Optimale Gesellschaftsmodelle aus der
Perspektive der Sozialwissenschaften_______________________________________________________________________________________
[H. Reimann, B. Giesen, D. Goetze, M. Schmid: Basale Soziologie: Theoretische Modelle. Westdeutscher Verlag. Opladen. 1985].
| Soziologie ist
die Königin der Wissenschaften. Ungleich den andern Wissenschaften, die kleine Segmente des Lebens analysieren, integriert Soziologie alles Wissen über die Menschheit. Steven Seidman: Contested Knowledge. Social Theory Today. Blackwell Publ. Malden, Oxford, Victoria. 1994, 98, 2004 (sec. ed.) [p 18:] |
Definitionen der Soziologie:
Soziologie ist das Studium der Gesellschaft in all ihren Aspekten. So ist die Soziologie DIE zentrale Sozialwissenschaft - während dem Ökonomie, Politologie, Linguistik etc. bloss Teilbereiche untersuchen. Soziologie will soziales Handeln deuten und verstehen.
Soziologie studiert die menschlichen Interaktionen. Sie ist die Wissenschaft, die sich mit den sozialen Handlungen (Aktionen), den sozialen Normen, den sozialen Beziehungen (zwischen den Handelnden), den Institutionen, als den Strukturen der gesellschaftlichen Wirklichkeit befasst
Der Begriff Soziologie wurde geprägt von August Comte (1798-1887) und basiert auf socius = Genosse, Gefährte, Mitmensch.
Teilgebiete: Psychologie, Sozialpsychologie, Sozialpsychiatrie, Kulturanthropologie, Ethologie/Verhaltensforschung, Kriminologie, Oekonomie, Sozialgeschichte, Politologie, Kommunikationswissenschaften.
Merke:
Ökonomie kann (und sollte
vielleicht wirklich) als Teilgebiet der Soziologie betrachtet werden,
nicht als allbeherrschende Ueberwissen, analog der früheren Position der
Theologie.
Spezialisierungen: Industrie- und Betriebssoziologie, Organisationssoziologie, Wirtschaftssoziologie, Finanzsoziologie, Bevölkerungssoziologie, Politische Soziologie, Staatssoziologie, Kommunikationssoziologie, Sprachsoziologie (Sozio-Linguistik), Literatursoziologie, Musiksoziologie, Kunstsoziologie, Kultursoziologie/Geschichtssoziologie, Wissenssoziologie, Entwicklungssoziologie, Ethnosoziologie, Soziologie der Erziehung und Bildung (pädagogische Soziologie), Jugendsoziologie, Alterssoziologie, Familiensoziologie, Medizinsoziologie, Psychiatrische Soziologie, Mathematische Soziologie, Futurologische Soziologie, soziale Probleme (Armut, Arbeitslosigkeit, Alter, Krankheit, Migration, Randgruppen, Minoritäten, Sozialarbeit, Sozialpolitik), Rechtssoziologie, Religionssoziologie, Planungssoziologie, Arbeitssoziologie, Siedlungs-, Gemeinde-, Stadtsoziologie, Agrarsoziologie, Berufssoziologie, Militärsoziologie, Polizeisoziologie, Freizeitsoziologie, Sportsoziologie, Soziologie der Technik, Verkehrssoziologie, Verwaltungssoziologie ... (das war 1985. Inzwischen dürften noch einige dazu gekommen sein.
Die Form die sich die Gesellschaft gibt - und die dann von der Soziologie studiert wird, ist bedingt durch:
Bereits diese Randbedingungen zeigen, warum die in der Soziologie verwendeten Methoden aus unterschiedlichsten Bereichen der Wissenschaften stammen, also naturwissenschaftlich-quantitativ ebenso behinhalten wie geisteswissenschaftlich-qualitative, beschreibende und interpretierende.
| Soziologie als hermeneutische wie nomothetische Wissenschaft | Soziologie als systemisch-ganzheitliche wie als perspektivistisch-individualistische Wissenschaft. |
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Die Probleme mit denen sich die Soziologie rumschlägt betreffen ja meist nicht einen statischen, mehr oder minder zufällig in Teilsystemen agregierten Menschen, sondern denkende, redende und vor allem handelnde Menschen. Erst der Mensch der handelt, und sei es bloss durch zu lautes Radiohören, ungebührliches - oder im Gegenteil attraktives Verhalten, der wird für die Gesellschaft von Interesse: Interaktion aber beruht auf Kommunikation und bildet Gesellschaften aus, die also nicht primär Strukturen sind, sondern Prozesse. Hier erhält die Soziologie eine weitere, für Wissenschaften eher ungewöhnliche Orientierung, nämlich die am Prozess, nicht am statistisch erfassbaren Zustand.
