Basierend auf: Logistikstudie Schweizer Wald und Holzindustrie. Analyse zur Identifikation von Rationalisierungspotentialen entlang der Wertschöpfungskette Wald-Werk. Jaakko Pöyry Consulting. http://www.wvs.ch/de/presse/Logistikstudie%20kurz.pdf (Der - hinter Wald- wurde bewusst weggelassen, denn er erweckt den Eindruck, dass die Schweiz eine Waldindustrie betreibe, was sie mit wenigen Ausnahmen zur Zeiten der Reinertragslehre nie tat und kaum je tun kann.)
Deutschland: Die Gemeinde gibt die wirtschaftliche Vorgabe. Aus wirtschaftlichen Gründen wird deshalb oft für Unternehmereinsatz entschieden. Die Arbeit wird nach Leistung abgerechnet und bezüglich Qualität kontrolliert. Aufwand entsteht vor allem durch den hohen Abstimmungsbedarf zwischen den Akteuren, insbesondere wenn die Waldbesitzer wenig kooperieren. Die Forstdienste leisten hier Hilfestellung.
Finnland: Die Logistikkette ist effizient und effektiv (und der Verfasser der Studie vermutlich Finne). Grundlagen dafür sind die Flächenbündelung, der Einsatz modernster Technik bei der Ernte wie bei Informations- und Kommunikationstechnologie. Auch in Finnland ist der Waldbesitz eher kleinstrukturiert (aber das Gelände einiges weniger steil, was verschwiegen wird).
Schweiz: Keine Bündelung der Flächen, Planungsseite sehr aufwändig, oft ungenügende Abstimmung zwischen Partnern, fehlende standardisierte Schnittstellen und moderne Technologie. Die Transportkosten sind doppelt so hoch wie im angrenzenden Ausland. Zudem hat die Schweiz aber auch die höchste Einschlags- und Rückepreise für Unternehmereinsätze. Auch diese liegen doppelt so hoch wie in Österreich oder Finnland. Es ist also nicht nur die "ineffiziente Verwaltung".

Rationalisierungspotential nutzen, Effizienz steigern, international wettbewerbsfähig bleiben.
Restrukturierungspotentiale:
Empfehlung:
Die Vorschläge beschränken sich auf die Förderung der Effizienz der Prozesse zwischen Wald und Werk. Der Wald wird, wie auf Grund des Titels eigentlich zu vermuten stand, zur Waldindustrie, zum Rohstofflieferanten degradiert. Für den Holzmarkt sind Preise für Ernte, Transport hier entscheidend, für die Holzproduktion im Wald ist jedoch der Zustand des verbleibenden Bestandes wichtiger als das geerntete Holz. Eine gewisse Beschränkung der Kunden- und Supply-Chain Orientierung ergibt sich etwa aus der Tatsache, dass Bäume im Sommer viel empfindlicher auf Verletzungen reagieren. Rindenverletzungen im Sommer führen sofort zu Infektionen. Zudem werden im Sommer auch die Böden stärker belastet. Des weitern hat Holzernte nicht nur mit Holz und Absatz zu tun, sondern sie zugleich Verjüngung oder Durchforstung des verbleibenden Bestandes. Dieser ist wichtiger als das geerntete Holz, denn er ist das Kapital der Waldwirtschaft. Dieser ist also der wichtigste Faktor, nicht die Auslastung der Maschinen.
Dies erklärt auch, warum nicht nur Ernte zum falschen Zeitpunkt ein Problem darstellen kann, sondern auch das Unterlassen der Holznutzung: Wo Durchforstungen im Schwachholz unterbleiben, unterbleibt auch die Förderung von Qualitätsholz. Die Bestände sind zu dicht und damit instabil. Das Holz ist in vernachlässigten Bestand auf mehr Stämme verteilt, die zudem die nicht nach Qualität ausgelesen wurden.
Arbeiten mit Leistungsbezug, wie Rücken und Seilkranbringung sollten nicht in Regie durchgeführt werden . Dies ist eine unfaire Übertragung der Risiken auf die Arbeitnehmer. Akkordarbeit führt nicht nur zu gesundheitlichen Schäden durch Selbstausbeutung der Arbeitnehmer, sondern auch zu einer Gefährdung des Kapitals der Waldeigentümer, zu mehr Schäden am verbleibenden Bestand. Die Globalisierung vergleicht hier je länger je mehr Äpfel mit Birnen. Treibende Kraft auf den internationalen Märkten sind die Holzpreise wie sie von den USA, Neuseeland, Finnland u.a. gebildet werden. In den USA werden Wälder generell durch Unternehmer beerntet. Wenn Sie sich mal Bilder angesehen haben, in welchem Zustand solche Wälder nach der Ernte sind, werden Sie sich dies kaum für die Schweiz wünschen. Der Widerstand der Naturschützer gegen Waldbewirtschaftung ist bei derartigem Vorgehen nur all zu verständlich. Hier feiert der rein betriebswirtschaftliche Neoliberalismus mal wieder Urständ, mit 5 bis 10 Jahren Verspätung, wie in der Forstwirtschaft wohl üblich.
Martin Herzog, Dipl Forstingenieur ETH, Rheinfelden, 1.11.2002