzuschlitzen, sind die berühmte Ausnahme welche die Regel bestätigen. Abgesehen davon, dass solches auch keine volkswirtschaftlich tauglichen Lösungen bringt, dürfte das Leben in derartiger Gesellschaft eher unangenehm sein.)

Manchmal, kaum allerdings in der Holzindustrie, löst sich allerdings das Problem der economy of scale über das Parkinson Gesetz der 1000:

An enterprise employing more than 1000 people becomes a self-perpetuating empire, creating so much internal work that it no longer needs any contact with the outside world.

Das Gesetz der economy of scale ist übrigens nicht das einzige, das Grösse bevorteilt, denn dazu kommt noch das verdoornsche Gesetz, eine positive Abhängigkeit der Produktivität vom Produktionswachstum. Auch dieses funktioniert hier perfekt. Die grössten Sägereien können immer höhere Anteile der Produktion an sich ziehen - was ihnen noch mehr Möglichkeiten der Rationalisierung eröffnet. Präzise auf Grund dieser Gesetze tendiert die freie Wirtschaft ohne (staatliche oder sonstwelche) Kontrolle meist zum Monopol.

Fazit: Wirtschafts-Liberalisten und Globalisierer sind zumindest regional oft Monopolmächte! Vor diesem Hintergrund sind ihre Aussagen und Programme zu interpretieren.

Was im Sinne des Angebots an Arbeitsstellen, der Verringerung von Transporten, der anzustrebenden Stärkung regionaler Autonomie eigentlich anzustreben wäre, ist präzise das Gegenteil von dem was der Markt offenbar fördert. Wird heute eine Sägerei mit einer Einschnittskapaziät von 1 Million m3 pro Jahr gefordert, weil diese Grösse in Deutschland "normal" ist, so wird es morgen eine Sägerei mit 2 oder 3 Millionen m3 sein, übermorgen eine einzige Sägerei für die Schweiz, das Lokalmonopol, weil nur dieses innerhalb der globalen Wirtschaft noch Überlebenschancen hat. Die Folgen für Transport, Holz- wie Arbeitsmarkt können Sie sich selbst ausrechnen.

So richtig Strukturänderungen nach den Regeln des Produktionsmarktes und Handels sind, so stumpfsinnig sind sie aus der Perspektive des Absatz- und Arbeitsmarktes:

Jedes Prozent an Löhnen und Stellen, das beim Staat oder bei der Privatwirtschaft eingespart wird,

fehlt der Nachfrage.

Arbeiter geben aus, was sie verdienen

Unternehmer verdienen, was sie ausgeben

(nach Kaldor, Kalecki).

Während die Ökonomen neoliberaler Provenienz, also heute die Mehrheit, Strukturänderungen immer als Wohltat des Marktes an der Menschheit präsentieren, bedeuten diese je länger je mehr die andauernde Neuanpassung des Menschen an den Markt - statt umgekehrt. Statt dass der Markt den Menschen dient, dienen die Menschen heute dem Markt, so wie sie früher Gott, seinen Stellvertretern auf Erden und andern irdischen Herren gedient haben.

Zum Problem: Steigende Produktivität, stagnierende Wertschöpfung, schwindende Stellen s. Unterschiedliche Auswirkungen von Produktionssteigerung und Rationalisierung bei verschiedenen Branchen.

Dezember 07: Immer häufiger wird in der Presse berichtet (neuste Meldung Handelszeitung Nr. 49, 5.-11. Dezember 07) dass zu wenig Fichtenholz angeboten werde, oft und gerne ausgedrückt als: Mehr Fichten in die Schweizer Wälder! Tja ... wenn dem Herrn Stallinger die Fichten fehlen, weil die Schweiz hauptsächlich mit Buchenwäldern bedeckt ist, dann haben wir nicht den falschen Wald, sondern Stallinger das falsche Sägewerk. Die Fichtenmanie hatten wir schon mal von Ende des 19. bis weit ins 20. JH - und haben ein halbes Jahrhundert gebraucht, die damit geschaffenen Probleme auszumerzen. Nun bitte nicht das Selbe nochmals!

 

Grösse, Wirtschaftsmacht - und Demokratie?

Motto: If you can't beat them, buy them!

Anhand obigen Beispiels lässt sich auch leicht zeigen, dass Wirtschaftsfreiheit mehr mit Macht als mit Demokratie und Gerechtigkeit Hand in Hand geht. (Man beachte den Giganten der Forst- und Holzindustrie auf Platz 344: Weyerhaeuser, der den Massstab der (in der Schweiz kaum) zu erreichenden Produktivität vorgibt).

Auch die Holzwirtschaft der Schweiz basiert nicht auf Nettigkeit und Angepasstheit. Die Krono-Holding von Ernst Kaindl ist Europas grösster Hersteller mitteldichter Holzfaserplatten, Grisards HIAG ziemlich dominant im Holzhandel und Lottner beherrrscht den Altpapierhandel. [s. Durch Marktbeherrschung - nicht durch Bescheidenheit und Anpassung wird man reich.]

Warum wohl sind die USA die grössten Förderer des Welthandels? Aus Menschenfreundlichkeit? Weil sie jedem Weltenbürger seinen Hamburger gönnen möchten? Oder eher, weil ihre Wirtschaft gross und mächtig genug ist, die Weltwirtschaft zu beeinflussen oder gar zu dominieren? Der grösste Wirtschaftsraum hat auch die grössten Firmen, und damit die besten Chancen, von der Economy of Scale zu profitieren. Aber was hat das mit sinnvollem Wirtschaften und Effizienz zu tun? Gerade wenn es um Güter geht, die lokal produziert werden (müssen und sollten), wie Holz, Gras und viele landwirtschaftliche Produkte. Hier regiert nicht wirtschaftliche Vernunft, wie uns die Ökonomen weis machen wollen, sondern ALLEINE wirtschaftliche Macht (es sei denn, man definiere Vernunft als: Sich fügen ins Schicksal des Schwächeren).

Stellen wir die Verhältnisse in Bezug zur Landesfläche, ergeben sich noch weitere interessante Erkenntnisse. Die dominierenden Wirtschaftsräume USA, Japan, UK, Frankreich, Deutschland produzieren auf relativ kleiner Fläche mit relativ geringer Bevölkerung eine ganze Menge an Gütern und Dienstleistungen. Russland, Kanada, Australien produzieren auf riesigen Räumen eher wenig. Auffallend sind vor allem die Bevölkerungsgrossmächte China und Indien, die für ihre jeweils 1 Milliarde an Bürgern absolut kein entsprechendes Produktionspotential verfügen.

Klar wird aus der Darstellung der 33 grössten auch, dass Südamerika, Afrika, der Nahe und Mittlere Osten und Russland vermutlich noch über enorme ungenutzte Entwicklungspotentiale verfügen.

Klar wird aber auch, dass die wirtschaftliche Nutzung Europas bereits weitaus flächenintensiver ist, als in den USA, und dies trotz der Behinderung der Wirtschaft durch recht unterschiedliche Sprachen und Kulturen - die es auch nach der Eurofizierung noch gibt. Man darf diese natürlich gegebenen Grenzen bei Diskussionen über Wirtschaftswachstum nicht vergessen, soll nicht der letzte Rest an Natur auch noch dran glauben.

