Russland
heute: Über die Oligarchie zum bürokratischen Staatskapitalismus der
Kreml-GmbH Putins_____________________________________________________
Während dem also Europa Amerika, Afrika und Australien kolonialisierte, tat Russland dies mit ganz Nordasien. Der Widerstand war minim, denn traditionell konnten sich die Stämme dort, eben rechte Hinter-Wäldler, auf den Schutz der undurchdringlichen Wälder verlassen. Im Süden hatten sie wegen der brutalen Umwelt (Hitze im Sommer, Trockenheit, Fröste bis -20° im Winter) einige Probleme: Chiwas Stärke beruhte auf seiner schweren Zugänglichkeit. Wüsten von Flugsand, Steppen und Salzbecken und rohrbestandenen Morästen. Da die Khanate aber noch schlechter gerüstet waren als die russische Armee, war der Widerstand nicht all zu gross. Zudem war es hier sehr einfach, die alte Strategie des "divide et impera" einzusetzen:
Was nun die zweite von der orenburgischen Kommission gestellte Aufgabe, die Kirgisen zu wirklichen, nicht nur nominellen Unterthanen zu machen, betrifft, so erhielten die Gouverneure die Direktive, aus dem Antagonismus der einzelnen Stämme, der Baschkiren, Kirgisen und Kalmücken gegen einander Vortheile zu ziehen; diese unruhigen und Russland feindseligen Völkerschaften sollten sich gegenseitig schwächen. Das "Divide et impera" sollte der leitende Grundsatz der russischen Politik in Mittel-Asien sein.
Von der andern Seite her, vom Süden, waren bereits 1860 indische Vermesser nach Ost-Turkestan und in den Pamir vorgedrungen. 1868 trafen englische "Reisende" in Kashgar ein ... Russland befand sich in Zentralasien also im Wettstreit (Wettbewerb ...) mit England. Die Russischen Eroberungen wurden von Orenburg (russisch Оренбург) aus geleitet. Orenburg ist die Hauptstadt der Oblast Orenburg im Föderationskreis Wolga, europäisches Russland, mit 542.679 Einwohnern (Stand: 2004). Orenburg liegt 1.480 km südöstlich von Moskau, unweit der Grenze zu Kasachstan. Bis 1925 war der gesamte Oblast nicht nur Teil Kasachstans (Kasachische ASSR), sondern Orenburg selbst auch dessen erste Hauptstadt.
Zum Teil dürfte es sich aber auch um reine Abenteuerlust und Eroberungsdrang gehandelt haben, denn viele verstanden in Moskau nicht, wozu diese riskanten Unternehmungen gut sein sollten. So die Bemerkung des Innenministers A. Valuev anlässlich einer wichtigen Etappe der Expansion: Taŝkent wurde von General Ĉernjaev eingenommen. Niemand weiss warum und wozu ... es liegt etwas Erotisches in allem, was bei uns die entlegene Peripherie des Reiches betrifft. Amur, Ussuri, jetzt Taŝkent.
Auf dem Gebiet West-Turkestans, das sich heute mit dem Begriff Zentralasien fast deckt, befinden sich die heutigen turksprachigen Staaten Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisistan und – als persischsprachige Ausnahme – Tadschikistan. Die heutige Bezeichnung Ost-Turkestans lautet Sinkiang-Uigur und liegt im äußersten Westen der Volksrepublik China.
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In den letzten 30 Jahren des 19. Jahrhunderts unternahmen die Russen offensichtlich beträchtliche Vorstösse nach Persien (heute Iran) hinein, ja sogar nach China. General-Gouverneur Kaufman (Deutsche schafften es immer wieder in die Herrschaftsschicht Russlands) interessierte sich für den Aufstand der Dunganen, der nach 1864 ganz Ost-Turkestan und die Dschungarei erfasst hatte. Nach der Vertreibung der Chinesen bildeten sie mehrere von einander unabhängige Herrschaften. Diese Aktivitäten stossen auf Widerstand der Briten in Afghanistan - oder die Vorstösse der Briten lösen die Russischen Aktivitäten erst aus? Immerhin hatten die Briten in Pakistan bereits 1839-42 (erfolglos!) Krieg geführt, um das Land zu erobern. Ein Versuch, den sie erst 1919 aufgaben ...) Pakistan gibt es noch nicht, da sich dieses erst 1947 von Indien abspaltete (damals noch als Ostpakistan, heute Bangladesh, und Westpakistan) und 1956 zur islamischen Republik erklärte, der ersten der Welt. So auch der Name, denn Pakistan bedeutet: Land der Reinen. (Heil Schicklgruber ... so kommts eben ...).
