Soziale Arbeit und Sozialstaat______________________________________________
[elw: Eisen, Lange, Wallimann (Hrsg.): Soziale Arbeit und Oekonomie. Politische Oekonomie. Arbeitsmärkte. Sozialpolitik. Grenzen der Oekonomisierung. Soziale Oekonomie. Gemeinwesenentwicklung. Bürgergesellschaft. Luchterhand. 2000.
E: Peter Erath: Sozialarbeitswissenschaft. Eine Einführung. W. Kohlhammer. Stuttgart 2006.
hhk: Haller; Hinte; Kummer (Hrsg.): Jenseits von Tradition und Postmoderne.
Sozialraumorientierung in der
Schweiz, Oesterreich und Deutschland. Reihe Votum. Juventa. Weinheim und München 2007]]
Systemtheorie Luhmann: Im Rahmen dieser Theorie sind Individuen "zu ihrer psychischen und physischen Selbsterhaltung darauf angewiesen, am Kommunikationsprozess sozialer Systeme teilzunehmen", und setzen alle Funktionssysteme "eine bestimmte Selbstdisziplinierung der Individuen zu erwartungsstabilen Personen voraus und sehen Möglichkeiten der Exklusion von Indidivuen vor.
Sozialarbeit als Hilfe beschränkt ihre Tätigkeit hier per Definitionem auf die Ausgeschlossenen, die es so gilt in ein System zu reintegrieren. Hier stecken zwei fundamentale Probleme drin, eigenltich drei:

Die klassischen Ansätze der Sozialhilfe werden unterschieden danach, ob von wissenschaftlicher Theorie ausgegangen wird um praktische Probleme zu lösen, oder umgekehrt; und, ob der Hauptgrund für den Ausschluss bei der Gesellschaft oder beim Individuum gesucht wird.
Dazu kommt noch die Bedeutung der Politik. Gerade in Nordischen Staaten definiert sich das sozialarbeitswissenschaftliche Denken über die Sozialpolitik, von dem es eine Folge ist. Sozialarbeiter arbeiten in der "Intimsphäre des Sozialstaates und setzen dort sozialwissenschaftliche Ziele um. Hier besteht eine gewisse Gefahr der Funktionalisierung der Sozialwissenschaft, dies um so stärker, als es keine wissenschaftliche, sondern eine demokratische Angelegenheit des Souveräns ist, sozialpolitische Ziele zu setzen.
Die "Einmischung" der Sozialarbeit in andere Fachbereiche führt zu folgenden Restriktionen:
Sozialwissenschaft ist also eine Transdisziplin, mit spezifischen Frage- und Handlungsfeldern. Erster Bezugspunkt ist die Sozialwissenschaft, ebenso aber die Psychologie, wo individuelle Ursachen ins Spiel kommen, Pädagogik, wo solche individuellen Probleme durch Lernprozesse verändert werden sollen, und die Politik, weil sie a) die Sozialhilfe einsetzt, b) auch auf die Verursacher sozialer Desagregation Einfluss nehmen (können) sollte.
Wissenschaftsperspektiven in den Sozialwissenschaften:
That's very interesting indeed. Is mir noch nie vorgekommen, dass der kritisch-dialektische Weg als Wissenschaft bezeichnet wird. Generell läuft der immer noch unter Philosophie. Wenn hier die Sozialarbeit wirklich einen Teil Philosophie reinnimmmt, was sie ja auch in Bezug auf die Ethik tut, handelt es sich um eine ausgeprägt poetische Wissenschaft, ja recht eigentlich die beste Vertreterin der phronesis, der praktischen Weisheit ... ein Ansatz den ich für die Probleme gesellschaftlicher Entwicklung (aus der Perspektive Entwicklungshilfe) seit Jahren vorschlage.
Herman Nohl: Der Mensch ist Schöpfer und Geschöpf der Kultur. Erziehungs- und Hilfsbedürftigkeit definiert er als kulturelles Defizit, das ausschliesslich durch Erziehung ausgeglichen werden kann. (Von da her hiess ein Teil der Sozialarbeit früher mal Sozialpädagogik!). Denn dass er an sein Lebensziel (nicht Ende!) komme, kann ihm niemand abnehmen.
1.2.1 Alltags- bzw. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit (Thiersch)
Da jede Form der Professionalisierung in der Gefahr steht, sich von der Lebenswelt zu entfremden, muss die alltagsorientierte Sozialpädagogik darüber hinaus versuchen, einer solchen Verengung durch eine gemeinwesenorientierte und zugleich institutionskritische Vorgehensweise zu widerstehen. [E S. 80]
Das Grundmuster des Prozesses (Thiersch 2002):
1.2.2 Sozialarbeit als "Soziale Hilfe" (Baecker)
Baecker sieht die Sozialarbeit als Teil eines autonomen Funktionssystems <Soziale Hilfe>, allerdings als problematischen Teil, da er erst zu Stande kommt, wenn er eine Differenz zwischen "normal" und "hilfsbedürftig" geschaffen hat. Erst wenn sich die Sozialarbeit der Abweichung von der Norm sicher ist, kann sie aktiv werden, womit sie aber die Hilfsbedürftigkeit gleicherweise zementiert und die Gefahr der Willkür fördert. Die Sozialhilfe trägt also, damit sie überhaupt helfen kann, zur Stigmatisierung ihrer Klilentel bei - ohne sich darüber wirklich klar zu sein, ab welchem Zustand und wie sie dieses Stigma wieder entfernen kann - mit der einzigen Ausnahme, wenn die Abhängigen "irgendwie sonstwo" (normalerweise also durch Erwerbsarbeit) zu Geld kommen, also nicht mehr der Obhut der Sozialhilfe unterstellt sind.
Das ASPIRE_Modell könnte auch irgendwo in der Entwiclkungszusammenarbeit eingesetzt werden. Es ist nicht bloss das generelle Modell von Projektplanung und -Ausführung, sondern auch das Grundmodell aller Entwicklungsprozesse, d.h. der Generation von Wissen:

Methodenkatalog (s. auch A21):
Der Föderalismus der Schweiz führt hier zu einer Situation, in der sich die Organisation der Sozialhilfe in der Deutschen beträchtlich von der in der Welschen Schweiz unterscheidet. In der Deutschen Schweiz sind primär die Gemeinden zuständig - in der welschen Schweiz die Kantone. Das führt nun aber nicht zu einer staatsabhängigeren Sozialhilfe in der Welschschweiz ... sondern absurderweise eher umgekehrt. Gemeindeeigene Sozialhilfe, Vormundschaft, Jugendhilfe unterstehen nämlich dazu, dass die politischen Vorsteher, nach politischen Prinzipien gewählt, oft fachlich eigentlich nicht qualifiziert sind. So geniesst die Sozialhilfe in der französischen Schweiz auch ein weitaus besseres Ansehen, was sich allerdings auch generell in der politischen Haltung ausdrückt.
In der revidierten Bundesverfassung von 1999 hält die Präambel fest, dass sich die Stärke des Volkes misst am Wohle der Schwachen, und garantiert einen Rechtsanspruch auf Hilfe in Notlagen: Wer in Not gerät und nicht in der Lage ist, für sich zu sorgen, hat Anspruch auf Hilfe und Betreung und auf die Mittel, die für ein menschenwürdiges Dasein unerlässlich sind. (Art 12). Der Artikel bedeutet also auch eine Beschränkung des Anrechts, das beurteilt werden kann und muss. Die Sozialhilfe ist kein Ersatz für den sog. Grundlohn, sondern es muss abgeklärt werden, warum jemand ausser stande ist, für sich selbst zu sorgen.
Der Umfang des Sozialwesens in der Schweiz:
Zwischen 1993 und 2003 wurden 102'000 Stellen in den Sektoren Gesundheit und Soziales geschaffen. Jeder zehnte findet inzwischen sein Auskommen in diesem boomenden Sektor - und eine ganze Menge können eben drum ihre Krankenkassenrechnung nicht mehr bezahlen.