Was den Holzmarkt betrifft, so zeigt diese Karte auch klar, dass das Holz noch lange nicht am Ende ist. Mit der Realisierung der Entwicklungspotentiale Asiens, Afrikas und Südamerikas, insbesondere der Zunahme von Verstädterung und damit des Bauwesens, wird eine gewaltige Nachfrage nach Holz einhergehen. Auch wenn wir diese Märkte nicht direkt mit Schweizer Holz beliefern können, so wird diese weltweite Verstärkung der Nachfrage mittelfristig auch wieder zu Preisen führen, welche die Produktionskosten decken. Den Wald und die Waldwirtschaft wegen dieser Zwischenphase, in der die Holzpreise nur noch den Plünderungskosten entsprechen, abzuschreiben und die Strukturen zerfallen zu lassen, wäre nicht vor-sichtig sondern hinter-sinnig.

Wir sehen, dass bis 2009 die EU die USA übertrifft an Wirtschaftskraft, dass Japan bedenklich nachgelassen, und China massiv aufgeholt hat. China hat inzwischen auch Deutschland als Exportweltmeister abgelöst - und kauft weltweit Rohstoffe und Knowhow ein. China besitzt Währungsreserven von 2.4 Billionen (unsere Billionen, nicht die amerikanischen) US$. Der staatliche Investitionsfonds CIC verfügt über 332 Millarden $.

Im ersten Halbjahr 2010 wurden 99 Auslandseinkäufe im Wert von 23.1 Milliarden getätigt, u.a. Syncrude Kanada. China besitzt in den USA auch bereits Anteile an Apple, der Bank of America, Visa und Coca Cola. Australien: Bergbau. Nordafrika, Nah- und Mittelost: Oel, Gas, Aluminium. Afrika: Rohstoffe & Landwirtschaftsland. Europa: Energieunternehmen, Maschinenbauer, Banken. Südamerika: Bodenschätze und Infrastruktur, Kooperation mit Brasilien beim Bau von Satelliten-Trägerraketen. Zentral-Asien und Sibirien: Gas, Erdöl, Holz.

Die Investitionen sind recht gleichmässig verteilt, in jeder der 8 erwähnten Regionen ca. 30 Milliarden. Häufig bleibt es allerdings bei der Absicht, da sich a) die von der Uebernahme bedrohten wehren (Unocal USA, Rio Tinto Australien, ... Deals von über 100 Milliarden $ sollen laut der Heritage Foundation geplatzt sein) oder b) die Chinesischen Staatsbetriebe Probleme kriegen mit dem kapitalistischen Managementstil.


Grösse der Länder im Verhältnis zum Pro-Kopf-Einkommen, nach Waldimir Tikunow. Aus: Richard Diethelm: Mehr handeln, weniger deklamieren. Tagesanzeiger 31.3.06. S. 8. Mit Bewilligung des Autors. Click für Vollansicht. Eigenkonstruktion Herzog, Ländergrösse im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt.

für Vollansicht bitte klicken

Eine ganze Serie (> 100) solcher Karten hat inzwischen die Universität von Sheffield publiziert unter Worldmapper: http://www.sasi.group.shef.ac.uk/worldmapper/index.html
Bestandteil von www.brainworker.ch/WAP/

Einen weiteren deutlichen Hinweis in die selbe Richtung gibt eine Analyse der 500 grössten Firmen der Welt [Daten von ttp://www.globalbusinessresources.net/index.shtml ]

 

Worlds Largest Companies

s. auch:
 
Company Sales In US Dollars  (billion)  Kolorierung nach folgenden Wirtschaftsgebieten:
1 Wal-Mart Stores   219.8 Detailhandel
2 Exxon Mobil   191.6 Auto/Flugzeuge/Bahn
3 General Motors   177.3 Erdöl/Energie
4 BP   174.2 Bank/Versicherung
5 Ford Motor   162.4 IT/Kommunikation
6 Enron   138.7 Pharma/Chemie
7 Daimler Chrysler   136.9 Unterhaltung!
8 Royal Dutch/Shell Group   135.2 Nahrungsmittel
9 General Electric   125.9 Gesundheit
10 Toyota Motor   120.8 Arbeitsvermittlung
11 Citigroup   112 Schwerindustrie
12 Mitsubishi   105.8 Konglomerat
13 Mitsui   101.2  
14 Chevron Texaco   99.7  
15 Total Fina Elf   94.3  
16 Nippon Telegraph & Telephone   93.4  
17 Itochu   91.2  
18 Allianz   85.9  
19 Intl. Business Machines   85.9  
20 ING Group   83  
21 Volkswagen   79.3  
22 Siemens   77.4  
23 Sumitomo   77.1 Konglomerat, Elektro, Chemie, Bank …
24 Philip Morris   72.9 Zigaretten
25 Marubeni   71.8 Konglomerat: Holz, Wald, Bank, Stahl, Transport, Banken
26 Verizon Communications   67.2  
27 Deutsche Bank   66.8  
28 E. ON   66.5  
29 U.S. Postal Service   65.8  
30 AXA   65.6  
31 Credit Suisse   64.2  
32 Hitachi   63.9  
33 Nippon Life Insurance   63.8  
34 American Intl. Group   62.4 ?
35 Carrefour   62.2  
36 American Electric Power   61.3  
37 Sony   60.6  
38 Royal Ahold   59.6  
39 Duke Energy   59.5  
40 AT&T   59.1  
41 Honda Motor   58.9  
42 Boeing   58.2  
43 El Paso   57.5  
44 BNP Paribas   55  
45 Matsushita Electric Industrial   55  
46 Home Depot   53.6  
47 Bank of America Corp.   52.6  
48 Aviva   52.3  
49 Fiat   51.9  
50 Assicurazioni Generali   51.4  
51 Vivendi Universal   51.4  
52 Fannie Mae   50.8 Bau
53 Rwe   50.7 Strom, Wasser, Gesundheit
54 J.P. Morgan Chase   50.4  
55 Nestlé   50.2  
59 UBS   48.5  
62 Merck   47.7  
70 Hewlett-Packard   45.2  
71 ENI   44.6  
73 Morgan Stanley   43.7  
75 Deutsche Telekom   43.3  
77 Toshiba   43.1  
79 Munich Re Group   41.9  
80 Tokyo Electric Power   41.8  
81 China National Petroleum   41.5  
90 ABN AMRO Holding   39.7  
91 Hypo Vereinsbank   39.4  
92 Pemex   39.4  
93 Procter & Gamble   39.2  
95 Merrill Lynch   38.8  
96 Zurich Financial Services   38.6  
97 France Télécom   38.5  
98 AOL Time Warner   38.2  
102 Électricité De France   36.5  
104 Kmart   36.2  
112 BMW   34.4  
113 Safeway   34.3  
117 Compaq Computer   33.6  
118 Samsung   33.2  
123 Vodafone   32.7  
125 Renault   32.6  
126 Sumitomo Life Insurance   32.5  
127 Pfizer   32.3  
142 BASF   29.1  
145 Olivetti   28.7  
147 Nokia   27.9  
151 Telefónica   27.8  
152 Dow Chemical   27.8  
159 PepsiCo   26.9  
162 Intel   26.5  
164 Statoil   26.3  
171 Mitsubishi Motors   25.6  
172 DuPont de Nemours (E.I.)   25.4  
175 Microsoft   25.3  
177 Walt Disney   25.3  
182 Lockheed Martin   24.8  
183 Walgreen   24.6  
185 Petrobrás   24.5  
191 Société Générale   23.9  
194 ABB   23.7  
195 Honeywell Intl.   23.6  
196 AEON   23.6  
197 Nippon Mitsubishi Oil   23.5  
201 Westdeutsche Landesbank   23.1  
207 Alcatel   22.7  
208 KDDI   22.7  
209 American Express   22.6  
213 Cisco Systems   22.3  
214 China Telecommunications   22.3  
217 Sysco   21.8  
218 Bristol-Myers Squibb   21.7  
219 Hyundai   21.7  
220 Mitsui Mutual Life Insurance   21.7  
225 Rabobank   21.1  
226 Indian Oil   20.9  
228 Alstom   20.7  
230 Aventis   20.5  
232 Caterpillar   20.4  
233 East Japan Railway   20.3  
234 Japan Postal Service   20.3  
235 Swiss Reinsurance   20.2  
236 Gazprom   20.1  
239 Coca-Cola   20.1  
243 Industrial & Commercial Bank of China   19.8  
246 FedEx   19.6  
250 Pharmacia   19.3  
251 Fuji Photo Film   19.2  
257 Novartis   19  
259 Crédit Lyonnais   18.9  
266 Bouygues   18.3  
267 Volvo   18.3  
268 Sun Microsystems   18.2  
271 British American Tobacco   18.1  
274 SNCF   18  
276 Bertelsmann   17.9  
277 Bank Of China   17.9  
284 Petronas   17.7  
285 Bridgestone   17.6  
286 Samsung Life Insurance   17.5  
287 China Mobile Communications   17.4  
288 Roche Group   17.3  
294 Landesbank Baden-Wurttemberg   16.9  
301 AstraZeneca   16.5  
313 Adecco   16.1  
320 Bayerische Landesbank   15.8  
321 UniCredito Italiano   15.8  
322 Coca-Cola Enterprises   15.7  
324 Korea Electric Power   15.7  
338 Lufthansa Group   14.9  
340 McDonald's   14.9  
341 Anglo American   14.8 Zinc mine
342 Michelin   14.6  
344 Weyerhaeuser   14.5 Forst- und Holzindustrie!
347 Karstadt Quelle   14.4  
356 Deutsche Bahn   14.1  
360 Bombardier   13.9  
362 Delta Air Lines   13.9  
364 News Corp.   13.7  
372 Otto Versand   13.6  
373 Northrop Grumman   13.6  
375 Swiss Life Ins. & Pension   13.5  
377 Halliburton   13.4 Konglomerat, Bau
386 Electrolux   13.1  
397 Anheuser-Busch   12.9  
398 Winn-Dixie Stores   12.9  
399 Japan Airlines   12.9  
418 Safeway   12.3  
422 Lukoil   12.1  
426 Union Pacific   12  
427 Migros   12  
428 British Airways   11.9  
439 Marks & Spencer   11.6  
440 Cathay Life   11.6  
441 Eli Lilly   11.5  
442 Woolworths   11.5  
443 Computer Sciences   11.4  
454 Air France Group   11.1  
457 Toys `R` Us   11  
459 LVMH   10.9  
460 Central Japan Railway   10.9  
464 Oracle   10.9  
467 Chinese Petroleum   10.8  
482 Manpower   10.5  
487 Wolseley   10.4  
496 Marriott International   10.1 Tourismus

