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Zur Geschichte Rumäniens

[Ioan-Aurel Pop; Ioan Bolovan: History of Romania. Compendium. Romanian Cultural Institute. Cluj-Napoca, 2006
Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus. Uebers. G. Liebetrau. ISBN 3-8334-0977-0. BOD. Seuzach, 2004]

Kernland Rumäniens ist zwar geographisch Siebenbürgen, ethnologisch jedoch die Walachei, bestehend aus Oltenien und der Kleinen Walachei (Muntenien: das Bergland), da sich die einheimische Bevölkerung von diesem Stamm der Walachen, der Welschen, der Römer, ableitet. Das zweite Kernland Rumäniens, das mit der Walachei 1859 den rumänischen Urstaat bildete, ist die Moldau. Die Dobrudscha kam erst 1878 als Ersatz für das an Russland abzutretende Bessarabien hinzu - war allerdings zur Römerzeit ein Zentrum der Getaer.

Diese Karte Rumäniens aus der Zeit zwischen den Weltkriegen zeit in etwa die grösste Ausdehnung - beinhaltet also die Randgebiete, die bis heute strittig sind wie insbesondere Bessarabien/Moldawien und das Banat.

Daraus dass Rumänien als Staat erst seit 1859 besteht, darf nicht auf eine fehlende gemeinsame Geschichte geschlossen werden. Immerhin entstand Deutschland aus einer Vielzahl kleiner und äusserst zerstrittener Fürstentümer auch erst 1871  und Italien genau so, zwischen 1815 und 1870 durch das Risiorgimento  - im 19. Jahrhundert, dem Jahrhundert der Nationen und keimenden Nationalismen.

Vorgeschichte:

Die prähistorischen Bernstein-Strassen

[Malcolm Todd: Die Germanen. Theiss. Stuttgart 2003. S. 90]

Die Daker und Getaer sprachen offenbar die selbe Sprache (Thrakisch), indoeuropäischer Herkunft, aber zum Unterstamm der baltisch-slavischen und iranischen Sprachen gehörend. Die Gegend betrieb schon sehr früh Handel, da sie selbst das kostbare Salz anbieten konnte, andererseits über uralte Handelswege entlang des <Dnjester>: Odessa-L'viv - und des San/Vistula: Warschau - Gdansk - aber auch über die Donauschiffahrt. (s. Karte rechts). Dies zwei Gründe, warum sich im Südosten (Dobrudscha) wie entlang des Dnjester s. Galizien) viele türkische, jüdische und griechische Händler niederliessen.

Zwischen dem 4. und 2. JH BC waren auch Kelten der Hallstadt-Kultur in den Karpaten ansässig. Allerdings haben diese nur wenige archäologische Zeugnisse hinterlassen, aber keinerlei schriftliche Dokumente.

Mit den Wanderungen der Westgoten, also Germanen, zog auch zumindest ein Stamm derselben durch Rumänien, die Bastarnen, von denen  Strabo, Plinius d.Aeltere und Tacitus berichten.

 

Siebenbürgen: Deutsche Frontkolonie zur Abwehr der Türken - und die gerne übersehenen Fürstentümer

Moldau Walachei

Wim van der Kallen; Hernik Lungagnini: Siebenbürgen. Tausend Jahre europäische Kultur. Weltbild.  Augsburg 2004
Ekkehard Völkl: Rumänien. Vom 19. Jahrhundet bis in die Gegenwart. Friedrich Pustet. Regensburg. 1995
http://www.kukuruz.ch/download/02_kurze_geschichte_transkarpatiens.pdf
s. auch: Geschichte Siebenbürgens]

Das historische Siebenbürgen/Transsilvanien umfasst mit 54'000 km2 (was bereits mehr ist als die Fläche der Schweiz) den Karpatenbogen, abgetrennt von der ungarischen Tiefebene durch das Bihargebirge. Nach Osten und Süden gewähren nur wenige beschwerliche Pässe Durchlass. Dies ist eine kleine, in sich geschlossene Welt, was am besten dadurch belegt wird, dass sich eine fremde, die deutsche (sächsische) Kultur darin über Jahrhunderte fast unverändert isoliert (= relativ unangepasst) halten konnte. Begünstigt wurde diese Einheit durch fruchtbare Ebenen und reiche Naturschätze wie Gold, Eisen, Salz und Erdöl. Oft wird auch das Banat (in der Südwestecke Rumäniens, teilweise in Ungarn und Serbien dazu gerechnet, was dann eine Fläche von 102'000 km2 präsentiert.

Der Name <Siebenbürgen> scheint übrigens von den sieben Verwaltungsbezirken (Stühlen) zu stammen, die in den Andreanischen Freiheitsbriefen 1224 genannt und dann 22 x von den ungarischen Königen bestätigt worden waren. Broos, Mühlbach, Reussmarkt, Leschkirch, Schenk, Reps, Schässburg.

Ur- und Wandervölker in Rumänien

So war auch bei den Römern Ungarn vor Rumänien an der Reihe mit dem Erobert-Werden, was Augustus im Jahre 11 AD erledigte. Pannonien (Ostösterreich, Westungarn) war für die römischen Siedler allerdings, trotz des milden Klimas, keine der Provinzen, wo sie sich gerne Land schenken liessen für ihre Dienste, denn Pannonien litt unter ständigen Angriffen der Barbaren (Germanen).

101-105(-107) schlug Trajan Decebalus, den Herrscher der Daker, und eroberte ihr Reich. s. auch Burebista, der erste Herrscher der Daker. Das Reich umfasste allerdings nicht nur Daker, sondern auch Germanen, Kelten und Thraker und Geten, ein weiteres rumänisches Urvolk, das vor allem in der Dobrudscha stark vertreten war.

Trotz der Konflikte muss die Handelstätigkeit eine sehr rege gewesen sein, denn in kaum andern Land wurden so viele römische Münzen gefunden (30'000) wie in Dacien. Interessanterweise scheint hier auch der Antisemitismus bereits durch die Römer eingeführt worden zu sein, da die Daker keine Steuern bezahlen mussten - die bereits damals schon eingewanderten Juden aber auch hier die Judensteuer.

270, nach der Aufgabe durch die Römer (sog. "taktischer Rückzug"), wurde dieses von den Alemannen erobert. Diese Zeit reichte aber offenbar, um die lateinische Sprache derart in der Bevölkerung zu verankern, dass dort, im Umfeld slawischer Sprachen, noch heute eine Sprache der römischen Gruppe gesprochen wird - mit einigem albanischem Einfluss. Erhalten wurde sie vor allem in der Walachei - obwohl die Walachen ein slawischer Stamm sind, der im Laufe dieser Völkerwanderung Rumänien besiedelten.

Im 7. JH besiedelten die Bulgaren die Räume südlich des heutigen Rumäniens, eben Bulgarien. s. Khan Krum und der 1. bulgarische Staat. 1185-1396 der 2., dann war Bulgarien unter Osmanischer Herrschaft. (s. Geschichte Bulgariens)

Im 9. JH. besetzten die Ungarn nebst Pannonien und der Ungarischen Tiefebene auch Siebenbürgen. Der Grenzschutz wurde zu Anfang von den Szeklern übernommen, die noch heute im westlichen Vorland der Karpaten ansässig sind. Mitte des 12. JH rief König Géza II deutsche Siedler ins Land "zum Schutz der Krone". Sie kamen aus Franken, Flandern und Luxemburg (weshalb ihr Dialekt, das Sächsische, auch heute noch ein bisschen so tönt). Man bezeichnete sie als Saxones (Sachsen), was aber offenbar nichts mit dem Landstrich selbigen Namens zu tun hat. Diese brachten ihre Herren (die Oberschicht niedrigen Adels) gleich mit, die Gräfen. Diese organisierten die Verteidigung und die Rechtsprechung, die in den Händen der Ansiedler blieb. Ebenfalls durften sie ihre Richter und Pfarrer frei wählen und waren alleine dem König unterstellt, Rechte über die im Westen erst die Städte verfügten. Sie genossen in ganz Ungarn Zoll- und Handelsfreiheit. Sie waren also einerseits an der Front des Ungarischen Reiches (wie Rheinfelden auf der andern Seite an der Front des Oester-Reiches), genossen aber beträchtliche Privilegien und Freiheiten. Sie mussten zwar eine Bodensteuer zahlen, durften sich aber die Vögte (Steuereintreiber) selbst wählen.

