Leserbrief
Gut gemeinte Medienarbeit mit kontraproduktiven Auswirkungen
An einem Dorffest sass ich kürzlich in der „Sägerbeiz“ wo Waldbesitzer, Bauern, Förster, Holzverarbeiter und Bauleute über Gott, die Welt und die Zukunft diskutierten. Dabei hat auch, ein an sich seriöser Baumeister, treuherzig seine Meinung wiedergegeben, mit der er natürlich auch für seinen Massivbau wirbt:
„Weltweit gibt es bald kein Holz mehr. Das belegen die täglichen Fernsehbilder von grossflächigen Waldzerstörungen durch Rodung und Brand und der grosse tägliche Holzverbrauch. Er empfehle deshalb seinen Kunden Beton und Backstein sowie Oel- und Gasheizungen. Dann müsse man sich um die Umweltzerstörungen keine Sorgen machen.“
Kommentar: Wohlgemeinte, undifferenzierte Bildberichte über die Missstände in Tropen und Sahel werden missbraucht. Diese lassen vergessen, dass Europa in seinen Wäldern kaum 60 % des Holz- Zuwachses nutzt. Viel Holz verfault. Aus 1 m³ Faulholz verpuffen 900 kg CO2 und 2000 KWh Wärme. Im Baustoff Holz könnten diese über Jahrzehnte fixiert werden. Mit einer Holzheizung könnten fossile Brennstoffe gespart werden. Ob all den Urwalddiskussionen wird in Umweltkreisen der Mensch mit seinem riesigen CO2- Ausstoss vergessen. Der Wald kann die Umweltzerstörung mit CO2 nur bremsen, wenn sein Zuwachs laufend als Baustoff und Energieträger genutzt wird. Was machen die Umweltkreise um Werbemissbräuche abzustellen ?
Armin Bont, Forstmeister, Weiherstrasse 15,
CH- 8500 Frauenfeld
Sept. 2002