 

2008 wird die Tabelle immer noch angeführt von Wal-Mart und Exxon, dann aber folgen Shell und BP. Unter den 500 sind "nur" noch 153 US-Konzerne, dafür bereits 29 chinesische - wie 13 schweizerische, insbesondere UBS (noch ... 117 Milliarden Umsatz), CS (78) und Nestlé (90).

Die Frage wird allerdings gestellt, ob Umsätze wirklich geeignet sind als Mass für Macht und Erfolg eines Betriebes. General Motors (Platz 9) und Ford (Platz 13) sind auch 2008 immer noch an der Spitze. General Motors allerdings ist an der Börse weniger als 6 Milliarden $ wert, Ford bestenfalls 10 Milliarden - während dem es bei Toyota 160 Milliarden sind.

Es zeigt sich, dass, eben wegen der Wirkungen der economy of scale, praktisch keine Sparte vom Drang zu Grösse und Beherrschung ausgenommen ist. Sogar Gebiete in denen wirklich die regionale Bewirtschaftung dominieren sollte, wie Nahrungsmittel und Detailhandel, haben Giganten hervorgebracht, durch die die Marktpreise natürlich auf ein Niveau gesenkt wird, dass Kleine kaum mehr mithalten können.

Dass Microsoft hier nur eine mittlere Position einnimmt, während Gates doch der bestverdienende und reichste Weltbürger ist, zeigt, wie sich durch eine marktbeherrschende Position, kombiniert mit einer spitzen Hierarchie der Mehrwertverteilung (zu Deutsch: viel Einnahmen, wenig Stellen und Aufwand), marktwirtschaftlich kaum zu rechtfertigende Renditen abschöpfen lassen.

Hervorzuheben ist auch, dass sogar die kleine Schweiz einige derartige Giganten beherbergt:

31 Credit Suisse

55 NESTLE

59 UBS

194 ABB

235 SWISS RE

257 NOVARTIS

288 ROCHE

375 Swiss Life

427 MIGROS

 

Die 10 Grössten
nach Umsatzzahlen von 2004, in Milliarden Fr.

Glencore 89.5 (Baar, Rohstoffe: Grosse Umsätze, wenig Beschäftigte. Im Jahr 2000 grad mal 2000)
Nestlé     86.8
Novartis 35.1
Roche     29.5
Adecco   26.6
ABB       25.7
Migros    20.3
Cargill     16.3
Coop      14.9
Holcim    13.2

Coop hat das Ranking allerdings nur ganz knapp verpasst. Beide zusammen beanspruchen, mit 2020 Verkaufstellen der total 6083, die Hälfte des Lebensmittelumsatzes der Schweiz. Dies macht den Einstieg von Konkurrenten derart teuer und das Risiko enorme Summen an sunk costs abschreiben zu müssen derart hoch, dass es nur wenige Konkurrenten gibt, die sich dieses Risiko überhaupt leisten können. Hier von einem freien Markt zu reden, ist hier Schönfärberei in Reinkultur.

Natürlich stehen solche Giganten im internationalen Wettbewerb und müssen sich dort konkurrenzfähig verhalten. Aber eben so natürlich sind sie, was ihr eigener Standort, die Schweiz, betrifft, massiv überdimensionierte Markmächte.

Migros, Coop und ihre neuen Konkurrenten:
  Migros Coop Aldi Lidl
Umsatz 2004 (Milliarden Fr.)