Alle Siedler bekamen gleich grosse Hofstellen und Ackerflächen. Wald, Weide und Wiese wurden gemeinsam genutzt (Allmend). Zur besseren Verteidigung wurden die Höfe entlang einer Strasse dicht zusammen, was auch den sozialen Zusammenhang förderte. Nachbarschaftliche Hilfe und nachbarschaftliches Zusammenstehen prägten diese Gesellschaft bis zu ihrer Auflösung durch den Sturz von Ceauşescus Diktatur, nach dem die meisten Deutschstämmigen Siedler als "Heimkehrer" in ein ihnen doch recht fremdes Deutschland zurückkehrten. Viele allerdings um dann nochmals zurückzukehren, nach Rumänien, als sie merkten, dass Arbeit für Ameisen, Mietwohnung und Auto doch nicht alles Glück der Erde ist, und dass sie in Rumänien doch einige Freiheiten hatten, die ihnen der Kapitalismus verwehrt.

Aber nicht so übereilig, noch sind wir im Mittelalter. In Siebenbürgen wurden die meisten Städte bereits zwischen 1146 und 1300 gegründet

1241 wurde nicht nur Ungar, sondern auch weite Teile Siebenbürgens von den Mongolen überrannt und zerstört. Die einzige Rettung für die Bevölkerung war, sich in den dichten Wäldern und unwegsamen Bergen zu verstecken.

Die dauernde Fremdherrschaft, Durchzüge und Besetzungen durch fremde Herrschaften erklären vielleicht auch ein bisschen, warum die Rumänen selbst nur wenig Städte gegründet und kaum ein Staatswesen gebildet haben vor dem 19. JH. Bis 1300 werden zwar rund 1000 ungarische und sächsische Ortschaften erwähnt, aber nur 6 rumänische. Die meisten Rumänen lebten als nicht sesshafte, zumindest als Halbnomaden, im Sommer in den Bergen, im Winter in den Tälern.

Allerdings siedelten in der Walachei unter türkischer Herrschaft auch Petschenegen und Kumanen, als Gegenpart zu den Siebenbürger Sachsen Frontkämpfer der Türken, die ihrerseits 1285 durch die Tataren, d.h. andere türkische Stämme, hinweggefegt wurde.

Wehrkirche St. Georgen. 15. JH.

[Wim van der Kallen; Hernik Lungagnini: Siebenbürgen. Tausend Jahre europäische Kultur. Weltbild.  Augsburg 2004. S. 146]

Nach dem Mongolensturm wurden die Städte und Dörfer weiter befestigt. Insbesondere erhielten sie die heute noch eindrücklichen Kirchenburgen/Wehrkirchen. Bergbau, insbesondere die Goldgewinnung wurde ausgebaut, und der ungarische Florint wurde zur stärksten Währung Europas. Auch für Siebenbürgen war die Herrschaft Ludwigs des Grossen (1342-1382) eine Epoche des Wachstums und der Blüte. Das städtische Leben, Handel, Gewerbe und Zunftwesen wurde gefördert. 1376 gab es in Hermannstadt/Sibiu 19 Zünfte und 25 Gewerbe) - in Augsburg dagegen nur deren 16. Besonders zur Zeit von Matthias Corvinus besuchten viele Siebenbürger westeuropäische Universitäten in Paris, Padua,, Bologna, Florenz, Siena, Wien und Prag.  Unter den schwachen Nachfolgern von Matthias allerdings herrschte "Feudalanarchie", eine Perversion der Anarchie, bei der die Freiheit im Zentrum steht, also die selbe unbegrenzte Ausnutzung der Macht wie heute in der Plutokratie. Der Hochadel kannte in seinem Egoismus kaum Grenzen, beutete das Volk masslos aus und war nur bestrebt, seine Macht und seinen Reichtum zu vergrössern.  [S. 17]

Dass aber auch hier nicht alles Gold ist was glänzt zeigen a) die Bauernaufstände von 1437, auf Grund derer sich die drei Stände Siebenbürgens, die Ungarn (Adel), Szekler und Sachsen zu einem Schutz- und Trutzbündnis zusammenschlossen, was vor allem auf Grund der immer näher rückenden Osmanen geboten war. Die Rumänen allerdings, die Ureinwohner quasi, waren in diesem Bündnis nicht vertreten. Es handelte sich also um eine klassische Kolonialisierung bei der den Ureinwohnern die Menschlichkeit, oder zumindest "Kultiviertheit", oder allenfalls "göttliche Auserwähltheit" schlicht und einfach abgesprochen wurde. Nur Adlige und Bürger gehörten zu den Freien. Die Masse der Rumänen, wie einige Sachsen und die Szekler, blieben als Leibeigene ungarischer Grundherren ohne Rechte und ohne politische Repräsentanz.

Zudem waren die österreichisch-ungarisch-deutschen Besatzer und Kolonialisten genau so unverträglich wie irgendwo auf der Welt. Die nicht zu integrierenden (tja, das gab's damals schon, und es war damals schon ein kolonialistisches Konzept) Rumänen flüchteten über die Karpaten nach Süden und Osten:

Wichtigste Träger des osteuropäischen Feudalismus waren die knezes (slawisch) oder iudices (lat. Richter), also Grafen ... obwohl die Bezeichnung unklar ist, ohne genauere Bezeichnung, denn die Szekler z.B. kämpften unter dem Befehl ihres Grafen, der oft der Voivode von Transsilvanien war. Diese liessen sich in Kategorien aufteilen:

In Rumänien entstammten diese Herrschaften vom 14. bis 16. JH meist ungarischen oder polnischen Geschlechtern. An der Spitze der regionalen Einheit, wie Transsilvanien, Walachei oder Moldau, stand der Voivode, der Prinz, der Gouverneur.

Gesetze, primär das Gesetz des Voivoden und das Byzantinische Gesetz, waren meist mündlich überliefert worden. Erst ab dem 16. JH. entstanden geschriebene Gesetze und rechtliche Kommentare wie die Matthaios Vlastares, König Konstantin und Justinian, Stephen Dushan und anderen. In Transsilvanien herrschte ein äusserst komplexes System, da sich ungarische, alte römische und römisch-slavische mit den Gesetzen der Szekler und Saxen überlagerten.

Die Türken (Osmanen) in Rumänien

1389 besiegten die Türken die Serben bei der Schlacht auf dem Amselfeld. Die Serben feiern zwar diese Schlacht als Sieg über die Ungläubigen, da sie ihnen schwere Verluste zufügen konnten. Die Schlacht verlief aber dennoch so, dass sie den Osmanen den Weg nach Altserbien öffnete und weitere Ausdehnung des Reiches ermöglichte. Man müsste also vielleicht sagen: Schlacht verloren - Krieg gewonnen.

1393 wurden die Bulgaren besiegt, womit die Walachei offen lag. Die Dobrudscha wurde besetzt und zur osmanischen Provinz.

In der Moldau konnte Stefan der Grosse einen ersten Angriff 1475 abwehren, unterlag aber im folgenden Jahr. 1486 wurde Bessarabien zur osmanischen Provinz.

Die Abhängigkeit bestand in politischem Wohlverhalten, Stellung von Hilfstruppen, Tributzahlungen und Naturalgaben von Getreide und andern Agrarprodukten. Jeder Fürst wurde in Istanbul in sein Amt eingeführt ... und hatte dafür hohe Summen zu entrichten ... also so ähnlich wie heute beim MBA. Bestimmte Waren durften nur noch von den Osmanen bezogen werden und Produkte, vor allem landwirtschaftliche, mussten dort zu niedrigen Preisen verkauft werden. (Ein System das übrigens auch die Schweizer Herren gegenüber ihren Untertanenländern, den "gemeinen Herrschaften", betrieben.

