Lothar zeigt die Schwächen der Schweizerischen Wald- und Holzwirtschaft.

Von theoretischen Einsichten des supply chain managements zu praktischer Anwendung im Kanton Luzern

  1. Wie reagierte der Holzmarkt auf Lothar?
  2. Empfehlungen: Was lehrt uns Lothar?
    1. Für die Forstpolitik
    2. Für die Betriebswirtschaft
    3. Finanzierungsmodelle bei Katastrophen
    4. Der Holzmarktkommission
    5. Der Holzhändler
    6. Der Säger
  3. supply chain management - was bringt's, was bringt's nicht? Solange Wälder noch aus Bäumen bestehen ist der Holzmarkt nicht nachfrage- sondern angebotsgesteuert.
    1. Export ist keine Markterweiterung sondern Verdrängungswettbewerb auf einem gesättigten Markt. Die Situation in Europa.
  4. Folgen der vorgeschlagenen Rationalisierungsmassnahmen für Arbeitsmarkt und Ausbildung.
  5. Praktische Beispiele: Grau ist alle Theorie - der Kanton Luzern realisiert bereits, während andere noch am Studieren sind.

1 Wie reagierte der Holzmarkt auf Lothar?

nach: Entwicklung der Holzpreise und der Holzvermarktung in der Folge des Sturmereignisses "Lothar".  Schlussbericht April 2002. BUWAL: Bärtschi, Zeltner, Räss, Kaufmann. Bezug: www.admin.ch/buwal/publikat/d/

Am 26. Dezember 1999 stürmte der Orkan Lothar von der Bretagne her bis Baden-Württemberg und in die Schweiz. In Brest wies er noch Spitzengeschwindigkeiten von 174 km/h auf, die sich in Paris auf 148 km/h und bis Bern bereits auf 134 km/h abgeschwächt hatten. So entstanden die grössten Schäden in Frankreich (115 Mio. m3, 2.8 Jahresnutzungen), wo vor vor allem Elsass-Lothringen betroffen war; Baden-Württemberg (25 Mio. m3 , 4.8 Jahresnutzungen) und in der Schweiz  nördlich der Alpen (11 Mio. m3 , 2.8 Jahresnutzungen). In der Schweiz variierten die Schäden von 0 in Graubünden und Tessin, die gar nicht betroffen waren, bis zu 4.8 Jahresnutzungen im Kanton Bern, 5.3 in Obwalden und gar 10 in Nidwalden.

Das wirtschaftliche Umfeld ist bei der Bewältigung solcher Ereignisse von grossem Einfluss. Glücklicherweise war die Situation 1999 um einiges besser als 1990: Die Konjunktur war am Anziehen, die Nachfrage nach Holzprodukten wie der Ausstoss der Holzindustriebetriebe stieg europaweit stark an, die Märkte waren aufnahmefähig, die Arbeitslosigkeit tief, die Hypozinsen tief und die Konsumenten kauffreudig. Dazu kamen tiefe Lagerbestände, hohe Leistungskapazität der Forstunternehmer  und hohe Einschnittkapazitäten der Sägewerke. Diese Situation verschlechterte sich allerdings ab Herbst 2000 markant, vor allem in der Bauwirtschaft. Dazu kamen recht unterschiedliche Strategien der Betroffenen, die den Absatz zum Teil behinderten, vor allem aber die Preise noch stärker fallen liessen, als es alleine auf Grund von Angebot und Nachfrage her nötig gewesen wäre. Ein Vorteil dieser tiefen Preise war allerdings, dass einiges Holz sogar bis nach China exportiert werden konnte, das sonst sein Holz aus dem Pazifikraum und Sibirien zu Weltmarkt(tiefst)preisen bezieht.

Traditionelles Vorgehen bei Sturmnutzung:

Waldwirtschaftsverbände und regionale Koordinationsstellen verfolgten eine langfristige Strategie der Schadensbegrenzung. Ziel war eine geordnete Aufarbeitung und Vermarktung über einen längeren Zeitraum. Nur so viel aufrüsten, wie laufend vermarktet werden kann.

Waldeigentümer und politische Behörden ohne Sturmerfahrung wollten den Wald so rasch wie möglich aufräumen. Da die Forstunternehmer die Leistungsfähigkeit (Produktivität) beim Holzaufrüsten in den letzten Jahren enorm gesteigert haben, konnte ein grosser Teil der geworfenen 3 Jahresnutzungen innert weniger Monate aufgerüstet werden. Allerdings kamen dann Abfuhr und Absatz ins Stocken. Zudem zeigt diese Demonstration auch deutlich, dass für den Normalfall bereits enorme Überkapazitäten vorhanden sind, die natürlich auch Kosten verursachen. Deswegen sind die Forstunternehmer nicht mehr nur regional aktiv, sondern fahren zu Holzschlägen irgendwo in Europa.

Grössere Waldeigentümer oder technische Forstverwaltungen waren in der Lage, schnell aufzurüsten und rechtzeitig Verträge abzuschliessen, wodurch sie sich einen Vorteil am Holzmarkt verschafften (dr gschnäller isch dr gschwinder), auf den sie vermutlich auch in Zukunft nur ungern verzichten würden. Es ist ja gerade kein Kennzeichen des freien Marktes, dass er auf Schwächere warten würde.

Kleinere, meist Privat-Waldbesitzer verfolgten die rette-sich-wer-kann-Strategie: Den Wald schnell aufräumen und das Holz irgendwie los werden. Die Aufrüstung erfolgte hier oft wenig koordiniert, und viel Holz, das im Sommer eigentlich schon wertlos war, wurde weiterhin aufgerüstet. Die von einigen Kantonen empfohlene Strategie, das Holz liegen zu lassen um möglichst viele Reservate schaffen zu können, wurde von den Waldeigentümern kaum befolgt. (Vermutlich wurde betr. Abgeltungen für Reservate kaum oder schlecht kommuniziert).

Die Säger ihrerseits wollten auf Grund der schlechten Erfahrungen die sie 1990 gemacht hatten, nur so viel Holz aufkaufen, wie sie laufend verarbeiten konnten. Da in der Situation die Holzversorgung zu günstigen Preisen für die nächsten zwei bis drei Jahre eh gesichert war, bestand wenig Anlass, sich mit Lagerhaltung in Unkosten zu stürzen. Dies erweckte allerdings auf dem Holzmarkt den Eindruck, die Säger seien desinteressiert und passiv, und förderte damit vermutlich die Bemühungen, den Export zu fördern. 86% des vom Holzhandel im Jahr 2000 gekauften Holzes wurde exportiert. Italien, Österreich und Deutschland, aber auch Länder wie China, Indien und Slowenien nahmen 3 x mehr Holz ab als 1999. Österreich hätte noch grössere Mengen übernehmen können, hier geriet aber die Transportkapazität der SBB an ihre Grenzen. So wurde zum Teil Rundholz aus dem Aargau per LKW and die österreichische Grenze transportiert. Die Kosten für den Transport bis zu 100km Distanz liegen allerdings in der Schweiz mit 15.- bis 18.- Fr./m3 fast doppelt so  hoch wie im grenznahen Ausland ( 8.- bis 10.-).  Bahntransporte sind in der Schweiz etwa im selben Verhältnis teurer.