Was Prozesse, also Handlung in Bewegung setzt, sind Motive und Intentionen, welche die Energie für zielgerichtetes Handeln liefern. Da diese Objekt der Psychologie sind, kommt Soziologie also kaum ohne Psychologie aus.
Definition Handlung::
Handlung ist immer frei, bewusst und an Intention gebunden, meist auch an Motive: Da ein Aktor niemals sicher sein kann, über alle notwendigen Bedingungen seines Handelns informiert oder richtig informiert zu sein, wird man nicht unterstellen können, dass sich Handeln gewissermassen automatisch aus seiner Situationsinterpretation ergibt. [S. 137] Das wäre dann eben auch keine Handlung mehr, sondern eine bedingte Reaktion, ein Sachzwang.
Handlungen sollen Ziele realisieren, also nicht-realisierte Zustände. Handlung ist also auf die Zukunft gerichtet, konstruktivistisch - und nicht kausal, bedingt. Handlung ist allerdings ihrerseits Bedingung für das Erreichen von Zielen. Meist hat die Handlung mehrere Ziele und Alternativen in der Durchführung.
Handlung ist situativ, also vom Kontext bedingt, vom Umfeld mit meist vielen Einflussfaktoren.
Aktoren handeln nicht auf Grund der faktischen situativen Begebenheiten, sondern auf Grund ihres Glaubens darüber, wie die Situation geartet sei. Handlung basiert also (meist) auf Meinung, nicht auf Wissen (was allerdings keine Entschuldigung ist für unüberlegtes Handeln!)..
Definition soziale Handlung:
Im Idealfall belohnen sich Handelnde gegenseitig, indem sie den Erwartungen des Gegenübers entgegen kommen. Diese Gegenseitigkeit der Handlungserwartungen bezeichnet man als Komplementarität, die Tatsache gemeinsamer Werte als Konsensus. Solange sich Ungleichheit durch gemeinsame Werte rechtfertigen lässt, kann das soziale System als integriert gelten. Integration und Konsens sprechen den selben Sachverhalt an.
- s. auch Aktionsforschung
Gesellschaft ist nicht ausserhalb oder über handelnden Personen anzusiedeln.
Gesellschaft ist das, was die Mitglieder der Gesellschaft glauben, dass sie sei. [S. 143] Um diesen Zustand zu erhalten tendieren soziale Systeme dazu, Sanktionsmechanismen auszubilden: Konformes Verhalten wird belohnt, Dissens bestraft.
Die Gesellschaft wirkt also wiederum auf die sie konstituierenden Individuen und versucht diese nach dem allgemeinen Bild zu Formen, untergräbt also Individualität - zum grossen Teil allerdings mit wohlwollender Unterstützung des Individuums, dass eine Rolle (ein Begriff der nicht zufällig aus dem Theater stammt) zwecks Status- und sonstigen Erwerbs freiwillig annimmt, ja meist sogar anstrebt.
Individuum Identität
Charakter
Interessen
...Vergesellschaftung Integration
Assimilation
Adaptation
Gesellschaft
Gesellschaftliche StrukturenPolitik
Wirtschaft
Kultur/Tradition/Geschichte
Ressourcen
soziales KapitalBegabung(en)
BildungSoziale Gruppen und Klassen Familie
Schule
Paarbeziehungen 2
Peers, Clans
NetzwerkeBeruf
Rolle (multifunktionelle)Status
Prestige
...