Die orangen Punkte bezeichnen Streiks und Unruhen, die sich vor 1914 ereigneten, also mit zur Oktoberrevolution geführt haben. Interessant ist, dass diese praktisch alle entlang der Eisenbahnlinien liegen, die also sicher der Verbreitung dieses "Virus" geholfen hat.
Mit
der Eroberung Zentralasiens hatten sich die Russen nun nicht bloss das Problem
"Islam" ins Land geholt (man war damals noch rechtgläubig orthodox, wenn auch
mit gewissen sektiererischen Streitereien zwischen alt- und neugläubigen),
sondern eine verwobene, komplexe und explosive Mischung von Ethnien, die sich
nicht bloss in Gebräuchen, sondern auch in Sprache unterschieden.
Türkischstämmige bilden den Haupthorst, aufgeteilt in Karakalpaken, Kasachen, Kirgisen, Usbeken (Nachkommen der Goldenen Horde ... die nun, 800 Jahre nach ihrer Eroberung von Moskau quasi zurückerobert wurden), und Uighuren. Das zentrale Verbreitungsgebiet der Turksprachen und - Stämme wurde so russisch besetzt.
Tadschiken dagegen gehören wie die Iraner, zum indogermanischen Sprachraum.
Unabhängig davon, ob von den Briten angestachelt oder bedroht, oder aus eigenem Eroberungswillen, auch die russischen Kolonialisten sahen sich genötigt, ihr Verhalten zu rechtfertigen - und sie taten dies mit fast den selben Argumenten wie der Westen sonstwo auf der Welt, wo er Barbaren ausmerzte oder Ungläubige bekehrte ... was wohl die damaligen "Terroristen" waren.
Krahmer zitiert ausführlich und zustimmend die berühmte Zirkularnote des russischen Kanzlers Aleksandr M. Gorčakov vom 8. Dezember 1864, in der zur Rechtfertigung der beginnenden russischen Expansion nach Turkestan die Ausdehnung europäischer Staaten auf Kosten technisch und organisatorisch unterlegener aussereuropäischer Gesellschaften als unvermeidbar und als zivilisatorischer Fortschritt dargestellt wird. Er lobt das Geschick der Russen als Kolonisatoren, die es anders als die Engländer verständen, sich den einheimischen Völkern anzupassen, den Islam nicht antasteten und auf langfristige Entwicklung statt schnelle Ausbeutung Wert legten. Russland hat in dieser von Räuberhorden bewohnt gewesenen asiatischen Wüste Ordnung geschaffen und der Kultur einen Weg eröffnet .... [S. 3]
Ganz in diesem Sinne hatten ja auch die Protestanten und andere Sekten Nordafrika besiedelt, die Katholiken Südafrika und die Anglikaner Australien - alle gemeinsam Afrika. Keiner dürfte aber diese christliche "Botschaft der Liebe" als solche interpretiert haben ... und wohl nicht zu unrecht.
Die Schlagworte "Befriedung", wirtschaftliche Entwicklung, zivilisatorische Mission und nicht zuletzt die britische Konkurrenz, die in Russland einen relativ kleinen Ausschnitt der gebildeten Schicht bewegten, mussten aber, von Krahmer in den Mittelpunkt gestellt, einem zeitgenössischen deutschen Leser vertraut erscheinen.
