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Die Holzindustrie Schweiz hat in ihrem Jahresreport von 2001 sechs ganz prägnante Forderungen geäussert
(Original: http://edit.onstage.ch/holz-bois/fileupload/20020628161813.pdf / Schreinerzeitung 1.11.01):
1 Aufwertung der Holzproduktion: Waldbau ist nicht Selbstzweck, sondern in erster Linie die Methode zur Holzproduktion. Wer stets von allen anderen Waldfunktionen nur nicht der Holzproduktion sprecheBeiträge, sollte sich selber vielleicht besser eine andere Funktion suchen.
2 Fairness gegenüber der Fichte: Der Forstdienst orientiere sich in zu vielen Fällen an einer kleinsträumig anvisierten, standortgerechten Baumartenwahl, und lasse die Bedürfnisse der Holzkäufer ausser Acht. Auf Grund der Sturmschäden werde von wirtschaftsfernen Forstleuten mehr Buche gefordert, und die Douglasie als Exotin sei selbstredend kein Thema.
3 Günstigere Holzernte durch neue Produktionsmethoden: Die Waldarbeit ist nicht ausreichend rationalisiert.
4 Verzicht auf Mengenpolitik und "Subventionsexport": Wenn weiter der Preis über Nutzung oder Stehenlassen entscheidet, werden einerseits die Holzverarbeiter zu günstigen Importen getrieben, andererseits nehmen die bereits (zu) hohen Vorräte weiter zu.
5 Keine Subvention von (geplanten) ausländischen Grossägewerken durch tiefpreisige Zwölfjahresverträge (... die den Einheimischen seit langem verwehrt werden.)
6 Ruf nach einer griffigen Wald- und Holzwirtschaftspolitik: Teile der Forstpolitik haben die Überalterung des Waldes als Problem identifiziert, und selbst Umweltorganisationen haben nichts gegen eine Nutzungssteigerung einzuwenden.
Unsere Kunden können ihre Produkte irgendwo in Europa beziehen, wir aber sind auf den Schweizer Wald angewiesen.
Zitate von Emil Mosimann, Säger Zentralpräsident
* Motion Ruedi Lustenberger vom 22.3.02 verlangt, dass die zukünftige Forstpolitik dem Umstand Rechnung zu tragen hat, dass nur etwa die Hälfte des jährlichen Zuwachses genutzt wird. Es sei der Verwendung von Holz als Baustoff und Energieträger mehr Beachtung zu schenken, denn im verbauten Holz werden grosse Mengen an CO2 langfristig gebunden, während Holz als Energieträger die Freisetzung von CO2 aus fossilen Energieträgern vermindert. Stabile Wälder sind zu erhalten, die weiterhin auch Arbeitsplätze in strukturschwachen Randregionen anbieten.
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Die Zahlen aus Umwelt Schweiz: Statistiken und Analysen. Bundesamt für Statistik. Neuchatel 2002 zeigen, was in Wirklichkeit passiert ist:
Während der Holzkonsum in der Schweiz sein 1965 um 32'000 m3/Jahr steigt, steigen Import und Export parallel, und zwar jährlich um 176'000 m3. Die Schweizer Holzindustrie importiert eben so viel wie sie exportiert - und lässt das Schweizer Holz links liegen. Trotz vielfacher Vorstösse und mancher Anstrengungen * , will es offenbar nicht gelingen, den Holzkonsum in der Schweiz zu fördern - oder vermehrt auf inländisches Holz umzulenken. Die Graphik verdeutlicht, dass Mosimann trotz einiger Polemik in gewissen Dingen recht hat: Unsere Holzindustrie kann nur durch Import-Export überleben - . Aber weder diese Graphik noch Mosimann geben einen Hinweis darauf, wie eine nachhaltige Forstwirtschaft bei steigenden Kosten und sinkenden Preisen zu betreiben sei, nachhaltig zu betreiben sei. Mit Preisen, zu denen industrielle Holzplantagen in Skandinavien, Kanada und vor allem Neuseeland, mit Kahlschlagverfahren, Mechanisierung und oft der Vernachlässigung von Verjüngung und Bodenerosion, produzieren, kann unsere Forstwirtschaft preislich nicht konkurrieren - und vermutlich gäbe es einen Aufstand, würden wir solche Methoden auch nur ansatzweise eingeführt. Mehr davon (Was bringt Liberalisierung der Forstwirtschaft?) demnächst in diesem Theater.