Verkaufsstellen

Angestellte

20.3

587

80'000

16.5

1433

47'000

60

 

40'000

54

2500

151'000

Während der grösste, Walmart *, einen Umsatz von 220 Milliarden $ macht auf einem Markt von 270 Millionen Einwohner und einem BSP von 10 Billionen (10'000 Milliarden $), was 2% entspricht, macht die Migros, die kleinste der oben erwähnten Grossen, ihren Umsatz von 10 Milliarden das auf einem Markt von 7 Millionen Einwohnern und einem BSP von 250 Milliarden $, was 4% entspricht. Das Selbe gilt analog für Banken, Versicherungen, etc. Es wunder also wenig, dass die USA eher geringe Probleme sehen, was den Trend zur Grösse betrifft, da ihre Ökonomie eine ganz andere ist als die des Rests der Welt. In der Schweiz hat die Migros doppelt so viel Macht und Einfluss als die grösste Firma der Welt, Walmart, in den USA, was Stellen, Löhne, Nahrungsmittelpreise und einen grossen Anteil der Grundversorgung betrifft. Bevor man der Globalisierungspropaganda der USA unbedarft hinten nach eilt, sollte man diese beträchtlichen Unterschiede bei der Ausgangslage in Betracht ziehen. Gibt es in den USA eine Bank mit einem Umsatz von 20% des BSP des Landes, was dem der USB in der Schweiz entspricht? Geht bei dieser globalen Ausrichtung nicht die lokale unter? Stört diese, an die lokale Wirtschaft höchst miserabel angepasste Perspektive die Wirtschaft der Schweiz nicht vielleicht mehr, als ein paar nicht so gut angepasste Emigranten und Käse von jenseits der Grenze?

Solche Wirtschaftsmächte sind quasi ein Staat im Staat, der zudem gleich Legislative und Exekutive in einer Hand vereint. Die Judikative sei der Weltmarkt, dessen Recht sich allerdings mit ausreichend Macht und Geld kaufen lässt. Marktmächte verzerren den Markt nämlich eben so sehr wie politische Eingriffe, wenn nicht gar stärker. Die Beschuldigungen der Politik von Rechts gegen den Staat sind hier auf einem Ohr taub und auf zwei Augen blind, was die wirkliche Macht betrifft.

Hier werden durch die kritiklose Nutzung eines ökonomischen Grundgesetzes Strukturen geschaffen, die immer mehr Macht in immer weniger Hände legen. Dabei würde natürlich eine Wissenschaft stören, die nicht bloss Gesetze entdeckt und zur Verfügung stellt, sondern auch das ihr, selbst nach den fundamentalistischen Normen Max Webers, zukommende Recht der Kritik nutzen würde. (s. Werturteilsstreit)

Statt objektiver Kritik hört man aber von Seiten der meisten Ökonomen nur Lobhudeleien auf die Wohltaten der Restrukturierung. Die hier erwähnten Prozesse,  treibende Elemente der Restrukturierung, werden nicht auf ihre Wirkung untersucht, werden nicht auf ihre Wünschbarkeit, Schädlichkeit und eventuelle Lenkbarkeit überprüft, sondern per Medien wie Weltwoche und Aargauer Zeitung, in denen insbesondere der Basler Wirtschaftsprofessor Borner seinen Namen zum Programm werden lässt (borniert = beschränkt, engstirning), so gelobhudelt, wie früher mittelalterliche Fürsten von ihren Hofpoeten gepriesen wurden ...

Eine interessante graphische (hier nach den dort angegebenen Daten nachgezeichnete) Präsentation liefert der Tagesanzeiger: Marcel Speiser - Die Händler und die Macht (Tagesanzeiger, 25. Juni 2004, S. 31), Titel: Sonderfall Schweiz. Was ist hier wohl von weiterer Restrukturierung zu halten? Nur noch eine Firma die 70% des Marktes beherrscht?

Laut einer Meldung im Tagesanzeiger vom 9. Mai 05 (S. 23) beherrschen allerdings auch dort die 3 grössten: Tesco, Sainsbury und Asda eigentlich mehr. Tesco soll alleine 30% des Lebensmittelmarktes von GB beherrschen und Asda 15%. Zu dritt also über die Hälfte. Zudem gehört Tesco mit einer Umsatzrendite von 6.2% weltweit zu den profitabelsten Supermarkketten - trotz mörderischer Preiskämpfe.

Wo die Elephanten tanzen, wird das Gras zertreten.

Migros übernimmt Globus

Denner übernimmt Pick Pay

Migros übernimmt Denner - und hat nun mehr als 50% Marktanteil des Schweizer Lebensmittelhandels!

Migros übernimmt ... Fenaco ?
(keine Aktien kaufen, ist noch nicht mal ein Gerücht, nur ein Gedanke!)

... und die Arbeit der Bauern wird zum Hobby erklärt.

und damit einen Leader einer Sparte, in dem sich Migros bis anhin "fürnähm" zurückgehalten hat: Alkohol und Rauchwaren. Dem Wettbewerb ist damit nicht gedient, der Migros schon. Allerdings muss man ihr nun definitiv den Bonus "Genossenschaft" und Volkswohl, mit dem sie seit Duttweilers Gründung 1925 das Volk an sich gebunden hat - ersatzlos streichen. Mit mehr als 50% des Lebensmittelhandels ist die Stellung von Migros nun so dominant, dass es sich fragt, ob die Freude der Bauern über eine "schweizerische Lösung" sich nicht bald ins Gegenteil verkehrt.

Noch mehr unter Übernahme-Druck kommen nun Jelmoli, Spar, Volg Maus Frères und vielleicht ja auch noch ein paar andere.

Das Duopol, wie bei Migros-Coop gegeben, neigt zwar weniger zur Ausnutzung der Macht zwecks Erzielens einer Monopolrente als eben das Monopol, aber es mündet gerne in Preisstarrheit. Da jeder der beiden weiss, dass jede seiner Aktionen vom Kampf-Partner sofort kopiert oder durch eine andere Aktion beantwortet wird, führen Aktionen nicht zum erwünschten Mehrverkauf dank Nachfrageelastitzität, sondern bloss zu tiefern Erlösen, und werden also lieber gleich unterlassen.

Zu Migros gehören auch: Denner, Globus, Hotelplan, Migrol, Migrosbank, ex libris, LeShop, Jowa, Frei, Micarna, Optigal, Klubschule Migros (der grösste Anbieter auf dem Markt), Eurocentres Sprachschule ... und vermutlich einiges mehr.

In der Handelszeitung Nr. 51, 16-22.12.09: Nicole Kircher: Die Mächtigen sind auch die Lukrativsten - werden die Zusammenhänge von Marktanteilen und Gewinn/Ueberlebenschancen anhand der Telekom-Branche deutlich gezeigt. Swisscom erreicht eine operative Marge (EBITDA? laut Text) von gegen 50%, Orange und Sunrise deutlich weniger als 30%. Ein kleiner Neueinsteiger ohne Marktanteil müsste als entsprechend ohne Marge, ohne Gewinne durchhalten, bis er ausreichend gross ist, eine Marge erzielen zu können, die ihm das Ueberleben überhaupt erst möglich macht, denn EBITDA wird eben berechnet ohne Amortisationen und Investitionen und Zinsen und Steuern. Wer hier eine Null schreibt, ist also quasi bankrott.

Je nach Preisbildungsverfahren kann die Situation in andern Branchen natürlich ziemlich anders aussehen. Bei dieser hier, vermutlich doch für grosstechnische Branchen einigermassen typischen Verteilung (ich werd versuchen ein paar weitere zu finden), ist es klar, dass bei einer Konkurrenz aus 2 Grosspartnern (Migros/COOP) eigentlich kein Druch auf die Marge entsteht. Ein echter Wettbewerb um den Preis tritt erst auf, wenn mindestens 4 oder 5 gleich grosse Anbieter vorhanden sind, die es darauf anlegen, den andern Marktanteile - über Preisvorteile für die Kunden (es gäbe ja auch andere Möglichkeiten) - abzujagen. Keiner dürfte mehr als 20-25% des Marktes beherrschen.