Einer der sich nicht fügte und ab und zu osmanischen Abgesandte pfählen liess, ist Vlad Tepesch/Dracul, Fürst der Walachei, der Pfähler, später zu Dracula umgedichtet, wobei die erste Verfälschung bereits grammatikalischer Art war, da er eigentlich Vlad Dragul hiess - Dracul (Drache/Teufel) aber seinem Verhalten mehr zu entsprechen schien . Die meisten Fürsten gingen mit der Situation in balkanisch-orientalischer Manier um, zeigten nach aussen hin Loyalität - bewahrten sich aber ihre Selbständigkeit durch geschicktes Taktieren und opportunistisches Reagieren, was die Rumänen lange prägte, ev. heute noch prägt. Abgesehen davon hatte auch Vlad noch 1438 gemeinsam mit Murad II das gesamte südliche Transsilvanien verwüstet. Vlad unterstützte den lokalen Handel, der es gegen die (unfairen) Privilegien Siebenbürgens schwer hatte.

Nach der Schlacht von Mohács (1526) erbt Habsburg (Österreich) das Königreich Ungarn ... das aber dummerweise zum grössten Teil von den Osmanen besetzt ist.

Zwischen 1420 und 1493 brachen die Türken 15 x in Siebenbürgen ein. Konstantinopel, und damit das Oströmische Reich, fiel 1453, 1521, unter Suleiman II, dem Prächtigen, wird Belgrad türkisch (Osmanisches Reich), 1526 verliert Ungarn seine Selbständigkeit, 1529 wird gar Wien belagert, das sich aber wehren kann, anders als Bagdad, das1534 osmanische Provinz wird und das bis zum 1. Weltkrieg bleibt. Siebenbürgen hat hier also am östlichen Zipfel der KuK-Monarchie eine ähnliche Fronststellung wie Rheinfelden und generell die verstreuten österreichischen Besitztümer nördlich der Schweiz, also am andern, am südwestlichen Zipfel des grossen Reiches.

Der Widerstand litt unter anderem auch darunter, dass die unterdrückten und ausgebeuteten Bauern sich lieber mit den Türken gegen die eigenen Feudalherren wendeten als umgekehrt. Siebenbürgen kam mehr und mehr unter türkische Oberhoheit und löste sich von Ungarn ab.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:OttomanEmpireIn1683.png

Rumänien ist zum grossen Teil ein Waldland, insbesondere was Siebenbürgen betrifft. Die Holzschnitzerei war also immer ein bedeutsamer Kunstzweig der Rumänen. Von Haushaltgegenständen wie Löffeln,

Krügen

Flaschen

- über architektonische Dekorelemente


Bis hin zu aus Holz geschnitzten Turbinen für die Mühlen.

[Elena Udrişte: Crestâturi în lemn din gorj. Comitetul de Culturâ şi educaţie socialistâ al judeţului Gorj. 1972]

Die Reformation setzte sich unter den Siebenbürger Sachsen voll durch, während dem die "einheimische" Bevölkerung orthodox blieb. Allerdings kam es nicht zu grösseren Glaubenskriegen. Die Religionsfreiheit, die Gleichsetzung von katholischer und lutherischer Religion (nicht vom Islam allerdings) wurde seit 1548 praktiziert und 1568 zum Gesetz.

Die etwas seltsamen, gerne als "balkanisch" bezeichneten Verhaltensformen die auf einem "weichen" (oder ausweichenden) Umgang mit Zwängen beruht, zeigten sich auch bei der Belagerung Wiens. Serban Cantacuzino, Michael Apafi und George Duca nahmen zwar auf Seite der Türken teil an der Belagerung von 1683, halfen aber insgeheim den Bewohnern der Stadt Wien.

 

1699, im Frieden von Carlowitz, wurde Russland zur Schutzmacht der orthodoxen Christen in der Türkei - mit speziellen Befugnissen in der Walachei und der Moldau. Russland war nun zum stärksten Feind der Osmanen geworden.

 

Im 17. Jahrhundert nahmen die Tributzahlungen an das Osmanische Reich gewaltig zu. Für Transsilvanien von 15'000 Goldstücken zu Beginn des Jahrhunderts auf 40'000 im Jahr 1658;  In der Walachei von 40'000 auf 92'000.

 

Häufige Kriege, Hungersnöte, Heuschreckenschwärme, hohe Kindersterblichkeit und Auswanderung auf Grund der türkischen Besetzung hielten die Bevölkerungsdichte in Moldawien wie der Walachei tief, d.h. sie war beträchtlichen Schwankungen ausgesetzt. Zwischen 1701 und 1739 verringerte sich die Bevölkerung der Walachei um 25%, stieg bis 1745 wieder um 6.6% - und verdoppelte sich bis 1791 von 800'000 auf 1'500'000, in Moldawien allerdings nur um 1/3 während des selben Zeitraumes. Dieses rasche Wachstum hat die selben Ursachen wie heute noch in Entwicklungsländern: hohe Fruchtbarkeitsraten (Jemen z.B. 7.2, Schweiz 1.2) und frühe Heirat, Rumänien damals wie Jemen heute 14 Jahre für Jungs, 12 für Mädels. Als Gegensteuer wirkte damals allerdings noch die Pest, die hier bis weit über das Mittelalter hinaus wirksam blieb und vor allem während der Kriege von 1716, 1718, 1735 und 1739 durch die Truppen verbreitet wurde. Zwischen 1768 und 1830 war die Pest hier endemisch.

In der selben Zeit stieg die Bevölkerungszahl Transsilvaniens von 300-550'000 auf 1-1.2 Millionen, von denen ca. 5% in urbaner Umgebung lebten. Die Städte (27 in der Walachei, 32 in Moldawien, waren sehr klein, max. 3000 Einwohner, also eher grosse Dörfer. Während dem sich in den Dörfern Handwerk wie Eisen- und Kupferschmiede, Maurer, Zimmerleute, Müller entwickelte, entstanden in den Städten neue Berufe wie Schneider, Bäcker, Köche, Werkstädten, Graveure, Friseure, Knopfmacher, Glocken- und Kanonengiesser (tja, wo Kirche, da Krieg ...), Schwertschmiede, Gerber, Sattler etc.

 

In der Walachei wie in Moldawien war insbesondere die Kirchenarchitektur spektakulär.

Zusätzliche Angebote zu denen der lokalen Händler brachten Griechen, Armenier, Türken, Bulgaren, Ruthenen und Juden. Die Griechen gründeten bereits 1636 die Griechische Gesellschaft von Sibiu, 1927 die Orient Company, die dem Staat prächtige Einnahmen verschafften.

Die Rumänen, obwohl generell überall die Mehrheit, bildeten in den Städten oft die Minderheit gegenüber den Sachsen und Ungarn. Diese erklärt die etwas seltsamen Statistiken Völkls (deshalb nicht aufgeführt), nach dessen Theorie die Rumänen erst im 19. JH langsam zuwanderten und auch durch die höhere Fruchtbarkeit langsam die Mehrheit erreichten gegenüber den Sachsen. Diese Statistiken sind aber getürkt, d.h., in dem Falle müsste man sagen gesachst, denn offenbar wurde die ländliche Bevölkerung ganz einfach nicht mitgezählt. Hier etwas vertrauenswürdigere Zahlen:

Bevölkerunganteile Rumäniens zwischen 1713 und 1733: Bevölkerung Siebenbürgens
Rumänen  81 %
Ungarn, Szekler
            & Sachsen 17 %
andere 2%
58.5 %
24.5 %
16.2 %
  0.8 %

Apropos getürkt und gesachst. Das zieht sich natürlich weiter, denn weder die Sachsen noch die Rumänen haben je die Zigeuner (Roma) als <Menschen> anerkannt. Die kommen noch heute kaum in den Statistiken vor. Waren die Rumänen für die Sachsen bloss dreckig, verlogen, diebisch, faul etc, so waren die Zigeuner dies gleich im Quadrat, da sie die selbe Wertschätzung dann ihrerseits von den Rumänen erfuhren. Wahren die Siedlungen zwischen Sachsen und Rumänen einfach gespalten, so lebten und leben die Zigeuner am Rand oder gar ausserhalb von Dorf und Gemeinschaft. Dass sich daraus eine etwas spezielle Soziologie und ein höchst eigenes Verhalten ergibt, dürfte eigentlich niemanden wundern.