Die Pressemitteilung vom 5. Juni 2000 (http://www.statistik.admin.ch/news/pm/dp00061.pdf ) zeigt auch, wer für die Rationalisierung bezahlt. Während die Sägereien beim Schnittholz von 1992 bis 2000 eine Preiseinbusse von ca. 6% hinnehmen mussten, fielen die Preise für das Säge-Rundholz, also das Rohprodukt Holz, also die Erlöse der Forstbetriebe, um volle 20% bei der von Mosimann so geschätzten Fichte (während sich Nadelholz hielt!) - bereits vor Lothar! Seither kann man von kostendeckenden Preisen nur noch träumen.

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Rationalisierungsmöglichkeiten der Holzproduktion:
Mehr Masse und Geschwindigkeit durch Mechanisierung, tiefere Betriebskosten durch grössere Betriebe.
Verfasser: Thomas Grünenfelder, BUWAL; Prof. Dr. Hansruedi Heinimann, ETH Zürich; Franz Weibel, Oberförster, BG-Bern; Hansruedi Streiff, Direktor SHIV; Hans-Peter Gautschi, Betriebswirtschafter, SHIV; Edgar Kaufmann, WSL; Stefan Zeltner, Holzkaufmann 1999
Ausgehend von Skandinavien und Nordamerika wurde die Produktion und Verarbeitung von Nadelholz zunehmend industrialisiert. In Mitteleuropa setzte der Trend Mitte der 70er Jahre ein, mit dem Aufbau von grösseren Holzindustriewerken in Deutschland und Österreich. Mit der Entwicklung der Produktionstechnik wurde dem Marktbedürfnis Rechnung getragen, ein homogenes, kostengünstiges, in grossen Mengen verfügbares Produkt herzustellen. Das Holzangebot hatte sich, obwohl immer wieder bis Ende der 80er Jahre prophezeit, nicht verknappt. Im Gegenteil, Holz ist zur Zeit im Überfluss vorhanden. Brachflächen werden weltweit aufgeforstet. Der Holzverbrauch wird in der nächsten Zeit weltweit zwar noch steigen, der Bedarf kann aber problemlos gedeckt werden. Die wirtschaftlich effiziente Holzernte erfolgt mit optimierten Systemen. Das vollmechanisierte Erntesystem ist das kostengünstigste, jedoch ist der effiziente Einsatz dieser Maschinen auf Brusthöhendurchmesser von ca. 45cm begrenzt. In letzter Zeit werden darum von den Holzverarbeitern schwache Durchmesser bei Fichte/Tanne vermehrt nachgefragt, während grosse Durchmesser zum Teil mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen haben.

Statt Starkholz für Klotzbretter (Schreinerware) und Balken (für die Zimmerei), die heute zusammen gerade noch 37% ausmachen, werden heute Standardprodukte auf mechanischem Weg (Profilzerspaner, Kreissägen statt Gatter und Blockbandsäge) aus Massenware erzeugt. Holz wird gefräst, geleimt, getrocknet und gehobelt, zu homogenen, kostengünstigen, standardisierten Produkten verarbeitet, die passgenau montiert werden können. Dazu ist eben schwaches bis mittelstarkes Rundholz geeigneter als Starkholz (> 50 cm bhd, meist 35 cm Mitteldurchmesser).
Die Landesforstinventare zeigen, dass, im Gegensatz zu den neuen Bedürfnissen der Wirtschaft, die Vorräte im Schweizer Wald immer grösser und die Bäume im Durchschnitt immer älter und dicker werden. Das Durchschnittsalter stieg im Zeitraum 1988-98 von von 91 auf 97 Jahre, das durchschnittliche Baumvolumen von 0.94 auf 1.18 m3. Das qualitativ hochwertige Holz dicker Stämme wurde zum Spezialsortiment, für das nur noch ein Nischenmarkt besteht. 80 bis 90% des Nadelholzes sind inzwischen Massenware.