Die Gesamtausgaben für Soziales (Soziale Sicherheit) betrugen 1970 erst 11 Milliarden, damit nur 11% des BIP, 2004 bereits 132 Milliarden, also 30% des BIP, 2007 142 Milliarden, 28% des BIP. Fast die Hälfte der Sozialleistungen wurden für Renten aufgewendet. Über ein Viertel gingen in die Gesundheitspflege, rund ein Achtel kam Invaliden zu gute. Der Anteil der Arbeitslosenversicherung an den Sozialleistungen betrug 2007 3 Prozent.
Zunehmenden Anforderungen der Sozialhilfe und Sozialarbeit stehen ... zunehmend ... leere Staatskassen gegenüber. Beides ist wirtschaftlich geplant und gewollt: So wird die Soziale Arbeit wieder etwas lernen müssen, was in ihren professionellen Anfängen die Regel war, nämlich dass die Wirtschaft Problemverursacherin ist und deshalb Sozialökonomie zu ihrem Bezugswissen gehört, aber auch dass die Wirtschaftsführer als Problemlöser angesprochen und soweit als möglich in die Pflicht genommen werden sollen.
Gekürzt wird heute bei allen öffentlichen Ausgaben: Im Bildungsektor, Kindertagesstätten, Lehrpersonal, Gehälter, Sporteinrichtungen werden privatisiert (in dem Falle häufig eine Privatisierung von Unrentablem, was sonst ja eher selten ist), Pflegedienste "optimiert", Krankenhausbetten, ja ganze Spitäler reduziert, die Instandhaltung öffentlicher Gebäude reduziert, Arbeitslose und Rentner zur Kasse gebeten, staatliche Betriebe verkauft (privatisiert).
[Ricarda Buch: Zeitinvestment Nachbarschaft. elw S. 200 ff]
Sozial- und Umweltkosten werden der Allgemeinheit überlassen. Statt Weiterbildung in den Betrieben, werden Mitarbeiter entlassen, und von den neu Angestellten entsprechende höhere Qualifikationen verlangt. Die Entlassenen tragen die Kosten selbst für eine bessere Qualifizierung, abgesehen davon, das Risiko, diese u.U. überhaupt nicht mehr einsetzen zu können:
Anstatt die Existenz der Bevölkerung durch Arbeit und/oder eine bessere Verteilung der Arbeitszeit und Gestaltung der Lohnstruktur zu sichern, wird die Bevölkerung arbeitslos gemacht und zur Existenzsicherung und sozialen Kontrolle der Allgemeinheit überlassen. Aus dieser Dynamik heraus entstehen für die "Soziale Arbeit" Tätigkeitsfelder in Gesundheit, Bildung, ökonomischer und sozialer Existenzsicherung, sozialer Kontrolle und Strafvollzug. [elw S. 19]
Die Schuldzuweisung ist sehr einseitig: Die Arbeitslosen sind immer schuld - obwohl Strukturwandel und Einsparungen eigentlich durch die Wirtschaftselite angeordnet werden - und die dabei "Eingesparten" müssen, ohne Kapital, mobilitäts-, bildungs- und beschäftigungstechnische Probleme selber lösen.
Der Abschnitt ist interessant, da er zeigt, dass Sozialhilfeempfänger auf jeden Fall Stellen schaffen, wenn auch bloss für Sozialarbeiter. Dass diese Tätig werden in Gesundheit, Bildung und ökonomischer Existenzsicherung ist natürlich nur beschränkt möglich, da sie selbst weder Gesundheitsexperten, noch Lehrer oder Oekonomen sind. Ihr Einsatz beschränkt sich also auf Weitervermittlung - womit bereits ein grosser Teil der Probleme des Projekts Stadthelfer Basel geklärt wäre. Das Resultat davon ist dann eben oft, dass gar keine wirkliche Lösung mehr angestrebt, sondern der Ausschluss als definitiv angenommen wird, und die Sozialhelfer sich auf das Beschränken was ihr Kerngebiet ist, kuschelige Gruppen (von Stacheltieren) schaffen.
Genau diese "Anschuldigung" macht den Sozialarbeitern auch schwierig, hier politisch etwas zu erreichen, weil eine Erhöhung der Ausgaben, ein Ausbau an Stellen, neue Dienstleistungen immer auch als Eigennutz ausgelegt werden können. Sie müssen sich also auch hier diplomatisch, d.h. listig verhalten, und andere das Interesse am Ausbau, die Notwendigkeit, in den politischen Prozess einbringen lassen.
Rentner sind zu alt: Als Beispiel einer irritierenden Ueberlebenstechnik wird ein Banküberfall einer 60-jährigen mit Wasserpistole erwähnt, da ihr bloss 300 DM pro Monat zum überleben blieben, nach Bezahlung der Rechungen. Da sind die meisten HartzIV-Empfänger, ja sogar Sozialhilfeempfänger der Schweiz, heute auch nicht besser dran.
Kleinkinder lassen sich einer ökonomischen Verwertung nicht direkt zuführen, also wird versucht, diese "verlorene" Zeit möglichst renditefördernd zu nutzen, durch Ausbildung. Man schickt die Kinder also nicht mehr mit 6 oder 5, sondern mit 4 oder 3 Jahren in die Vorschule. Ich würde mich wundern, wenn nicht bereits Versuche laufen zur intrauterinen Vermittlung von Wissen per Nürnberger Trichter No 2. s. Frühenglisch, Frühchinesisch, Frühverblödung
Jugendliche werden immer stärker zum, na ja, zu einem sozialen Problem, denn sie erkennen bereits, dass der Traum von guter Bildung - guter Job längst ausgeträumt ist (seit etwa 20 Jahren, würd ich sagen). Der Arbeitsmarkt expandiert nicht, sondern schrumpft, trotz Ueberalterung. Die Bildungsrendite (s. Reiter "Ausbildung") sank enorm, so dass die Ausbildungszeit verkürzt werden musste (FH). Vor allem aber werden die Ausbildungskosten völlig den Individuen übertragen. Betriebliche Ausbildung gibt es allenfalls für Kader, als Bonus. Bildung wurde zum Bildungszwang, weil sich bei ausreichend hoher Arbeitslosigkeit immer leicht sagen lässt: Seht her, es sind vor allem die weniger gut Ausgebildeten. Wollt ihr nicht dazu gehören, strengt euch an, investiert in eure Ausbildung ... so dass wir eine reiche Wahl haben zu tiefsten Preisen. [nach S. 47]
Als "irritierende Strategie" verlängern sie ihre Ausbildung ins Unendliche, wobei sie von der Wirtschaft gerne unterstützt werden durch minim oder gar nicht bezahlte Praktika. (s. generation p). Aus solchen Verhältnissen, Verhältnisse, die Menschen als überflüssig erklären, erwachsen Einzelgänger ebenso wie die neue braune Horde, Amokläufer, Selbstmörder, Extremisten, auch islamische ... unter all den anderen.
Jugendliche wurden in den 80ern auch eingesetzt, um die Wirtschaft radikal umzubauen, zum Abenteuer zu machen und zum Event. Jungmanager fragten nicht nach Theorien oder gar sozialen Folgen, wenn Geld zu machen war. Daraus entstanden Raider, Extremspekulanten, abenteuerlich-kreative Investitionen (s. auch hedge funds) - die lieber das Geld von andern verbraten haben als das eigene, und dazu überzeugend genug waren, denen die Geld haben dieses auch ausreissen zu können. Die Abenteuerwirtschaft unter der die heutige Jugend leidet ist ein Resultat der abenteuerlichen Wirtschaft die von der beruflich (in Führungspositionen, am liebsten über Finanzierungen, Finanzspekulationen) aktiven Jugend der 80er kreiert wurde, weil der Markt ansonsten bereits mit Gütern übersättigt, der letzte zu erobernde weisse Fleck auf allen Landkarten weltweit verschwunden ist.
Erwerbslose sind zu faul, also versucht man sie anzuspornen durch möglichst tiefen Lohnersatz und noch tiefere Sozialhilfe, die nie die selbe Höhe erreichen sollte, wie der Betrag, für den andere noch zu Arbeiten bereit sind ... was angesichts der Beträge für die z.B. unsere Bergbauern arbeiten, allerdings extrem erbärmlich ist. Diese Verringerrung der Wartungskosten ist noch ertragreicher, wenn man die Bezugsdauer der höheren Arbeitslosenversicherung kürzt und die Leute möglichst rasch auf das Sozialhilfeniveau bringt (Hartz I bis IV hat das "progressiv" durchgesetzt).