Durch gegenseitiges Unterbieten kam es zu einigen Vertragsbrüchen und einem weiteren Preistrend nach unten.  Da die zahlreichen und schlecht koordinierten Waldbesitzer und -Verwalter ihre Angebote natürlich auch unterschiedlichen Zwischenhändlern und Vermittlern anboten, wurde das selbe Holz oft mehrfach angeboten, so dass der Eindruck entstand, es sei noch mehr Holz auf dem Markt als eh schon der Fall war. Zudem wurden oft nur die Erlöse für die besten Sortimente kommuniziert - was zu einer enormen Verunsicherung führte bei denen die weniger gelöst hatten oder keine entsprechenden Angebote erhielten. Ein grosser Teil dieser Verwirrungen könnte also durch bessere und verlässliche Information beseitigt werden Zusammenschlüsse von Waldeigentümern zur Bewältigung des Sturmholzes gab es leider kaum.

Arbeitsverfahren, Kosten, Holzpreiszerfall:

Es ist deutlich, dass Berggebiete benachteiligt sind, bereits auf Grund der Tatsache, dass ihre Wälder steiler sind.

Rundholzpreise franko Waldstrass Fr/m3 1999 2000
Nadelholz Qualität B/C 97.- 54.-
Nadelholz D 55.- 33.-
Laubholz Sagholz 166.- 109.-
Laubholz Verpackungsmaterial 45.- 35.-

Die Tabelle rechts zeigt die Preisentwicklung gemäss Holzhändlern. Sie macht den drastischen Preiszerfall deutlich. Trotz massiver Reduktion der Preise, auf ein Niveau, dass oft nicht einmal die Erntekosten mehr deckte, war es zum Teil schwierig, gewisse Sortimente abzustossen. Dies betraf vor allem die Laubholz-Verpackungsqualität, von der zu gewissen Zeiten derartige Mengen vorhanden waren, dass das Sortiment sogar zu diesem minimalen Preis kaum mehr abgesetzt werden konnte.

Buche wurde aus Effizienzgründen oft per Gewicht verkauft, womit sich der Verkäufer die Kosten des Einmessens sparte.

 

2 Empfehlungen: Was lehrt uns Lothar?

Hauptergebnis: Sturmholzvermarktung kann nur dann gut funktionieren, wenn die Strukturen schon im Normalfall an ein Supply-Chain-Management angepasst sind.

Kommentar zu diesem Hauptergebnis: Im Kapitel Methodik verweisen die Autoren darauf, dass sie den Standpunkt  des Supply-Chain-Managements vertreten. Das Resultat ist also wenig verwunderlich und scheint etwas ideologisch. Es gilt daher, die reellen Probleme und Empfehlungen genauer ins Auge zu fassen, denn hätte die Autorengruppe aus Chaosmanagern bestanden, hiesse das Resultat mit einiger Sicherheit: Sturmholvermarktung kann nur dann gut funktionieren, wenn die Strukturen schon im Normalfall an ein Chaosmanagement angepasst sind.

  1. Sturmholzvermarktung muss auf ein gut organisiertes und effizientes System aufbauen können. Dies sollte als Anstoss genommen werden, unsere eingebürgerten Gewohnheiten der Holzbereitstellung und des Verkaufes an  marktfähige Strukturen anzupassen.
  2. Ohne wesentliche Verbesserung solcher Rahmenbedingungen ist es eine Illusion, die Holznutzung verdoppeln zu wollen.
  3. Internationale Beziehungen werden praktisch nur von Händlern gepflegt, u. einigen wenigen Waldbesitzern, resp. Betriebsleitern.
  4. Die bei Sturmereignissen neu geschaffenen Vermarktungsorganisationen benötigen rund 2 Jahre bis sie effizient arbeiten. In der kritischen Anfangsphase sind sie quasi wirkungslos. In den ersten 6 Monaten herrscht grosse Hektik und Ratlosigkeit betreffend der Aufrüstung und Vermarktung des anfallenden Holzes. Jeder versucht sich selbst zu retten. Aus den Ereignissen von 1990 war nichts gelernt worden. Genau die selben Ablaufmuster wiederholten sich 10 Jahre später.

Zum letzten Punkt stellt sich allerdings die Frage: Wenn da also einige Fachleute zum Voraus wussten, was passieren würde, wo blieben sie dann? Warum haben sie ihre Weisheit nicht eingebracht, als sie nötig war, sondern das Geschehen vom Rande her beobachtet und kommentiert? Auch hier ein Problem eines fehlenden Knowledge Managements in der Waldwirtschaft.

Ähnlich seltsam mutet einen das Resultat der Zettel-an-die-Wand-kleb-Übungen des Waldgipfels an. Sie werden das so kaum in offiziellen Stellungnahmen finden, aber in den Gängen und im Tram auf dem Heimweg war die am häufigsten gehörte Zusammenfassung: Eigentlich nichts Neues. Das hat Steinlin schon alles gesagt.  [Gesamtkonzeption für eine schweizerische Wald- und Holzwirtschaftspolitik; Pof. Dr. H. Steinlin, Prof. Dr. H. Schelbert, Prof. Dr. G. Crettol; Bern 1975]. Man könnte nun im Blick-Stil Titeln: Schweizer Forstwirtschaft muss endlich Empfehlungen realisieren, die schon vor einem Vierteljahrhundert gemacht wurden. Soooo schlimm sind allerdings die Verhältnisse in der Forstwirtschaft nicht ... sie sind noch schlimmer (s. 3. Welt in der Schweiz). Während wir die Produktivität ver-x-facht haben, haben diejenigen, die eh einen Vorsprung hatten, ihre Produktivität ver-x+1-facht. Wir liefen zwar schneller, diejenigen die bereits einen Vorsprung hatten aber noch schneller

2.1 Forstpolitische Empfehlungen

  1. Trennung von Hoheits- und Bewirtschaftungskompetenz
  2. Gleichstellung der Nutzfunktion mit Wohlfahrts- und Schutzfunktion
  3. Übertragung der Bewirtschaftung an den Eigentümer - mit möglichst grossen unternehmerischen Freiheiten
  4. Reorganisation, spez. von autonomen Kleinstbetrieben: Auslagerung der ganzen Holzproduktion oder Übergabe der Holzvermarktung an regional tätige Organisation
  5. Im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen betreffend der Nachhaltigkeit muss der Wald nach unternehmerischen Gesichtspunkten und Gutdünken des Eigentümers bewirtschaftet werden können, ohne zusätzliche Auflagen und Bewilligungsverfahren. Die Nutzfunktion muss den Waldfunktionen Wohlfahrt und Schutz gleichgestellt werden. Die Bewirtschaftungsansichten eines Eigentümers dürfen sich von den Bewirtschaftungsvorstellungen des Forstdienstes unterscheiden, wenn sie im Rahmen des Waldgesetzes liegen.