1749 zwar die Leibeigenschaft wieder mal aufgehoben und die Fron auf 17 Tage im Jahr beschränkt worden, die Bojaren manipulierten allerdings die Bedingungen so, dass wieder 40 Tagewerke geleistet werden mussten

1683-99, im Grossen Türkenkrieg, bei dem Wien nochmals belagert wurde, wendete sich das Blatt. Die Türken wurden von Prinz Eugen in der Schlacht am Kahlen Berg geschlagen, ein weiteres Mal in der 2. Schlacht von Mohacs. 1688 wurde auch Belgrad wieder erobert. Das Osmanische Reich war dait auf dem Rückzug und Oesterreich-Ungarn wurde zur Grossmacht.

Dimitrie Cantemir (1673-1723), herrschte nur 1 Jahr (1711), schloss sich einem Russischen Feldzug gegen die Osmanen an, der allerdings verloren ging, worauf er nach Russland ins Exil musste.

Die Pforte reagierte auf die zunehmende Unzuverlässigkeit der rumänischen Fürsten damit, dass sie selbst Fürsten einsetzte. Sie bediente sich dazu gräzisierter Rumänen, die nach einem Stadtteil Istanbuls Fanarioten genannt wurden. Diese Zeit dauerte in der Moldau von 1711-1821, in der Walachei von 1715 - 1821. In dieser Zeit entstanden "Hohe Schulen", die nicht nur die traditionellen Fächer lehrten (Religion), sondern auch Mathematik, Geographie und Aufklärungsphilosophie. Das mündliche Gewohnheitsrecht wurde nun kodiert. Aber die Rumänen dennoch doppelt ausgenommen, da die Griechen und das politische wie das religiöse Herrschaftssystem besetzten: Die zwei Fürstentümer sind für sie eine unerschöpfliche Quelle des Reichtums. Die Ausbeutung der Walachei und der Moldau wurde allerdings so weit getrieben, dass Wirtschaft und Landesentwicklung stagnierten. Nach und nach wurden zudem die Fanarioten für die Pforte genau so unzuverlässige Gesellen wie vorher die rumänischen Fürsten. Alexander Ipsilantis rief sogar eine Erhebung gegen die Osmanen aus und besetzte mit einem Bauernheer Bukarest, unterlag aber 1821 den Osmanen.

Nun war Siebenbürgen direkt Wien unterstellt. Das Wirtschaftsleben wurde von Wiener Beamten vom Hof aus reglementiert, die bäuerliche Bevölkerung mit untragbaren Steuern belastet und zudem mit der Aufgabe, die Österreichischen Truppen zu versorgen. Die Glaubensfreiheit wurde abgeschafft und die sprachliche Kultur eingeengt. Deshalb brach bereits 1703 wieder ein Krieg in Ungarn gegen die Habsburgische Herrschaft aus. Mit der Niederlage kehrten die Jesuiten zurück, und Siebenbürgen wurde nun von Gouverneuren regiert, wie dem berühmten Samuel von Brukenthal, der als Sachse allerdings die Vertretung seiner Landsleute ernst nahm. Die Rumänen allerdings blieben bis zur Mitte des 19. JH ohne Stimmrecht und konnten sich an der politischen Führung, ja sogar der Entwicklung des eigenen Landes nicht beteiligen.

1848 brach auch in Budapest die Revolution gegen das Feudalsystem aus und griff bald nach Klausenburg über. Avram Iancu war dabei einer der führenden Kräfte - gegen die Revolution, und wurde von vielen Rumänen unterstützt. Die Wiener Kammer spielte auch hier die Animositäten zwischen Ungarn und Rumänien zu ihren Gunsten aus was zu beträchtlichen Greueltaten führte, die von den Deutschen zumeist den Rumänen angelastet wurden. Eine weitere wichtige Gestalt war Ludwig Roth, dem es vor allem um die Pflege seines eigenen Volkstums ging, allerdings nur in der Form die wir heute "multikulti" nennen würden, also eines Zusammenlebens auf der Grundlage von Gleichberechtigung. Für Oesterreich-Ungarn war dies aber Landesverrat, für den er hingerichtet wurde. Dem polnischen General Joseph Bern gelang es, die österreichischen Truppen in mehreren Schlachten zu schlagen. Der ungarische Landtag unter Ludwig Kossuth erkannte in der Folge den Oesterreichern die Ungarische Krone ab.

Dies wollte allerdings Kaiser Franz Joseph I. ganz und gar nicht gefallen. So verband er sich mit dem Zaren Nikolaus I. und ein russisches Heer von 200'000 Mann überrannte Ungarn, das sich am 13. August 1849 ergab.13 Generäle und 231 der 773 Offiziere der Revolutionstruppen wurden erschossen. Die rumänischen Truppen, welche die Konterrevolution unterstützt hatten, wurden allerdings auch nicht belohnt, sondern wie Räuberbanden behandelt und aufgelöst. Die durch die Revolution erwirkten Verbesserungen wie die Aufhebung der Leibeigenschaft (und eine Bodenreform, bei der 1.5 Millionen Morgen Land zu 80% an rumänische Kleinbauern verteilt wurden, wurden gewaltsam rückgängig gemacht. Die Vergeltung war erschreckend und löst in ganz Europa Proteste aus. Aber der Polizeistaat wurde eingerichtet und die Gefängnisse füllten sich (das war Mitte des 19. Jahrhunderts, nicht zur Zeit der Schreckensherrschaft der Kommunisten. Sooo gross sind offenbar auch da die Unterschiede nicht wirklich). Die Chance für eine friedliche Vereinigung der 3 Landesteile war für diesmal vertan und musste bis 1878 warten.

Da sich Österreich immer noch am Traum des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation orientierte, Ungarn an der Idee des Reichs des Heiligen Stephan, das 1526 von den Türken zerstört worden war, hatten die neuen Völker (Rumänen in Siebenbürgen, Slawen in Südungarn), obgleich in ihren Regionen oft die Mehrheit der Bewohner bildend, keine andere Funktion als die von Arbeitskräften.

1854 wurde per Gesetz ein Anlauf genommen zur Aufhebung der bäuerlichen Abhängigkeit. In komplizierten Verfahren sollte den Bauern Flächen gegen Pachtzahlung zur Verfügung gestellt oder gar der Ankauf von Land ermöglicht werden. Dazu war allerdings erst die Fronverpflichtung aufzulösen. Mit der Eingliederung in Ungarn fiel dies wieder dahin.

Die von den Siebenbürgern als rückständig verschrieenen Rumänen der Moldau und Walachei konnten allerdings, unter der Obhut Russlands, das "Organische Reglement". Dieses führte die Gewaltenteilung ein und bildete damit die Grundlage einer neuen Verfassung der beiden Länder. Die Privilegien der Bojaren wurden zwar nicht angetastet, die Bauern erhielten aber Schutz vor grundherrlicher Willkür und ihre Pflichten wurden präzise festgehalten. Auch die Eigentümer (Grossgrundbesitzer) durften fortan nicht mehr als 1/3 ihrer Besitztümer eigenständig bewirtschaften. Der Rest war gegen Arbeitsleistung bzw. Abgaben (Pacht, Naturalien) den Bauern zur Bewirtschaftung zu überlassen.

Das erste rumänischsprachige Gymnasium ausserhalb Siebenbürgens entstand allerdings erst 1818 in Bukarest, 1828 in Iaşi. In der Moldau wurde 1835 gar die erste Akademie gegründet, die Academia Mihaileanâ. 1864 folgte die Universität Bukarest.