Wir haben also eine Reihe von zunehmend komplexeren Interaktionssystemen, denen sich unglücklicherweise unterschiedliche Wissenschaften widmen:
Individuum: Psychologie
Gruppe: Psychosoziologie. Da die Mehrheit unserer Aktionen, also auch der Beeinflussung des Individuums durch "die Gesellschaft" in relativ kleinen Gruppen stattfindet, sind diese von zentraler Bedeutung. Es handelt sich vor allem um die Familie, Schule, Paarbeziehungen; Peer Groups, Clans; Arbeit; Netzwerke
Gemeinschaft/Gesellschaft: Soziologie
Das ICH ist der Baustein jeder Gruppe, angefangen bei der Zweiergruppe (s. Ich und Du - Beziehungslehre). Es bestimmt also in erster Instanz die Strukturen und Abläufe innerhalb von Beziehungen ... es sei denn es handle sich um ein angestelltes, also entfremdetes ICH in einer Firma.Die Bestandteile des ICH: Person/Persönlichkeit/Psyche - Charakter - Begabungen - Interessen - IDENTITAETI-II-III - Integrität - Authentizität
Der Begriff Authentizität Beschreibt das Problem recht treffend:
Angewendet auf Personen bedeutet Authentizität, dass das Handeln einer Person nicht durch externe Einflüsse bestimmt wird, sondern aus der Person selbst stammt.
Wenn bei einer Person allerdings die Eigenschaft, dass ihr Handeln durch externe Einflüsse bestimmt wird, aus der Person selbst stammt, spricht man von einer authentischen Inauthentizität, auch von der Authentisch inauthentischen Persönlichkeit). Gruppenzwang und Manipulation beispielsweise unterwandern persönliche Authentizität.
Der Definition der authentisch inauthentischen Persönlichkeit entspricht so ziemlich die Rolle, in der sich ausdrückt wie der/die spielende selbst gesehen werden möchte und wie er/sie sich anpasst an die Rollenanforderungen der Umwelt:
Die INTEGRITAET ihrerseits ist das, was die Persönlichkeit als ganzes Zusammen hält. Integer bedeutet auf Lateinisch: Unberührt, unangetastet:Eine als authentisch bezeichnete Person wirkt besonders echt, das heißt, sie vermittelt ein Bild von sich, das beim Betrachter als real, urwüchsig, unverbogen, ungekünstelt wahrgenommen wird. Dabei muss es sich nicht notwendigerweise um die realen Eigenschaften des Betrachteten handeln, sondern es können auch Zuschreibungen des Betrachters diese Eindrücke verursachen, die etwa auch Teil einer gelungenen Inszenierung darstellen können. Ist die Inszenierung übertrieben, wirkt sie schnell Klischee-haft und wird zum Kitsch (siehe auch Medientheorie).
Wie tolerant hier gerade die Wirtschaft mit der eigenen Wahrheit umgeht, zeigt die Tatsache, dass der rechte Schein meist genügt:
Auch in der Management-Sprache bezeichnet man es oft bereits als Authentizität, wenn eine Person den Effekt von Echtheit erweckt. Dies ist Ergebnis der Rolle als pars-pro-toto-Repräsentant für eine Unternehmensmarke.
unversehrt, unverletzt (ungeschwächt, frisch, gesund, unvermindert, ungeschmälert, vollständig, ganz; noch unerledigt, unentschieden, noch freistehend; noch ein Neuling)
unverdorben (unbefleckt, rein, lauter, unschuldig; unbestochen, redlich, unparteilich) - Wie in-tact: unberührt, unbeschädigt
Die persönliche Integrität der Person kann man kurz wie folgt zusammenfassen: Die Person als ganze, in der sich Körper, Psyche (Seele) und Intellekt (Geist) bzw., in Pestalozzis Begriffen, „Hand“, „Herz“ und „Kopf“ in Harmonie oder einem Gleichgewicht zueinander befinden. Ein Mensch mit persönlicher Integrität ist emotional ausgeglichen und, wie man zu sagen pflegt, „mit sich im Reinen“.
Ethisch gesehen, ist die Integrität der Person Gegenstand der Achtung bzw. des Respekts der Anderen. Traumatisierende Erlebnisse beeinträchtigen die psychische Integrität; wer als Opfer physische Gewalt erleidet, verliert unter Umständen seine körperliche Integrität (bzw. Unversehrtheit). Wer heute dazu verurteilt ist, in Bagdad zu leben, ist in dieser Hinsicht besonders gefährdet... Die persönliche (körperliche und psychische) Integrität liegt also nicht ausschließlich in der Verantwortung der betroffenen Person.