Untersuchungen anhand unterschiedlicher Handy-Märkte zeigen allerdings, dass diese Situation normalerweise nur so lange anhält, als sich neue Märkte etablieren, bei reiferen Märkten aber verschwinden [s. wireless intelligence: The changing relationship between market share and EBITDA margin]:

Weltweit zeigten sich 2006 noch ähnliche Verhältnisse wie heute beim Mobilfunk in der Schweiz. Nach zeitlichem Ablauf war aber bereits damals mit einer Verflachung der Grössenvorteile zu rechnen.
In Ostasien waren die Vorteile für marktbeherrschende Anbieter noch grösser - während der Aufbauphase - In entwickelten, reifen Märkten allerdings waren diese Vorteile verschwunden.

Betriebsgrösse und Marktdominanz sind nicht bloss ein Problem, weil sie beim eigenen Angebot tiefere Preise und dennoch höhere Margen erlauben, sondern auch weil sie einen enormen Zwang auf die Zuflieferer ausüben können, zu günstigsten Preisen zu liefern - (fast) unabhängig von den jeweiligen Produktionskosten. Noch schlimmer, wenn Grosse sogar noch Einkaufsallianzen bilden wie etwa Coopernic.

Woher der Zwang zur Grösse stammt - nämlich von der Globalisierung - zeigt der Vergleich mit den andern Grossen Europas. Hier landen Migros und Coop (2001) "bloss" auf den Plätzen 21 und 22, und sind vergleichsweise klein. Im Laufe der Zeit werden sie noch kleiner ... Wenn man die Graphik rechts ansieht, versteht man ohne viel Diskussion den Drang der Wirtschaft zu global - die einen, weil sie eh herrschen, auf Grund ihrer össe, die andern, weil sie in (zu) engen Märkten eingeklemmt sind.

Zu Coop gehören auch: Interdiscount, Fust, toptip, Lumimart, Import Parfumerie, ITS Coop travel, coop@home, Bell, Gala, Cash&Carry, Howeg, Swissmill (die grösste Mühle der Schweiz), Bank Coop (10%), Betty Bossi (50%). etc

Wie unbekömmlich diese Grösse nicht nur für Kleine, sondern auch für Lieferanten ist, zeigt der neue Ansatz von Rewe, Leclerc, Coop und Conad, die zusammen die Einkaufsallianz Coopernic gründen, mit einem totalen Umsatz von 150 Millionen Euro. Für den Konsumenten dürfte wenig dabei rausschauen, für die Beteiligten schon - und für die Zulieferer mehr Stress, Arbeitslosigkeit und weniger Löhne.

* Dies darf allerdings nicht als Lob auf Walmart verstanden werden. Dieser beschäftigt, als grösster Detailhändler der Welt, rund 1.8 Millionen Angestellte, denen er 20 bis 30% tiefere Löhne zahlt als die Konkurrenz. Dazu wird Schichtarbeit an Drittunternehmer vergeben, die oft Schwarzarbeiter beschäftigen, weder Sozialabgaben noch Krankenversicherung bezahlen. Weniger als die Hälfte von Wallmarkts "big family of employees" ist so sozial abgesichert.              W. Niederberger, Tagesanzeiger, 11.2.04, S. 31

Walmart erzielte 2005 einen Umsatz von 316 Milliarden Dollar. Jede Woche werden 5 neue Superstores eröffnet mit insgesamt 160'000 verschiedenen Artikeln.

In Kanada, wo in 231 Filialen 62'000 Angestellte arbeiten, steht Walmart nun zum ersten Mal unter Druck, einen Gesamtarbeitsvertrag auszuhandeln, da in Québec das Recht der Arbeiter, bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen mitzuwirken als Dimension der industriellen Demokratie angesehen wird (Prof. Paul-André Lapointe, Laval Universität). Walmart nutzt seine Macht der Grösse und des Einflusses auch zur Diskriminierung weiblicher Angestellter, wie dazu, das Management ohne Entschädigung zu Überstunden zu zwingen. Die Stundenlöhne betragen in Kanada 8 bis 10 Dollar, während vergleichbare Firmen bis zu 16.50 Dollar bezahlen. In Deutschland hatte das Konzept allerdings keinen Erfolg und Walmart musste mit beträchtlichen Verlusten aufgeben. 85 Filialen gingen 2006 an Metro.

Für 2007 setzt nun Wal-Mart noch eins drauf. Die 1.33 Millionen Angestellten werden in Zukunft von einem Computer zur Arbeit gerufen (Arbeit auf Abruf - die kapitalistische Form der Planwirtschaft!), und zwar genau dann und nur dann wenn man sie grad braucht. Dazu erlaubt das System auch, die Einkommen der Angestellten so optimal zu minimieren, dass keine Zusatzleistungen an Versicherungen (nur Vollzeitbeschäftigte müssen gegen Krankheit versichert werden!) und insbesondere an Gewerkschaften fällig werden (ein Verfahren, dass übrigens auch bereits in der Schweiz angewandt wird.) Persönliche Wünsche, Bedürfnisse der Familie, die sog. "work-life-balance", haben da nichts zu suchen. Es wird vollständige Unterordnung in die Abläufe und unter die Interessen der Organisation verlangt. Menschen als Ersatzteillager - das zeigt, warum die USA im Irak und in vielen östlichen Ländern auf nicht grad übermässige Sympathie stossen. Und eigentlich fragt man sich doch, wie in einem Land, dass derart stolz ist auf "individuelle Freiheit", so was passieren kann. D.h, nein, eigentlich ist es klar, denn das ist präzise das was passiert, wenn ein kleinkarrierter Bünzlibetrieb zu gross wird.

Noch deutlicher wird es, wenn wir die Marktkapitalisierung zum Vergleich nehmen. Das beantwortet die Frage, wessen Geld regiert die Welt (Es scheint d(oder n)och lange nicht China zu sein):

 
Brennholzverbrauch im Jahr 2000    
in 1000 m3 Anteil an Total Anteil an Region summierte Anteile
WORLD 1906201      
ASIA 983872 51.6    
India 291060 15.3 29.6  
China, People's Rep. of 240172 12.6 24.4  
Indonesia 172117 9.0 17.5 71.5
AMERICA 362590 19.0    
Brazil 170849 9.0 47.1  
United States of America 70461 3.7 19.4 66.6
EUROPE 88640 4.7    
Russian Federation 23537 1.2 26.6 26.6
AFRICA 64340 3.4    
South Africa 16443 0.9 25.6  
Nigeria 8723 0.5 13.6 39.1

Als interessantes Nebenprodukt der Analyse des internationalen Holzmarktes, lassen sich dort die den Markt und damit die Preise bestimmenden Mächte deutlich aufzeigen.

Asien, das mehr als die Hälfte des Brennholzes der Welt verbraucht, dominiert hier klar, insbesondere Indien, China und Indonesien, die 71.5% des in Asien verbrauchten Brennholzes verwenden.

In Amerika ist es vor allem Brasilien. Während im europäischen Brennholzmarkt zwar Russland obenauf schwingt, gibt es keine derart dominanten Regionen wie in Asien.

