Russland
heute: Über die Oligarchie zum bürokratischen Staatskapitalismus der
Kreml-GmbH Putins_____________________________________________________
[Mit Links und eigenen Texten zur Vertiefung spezifischer Themen]
[Roger Bartlett: A History of Russia. palgrave mcmillan.
Hampshire. NY. 2005
Georg Krahmer: Russland in Mittelasien. Reprint
Leipzig 1897
dtv-Atlas der Weltgeschichte. 37. Aufl. 2004]
Russland war immer ein Frontstaat, also immer nebst dem oft "harten" (diktatorischen, selbstherrschenden = zaristischen -und damit selbstherrlichen) Kern, stark an dem orientiert, was sich an seinen Grenzen tat. Im 13. JH: von den Mongolen überrannt, überrannte es diese selbst in der zweiten Hälfte des 19. JH. Im 20. JH wurde Russland von der Westlichen Welt als Paria (vor dem man übertriebene Angst schürte) isoliert ...
Das spätere Russische Imperium entstand aus zwei Kernbereichen, Nowgorod und Kiew (das bereots im 11. und 12. Jahrhundert war Kiew bereits eine der größten Städte Europas (etwa 50.000 Einwohner).:
Zwischen 800 und 850 bildeten die schwedischen Wikinger im Gebiet des Ladogasees als kriegerische Kaufleute (Handelsroute über Kiew nach Griechenland) Herrschaftsgebiete (Gardarike) mit festen Burgen inmitten der slavischen Stämme. Einerseits. Andererseits wurden die schwedischen Waräger (nach Rurik) auch von den ansässigen finnischen und slavischen Stämmen ins Land geholt, um von Nowgorod aus den Norden zu einigen. Oleg der Weise vereinigte dann bereits gegen Ende des 9. JH Nowgorod mit Kiew - von dem es sich eigentlich hatte abspalten wollen. Kiew seinerseits gelingt es, die unterschiedlichen Kulturen unter dem byzantinischen Christentum zu einigen. Auch hier berbindet sich der Staat mit de Kirche: Macht gegen Schutz. Im Orthodoxen Raum genau so wie im Papstgebiet. Die Kirche heiligt den Zar - der Zar die Kirche. Moskau wird 1147 erstmals erwähnt. Es ist günstig gelegen - und durch Wälder geschützt - weshalb es den Russen vermutlich früher gelang, die unzugänglichen nördlichen Waldgebiete Asiens (= Sibirien) zu erobern als die offenen, zentralen Steppen, die militärisch eigentlich leichter zu überrollen wären.
Im 13. Jahrhundert (ab 1245 total) herrschen in ganz Russland die Mongolen (fälschlicherweise Tataren (turkstämmig) genannt), speziell die Goldene Horde mit Sitz in Saraj. Die totale Unterwerfung zerstörte bereits zum 1. Mal alle Menschlichkeit und isolierte Russland von Europa.
Im
Westen wird im 14./15. JH
Litauen zur
Grossmacht, einerseits durch die Schwächung Russlands, andererseits durch die
Union mit Polen.
Iwand III, der Grosse (1462-1505), der Selbstbeherrscher (Zar) von ganz Russland, baut den Kreml (= Burg). Die autokratische Staatsidee baut auf dem Mythos der rechtgläubigen Verteidigung des rechten Glaubens und der Wiederherstellung der Glorie des Römischen Reiches, des Dritten Roms.
Der "Sammler russischer Länder", erweitert das Herrschaftsgebiet bereits auf ¨über 1 Million km2
1478 vernichtet er die Republik Nowgorod - die mit Litauen einen Vertrag geschlossen hatte, was Iwan aufs äusserste erzürnte.
1480 Lösung aus der Oberhoheit der Goldenen Horde
1533-84: Iwan IV Grozny (Der Schreckliche( eigentlich bloss Der Strenge):
1. Autokratische Herrschaft:
Da er als Kind die Demütigungen, Intrigen und Gewalttaten sich bekämpfender Adeliger erlebt hat, setzt er ab 1547 (Krönung) ebenfalls auf absolute Autokratie, also Zarentum. Hier liegt der "positive" Ursprung autoritärer Regimes, die ihre Untertanen vor missbräuchlichen Mediären bewahren wollen und lieber als "Starker Mann" die Verantwortung übernehmen. Dies ist das Ideal fast aller Rechtsparteien.
2. Treue( =unterwürfige) Diener:
Aber auch die optimale Verfassung eines staats- oder wirtschaftsdieners entwickelt sich bereits damals:
Dazu gehören auch die "Dienenden", die Boyaren, die Adligen. Diese hatten seit altem das Recht, sich ihre Herren selbst auszusuchen ... denen sie sich unterwerfen wollten. Sie konnten sich relativ frei von einem Warägerhof zum andern bewegen ... während dem das Volk noch im 19. JH einen Pass brauchte, wollte es nur mal die Gegend wechseln - und im 20. JH kaum mehr eine Chance kriegte, überhaupt das Land zu verlassen (vergleichbar dem heutigen Angestellten.).