Interessant ist, dass hier die stärkste Bedrohung der Integrität offenbar in physischer Gewalt gesehen wird. Da führt leicht dazu, dass unterschwellige Zwänge die den Charakter total verbiegen, die Integrität also ziemlich lädieren, gar nicht mehr gesehen werden. (> Mobbing)
Moralisch integer ist eine Person, die den Werten, die sie
propagiert, auch selber nachlebt; die ihren eigenen ethischen Überzeugungen gemäss
handelt. Der Gegensatz zu „integer“ ist hier heuchlerisch, verlogen.
Hypokrisie ist nicht vereinbar mit ethischer Integrität.
Hier vermischt sich der Begriff Integrität etwas mit Authentizität und wird zugleich moralisierend, denn es gibt definitiv Typen/Charakter, deren Lebensinhalt das Schwindeln und Betrügen ist. Wenn die also lügen und heucheln handeln sie völlig im Einklang mit sich selbst, sind also integer. Das selbe Problem haben wir mit andern hochlöblichen Begriffen die eine Abhängigkeit von der Gruppe stipulieren, wie speziell Solidarität, Loyalität, Treue. Wer sich in einer kriminellen Gruppe loyal verhält, handelt eben selbst kriminell und kann das nicht auf den Einfluss der Gruppe abschieben - sofern nicht direkte und lebensbedrohende Zwänge vorliegen.
Das richtet sich nicht nur an Lehrer, sondern auch an Eltern. Es bringt nichts, wenn man von den Kindern nur gutes und kultiviertes Verhalten wie beste Leistungen verlangt - sich selbst aber ausschliesst oder wenn die Kinder in einem Umfeld absurder Kommunikation aufwachsen, in der nichts über längere Zeit wirklich gilt, manchmal die Absurdität sich bereits in zwei Worten ausdrückt wie z.B. die Aufforderung: Friss anständig!
[Thomas Kesselring: Mens sana in corpore sano. Integrität
aus ethischer Sicht.
Beitrag zur Tagung von „Berner Gesundheit“: Wieviel Körper darf es
sein? 4.5.2007]
Peergroups übernehmen bei Kindern und Jugendlichen wichtige Sozialisationsfunktionen und dienen zur Emanzipation vom Elternhaus. Die Jugendlichen "üben" soziale Muster gemeinsam mit ihren Freunden, die meist aus der Gleichaltrigengruppe stammen, erproben untereinander soziale Verhaltensweisen.
Rolle: Handlungserwartungen bestimmter Sozialisierungsagenten, Referenzpersonen oder Referenzgruppen die von der Person als legitime Forderung so übernommen werden, dass sie den Anspruch dieser Erwartungen nicht als Zwang emfinden, sondern sich damit geradezu identifizieren. Äussere Rollenerwartungen werden internalisiert, in die Person hinein verlagert und verlieren den äusserlichen zwanghaften Charakter. Sie formen also den Habitus mit.
| Habituation (v. lat.: habituari: "etwas an sich haben" bzw. habitus: "Aussehen, Haltung"; Adjektiv habituell: "zur Gewohnheit geworden") bezeichnet eine einfache (und beim Menschen in der Regel nicht-bewusste) Form des Lernens. Habituation setzt ein, wenn ein Individuum wiederholt einem Reiz ausgesetzt ist, der sich als unbedeutend erweist. Die Reaktion auf diesen Reiz schwächt sich dann allmählich ab und unterbleibt schließlich womöglich völlig. Hält man nach Eintritt der Habituation den Reiz genügend lange fern, nimmt die Reaktionsbereitschaft des Individuums in der Regel wieder zu. Das Gegenteil zu Habituation ist Sensitivierung. |
„Habitus“ bezeichnet das gesamte Auftreten einer Person, im Einzelnen also z. B. den Lebensstil, die Sprache, die Kleidung und den Geschmack.
Der Habitus, als „System verinnerlichter Muster“, erzeugt eine Auswahl von kulturtypischen und klassenspezifischen Gedanken, Wahrnehmungen und Handlungen, die den Individuen als ihre eigenen erscheinen, die sie jedoch mit den anderen Mitgliedern ihrer jeweiligen Klasse teilen. Die Theorie Erich Fromms zum Sozialcharakter ist ein Beispiel für einen dem Habitus-Konzept in der Erkenntnisleistung vergleichbaren Ansatz. Auch der Sozialcharakter dient als Vermittlungsglied zwischen der individuellen psychischen Struktur und den sozioökonomischen Verhältnissen, erfüllt die Funktion der Herrschaftssicherung unterhalb des Bewusstseins der Menschen, die scheinbar freiwillig das tun, was sie aus funktionalen Gründen tun sollen.