Punkt 5 wiederholt eigentlich Punkt 3. Offensichtlich wird dies als Problem empfunden. Eigentlich seltsam, denn, zumindest mit entsprechender Zivilcourage, war dies ja schon immer möglich. Sie erinnern sich? Da war doch mal so ein Fall in Zürich, als ein Forstmeister ein Urwaldreservat begründen wollte - und prompt den Hut nehmen musste, obwohl sich d(i)e(r) selbe Arbeitgeber(In) heute mit der Gründung präzise dieses Urwaldes brüstet. Bei der Einführung einer mechanisierten Waldwirtschaft braucht es vermutlich ähnliche Pionierarbeit.

Interessant unter dem Aspekt freie Marktwirtschaft/Planwirtschaft ist auch die Empfehlung für die Holzvermarktung:

 Die Holzvermarktung muss mit umfassenden Kompetenzen für den Holzverkauf ausgestattet sein, aber auch mit Kompetenzen zur Steuerung der Produktion.

Wird eingangs noch der arme Waldbesitzer als Diener der Waldvögte präsentiert, den es zu befreien gilt, so soll er nach der Befreiung offenbar gleich wieder in treue Gefolgschaft treten, diesmal zu den Holzvermarktern. Wie vorzüglich Händler den Markt lenken, sollten doch die letzten vier Börsenjahre deutlich genug gezeigt haben. Handel hat zwischen Produzenten und Konsumenten zu vermitteln - nicht anzuordnen - es sei denn, er übernehme die Verantwortung für Fehlproduktion, die auf Grund seiner Anordnungen entstehen. Wenn der Eigentümer mehr Selbständigkeit erhalten und mehr Verantwortung übernehmen soll, dann kann und soll er die auch nicht an die Holzvermarkter abgeben.

2.2 Betriebswirtschaftliche Empfehlungen

Die Schweizer Waldwirtschaft ist zu heterogen, als dass für die Holzvermarktung eine ideale Variante empfohlen werden könnte. Vielmehr muss auf Grund der regionalen Verhältnisse (Bedeutung der Holzernte, Topographie, Eigentumsverhältnisse, Kundenstruktur) eine optimale Variante angestrebt werden (s. Tabelle rechts, im Ausdruck oben). Die Holzvermarktung kann grob in drei strategische Verhaltensweisen aufgeteilt werden:

Variante A: Holzvermarktung durch den Forstbetrieb bzw. Revierförster. Der Forstbetrieb ist ein Generalist als Unternehmer. Die Holzvermarktung ist eine unter vielen anderen Tätigkeiten.

Variante B: Holzvermarktung über eine regionale, selbsttragende Verkaufsorganisation oder den Holzhandel. Regional tätige Verkaufsorganisationen oder regional tätige Holzhändler vermarkten das Holz vieler Eigentümer. Diese Variante ist geeignet für aussetzende Bewirtschaftung (Waldbewirtschaftung im Intervall mehrerer Jahre), Bewirtschaftungsauftrag (Waldbewirtschaftung durch Förster als Freelancer) und Regionen mit viel Privatwald.

Variante C: Outsourcing der Holzvermarktung und Holzernte an spezialisierte Unternehmen. Diese Variante ist geeignet für Forstbetriebe, welche die Holzernte nicht mehr selbst, sondern durch Forstunternehmer ausführen lassen, bei aussetzender Bewirtschaftung (Waldbewirtschaftung im Intervall mehrere Jahre), Bewirtschaftungsauftrag (Waldbewirtschaftung durch Förster als Freelancer) und Regionen mit viel Privatwald oder keinen eigentlichen Bewirtschaftungsstrukturen.


 

2.3 Finanzierung

Kredite und Finanzhilfen, wie die Subventionspolitik zur Bewältigung von Lothar, waren kantonal geregelt. Sie reichen von "gar nichts" bis zur "vollständigen Defizitgarantie". Je mehr Geld vorhanden war, desto unvernünftiger war oft das Vorgehen bei Aufrüstung und Preispolitik. Betriebe welche die Aufräumarbeiten vom Kanton bezahlt erhielten, konnten das dabei anfallende Holz, ohne Verlust für den eigenen Betrieb, fast gratis auf den Markt werfen. Subventionen, so gut sie gemeint sind und so willkommen sie dem Empfänger wohl sind,  trieben die bereits tiefen Preise noch weiter nach unten!

Eine ebenso originelle wie empfehlenswerte Lösung entwickelte der Kanton Waadt: Aus einem vom Grossrat bewilligten zinslosen Darlehen wurde in Fonds gebildet. Jeder Waldbesitzer der sich beteiligt, erhielt als Vorschuss 60% des geschätzten Verkaufspreises für das aufgerüstete Holz + einen Vorschuss auf die zu erwartenden Subventionen. Der Erlös floss nach Verkauf in den Fonds zurück. Da sich die Teilnehmer für die Vermarktung über den Fonds, präziser die Association Forestière Vaudoise et du Bas-Valais  verpflichten mussten, verlief diese geordnet und professionell. Allfällige Überschüsse werden pro rata an die Teilnehmer verteilt - was dem Interesse an einem marktgerechten Holzerlös doch förderlich ist.

