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Der Schwerpunkt, also mein eigenes Interesse in der Auseinandersetzung mit der Sozialarbeit liegt in einer gewissen Verwandtschaft derselben mit meiner Lieblingstätigkeit, der Entwicklungszusammenarbeit. Von daher auch die falsche Erwartung meinerseits an die Sozialarbeit (und die von ihr ausgeführte Sozialhilfe), dass sie zu einer "besseren Ordnung, besseren Gesellschaft" etc. beitragen soll(t)e. Aber dies ist offenbar eine Illusion, denn Sozialarbeit hat per definitionem den Auftrag, Ausgeschlossene in das zu integrieren, was sie ausschloss, nicht neues zu schaffen. Allerdings sieht sie sich auch ganz klar als Vertreterin der Menschenrechte, als Agent der Sozialpolitik, als Risikobewerter (was bei unvorhersehbaren Reaktionen komplexer Systeme, dem Grundproblem der Postmoderne, nicht so ganz logisch ist ...), als Systemdolmetscher zwischen schlecht kommunizierenen Teilsystemen der Gesellschaft oder als Therapeut derselben.
Definitionen der Sozialarbeit:
Gegenstand Sozialer Arbeit sind allgemein gesellschaftlich und professionell als relevant angesehene menschliche „Problemsituationen“. Hierzu gehören überwiegend Probleme mit der alltäglichen Lebensbewältigung, der „Lebenspraxis“ – dem alltäglichen „Zurechtkommen und Zurechtfinden“. Sozialpädagogik bedeutet aber nicht allein Fähigkeiten und Ressourcen der Einzelnen zu fördern; in der Sozialpädagogik steckt auch eine gesellschaftliche Zielsetzung des „Miteinander-Auskommens“. Sozialpädagogik betrachtet das Individuum in seiner Wechselbeziehung mit der sozialen Umwelt. Sozialschaffende sprechen von Lebenslage, um damit die Gesamtheit von Person und sozialem Rahmen sozialwissenschaftlich auszudrücken. [wiki]
Eine Unterscheidung ist noch notwendig zwischen:
Das Arbeitsgebiet wurde klassisch in folgende Arbeitsformen unterschieden:
Die INTERNATIONAL FEDERATION OF SOCIAL WORKERS (IFSW 2000,1) hat sich auf folgende Definition verständigt: „Soziale Arbeit als Beruf fördert den sozialen Wandel und die Lösung von Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen, und sie befähigt die Menschen, in freier Entscheidung ihr Leben besser zu gestalten. Gestützt auf wissenschaftliche Erkenntnisse über menschliches Verhalten und soziale Systeme greift Soziale Arbeit dort ein, wo Menschen mit ihrer Umwelt in Interaktion treten. Grundlagen der Sozialen Arbeit sind die Prinzipien der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit.“
Staub-Bernasconi sieht Sozialarbeit als Menschenrechtsprofession, als Gerechtigkeitsarbeit. Sie verhilft denen zur Artikulation, die aufgrund von Geld-, Macht-, Bildungs-, Liebes-, oder Glaubenslosigkeit in die Sprach- bzw. Kommunikationslosigkeit gedrängt wurden; sie deckt auf, wenn bestimmte Welt- und Lebensentwürfe nicht zu ihrem Recht kommen. Sie befriedigt auch Bedürfnisse stellvertretend, solange die Befriedigung in den primären Funktionssystemen nicht möglich ist. (Kleve 1999, zit. E S. 137)
Von da her könnte man, allerdings nur in Klammern, denn das wirft eine ganze Menge an Fragen und Problemen auf, die Sozialarbeit als Ethikprofession bezeichnen. Dies insbesondere, als sie ihr politisches Dilemma, das Problem, dass sie die Urheber sozialer Probleme nicht direkt politisch korrigieren oder gar rechtlich einschränken kann, ohne den selben, demokratischen, langwierigen Weg zu gehen wie alle politisch aktiven Bürger, dadurch umschifft, dass sie
Internationale Konventionen im sozialen Bereich:
Hier wird Sozialarbeit eminent politisch. Das dürfte für viele Studenten ein wichtiger Grund sein, sich hier zu engagieren. Allerdings werden sich die meisten mit eher lokaler Tätigkeit abfinden müssen, wobei sie dann Auftragnehmer und nicht Gesetzgeber und Normgestalter sind, was zu entsprechender Frustration führt.
Soziale Arbeit soll hier vor allem als organisierte Tätigkeit im Rahmen sozialpolitischer Massnahmen verstanden werden.
