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8 Antithesen
zur
Neo-Liberalisierung der Waldwirtschaft
zu
den 8 Thesen
- Steuerung durch Rentabilität:
Wald erfüllt viele Funktionen. Die Reduktion auf die Wirtschaftsfunktion
und das Steuerungsmedium Geld wird dieser Komplexität nicht gerecht. Da
ein grosser Teil der Leistungen die der Wald erbringt nicht in Geld
gerechnet werden, kann das System Wirtschaft mit dem Steuerungsmedium Geld
diese Funktionen gar nicht erfassen. Sie werden für das BSP erst relevant,
wenn sie fehlen: Lawinenniedergänge, Steinschlag, Murgang,
Überschwemmungen, verunreinigtes Grundwasser etc.
- Wirtschaftsziele:
More productivity will come through more people – not fewer
(Tom Peters). Das Motto: Jetzt wird gespart –
ganz egal was es kostet, kommt die Volkswirtschaft teuer zu stehen. In
einer Volkswirtschaft deren Überleben vom Wachstum abhängt, muss bei zu
tiefen Einnahmen nicht gespart werden, sondern es müssen die Einnahmen
erhöht, also neue Produkte angeboten werden.
- Der Zeitfaktor:
Eine Baumgeneration dauert 20 bis 300 Jahre – und kann bereits aus diesem
Grund nicht in der 1. Liga der Wirtschaft mitspielen, die sich tagtäglich
neu an den Markt anpassen muss und kann. Die Holzwirtschaft ist damit das
klassische Beispiel eines Angebots, und nicht eines Nachfragemarktes. Man
sollte sich nicht von neoliberalen Ökonomen einreden lassen, dies sei ein
Problem, denn die verlässliche Lieferung bestimmter Mengen und Sorten
(etwas gestört durch Forstmeister Sturm), erlaubt ja eigentlich auch
langfristig verlässliche Prognosen (in den nächsten 20 Jahren sollten 9
bis 10 Millionen m3 pro Jahr geerntet werden) und entsprechende
Investitionen in Verarbeitung und Absatzförderung.
- Planung:
Tiefe Preise erfordern eine bessere, nicht weniger, Planung.
Forstinventare per Stichproben sind zudem recht kostengünstig (s.
Forstzeitschrift vom Mai 03).
- Zentralität – Regionalität:
We must be wary of the economics of scale – but create more
complex alliances (Tom Peters). Die
Verbesserung der Wirtschaftlichkeit geht meist über Vergrösserung und
Zusammenlegungen (economy of scale). Diese senkt zwar die Preise –
zerstört aber volkswirtschaftlich oft mehr als sie schafft. Die
wirtschaftliche Leistung wird zentraler verwaltet und angeboten, die
Regionen verlieren, um so mehr je weiter sie von den meist städtischen
Zentren entfernt sind.
- Konkurrenz-Kooperation:
More competition requires more cooperation (Tom
Peters). Statt auf Konkurrenz sollten die
Forstbetriebe auf Kooperation setzen. Die zu kleinen Betriebe sollten sich
zur Nutzung mit andern zusammenschliessen oder zumindest zusammen planen
und arbeiten. Zwecks Vermarktung und Promotion sollten sie sich vernetzen
und zu einer Marktplattform zusammenfinden. Da das Angebot an Holz meist
Jahre zum Voraus berechenbar ist, lässt sich also recht einfach eine
gesamtschweizerische Übersicht zum Marktangebot schaffen. (s. Antithese 3)
- Bildung:
Waldwirtschaft als die am langfristigsten und komplexesten planende
Wirtschaft sollte die Führung übernehmen im Management natürlicher
Ressourcen. Die Reduktion der Ausbildung auf Vollzug politischer und
wirtschaftlicher Wünsche ist eine äusserst kurzfristige Lösung.
Längerfristig reichen kritiklose Auftragnehmer und Mit-Arbeiter aber nicht
aus. Für die nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen sind
Leute erforderlich, die komplexe Systeme verstehen, lenken und diese
Komplexität an Politik und Gesellschaft vermitteln können.
- Ihr Beitrag: ....
Martin Herzog, Dipl. Forsting. ETH, Rheinfelden.
13.05.03
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