Rundholzverbrauch im Jahr 2000    
in 1000 m3 Anteil an Total Anteil an Region summierte Anteile
WORLD 1667495      
ASIA 401989 24.1    
China, People's Rep. of 114531 6.9 28.5  
Japan 78311 4.7 19.5  
Indonesia 49815 3.0 12.4  
India 42234 2.5 10.5 70.9
AMERICA 717816 43.0    
United States of America 397792 23.9 55.4  
Canada 191695 11.5 26.7  
Brazil 81893 4.9 11.4 93.5
EUROPE 483350 29.0    
Russian Federation 78775 4.7 16.3  
Sweden 58643 3.5 12.1  
Finland 52313 3.1 10.8 39.3
AFRICA 30931 1.9    
Congo, Dem. Rep. of 3388 0.2 11.0 11.0

Beim Rundholzverbrauch dominieren die USA mit 24% des Weltverbrauchs, gefolgt von Kanada. In Asien wird der Verbrauch vor allem durch China, Japan, Indonesien und Indien bestimmt.

 

 

 


 

Sagholzverbrauch im Jahr 2000    
in 1000 m3 Anteil an Total Anteil an Region summierte Anteile
WORLD 446525      
ASIA 129852 29.1    
Japan 38581 8.6 29.7  
China, People's Rep. of 30549 6.8 23.5  
India 19198 4.3 14.8 68.0
AMERICA 181190 40.6    
United States of America 131624 29.5 72.6  
Canada 18400 4.1 10.2  
Brazil 18316 4.1 10.1 92.9
EUROPE 140674 31.5    
Russian Federation 22222 5.0 17.7  
Germany 18178 4.1 14.4 32.1
AFRICA 1778 0.4    
South Africa 366 0.1 20.6  
Egypt 272 0.1 15.3  
Tunisia 198 0.0 11.1 47.0

Beim Sagholzverbrauch dominieren ebenfalls die USA, die beinahe 1/3 des Weltbedarfs für sich beanspruchen.
 

Papierverbrauch im Jahr 2000    
in 1000 m3 Anteil an Total Anteil an Region summierte Anteile
WORLD 308257      
ASIA 100921 32.7    
China, People's Rep. of 35823 11.6 35.5  
Japan 33609 10.9 33.3 22.5
AMERICA 120446 39.1    
United States of America 96391 31.3 80.0 31.3
EUROPE 82717 26.8    
Germany 17901 5.8 21.6  
United Kingdom 12300 4.0 14.9  
France 10465 3.4 12.7  
Italy 9346 3.0 11.3 16.2
AFRICA 625 0.2    
South Africa 385 0.1 61.6  
Egypt 85 0.0 13.6 0.2

Das Selbe in hellbeige was den Papiermarkt betrifft, den Bereich mit dem stärksten Wachstum. Auch hier dominieren die USA, die beinahe einen Drittel des Weltkonsums für sich beanspruchen.

 

 

 

 

Weitere Angaben, detailliert nach Rang, Name, Gewinn, Mitarbeitern finden Sie bei Forbes, Fortune 500 (gegen Bezahlung), http://www.largestcompaniesoftheworld.com/ (falls Sie die Telefonnummern suchen), Top 500 in Europa ...

Die grössten Europas sind zur Zeit:

  1. BP, Mineralöl (GB), Wert 160 Milliarden Euro

  2. HSBC, Bank (GB), 136                  "

  3. Vodafone Group, Telecom (GB), 121   "

  4. Total, Mineralöl (Fr), 103             "

  5. Glaxo Smithkline, Pharma (GB), 100 "

  6. Novartis, Pharma (CH), 99   "

  7. Royal Dutch, Mineralöl (NL), 89  "

  8. Nestle, Nahrung (CH), 89  "

  9. Royal Bank of Scotland (GB), 75  "

  10. UBS, Bank (CH), 69 " 

Mit 3 unter den ersten 10 sind die Schweizer also, was Globalisierung betrifft, beiliebe keinen Weisen..., pardon, Waisenknaben. Allerdings zeigen gerade Meldungen der letzten Tage:

Lösungsansätze:

Eine systemische Ökonomie darf sich nicht nur wie bisher mit Rezepten für die Gewinner des Wettbewerbs befassen, sondern muss gleichzeitig die Gesamtwirtschaftlichen Verluste durch Betriebszerstörungen und Ausschluss aus Lohn und Brot der Effizienzopfer mit in die Rechnung einbeziehen.

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Die Wettbewerbskommission ? .... hat a) nichts zu sagen, und ist b) eh fast inexistent. Also bitte keine Illusionen! 8 Leute überwachen 51'000 Arbeitsstätten des Detailhandels, 35 Mitarbeiter 335'000 Unternehmen (Holland leistet sich 200 Mitarbeiter, bei "nur" doppelt so grosser Volkswirtschaft. Und Holland ist ein liberales Musterland! Offenbar funktioniert auch dort der "freie" Markt nur, solange als jemand darauf sieht, dass er wirklich frei bleibt.) ... abgesehen davon, dass niemand (mich inbegriffen) eine Ahnung hat, wie man eine Grössenbeschränkung sinnvoll durchführen könnte. Stellen Sie sich mal vor, die weko lehne den Zusammenschluss Batigroup-Zschokke ab ... oder sie hätte den Zusammenschluss UBS-SBG abgelehnt ... oder so. Gemessen an den reellen Problemen darf man hier ruhig von einer staatlichen Schein- oder gar Ohn-Macht (bis Bewusstlosigkeit) reden.

Gross heisst zwar nicht immer effizient - meist aber mächtig! (s. UBS, CS & Co.)

Trotz der economy of scale waren mehr als die Hälfte der Fusionen Misserfolge. Dies liegt einerseits daran, dass oft nicht zusammengefügt wird, was zusammen gehört, sondern dass persönliches Macht- und Profitstreben für Fusionen entscheidender sind als wirtschaftskriegerische Strategie und Taktik. Ein weiterer Grund für das Scheitern von Fusionen, Expansionen, Diversifikationen, Übernahmen etc. ist das Alexander-Problem: Alexander der Grosse eroberte zwischen 334 und 323 B.C (Babylon - wo er zu Tode therapiert wurde ...) den ganzen Nahen und Mittleren Osten bis zum Zentrum der Welt Samarkand) und an die Grenzen Indiens. Da er aber nicht die Mittel hatte, dieses "Reich" zu kontrollieren und zu verwalten, verfiel es genau so rasch wie es erobert wurde.

 Bei Banken z.B. bringt die Fusion kaum Skalenerträge (der deutsche Ausdruck für die Effekte der economy of scale). Sie dienen aber der Marktbeherrschung (nicht der Freiheit!) - und, janusgesichtig, dienen sie hier, wie bei Versicherungen, der besseren Pufferung von Risiken (eine kleine Bank oder Versicherung geht bei einem "Jahrhundertertschaden" eher zu Boden als eine grosse). Je geringer die Zahl der Anbieter, desto höher Zinsen, Gebühren, Risikomargen und damit Gewinne. Der Zusammenschluss von Bankverein und Bankgesellschaft zur UBS ergab einen Giganten, der 1/3 der Schweizer Bankgeschäfte betreibt. Zusammen mit der CS und den Kantonalbanken beherrschen diese Anbieter 85% des Marktes. Bye bye Wettbewerb. Diese Giganten haben die Macht, darüber zu entscheiden, welche Firmen überlebt und welche untergeht. Welches Interesse hat zudem eine derartige Bank an den "kleinen Fischen" in der Schweiz, die sich, wie die UBS, mit Weltgiganten der Wirtschaft anlegen kann? Wen wundert's also, dass den KMUs die Kredite fehlen.   