3. Die Bildung einer Herrschaftskaste (Elite):
Ein siegreiches Fürstentum zog "willige" Diener an, darunter auch viele Litauer und Adel der Tataren. Sie wurden belohnt durch erbliche Lehen (pomest'e). Damit verbunden war die Gerichtshoheit über die Untertanen, also meist Bauern. Diese Staatsdiener suchten sich mit der Zeit vom "Volk" zu unterscheiden und gaben sich elitär, präzise wie heute die Geldelite sich "distinguiert" gibt. Hier finden wir bereits das seltsame System mit einer Klasse, die dienen will (haben Sie schon mal einen Kandidaten für ein politisches oder wirtschaftliches Amt gehört, der zugibt dass er herrschen will? Ich will dienen - ploddern die alle, besonders die Engländer: I want to serve ...
1552-56 werden zwar Kasan und Astrachan unterworfen. Die Krimtataren unternehmen aber bald einen Gegenstoss, besetzen und verbrennen 1571 Moskau.
1581 beginnt die Eroberung Sibiriens ... per Auftrag an die Händlerfamilie Stroganow (die offenbar mehr geleistet haben, als ein Rezept für Rindsgeschnetzeltes ... s. Boeuf Stroganoff). Die Eroberung Sibiriens durch die Russen war also nichts anderes als die Eroberung Kanadas und Nordamerikas durch die Trapper und Fallensteller, Pelzhändler und Goldsucher ... und unterschied sich auch in der Grausamkeit der Methoden, vor allem der Verachtung der einheimischen Bevölkerung, wenig.. Die Errichtung eines Weltreichs durch das Grossfürstentum Moskau scheitert aber am Krieg um Livland (1558-82). Polen und Schweden verdrängen die Russen aus Livland; Schweden erhält Estland und Ingermanland
1598, mit dem Tode Feodors, erlischt die Dynastie der Waräger.
1613 (mit Michael I)-1762 erst, mit der Herrschaft des Hauses Romanow - kommt das Ende der Zeit der Wirren.
Bis 1610 war Westsibirien bis zum Jenissei "erobert", 1634 Jarkutsk (Grenze zu Ostsibirien), 1644 die Mandschurei (nur Streifzüge, keine Besetzung, do Sachalin), Irkutsk 1652 und 1679 die Kamtschatka.
Hilfreich dabei waren die Kosaken, meist entflohene Leibeigene die selbst militärische Gruppierungen bildeten und einen Führer wählten (Milizen würde man dem heute wohl sagen). Seit dem 15. JH anerkannte der Zar diese und setzte sie ein zum Grenzschutz gegen Türken, Tataren, Polen.
Im 17. JH wurde die Orthodoxe Kirche etwas fundamentalistisch und fremdenfeindlich. Sogar das Schneiden der Bärte wurde als Verstümmelung des Abbilds Gottes betrachtet (der also offenbar bärtig sein muss). Die Ausländer, für diesmal nicht bloss Juden, wurden in speziellen Quartieren Moskaus abgesondert. Zar Alexei verbot 1675 sogar das Tragen ausländischer Mode und das Haareschneiden. Vermutlich muss man Peters Europäisierungscampagne, in der dann umgekehrt die Haare zwangsweise geschnitten und europäischer Dress und Manieren (politesse) obligat wurde - ein bisschen unter dem Lichte dieses Extremismus betrachten.
Ab 1727 wird Sibirien zum Verbannungsort (Straflager/Gulag) für Verbrecher und politische Gefangene ... so wie Nordamerika und später Australien für die Europäer/Engländer. Man sollte nicht vergessen, das noch bis Ende des 19. JH. auch viele Schweizer Gemeinden ihre Vagabunden, Asoziale und Arbeitslosen lieber in die USA schickten (Billet einfach), als sie zu Reintegrieren.
Peter der Grosse 1672-1725): Betreibt eine forcierte und gewaltsame Europäisierung Russlands.
1725-1740: Katharina die Grosse - die deutsche Herrschaft über Russland. Warum sie "die Grosse" genannt wird, ist etwas schleierhaft, denn sie war machtgierig, kriegslüstern, selbstherrlich und sexbesessen. Der Hof verbrauchte unter ihrer Herrschaft bis zu 50% der Staatseinnahmen, währenddem sich die Situation der Bauern unter der Willkür des Adels verschlechterte, was zu den Bauernunruhen und dem Kosakenaufstand von 1773/74 führt.
1755: Gründung der Universität Moskau, Pläne für Volksschulen und Gymnasien - die auf Grund fehlender gebildeter Bürger scheitern.
1762 folgt die Dynastie der Romanow-Holstein-Gottorp (Sauschwaben würden die Schweizer sagen ... für die Russen war deutsche Abstammung auch ab und zu ein Grund, die betreffenden zu ... äh, zumindest nicht so hoch zu schätzen)
Einerseits ... andererseits baute Katharina II. den Machtbereich Russlands in einem Maße aus wie kein russischer Herrscher vor ihr. In zwei russisch-türkischen Kriegen 1768–1774 sowie1787–1792 eroberte sie den Zugang zum Schwarzen Meer und weite Küstengebiete. Im Ergebnis der drei Teilungen Polens gewann Russland 1 Million km² Landgebiete und 6 Millionen Menschen dazu.
