Wald und Jagd

Grundlagen: Zahlen und blau-graue Graphiken aus Jahrbuch Wald und Holz 2001 http://www.umwelt-schweiz.ch/buwal/de/fachgebiete/fg_wald/rubrik2/holzinfos/index.html

Rund 30'000 Schweizer gehen auf die Jagd. Es kommt damit auf jeden Schweizer Förster und Waldarbeiter 4 Jäger ...

Erlegt wurden im Jahr 2000 42'000 Rehe, 17'000 Gemsen, 7000 Rothirsche und 1400 Steinböcke. Besonder zugenommen haben die Wildschweine, d.h. die Anzahl und die Abschüsse, und die durch Wildschweine verursachten Schäden - vielleicht aber auch die Wildschweine selbst, denn zurückgeführt wird dies auf die reichliche Mast an Bucheckern und Eicheln der letzten Jahre. Die eifrigsten Wildschweinjäger finden sich bei den Revierjägern im Kanton Aargau, die 929 von 2532 erlegten. Aus Patentjagdgebieten kämen 1531 total dazu. Wildschweine haben übrigens ein ausgezeichnetes, bissfestes Fleisch. Am besten schmecken sie seltsamerweise mit einer irakischen Gewürzmischung ...

Die eifrigsten Jäger finden sich, wie vermutet, in Graubünden. Sie erlegen 1/4 der Jagdbeute der Schweiz (Wallis 11%, Tessin und Waadt je 6%): 4906 (65%) der Murmeltiere, 4230 (64%), der in der Schweiz gejagten Hirsche, 4393 (30%) der Gemsen - aber nur 3009 (16%) der Rehe. Rehe (6000 von19'000), Füchse (8000 von 23'000), Dachse (600 von 1400) und Marder 720 von 1900) werden die meisten im Kanton Bern gejagt. Details und präzise Zahlen s. S. 127: Anhang 14.4). Dies die Kantone mit Patentjagd.

Die generell tieferen Abschusszahlen bei Kantonen mit Revierjagd deuten darauf hin, dass hier das Wild mehr gepflegt als gejagt wird. Waldwirtschaft und Jäger haben sich darüber einmal ziemlich zerstritten. Versuchen wir mal eine Analyse von Abschusszahlen nach Jagdsystem (R: Revierjagd) und Wild pro Waldfläche und Kanton:

erlegtes Wild pro 100 ha Waldfläche
Thurgau R 23  
Luzern R 18  
Aargau R 18  
Zürich R 17  
Appenzell A.Rh 17  
St. Gallen R 17  
Basel-Land R 16  
Schaffhausen R 16  
Zug 15  
Glarus 13  
Uri 12  
Graubünden 12  
Appenzell I.Rh 12  
Solothurn R 12  
Schwyz 11  
Bern 10  
Nidwalden 10  
Freiburg 10  
Wallis 8  
Jura 8  
Obwalden 7  
Neuenburg 5  
Genf 4  
Waadt 4  
Basel-Stadt R 4  
Tessin 3  
erlegtes Wild pro 100 ha       Areal total
Schaffhausen R 6.7
Aargau R 6.2
Basel-Land R 5.8
Appenzell A.Rh 5.1
Zürich R 5.0
Luzern R 4.7
Solothurn R 4.6
St. Gallen R 4.5
Thurgau R 4.4
Jura 3.9
Zug 3.8
Glarus 3.4
Appenzell I.Rh 3.4
Schwyz 3.3
Graubünden 3.2
Bern 3.0
Obwalden 2.8
Nidwalden 2.8
Freiburg 2.4
Uri 2.2
Wallis 1.8
Neuenburg 1.7
Tessin 1.7
Waadt 1.5
Basel-Stadt R 1.1
Genf 0.5


Tja, man sieht wie der erste Eindruck und Vermutungen täuschen können. Die intensivsten Wald-Jäger sind die Thurgauer, Luzerner, Aargauer etc. - alles Revierjagdkantone - mit Ausnahme von Appenzell A.Rh.  Graubünden, Wallis, Waadt und Tessin haben einfach derart grosse Waldareale, dass es dort auch mehr zu jagen gibt.

Da Wild jedoch nicht nur im Wald vorkommt, sondern vor allem oberhalb der Waldgrenze, was z.B. Steinwild betrifft, oder sogar in Städten, was Zürichs Füchse betrifft, dürfe auch ein Vergleich der Strecke (erlegtes Wild) pro 100 ha Kantonsfläche Aufschlüsse geben: Schaffhausen, Aargau, Baselland, Appenzell, Zürich - treten so als intensivste Flächen-Jäger auf. Auch hier alles Revierjagdgebiete. Auch hier Graubünden Tessin, Wallis und Waadt weit abgeschlagen.

17.8.02

hewww.brainworker.ch

 

Warum sich die Hasen nicht (mehr) wie Kaninchen vermehren.