2.4 Empfehlungen der Holzmarktkommission:

  1. Normalnutzung stoppen
  2. Aufrüstarbeiten zeitlich staffeln. Nicht mehr aufrüsten als der Handel vermitteln und der Markt aufnehmen kann. Zuerst hochwertige Sortimente rüsten, vor allem Laubholz, das im Sommer rasch verfärbt, Südhänge vor Nordhängen, Tieflagen vor Hochlagen.
  3. Holz liegen lassen, wo Schutzfunktionen nicht gefährdet sind, wenig Gefahr für Käferbefall angrenzender Bestände besteht und das Aufrüsten die Kosten nicht deckt.
  4. Holzlager: Am besten am Stock (liegende Bäume, deren Wurzeln noch mit dem Boden verbunden sind so belassen, nicht vom Stock trennen), dann an Nordlagen, in schattigen Tälern und Hochlagen. Nass und in Folie für maximal 2 Jahre.  Nasslager sind sehr gut zur Qualitätserhaltung, diese wie Folienlagerung sollte aber auch bei Fichte/Tanne nicht länger als 2 Jahre dauern. Laubhölzer, ausser Eiche, Esche und Kirsche, müssen eh noch bei kühlen Temperaturen aus dem Wald, da  ihre Qualität im Sommer rasch abnimmt. Buchen lassen sich so höchstens während eines Sommers lagern. Die Kosten liegen bei 30-40.- Fr./m3.
  5. Preise, Kundenpflege: Verträge sind einzuhalten. Empfohlen waren Preisermässigung von 5 bis 10% gegenüber den Richtpreisen. In erster Linie sollte die angestammte inländische Kundschaft bedient werden, in zweiter Linie lagern, als 3. Ausweg erst sollten Exportmöglichkeiten für Rundholz gesucht werden.
  6. Augenmass:

    • Aufarbeiten und Vermarkten nicht überstürzen. Sind die Schäden in 2 bis 5 Jahren zu verarbeiten - spielen Wochen oder Monate kaum eine Rolle. Gute Vorbereitung und sorgfältige Organisation verhüten Unfälle und senken Kosten.
    • Da sehr grosse Mengen gleichzeitig auf den Markt gelangen, wird es kaum gelingen, alles Holz in bestmöglicher Qualität und Sortierung zu vermarkten.

2.5 Die Holzhändler empfehlen

  1. Aufbau einer gemeinsamen Logistik (Informationsfluss, Organisation, Zuständigkeit, Verkauf ...)
  2. Privatwaldbesitzer, Burgergemeinden, Korporationen sollten das anfallende Holz gemeinsam über den Forstdienst oder Revierförster vermarkten.
  3. grossflächige Lagerplätze sollen von verschiedenen Waldbesitzern gemeinsam genutzt werden. Gedeckte Lager sollten möglich sein.
  4. Holzlagerung sollte kunden- und sortimentsbezogen erfolgen.

2.6 Empfehlungen der Säger

  1. Die Säger müssen besser miteinander kommunizieren ... und sollten nicht gedankenlos in fremde Gebiete eindringen.
  2. Die Säger sind solidarisch mit der Waldwirtschaft. Sie sind in der Lage Mehrmengen marktgerecht zu übernehmen.
  3. Zuerst sollten die inländischen Säger mit Rundholz versorgt werden.
  4. Im Stammgebiet zeitig Meldung beim Waldbesitzer abgeben, welche Mengen in den folgenden Jahren benötigt werden, wer diese allenfalls wo und wie lagert.
  5. Wird eine Qualitätsaufrüstung nach Sortiment durchgeführt? Welche Sortierbestimmungen gelten? Langholz  oder Trämel?
  6. Rundholz sollte nicht billiger exportiert, als im Inland verkauft werden. Die Säger fordern diesbezüglich Transparenz.
  7. Die ganze Holzkette muss sich für mehr Holzabsatz einsetzen.

Zus. Bemerkung zur Forderung 6: Diese mag zwar gerecht und plausibel tönen, ist jedoch nicht zu erfüllten. Der Grund dafür wird in Der globale Holzmarkt dargestellt: Die Preis-Menge-Elastizität ist recht starr. In den USA liegt sie bei 0.2 bis 0.3, d.h. wenn der Preis auf die Hälfte fällt, wird nicht doppelt so viel abgesetzt (Elastizität = 1), sondern nur etwa 1/4 mehr. Umgekehrt gilt natürlich auch, wenn nun 3 Jahresnutzungen auf den Markt geworfen werden statt einer, dann fällt der Preis (ohne Lagerung und Export) nicht nur auf 1/3, sondern auf 1/10, womit der gesamte Holzmarkt total ruiniert wäre. Der Zusammenbruch der gesamten Wald- und Holzwirtschaft wäre die Folge. Also muss die Menge auf ein Mass reduziert werden, das der lokale Markt ohne grössere Schäden absorbieren kann. Dies geschieht durch Lagerung wie durch Export. Dass die Exporte die Kosten  nicht decken ist eher nebensächlich, denn hier spielt das selbe Prinzip, nach dem früher die Walliser Bauern ihre Tomaten und Aprikosen in die Rhone gekippt haben. Ist das Angebot zu hoch, so decken die Preise für die gesamte Menge, statt nur für die exportierte Teilmenge, die Kosten nicht mehr.

3. Solange Wälder aus Bäumen bestehen, steuert das Angebot den Holzmarkt und nicht die Nachfrage.

Die Studie kritisiert, dass die Holzproduktion an der Waldstrasse aufhört, und will sie mit den verarbeitenden Betrieben besser verbinden. Angesichts des schwachen Marktes, sogar bei modernsten Holzprodukten, gilt es aber deutlich darauf hinzuweisen, dass es gilt, ein beträchtliches Stück über die Supply Chain hinaus zu denken und zu  handeln. Wald und Holz berichtet in der neuesten Nummer (Oktober 2002) auf Seite 17: In der Schweiz wird die Luft für die Holzverarbeiter und den Holzhandel immer dünner. Die erzielbaren Margen reichen in einer zunehmenden Zahl von Betrieben nicht mehr zu deren überleben. Was in diesem Zusammenhang besonders zu denken geben muss ist, dass in letzter Zeit auch zunehmend innovative Betriebe, welche Holzhalb- und Fertigprodukte in einem vergleichsweise hohen Wertschöpfungsbereich herstellen und in ihren Märkten Weltruf geniessen, von diesen Problemen betroffen und vom Konkurs bedroht sind. Durch Supply-Chain-Management kommen also allenfalls ein Blinder und ein Lahmer zusammen, die zwar gemeinsam schon etwas weiter kommen als jeder für sich, aber wirklich gesund wird durch derartige Massnahmen alleine weder der eine noch der andere.

Insbesondere Kapitel 3 der Studie, die Synthese, ist eine Vermischung von sachlichen Empfehlungen mit Propaganda für das Supply Chain Denkmodell. Die Studie behauptet, die Holzproduktion sei vernachlässigt worden, weil sie sich der Schutz- und Wohlfahrtsfunktionen unterordnen musste. All dies fördere die Passivität der Eigentümer und stärke den Einfluss der staatlichen Forstdienste. Der eigentlicher Grund für die Vernachlässigung der Holzproduktion ist jedoch der, dass die Holzernte mehr kostet als der Holzverkauf einbringt. Und dafür ist nun weder der Waldbau noch der Naturschutz verantwortlich. Hauptgrund für die hohen Erntekosten sind die kleinen Betriebe, mit tiefer Produktivität und suboptimalem Einsatz moderner Ernteverfahren. (s. Buchhaltung: Pflegekosten). Diese Vernachlässigung findet besonders im Privatwald seit Jahrzehnten statt, ganz einfach weil der Holzverkauf nicht mal die Erntekosten deckt. Waldbau ist ja Mittel zum Ziel, nicht Zweck an sich. Waldbau soll die Ernte so ermöglichen, dass sich dabei der Bestand wieder verjüngt, möglichst natürlich. Dann müssen waldbauliche Massnahmen die Verjüngung sichern, in Dickungen die Stabilität sichern, im Stangenholz den Stamm und die Krone formen,  und immer die Stabilität des Bestandes erhalten wie auch meist eine Qualitätsauslese treffen. Immerhin war bis heute ja eher Wertholz statt Massenware gefragt.