Um den Verdacht auszuräumen, die Leute genössen das Leben trotz tiefstem Lebenstandard immer noch, werden sie den selben "Tagesstrukturen" und Hierarchien ausgesetzt wie die Lohnarbeiter: Im 2. Arbeitsmarkt wird ihre Tagesstruktur dem des Normalarbeitstages angeglichen. Die oft grauslichen Management- und Führungsqualitäten vieler Programmleiter erzeugen auch gleich noch das selbe soziale Klima wie im Erwerbsleben. Dazu haben sie ihre Bereitwilligkeit, dem Arbeitsmarkt, ohne Bedingungen, jederzeit und sofort zur Verfügung zu stehen, dauernd unter Beweis zu stellen. Obwohl Arbeitsamt wie Sozialhilfe "Kunden ab 40, höchstens 45, eigentlich meist aufgibt, bleibt der Druck erhalten, bis sie mit 63 in Frühpension geschickt werden. Arbeitsämter und Sozialämter beurteilen die Vermittelbarkeit dieses Stratums so schlecht, dass hier nicht mal mehr Kurse oder Beratungen angeboten werden. Zwang ist jedoch immer billig zu haben, bringt sogar Einsparungen, wenn sich die Betroffenen mal trauen zu motzen, denn dann droht ein Abzug. Drohungen sind wohlfeiler als guter Rat.
Erwerbstätige sind zu teuer: Ziel ist die Umwandlung von Lebenszeit in Arbeitszeit. Dazu braucht es bei dem Stratum zwar wenig Anstrengungen, aber ein paar "Verbesserungen" waren doch möglich, speziell durch die Aufhebung des Sonntagsarbeitsverbots, der Liberalisierung der Oeffnungszeiten, der Absenkung der Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall, der Förderung des Niedriglohnbereichs für Frauen, dem Lohn-Druck durch illegal arbeitende Asylanten (sans papiers), der Abweisung von Asylanten die bloss Wirtschaftsflüchtlinge sind - denn das muss verhindert werden, dass die Wirtschaft als Terrororganisation an-erkannt wird.
Ein Beispiel, das sehr gut zeigt, wie man heute noch Geld machen kann, ist das des Frauenhandels. Hier werden sogar die Vermittlungskosten, die in dem boomenden Bereich ja nicht all zu hoch sind, den Arbeitskräften belastet. Sämtliche Kosten für Reise, Unterkunft etc. sind von den Betroffenen abzuarbeiten. Die Ware übernimmt die Investitionskosten der Händler. [S. 52]
Unverwertete Arbeitskraft soll fleissig bleiben, und ehrlich, und marktfähig (also dauernd sich weiter bilden - allzeit Bereit!), Gerechtigkeit und Mässigkeit üben, aber auf die Erträge solcher Anstrengungen verzichten. Das wäre eigentlich ein heroischer (ein bisschen pfadimässig heroischer) Charakter, der weit über dem des vom Geist des Kapitalismus infizierten steht, also vermutlich zum grossen Teil längst ausgestorben ist. Zudem lässt sich relativ leicht beobachten, dass die grössten Löhne nicht durch härteste Arbeit oder bestes Wissen, sondern entweder durch eine beherrschende Position in einem Organisations- oder Verteilungsnetzwerk (Banken, Rohstoffe, Energie), dadurch, dass man "Geld für sich arbeiten lassen kann" (d.h. dank vorhandenen Geldes andere, oder Maschinen, für sich arbeiten lassen kann) - oder glatt durch Betrug erziehlt werden (Bankencrash 08).
Globalisierung legitimiert nicht bloss die universale Geltung des gesellschaftlichen Teilsystems "Wirtschaft", sondern verwandelt zugleich sämtliche Exemplare der menschlichen Gattung in individuelle Akteure globaler Konkurrenzbeziehungen. [elw S. 41]
Ursache der Beschäftigungskrise, die man wirklich nicht so, sondern Lohnarbeitskrise nennen sollte, denn Arbeit und Beschäftigung gibts noch lange genug (s. Freiwilligenarbeit/Zivilgesellschaft):
Prognosen führender WissenschaftlerInnen gehen und Konzernchefs gehen dahin, dass zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch 1/5 der Weltbevölkerung gebraucht wird, um das Weltwirtschaftssystem aufrechtzuerhalten. Erstmals in der Geschichte werden Menschen strukturell überfllüssig. Dies ist eine sehr gefährliche Situation.
Da der Markt gleichgültig ist gegenüber der Moral, kann er bestenfalls beeinflusst werden, wenn ethische Codierung in ökonomische umgewandelt wird - was dummerweise aber bedeutet, dass sie monetarsiert, also käuflich wird. Karl Hoffmann, Inhaber des 1. Lehrstuhls für Wirtschaftsethik, 1993, deshalb: Meine Vermutung ist, dass sie zu der Sorte von Erscheinungen gehört, (die) geheimgehalten müssen, dass sie gar nicht existieren.
Moral wird zur irritierenden Funktion der Wirtschaft mit der Zielvorgabe, ihr Funktionieren zu verbessern, zumal Okononomie bestrebt ist alle anderen Lebensbereiche zu vereinnahmen. Oekonomische Kriterien, Kosten und Erträge sollen nicht nur die Wirtschaft, sondern ebenso alle anderen gesellschaftlichen Teilsysteme bestimmen - die soziale Sicherung und die materielle Infrastruktur so gut wie Bildung und Kultur. Die Gesellschaft wird zum Anhang der Oekonomie. (Bergmann 1998)
Das Wirtschaftssystem dominiert über andere funktionale Systeme, indem es seine Codierung den anderen aufzwingt.
Die 3/4-Gesellschaft, oder gar 4/5-Gesellschaft (Hondrich, Soziologe / Schuhmann 1996: Die Globalisierungsfalle):
Im Prinzip kann eine hochkomplexe und -produktive Gesellschaft nicht nur funktionieren, wenn wenige arbeiten und viele mitversorgen.
Sie kann sogar besser funktionieren, wenn wenige hochmotivierte Leistende aufeinander abzustimmen, als wen die Gesamtheit der sehr unterschiedlich Leistungsfähigen und -willigen in den Produktionsprozess einzugliedern sind.
Der Ausschluss grösserer Teile der Bevölkerung aus vergesellschafteten Leistungsprozessen stellt soziale Systeme nicht vor Macht- und Funktionsprobleme, sondern vor Integrations- und Solidaritätsprobleme.
Dies kommt besonders auf der Ebene der Kommunikation zum Ausdruck. Wirtschaftliche Leistungsorganisationen entledigen sich eines Teils ihrer Funktionsprobleme und ihrer internen Ungleichheit, indem sie Junge, Alte und wenig Qualifizierte nicht aufnehmen oder abstossen. Diese werden von kommunalen Einrichtungen, Schulen, Altenheimen, Sozialhilfe etc. aufgefangen und stellen die kommunalen Systeme im weitesten Sinn vor die Aufgabe, die Ungleichheit und Heterogenität zu verarbeiten, die von den unternehmerischen Organisationen auf sie abgeschoben wird. Die Bedeutungszunahme der Ungleichheit auf der Ebene der Gemeinde, wie sie sich am augenfälligsten in innerstädtischer Verslummung zeigt, ist nichts anderes als die Kehrseite der abnehmenden Bedeutung von Ungleichheit im Innen der Leistungsorganisationen (1984).
Das Schlüsselwort: abgeschoben werden - bringt dann automatisch die Sozialarbeiter auf die Bühne, die für Wiedereingliederung zuständig wären, obwohl sie keinerlei Einfluss auf die Ausgliedernden haben, und eigentlich auch kein System mit freien Plätzen, über die diese wieder Eingegliedert werden könnten. Der 2. und 3. Arbeitsmarkt ist weiterhin bloss ein temporarer Park, eine lange Warte-Bank.