Bis vor 20 Jahren galt: Starkholz ist immer gefragt und wird immer höhere Erträge erzielen . Nach diesem Grundsatz wurden unsere Wälder 100 Jahre lang bewirtschaftet, denn dicke Stämme boten eine höhere Ausbeute. Beim Starkholz können 51-88% des Stammes zu Brettern geschnitten werden, bei Schwachholz nur 48-58%. So bringen uns heute die vergangenen 100 Jahre Starkholzzucht Kosten - statt der erwarteten höheren Erträge. Auf Deutsch: Drei Generationen Förster wurden von der technischen Entwicklung verscheissert. Dazu noch eine weitere kurze historische Begründung: Mitte des 19. Jahrhunderts war der Schweizer Wald in einem üblen Zustand und stark übernutzt. Er konnte viele Funktionen nicht mehr erfüllen, wie z.B. Lawinenschutz und Hochwasserschutz und sogar die nachhaltige Holzproduktion waren bedroht. Dieser Waldvernichtung, vergleichbar mit dem, was heute in manchen Tropenländern geschieht, konnte durch den Aufbau eines flächendeckenden Forstdienstes Einhalt geboten werden, was zu einem nicht unbeträchtlichen Teil allerdings auch dem Import anderer Energieträger wie Kohle, später Öl, zu verdanken ist. Grosse Flächen wurden damals neu bestockt, vor 90 Jahren bis 20 Jahren wurden dann Vorräte geäufnet, da viele Bestände noch weit weg waren von einem optimalen Bestockungsgrad. Dann waren die Preise zu tief, und das Holz wurde "an Lager" belassen. Als Folge davon fehlen heute Bestände die jünger als 60 Jahre sind, ebenso solche mit einem Alter zwischen 91 und 150 und diejenigen die älter als 180 sind (was allerdings an unsern Vorvorvor...fahren liegt)..
Die Schweizer Forstwirtschaft hat also in den letzten 150 Jahren Wälder aufgebaut, die heute reifes, dickes Holz liefern - die Wirtschaft verlangt nun aber, ähnlich wie noch vor kurzem der Arbeitsmarkt, junges dünnes Holz. Dies ruft zugleich nach einer Verkürzung der Umtriebszeit. Wirtschaftlich bietet diese Vorteile, denn der Ertrag wird rascher erzielt. Da es nur noch um Masse und nicht mehr um astfreie Qualität geht, kann er auch erhöht werden.
Weitere Rationalisierungsmöglichkeiten eröffnen sich auch bei der aufwändigen Jungwaldpflege. Da bei der Nutzung dünnerer Stämme, deren Holz eh rekonstituiert wird, die Qualität "astfrei" überflüssig wird, lassen sich hier enorme Pflegekosten bei Jungwald sparen. Weiterhin liessen sich die Erntekosten halbieren durch den Einsatz vollmechanisierter Ernteverfahren, behaupten die Verfasser.
Hauptproblem heute ist eine zu geringe Nachfrage. Die Schweizer Wälder produzieren eine nachhaltig nutzbare Menge Holz von 9.8 Millionen m3 - die durchschnittliche Nutzung (ohne Lothar) betrug aber in den letzten Jahren nur 7.1 Millionen m3, also nur 2/3 des produzierten Holzes. Da die Holzwirtschaft stark von der Bauwirtschaft abhängt, war die dortige Flaute der vergangenen 10 Jahre auch der Holzindustrie nicht förderlich. Obwohl Holz in den letzten Jahre anteilmässig etwas zulegen konnte (s. Forstbetriebe), ist seine Verwendung beim Bau hierzulande recht beschränkt. In den USA z.B. sind 90% der Häuser aus Holz gebaut (und trotzdem haben die Gründerväter des Welthandels die Importe aus Kanada mit Strafzöllen belegt!).

Die Preise richten sich nicht nach den Kosten, sie sind die selben für Lagen mit teurer Ernte wie für günstige Lagen. Bei 120.-/m3 für Langholz am Ende des letzten JH, vor Lothar, konnten Forstbetriebe im Mittelland noch verdienen, Holzernte in Steil- und Hochlagen gerieten bereits damit zu über 50% ins Defizit.

Eine Mechanisierung und damit Beschleunigung und Verbilligung der Ernte ist in flachen, gut zugänglichen Lagen leichter möglich als in Steillagen. Eine generelle Steigerung der Produktivität der Holzernte im Ausmass wie dies bei den Sägereien möglich war, scheint von daher schon ausgeschlossen. Bäume wachsen eben nicht auf dem Werkhof. Hier geht, nach Meinung des Webtextmasters, der Gaul mit den Verfassern etwas durch, wenn sie davon reden, dass die Holzproduktion, ähnlich wie bei pps (Produktionsplanung und Steuerung) der Industrie, in den Gesamtablauf eingebunden werden soll. Die Holzkette als ganzes optimieren, mehr Kooperation als Konkurrenz zwischen Wald und Holzverarbeitung ist ja OK, aber bis sich die Bäume bei Sonnenuntergang jeweils an der Stempeluhr abmelden, unter Angabe der Tagesproduktion, vergehen hoffentlich noch viele viele Jahre. Zudem fragt es sich angesichts der Tatsache, dass auch die verarbeitende Industrie laufend Terrain an den dritten Sektor abgibt, ob es nicht geschickter wäre sich diesen Umweg - die Industrialisierung des Waldes - zu ersparen, und gleich in den Dienstleistungssektor einzusteigen.