Neue Gesetzbücher entstanden, das metrische System wurde eingeführt, ein Rechnungshof zur Kontrolle der Staatsausgaben, die Post verstaatlicht, ein Telegraphen eingerichtet. Das neue Beamtentum war allerdings viel zu Umfangreich, wie heute noch in vielen Entwicklungsländern, und gewöhnte sich rasch an "Zusatzeinkünfte durch spezielle Zuwendungen" (im islamischen Raum Bakschisch genannt). Das Strafgesetz lehnte sich an den französischen "code pénal" an, das bürgerliche Recht war eine Übersetzung des französischen "code civil", ergänzt durch Bestandteile aus dem italienischen und aus lokalem Gebrauch. Nach Französischem Vorbild war der neue Staat zentralistisch. Moldau und die Walachei gaben sämtliche Kompetenzen an Bukarest ab. Diese Nähe zu Frankreich liegt einerseits bei der Sprache und der hohen Wertschätzung die der französische Lebensstil bei der Oberschicht genoss. Man parlierte, wie in der Schweizer Oberschicht, französisch. Auch das Schulsystem wurde nach französischem Vorbild ausgerichtet. Dies blieb so bis fast zum Ende des 20. JH. Mit Französisch war fast leichter durchzukommen als mit Deutsch. Heute erhält offenbar die Deutsche Sprache wieder etwas den Vorzug, insbesondere um Sibiu herum, da sich viele Rumänen Chancen erwünschen, im deutschsprachigen Raum die Arbeitsplätze zu finden, die in Rumänien fehlen. Ein weiterer Grund dafür dürfte allerdings im Motto liegen: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Und da man mit Nachbarn meist Ärger hat (Russland-Bulgarien, Polen, Oesterreich-Ungarn, Türkei), war Frankreich als Gegenpol wieder nahe liegend. Das vermutlich früheste Bündnis ergab sich allerdings bereits im 30-Jährigen Krieg, in dem, das nun vorwiegend protestantische Transsilvanien, auf Seiten Franreichs und Schwedens focht. Mitte des 19. JH hatte dann Frankreich alles Interesse, die graduelle Zerstörung der Türkei durch Russland (und England) zu verhindern, Rumänien als Puffer zwischen den beiden am Leben zu erhalten.

Die typische Kleidung der Bauern waren Bundschuhe (opinc, sehr bequem, heute leider nicht mehr zu finden ... ausser in Bagdad und im Iran), weisse Kittel und Hemden, die Kittel aus Filz und eine ärmellose Jacke. Die Frauen trugen dazu oft bunte Tücher. Im Winter schützte man sich mit langen und schweren Mänteln aus umgekehrtem Schafsfell und Schafsfellmützen.

Die Häuser waren meist aus Holz oder Lehm, gedeckt mit Schindeln oder Stroh. Daneben aber gab es viele Lehmhütten.

Nach dem Krimkrieg (1853-56) wurden nun auch die Privilegien für "besondere Gesellschaftsschichten" aufgehoben, Titel und Standesvorrechte der Bojaren beendet. Das Wahlrecht richtete sich allerdings nach dem Vermögen. Die Donau wurde der Schifffahrt aller Nationen geöffnet; Russland verlor (vorübergehend ...) seinen Status als <Beschützer> Rumäniens, die Fürstentümer blieben aber nominell unter Obhut des osmanischen Reiches und eine europäische Kommission  (ja, das gab's auch damals schon ...) erarbeitete neue Grundlagen für die Verwaltung der Fürstentümer.

1864 verfügten in der Moldau nur 72'000 Landwirtschaftsbetriebe über die erforderlichen 7 bis 8 ha (Vier-Ochsen-Wirtschaft), 200'000 über 6 ha (Zwei-Ochsen-Wirtschaft) und 134'000 ¨nur über 3.5 ha (Ein-Ochsen-Wirtschaft). Weitere 60'000 besassen bloss (noch) einen Garten. Auch ohne Leibeigenschaft besassen 5000 Reiche Familien und Gutsbesitzer die Hälfte des fruchtbaren Bodens, was die wirtschaftliche und politische Ungleichheit und Abhängigkeit zementierte (also genau wie heute ...).

Auch in der 1. Hälfte des 19. JH hat die Pest wieder in genau so in Rumänien gewütet wie Kriege und schlechte Ernten. Dennoch stieg die Bevölkerungszahl weiter an. In Moldawien von 529'000 (1803) auf 1'462'105 Mitte des Jahrhunderts. Die Stadtbevölkerung nahm von 129'000 im Jahr 1831 auf 265'000, also mehr als das Doppelte, im Jahr 1849 zu. Dies war allerdings nicht bloss auf die Bevölkerungsvermehrung zurückzuführen, sondern durch starke Einwanderung von Juden aus Galizien.

 

Die Vereinigung der Moldau und Walachei, die Unabhängigkeit, der 1. Weltkrieg

[dtv-Atlas Weltgeschichte. Bd. 2. S. 358]

Um 1910 lebten in Siebenbürgen 5'257'467 Menschen, 2'839'945 Rumänen, 1'661'803 Ungarn und 564'789 Deutsche, sowie ca. 3% andere Nationalitäten. Die von Völks angegebenen Zahlen scheinen entweder propagandistisch (zu tief, um das ursprüngliche Deutschtum zu beweisen), oder schlicht statistisch irrtümlich, da die nicht sesshaften halbnomadischen Hirten nur schlecht zu erfassen waren - im Gegensatz zu den in Städten und Dörfern ansässigen Deutschen.

1867 wurde Siebenbürgen wieder von Budapest aus regiert, da die finanzielle Lage Wiens prekär wurde. Die Siebenbürger Sachsen hatten sich nun in die üblichen drei Lager gespalten: dafür (für Österreich, deutschnational, zentralistisch, kaisertreu - mit Zentrum in Hermannstadt), dagegen ( für eine intensivere Kooperation mit Ungarn. Zentrum Kronstadt), istmirdochegal, der Politik fern stehend, aber durch ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, Tradition, Sprache und Religion in die Gemeinschaft eingebundene schweigende Mehrheit

Hier taucht in dem Büchlein Völkls (nehmen Sie nie ein Buch, das spezifisch für einen bestimmten Bevölkerungsteil geschrieben wurde, als reine Wahrheit!) zum ersten Mal die Idee auf, die Rumänen könnten wegen ihrer einfachen Lebensführung (nomadisch-bäuerlich, nicht städtisch) und ihrer Art sich zu kleiden, zu Unrecht gering geschätzt worden sein. Eben so absurd schien es den Siebenbürger Sachsen noch 1859 sich mit den unter Alexandru Joan Cuza nun vereinten Fürstentümern Moldau und Walachei zu verbinden. Auf Grund seiner Machtfülle und der Agrarreform wurde er 1866 nach einer Palastrevolution zur Emigration gezwungen. König wurde nun Karl von Hohenzollern-Sigmaringen ... ein Schwabe ... als Carol I. Allerdings musste auch er die Souveränität der Hohen Pforte anerkennen, blieb also Vasall des Osmanenreiches - bis zur Erlangung der Unabhängigkeit 1878. Unter ihm wurde die orthodoxe Religion vorherrschend in Rumänien.

1867 wurde eine eigene Währung, der Leu, geschaffen. Zuvor waren gleichzeitig russische Rubel,, österreichische Dukaten und andere Währungen im Umlauf.

1872 entstand die erste Eisenbahnlinie von Bukarest zum Donauhafen Giurgiu, der bald weitere in die Moldau, ans Schwarze Meer und als Anschluss zum österreichischen Eisenbahnnetz folgten.

1875 erhoben sich Bosnien, die Herzegowina, Bulgarien, also praktisch der ganze Balkan gegen die Osmanen. Der Aufstand wurde 1876 zwar niedergeschlagen, aber der Russisch-türkische Krieg (1877/78) zeichnete sich schon ab am Horizont. Er war es, der Rumänien 1878 die Erklärung der Unabhängigkeit erlaubte. Im Frieden von San Stefano wurde nun praktisch ganz Osteuropa frei von der türkischen Vorherrschaft. Nebst der Befreiung von Serbien, Montenegro und Rumänien entstand nun auch Bulgarien. Für die Europäischen Grossmächte war dieser aber nicht akzeptabel und er wurde durch den Berliner Kongress fast vollständig aufgehoben - was zu nachhaltigen Verstimmungen zwischen Österreich und Russland führte. Russland erhielt nun von Rumänien Bessarabien, während dem Rumänien die Dobrudscha (auf der Karte rechts quergestreift, östlich Bukarest) von Bulgarien erhielt. Diese war damals noch eine echt orientalische und den Rumänen fremde Welt in der die Bevölkerung mehrheitlich aus Muslimen bestand, vermischt mit Griechen, Bulgaren, Juden und Armeniern. Abgesehen von griechischen Handelsniederlassungen, die bereits vor 2000 Jahren entlang der Küste entstanden waren, hatten die Türken hier im 19. JH. mehrere Kolonien von Christen und Muslimen, Russen, Bulgaren, Deutschen, Tataren etc. etabliert. Die Verbindung zu Rumänien wurde vor allem durch die Hirten erhalten, die mit ihren Schafherden sich auch damals nicht an nationale Grenzen hielten (s. Problem Ogaden/Somaliland/Somalia) - aber auch die Grenzen zwischen Saudi Arabien und dem Irak, Jordanien, Jemen, Oman etc.