 

Feldhase/

Patentkantone/

Abschuss

Fallwild

Total

Bern

0

190

190

Uri

0

0

0

Schwyz

0

11

11

Obwalden

23

3

26

Nidwalden

0

0

0

Glarus

5

5

10

Zug

0

1

1

Fribourg

0

58

58

Appenzell AR

0

0

0

Appenzell AI

0

1

1

Graubünden

1170

73

1243

Ticino

110

11

121

Vaud

180

55

235

Valais

413

6

419

Neuchâtel

57

1

58

Genève

0

1

1

Jura

0

35

35

Total 1

1958

451

2409

Revierkantone/

Chasse affermée

Zürich

20

64

84

Luzern

91

155

246

Solothurn

27

57

84

Basel-Stadt

0

3

3

Basel-Land

0

24

24

Schaffhausen

33

44

77

St.Gallen

38

29

67

Aargau

3

177

180

Thurgau

27

42

69

Total 2

239

595

834

Total 1+2 CH

2197

1046

3243

1 = Abschuss ( * inkl. Fang) / animaux tirés ( * incl. capturés) , 2 = Fallwild (inkl. Hegeabschuss) / animaux péris (incl. tir de gestion)

Der Hase hat seine besten Zeiten seit Mitte des letzten Jahrhunderts hinter sich und wurde immer rarer. Schuld daran ist offenbar sein recht eigentümliches Sozial- und Paarungsverhalten. Hasen leben die meiste Zeit alleine, treffen sich allerdings zur Paarung an den Überschneidungsgebieten der Reviere. Je mehr Reviere vorhanden sind, desto intensiver wird gerammelt. Dies bedeutet, dass grosse Flächen ohne trennende Grenzen (Autobahnen z.B.) vorhanden sein müssen. Zudem können auf 4 km2  nicht nur doppelt so viel Hasen leben wie auf 2, sondern rund das Vierfache. Als ausreichende Dichte für die Erhaltung eines Bestandes gelten heute min. 6 Hasen pro ha. Dieser Wert wird aber nur noch auf 12% der beobachteten Flächen erreicht. Die dichtesten Bestände finden sich im Landwirtschaftsgebiet des Grossen Mooses (Bern-Freiburg), wo heute noch rund 20 Hasen pro ha zu finden sind. In den 70er Jahren waren es allerdings auch dort noch 50-60.

Hiess es früher: Viele Jäger sind des Hasen Tod, so gilt heute eher (s. Tabelle rechts): Viele Autos sind des Hasen Tod. Oder: Eine Landwirtschaftspolitik à la Couchepin und regellosem Liberalismus bringt Hasen und Bauern gleichzeitig zum verschwinden, denn Hasen brauchen nebst grossen Flächen vor allem auch eine gegliederte Landschaft, also Hecken. Eine alte Jägerregel lautet: Grosse Äcker - kleine Hasen. Eine Landwirtschaftspolitik die sich nach dem Gebot des internationalen Marktes restrukturiert, was heisst: Weniger Betriebe, grössere Betriebe, mehr Mechanisierung, weniger störende Strukturen wie kleinflächig wechselnder Anbau, Hecken, Tümpel, Hochstämme. Deswegen sind weite, vielfältige Ackerlandschaften in der Schweiz immer seltener.

Es gibt aber auch Positives zu vermelden. Auf Grund der Förderung ökologischer Ausgleichsflächen hat sich dieser Trend in den letzten Jahren gekehrt. Dass die Hasenbestände seit 1997 wieder am Zunehmen begriffen sind, könnte eine Wirkung davon sein. Allerdings sollten mindestens 10% der landwirtschaftlichen Nutzfläche als naturnahe ökologische Ausgleichsfläche gestaltet werden. Sie sehen, nicht nur in der Holzwirtschaft, auch auf dem Lande, beantwortet Liberalismus nur die Frage, wie sich ein Produkt günstiger produzieren lässt. Wer von der Produktion profitiert und wer dabei eingeht bleibt in einer "grenzenlosen" Wirtschaft offen.

Die Tabelle zeigt auch, dass sich in Kantonen mit grossen Wald und Landwirtschaftsflächen, wie Graubünden und Wallis, offenbar noch Hasen finden, die sich jagen lassen. Die Tabelle zeigt aber auch, dass ein Jagdverbot für Hasen im Aargau, dass sich an die Jäger richtet, nichts bringt. Dort müsste den Autos die Hasenjagd verboten werden. Das selbe gilt für den Kanton Bern. Tier- und Naturschützer nehmen hier mit den Jägern offensichtlich die falschen aufs Korn.

2003 haben sich die Bestände beim Hasen leicht erholt, vor allem in den Ackerbaugebieten.

Bedroht ist allerdings das Wildkaninchen, vor allem durch eine Viruskrankheit. Da das Wildkaninchen nicht einheimisch ist, steht es aber nicht auf der Roten Liste.

Anlass zur Sorge geben ebenfalls die sehr tiefen Bestände an Baummardern.

Weitere Infos:

Martin Herzog, Dipl. Forstingenieur ETH, Rheinfelden 4. August 2002

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