Ab 1770 Eroberung des Kaukasus. Bis 1810 ist der gesamte Transkaukasien ( Armenien, Georgien und Aserbaidschan) russisch. Damit hatten sich die Russen nicht bloss zum ersten Mal das Problem mit dem Islam ins Land geholt (s. Zentralasien), sondern eines der vermutlich komplexesten ethnisch-sprachlichen Gebiete Europas eingenommen (Abessinien ist ein bisschen ähnlich mit ca. 80 Sprachen ... aber eben weit weg und noch weniger bekannt). s. kaukasische Sprachen
Russisch-Türkischer Krieg (1877–1878) - der letzte vor dem 1. Weltkrieg, der das Ende des Osmanischen Reiches besiegelte. [Linkliste aller Russisch-Türkischen Kriege]Dabei kam es den Russen darauf an, die Bergvölker abzuschließen. Deshalb legte man zwischen dem Kaspischen Meer und dem Schwarzen Meer eine Reihe von Kosaken bevölkerte Siedlungen an, die befestigt wurden. Die so genannte Kaukasische Linie zog sich von der Mündung des Laba den Kuban aufwärts entlang der Malka bis zum Terek und diesen abwärts bis Kisljar. Die so genannte "Tschernomorsche Linie" verlief vom Schwarzen Meer entlang dem Kuban bis zu Labamündung und die Laba aufwärts. 1817 wurden hier die BefestigungenGrosnaja und 1819Wnesapnaja errichtet. In der Folge besetzten die Russen das GebietSchamkal und die KhanateKurin undKasikumuch, dieGroße und dieKleine Kabarda,Akuscha und verwüsteten Tschetschenien. Bis dahin bestand nur eine Verbindung zwischen Cis- und Transkaukasien über die Georgische Heerstraße, die mitten über das Gebiet führte. Damit erreichte man andererseits eine Teilung der Bergvölker
Im Gefolge der Franz. Revolution wird auch in Russland die Gewaltenteilung geplant: Reichsrat und gewählte Duma. Die Europäisierung des Adels nimmt zu. Die Bauern werden fipsig. Erst 1839 wird die Bauernschaft allerdings als Pulverfass beschrieben.
1812 wird Russland von Napoleon angegriffen. Dank der Taktik der verbrannten Erde in diesem "Vaterländischen Krieg" (dem kleinen, der grosse war der 2. Weltkrieg) kostet dies Napoleon den Ruf der Unbesiegbarkeit ... und 2/3 (bis 90%) seiner 400.000 Leute das Leben. Russland wurde damit zur dominanten Streitkraft auf dem europäischen Festland.
1825: Dekabristenaufstand, ein Aufstand der Offiziere gegen das absolutistische Zarenregime.. Erfolglos - aber übre 100 Jahre Vorbild für die aufständische Jugend.
Friedensverhandlungen zu führen.
1852 begann die russische Expansion in Mittelasien mit dem Angriff auf die zu Kokand (eigenständiges Khanat seit 1710) gehörende Festung Aq-mastschid am Syrdarja. 1868 wurde das Emirat von Buchara zur Anerkennung der russischen Oberherrschaft gezwungen. Sie fand 1884 mit der Unterwerfung der Turkmenen und Eroberung von Merw ihren Abschluss. Aufkeimende Spannungen zwischen russischer und englischer Kolonialpolitik verhinderten eine weitere Expansion.
Die Stadt Orenburg, die nun zur Kommandozentrale wurde, war bereits 1743 als Außenposten Russlands an der Grenze zum damals unerschlossenen Asien gegründet worden.
1853-56: Krimkrieg: Der Ruf Russlands als stärkste Landmacht geht hier bereits wieder unter. Die strukturelle und technologische Rückständigkeit Russlands trat klar zu Tage (wie anno 1986 mit Chernobyl ...). Die russische Wirtschaft, wies unter anderem durch die fortdauernde Leibeigenschaft der Kleinbauern und dem daraus resultierenden Mangel an Arbeitskräften einen erheblichen Aufholbedarf in der Industrialisierung auf. Ab 1861 wurde die Leibeigenschaft, von der vor allem Bauern betroffen waren, aufgehoben.