Für eine kurze, verständliche Einführung in den Waldbau s. www.payer.de/entwicklung/entw05.htm. Die Site gibt eine Übersicht über Waldbausysteme und Nutzungsarten, Verjüngungsverfahren, Waldschutz, Waldpflege, Sinn und Zweck von Durchforstungen, Holzbringung, Holzmarkt und vieles mehr.

Sie erwähnt z.B. als Grundprinzip forstlicher Tätigkeit die Kontinuität, die durch Supply Chain Management mehrfach durchbrochen werden soll.  Bei einer Integration der Waldbewirtschaftung in die Absatzkette wird äusserst fahrlässig mit den extrem unterschiedlichen Planungshorizonten von Holz- und Forstwirtschaft umgegangen. Ist es für die Holzwirtschaft bereits viel verlangt, ihren Bedarf für das nächste oder übernächste Jahr anzugeben, so müsste die Waldwirtschaft heute jedoch wissen, welches Holz in 100 oder mehr Jahren gefragt ist. Hier bestimmen die extrem langen Produktionszeiträume weitgehend das Mengen-Angebot, während die Standorte im naturnahen Waldbau darüber bestimmen, welche Holzarten in Frage kommen.

Auf Grund der Stabilität des Restbestandes sollte die Nutzung schonend und kleinflächig erfolgen, was zwar hinderlich ist für eine Mechanisierung - aber eindeutig umweltverträglicher. Grossflächige mechanisierte Waldbewirtschaftung ist zudem nicht nur unmöglich in Steillagen, wo Lawinen und Steinschlag drohen, sondern sogar in Wasserschutzgebieten und Trinkwasserzonen, da durch Kahlschlag viel mehr Nitrate freigesetzt werden als bei kleinflächiger Nutzung oder Verjüngung unter Schirm. [s. Chr. Küchli: Laub-Wälder liefern das beste Trinkwasser. In Wald und Holz 10/02. S. 51-54.]. Eigentlich erübrigt sich hier aber jede Querele, denn dort wo andere Waldfunktionen als die Holzproduktion Priorität haben, strebt das laufende Waldprogramm  (s. WAP) die Ausscheidung von  Bewirtschaftungszonen nach Prioritäten an, nach denen Nutzung und allfällige Abgeltungen für Dienstleistungen (sauberes Wasser in dem Falle) geregelt werden sollen.

Im weiteren werden in der Studie für eine sogenannte SWOT-Analyse die eingangs erwähnten Fakten und Behauptungen in verschiedenen Tabellen so lange hin und hergeschoben, bis man es glaubt, dass die Empfehlung wissenschaftlich begründet sei: Die Holzkette (Supply Chain) soll durchgängig aufgebaut und die einzelnen Teilprozesse aufeinander abgestimmt werden. Mit leistungsfähigen, flexibel einsetzbaren Holzernteequipen und dem Know-How der Vermarkter kann in Zusammenarbeit mit den Abnehmern das Holzangebot gesteuert werden. ... Mit Supply Chain Management sind nicht nur die üblichen Geschäftsbeziehungen gemeint, sondern der intensive Austausch von Wissen und Information. Die Nachfrage nach Holzprodukten wird grundsätzlich vom Konsumenten gesteuert. ... Die Kundenbedürfnisse bezüglich Holzart, Qualität und Ausformung lösen eine Beschaffung aus. Das Rundholz wird für die Verarbeitung bereitgestellt. Gleichzeitig fliesst eine produktionsbegleitende Information weiter bezüglich der Einschlagspotentiale, Kapazitäten, Sortimente und Qualitäten. Gelänge es, die Holzkette nach dem modernsten Stand der Betriebswirtschaft aufzubauen, bräuchte es eigentlich keine Holzvermarkter, sondern Holzbeschaffer.

Hier nun liegt die Studie völlig daneben. Da Wald per definitionem aus Bäumen besteht, gibt es keinen Wald ohne Holz. Da Holz, so lange es in einem lebenden Baum steckt, weiter Holz produziert, lässt sich die Massenproduktion nur wenig steuern durch Baumartenwahl, Bestandesdichte, Waldtyp und Umtriebszeit.

Holz wird nicht auf Grund von "Kundenbedürfnissen" produziert,

sondern ganz einfach weil der Wald aus Bäumen besteht

und diese wiederum zur Hauptsache aus Holz.

Der Holzmarkt hat es, solange es nicht Stürme sind, welche die Ernte einfahren, mit ziemlich konstanten Mengen zu tun. Das Angebot ist getrieben von der Produktivität des Waldes. Bei übergrosser Nachfrage wie im 19. Jahrhundert muss er gegen Verzehr der Substanz eintreten, bei Preisen welche für viele Abnehmer nicht zu verkraften sind, muss er für eine einigermassen gerechte Verteilung sorgen, bei Preisen welche für die Anbieter nicht mehr zu verkraften sind, müsste er für bessere (weitere, neue) Absatzmöglichkeiten sorgen - denn der Wald produziert was er produziert, weder weniger noch mehr. Der Schweizer Wald liefert also jährlich rund 7 bis 10 Millionen m3 Holz - ganz egal, ob dieses gefragt ist oder nicht. Wird er übernutzt geht er ein. Wird er unternutzt, so kann er wieder zum Urwald werden, trägt aber so nichts mehr bei zur Reduktion des CO2-Ausstosses und zur besseren Nutzung natürlicher Ressourcen, insbesondere der Sonnenenergie. Das Wald zu Urwald wird ist zudem äusserst selten. Erfahrungen aus der Entwicklungszusammenarbeit zeigen deutlich, dass reine Schutzgebiete praktisch nur mit Polizeischutz überleben. Kann die Bevölkerung die im oder um den Wald herum lebt, nicht auch vom Wald und seinen Produkten leben, so wird er, legal oder illegal, ganz egal, in ertragreicheres konvertiert, also meist in Landwirtschaft.

Unterstützt wird die These Holz ist ein Angebotsmarkt auch ganz eindeutig durch die Preis-Mengen-Verhältnisse: Die Nachfrage nach Holz ist recht preis-inelastisch, d.h. sie reagiert nur wenig auf Preisänderungen. Im Gegensatz dazu ist das Angebot elastischer. (s. dazu: Das Preis-Mengengesetz des Holzmarktes.