Soziale Arbeit kann sich als öffentlich finanzierte Tätigkeit (Steuermittel) der Kontrolle eines wirtschaftlichen Umgangs mit denselben nicht entziehen. Die ökonomische Erfolgsorientierung verlangt also, mit den Ausgeschlossenen so sparsam wie möglich umzugehen ... was für dieselben ab und zu auch Vorteile hat, denn wenn man sie derart unter Druck setzt, dass sie im Alkohol ersaufen, ihre Wohnung, obwohl vom Sozialamt bezahlt, nicht halten können, und auf der Strasse landen, dann kosten sie wieder einiges mehr .... ähnlich wie der zu billig entsorgte Sondermüll s. Kölliken, Bonfol etc. Auch hier schlägt das System zurück, absolut zynisch, Werte verkehrend.
[Silvia Staub-Bernasconi: Seitenwechsel - Chancen und Risiken vn Grenzüberschreitungen zwischen Wirtschaft und Sozialer Arbeit. elw S. 136 ff.]
Lernchancen eines Seitenwechsels aus der Perspektive der Wirtschaftskader:
Risiken eines Seitenwechsels:
Alice Salomon, die übrigens die erste feministische Disssertation in Deutschland geschrieben hat, beginnt mit einer genauen ökonomischen Analyse der Gründe für die wachsende Erwerbstätigkeit von Frauen und zeigt, dass der Arbeitsmarkt von Frauen und Männern im wesentlichen getrennt ist, und von daher tatsächlich wenig gleichartige Tätigkeiten von Männern und Frauen zu finden sind, auch weil Männer die Berufe und Tätigkeiten verlassen, in die Frauen eindringen.
s. Hausfrauisierung. Grund: Die Löhne können endlich gesenkt werden, weil Frauen weniger Widerstand leisten. Hier dürfte der Hauptgrund der Freude der Arbeitgeber an zumehmender Erwerbsarbeit der Frauen liegen.
Dazu kommt, dass die Berufsdauer bei Frauen meist kürzer ist (weil sie nebenher noch anderes zu tun haben, eben Kinder auf die Welt zu bringen z.B.), dass diese Tätigkeit also meist als vorübergehend oder zumindest intermitierend angesehen wird, dass sie weniger Bildung absolvieren (das war einmal ...) und vor allem, dass ihr Lohn ein Ergänzungslohn, ein Zweitlohn war, der vor 50 oder gar 100 Jahren als Luxus angesehen wurde, unverdient gegenüber all denen, die als Ernährer ihre Familie mit einem Lohn, dem Lohn des Ehemannes, durchbringen mussten.
Ungleiche Entlohnung zeigt also Gesetzmässigkeiten - ist aber kein Naturgesetz, sondern gewollt.
Solche Einsichten zu vermitteln braucht es eine ökonomische wie soziologische Argumentationsweise als Voraussetzung für eine fundierte politische Argumentation (ja gab's die damals noch?). Dies kann nur durch eine Interdisziplinäre, im Idealfall transdisziplinäre Ausbildung zur sozialen Arbeit vermittelt werden.
Systeme haben Grenzen, Strukturen und Funktionen, sie schliessen also ein wie aus, und Selektieren, d.h. diskriminieren. Für jedes System ist aller ausserhalb des Systems: Umwelt. Systeme hängen allerdings meist von ihrer Umwelt ab, egal ob sie geschlossen oder offen sind. Wenn sie diese nicht wahr nehmen, auf Umweltveränderungen nicht reagieren (können), gehen sie unter. Wissenschaftliche Disziplinen sind ebenfalls Teilsysteme des Wissens. Wenn sie sich isolieren ... etc, na ja, müsste klar sein:
Systembildung ist eine Strategie der Erzeugung selektiver und reduktiver Ordnung. Systeme entstehen dann, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Wenn zum einen durch die Schaffung von Grenzen gegenüber dem Zufall kontingenter Ereignisse in der Welt Inseln eingeschränkter Beliebigkeit oder partieller Ordnung entstehen, und wenn zum anderen die Relationen zwischen den eingegrenzten Teilen aus Zeitgründen nicht mehr voll realisiert werden können und deshalb nach einem bestimmten Suchmuster nur noch bestimmte selektive Relationen zwischen den Teilen bevorzugt werden. (gilt für beide: Hierarchien oder Netzwerke) Diese Koinzidenz von produktiver Relation und Selektivität der Relationen grenzt Systeme sowohl gegen Unordnung wie auch gegen Ueberordnung (perfekte Ordnung im Sinne der Realisierung aller möglichen Relationen) ab und konstitutiert die fundamentale Differenz von System und Umwelt. Ein System ist deshalb gerade nicht ein Zusammenhang von Elementen, sondern Selektivität eines bestimmten Zusammenhangs, sowohl gegenüber der Umwelt als auch gegenüber den eigenen kontingenten Möglichkeiten. (Wille 1988. zit. E S. 87)
Behinderung: In den 70ern und 80ern entwickelten sich die Disziplinen immer weiter auseinander, fächerten sich immer weiter auf, während die Volkswirtschaftslehre fast nicht mehr existiert. Das Studium der Sozialarbeit lässt heute also weitgehend die Verbindungen zwischen getrennt gelehrten Disziplinen vermissen und wird rein subjektorientiert.
Sozialarbeiter sind so kaum in der Lage zu unterscheiden zwischen fremdbestimmten Zwängen und endogenen Faktoren. Sozialpolitik wird in erster Linie Sicherheitspolitik zur Absicherung des inneren Friedens (der Individuen und damit des Staates).
Sollen Sozialarbeiter in der Lage sein, die Fälle ihrer Klienten zusammen zu bringen und ihre Erfahrungen so verarbeiten und aktivieren zu können, dass sie im sozialpolitischen Raum gehör finden, bedarf es veränderter Curricula.
Oekonomische und soziale Bedingungen beeinflussen sich wechselseitig mehr denn je. Die Sozialarbeitsausbildung muss dem Rechnung tragen, indem die volkswirtschafte Analyse eng verzahnt mit der soziologischen wieder den ihr gebührenden Platz erhält. [S. 34]
Salomon forderte also quasi, dass Sozialarbeiter die Stelle gesellschaftlicher Risikobewerter übernähmen. Was die Bedeutung der Volkswirtschaft betrifft, so überfordert sie allerdings ihren Stand (jeden Stand), vor allem so lange das Fach in der Oekonomie selbst derart stiefmütterlich behandelt, ja geradezu unterdrückt wird. In der heutigen Ausbildung der Sozialhelfer fehlt die Volkwirtschaft jedoch fast vollständig, was wenig wundert, das sie an den Universitäten generell fehlt.
Der Grundauftrag der Sozialhilfe, vollzogen durch Sozialarbeiter, heisst: Die Bereitschaft zur Lohnarbeit aufrecht erhalten und abzufordern. Sozialarbeit ist hier Ausdruck sozialer Kontrolle, ist versuchte Normierung.
Arbeitslose sind quasi Spieler auf der Reservebank. Sie sollen perfekt trainiert, immer einsatzwillig, sich tatkräftig auf einen eventuellen Einsatz vorbereiten. Allerdings ist "auf der Reservebank sitzen" auch im Sport keine anerkannte und keine bezahlte Leistung und verleidet den meisten früher oder später.
Existenzgründung, einzeln oder kollektiv, kommt kaum vor, nur bei "auserwählten" Kurzzeit-Arbeitslosen. Möglichst alle sollen in fremdbestimmte Beobachtungs- und Zeitstrukturen eingebunden werden: Der Tagesablaub, der Tagesaublauf, gelobet sei der Tagesablauf!
Unproduktive Lebensalter sind für den Kapitalismus eh störend, also versucht er Kindheit und Jugend möglichst produktiv einzusetzen und zu verkürzen, was er auch beim Alter gerne täte, zumindest durch Verlängerung der Arbeitszeiten. Auch hier winkt den Sozialarbeitern zusätzliche Arbeit, bei der Betreuung von ausflippenden Jugendlichen, Asylanten und deprimierten Alten. ... Ach nee, da gibt's ja Antidepressiva.
Sozialpolitik führt dazu auch nicht zu Umverteilung, sondern bloss zu Existenzsicherung, aber nicht zu Gerechtigkeit. Gerechtigkeit heisst in diesem Falle, dass kein Mensch als unwert (Invalide) erkärt werden darf, auch und gerade nicht von der Wirtschaft.