Konzept der Verinnerlichung kollektiver Dispositionen. Habitus ist das Produkt von sozialem, ökonomischen und kulturellem Kapital, oder auch die Konditionierung des Individuums und Reproduktion von Herrschaft, je nach Perspektive.
Der Habitus ist klassenspezifisch determiniert, d. h. Lebensbedingungen werden über Anpassungs-, Lern- und Konditionierungsprozesse als klassenspezifische Klassifikationssysteme verinnerlicht.
Die soziale Herkunft und der bisherige soziale Lebenslauf sind für die Prägung des Habitus von zentraler Bedeutung. Über die frühkindliche Entwicklung vermittelt, geht darüber hinaus die gesamte kollektive Geschichte der Familie und der Klasse in den Habitus ein. Nicht nur klassenspezifische Sprache oder Werte haben konstituierende Funktion, sondern beispielsweise auch die Architektur, große und helle oder enge, dunkle Räume, oder auch die Beschaffenheit der Inneneinrichtung wirken in der frühkindlichen Entwicklung prägend.
Bourdieu bezeichnet den Habitus als geronnene Lebensgeschichte. Soziale Positionen werden als Dispositionen verinnerlicht.
Der Habitus ist ein generatives Erzeugungsprinzip von Praxisformen. Die Schemata des Habitus bilden Urformen der Klassifikation und sind die fundamentalsten Prinzipien der Konstruktion und Bewertung der sozialen Welt.
Die Art zu denken, die Sichtweise auf die soziale Welt, das Verhalten und Handeln in sozialen Situationen bis hin zu alltäglichen Handlungen werden von den Dispositionen und Klassifikationen des strukturell angepassten Habitus gesteuert und realisiert.
Zeichen der Distinktion der einzelnen Klassen, die sich unter anderem in einer speziellen Kleidung, Sprache, Geschmack oder dem Konsumverhalten äußert;
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Soziale Integration: Soziale Integration liegt dann vor, wenn die primäre Struktur, die Interaktionen zwischen den Handelnden, gleichgewichtig ist, das heisst, keiner der Handelnden von dem belohungsversprechenden Interaktionsmuster abweicht und bei anderen Handelnden Deprivation hervorruft. [S. 172] Ideologie der Tauschkreise. Verstoss durch Manager und Kapitalinvestoren, die Rendite über Teilhabe aller setzen, also gewisse Gesellschaftsschichten auf Grund sachlich, nicht aber sozial akzeptabler Merkmale ausschliessen: tiefer IQ = tiefe Bildung = Beschränkung auf einfache Tätigkeiten = tiefe Produktivität.
Soziale Kompetenz im Allgemeinen bezeichnet Fertigkeiten zum "sozialen" Handeln. Deren Qualität kann im Allgemeinen am Status innerhalb einer Sozialstruktur, an Macht und Einfluss sowie bei der Partnerwahl gemessen werden.
Eigenschaften der sozialen Kompetenz:
Soziales Kapital: Bildung: Im Gegensatz zum Humankapital bezieht sich das soziale Kapital nicht auf natürliche Personen an sich, sondern auf die Beziehungen zwischen ihnen. Soziales Kapital bietet für die Individuen einen Zugang zu den Ressourcen des sozialen und gesellschaftlichen Lebens wie Unterstützung, Hilfeleistung, Anerkennung, Wissen und Verbindungen bis hin zum Finden von Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Es produziert und reproduziert sich auch über Tauschbeziehungen, wie gegenseitige Geschenke, Gefälligkeiten, Besuche und Ähnliches.
Soziale Beziehungen: Bedingen eine gewisse Regelmässigkeit zwischenmenschlicher Kontakte, bis Ritualisierung. Erwartungen kondensieren zu Verhaltensregeln, Geboten, Rollen. Soziale Beziehungen sind also Systeme von Verhaltensregeln - die sich wissenschaftlich analysieren lassen.