Da dieses Angebot, die Produktion der Natur, zwar konstant aber in beschränkter Menge zur Verfügung steht, braucht es im Umgang damit eine Ökonomie, welche nicht auf grenzenlosem Wachstum basiert, sondern auf pfleglicher Nutzung des Gegebenen.

"Amüsant" (in Anführungszeichen) ist hierbei die Tatsache, dass in den Bereichen Wald und Holz ein Sektor der sonst so hochmodernen Schweiz präzise das selbe Schicksal erleidet, wie ganze Volkswirtschaften von Drittweltländern: Die Produktivität kann aus sozialen oder natürlich gegebenen Faktoren wie Gebirge, soziale Organisation, Kleinräumigkeit etc. nur unter härtesten Restrukturierungsmassnahmen auf ein Niveau kommen, wo sie zu Weltmarktbedingungen konkurrenzfähig ist. Kaum haben sie mit ach und krach das angestrebte Niveau erreicht, müssen sie feststellen, dass diejenigen die zuvor vorne lagen, sich auch nicht ausgeruht haben, sondern immer noch den selben, wenn nicht gar grösseren, Vorsprung haben. Die Waldwirtschaft dient hier, wohl eher ungewollt, als kleines Korrektiv für die so gelobten Wohltaten der freien Konkurrenz.

Aus dieser Sicht scheint Supply Chain schlicht und einfach das falsche Denkmodell. Die Optimierung der Holzproduktionskette ist nur ein Teil, ein Teil der wenig Phantasie und eigentlich nur Nachvollzug braucht (s. Analysen und Empfehlungen der Logistikstudie der Schweizer Wald und Holzwirtschaft). Dringender aber schwieriger ist die Entwicklung neuer Produkte und der Aufbau neuer Märkte. Wald- und Holzwirtschaft als Anbietermarkt müssten vielleicht von der Pharmazie lernen, die Produkte kreiert für die zwar eine hohe potentielle Nachfrage herrschen könnte, die aber diese Nachfrage erst fördern müssen, wofür sie ein volles Drittel des Umsatzes einsetzen.

Holz ist nicht nur ein vollwertiger Ersatz für Erdöl, es ist definitiv mehr wert als Erdöl. Holz liefert Produkte verschiedenster Wertstufen s. Holzprodukte. Auf oberster Stufe der Wertsschöpfung steht das Fournier, wie Spezialhölzer für Instrumentenbau und ähnliches, allerdings mit beschränkten Mengen. Dann folgen massive Edelhölzer für Möbel, Balken für Hausausbau. Auf einer tiefere Ebenen, der Zellulären, liefert Holz Fasern und verschiedenste Rohstoff, deren Anwendungsmöglichkeiten noch bei weitem nicht erschöpft sind. Nochmals eine Stufe tiefer kann Holz chemisch in Zucker und Essig umgewandelt werden oder über den Einsatz von Bakterien und Pilzen in Eiweisse. Sind all diese Wertschöpfungsstufen ausgeschöpft, dient es immer noch Energielieferant. Dabei gibt es CO2 zwar in den Kreislauf zurück, aber CO2-neutral - nach einer langen Lebensdauer in der es verschiedenste Funktionen im Hausbau, Inneneinrichtung, ev. als Spielzeug, Kleid (Viskose, Reyon) , Zeitung, in der Champignonzucht und schlussendlich als Brennstoff erfüllt hat. Wald ist der grösste Sonnenkollektor.

Eine vorzügliche Werbung für Holz war die Expo 02. Da diese aber über weite Strecken von den Streitereien um die Finanzierung dominiert war, wurde dies von der Presse leider zu wenig wahrgenommen. Heute noch zugänglich ist eine exquisite Flash-Demo zum Palais de l' Equilibre unter www.charpente-concept.ch.

Hierher passt, im negativen Sinne, leider auch die vom Lignum-Newsletter reportierte Tatsache, dass Bauwesen, und damit auch Holzbau, an der ETH verschwinden und an die Fachhochschulen weitergereicht werden. Professor Natterer in Lausanne hat nicht nur sich und seiner Schule ein internationales Renommee geschaffen, er hat auch tatkräftig geholfen, dem Holz neue Einsatzmöglichkeiten zu schaffen. Suche Sie ihn allerdings im Internet, dann werden Sie mit Leichtigkeit feststellen, dass vielleicht 90% der Links die ihn betreffen, aus Deutschland stammen. Der Prophet im eigenen Land ...

Was die öfters erwähnte Markterweiterung durch Export betrifft, so handelt es sich eigentlich nicht um "Erweiterung", sondern um Verdrängung. Die Schweiz nutzt zwar nur gut die Hälfte des nutzbaren nachhaltigen Holzuwachses (s. Graphik), sie liegt damit aber an mit der Spitze in Europa. Mehr genutzt wird nur in Lettland (100%), Estland, Finnland, Schweden, Portugal und Irland. Deutschland, Frankreich, Österreich, also alle unsere Nachbarländer, nutzen  15 bis 25% weniger vom nachhaltigen Zuwachs als wir. Enorme ungenutzte Potentiale finden sich insbesondere auch in Osteuropa (Bulgarien, Rumänien, Polen, der Slovakei und Kroatien) und Russland. Zudem wächst der internationale Holzmarkt nur um knapp 1% pro Jahr, dies aber in den Ländern, welche die Industrialsierung noch vor sich haben. Der Preistrend ist präzise gegenläufig. Preise sinken jährlich um 1%. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Massivholz immer stärker durch Schnitzel und andere Massenprodukte, wie auch Papier, ersetzt wird (s. Holzmarkt international). Auf Export zu bauen wäre unter diesen Bedingungen kurzsichtig. Eine Erweiterung braucht neue Ideen, neue Produkte, neue Absatzmärkte und Nachfragen.

 

4 Folgen der vorgeschlagenen Rationalisierungsmassnahmen für Ausbildung, Arbeitsmarkt und die sozialen Strukturen der Betriebe.

Die Empfehlungen, mit denen die Wald- und Holzwirtschaft zur Zeit bombardiert wird, sind präzise die selben, welche die dümpelnde Wirtschaft zwischen 1995 und 2000 in grossem Masse umzusetzen versuchte: Restrukturierung vorantreiben, Synergien nutzen, Kosten einsparen, Personal reduzieren, Ausbildung verbessern. Sie gingen zum grössten Teil auf Kosten der Arbeitnehmer. Weder das BUWAL noch Wald und Holzwirtschaft haben bis anhin auch nur einen einzigen Beitrag geliefert, der sich einigermassen seriös mit der Entwicklung des Arbeitsmarktes in der Primärproduktion auseinandersetzt. Gefordert wird eine Reduktion des Personalbestandes auf die Hälfte. Gefordert wird eine leistungsorientierte Entlöhnung, also die Wiedereinführung der Akkordarbeit. Gefordert werden zwei neue Ausbildungsstufen auf Kaderebene - all dies zum Wohle von Wald- und Forstwirtschaft. Die Auswirkungen der Empfehlungen werden nicht mal am Rande erwähnt. 