Gemeinwesenentwicklung, Gemeinwesenökonomie und Gemeinwesenarbeit, Quartiermanagement/Soziokulturelle Animation sind heute die häufigsten praktischen Verfahren der Sozialarbeit.
Gemeinwesenarbeit ist in ihrem Altag ständig mit den sich verschärfenden Folgen globaler Entwicklungen konfrontiert.
Gemeinwesenarbeit ist ein Arbeitseinsatz der Sozialen Arbeit zur Schaffung und Erhaltung gerechter und lebenswerter Bedingungen in einem Wohnquartier unter aktiver Mitarbeit der Wohnbevölkerung und der Quartierorganisationen.
Die Soziokultur ist die Kultur des Zusammenlebens im Quartier, im Stadtteil, in der Stadt. Sie unterstützt und bereichert den Lebensalltag unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen und fördert so die Entwicklung der Lebensqualität der Stadt. Zur Entwicklung tragen Einzelne, Gruppen, Nachbarschaftsgruppen, Vereine, Kirchen, soziokulturelle Treffpunkte usw. bei. Die soziokulturellen Angebote der Sozialen Dienste sind zielgruppen. und immobilienzentriert.
Gemeinwesenarbeit und quartierbezogene Soziokultur sind zusätzlich ein ergänzendes Element einer polyvalent ausgerichteten Fallbearbeitung sowie Bestandteil eines breit angelegten Integrationskonzeptes.
Tja, da steht's, was ich schon lang befürchtet habe. Diese Quartierbüros sind quasi die neue Polizei und Geheimpolizei (Staatspolizei) in einem, allerdings versteckt. Die wissen so immer, wo's grad kocht und können rechtzeitig einschreiten. Unbedingt "innovativ" oder "alternativ" sind die Dinger nun grad gar nicht. Statusstabilisierung. Eigentlich konservative Wirkung. Es wundert, warum die SVP derart dagegen ist ....
Basel:
Allerdings droht auch hier eine gewissen Unklarheit der Begriffe, denn der Ursprung diesen hiers liegt bei den Alternativbewegungen, die oft auf der Forderung nach freien sozio-kulturellen Zentren basieren, wie insbesondere die 80er Unruhen in Zürich, eigentlich bereits die 68er in Zürich mit den Globus-Kravallen. Es ging dabei immer um öffentliche Räume die Selbst-Mit-Gestaltung erlauben, primär um "autonome Jugendzentren". Diese sollten frei von organisierten Freizeitangeboten und Bildungsmuff sein, wendeten sich also vor allem gegen die Kulturindustrie. War deren Selbstverständnis ursprünglich mit Begriffen wie "Alternativkultur", Gegenkultur, und Gegenöffentlichkeit verbunden, so setzte sich offenbar relativ frühzeitig der Begriff der "Soziokultur" durch. So finden wir in einer Stellungnahme der Kultusministerkonferenz von 1995 folgende Definition:
Isidor Wallimann: Die Soziale Arbeit und der zweite Arbeitsmarkt: Nutzen nicht nachgewiesen, Mittel verschwendet, politisch repressiv. [elw S. 267-71]
Für Wallimann sind Integrationsprogramme, sog. Beschäftigungsprogramme, in Anzahl und Inhalt ungenügend, vor allem nicht immer den Bedürfnissen der Absolventen angepasst, und oft Sprungbrett in prekäre Beschäftigung.
Wo "Kunden" (oder Opfer ... whatsoever) zu solchen Programmen gezwungen werden (sei es auch bloss mit der leisen Bemerkung, eine Verweigerung könne zu Abzügen führen), entsteht ein seltsames Wohl-Verhalten, das aber eben gerade nicht dazu führt, dass der Kunde zum richtigen Kurs oder zur rechten Massnahme kommt, sondern bloss, dass sich sein Berater nicht ärgern (und anstrengen) muss.
Arbeit kommt von abad (hebräisch): dienen. abaed: der Knecht (ählich im Arabischen). Sie ist Dienst am Werk Gottes, der Schöpfung - woher auch später die "Berufung" kam. Von daher nennt sich die neuste Version vermutlich lieber "Dienstleistungen" als Arbeit, diesmal aber Dienst an Menschen, zumindest an denen, die's bezahlen können.
Arbeit war aber auch schlicht überlebensnotwendig: Wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen, oder: Im Schweisse deines Angesichts sollst du dein Brot essen. Arbeit war somit unabwendbare Strafe für die Verbannung aus dem Paradies, das Schlaraffenland, die arbeitserleichternde, arbeitssparende Technik der Weg zurück dahin - allerdings nur für Shareholder.
Ruh empfiehlt die Einführung eines komlementären 2. und 3. Arbeitsmarktes: Neben der Ermöglichung von notwendigen Dienstleistungen hat der zweite Arbeitsmarkt einen kostensenkenden Effekt für die gesellschaftlichen bzw. volkswirtschaftlichen Fixkosten. Er senkt z.B. die Umweltkosten, aber auch die Gesundheitskosten. [elw S. 254]
Ruh hat hier einigen Illusionen (s. Beschaeftigungsprogramme): a) ist der 2. Arbeitsmarkt extrem ineffizient, die Kosten also Volkswirtschaftlich betrachtet, als Gesamtes betrachtet, höher. b) eigenen sich unqualfizierte nicht für die teuren Jobs im Umweltbereich wie im Gesundheitswesen, abgesehen davon, dass sie, wenn es so wäre, weitere Arbeitslosigkeit schaffen würden mit den Einsparungen. Umweltschutz ist primär eine technikintensive Angelegenheit, wo Verzicht und Bescheidenheit nicht zum Tragen kommen können dürfen sollen. (Wir brauchen ja Wachstum, erhebliches Wachstum, nachaltiges Wachstum ... was heutzutage bedeutet: unendliches Wachstum. Dazu kommt, dass die zusätzliche Monetarisierung des 3. Arbeitsmarktes äusserst negative Folgen hätte für denselben, der Nachbar also z.B. der um eine Tüte Milch gebeten wird, erst fragt: Wie viel Zuschlag zahlst Du? Sonst verdien ich ja nix. Wird der 3. Arbeitsmarkt ebenfalls monetarisiert, also mit Geld bewertet, dann untersteht er den selben Regeln wie der 1., dann zählt nicht nur Tauschgerechtigkeit, sondern auch Effizienz und Produktivität - womit die Gesellschaft dann erst recht am A...nschlag wäre.
Positiv ist die Erwähnung, dass solche Einsätze in gemischten Gruppen stattfinden sollten, da die Netzwerke die sich innerhalb der Arbeitslosen ergeben kaum viel beitragen dürften, an eine neue Stelle heranzukommen.
Zum 3. Arbeitsmarkt werden oft auch Schattenwirtschaft (Schwarz- und Graumarkt) und Subsistenzwirtschaft hinzugezählt. Nichtmonetarisierte Bereiche verunmöglichen eben das Erheben von Steuern. So kann eigentlich sein Beitrag zum Bruttosozialprodukt nicht gerechnet werden, da er formell gar nicht vorhanden ist, monetär nicht bewertet wird. Eindrücklich ist vor allem der informelle Sektor, mit dem hier eher "unbezahlte Arbeit", also primär Haushalt, gemeint sein dürfte. Dieser kommt im Bruttosozialprodukt überhaupt nicht vor, eben, weil völlig unbezahlt, beansprucht aber praktisch die Hälfte der Arbeitszeit. Hieran sind auch Vergleiche mit anderen Ländern zu messen, bei denen die Monetarisierung noch lange nicht das selbe Ausmass erreicht hat wie bei uns. In der Dritten Welt, bei auch den nicht mehr so armen Arabern, wird auch heute noch ein grosser Teil Arbeit verrichtet, ohne dass er auf Heller und Pfennig verrechnet würde. Das BSP führt hier absolut in die Irre, genau so wie eine vermeintlich tiefe Beteiligung an Freiwilligenarbeit, weil dort praktisch nur formelle Freiwilligkeit verglichen wird, der grosse informelle Brocken von wegen "keine Ahnung" also einfach untergeht.
s. Formelle und informelle Freiwilligenarbeit / unbezahlte Arbeit I / unbezahlte Arbeit II
Dieses Kapitel wird noch erweitert um die historische Entwicklung. Daran zeigt sich am besten, auf welcher jeweiligen Grundannahme oder besser Ideologie die Sozialarbeit jeweils basierte. Mit der zunehmenden Verwissenschaftlichung versucht sie sich natürlich von derartigen Grundlagen zu lösen. Diese bleiben allerdings im Volk, und argumentatorisch im Volksmund, noch lange erhalten.