Ein neuer Eisenbahnanschluss zum Hafen Constanţa erleichterte nun den Export des Erdöls - und machte die Hafenstadt auch zum Seebad und zur bevorzugten Sommerfrische. Ab 1898 fuhr der berühmte Orient-Express von Paris über Wien und Budapest  nach Bukarest. Die Donau musste noch per Fähre überquert werden und die Reise ging von Varna  per Schiff nach Istanbul. (Den direkten Anschluss über Belgrad und Sofia gab es natürlich auch damals schon).

1896 wurde eine 5-jährige Schulpflicht erklärt. Die Bedingungen waren allerdings horrend, da ein Lehrer oft 100 bis 150 Schüler verschiedener Altersklassen gleichzeitig - in einem engen Raum - unterrichten musste (also Zustände von denen es vielen bürgerlichen Parteien heute wieder träumt)..

1879 entstand aus der "Literarischen Gesellschaft", die 1866 entstanden war um Orthographie und Grammatik zu reformieren, eine Akademie der Wissenschaften. Die Aussprache der Rumänischen Buchstaben unterscheidet sich zum Teil deutlich von unserem Gebrauch, was durch diakritische Zeichen deutlich gemacht wurde. (Apropos â, eigentlich müsste das Dächlein über dem a nach oben offen sein, mit Pfeil nach unten ... aber das gibt's nicht im html). Zudem hatte sich auch im Land selbst die Aussprache verändert und wurde durch die Schreibweise nicht mehr klar dargestellt (Ein Problem, das heute noch die französische Sprache recht mühsam macht).

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg wurde Rumänien zum ersten Mal Mais-Exporteur und stand beim Weizenexport weltweit an 4. Stelle. Den ausländischen Kapital verschloss sich das Land, das aus eigener Kraft wachsen wollte. Staatliche Förderung erhielten etwa nur Betriebe, bei denen zu 2/3 Rumänen beschäftigt waren. Ausländer durften auch kein Grundeigentum erwerben.

Bukarest 1883. Holzstich von Felix Thorigny. Völkl S. 54

Ab 1881 wurde Bukarest zur neuen Königsresidenz.

1907 wurde ein weiterer Bauernaufstand rücksichtslos vom Militär unterdrückt. Nach offiziellen Zahlen kostete dies 419 Opfern das Leben, nach inoffiziellen Schätzungen der Opposition 11'000. Die Landverteilung von Cuza hatte sich als ungenügend erwiesen, da a) die 5 ha oft nicht mal erreicht wurden, b) so oder so ungenügend waren, und c) die erwünschten "freien" Verträge zwischen Bauern und Landbesitzern nicht zustande kamen, da letztere die Notlage der Bauern rücksichtslos zu ihren eigenen Gunsten ausnutzten. Ebenso konnten sie die Pachtverträge einseitig diktieren. Zudem verschuldeten sich die Bauern oft durch Anleihen für Saatgut (... bei Juden ...), die sie in schlechten Jahren nicht zurückzahlen konnten.

Um 1910 waren in Siebenbürge mehr als 50% der Bevölkerung Rumänen. Zu 80% zwar immer noch Bauern, aber doch mit einer Schicht von Gewerbetreibenden, Berufsleuten und einer Intelligenzia.

Der erste König Carol I. verstarb bereits zu Beginn des 1. Weltkrieges und wurde durch Ferdinand I abgelöst. Aufgewachsen in Deutschland fühlte er sich allerdings dem Land kaum verbunden und überliess die Führung dem Ministerpräsidenten Ion Brâtianu.

König Ferdinand enteignete nun zwischen 1918 und 1921 6 Millionen ha Grossgrundbesitz und verteilte in an 1.4 Millionen Bauern. Alleine in Bessarabien verloren 4271 Grossgrundbesitzer, Erben der Bojaren, Grund und Boden. Von den 1.8 Millionen ha, der Hälfte des bebauten Landes, blieben ihnen nur 340'000 ha. Diese Aktivitäten entstanden allerdings weniger aus sozialen Gründen, als aus der Furcht, die Russische Revolution könne sonst nach Rumänien überschwappen.

Gegen Ende des Krieges, am 6. Februar 1918 erklärte sich Bessarabien für unabhängig und schloss sich Rumänien an.

Donaufischer 1967

[Dan Grigoresco: Dans le Delta du Danube. Editions Meridiane. Bucarest 1967.]

Im Frieden von Bukarest musste Rumänien allerdings dann, auf Druck Bulgariens, die Dobrudscha abtreten und wurde wieder unter Kontrolle deutscher und österreichischer Truppen gestellt. Die rumänische Armee war abzurüsten. Nach der Wende des Kriegsglücks mussten dann allerdings die Truppen der Mittelmächte ihrerseits innert 2 Wochen das Land verlassen - und König Ferdinand kehrte feierlich von seiner Residenz in Iaşi nach Bukarest zurück. Er ging gestärkt aus diesem Krieg hervor, da er mit der Entente und nicht mit den Mittelmächten kollaboriert hatte.

Die vollständige Vereinigung der Bestandteile des heutigen Rumäniens geschah erst nach der Auflösung der K&K-Monarchie im 1. Weltkrieg, formell durch die Erklärung des rumänischen Königs Ferdinand I von 1918. Die Unmutsbekundungen des ungarischen Bevölkerungsteils von Cluj (Klausenburg), immerhin 1.4 Millionen Menschen, wurden überhört. Im Diktat von Trianon wurden keinerlei historische oder ethnische Zusammenhänge berücksichtigt, obwohl zu der Zeit in Siebenbürgen nebst den 2.83 Millionen Rumänen, 1.66 Millionen Ungarn lebten und 635'000 Deutsche (+ 170'000 Deutsche in andern Provinzen). Ungarn verlor 2/3 seines Staatsgebietes und 3 Millionen Ungarn gerieten unter fremde Herrschaft.

Damit geriet Rumänien in den Balkan, was sich auch anhand des Verlaufs des 2. Weltkriegs zeigte. Waren Rumänien und Ungarn auf der Seite Deutschlands in denselben eingetreten, als dieses noch siegte, wechselten sie 1944 zu Russland. Es folgte eine "Homogenisierung" der Bevölkerung. Deutsche Amtsträger wurden interniert und verschwanden oft völlig. Alle Männer zwischen 17 und 45 Jahren und Frauen zwischen 18 und 30 wurden in russische Zwangslager deportiert (unter anderem auch mein Grossvater, der allerdings zurückkam, wenn auch nur mit 1 Bein.). Dann folgte die Totalenteignung.

Mit dem Ausbruch der Revolution in Russland war Rumänien allerdings schon 1919 für Europa wieder äusserst bedeutsam geworden ... diesmal nicht mehr als Bollwerk gegen den Islamischen Erzfeind, sondern gegen den neuen, den Bolschewismus. Die rumänischen Truppen stiessen nach dem Waffenstillstand auch weit in den Norden und Westen vor - als in Budapest die Räterepublik ausgerufen wurde, sogar bis nach Budapest.

Den neuen Vertrag von Versailles, der den Frieden von Bukarest annullierte, trat Rumänien nur zögernd bei, da es auch den Vertrag zum Minderheitenschutz unterzeichnen musste. Nun umfasste Rumänen alles was auf der Karte ganz oben rechts dargestellt ist, obwohl die Süd-Dobrudscha eigentlich zu Bulgarien gehört hatte und erst 1913 zu Rumänien gekommen war, und die rumänische Bevölkerung in der Bukowina nicht die Mehrheit stellte. Ausserhalb Rumäniens blieben nur der westliche Teil des Banates, in Jugoslawien - andererseits waren beträchtliche Anteile der Bevölkerung innerhalb Rumäniens nicht rumänisch. Die Bukowina war, anders als Siebenbürgen, eigentlich immer Bestandteil des Fürstentums Moldau gewesen, wurde aber 1775 von Österreich annektiert. Die Bevölkerung bestand dann zu Beginn des 20. JH zu 49% aus Ruthenen (Ukrainern) und nur zu 31% aus Rumänen. In der ebenfalls teilrumänischen Region Transkarpatien/Karpatoukraine, ehemals Galizien, bilden die Ruthenen (Rotrussen, im Gegensatz zu Weissrussen) die Mehrheit. (s. Geschichte der Ukraine). Fläche und Bevölkerung diesen Gross-Rumäniens hatten sich nun verdoppelt.