Als die CS sich etwa mit der Winterthur zu einer Allfinanz verbandelte, einem Weltgiganten, lag Kritik nahe, da solche Weltfirmen sich meist wenig um die lokale Wirtschaft kümmern, was die Probleme des Gewerbes mit kleinen aber riskanten Krediten deutlich belegen. Heute, wo das Experiment beerdigt wird, liegt die Kritik allerdings nicht bei den Globalisierungsgegnern, sondern wird durch die eigene Garde angebracht, denn offenbar wurden dabei 30 Milliarden Franken versenkt. [zum Problem der Finanzwirtschaft mit ihren Profiten ohne Produktion.]

Hier braucht es eine weitaus schärfere Wettbewerbskontrolle und Antikartell-Politik. Grössenkontrolle wurde in den USA erstmals 1914 über die Clayton Act eingeführt und mit der Scott-Radino Antitrust Improvement Act 1976 ausgebaut. Aber, dort wie anderswo, werden Fusionen gleichzeitig meist steuerlich begünstigt! Inkonsequenz regiert. Da die Wirtschaft Effizienz betont und diese durch Grösse und globale Machtstellung gefördert wird, können die vorhandenen Antitrust Gesetze die Bildung privater wirtschaftlicher Machtstellungen nicht verhindern. Der Markt ist also nicht frei! qued

Zur Zeit wehren sich auch verschiedene Lokalbahnen gegen Subventionskürzungen und Restrukturierungsanstrengungen, d.h. Zusammenlegungen. Wie der Fall Waadtland zeigt, sind aber kleine Bahnen offenbar oft günstiger als die Einheitsbahn, und sie sind die einzigen, die überhaupt daran interessiert sind, gewisse Randregionen zu bedienen, denn sie sind mit den lokalen Verhältnissen vertraut und ihre Entscheide fallen nicht alleine auf Grund von Rendite, Umsatz und Effizienz, sondern geben auch regionalen entwicklungspolitischen Erwägungen Raum. Während der Liberalismus die Lösung des dem Kapitalismus inhärenten Trends zum Monopol vor allem in den mit der Betriebsgrösse überproportional steigenden Verwaltungsaufwands sowie der internen Transaktionskosten (banal ausgedrückt: Je mehr Leute, desto blabla.) sieht, übersieht diese Renditeideologie hier einfach, dass vieles Wirtschaften sich gar nicht am Gewinn messen lässt, sondern, wie die traditionell bäuerliche Subsistenzökonomie, am Überleben und an Lebensqualität gemessen werden muss. [s. gute Arbeit]

Obwohl Bankenfusionen nur geringe Skaleneffekte erzeugen, also "nur" der Pufferung von Risiken (und nebenbei der Marktbeherrschung) dienen, wurde und wird hier eifrig fusioniert (Die grössten Banken der Welt):


 

Wachstum allein ist kein Wert, es ist eine Droge, der viele verfallen sind.

Claude Hauser, Präsident Migros Verwaltung, will nicht um jeden Preis wachsen, aber die Produktivität steigern - ob das aufgeht?

CASH Nr. 36, 2. September 2004. S. 2

Der Wunsch nach Grösse ist aber mit einer der wichtigsten Faktoren, warum unsere Wirtschaft unter Wachstumszwang steht und es weitaus dringender wäre, Wege aus der Wachstumsfalle zu finden, als unisono nach mehr Wachstum zu schreien. Das Zitat rechts zeigt aber auch, dass Umdenken leichter ist als Umsteigen. Obwohl es klar ist, dass bei weiterer Wachstumsmaximierung die Welt aus den Fugen gerät, verlieren Einzelne, die aus dem Rennen aussteigen, das von den andern weiter geführt wird, an Umsatz. Gewinn, Einfluss und Innovationskraft, also an Wettbewerbsfähigkeit. Steigende Produktivität zwingt zu mehr Umsatz, sonst geht es abwärts mit Preisen, Löhnen und Gewinnen. Ein teuflisches Gesetz.

Die Lösung wird darum sicher nicht einfach und sie steht noch in keinem Lehrbuch. Dennoch ist es wichtig zu erkennen, dass die blinde Nutzung von Marktgesetzen nicht einfach automatisch alle Probleme löst, sondern oft ganz massive Probleme verursacht, insbesondere was den übermässigen Einfluss von Grösse betrifft. Wir haben hier ein uraltes Problem von Demokratie und Freiheit, das meines Wissens auch die Anarchisten nicht lösen konnten: Wie gehen wir damit um, wenn Freiheitsbeschränkung mehrheitsfähig wird? Ein klassischer Fall ist Algerien, dass 1991/92 zum ersten Mal die Chance hatte, sich durch Wahlen von einer diktatorischen Herrschaft zu befreien, allerdings islamisch-fundamentalistische Diktatur wählte, die prompt von einer Militärdiktatur wieder entfernt wurde. Seither herrscht Bürgerkrieg. Wir können daraus erst mal bloss lernen, dass es wenig bringt, eine Diktatur durch eine andere zu ersetzen. Weder die Diktatur der Politik noch die Diktatur des Geldes (und der Betriebe, der neuen Feudalherrschaften) versprechen wirklich freie Entwicklung.

Was wir ebenfalls daraus lernen können:

Der liebe Markt denkt nicht mal im Traum daran,
die ihm von den Liberalen zugeschobene Rolle
als lieber Gott (unsichtbare Hand)
zu übernehmen
.

An besseren Lösungen, die vermutlich irgend wo zwischen Markt- und Politikdominanz liegen, müssen wir weiter arbeiten, und dies um einiges intensiver und rascher als bisher (s. absehbare Entwicklung in China ...).

Martin Herzog, Dipl. Forsting ETH, Rheinfelden - WEBDESIGN he www.brainworker.ch -

1.11.02/6.10.03

p.s: Randbemerkung für US-Kritiker: Jeremy Rifkin kritisiert zwar in seinem neusten Buch [Der Europäische Traum: Die Vision einer leisen Supermacht] die USA und lobt Europa. Er zeigt aber damit auch, dass das Problem der Grösse und Beherrschung sich nicht auf die USA beschränkt sondern auch von Leisetretern gefördert wird. Die Europäische Union ist inzwischen mit 25 Staate und 450 Millionen Einwohnern der grösste Wirtschaftsraum der Erde, der grösste Exporteur der Erde, mit einem BSP das dasjenige der USA um 100 Milliarden übersteigt. Unter den 140 grössten Firmen der Erde finden sich "nur" noch 50 Amerikanische, aber bereits 61 Europäische. Dies insbesondere in den Bereichen Banken, Bauwirtschaft, Chemie, Versicherungen und Flugzeugbau. Wir können das Problem Grösse also ruhig hier diskutieren, sogar in der Schweiz. Wir müssen uns dafür nicht in die USA bemühen.