Lebenwelt (Schütz): Ort, wo "Menschen unter Mitmenschen in natürlicher Einstellung Natur, Kultur und Gesellschaft erfahren. Eine der Grundannahmen ist hier das "und-so-weiter". Die Menschen gehen davon aus, dass die Struktur der Alltagswelt konstant bleibt oder sich allenfalls konstant - das heisst gewohnt - verändert. Die zweite Annahme besteht darin, dass Individuen in ihrer Lebenswelt immer wieder entsprechend ihren Gewohnheiten handeln können. Der Mensch entwickelt hieraus seine subjektive Vorstellung darüber, was normal sinnvoll ist. (nach Schütz 2003)
In Stadtteilen, Wohnquartieren, Dörfern und anderen sozialräumlichen Einheiten herrscht gegenüber Menschen in materieller Armut, psychisch Kranken oder Abhängigen tendenziell eine ausschliessende soziale Dynamik.
Auch in der Schweiz, einem reichen Land, wuchs während der letzten Jahrzehte die Zahl der Menschen in erwerbsfähigem Alter, die keine Erwerbsarbeit, die ihnen materielle Selbständigkei ermöglicht, finden und daher "chronisch" in materieller Unsicherheit oder Armut leben. Castel spricht in diesem Zusammenhang ungeschminkt von einer Schicht der "Nutzlosen" und "Ueberzähligen." [Castel 2000, zit. hhk S. 138]
Die Gemeinwesenarbeit, Sozialraumgestaltung, Quartierarbeit versucht also, diese "natürlich" vorhandene Tendenz zu wandeln, und die lokalen Sozialräume zu "guten" Beziehungsräumen zu machen, ohne Ausschluss, mit gegenseitiger Sorge füreinander. Hier steckt doch noch die alte Theorie der "Entwicklungshilfe" dahinter, die früher auch in der Sozialhilfe leitend war: "Man bringt den Menschen das richtige Modell", aber nicht durchgesetzt werden konnte, eben weil Entscheide auch von Politik und Wirtschaft und manchmal sogar von den Betroffenen selbst getroffen werden, und weil das mitgebrachte Modell meist eher links, eben sozial, manchmal sogar kommunistisch war. (Anarchismus ist logischerweise weniger eine Theorie, auf die Sozialarbeiter abfahren ...).
Sozialökonomie ... gibt es nicht (s. Link oben: economie sociale. Ungeschickte Uebersetzung einer französischen Leidenschaft), kann also kaum als Bezugwissen dienen. Es gibt sie nicht, weil man individuellen Wettbewerb will - keine kollektive Wirtschaft. Sozialökonomie ist die Oekonomie des Kollektives, des Staates, der Gesellschaft - die man nicht will (ist man Wirtschaftsführer und reich genug). Probleme verursachen ist Freiheit, Probleme für die Allgemeinheit lösen müssen, staatlicher Zwang und zu verbieten - wäre in etwa die neoliberale Position.
Auch Sozialraum ist ein notwendiger - aber verfehlter Reduktionismus:
Gemeinwesenarbeit, verstanden als eigene Sparte der Sozialen Arbeit, ist nicht geeignet, dieses entprofessionalisierte Missverständnis (Sozialarbeit als Hilfswissenschaft ohne eigenes Feld) zu überwinden. Im Gegenteil: Gemeinwesenarbeit befestigt die Arbeitsteilung, verweist auf die individualisierende Bearbeitung des Falles als auf das "Andere". Gemeinwesenarbeit unterminiert die allgemeine, ihre spezifische Professionalität konstituierende Raumbezogenheit der Sozialen Arbeit. [hhk S. 45]
Gemeinwesenarbeit evoziert (ruft hervor) das Bild vom (heilen) Gemeinwesen, Stadtteil oder Dorf, des autarken Idealtyps, mit den Bewohnern als Ressourcen. So ähnlich das Modell der Kooperative (s.o)
Topologische Integration der Sozialhilfe:
Allerdings hat sich die moderne Wirtschaft aus der häuslichen Sphäre (oikos: Haus) entfernt und damit auch aus seiner unmittelbaren Lebensdienlichkeit:
Makroebene:
Globalisierung, Umbau des Sozialstaates, Finanzierungskrisen - werden durch die Elite, das Kapital angetrieben, dass die Eingesparten hier die Rechnung bezahlen sollen, ist Betrug
Mesoebene:
Soziale Organisationen und Betriebe, ja sogar schon der 3. Arbeitsmarkt, verlangen Effektivität und Effizienz, wurden also Oekonomisiert. Betriebswirtschaftliche Rationalisierung darf hier aber nicht auf Kosten des sozialen Auftrags gehen.
Mikroebene:
Das Individuum. Hier begann die Oekonomie, mit dem Haushalt, ev. dem Haus. Hier kann sie ihr Mass wieder finden, im stakeholder value.
Gemeinwesenorientierte Wirtschaft:
Wenn die Bewohner eines Stadtviertels, eines Dorfes einen Teil ihrer alltäglichen Versorgung selbst organisieren und die dafür notwendige Eigenarbeit gleichgewichtig untereinander verteilen, so bedeutet das auch eine andere Form des Wirtschaftens, die ich gemeinwesenorientiertes Wirtschaften nenne. [Möller 1998, zit. elw S. 68
Die Erwartung, dass sich soziale Probleme durch den Einsatz von Fachleuten lösen lassen, entstand zwischen 1960 und 70. Bald setzte aber auch schon die Kriitik ein:
Habermas: Drohende Expertokratie.
Thiersch: Kolonialisierung der Lebenswelt durch die Professionellen.
Illich formulierte 1995 die Gefahr der Therapeutisierung und Giesecke warnte vor der Infantilisierung der Gesellschaft durch die Gesundheits-, resp. Sozialwissenschaften. (Da sind wir doch schon ziemlich weit gekommen ....)
Dewe geht davon aus, dass die neuen pädagogischen Berufsbilder in den Status eines Hochschulstudiums erhoben wurden, ohne dass Konzepte für eine wissenschaftliche Ausbildung vorhanden waren.
Rössner:
Sozialhilfearbeiter als Sozialdiagnostiker, der soziale Probleme professionel, d.h. mit wirksamen Interventionen, bearbeitet.
Luhmann (1973):
Den Organisationen sozialer Hilfe obliegt eher eine "Daseinsnachsorge". Sie arbeiten an der Beseitigung von Problemfällen, die sich aus der Verwirklichung der vorherrschenden Strukturen und Verteilungsmuster immer neu ergeben. Es ist nicht ihre Sache, oder überhaupt nicht Sache von Hilfe, sich eine Aenderung der Strukturen zu überlegen, die konkrete Formen der Hilfsbedürftigkeit erzeugen.
Ander als Beck nimmt Luhmann also die "Reaktionen" der Systeme nicht als Anlass, die Systeme, besonders ihre Funktionsfähigkeit zu überprüfen und zu korrigieren (reflexive Moderne), sondern nimmt die Reaktionen schicksalsergeben hin - und setzt die Sozialhelfer dafür ein, das schlimmste Malaise, eben nicht korrektiv, sondern bloss kurativ, zu beheben. Schwache Darbietung. Natürlich gehört inshallah zur Islamischen Kultur, das nicht-Machen zur Fernöstlichen, aber in unserem Konstruktivismus darf man Resultate eigener Produkte nicht derart schicksalsergeben hinnehmen. Immerhin leben wir in einer konstruktivistischen Welt, also auch selbsterzeugtem Chaos.