Im Krimkrieg (1853 bis 1856) kam es zu Kampfhandlungen auf dem kaukasischen Kriegsschauplatz zwischen Russland und dem Osmanischen Reich. Für die Verteidigung des armenischen Hochlandes hatten die Osmanen die Armeekorps von Kleinasien, Mesopotamien und ein Teil des Korps von Syrien im Grenzgebiet konzentriert. Am 26. November 1853 schlug General Andronikow mit 10.000 Mann das türkische Hauptkorps beiSuplis in die Flucht. General Bebutow siegte an der Spitze eines Korps der kaukasischen Armee am 1. Dezember 1853 beiKadiklar über Abdi Pascha, wodurch die beabsichtigte Invasion der Türken in das russischeArmenien vereitelt wurde. Am 16. Juni 1854 war Andronikow gegen 30.000 Türken beiOsurgeti erneut erfolgreich und konnte Mingrelien für Russland sichern. Im Juli drang der russische General Wrangel in Bajesid ein. 1855 wurde General Murawjew zum Oberbefehlshaber der kaukasischen Armee ernannt. Dieser marschierte im Juni 1855 im osmanischen Teil Armeniens ein und wurde dort von der Bevölkerung freundlich begrüßt. Mit 40.000 Mann erreichte er die wichtige Festung Kars im Nordosten Anatoliens. Die 30.000 Verteidiger unter dem britischen General Williams konnten den Angriff der Russen jedoch abwehren. Deshalb belagerte Murawjew die Festung von Anfang Juni bis Ende November 1855. Omar-Pascha, der in den Donau-Fürstentümern so erfolgreich war, wurde entsandt, um Kars zu entsetzen. Sein Ablenkungsangriff auf Kutaissi wurde aber durch General Bebutow vereitelt. Am 29. November musste die osmanische Besatzung schließlich aufgrund der schlechten Versorgungslage kapitulieren und Murawjew konnte Kars einnehmen. Dieser Erfolg gestattete Russland trotz des Verlustes von Sewastopol, moderate Friedensverhandlungen.
1860 Die Bauern wurden frei ... aber sie mussten die Eigentümer des Landes entschädigen, also für 49 Jahre einen Grossteil ihrer Erträge abliefern. Auch hier präzise das in ... erwähnte Verfahren: Die Versklavung unter Herren wird durch Schuldensklaverei abgelöst. Dies betraf etwa 90% der Gesellschaft. Die Bauern blieben weiterhin an "ihren" Boden gebunden, den sie weder verkaufen noch verlassen durften. Das feudale System hatte überlebt, in anderer Form.
57 Jahre später, also grad mal 8 Jahre, nachdem sie ihre Schulden abgestottert hatten, wurde das Land dann verstaatlicht. Es wundert so wenig, dass man in Russland wenig Sinn drin sieht, längerfristig zu investieren.
1860: Gründung von Wladiwostok - als Pazifik-Hafen
1867: Verkauf Alaskas an die USA, für 7.2 Millionen $ (da beissen sich die Russen noch heute in den A... vor Aerger ..).
1883-86: Transkaspische Eisenbahn
1891-1904: Transsibirische Eisenbahn.
Mit dem Bau der Eisenbahnen wurde der Transport der (meist landwirtschaftlichen) Güter günstiger, und auch Personen konnten sich leichter fortbewegen. Leichtindustrie fasste Fuss, und baute sofort eher auf Frauen als auf Männer, da diese mit geringerem Lohn zufrieden und zudem leichter zu managen waren.
Wir haben hier ein Problem, dass in der heutigen Diskussion um Gleichstellung völlig untergeht: Frauen erhalten nicht weniger Lohn als Männer weil sie weniger wert sind oder weil ihre Leistung minderwertig ist - sie erhalten weniger Lohn weil sie sich nicht dagegen wehren. Eine Emanzipation, die also von Männern verlangt, den Frauen gleiche Löhne zu garantieren, obwohl diese nicht willens sind, sich selbst dafür zu engagieren, was immer auch ein sich Exponieren beinhaltet, ist eigentlich keine Emanzipation - sondern bloss ein weiterer Antrag auf "Unterschutzstellung" von Schwächeren, also Ungleichen.
Mit der Eisenbahn verbreiteten sich aber auch revolutionäre Ideen rascher, was sich deutlich anhand der Bauern- und anderer Aufstände vor 1914 zeigt. (s. Karte Zentralasien)
Der Panslawismus, in dem viele eine Chance sehen, bindet aber eben a) die Hälfte der Bevölkerung, die nicht slavisch ist, eben nicht mit ein - und b) hielten auch die andern Slaven, die befürchteten, von den Russen dominiert zu werden, nicht all zu viel davon.
1895: Vertrag zwischen Grossbritannien und Russland über ihre Einflussbereiche im Pamir. Auch hier mischen die Kolonialmächte mit bei der Grenzziehung, die fast überall in ehemaligen Kolonien später zu beträchtlichen ethnischen Spannungen führen.
1900: Besetzung der Mandschurei (Boxer Aufstand)
1904/5: Russisch-Japanischer Krieg. Witte erreicht nach Verlust des Krieges doch massvolle Bedingungen: Verzicht auf Korea, Port Arthur und Süd Sachalin.
Die Situation zu Beginn des 20. Jahrhunderts:
Finanzminister Geoffrey Witte: Die Periode von 1849-1915 hat auch Russland, obwohl nicht vom Virus des Liberalismus befallen, in en "Treibhaus des Kapitalismus" verwandelt. Die in Grossbbetrieben konzentrierte Schwerindustrie entwickelt sich bes. durch französisches Kapital in amerikanischem Tempo. Zu geringe Kaufkraft und Staatsverschuldung zwingen zum Export (z.B. 1891 von Getreide trotz Hungersnot); die Gewinne fliessen ins Ausland ab; Rüstungsaufträge fangen Krisen (1899-1903) auf. Das riesige kirchliche Vermögen liegt brach; die befreiten Bauern sind hoffnungslos verschuldet. Zu geringe Landzuteilung, Steuern, Bevölkerungsanstieg (1880: 98 Millionen, 1914: 175 Millionen) bewirken die Bildung eines Proletariats.