Hatte Rumänien im 16-17. JH im Norden noch an Polen gegrenzt (s. Friede von Karlowitz 1699), so schob sich mit der österreichisch-ungarischen Eroberung Galiziens (1772: Erste Teilung Polens) dieses dazwischen, Später die im 2. Weltkrieg neu gegründete Tschechoslowakei und Westukraine. Die Karpatoukraine/Ruthenien/Transkarpatien gehörte da dazu, wurde aber im März 1939 (Wiener Schiedsspruch) bis 1944 wiederum Teil Ungarns (unter der Bezeichnung Kárpátalja), 1944 bis 1945/46 wieder vorübergehend Teil der Tschechoslowakei - und seit Juni 1945 Teil der Sowjetunion (seit 1946 Teil der Ukrainischen Sowjetrepublik). Wie rasch und wie stark hier die Verhältnisse wechselten, zeigt vor allem eine Karte der extremen Schrumpfung Polens nach 1660, s. vor allem "Restpolen" 1772, 93, 95 Heute grenzt Rumänien im Nordwesten weder an die Tschechei, noch weniger an Polen, sondern nur noch an die Ukraine.

Dem Siebenbürgischen Dünkel (Wir sind die besseren ... Rumänen.) wurde nun etwas auf die Füsse getreten. Die 1875 gegründete Francisco Josephina Universität in Czernowitz wurde ab 1919 rumänisch verwaltet und Professoren, die sich weigerten Rumänisch zu lernen, verloren ihr Amt. Die ungarische Universität Cluj/Klausenburg wurde 1920 als rumänische Universität Cluj neu eröffnet.

Im Schicksal der Bauern dürfte einiges Wissen liegen, das es heute wieder aufzuschliessen gilt:

Bis zur Stadtbildung und vor allem der Industrialisierung lebten die meisten Menschen direkt vom Boden, und von ihrer Arbeit darauf und damit, also als Bauern, Subsistenz orientiert. Wer kein Auskommen fand, musste und konnte dies meist darauf zurückführen, dass er zu wenig Land besass. Deshalb ziehen sich Bauernunruhen durch das ganze Mittelalter wie die Neuzeit, und haben auch die verschiedenen Revolutionen stark mitgeprägt, vor allem die kommunistische. DAS Problem der Armut war und ist mangelnde Ressourcen, war Boden, ist heute komplexer. Heute sind DIE wirtschaftlichen Ressourcen vielfältiger. Nebst dem Boden ist es vor allem Kapital ... und immer weniger die Arbeit. Wo noch Arbeit, dann gebunden an hochgradige Spezialisierung, also Ausbildung. Hieraus folgt allerdings meist ein Kurzschluss, nämlich dass man mit mehr Ausbildung die Arbeitslosigkeit beheben könne. Dieser Kurzschluss entspricht a) etwa der alten Meinung, dass ein Bauer mit mehr Arbeit aus seinem zu kleinen Stück Land schon ausreichend Nahrung ziehen könne ... ein Trugschluss der heute noch dazu führt, dass Kühe mit dem vergammelten Fleisch von Artgenossen, Hühner mit Fischen, und Pflanzen mit Chemiedünger so lange gefüttert werden, bis es der Natur darob übel wird. Dieser Kurzschluss wird b) bestätigt durch die Ressourcentheorie, laut deren Überleben und Erfolg von Firmen, also auch von Mitarbeitern, also Menschen, auf der Qualität der internen Ressourcen basieren - wozu immer stärker geheim gehaltenes oder patentiertes Wissen gehört.

Folgerichtig werden Menschen heute nicht mehr arm und in ihrer Existenz bedroht, weil sie zu wenig Land besitzen, sondern weil sie nicht über knappes, verborgenes, patentiertes Wissen verfügen - also Wissen das in den Schulen, egal ob hohen oder tiefen, eh nicht zu holen ist.

Die Agrarreform lag immer noch im Argen. Nach wie vor hatten 77% der Bauern Flächen unter 5 ha ... vor allem bedingt durch Geburtenüberschuss und Erbteilung. Eine Ausnahme bildete hier bloss Siebenbürgen und das Banat, wo eine Schicht aus mittleren Bauern seit Jahrhunderten ihren Boden besass. So kam es in Bessarabien 1917 zu spontanen Landbesetzungen (so ähnlich unsern heutigen Hausbesetzungen in den Städten ...), bei denen Bauern die Güter des abgedankten Zaren und abwesender Grossgrundbesitzer an sich nahmen. Die Landgesetze die nun bis 1924 (Dobrudscha, weil hier Besitz (mulk. arab., islamisches Recht, von den Osmanen eingeführt) und Nutzungsrecht (mure) oft getrennt waren, also erst geklärt werden musste) beschlossen wurden, und die auch im Interesse der Grossgrundbesitzer lagen, die noch radikalere Enteignungen befürchteten ... zu denen es ja später, unter kommunistischer Herrschaft kam, enteigneten die Länder der Krone, de Ausländer, der Absentisten und der Körperschaften (also, merke, für das nächste Mal: Auch Aktiengesellschaften können enteignet werden ... wenn der Zorn im Volk raucht). Alle übrigen Grossgrundbesitzer wurden bis auf 100-500 ha, je nach Bodenqualität, teilweise enteignet. Die Entschädigung erfolgte durch langfristige Schuldverschreibungen, von denen der Staat die Hälfte übernahm. 30% der Nutzungsflächen gingen an Kleinbauern über, die allerdings 1938 zu 75% immer noch, oder schon wieder, weniger als 5 ha besassen.  (s. Flächenbedarf in der Landwirtschaft heute).

Den formellen Abschluss der Entstehung des neuen Gross-Rumäniens bildete die am 28. März 1923 verkündete neue Verfassung, die allgemeine Bürgerrechte präzisierte, die rechtliche Gleichheit der Frau zusagte und politische Gleichheit, also allgemeines Wahlrecht gewährte. Repräsentativ war Bukarest geworden - immer noch am Rande, in jeglicher Beziehung, lagen die Dobrudscha und Bessarabien.

Zu dieser Zeit gab es an Parteien:

Auch in Rumänien klappte die Demokratie nicht auf den ersten Anlauf (s. Weimarer Republik). Die Regierungen wechselten fast so ausdauernd wie in Bolivien oder Italien: (1922: Nationalliberale), 1926 Volkspartei, 27 Nationalliberale, 28 Nationale Bauernpartei, 31 Sammelliste, 32 Nationale Bauernpartei, 33 Nationalliberale. Die Nationalliberalen waren übrigens weitaus mehr national als liberal. Ihr Motto war: prin noi inşine (durch uns selbst, oder frei übersetzt, moderner: Die Schweiz ... pardon, Rumänien den Rumänen.) Die Periode 33-37 wurde bloss nicht unterbrochen, weil das Parlament bereits bedeutungslos war. Seit 1926 war auch ein äusserst seltsames Wahlprozedere üblich, dass z.B. einer Partei die 40% der Stimmen erreichte vorweg 50% der Parlamentssitze zusprach, den Rest dann ähnlich. Wer nach Neuabstimmung 40% der Stimmen erhielt, erhielt 70% der restlichen Sitze, etc. (so ähnlich versucht es heute die SVP Schweiz, die mit 30% der Stimmen beansprucht, eine Mehrheitspartei zu sein und die Interessen DES Volkes zu vertreten.)

Die Industrialisierung war immer noch sehr schwach, 2/3 der Bevölkerung lebten immer noch von der Landwirtschaft, und das Pro-Kopf-Einkommen war das tiefste in Europa (woran sich ja seither nur wenig geändert hat ... nachdem die gigantomanische Grossindustrie Ceausescus (Zement, Stahl) längst zusammengebrochen ist.). 

In dieser Schwäche der Parteien sahen, genau wie anderswo und zu andern, nicht unbedingt längst verflossenen Zeiten, die rechtsextremen, autoritären, faschistischen Parteien ihre Chance. Bereits 1927 war aus einer studentischen Gruppe (Legion Erzengel Michael) die Eiserne Garde entstanden, die 1931 verboten wurde.