Bei halbiertem Personalbestand soll die Ausbildung verstärkt werden. Nebst ungelernten und gelernten Forstwarten, also den Angestellten, gäbe es dann Förster FH, Bachelor und Master Wald- und Landschaftsmanagement sowie den spezialisierten Holzkaufmann. Also 4 Kaderstufen für einen Arbeitsmarkt von 8000 Mitarbeitern. Jede Schule braucht eine minimale Zahl Schüler/Studenten, um den Kurs anbieten zu können, also ist jährlich mit mindestens 100 Kaderleuten zu rechnen. Diese haben rund 40 Jahre zu arbeiten bis zur Pensionierung, macht 4000- was also genau der geforderten Halbierung des Personalbestandes entspricht. Allerdings dürfte dieser Ansatz kaum zu Einsparungen führen, da diese Kader ihre Investition in die Ausbildung finanzieren müssen und deutlich höhere Löhne erwarten als die Hilfskräfte, die entlassen wurden. Wird die Forstwirtschaft also zum ersten Wirtschaftssektor in dem es nicht bloss mehr Häuptlinge als Indianer gibt, sondern nur noch Häuptlinge?

Hier sollte bei aller Euphorie doch auch mal an die Zukunft der Absolventen dieser Ausbildungsgänge gedacht werden. Ich hör da schon den Spruch: Die Guten finden immer was. Na ja .... Erstens sind die Guten sind oft diejenigen, die am besten Lernen, was in der Praxis nur selten entscheidend ist. Zweitens sind die Guten meist Leute, die ins Konzept des Betriebes und ins soziale Gefüge passen. Auch dies ein höchst relatives Mass für "gut". Deutlicher wird das Problem aber vielleicht durch ein Beispiel: 1992 hatte ich im Jemen einen deutschen Praktikanten aus Weihenstephan. Trotz beträchtlicher Länge ein bodenfester und geländegängiger Praktiker, der auch die lästige chinesische Handsäge die wir damals benutzten zu schränken und zu handhaben verstand. Er war begeistert von dem Beruf. Bei der Schlussprüfung gelangte er auf Platz 36 von ca. 90. Die ersten 33 erhielten einen Job - der Rest wurstelte sich durch und versuchte sonst was. Ein gewaltiger Frust, beträchtliche Kosten an Zeit und Geld - verschwendet, denn hier wurden die besten Praktiker auf Grund ihrer theoretischen Kenntnissen ausgewählt. Ein Unsinn, der aber nicht nur in Deutschland passiert. Hier müssten Ausbildungsstätten mehr Verantwortung zeigen und ihre Ausbildung so anlegen, dass ausreichend Spielraum besteht, um in angrenzende Bereiche auszuweichen. Beim Master des Wald- und Landschaftsmanagements dürfte dies gegeben sein, falls Management sich nicht auf Planung beschränkt. Bei den andern Kaderstufen ist dies jedoch noch fraglich.

Bei derartig engen Einsatzmöglichkeiten und dem entsprechend hohen Konkurrenz leiden jedoch nicht nur die Ausgeschiedenen, die "Verlierer". Auch diejenigen die ins System reinkommen verlieren einiges an Freiheit. Je höher die Konkurrenz, desto höher der Anpassungsdruck. Je enger der Arbeitsmarkt, desto mehr Einfluss erhalten die "Hintenrum-Infos". Dort wo jeder jeden kennt, werden Aussenseiter schnell erkannt und ausgegrenzt. Da braucht nur einer seinem Chef zu sagen, er sei eine Pfeife - bald weiss es die ganze Clique und ein Querulant ist gebrandmarkt. Die Frage wäre dann noch offen, ob es dem Aussenseiter nicht besser geht, als denen, die sich dem Anpassungsdruck über Jahre unterwerfen müssen.

Schlecht ist diese Situation aber nicht nur für Out- wie Insider, sondern auch noch für die Sache, denn ohne die Fähigkeit Kritik zu äussern und gegebenenfalls auch anzunehmen gibt es keine Korrektur, keinen Lernprozess, keine Richtungsänderung und auch keinen Fortschritt. Eine Gesellschaft welche Kritik ablehnt sklerotisiert und die Probleme verschärfen sich.

Was das soll? Schon mal aufgefallen, wie wenig sich eigentlich forstliche Kader zum Wald äussern, obwohl die Umfrage dies deutlich als Anliegen der Bevölkerung aufgezeigt hat? Nur selten trauen sie sich über die Region hinaus, nur selten werden sie innovativ, denn oft kostet es den Job. Schuld daran sind aber nicht nur Situation oder gar ein Mangel an Zivilcourage, schuld daran dürfte in erster Linie das Dilemma jedes Beamten sein, der Politik betreiben müsste. Dieses Dilemma wurde zwar schon vor bald hundert Jahren von Max Weber beschrieben, wird aber als Problem kaum wahr- und noch weniger ernst genommen. Arbeitsteilung, kapitalistische Ökonomie und moderner Staat brauchen eine wachsende Wirtschaft und Innovation, zumeist technischer Art. Auf den sozialen Bereich wirkt sich das aus durch die Unterwerfung unter eine strikte Denkart, die Konzentration auf produktive Effizienz, Rationalität in  Entscheidungsfassung und Verwaltung, Funktionalität und professionelle Spezialisierung.  www.brainworker.ch/reports/yemen/31OMP1.htm Während der Typ des Politikers, den es nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft, in Vereinen und eben (Gott sei dank) ab und zu auch in der Verwaltung gibt, seine Interessen (sic), d.h. vorzugsweise, theoretisch, die Interessen seiner Auftraggeber übernimmt und vertritt, ist der Typ des Beamten, der ebenfalls nicht auf die Verwaltung beschränkt ist, sondern das Idealbild des modernen Arbeitnehmers darstellt, gebunden an seinen Auftrag. Politik oder Management erteilt den Auftrag, Beamter führt aus. Gerade im öffentlichen Bereich ist diese Trennung ja seit der Französischen Revolution recht scharf: Die Legislative bestimmt die Politik, die Exekutive sieht, dass diese wie festgelegt ausgeführt wird und die Judikative prüft, dass alles rechtens ist und bleibt. Aus dieser Perspektive ist den Beamten also kein Vorwurf zu machen, wenn sie sich an die Vorschriften halten, denn genau darum wurden sie ja als Beamte gewählt. Sie sollen das, was in politischen Prozessen demokratisch festgelegt wurde, vollziehen, und nicht immer wieder in Frage stellen, neu diskutieren und neu gestalten, denn dies ist eine politische Tätigkeit. In Situationen wo sich die Umwelt allerdings rascher ändert als die Gesetze und Verordnungen, kann dann, wie dies zur Zeit offensichtlich der Fall ist, der Vollzug der Realität hintennach hinken. Um diesem Dilemma zwischen aktivem Politiker aus eigenem Antrieb und treu vollziehendem Beamten zu entkommen und aus "sturen Beamten" innovative Wald-Manager zu machen, braucht es einige grundsätzliche Überlegungen, für die die Zeit nun reif sein dürfte, ein neues Berufsbild und mit ziemlicher Sicherheit eine andere Stellung als die des Beamten.