 

Dominanz der Grossen bedeutet Verlust an Vielfalt - Verlust an Vielfalt bedeutet Verlust an Lebensqualität

Wettbewerb führt häufig entweder zu Zusammenschlüssen oder zur Vernichtung der Kleinen, also zu Ausschluss. Der Bedarf an Kundenmassen bedingt eine Strategie der Massenware und die eine Anpassung an den Massengeschmack - oder eine Anpassung des Massengeschmacks an das eigene Produkt! Grösse führt also zwar zu günstigeren Preisen auf der einen, aber auch zu einer Verringerung der Wahlmöglichkeiten auf der andern Seite. Die Geschmäcker müssen also nivelliert werden, wo Grösse herrscht. Diese Nivellierung ist ein Verlust an Lebensqualität und damit auch an Wohlstand. [Kulinarisch die grössten Verluste waren die Aufgabe der Bell-Zentrale beim Barfi in Basel, wo man sich auch als finanzielle Unterklasse gerne immer mal wieder was Delikates geholt hat. Ein ärgerlicher Verlust die Aufgabe des Restaurants Pöstli in Magden, insbesondere da es schliesst, bevor ich ausreichend Geld habe, es mal zu besuchen. Welch ein Ärger!]

Präzise hier setzte die "Lösung" des Long-Tail" an: Kleine lokale Betriebe (z.B. Bierbrauereien) die lokal wieder neue Spezialitäten schaffen - und die dann (welt-)weit vermarkten. Bessere und "andere" Produkte die nicht die Masse, sondern ein exklusives Zielsegment anpeilen (wo wie etwa Nespresso ganz penetrant die Schnöselfraktion anpeilt, mit exklusivem Sponsoring (Alingi), Werbeauftritten (Clooney) und member clubs für Affcionados (das sind z.B. die Leute, die lieber über Wein reden als ihn zu trinken) werben.

Erstens haben die Grossverteiler dies schon längst ebenfalls übernommen (s. Werbung für lokalen Käse von Coop), zweitens haben die Spezialisten den Nachteil, dass sie wegen tieferer Einkaufsmengen viel teurer Einkaufen. Luciano Marinello, kein ganz kleiner, präsent in Bahnhof und (früher mal) Flughafen Zürich mit Topqualität, zahlt, wenn er 80'000 Flaschen Coca Cola bestellt eben doch bedeutend mehr als Coop. Für Butter bezahlt er bereits im Einkauf mehr als Coop im Verkauf verlangen kann. Auch Migros merkte hier, dass lokales gefragt ist - und wenn Migros die Milch der Molkerei Neff in Wald verkauft, ist das Geschäft für Marinello gelaufen: Wenn wir Kleinen erfolgreich was initiieren, übernehmen es am Schluss die Grossen. Hier liegt die Krux der Innovation: Alles was sich nicht patentieren oder schützen lässt, wird eben sofort kopiert, wenn erfolgreich. Das heisst, dass die echten Innovatoren zwar das Risiko des Scheiterns tragen - nur selten aber den Erfolg geniessen können.

 

Aber nicht nur die Geschmäcker werden nivelliert, auch die Meinungen. (s. Pressefreiheit)

Präzise dieser Verlust an Wahlmöglichkeiten, also an Freiheit, dürfte immer wieder eine natürliche Gegenbewegung zur Herrschaft der Grösse einleiten. (Beispiele aus der Landwirtschaft)

rot: beträchtlich in der Krise

blau: kriegt's hin

grün: in Topform

Die Metapher von Pascal Vandenberghe, Generaldirektor der Buchhandlung Payot (Daniel Zumoberhaus: Orell Füssli schluckt nun auch Buchhandlung Payot. Tagesanzeiger, 24.3.05. S. 15) zeigt allerdings gleich auch die Probleme, die mit Grösse verbunden sind: Wenn man über einen Ozean segeln muss, ist die Reise in einem grossen Schiff viel sicherer als in einem kleinen Boot. Dazu ist nun eben zu bemerken, dass:

WIRTSCHAFTLICHE WARNUNG VOR GRÖSSEN-WAHN: Grössere Betriebe sind nur besser als grosse, wenn sie:

  1. rentabel bleiben: Wird Wachstum angestrebt, aber die Einkünfte fehlen, endet empire building im Ruin.

  2. steuerbar bleiben oder noch besser, leichter zu steuern sind. Ein weiteres Fundament der economy of scale neben der Marktmacht ist nämlich die Reduktion der Transaktionskosten (s. Coase). Hierarchisch organisierte Betriebe haben weitaus weniger Koordinationsaufwand, damit eine Effizienzsteigerung, gegenüber dem Markt mit seinen ad hoc auszuhandelnden Verträgen. Sollten die Transaktionskosten, wie es bei übermässiger Grösse leicht geschehen kann, die Vorteile der Marktdominanz auffressen, dann war's das. Die Grenze, d.h. die optimale Grösse, ist dort erreicht, wo die Grenzkosten der betriebsinternen Koordination gleich hoch sind wie die, eben durch Hierarchisierung eingesparten, Kosten der Marktbenutzung.

Die generelle Krise der Autobauer trifft die grossen natürlich nun härter als kleine, wendige. Auf Grund der notwendigen Rabatte, um die Produktion überhaupt los zu werden, legt GM bei jedem Wagen 973 $ drauf. Im Krisenfall wird also eine Art verkehrter economy of scale wirksam.

DEMOKRATISCHE WARNUNG VOR GRÖSSEN-WAHN: Politische Verhandlungsfreiheit <> oder Effizienz der Dikatur?

Wir verstehen hier sofort, warum von Seiten der Wirtschaft immer mehr Vorwürfe kommen, die (Basis-)Demokratie sei den modernen Bedürfnissen (der Wirtschaft) nicht mehr angepasst und ineffizient. Hier droht es den Wirtschaftsfundamentalisten aber, dass sie in die selbe Falle tappen wir Marx. Jener hat den ineffizienten Markt(-Preis) durch Plan ersetzt, diese wollen die ineffiziente Politik durch (Wirtschafts-)Planung ersetzen. Mit Freiheit verträgt sich aber beides genau gleich schlecht. Das Ideal der effizienten Steuerung über Hierarchien ist das Ideal der Faschisten jeglicher Couleur, da es das Aushandeln von Interessensdifferenzen umgehen will. (s. Freiheit und Wirtschaft)

p.s: Betriebswirtschaftspolitisch ist es allerdings nicht ganz so einfach, zu den Grossen zu stossen, wenn man nicht bereits dabei ist. Die Grossen profitieren über Kostenvorteile bei Beschaffung wie Produktion, können also kleinere leichter abwehren. Sie sind aber schwerfälliger und können nicht mit gut gezielten Produkten auf Nischen eingehen. Dort haben die kleinen einen enormen Vorteil, der sich oft durch massiv höhere Margen auszahlt. In der Bredouille sind die mittleren, da sie den Grossen wie den Kleinen in Sachen Profitrate meist unterlegen sind.

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p.s (05.12.06): Nachdem dieser Artikel unter Google auf Platz 1 gelandet ist (2003 bereits. Stichwort economy of scale) hat er offenbar ein paar Journalisten zum Denken angeregt ... aber die generell vertretene Meinung war: Grösse spielt keine Rolle. Rentabel muss ein Betrieb sein. Es gibt viele kleine Betriebe die .... blablabla. Wenn Sie heute die Empfehlungen von avenir Suisse in: Der befreite Bauer [: Mit Vollgas zurück ins 19 JH ... oder besser gleich ins feudalistische Mittelalter] lesen, werden Sie zugeben müssen, dass ich recht habe, wenn ich im Zwang zur Grösse das grösste Problem unseres Wirtschaftssystems sehe.

Marktanteile in einigen Bereichen, wo einige wenige Grossbetriebe dominieren: MARTKANTEILE

 

p.s: Wie heisst die erfolgreichste Sägerei aller Zeiten? Antwort