Was heute der Kampf gegen den Terrorismus, war damals die "Befriedung" von Wilden, Unzivilisierten:
Eine unter dem 8. Dezember 1864 von dem Fürsten Reichskanzler Gotschakov erlassene Note sollte die Erregung Englands beruhigen. Es hiess darin: <Die Lage Russlands in Mittel-Asien ist die aller civilisierten Staaten, welche sich in Kontakt mit nomadisierenden halbwilden, nicht fest organisierten Völkerschaften befinden. Die Sicherheit der Grenzen und des Handels verlangt in solchem Falle, dass der civilisirte Staat ein gewisses Uebergewicht üer seine Nachbarn ausübt. Um denselben ein Ende zu machen, ist man genötigt, die Grenzbevölkerung zu einer mehr oder minder unmittelbaren Unterwürfigkeit zu zwingen. Ist dies Resultat erreicht, so nehmen die Grenzbewohner ruhigere und sesshaftere Gewohnheiten an, dafür werden sie aber nunmehr von ferner lebenden Stämmen beunruhigt. Der Staat ist verpflichtet, jene zu schützen, diese zu züchtigen. Daraus entspringt die Nothwendigkeit neuer, kostpspieliger, sich stets wiederholender Expeditionen gegen einen Feind, den seine Organisation eigentlich unangreifbar macht. Jeder Schritt vorwärts führt zu neuen Schritten, jede überwundene Schwierigkeit zu neuen Schwierigkeiten. Ein Zurückgeben aber giebt es nicht, weil die Asiaten das für Schwäche ansehen würden. Sie achten und sie fürchten nur die greifbare Gewalt.
Das sind im übrigen keine alten Kamellen, denn es geht heute, im neuen Millennium, in genau dem selben Stil weiter: All die Länder denen heute vom Leuchtturm der Freiheit (den USA ...) dieselbe mit Bomben und Raketen, Besetzungen und Embargos um die Ohren gehaut wird, haben ganz sicher nicht den Eindruck, dass es sich bei dieser "Freiheit" um was erstrebenswertes handelt.
Krahmer schildert immer wieder die Bemühungen der russischen Verwaltung, mit Hilfe von Schulen, Musterbetrieben und neuen Kommunikationswegen Handel und Gewerbe zu fördern und "die Zivilisation unter den Bewohnern (zu) verbreiten.
Die russische Armee schuf zwar eine Operationsbasis in beunruhigender Nähe zu Herat, als Ausgangspunkt für einen Feldzug gegen Indien. Aber - die Russen kamen damals nicht nach Herat, ein strategisches Ziel dass sie sich gesetzt hatten, vor allem um zu verhindern, dass sich China dort festsetzt. Die Briten schafften es auch nicht, da ihre Truppen in Kabul zweimal niedergemacht wurden, worauf sie Afghanistan verliessen. (Also irgendwie erinnert mich Afghanistan so ein bisschen an die Schweiz: Immer dazwischen, wenn nötig isoliert auf einem kargen Berg (Gotthard Reduit) ... und natürlich gerne profitierende von der unkontrollierbaren Situation, hier durch Heroin - dort durch Geldhandel.)
Zur Zeit Krahmers stellten die Tadschiken offenbar das Gros der Mullahs und Steuerbeamten, obwohl die Usbeken die Herrschaftsschicht bildeten. Die Begründung lautet genau so, wie sie heute in der Wirtschaft gilt - aber verschwiegen wird:
Das Stammesprinzip ist bei ihm nur schwach vertreten, er ist mehr Kosmopolit als der Usbek und Kirgise. Dem entsprechend ist auch in dem Tadjik die Fähigkeit, sich den verschiedenartigen Einflüssen anzupassen, sich dem fremden Joch unterzuordnen, mehr entwickelt. Er ist prahlerisch, aber nicht stolz; er verwendet alle seine Geisteskräfte nur auf das Erwerben und ist nicht wählerisch in den Mitteln, um Reichtümer anzusammeln. [S. 87]
Tja, die überlegene arische Rasse ... überlegen in Unterordnung und Erwerb ... wenn das der Adolf Schicklgruber gewusst hätte, wäre dem 20. JH einiges an arischem Heldenkult erspart geblieben. *
Die Arier sind also nicht wirklich ein Herrenvolk, sondern ein Volk, das weiss, sich mit Herren zu arrangieren, also ein Volk von Dienern. Dieser Aspekt verhalt offensichtlich dem Kapitalismus zum Durchbruch. Der perfekte Diener sucht sich den Herrn, der am besten bezahlt - für die am wenigsten anstrengende Arbeit. Der Auftrag des Herrn ist ihm heilig. Er fragt weder nach Sinn noch nach Berechtigung ... solange er dafür bezahlt wird. Der perfekte Diener kennt keinen Stolz und kein Selbstbewusstsein - er ist das ideale Werkzeug in der Hand seines Herrn.
Getrimmt auf "Produktionsgesinnung" kann dieses System zu einem faschistoiden ausgebaut werden, in dem alle Kräfte nur auf ein Ziel, einen Wert, eine Richtung ausgerichtet werden: Dem Erwerb von mehr, immer mehr. Nur wenige herrschen (eigentlich niemand, denn das Geld herrscht ja) - aber alle werden beherrscht und die Untertänigkeit der gehorsamen Massen ist gesichert.