Die Revolution:
Bolschewiken (Mehrheit): Die Mehrheit bezieht sich auf den 2. Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) 1903 in London, wo die Mehrheit den Zaren stürzen und die Diktatur (des Proletariats, leider missverstanden später als Diktatur einiger Proleten) einführen wollten, während die Menschewiki, die Minderheit, meist aus Sozialanarchisten wie Leo Trotzki.und Peter Kropotkin (wiki), eine Reform und auf keinen Fall eine Diktatur irgend welcher Art wollten. Die Spaltung hatte sich weiter aufgebaut seit der Querele zwischen Marx (Das Elend der Philosophie - Die Philosophie der Tat) als Antwort auf Proudhons: Die Philosophie des Elends. Für die echten Kommunisten waren die Anarchisten Kleinbürger ... aber sie strebten halt nach Grossem.
Damit begann, statt einer freien Umformung der Gesellschaft, das gigantischste autoritäre social engineering (Gesellschaftsgestaltung) der Weltgeschichte ... vor der Kulturrevolution in China ... und natürlich der Kulturrevolution des Westens, in der alle Werte durch Geldwert ersetzt werden:
Diese westliche Kulturrevolution machte, in Ermangelung produktiver Alternativen, die Opfer zu Tätern. Die Arbeitnehmer wurden für alle Probleme verantwortlich erklärt: Für die mangelnde Flexibilität bürokratisierter Betriebe, die Teilnahmslosigkeit hierarchisch eingespannter Arbeitnehmer, die fehlende Kundenorientierung, bürokratische Apathie, mangelnde Innovationskraft. Die Arbeitnehmer sind zu faul, zu dumm, zu unflexibel und zu teuer ...
1917: Oktoberrevolution
Zumindest 1 Erfolg war die Alphabetisierung: 1897 konnten 40% der 9-48-jährigen lesen (49 war vermutlich gerade etwa die Lebenserwartung), 1926 bereits 70% (ein Wert der heute in vielen arabischen Staaten, den ärmeren natürlich, immer noch nicht überschritten wird), und1939 dann 96%. - Ab 1930 wurde die primäre Schulausbildung obligatorisch. Wer denkt, da seien wir aber viel besser, der irrt: 1989 betrug die Zahl der funktionalen Analphabeten in den westl. Industrieländern laut UNO-Angaben ca. 5%. Im Internat. Alphabetisierungsjahr der UNO (1990) schätzte die Unesco die Zahl der funktionalen Analphabeten in der Schweiz -- bei einer verm. hohen Dunkelziffer -- auf gegen 30'000. Gemäss einer OECD-Studie besassen 1995 in der Schweiz 13-19% der Erwachsenen zu geringe Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten, um den Erfordernissen der Arbeit und des Alltags zu genügen.
Der Rest ist dann Geschichte der UDSSR, die sie sonstwo nachlesen können, mit "Höhepunkten" wie dem Stalinismus,
Der 2. Weltkrieg:
Der "Grossen Vaterländischen Krieg", der 25-27 Millionen Russen das Leben kostete (19 Millionen Soldaten (34.5 Millionen waren mobilisiert worden!) von insgesamt 27 Millionen weltweit und 7.5 Millionen Zivilisten von insgesamt 27 Millionen (8 Millionen in China, Werk der Japaner; 6 Millionen in Polen, hier vor allem Juden, von denen total 6 Millionen ermordet wurden. Obwohl sich dieses bewusst organisierte Genozid vom Kriegstod der Russen unterscheidet, sollte man ob dem Dauergeplärr über 3 Millionen Juden (hinter dem sich Israel jedes mal versteckt, wenn es selbst die Palästinenser plagt) vielleicht 25 Millionen Russen doch nicht sooo vernachlässigen ... Ein solcher Verlust prägt ein Land.). (s. Opfer des 2. Weltkrieges). 1934 war übrigens die Judenrepublik Birobidshan im fernsten Osten gegründet wurden, die aber derart im Busch lag, dass die Juden doch lieber auswanderten.
In Russland wie in Deutschland (7 Millionen) wurden Gefangene zur Zwangsarbeit ausgenutzt und überlebten dies oft nicht. Wer als Russe überlebte, riskierte bei der Heimkehr von den eigenen Leuten erschossen zu werden, da es als Feigheit galt, sich gefangen nehmen zu lassen.
Wie sich heute so langsam zeigt, waren aber auch die USA nicht die hehren selbstlosen Helden, als die sie sich so gerne geben. Sie führten, was neuste Forschung zeigt, offensichtlich viele Folterexperimente der Deutschen, mit den Nazifachkräften als Berater, mit Nazis und Russen als Versuchsojekten, noch weiter bis mindestens 1953 ... wo die Operation Artischocke umbenannt wurde in MKULTRA (s. insbesondere auch Olson Affäre).
Auch hier war, wie damals Moskau für Napoleon, Stalingrad (31.1.1943) der Ort, an dem sich Hitlers Schicksal wendete. Der Mythos von der Unbesiegbarkeit der deutschen Kriegsmaschine war widerlegt. Die Russen rollten nun die Front rückwärts wieder auf, Richtung Westen. Die zweite Front, von Frankreich her, wurde erst mit der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 eröffnet.