Soziale Institutionen: Gewisse "Beziehungen" existieren transkulturell und werden meist institutionalisiert. Dazu gehört insbesondere die Familie: Heirat (Einstieg mit grossem Zeremoniell und entsprechenden Kosten, was Haltbarkeit verbürgen sollte ... einstmals ....), Zeugung, Aufzucht, Erziehung (die immer mehr an Betreuer und Schulen abgegeben werden) - emotionale Betreuung in einem bestimmten geordneten Rahmen. Diese dienen der Sicherung der Ernährung in Gegenwart und Zukunft, des Obdachs gegen schädliche und lebensbedrohende (oft auch bloss lästige) Einflüsse der äusseren Natur (Hitze, Kälte, Nässe, Wind ...), wilde Tiere, feindliche und auch bloss unfreundliche Menschen.
Der Grundstock an sozialen Strukturen:
Schon zu Beginn der Sozialwissenschaften im letzten Jahrhundert hat Ferdinand Tönnies die Supertypen „Gemeinschaft“ und „Gesellschaft“ unterschieden. Der französische Soziologe Émile Durkheim sprach von Supertypen mit „mechanischer“ und „organischer Solidarität“. Bei Niklas Luhmann wird zwischen „segmentären“, „stratifizierten“, „hierarchischen“ und „ausdifferenzierten“ Typen unterschieden. In den letzten Dekaden wurde diese Vierertypologie unter anderem von den amerikanischen Psychologen Clare W. Graves und Don Beck (1996) auf acht Typen erweitert:
Band (Horde, Gruppe): Offene Gruppen die zusammen Nahrung
sammeln oder jagen. Hohe Mobilität, geringe Arbeitsteilung, kaum individuelles
Eigentum. Ueberlebt auch wenn einzelne Mitglieder ausfallen. Ohne
Führer.
Tribe (Sippe): Gemeinsame Produktion von Nahrungsmitteln. Meist nach "lineage" (patrilinearer oder matrilinearer Abkunft) geordnet und in Hausgemeinschaft lebend. Der Führer kann als Primus inter Pares jederzeit ausgewechselt werden.
Empire (Chiefdom, Häuptlingsgesellschaft, Stammesfürstentümer: Entwickelt Arbeitsteilung und Spezialisierung. Ahnenkult bzw. Verehrung mächtiger Götter. Hoher Stellenwert der Interessen des Anderen in der Kooperation und Konsensfindung. Bedingt durch zunehmende Bevölkerungsdichte, insbesondere aber die Stadt. Überschüsse (Hortbildung) ermöglichen es, einen Teil der Gesellschaft für neue Aufgaben, - Hortbewachung, Töpferei, Metallschmelzen, Waffenschmieden, religiöse Aufgaben (Kopfarbeit!) – freizustellen. Zuständig für alle Koordinationsaufgaben - Nahrungsmittel-Verteilung, Organisation der Verteidigung, Streitschlichtung - ist der chief. Er ist Organisator, Richter und Priester bzw. Gott in einem. Sein Amt ist erblich.
Die vormals egalitaristische Mentalität einer vertikalen Orientierung: Der Einzelne richtet sich nach der Autorität aus.
Hier unterscheiden sich auch die politischen Pole. Während dem in faschistoiden Modellen der Einzelne sich ganz nach Führer, gemeinsamem Ziel, vorgegebenen Strukturen, also der Gesellschaft richten muss - muss sich in der Demokratie der Staat und seine Strukturen nach den (Mehrheits-)Wünschen seiner Bürger richten.
Hierarchy (Staat, Bürokratie, Rechtswesen): Eingeführt von der römischen Kirche # Staaten entstehen meist durch feindliche Uebernahme kleinerer Einheiten - oder durch mehr oder minder freiwillige (durch Lehen gekaufte) Unterwerfung unter einen Obermotz, zum Zwecke gemeinsamer Verteidigung gegen noch mächtigere Feinde (s. Feudalismus). Das Individuum stellt sich in den Dienst des Ganzen („Ordnung muss sein!"); der (religiöse?) Legitimationsbedarf für den Herrschaftsapparat wächst.
Wohl und Wehe des Einzelnen hängen nicht mehr nur von der Verantwortung einer höher gestellten Person (z.B. Stammes-oberhaupt, Vorgesetzter) ab, sondern auch von der sozialen, politischen und rechtlichen Ordnung des Staates.