Dies galt damals auch für die Bauern: Unterwürfig, feig und gehorsam, wenn sie auf Stärke stiessen - arrogant und brutal, wenn sie schwächeren begegneten. Das selbe Prinzip findet sich heute in jedem Betrieb. Es wird heute "Mobbing" genannt.
Die mittelasiatischen Despoten, wenn sie auch ihrer Herkunft nach Usbeken waren, gaben von jeher den Tadjiks, als den gewandteren, unerwürfigeren Leuten, welche fähig waren, sich über die Interessen des Vaterlandes zu Gunsten des Chan oder Emirs hinwegzusetzen, den Vorzug. ... Die Tadjiks kennen ihr auf Geld beruhende Macht, wie auch ihr Uebergewicht über die Usbeken in industrieller Beziehung. Dem Islam gegenüber sind sie ziemlich indifferent. (Auch heute noch ist in und aus Tadjikistan kaum islamischer Fundamentalismus zu erwarten.)
Auch hier eine präzise Charakterisierung der Anforderungen an einen heutigen Manager, der in erster Linie den Job übernehmen muss, die Interessen des Auftraggebers zu vertreten. Eigene Person, Familie, Gemeinde, Staat haben hintan zu stehen. Interessanterweise treffen beide Punkte, die hier einer arischen Rasse zugeschrieben werden, so eigentlich auch voll auf die Juden zu ... Vielleicht liegt das Problem eher darin, dass man sich zu ähnlich war/ist, als auf Grund der Unterschiede ...
Der Unterschied zum westlichen Kapitalismus liegt dann aber doch in der Leistung **. Während das Streben nach Geld bei Tadschiken (wie Arabern) sehr dominant ist, ist es ein eher diffuses Streben, das nie in Unterordnung der ganzen Person unter das Diktat der Produktivität endet. Ein Ansatz der von Weber als "Abenteuerkapitalismus" beschrieben wurde, der eben so mit Abwarten wie mit überraschenden Attacken arbeitet, nicht aber mit kontinuierlicher, dauernder Arbeit, da die Musse hier weitaus höher geschätzt wird als im Norden. Hitler und Konsorten vermischten also die Arier ganz offensichtlich mit der "nordischen Rasse" .... zu etwas, was nicht so weit weg ist vom Idealbild des Homo oeconomicus, der immer be-rechnet.

Eric Voegelins politiktheoretisches Denken in den Frühschriften. DISSERTATION Andreas Krasemann
* Abgesehen davon, dass die Aussage nicht stimmt. Prompt nach der Unabhängigkeit von Russland setzten Stammeskriege ein (alias Bürgergkieg) ... wobei es allerdings auch weniger um die Loyalität zum eigenen Stamm ging, als darum, wer wie viel von den "Weg(lagerer)Zöllen" kriegt, die hier von den Heroinschmugglern erhoben werden, und wer in Duschanbe das Sagen hat. Aber diesen Tribalismus kennen wir ja auch.
** Falls Sie sich den Link angesehen haben, ist Ihnen vermutlich ebenfalls klar geworden, dass auch zweitere Definition des Nordischen Herrenmenschen diesen nicht aus dem tadschikisch-arischen Anpassertum rettet, denn Leistung erfordert präzise die selbe unterwürfige Einstellung: Das Übernehmen eines fremdbestimmten Auftrags und damit einer von ausserhalb des eigenen ichs kommenden Wertung. Als der Schuster noch bei seinen Leisten blieb, diente der Beruf als Identität und man war stolz darauf. Heute, wo Flexibilität zählt, gehen Identität, Moral und Charakter unter. Man macht eben, was (gut) bezahlt ist.
K-H. Donath hat (in: Das Verhältnis der regionalen
Eliten im Kaukasus zu Moskau. Mathes Buhbe, Gabriele Gorzka (Hrsg):
Russland heute. Zentralisierung des Staates unter Putin. VS Verlag für
Sozialwissenschaften. Wiesbaden 2007) die Merkmale aufgeführt, die
diesen besonderen, klassisch-tribalen Herrschaftstyp prägen - und
besonders hier, in Zentralasien auftreten:
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| Der Fedchenko Gletscher ist mit 77 km Länge und über 900 qkm der längste ausserpolare Gletscher der Erde. |
1872-73 wurden auch die Grenzen zu China festgelegt, aber nur bis zum Pamir.