 

5 Praktische Lösungsansätze im Kanton Luzern

Luzern wurde mit 4 Jahresnutzung von Lothar überdurchschnittlich getroffen. Zudem ist es der Kanton mit dem grössten Privatwaldanteil, die Vorräte liegen mit 470m3/ha noch um einiges über dem bereits hohen Schweizer Durchschnitt und auch der Nadelholzanteil von 75% einiges über den natürlichen Verhältnissen. Vielleicht ist es gerade dieser überdurchschnittliche "Leidensdruck", der dazu geführt hat, dass Luzern die so oft verlangte Trennung von hoheitlicher Funktion des Forstdienstes und beratende Funktion für Forstbetriebe bereits in Praxis vollzogen hat. Ebenso ist er führend, was die Integration der Holzkette betrifft. Innerhalb von 5 Jahren soll die Produktivität um 20% gesteigert werden. Dies vor allem durch den Einsatz von fünf regionalen Förstern, die für gute regionale Verankerung und Vertrauen garantieren. Ziele sind:

Interessant ist das von Lenca ( www.lenca.ch ) vorgestellte webbasiertes Informationssystem, das Koordination- und Administration der Holzvermarktung vereinfacht. Es umfasst::

Das Lenca-Informationssystem erleichtert also die Vermarktung, ohne gleich die Bewirtschaftung in die Hände der Händler zu legen.

Aber die forstliche Praxis des Kantons Luzern hat noch mehr zu bieten:

Als Beispiel ausserhalb Luzerns wäre auch die Aareholz AG zu erwähnen, die neue Holzvermarktungsgesellschaft des Waldwirtschaftsverbands Bucheggberg, der Bürgergemeinden und des Waldeigentümerverbandes Solothurn-Lebern-Wasseramt und einiger angrenzender Burgergemeinden des Kantons Bern.

Noch ein abschliessendes Wort zu Ideologien wie Liberalismus, Sozialismus etc. Als ehem. Redaktor einer sozialliberalen Zeitschrift möchte ich davor warnen, Lösungen über ideologische Schlagworte zu suchen. Es gibt erstens wenig Anlass, Privatisierung und Liberalisierung gegen Allgemeingut und Gemeinnutzen (service public) auszuspielen. Zweitens bringen diese Diskussionen nichts, Drittens sind 2/3 des Schweizer Waldes ist in den Händen öffentlich-rechtlicher Eigentümer wie Kantone, Gemeinden und Korporationen. Da diese eh der Bevölkerung und dem Gemeinwohl verpflichtet sind, können sie ihren Wald also auch bei aller Liberalisierung nicht zu Holzäckern machen. Einseitige Lösungen sind keine Lösungen. Weder kann der Staat die gesamte Waldwirtschaft subventionieren, noch hilft es, wenn wir blind den "Gesetzen" des Marktes hinterher rennen. Wir müssen eine Wirtschaftsform entwickeln, die pfleglich umgeht mit dem was ist, statt heute Auszubeuten und Morgen die Kosten jemand anders aufzuladen. (Gruss an Swissair und die Waadtländer Kantonalbank).

Martin Herzog, Dipl. Forsting. ETH, WEBDESIGN für Wissensanbieter, Rheinfelden, 30. Oktober. 2002

Bestandteil von www.brainworker.ch/WAP/

Was die Förderung der Holzverwendung und der Nachfrage betrifft, auch darin ist uns Oesterreich voraus. [s. http://www.sonnenseite.com/fp/archiv/Akt-News/4225.php ]

Beim Einsatz von Energieholz für die Gebäudeheizung liegt Osterreich absolut gesehen an fünfter Stelle in der EU. Mit einem Energieholzanteil von 6,6 Prozent am Gesamtverbrauch liegt das Land relativ gesehen sogar in Führung.

Bei kleinen und mittleren Holzfeuerungen für Hackschnitzel und Pellets ist Österreich Technologieführer in Europa. Allein zwischen 2000 und 2001 stieg die Zahl der Klein-Schnitzelfeuerungen um 30 Prozent, diejenige der Pelletsfeuerungen um 40 Prozent. Heute werden mehr als 570.000 Hauptwohnsitze (ca. 20 Prozent aller Hauptwohnsitze) mittels biomassebefeuerten Einzelöfen oder Zentralheizungen beheizt - der überwiegende Teil davon mit Holz: etwa 90 000 davon mit modernen Stückholzkes sein, 15.000 mit Pelletsfeuerungen und 30.000 mit Klein-Schnitzelfeuerungen. Bei den Großanlagen ähnelt das Bild demjenigen aus Südtirol: In den letzten 20 Jahren wurden in Österreich mehr als 400 neue Biomasse-Fernheizwerke errichtet.

Anteil der Erneuerbaren Energiequellen
am Primär-Energieverbrauch in:

 
SÜDTIROL   15 Prozent (davon Wasserkraft 0 %)
SCHWEIZ   23 Prozent (davon Wasserkraft 16,3 %)
BAYERN      6 Prozent (davon Wasserkraft 2,2 %)
ÖSTERREICH 21,9 Prozent (davon Wasserkraft 11,1 %)

Die Tabelle zeigt also, dass in der Schweiz nur 6.7% des Primärenergieverbrauchs durch Holz und andere Alternativen gedeckt wird, während es in Oesterreich bereits10.8% (Hälfte Holz, Hälfte andere Biobrennstoffe, Details s. http://www.eva.wsr.ac.at/enz/res-dat.htm ) im Südtirol sogar 15%, also doppelt so viel, sind! Während zur Zeit knapp 3 Millionen Festmeter Holz (inkl. Ausschussverwertung) zur Energieproduktion genutzt werden, liesse sich diese Menge auch von der Angebotsseite - zum Vorteil der Waldwirtschaft, des Waldes und der Natur (Auflichtung, d.h. Nutzung vielerorts dringend nötig!) - mit Leichtigkeit verdoppeln.