Politisch unterschied sich die UDSSR eigentlich nicht so sehr vom Zarenreich, wie man das annehmen könnte. Es herrschte präzise das selbe Prinzip der Selbstherrschaft des Zarentums. Insbesondere Stalin stand Iwan dem Schrecklichen in Sachen Grausamkeit wohl kaum hintan. In diesem System, eigentlich wie in allen tribalen Systemen, sind Menschen (Führer natürlich, nicht die Regierten, das Volk) wichtiger als Gesetze und Institutionen. Was zählte waren Beziehungen und Patronage-Netzwerke (... also eigentlich präzise wie heute fast überall ...). Problematisch war dabei einzig, dass die Provinzgouverneure und andere lokale Eliten ihr eigenes Süppchen kochten und sich oft weigerten, der Zentralregierung den gehörigen Respekt (und Tribut) zu zahlen. Damit hörte Stalin auf - mit eiserner Faust. Heute herrscht wieder präzise das selbe Problem (s. #) Die herrschende Klasse, die Nomenklatura bildete eine Elite, die vorwiegend ihre eigenen Interessen verfolgte. (Auch hierin unterscheidet sich der Zarismus ja eigentlich wenig von den USA ... oder sogar der Schweiz.)
Für das Volk war die erste Regel: Überleben - was zu endlosem aber meist erfolgreichem Durchwursteln mit Dealen und "Mischeln" führte, nicht aber zur erwünschten planbaren Wirtschaft. In Rumänien z.B. waren ja die hochwertigen Nahrungsmittel dem Export vorbehalten. So konnte man z.B. den excellenten Salam de Sibiu, eine sog. Sommersalami, weil sie auch im Sommer haltbar war, sich in Sibiu/Herrmanstadt nur beschaffen, wenn man jemanden in der Fabrik kannte ... und einen Preis zahlte, der deutlich über dem im Westen zu bezahlenden lag. Da der Lohn nicht ausreichte um zu Leben, entwickelte sich der graue Arbeitsmarkt. Der Chef drückte ein Auge zu, wenn man bei der Arbeit fehlte ... aber ihm dafür sein Auto reparierte oder ähnliches.
Parteichefs der KPDSU die Post- oder besser Neo-Zaren der UDSSR:
DAS ungelöste Problem ist, dass auch in der freien Marktwirtschaft die Kräfte nie gleich und damit gleich berechtig sind, sondern dass sich auch im freien Markt Macht akkumulieren - und den Markt beherrschen kann, wobei es nicht bloss um Monopole und ähnliche Strukturen geht, sondern generell um das Netzwerkproblem: Das Netzwerk kümmert sich nur um das Netz - für die Löcher ist niemand zuständig ... was eben wenn mans systematisch nach wirtschaftlicher Logik durchzieht, zur "opimalen" Pareto-Verteilung, also zur 80/20-Gesellschaft führt. Das ist das resultat wirtschaflicher Optimierung - wenn der Staat nicht seinen Zweck erfüllt und die Politik ihre Aufgabe (s. Hauptzweck des Staates):
Die gerechte Vermittlung zwischen individuellen und gemeinschaftlichen Interessen durch Information, Koordination und Regulation
Die Kuba-Krise - Hier ist äusserst seltsam, dass diese Krise meist den Russen - und dem politisch ungeschickten Verhalten von Chruschtschow (der sich gerne als "Praktiker" bezeichnete und wie die meisten dieser Sorte etwas gegen Theoretiker hatte) in die Schuhe geschoben wird. (Wiki bildet hier eine löbliche Ausnahme). Denn die Platzierung von Atomraketen auf Kuba war nicht primäre Ursache - sondern bereits Antwort auf die Stationierung von US-Langstreckenraketen in der Osttürkei, also an der Russischen Grenze. Unter dem Gesichtspunkt war die Reaktion also absolut verständlich und eigentlich gerechtfertigt - und die Verursacher und Förderer des Kalten Krieges nicht die Russen, sondern die USA.
Bereits mit Breshnew herrscht eigentlich eine Gerontokratie, die mit den folgenden zwei Präsidenten, die wirklich ihr letztes Lebensjahr Präsident waren (ohne Gewalteinwirkung!) auf die Spitze getrieben wird. Offenbar war "der wahre Geist des Kommunismus", wie ihn Stalin in Beton gegossen hatte, bereits am verluften. (Da sich in den USA mit Reagan präzise das Selbe abspielte, darf man sich fragen, ob hier "der wahre Geist des Kapitalismus" wohl eben so sehr am "verluften" war ..)