1873 wurde ein Friede zwischen Chiwa und Russland geschlossen. Der Chan wurde wieder eingesetzt - aber als Vasall Russlands. 1884 erklärten die Bewohner von Merw sich "freiwillig" (Anführungszeichen in Originaltext) zu russischen Untertanen.
1885 griff Generalleutnant Komarow am Murg-Hab an, nachdem seiner Forderung nach Räumung des linken Ufers des Kuschflusses nicht stattgegeben wurde. Danach nahmen die Verhandlungen zwischen England und Russland scharfen Charakter an und zogen sich in die Länge, bis endlich 1887 die Grenze festgelegt wurde.
Der Emir von Afghanistan räumte das rechte Ufer des Pjandsh, der Emir von Buchara das linke. Tadschikistan gab es damals offenbar nicht ... es wurde erst 1924 geschaffen als autonome Sovietrepublik innerhalb Usbekistans.
Badachschan (heute die östliche Hälfte Tadschikistans, praktisch vollständig Gebirgsland des Pamir) hingegen war von den Afghanen in Besitz genommen worden, was gar nicht im Interesse Russlands lag.
Das heisst aber, dass sogar in diesem entlegenen Winkel am A... der Welt (ich war dort ...) die Grenzen von Kolonisatoren bestimmt wurden, also hier von England.
Nachdem der letzte Emir von Buchara Said Alim Khan aus der Stadt Buchara vor den Bolschewiki fliehen musste, ließ er sich 1920 in Duschanbe nieder und machte die Stadt zu seiner Residenz. Nach vier Monaten sah er sich gezwungen unter dem Ansturm der Bolschewiki Duschanbe zu verlassen.
Ende 1921 belagerten die Basmatschi-Truppen unter der Führung Ismail Envers (Enver Pascha) die Stadt. Im Februar 1922 wurde die Stadt von den Basmatschi-Truppen eingenommen. Am 14. Juli 1922 wurde die Stadt wieder von den Bolschewiki erobert und zur Hauptstadt der tadschikischen autonomen sozialistischen Sowjetrepublik erklärt.
Pamir bedeutet auftürkisch-tatarisch (osttürkisch/zentralasiatisch-türkisch)
unbewohnte Wildnis. Von der lokalen Bevölkerung (die zwar einen persischen
Dialekt spricht ...) wird er Bam i Duhniah, das Dach der Welt genannt.
(Tibet, das diesen Ausdruck inzwischen gepachtet hat, ist ja nicht weit weg, und
der Pik Communism
ist mit 7495 m auch nicht grad als Hügel zu bezeichnen. Gerade diese
Unzugänglichkeit macht den Pamir zum Idealen Weg für das meiste Heroin aus
Afghanistan, an dem hier viele mitverdienen.
Die Städte und damit der Grossteil der Bevölkerung befindet sich allerdings a) im westlichen Teil des Landes, der nicht gar so gebirgig ist, und b) wie fast überall, in den Tälern.
Zentralasien ist der Ursprungsort vieler unserer beliebtesten Früchte und Nüsse. Baumnüsse, Mandeln und Pistazien bilden hier ganze Wälder. Pfirsiche, Aprikosen, Aepfel, Pflaumen gedeihen auch in der Wildnis - werden aber natürlich vor allem in Obstgärten gehegt. Bis anhin waren die Exportmöglichkeiten sehr beschränkt, da die Verkehrsverbindungen gelinde gesagt lausig sind. Dazu kommen die katastrophalen Zölle. Um Holz aus Sibirien rüber zu holen brauchte es vor 10 Jahren gut ein Jahr. Obs heute besser ist weiss ich nicht, aber ich hab da einige Zweifel. Ideal für Tadschikistan wie Kirgisien wäre es, wenn Nussbaumholz, von dem es wie gesagt ganze Wälder gibt, in das holzhungrige Indien, vor allem die in das mit begabten Schnitzern und Tischlern gesegnete Kashmir.
Kashmir
ist von Tadschikistan eigentlich bloss durch den Wakhan-Korridor getrennt, der
Afghanistan mit China verbindet, Tadschikistan von Pakistan trennt, und einen
ganzen Volksstamm (Wakhi,
) mit seinen Weidegründen isoliert hat. Na ja ... der Handel mit Heroin bringt
eh mehr ...