Fehler, wenn man dem Fehlen der richtigen Glaskugel zur Vorausschau zukünftiger Entwicklungen so sagen kann, wurden übrigens nicht nur von den Förstern gemacht. Die kleingewerbliche Strukturen bei den Sägereien haben ihrerseits in der Schweiz Investitionen in moderne Technologien verhindert. In einem Grosssägewerk verursacht die Verarbeitung von 1 m3 Holz Kosten von 50.-, in einem kleinen 110.- Die Verteilung von Wald und Siedlungen spricht allerdings genau so für eine dezentrale Struktur, wie die erwünschte Vermeidung überflüssiger Schwertransporte..
· Der Holzproduktion als Motor für viele Waldleistungen ist eine grössere Wertschätzung entgegen zu bringen.
· Die Rundholzproduktion und die Holzverarbeitung ist als ein gemeinsamer Faktor der Forstpolitik zu betrachten und zu fördern.
· Produktionshemmende oder -erschwerende Auflagen sind abzubauen, oder nur bei konsequenter Abgeltung durchzusetzen.
· Die Subventionsleistungen des Bundes sollen sich klar an den geforderten Leistungen der Öffentlichkeit orientieren und nicht aus beschäftigungspolitischen Gründen erfolgen.
Forschung
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Entscheidungsgrundlagen entwickeln für die Umstellung auf vermehrte Massenholzerzeugung und weniger Qualitätsholzerzeugung.· Neue Modelle der Waldbewirtschaftung und Waldpflege.
Ausbildung
· Stärkere Gewichtung der betriebswirtschaftlichen und gesamtwirtschaftlichen Ausbildung.
· Die waldbauliche Lehre den veränderten Verhältnissen anpassen.
· Förderung der Marketing- und Verkaufskenntnisse bei den Holzverarbeitern.
Waldbewirtschaftung
· Konsequente Umsetzung der Waldentwicklungspläne. Ausscheiden bzw. prioritäre Zuweisung von Holzproduktionsflächen.
· Die Betriebsstrukturen der Holzproduktion auf die Prozessoptimierung der Holzkette ausrichten bzw. marktorientiert aufbauen. Produktionsziele sind im Betrieb klar festzulegen. Sie werden vom Marktbedürfnis und den vorhandenen Ressourcen abgeleitet.
· Die Holznutzung um mindestens 30% steigern. Parallel dazu neue Verkaufskanäle erschliessen, damit der Holzmarkt wegen Übersättigung nicht zusammenbricht.
· Allgemein zugängliche, aktuelle Datenbank über die Holzschlagplanung auf Grund der Holzeinschlagspotentiale.
Holzverarbeitung
· Ein Teil der Neuinvestitionen in der Starkholztechnologie einsetzen, um die in den nächsten 20 Jahren vermehrt anfallende Starkholzmenge in der Schweiz verarbeiten zu können.
· Die Bedarfsprognosen der Sägewerke sind für ca. 6 Monate auszulegen und rollend anzupassen. Die Partner auf der Angebotsseite sind laufend darüber zu informieren.
· Der Rundholzeinschnitt in der Schweiz ist massiv, um 50%, zu erhöhen. Die Holzmenge aus der Mehrnutzung soll vorwiegend in der Schweiz verarbeitet werden. Parallel dazu sind neue Verkaufskanäle für Schnittholz und Holzprodukte erschliessen.
· Regionale starkholzspezifische Allianzen über die ganze Holzkette aufbauen.
Holzwerbung
· Aufbereiten von Werbeunterlagen für Starkholzprodukte. Gezielt auf Verkaufsargumente für Starkholz aufbauen wie beispielsweise: Natur und Struktur statt homogene Langeweile, Charakter dank Ästen, Wärme, Sinnlichkeit, etc.
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Die Arbeitsproduktivität forstlicher Tätigkeiten liegt sehr tief. Sie ist vergleichbar mit derjenigen der Landwirtschaft und des Gastgewerbes. Tiefer liegen nur noch die extremen Niedrigstlohnbereiche wie die Herstellung von Kleidern (Tessin, Tiefstlöhne vermutlich durch Grenzgänger akzeptiert), sowie Reinigungsdienste. ... Fortsetzung Martin Herzog Rheinfelden 4.8.2002
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Redaktion & Gestaltung: Martin Herzog, Rheinfelden, 4.08.2002