[Manuel Castells: Jahrtausendwende. Das Informationszeitalter III. Leske + Budrich, Opladen 2003. S. 11]
Anfang 1987 wurde die Grundlagen für erste private Unternehmungsgründungen gelegt. Die Kooperativen sollten nur kleine Betriebe sein, um die Nachfrage zu decken und die großen Mängel der sowjetischen Wirtschaft im Lokalen zu lindern. Nach dieser Initialzündung entstanden überall im Lande Bäckereien, Reparaturwerkstätten, Wäschereien, Restaurants aber auch Finanzgesellschaften und Wechselstuben. Bis zum 1.1. 1990 entstanden auf diese Weise ca. 200 000 Kooperativen
Die größten Gewinne wurden im Handelsbereich erzielt. Meist sehr junge, energische Händler oder Bürokraten mit guten Verbindungen erkannten äußerst lukrative Nischen für schnelle und hohe Profite. Sie importierten Computer und andere Mangelprodukten oder sie exportierten Bodenschätze ins Ausland. Sie kauften Produkte zu sehr niedrigen, subventionierten sowjetischen Preisen auf und verkauften dann zu Weltmarktpreisen.
Viele der späteren Oligarchen waren zu dieser Zeit Mitglieder der kommunistischen Jugendorganisation KOMSOMOL, die zum Teil exklusive Rechte für die Gründung von Privatfirmen erhielt und die einige Komosomolskis zu nutzen wussten.
Ab Juni 1990 wurden dann die Gesellschaftsformen der GmbH und der Aktiengesellschaft geschaffen. Nun war es möglich, Staatsunternehmen in Aktiengesellschaften umzuwandeln und zu privatisieren. Dies bot den sowjetischen Managern der Großkonzerne enorme Bereicherungsmöglichkeiten. Viele dieser "Roten Direktoren" privatisierten ihre Staatskonzerne in die eigenen Hände.
[Russisch Monopoly. Wie entstanden Rußlands große Vermögen? Jelzin und die Oligarchen]
Im Juni 1990 wurde in Rußland die rechtliche Grundlage für die Umwandlung von Staatsunternehmen in Aktiengesellschaften geschaffen. Die traditionell eng verflochtene Leitungsebene von Unternehmensdirektoren und Ministerien nutzte gerade in den Rohstoffbranchen ihre Beziehungen und ihr Insiderwissen, um ihre Unternehmen in ihre Hand zu privatisieren. Paradebeispiele dafür sind die Konzerne Gazprom, Lukoil und Surgutneftegaz. Im Gegensatz zu später privatisierten Ölkonzernen wie Yukos und Sibneft zeichnen sich diese Ölkonzerne, die vom alten Management kontrolliert werden, durch eine konservative und langfristige Investitionsstrategie aus. Einzig der Rosneft-Konzern liegt noch zu 100% in staatlichen Händen.
[Russisch Monopoly. Wie entstanden Rußlands große Vermögen? Öl und Gas]
Augustputsch
1991: Die alte Elite der KPDSU versuchte Gorbatschov abzusetzen. Jelzin
vermochte die Armee auf seine Seite zu bringen. Das war das Ende der
konservativen Kräfte und der KPDSU, die bald verboten wurde. Eine Republik
nach der andern gab den Austritt, als erste die Ukraine mit 90% der Stimmen,
und die nun ehemalige UDSSR wurde reduziert zur
Russischen
Föderation. Jelzin organisierte aber sofort ein Bündnis zwischen den
mehrheitlich slavischen Staaten
Russland,
Weissrussland und
Ukraine. Bald schlossen
sich 8 weitere an und bildeten die
GUS,
die Gemeinschaft unabhängiger Staaten. Die Graphik rechts (anklicken)
zeigt überaus deutlich, wie komplex die Strukturen waren und sind. Nur die
Baltischen Staaten (Estland, Lettland und Litauen) und Georgien setzten sich
völlig ab.| Perioden: 1990-91: sowjetische Phase der späten Perestrojka |
Boris Yeltsin (Jelzin - D) (1991-99): Wodka wird salonfähig. Verbot der Kommunistischen Partei (KPDSU). Bereits 1990 wurde aber die Kommunistische Partei der Russischen Föderation gegründet, die allerdings in der Duma und in der Bevölkerung eine eher schwache Position einnimmt, da sie vor allem die Interessen der "alten Kommunisten" vertritt und noch heute orthodox-marxistisch daher kommt..
Schlüsselfiguren der "Jelzin-Family" waren einige Politiker und Geschäftsleute, die in den Jahren 1998 und 1999 den Zugang zum Präsidenten kontrollierten und somit seine Politik weitgehend beeinflussen konnte.
- Anatoli Tschubais (Jelzins Wahlkampfmanager und ehemaliger Administrationschef, Reformer)
- Boris Beresowski (Berüchigter Oligarch und Strippenzieher)
- Wladimir Gussinski (Oligarch, der durch einen beispiellosen Einsatz seiner Medien die Wiederwahl Jelzins sichern half).