[Isodor Wallimann: "Soziale Arbeit" als Instrument der Politischen Oekonomie und ihrer "Sozialpolitik":]
Sozialarbeit ist nach Wallimann gewollte, organisierte, geplante und professionell gebundene Tätigkeit - die allerdings, mein Kommentar, einen politischen Auftrag fasst und vollzieht, nicht formuliert. Aus diesem Grund, gerade weil die Probleme der Desintegration vermutlich eben so häufig im Umweld wie bei den Betroffenen selbst zu suchen sind (die allerdings mehrheitlich die Schuld selbst zugewiesen erhalten), fokussiert Sozialhilfe heute vor allem auf Stadtteilarbeit, Quartierarbeit, denn hier kann sie wirklich die Probleme und Wünsche auch direkt in die lokale politische Diskussion einbringen. Dies allerdings als Bürger, die am demokratischen Prozess teilnehmen, nicht als Experten oder Entscheidungskräfte. In diesem Rahmen führen die Möglichkeiten der Sozialarbeit am weitesten: Mitformulierung durch Berichte, Expertisen, Arbeit (Anstellung, bezahlte Arbeit, sonst bleibt das Problem der Abhängigkeit bestehen) in politisch unabhängigen Gremien/Organisationen.
Der Sozialhelfer ist Sozialanwalt, psychosozialer Berater, der Dienstleistung auf Anfrage erbringt.
[Horst Bossong: Soziale Arbeit im deutschen Sozialstaat. hhk S. 50 ff ]
Allerdings wird die Anfrage immer anspruchsvoller, denn sie setzt voraus, dass "der Kunde" überhaupt weiss, was er fragen oder verlangen kann, er muss seine Bedürfnisse, Wünsche, ev. auch seine Kritik und Verbesserungsvorschläge kompetent und durchsetzungsstark kommunizieren können - und er müsste aus einer Situation heraus handeln können, ohne nennenswerten persönlichen Nachteil, also "nein", "ja aber", "anders" sagen können. Oft haben aber die Abhängigen eben genau diese sachbezogene, kommunikative und situative Kompetenz nicht.
Die Organisation und Handlungspraxis der Sozialen Arbeit in Deutschland escheint vielen, und zwar nicht zuletzt oft auch den Hilfesuchenden selbst, undurchschaubar und chaotisch.
Rössner:
Der Sozialhilfearbeiter ist ein Sozialdiagnostiker, der soziale Probleme professionel, d.h. mit wirksamen Interventionen, bearbeitet.
Luhmann (1973):
Den Organisationen sozialer Hilfe obliegt eher eine "Daseinsnachsorge". Sie arbeiten an der Beseitigung von Problemfällen, die sich aus der Verwirklichung der vorherrschenden Strukturen und Verteilungsmuster immer neu ergeben. Es ist nicht ihre Sache, oder überhaupt nicht Sache von Hilfe, sich eine Aenderung de Strukturen zu überlegen, die konkrete Formen der Hilfsbedürftigkeit erzeugen.
Sozialarbeit ist ein autonomes Teilsystem <soziale Hilfe> ... das allerdings erst aktiv wird, wenn unterschieden ist zwischen hilfsbedürftig und nicht hilfsbedürftig, abhängig und selbständig etc
Sozialarbeit begleitet die Gesellschaft therapeutisch, um die Folgen der Krisengesellschaft zu mildern.
Ilse von Arlt:
Sozialarbeit ist angewandte Soziologie, eine Wissenschaft der Armut und ihrer Behebung.
Salomon:
Sozialarbeiter sollten gesellschaftliche Risikobewerter sein.
Zusammenfassend, und nur leicht zynisch, aber dafür um so politischer:
Social work is transforming private troubles into public issues
Noch etwas zynischer:
Sozialarbeit lebt parasitär von den "Systemabfällen" (Bardmann 1990). Diese werden ihr zugeschoben vom Rechtssystem, den Medîen und den sozialen Bewegungen
Die kommunikative Lösung der Inklusions-Exklusionsproblematik (die man schon als leicht zynisch auffassen könnte: Hautsache, es wird nicht mehr davon geredet!):
Die Aufgabe der Sozialhilfe ist dann, die Probleme zu lösen, eine thematische Umstrukturierung möglich zu machen in der Weise, dass Kommunikation über das Problem unnötig wird
Postmoderne Sozialarbeit:
Wettbewerb schafft Ungleichheit - Sozialarbeit schafft sie wieder ab oder begrenzt sie zumindest auf ein humanes Mass. Die Hilfe passiert nicht mehr zwischen gleichermassen bedrohten und helfenden per Dankesschuld, sondern von oben nach unten, von den (noch) Vermögenden zu den Unvermögenden. Das macht einiges klar: Erstens können die einfachen Leute sich unter den gegebenen Bedingungen kaum mehr gegenseitig helfen, zweitens sind diejenigen, die das Vermögen dazu haben, auch diejenigen, die Strukturveränderungen organisieren, durch die Arbeitslosigkeit erst entsteht. Man muss da also weder zu viel Mitleid noch eigentlich ein schlechtes Gewissen haben. <Umverteilung> ist hier also nichts widernatürliches und Widerwärtiges, sondern bloss eine Massnahme der Systemstabilisierung.
Wie immer man kritisch dazu stehen mag, es wird aller Wahrscheinlichkeit nach einem Arbeitslosen leichter fallen, einen neuen und erfolgreichen Zugang zum Arbeitsmarkt zu bekommen, der eher lose örtlich, sozial und normativ integriert ist. In dieser Hinsicht erscheint es ausgesprochen treffend, mit Luhmann davon zu sprechen, dass Integration zu einer Einschränkung von Freiheitsgrade führt.