Wichtigstes Produkt gesamt Zentralasiens aber war und ist die Baumwolle, deren Bewässerung der Hauptgrund ist, warum der Aralsee heute bald trocken liegt.

Der Peak Communism, höchster Gipfel des Pamir, wurde
offenbar umbenannt in Revolution Peak und mit 6940müM auch zu
einem "unter7000er erniedrigt. Der Fedschenko-Gletscher ist allerdings immer
noch der Welt längster, nicht zirkumpolare Gletscher.
[Auszug aus der von Gecko-Maps
herausgegebenen Karte "The Pamirs"]
Die starke Zunahme des Bauwollanbaus setzte bereits um 1900 ein, nicht erst mit den Zwangsumsiedlungen durch Stalin.
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Die Statistiken sind etwas diffus, also nicht überinterpretieren (Der Absturz zwischen 1987 und 2000 könnte auch ganz einfach daran liegen, dass zuvor die Kolchosen für die "angegebene" Produktion bezahlt wurden ... nachher bloss für das, was sie am Markt effektiv ablieferten. ... für präzisere Angaben s. World Supply/Demand Summary:
Uzbekistan
The country of Uzbekistan is the fifth largest producer of cotton in the world (nach China, USA, Indien und Pakistan), with average production of 1,142 TMT. However, since Uzbekistan is a sparsely populated nation, consumption averages only 183 TMT, while exports are a whopping 938 TMT, making Uzbekistan the second largest cotton exporter in the world. Average imports are an insignificant 1 TMT.
Schweizer Firmen, vor allem Paul Reinhard, vermarkten rund ein Drittel der usbekischen Baumwolle. Unterstützt werden die Produzenten auch von der CS. Der "Reichtum" fliesst allerdings in die staatlichen Handelsfirmen und in die Taschen derjenigen, die sich dort was in die eigene Tasche abzweigen können (weshalb die Hauptstadt Usbekistans vielleicht Tasch-kennt heisst. richtig wäre: "steinige Stadt", also stein-reich).
Die andern Zentralasiatischen Produzenten fehlen leider.
Die Graphik rechts zeigt
den dominierenden Einfluss, den die USA auf den Baumwollmarkt haben. Seit Mitte
des 19. JH exportieren die USA billige Baumwolle. Damals billig, weil von
Sklaven geerntet und verarbeitet, heute billig, weil staatlich subventioniert
mit 4 Milliarden $/Jahr. Dabei fliessen 80% der Subventionen an die 10% grössten
und reichsten Produzenten. Die Ueberproduktion der USA drückt den Weltmarktpreis
um durchschnittlich 12% (bis 30%)
1878 gründete der schwedische Ingenieur Alfred B. Nobel (1833-1896), der selbe der das Dynamit erfand und den Nobelpreis stiftete (der also zum Teil mit Geld aus Zentralasien finanziert wird.) mit seinen Brüdern in Russland u. a. die „Naphtha-Gesellschaft Gebrüder Nobel“ zur Ausbeutung der Erdölfelder bei Baku. Auf seinen Vorschlag hin wurde 1883 die erste große Ölpipeline vom Kaspischen zum Schwarzen Meer gebaut. Bis heute dominiert dieser Transportweg.
Die Verteilung der US-Militärbasen in Zentralasien, von denen allerdings einige (Usbekistan) bereits wieder aufgegeben werden mussten, "der Schutz" in andern Ländern mit dem Erzfeind Russland sogar geteilt wird(Kirgisien), zeigen, wie stark das geopolitische ("energetische") Interesse heute an der Region ist - und wie bedrohlich nahe die USA nicht nur Russland sondern auch China kommen, speziell in Kirgisien.

Die Karte stammt von 2002, weshalb die enorme Präsenz die heute im Irak herrscht, und die in Saudi-Arabien ablösen soll, noch nicht aufgeführt ist. Die Basis im östlichen Jordanien, nahe der Grenze zum Irak, ist eh auf keiner Karte zu finden ...

Hier wird auch gleich ein bisschen deutlicher, warum der Iran heute der grosse Teufel ist ... aus US-Sicht (und es dürfte auch hier nicht bloss an "Massenvernichtungswaffen" liegen ...).
Martin Herzog, Basel, 10.7.07