Kategorische Problematik:
Funktionssysteme behandeln Inklusion, also Zugang für alle, als den Normalfall. Für Organisationen gilt das Gegenteil: sie schliessen aus mit Ausnahme de hochselektiv ausgeählten Mitglieder. [Luhmann 1997, Zit. E S. 68] Das Kernthema der Sozialhilfe heisst Inklusion - Exklusion. Entwicklung der Ein- oder Ausschliessenden Systeme ist nicht Sache der Sozialhilfe, allenfalls, zum Teil, Sache der Sozialpolitik, der Quartierspolitik oder Gemeindepolitik, auf die die Sozialhilfe einfluss zu nehmen vermag ... wie jeder Bürger.
Systemische Dysfunktionalitäten können von der Sozialhilfe nur anhand von Sekundärwirkungen erkannt werden, und auch dann nur, wenn diese Sekundärwirkung Ausschluss von Individuen aus Gesellschaft oder Wirtschaft bedeuten.
Sozialarbeit hat keinerlei (na ja, zumindest wenig) Einfluss auf Strukturen oder Funktionen gestörter Teilsysteme: Arbeitsmarkt, Berufsorganisationen, Arbeitsvermittlung etc
Sozialarbeit will den Fall jetzt, möglichst rasch und günstig lösen. Sie hat keine Zukunftsperspektive, was sie eminent von der Entwicklungsarbeit unerscheidet - obwohl sie mit derselben praktisch alle Methoden teilt.
SozialarbeiterInnen kennen nur die zwei Kategorien Individuum (Psychologie) und Gesellschaft (Soziologie), alle Probleme die aus andern Kategorien oder Räumen stammen, sind ihnen schleierhaft.
Von der Sozialarbeit ist also kein Konzept einer bessere Welt zu erwarten, keine gesellschaftlichen oder gar wirtschaftlichen Innovationen. ... Kleiner Irrtum. Sozialarbeit ist auch eine ethische Profession, basiert ganz klar auf internationalen Abkommen wie der Menschenrechtskonvention und ähnlichen, entwickelt von da her, also eher global als lokal, Normen des sozialen Umgangs.
Doch Menschen zielgerichtet zu verändern, ist ein aussichtsloses Unterfangen. Systemtheorie: autopoietische Systeme können von aussen nur irritiert, d.h. angestossen werden. Präzise dies ist das Prinzip der Therapie.
Die Stadt Zürich schuf in den Quartieren fünf neue Sozialzentren, die unter einem Dach einen polyvalenten professionellen Sozialdienst anbieten. In Basel wurde die materielle Sozialhilfe organisatorisch getrennt von der psychosozialen Beratung - und die Unterstützung von KlientInnen durch SozialarbeiterInnen wird nur noch für begrenzte Zeit ganz ausgelesenen Kategorien gewährt, nämlich jungen Erwachsenen und Klienten mit positiven Veränderungsperspektiven. Die Sozialhilfe wurde hier also ökonomischen Prinzipien unterworfen - aber diese, wie so oft bei Oekonomen, schlecht durchdacht. Keller bemerkt dazu selbst, dass die Trennung von materieller Hilfe und Beratung organisatorisch sinnvoll ist - die Beratung aber disponibel und leicht zugänglich sein muss: Denn vom Abbau der Sozialen Arbeit profitiert nun wirklich niemand.
> Der ewiger Kritikaster (me) sagt jein, denn wie im oben erwähnten Bereich der Selbständigen, finden sich unter der Obhut der Sozialhilfe ganz unterschiedliche Kategorien, die auch unterschiedliche Beratung benötigen. Einige davon wirlich primär eine Beratung, wie und wo sie ihre Fähigkeiten verkaufen können. Diesen sollten also die Dienste der Arbeitsvermittlung und -Beratung frei zugänglich sein.
So ist auch heute die Gefahr relativ gross, gerade unter dem populären Druck des Sozialhilfebetrugs, dass die Aufsicht und Gängelung verstärkt (s. Zürich), die Beratung aber als Kostenpunkt abgebaut wird. Hier reichte aber eigentlich der Verweis auf die Verfassung.
Der Anspruch auf Beratung wird dennoch oft unterlaufen, so z.B. in Basel substantiell, denn hier erhalten nur "Auserwählte" (d.h. diejenigen die nicht älter als 43 sind). Der Rest soll sich selbst plagen, da rentiert der Aufwand eh nicht mehr. Was das AIZ bietet ist ebenfalls keine Beratung und Unterstützung, sondern triage ... mit oft äusserst dubiosen Vorschlägen, die ganz einfach bei der totalen Zumutbarkeit jeglicher Arbeit ansetzen, ohne Rücksicht auf Erfahrungen, Können, Wissen und Verfassung der Betroffenen. "Von vorne anfangen!" - ein noch demotivierender Ansatz ist wohl kaum vorstellbar. Hier ist ein grosser Bock (der viel Bockmist produziert) in den Strukturen der Sozialhilfe Basels, denn hier, noch rasanter als im Deutschen System Hartz IV, landen die Selbständigen, ohne Zwischenhalt und Vermittlungsversuche bei einer RAV, im Sozialamt. Selbständige waren aber mal selbst Chefs, zumindest ihr eigener, sind also "schwer zu vermitteln", weil sie sich nicht von jedem Direktor oder Personalchef irgend was als "supertoll und einzig" auf die Nase binden lassen ... denn sie kennen das ja aus eigener Erfahrung. Zudem haben die meisten, die Erfahrung mit Selbständigkeit gemacht haben, eigentlich, zumindest nachdem sie den letzten Absturz verdaut haben, Lust, wieder was zu versuchen. Und hier ist die Unterstützung absolut Null, unter Null, destruktiv. Nicht bloss nicht vorhanden - sondern demotivierend. Ich frage mich, welcher Hirsch da auf die Idee kam, gescheiterte Selbständige liessen sich leichter in eine bestehende Struktur einbinden, fügen sich ein ... als dass sie selbst was neues probieren. Nach meinen Begegnungen und Erfahrungen ist die Idee Hafenkäs und insbesondere die <Beratungsvermeidungsstruktur> des Sozialamtes Basel eine teure Fehlkonstruktion.
Der Begriff "Bedürfnis" ist eine eher vernebelte Mischung aus Wunsch und Wille mit problematischen Folgen für den sozialarbeiterischen Radar. [Bernasconi]
Ein geäusserter Wunsch schreit geradezu nach zuwendender Erfüllung und verpasst die zupackende Energie und Eigenleistung des Subjekts. Wer sozialraumorientiert arbeitet interessiert sich also weniger für die "Bedürfnisse" oder "Wünsche" der Menschen, sondern für deren Willen, also deren energiegeladenen Eigensinn, ihre (gelegentlich subversiven) Kraftquellen und ihre aus welchen Quellen auch immer gespeiste Bereitschaft, selbst zum Gelingen (von Vereinbarungen) beizutragen.
Dieser Paragraph ist auch gleich eine sehr passende Erklärung der Problematik des Grundlohnes, denn genau diese Kräfte, der Wille, der Eigensinn, das Durchsetzungsvermögen, würden überflüssig. Ein Mensch ohne Wille aber ist ... willenlos, wird getrieben, oder lässt sich treiben.
...
Das wär's eigentlich, die 3 ..., ginge ich bloss nach den Büchern, denn das Hauptproblem von Arbeitslosigkeit und Ausschluss aus dem Erwerbsleben, nämlich Beruf und Berufsbildung, kommt in keinem derselben vor, und es war immerhin etwa ein Dutzend.
Die zunehmende berufliche Spezialisierung erlaubt nicht nur eine enorme Steigerung der Produktivität, der Vielfalt und Komplexität der Produkte (bis hin zur Marssonde), sondern sie produziert auch Probleme:
Es wird zwar Flexibilität von den Arbeitnehmern gefordert, ja eigentlich einfach ihnen auferlegt - aber die Kosten dafür müssen sie selbst tragen. Um immer möglichst rasch Ersatz zu finden, ist eine pemanente Arbeitslosigkeit erforderlich. Diese betrug 1976, für eine optimale Wirtschaft, noch 0.2%. In de Schweiz wird sie heute auf 3.5% geschätzt. Bei der Arbeitslosigkeit redet man also schon von "Vollbeschäftigung". In den USA sind es sogar 6% Arbeitslosigkeit die nötig wären für ein reibungsfreies Funktionieren der Wirtschaft. s. Spezialisierung
Dazu kommen zwei weitere Punkte:

http://sist.salzburgresearch.at/sist7/Schule_u_NeueMedien_gg/sld009.htm
Auf dem Gebiet sind aber die Sozialarbeiter die selben Banausen wie die meisten von uns. Es interessiert sie nicht mal - obwohl es das Kernproblem des Ausschlusses aus dem Erwerbsleben darstellt.