Arbeitsteilung und Spezialisierung verviel-fachen sich. Es entstehen Märkte, Geld kommt in Gebrauch (der Vertrag gewinnt an Bedeutung). Wachsendes Selbstbewusstsein der Menschen, mind. in den höheren Schichten. Auch auf der Führungsebene entwickeln sich Arbeitsteilung und Spezialisierung: Es entsteht eine Bürokratie mit Beamtenstab (Schrift!). Die Bereiche Politik, Religion, Wirtschaft und Recht differenzieren sich. Die Gesellschaft wird durch sanktionsbewehrtes Gesetzessystem zusammengehalten.
Strategic (modern) Enterprise - liberaler Verfassungsstaat: Gewaltenteilung (Exekutive, Legislative, Jurisdiktive), Verfassung, Menschenrechte. Stärkung horizontaler (demokratischer) Entscheidungsstrukturen.
Im modernen Staat sind Politik und Religion bzw. Staat und Kirche getrennt. Eine unabhängige Presse bzw. unabhängige Medien blicken der Politik kritisch über die Schultern. Die Legitimität der politischen Herrschaft ist an die Erfüllung bestimmter Aufgaben gebunden: Garantie der Menschen- od. Grundrechte. Die Ethik wird säkularisiert; die Religion verliert ihre politische Legitimitätsfunktion und wird mehr und mehr zur Privatsache. Die vormals enge Verbindung von Politik und Wirtschaft lockert sich. (Was etwas zu enthusiastisch ist, das geschieht erst, wenn der Staat kein Geld mehr hat und die Wirtschaft per Netzwerke auf (globale) Raubzüge ausgeht.) Die Wirtschaft und ihre Gewinne werden privatisiert.
Der moderne Wohlfahrtsstaat ist Diener seiner Bürger. Er trägt die Hauptlast der Pflichten, die den Menschenrechten korrespondieren. Die Staatengemeinschaft (UNO) wacht darüber, dass die Staaten die Menschenrechte einhalten. Vgl. Rawls’ Gerechtigkeitskriterien:
(a) gleiches System von Grundrechten für alle,
(b) Chancengleichheit,
(c) möglichst gute Situierung der am stärksten Benachteiligten.
Project-/Teamorganisation:
Ab hier findet sozial quasi eine Rückentwicklung statt, allerdings auf einer ganz andern Ebene der Komplexität. Dennoch sind Projekte, noch mehr Netzwerke, noch mehr virtuelle (Finanz-)Organisationen nicht mehr flächendeckende gesellschaftliche Strukturen, sondern eher wieder vergleichbar den Räuberhorden, Sippen und Stämmen, die andere nur brauchen, wenn sie ihnen (aus-)nutzbar erscheinen.
Virtual (Systemic) Organisation.
Globale Einfalt, lokale Vielfalt: Grenzen der Universalisierbarkeit.
Thomas Kesselring, Universität Bern2.3.1 Nicht wissenschaftliche Aufgaben der Soziologie, insbesondere die der Gesellschaftskritik
Tendenziell, als Wissenschaft, muss die Soziologie wertfrei arbeiten. In der praktischen Anwendung ist sie allerdings oft wenn nicht meist mit Problemen konfrontiert, die nach Wertung und Lösung geradezu schreien, also strukturverändernd wirksam werden (sollen). Die soziale Praxis ist in vieler Hinsicht gleichbedeutend mit (sozialer) Kritik als Beruf. [S. 83]. s. Sozialarbeit Nebst der reinen Kritik betreiben aber Sozialwissenschaftler oft gleich direkt Veränderungen an Gruppen und Individuen, speziell was Sozialarbeit betrifft. Die Berechtigung zu den angepeilten Veränderungen erhalten sie nicht durch die Wissenschaft, sondern durch den Auftrag, je nach Anstellungsverhältnis aus Politik oder Wirtschaft (Betrieb) oder Familie (Erziehung, Resozialisierung, ...).
Anwendung von soziologischem Fachwissen s. Spezialisierungen): gesellschaftliche Prozesse organisieren oder managen
Alternativen Vorschlagen
und neu, ein Gebiet das sich gerne als "angewandte Soziologie" definiert: Soziale Arbeit / Sozialarbeit