- Pavel Borodin (er verwaltete das nicht unbeträchtliche Vermögen der Präsidialverwaltung)
- Roman Abramowitsch (Sibneft Oil, RUSAL Aluminium)
- Alexander Mamut (MDM-Bank, Finanzier der "Family")
- Alexander Woloschin (Leiter der Präsidialkanzlei)
[Russisch Monopoly. Wie entstanden Rußlands große Vermögen? Jelzin und die Oligarchen]
Wirtschaftswachstum unter Putin (nach Wolfram Schrettl in Mathes Buhbe, Gabriele Gorzka (Hrsg): Russland heute. Zentralisierung des Staates unter Putin. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden 2007. S. 155-160]: Wirtschaftswachstum (BIP + 7%) und die Investitionen (+ 10% - pro Jahr!) nahmen nach 1999 rasant zu. Dies war allerdings weniger Putins Geschick, sondern politischen Fehlern zu verdanken, die zu einer unfreiwilligen Abwertung des Rubels, damit zu einer relativen Senkung der Lohnkosten - und Steigerung der Unternehmensgewinne führte. (Genau wie in China lässt sich dies aber nicht auf Dauer durchhalten. Der IMF hat bereits eine Aufwertung oder gar eine Flexibilisierung des Wechselkurses gefordert.). Bei 140 Millionen Einwohnern gibt es in Russland heute schon 100 Millionen Handys. Der Zuwachs der Binnennachfrage muss bereits zu 80% durch Importe gedeckt werden. Die Arbeitslosigkeit ist in Moskau mit 1-2% quasi inexistent, beträgt aber im Durchschnitt doch 7.7 %.
Die Regionen unter Putin:
Heute ist de erste versteckte Aufstand der regionalen Eliten mit der Durchführung offener liberaler Reformen verbunden. Putin und die föderale Elite sind politisch zu 70 Prozent weiter rechts als die russische Bevölkerung, sondern auch als die regionale Elite. Diese Kluft hat es historisch immer gegeben. Die Gouverneure verstanden, dass Vergünstigungsempfänger ihnen zur Last werden. Also begannen sie, auf den Knien stehen, wie es sich für die Putinsche Elite gehört, massvoll zu protestieren. [S. 106]
Nicht nur die Vertreter der Regionalregierungen bemerken die Distanz der föderalen Politik von der Situation vor Ort, sondern auch die Wirtschaftseliten der Regionen unterziehen die unternommenen Schritte einer scharfen Kritik, denn sie haben es unter den Bedingungen sich ständig verändernder Spielregeln immer schwerer, ihre Geschäfte zu führen. "Gebt uns die Regeln und verändert sie nicht!" lautet die Hauptforderung der Wirtschaft, die allem Anschein nach nicht so bald erfüllt werden wird. [S. 111]
Das Überalterungsproblem wird Russland allerdings ziemlich zu schaffen machen. Dazu kommt eine extrem hohe Sterblichkeit durch Alkohol und Selbstmord bei Männern. Russland ist so eines der wenigen Länder mit deutlichem Frauenüberschuss, der sich allerdings lieber in den Westen absetzt als ins ländliche Indien oder China, wo der Frauenmangel dank "selektiver Geburten" wie der Abwanderung der Frauen vom Land in die Stadt immer krasser wird.
Die Konzentration der Wirtschaft auf den Energie- und Rohstoffsektor nimmt weiter zu, was bei den hier dauernd steigenden Preisen und der Nachfrage des naheliegenden China ... eben .. nahe liegt.
Von nun an werden Wirtschafts-Zaren das Schicksal aller Reussen und ihrer Untertanen lenken .... Wie, ob überhaupt, und wo da die Demokratie ihren Platz findet, ist noch offen ...
2003 kam es zum Showdown mit dem reichsten Russen, mit M. Chodorkowski und seinem YUKOS Ölkonzern. Chodorkowski zeigte immer offener seine politischen Ambitionen und finanzierte auch oppositionelle Parteien. Er verlor die Gunst des Kreml und Putin setzte die Staatanwälte auf den Konzern an. Einige Manager wurden verhaftet, andere konnten sich rechtzeitig ins Ausland absetzen. 2004 verschärfte sich der Machtkampf um den Yukos-Konzern.
Sichtbar werden nun die Vorstellungen Putins für die russische Wirtschaft. Das Modell ist der Gazprom-Konzern, der über ein weitverzweigtes Firmennetz verfügt, inklusive weitreichender Medienbeteiligungen. Gazprom wird von Putins Vertrauten kontrolliert und pumpt hohe Geldsummen in politische Kampagnen zugunsten von Putin. Im Gegenzug verhindert der Staat ein echte Konkurrenz für Gazprom.
Der Staat will sich in einigen wichtigen Wirtschaftszweigen wieder eine größere Kontrolle sichern, indem staatliche Konzerne in diesen Bereichen gestärkt werden. Die meisten Beobachter gehen davon aus, das der Yukos-Ölkonzern zerschlagen werden soll. Nutznießer werden die staatlichen Konzerne Gazprom, Rosneft und Surgutneftegaz sein.
[Russisch Monopoly. Wie entstanden Rußlands große Vermögen? Vladimir Putin]
Die Gegenwart ... ist noch in Bearbeitung (s. Russland heute - neozaristisch, postoligarch) ... was sie eigentlich immer ist ... weshalb Konservativismus eigentlich als schlechter Scherz betrachtet werden müsste ... hätte er nicht doch die Aufgabe, ab und zu einen Fortschritt zu verhindern, der Gutes nicht durch besseres, sondern durch Probleme ersetzt.
Martin Herzog, Dipl. Ing. ETH, Basel, 10.7.07