Eine modulare Berufsausbildung wäre nötig um friktionelle Arbeitslosigkeit nicht noch weiter ansteigen zu lassen und um Karrierebrüche, Um- oder Ausbau des Erwerbswissens, möglichst einfach zu machen. Unter den heute gegebenen Bedingungen der Explosion von Wissen, und Anforderungen an Wissen für die Berufstätigkeit, müsste die Berufsausbildung, auf allen Stufen, also von Lehre bis Hochschule, unbedingt modularer werden, d.h. aus Elementen bestehen, die sich leicht anders kombinieren und ergänzen lassen - zu einem anderen Berufsbild. Wir leben hier weitaus eher in einer Aera des Konstruktivismus als der Postmoderne. Zwar werden Anforderungen wie Lebensläufe oft recht beliebig kompiliert - aber damit verlieren sie bereits die Beliebigkeit und leider eben auch die Flexibilität. Der Stellenausschreiber sucht nun den Bewerber, der am besten auf das vorgefertigte Bild passt (das dem Bewerber nicht bekannt ist). Der Bewerber versucht das bestmöglichst zu erahnen und auf die Ansprüche einzugehen, kann aber seinen Lebenslauf natürlich nur sehr beschränkt anpassen. Er muss schliesslich doch einigermassen bei der Wahrheit bleiben.
Aus genau dieser Grundlage erwächst das Problem, dass Betriebe lieber Neuabsolventen von Hochschulen und Ausbildungsgängen einstellen, als alte Hasen, die noch an irgend einem als veraltet betrachteten Arbeits-System hängen. Die Jungen allerdings haben ihrerseits das Problem, dass von ihnen natürlich 10 Jahre Erfahrung erwartet wird, nach Studium und vor Eintritt in die Firma mit max. 30 Jahren. Hier kommen also nur noch diejenigen durch, die das postmodern-konstruktivistische Spiel sehr geschickt betreiben und sich als bestpassende Lösung verkaufen können - keine Querköpfe. (Man wundert sich dann erst hinterher, wieso es bergab ging, wo doch alle immer alles gut fanden und brav ja gesagt haben ...).
Um diese enorme Aufsplitterung in Spezialberufe etwas zu mildern, müsste die Ausbildung klarer in Modulen stattfinden, so dass bei Karrierebruch (Verschwinden eines Berufes oder selbst eingeschlagener Irrweg, Sackgasse) ein Um- und Ausbau relativ einfach, schnell und günstig möglich wird. Die Module müssten rekombinierbar und ergänzbar sein.
Die hier formulierte Forderung nach politischem Einfluss Einfluss der Sozialarbeit ist sehr bescheiden, aber eben mit der Beschränkung und Fokussierung des Einflusses auf die Sozialpolitik vermutlich realistisch.:
Die Ausbildung soll zu einer sozialen Arbeit befähigen, die sich grundsätzlich von der durch Disziplinierung und Kontrolle geprägten früheren Armenpflege wie von rein karitativer Barmherzigkeit unterscheiden. Sie soll sich um den Einzelnen kümmern, seine Bedürfnisse und soziale Gerechtigkeit. Und sie soll dazu befähigen, Einfluss sowohl auf die Gestaltung sozialer Praxis wie auf die sozialpolitische Entwicklung zu nehmen. Dieser Anspruch kann für Alice Salomon nur durch eine umfassende wissenschaftliche Bildung eingelöst werden. [zusammengefasst/zitiert n. elw S. 28]
Auch hier, noch prägnanter, die Forderung eines Einflusses auf die soziale Praxis und die sozialpolitische Entwicklung. Es ist auch hier klar, dass die Politik nur so weit geht, wie das Amt, also bis zur sozialen Arbeit, allenfalls der sie begründenden Sozialpolitik - nicht aber auf Wirtschaft, Management, gesellschaftliche Fehlentwicklungen etc. Das bleibt uns Alleswissern und Stänkerern der Parteien und Medien belassen.
Um Lösungen zu erhalten, um der Forderung nach solchen Lösungen im politischen Raum Nachdruck verleihen zu können, bedarf es allerdings umfassender und präziser Problemanalysen. Dies gelingt nicht ohne die Analyse der ökonomischen Randbedingungen.
Wer Sozialarbeit studiert, ist mit Sicherheit am Wohl von Menschen interessiert, möchte ihre Lage verbessern. Um so grösser die Enttäuschung bei vielen, wenn sie dann nach Abschluss des Studiums dafür eingesetzt werden, Armut zu verwalten, ja eigentlich zu kontrollieren. Sozialarbeit hat weder das Wissen, noch die Methoden, noch den Auftrag, die Welt zu verbessern, sondern bloss die Integration einzelner verloreren Schafe, pardon Menschen oder Gruppen von Menschen in das, was eben da ist. Sie können, dürfen und sollen natürlich ihre Vorstellungen von einer besseren Welt einbringen, müssen dies aber, wie wir alle auch, in einen Bewusstwerdungsprozess einbringen, der, inschallah, zu einer Agendasetzung kulminiert - und das Thema auf die Bühne der Medien und Politik hebt, wo sie es dann weiter betreuen müssen, da nun die Polemiker, Besserwisser, Gegner (auch fundierte! Gibt's immer) und Populisten sich des Themas bemächtigen.
5.6-5.7: Fazit:
Tja, denkste, wenn de das geglaubt hast. Auch hier spielt vielleicht die List in der Sozialarbeit eine weitaus wichtiger Rolle als in "normalen" akademischen Professionen. Indem die Sozialarbeit als Wissenschaft, als akademische Ausbildung, sich ganz klar auf ein ethisches Fundament stellt, zudem die internationalen Normen, also Konventionen im Bereich Soziales, als verbindlich deklariert, stellt sie ihre Absolventen zwar ein bisschen zwischen Tür und Angel - ermöglicht ihnen aber auch im Sozialen etwas weiter zu denken und zu gehen als es der normalerweise eher kleinkarrierte Lokalpatriotismus erlauben würde. Zumindest für Staaten die solche Konventionen ratifiziert haben (und das wollen ja die meisten, um nicht irgendwann als Schurkenstaaten abgeschossen zu werden), sind diese Normen einigermassen verbindlich. (Es wundert also wenig, warum Blocher vor einiger Zeit derart rabiat und undiplomatisch, als Sicherheitsminister, gegen internationales Recht gewettert hat. Wenn Politiker international, mit andern Staatsführern, an einen Tisch sitzen, können sie sich halt meist nicht ganz so kleinkarriert geben, wie sie eigentlich wären. Ein Lob dem Internationalen Recht! - Und der List der SozialarbeiterInnen.
Während dem Beck's Reflexive Moderne uns auf einen rationalen Umgang mit unvorhergesehenen Reaktionen der Systeme verpflichtet, moniert die Postmoderne generell Nichtsteuerbarkeit, Unplanparkeit, Zufall und Schicksal - also Freiheit statt Sachzwang, Autoritäten, regulativer und normativer Vernunft.
Der obere Bereich, in dem Sozialarbeit Politik betreibt, die internationalen Abkommen (Konventionen), haben hier noch ein paar Probleme zu bewältigen. Allerdings gibt es inzwischen etwa zu den strittigen Menschenrechten, die von vielen Ländern ausserhalb dieses Kulturkreises eben gerade nicht als global angesehen werden, eine Menge regionaler Alternativen, die eben so wertvoll sind, also echte Alternativen. Die Welt bewegt sich also, vielleicht sollte das die Schweiz auch ab und zu tun.
Martin Herzog, Basel, 11.8.09