Der moderne Mensch ist sozial potentiell desintegriert; erst diese potentielle Desintegration macht ihn so frei, moralisch und sozial so flexibel und mobil, dass er sich den standardisierten Inklusionsanforderungen der Funktionssysteme anpassen kann. ... Während in vormodernen Gesellschaften Menschen einer sozialen Integrationsform (z.B. Familie, Stamm, Klasse, Schicht) angehörten, um ihre Partizipation an der Gesellschaft zu realisieren, müssen sie in der modernen Gesellschaft an mehreren Funktionssystemen bzw. Organisationen zugleich partizipieren (inkludieren) können, um ihre physisch und psychische Existenz zu reproduzieren; sie dürfen, wollen sie ihre Inklusionsfähigkeit nicht gefährden, niemals so (fest) in traditionelle Beziehungs-, Moral- und Handlungsformen integriert sein, dass ihnen die Freiheit für wechselnde Inklusion verloren geht. Desintegration ist der Normalfall der gesellschaftlichen Moderne. Mitgliedschaften und die Möglichkeit, organisatorische Leistungen zu nutzen, ersetzt das, was in der Tradition durch die Zugehörigkeit zu sozial integrierenden Gruppen und Räumen realisiert wurde: Die Partizipation an der Gesellschaft.
[[Heiko Kleve: Postmoderne Sozialarbeit. Ein systemtheoretisch-konstruktivistischer Beitrag zur Sozialarbeitswissenschaft. 2. Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden 2007. S. 185]
Diese Aussagen machen die enorme Bedeutung der Organisationen der Zivilgesellschaft klar, auch wenn es nur um Freiwilligenarbeit geht und dieser sog. 3. Sektor die Erwerbsarbeit nicht ersetzen kann: Er hat DIE Funktion, die früher Grossfamilie, Clan, Stamm oder Klasse hatten.
Aufgabe der Sozialarbeit wird hier also, eine multiple Andockungsfähigkeit herzustellen, eine Passung zu erkennen, die dem oder der Betroffenen erlaubt, sich wieder "einzuklinken".
FAZIT:
Wiederhole nicht, was nicht funktioniert. Mach was anderes.
Insoo Kim Berg
Beiträge von Brainworker zum Thema Sozialarbeit: Sozialarbeit - Was ist das? Was soll das? Sozialarbeit woher und wohin? für hier, Einführung in die Sozialarbeit
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Aus welcher Zeitperiode stammen folgende Aussagen: Frühzeit / Mittelalter / Renaissance/Humanismus / Aufklärung / 19. JH / 20 JH / Gegenwart. Entscheiden Sie sich - und prüfen Sie erst dann die richtige Antwort. Ich füge neben der Antwort noch eine klein Präzisierung der Frage ein:
Leid und Not sind notwendig, um die Herzen der Menschen empfindungsfähiger und menschlicher zu machen, das soziale Mitgefühl zu wecken, all die christlichen Tugenden zu entfalten und Spielraum für die Entfaltung der Nächstenliebe zu geben.
Die Bibel oder ein Evolutionstheoretiker? Antwort
Alle Armen müssen, wie andere Menschen auch, arbeiten. Verweigerer sind zu harter und mühseliger Arbeit zu zwingen und karg zu ernähren. Eine solche Zwangsbehandlung soll andere abschrecken und zur freiwilligen Arbeit animieren
Blocher, Berlusconi, oder gar ein Humanist? Antwort
Die beste Methode der individualisierenden Fürsorge ist es, einem Menschen den Glauben daran zu geben, dass er sich selbst helfen kann. Man soll ihn ermutigen, selbst für sich zu denken und zu planen, und keine plötzlichen Veränderungen und Heilungen von ihm erwarten, die er überhaupt nicht bringen kann.
Ein liberaler Poliker oder eine Theoretikerin der Sozialarbeit? Antwort
Das Ziel der Fürsorge ist rein wirtschaftlich bestimmt: Erziehung Unwirtschaftlicher, Versorgung Unwirtschaftlicher, Verwertung Unwirtschaftlicher.
Ein Sozialarbeitstheoretiker - oder neoliberaler Propagandist? Antwort
Der Arme muss zur Armut auferzogen werden! Sie müssen lernen, sich nach dem Willen anderer zu verhalten.
eine bekannte Rechtsaussenpartei - oder ein eben so bekannter Pädagoge? Antwort
Der einfachste Plan ist, den Arbeitslosen anstatt Butter Arsen aufs Brot zu streuen. Das bewirkt in kürzester Zeit den Tod und ist den andern Bettlern eine Warnung, sich in respektvoller Entfernung zu halten.
die NSDAP oder "gutbürgerliche" Presse? Antwort
Der Wohlfahrsstaat zerstört das Verantwortungsgefühl der Unterstützten gegenüber der Gemeinschaft durch Züchtung von Unterstützungsempfängern. Diese ungesunde Verweichlichung und das übertriebene Ich-Denken ist durch Erziehung zu korrigieren. Die unwirtschaftliche Fürsorge für die sozial Untüchtigen muss radikal gekürzt werden.
Neoliberalismus - oder Naziideologie) Antwort