Grundlagen: Zahlen und blau-graue Graphiken aus Jahrbuch Wald und Holz 2001 http://www.umwelt-schweiz.ch/buwal/de/fachgebiete/fg_wald/rubrik2/holzinfos/index.html
Durch über tausend Jahre Landwirtschaft und Siedlung, die vor allem die flachen und ertragreichen ebenen Tieflagen zunehmende besetzten, wurde der Wald grossenteils in die wenig besiedelten und schwerer zugänglichen Berg- und Gebirgslagen verbannt. Darum befinden sich die Landschaften mit den grössten Waldanteilen (> 40%) im Tessin, den Voralpen und im Jura.

In den letzten 38 Jahren haben Industrialisierung und vor allem Dienstleistungen die Landwirtschaft aber selbst immer mehr in eine ertragsschwache Position gebracht, so dass vor allem zwischen 1965 und 85 eine grosse Anzahl von Kleinbetrieben aufgegeben wurde und die vernachlässigten Weiden sich natürlich bewaldeten.

Der Wald in der Schweiz ist wie in Europa und speziell auch Russland unternutzt - unabhängig davon wie gross die Waldfläche ist. Österreich (57%), Deutschland (52%) und Frankreich (51%) nutzen nur geringfügig mehr als die Hälfte der nachhaltig zuwachsenden Holzmenge!
Der Zuwachs des schweizer Waldes beträgt 9.8 Millionen m3 pro Jahr. Genutzt werden davon aber nur 62%. Während auf der Alpensüdseite jede ha ca. 5m3 pro Jahr erzeugt, produzieren die Wälder im Mittelland beinahe das Dreifache. Während zugegebenermassen,die Fichte etwas übervertreten ist, besteht kein Grund zur Kritik was Exoten betrifft. Solche, wie die rasch wachsenden Douglasie, Weymuthe, amerikanische Eiche u.a., sind nur auf 0.6% der Waldfläche zu finden.
Apropos Fichte und Stürme (Lothar). Dass damals zumeist Fichten geworfen wurden liegt nicht (nur) an der geringeren Standfestigkeit derselben, sondern auch daran, dass zur Zeit des Sturms die Laubbäume kahl stunden, dem Wind also wenig Angriffsfläche boten.


73% des Schweizer Waldes sind im Besitzt von 3'300 öffentlichen Körperschaften (Waldkorporation, Ortsbürger, Gemeinde, Kanton). Die Forstbetriebe der Schweiz sind sehr klein. Die durchschnittliche Grösse beträgt 269 ha. Im Kanton Luzern bei den öffentlichen Forstbetrieben 69 ha, in den Kantonen Aargau und Freiburg, bei den privaten Waldbesitzern, weniger als 1/2 Hektare.
Sehr viele Kleinbetriebe bewirtschaften eine sehr kleine Waldfläche - wenige Grossbetriebe bewirtschaften eine sehr grosse Waldfläche.

Die Anzahl öffentlicher Forstbetriebe nahm zwischen 1995 und 2000 um 221 (17%) ab auf 1073; die Anzahl der Angestellten um den gleichen Prozentsatz, um 1033 Angestellte auf 5321. Private Forstunternehmer wuchsen um 14%, stellten aber nur 4% (82 Personen) Angestellte neu an.
Die Kostenschere
Die Erträge (schwarze Zahlen) nahmen bis 1987-90 auf 0 ab - seither werden die Zahlen immer röter. Zwischen 1990 und 2000 verursachte jeder geerntete m3 ein Defizit von 11 (1995) bis 32 Fr. (1991, 2000 ...) Am härtesten betroffen ist das Tessin mit seinen steilen und wenig erschlossenen Wäldern, die mit jedem geernteten m3 600 Fr. an Defizit verursachen. An fehlender Rationalisierung liegt es nicht, denn der Zeitaufwand pro ha sank zwischen 1980 und 2000 auf die Hälfte, der Zeitaufwand pro geernteten m3 in den Alpen sogar auf 1/3 ... was aber vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass man heute die schwer zugänglichen Waldgebiete eher sich selbst (oder dem Naturschutz) überlässt.

apropos Hypothesen: Die obigen Graphiken, wie die meisten Interpretationen von forstlichen, landwirtschaftlichen und andern Wirtschaftsexperten legen nahe, dass das Problem der zu tiefen Rentabilität durch das Zusammenlegen kleiner Betriebe zu grösseren gelöst werden kann. Die Zahlen versprechen dies allerdings weniger:
| BAR-Kennziffern pro Region 2001 [aus: www.wvs.ch ] | ||||||||
| Jura 2000 | Jura 2001 | Mittelland 2000 | Mittelland 2001 | Voralpen 2000 | Voralpen 2001 | Alpen 2000 | Alpen 2001 | |
| Anzahl Betriebe | 169 | 169 | 242 | 243 | 63 | 62 | 240 | 238 |
| Fläche in 1000 ha | 40 | 38 | 52 | 52 | 28 | 28 | 125 | 131 |
| durchschn. Fläche in ha | 237 | 225 | 215 | 214 | 444 | 452 | 521 | 550 |
| Holz-Erlös | 62 | 65 | 62 | 55 | 50 | 48 | 62 | 67 |
| Holzer-Kosten | 60 | 66 | 57 | 54 | 92 | 103 | 120 | 120 |
| Ertrag pro m3 | 2 | -1 | 5 | 1 | -42 | -55 | -58 | -53 |
| Zeitaufwand h pro m3 | 0.64 | 0.74 | 0.59 | 0.63 | 0.57 | 0.75 | 1.28 | 1.37 |
Wir sehen deutlich, dass die Forstbetriebe in Voralpen und Alpen mindestens doppelt so gross sind wie diejenigen im Mittelland und Jura. Wir sehen aber auch, dass die Kosten für die Holzernte doppelt so hoch sind! Die vom Naturschutz im Vergleich zu Strassen so geschätzten Seilkrananlagen sind eben ein beträchtlicher Mehraufwand, der durch die Produktion von Brennholz nicht gedeckt werden kann.
p.s: Nicht gedeckt werden konnte: Im Herbst 2005 sprechen die enorm gestiegenen Kosten für Erdöl und seine Derivate stark für die These einer intensiveren Nutzung von Holz als Energieträger und Rohstoff! Der Energiewert des Holzes übersteigt jetzt sogar Werte der schlechteren bis mittleren Klassen von Wertholz! Das macht eine deutliche Anhebung der Holzpreise nun möglich.
Warum die Kosten in diesen Gebirgskantonen derart hoch sind, zeigt die Transportmethode. Da auf der selben Fläche oft mehrere Mittel eingesetzt werden, sind mehr als 100% möglich. Hier werden nur die wichtigsten Methoden aufgelistet. Eine vollständige Liste finden Sie unter: 2. Landesforstinventar 1993-95 [ www.wsl.ch/land/products/lfi/tabs/tab295.ehtml ]
| Rückemitteleinsatz * in % der Fläche | Mittelland | Am einfachsten ist die Ernte im Mittelland. Mit Traktor und Knickschlepper können bereits 90% der Waldflächen beerntet werden. |
| Traktor | 80.7 | |
| Knickschlepper | 10.4 | |
| Forwarder | 7.4 | |
| Pferd | 1.3 | |
| Jura | Im Jura sind die Verhältnisse offenbar ähnlich. Entgegen den Erwartungen wird dort häufiger gereistet als mit Pferden gearbeitet. | |
| Traktor | 77.5 | |
| Knickschlepper | 12 | |
| Forwarder | 7.6 | |
| Reisten | 6.3 | |
| Voralpen | In den Voralpen sind bereits 3 Verfahren nötig um 90% der Fläche zu beernten. Der Knickschlepper kommt nur noch relativ selten in Einsatz, dafür Seilkrane und Reisten. | |
| Traktor | 69.7 | |
| Seilkran konventionell | 10.7 | |
| Reisten | 9.7 | |
| Helikopter | 6.7 | |
| Knickschlepper | 5.1 | |
| Alpen | In den Alpen sind die Verhältnisse wieder ähnlich. Hier kommt allerdings noch die teure Ernte per Helikopter hinzu. Knickschlepper werden völlig durch Kleintransporter verdrängt (verm. damit auch Wertholz durch Brennholz). | |
| Traktor | 33.1 | |
| Helikopter | 20.1 | |
| Seilkran konventionell | 16.4 | |
| Kleintransporter | 15.8 | |
| Reisten | 13.2 | |
| Lastwagen | 9.4 | |
| Alpensüdseite | Am extremsten sind, wie es die Kosten erwarten liessen, die Verhältnisse auf der Alpensüdseite. Hier müssen, wie in den Alpen, 5 Verfahren eingesetzt werden, um 90% der Fläche zu beernten. Das Reisten hat hier die stärkste Verbreitung in der Schweiz. | |
| Traktor | 35.1 | |
| Helikopter | 19.4 | |
| Reisten | 16.7 | |
| Seilkran konventionell | 16.3 | |
| Kleintransporter | 10.2 | |
| Seilkran mobil | 8.8 |
Subventionen
Wie zu erwarten benötigen die Gebirgskantone auch am meisten Unterstützung. Die höchsten Unterstützungen pro ha Waldfläche gehen (nach abnehmender Zahlung geordnet) an OW (1100.-), NW, FR, UR, SZ, VS, GL und VD (ca. 320.-) Die höchsten Unterstützungen pro m3 gehen an VS 450.-), UR, TI (240.-), GR, GL (140.-).
Rodungen stellen zur Zeit offenbar keine Bedrohung dar, was natürlich auf die relativ strenge Handhabung des Rodungsverbots zurückzuführen ist.

Die bewilligten Rodungen dienten vor allem zum Ausbau von Verkehr, der Anlage von Kies- und Tongruben, Steinbrüchen und Abfalldeponien.

17.8.02 Martin Herzog, Rheinfelden
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