1937 verschob sich das ganze Wahlspektrum nach rechts. Keine Partei erhielt die Mehrheit, die Eiserne Garde aber doch 15.5%. So verfügte der König, dass mit der Demokratie Schluss sei, und übernahm die Macht. Die Gewaltenteilung wurde abgeschafft und alle Gewalt in seinen Händen vereint. Bei der "Volksabstimmung" wurden die Leute in den Wahllokalen persönlich befragt, was, wie erstaunlich, zu 4'297'581 ja gegen 5'483 nein führte. Ein hierzulande bekannte Grussform wurde eingeführt: Sânâtate - Heil - mit erhobenem rechtem Arm zu sprechen (wenn auch ohne - Hinkel).

Die Anziehungskraft des Faschismus für die Mehrheit der Rumänen lag im Elend der 70% Bauern (und vermutlich auch daran, dass 70% Analphabeten waren). Auch in Deutschland hatte derselbe ja vor allem zugelegt durch die Weltwirtschaftskrise und die darauf folgende soziale und wirtschaftliche Entwurzelung der Arbeitslosen.
 
Brancusi: Vogel im Raum. 1929
Constantin Brancusi: Säule der Unendlichkeit in Trgu Jiu, Rumänien

 

Der 2. Weltkrieg und das kommunistische Regime (1948-89) - mit dem glorios conducâtor Ceaucescu

Folgerichtig auf Seiten Deutschlands in den Krieg eingetreten, verlor Rumänien 1940 Bessarabien, den Norden der Bukowina und Siebenbürgens. Aus dem mittleren Teil Bessarabiens entstand die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik Moldau, eine gewaltige Vergrösserung des bisherigen Transnistrien, das später, also heute, noch einigen Mais machen sollte.

Als der rumänische Aussenminister Mihai Manoilescu diese Karte (s. unten) sah, bekam er einen Herzinfarkt. Rumänien hatte auf einen Schlag 1/3 seiner Fläche und Bevölkerung verloren. Dennoch fügte man sich, da Rumänien dem Ungarischen und Russischen Heer, nun direkt an der Grenze, nicht gewachsen war, und Hitler, weil er auf das Erdöl angewiesen war.

1940 wurde General Ion Antonescu vom König zum Ministerpräsidenten ernannt und mit umfangreichen Vollmachten ausgestattet. Die Verfassung von 1938 wurde aufgehoben, der König sogleich zur Abdankung gezwungen - was bei der Bevölkerung eher Beruhigung als Widerstand weckte. Die Eiserne Garde wurde zur Staatspartei und Antonescu zum Conducâtor Statului (Staatsführer).

Am 22. November 1940 trat Rumänien dem Bündnis zwischen Deutschland, Italien und Japan bei. Am 22. Juni 1941 rückte die rumänische 3. und 4.  mit der deutschen 11. Armee über den Prut (Bessarabien) vor. Transnistrien und Bessarabien wurden wieder rumänisch. Das hätte den Rumänen nun eigentlich als Kriegsglück gereicht, aber das Ziel der deutschen Armee war Stalingrad ... was dann ja so ziemlich schief ging. Die russischen Panzer durchbrachen dort die rumänische Stellung, die nichts entgegen zu setzen hatte ... und der Rest ist Geschichte.

  1. Am 20. August 1944 begann der russische Gegenangriff. Die 3. und 4. rumänische und die 6. deutsche Armee wurden geschlagen, der Rest kapitulierte. König Mihai I liess Antonescu festnehmen, setzte die Verfassung von 1923 wieder in Kraft, beendete die Diktatur - und das Bündnis mit Deutschland, wonach nicht bloss die Russen (der König hatte vergessen, einen Waffenstillstand zu verlangen) sondern auch die Deutschen auf Rumänen schossen. Dennoch war dies, mit Stalingrad, der Beginn vom Ende, da nun ein grosser Teil der Ostflanke offen war.
  2. 1947 wurden die Bestimmungen des Waffenstillstands von 1944 übernommen. Bessarabien, die südliche Dobrudscha und die nördliche Bukowina waren aber verloren, während das nordöstliche Siebenbürgen zurückgegeben wurde, nicht so ganz zur Zufriedenheit Ungarns.

Rumänien kam nun in den Einflussbereich Russlands - und wurde kommunistisch. Die ersten Anführer waren der aus dem Gefängnis geholte Gheorghiu-Dej (Vorgänger Nicolae Ceauşescus), Vasile Luca und Anna Pauker (deren Mann von den russischen Behörden als Trotzkist erschossen worden war). Als Parallele zur Prawda entstand das Propagandaorgan Scînteia (der Funke), Presseerzeugnisse vergleichbar mit der neoliberal-plutokratischen Propagandazeitschrift <Weltwoche> in der Schweiz.

Die Regierung Groza startete nun eine weitere Agrarreform ... und verteilte die Böden der Deutschen Siedler und rumänischer Kriegsverbrecher und Kollaborateure, sowie den Grund und Boden, der von den Eigentümern nicht selbst bearbeitet wurde.

Das seltsame alte Wahlsystem wurde weiter geführt, und noch ein bisschen mehr "verbogen", so dass die Kommunistische Partei problemlos 378 von 414 Sitzen erhielt.

Die Parteien verschwanden, bis auf eine, der König wurde am 30. Dezember 1947 zur Abdankung gezwungen. Die Namen der Hohenzollern verschwanden von Strassen, Plätzen und Institutionen.

Die bisher fehlende politische Kultur wurde durch das Diktat der Partei ersetzt. Es wundert also wenig, dass Rumänien heute ein bisschen chaotisch organisiert ist.

1948 erhielt die Rumänische Arbeiterpartei, unter dem Namen "Nationale Demokratische Front", 405 der 414 Sitze.

Bis 1950 waren 90% der Industrie, Banken, Transport- und Handelsbetriebe verstaatlicht. Dann folgten Mietshäuser und Kleinbetriebe. Krankenhäuser, Theater und Kinos waren bereits 1848 in Staatseigentum übergegangen. Ab 1950 kamen Hotels, Pensionen und die Immobilien der ehemaligen Industriellen an die Reihe - "sowie andere Elemente, die der Bourgeoisie gehörten".

Die Industrialisierung setzte auf Stalins Vorbild. Gigantomanische Stahl- und Zementwerke entstanden, die ganze Regionen unter Staub und Dreck begruben (Hunedoara, Copşa Mică und viele mehr. Apropos Hunedoara: Deutschland hatte Rumänien bereits in den Frühen 70ern angeboten, den Staub der Eisenhütte zu filtern, und verlangte als Bezahlung bloss den Staub. Abgelehnt!). Einerseits ... andererseits war zuvor Rumänien durch die russischen Besatzer zum <Gemüsegarten der Sowjetrepubliken> degradiert worden. Industrialisierung fand unter der Aegide gar keine statt.

Die Verstaatlichung der Landwirtschaft gelang erst 1959 ... zu einer Zeit also, als diese in Polen und Jugoslawien bereits rückgängig gemacht wurde, da die Fehlleistungen der zentralen Planung sich hier am schnellsten und rabiatesten auf die Versorgung der Bevölkerung auswirkten.

Die orthodoxe Kirche kam unter staatliche Kontrolle, andere wurden verboten. Wer sich mit dem Staat anlegte, riskierte in einem Arbeitslager Sowjetischen Stils, allerdings im eigenen Land, im Donaudelta, zu enden.

Als Chruschtschow 1956 in der UDSSR die Entstalinisierung einleitete, hielt man dies in Rumänien für überflüssig. Rumänien blieb ein Polizeistaat, bis zum Sturz von Ceausescu (1918-89, von çeauş, türkisch: Sendbote). Dieser stammt aus einer armen bäuerlichen Familie, hatte eine Lehre als Schuster abgebrochen, arbeitete sich aber ab 1944 in der Parteihierarchie hoch (unter der Protektion von Gheorghiu-Dej), bis er und seine Familie, sein Clan, das ganze Land eben so im Griff hatten und quasi als Privatbesitz nutzen konnten, wie Saddam Hussein den Irak. So waren auch die Methoden der Machterhaltung die selben: Das Verteilen von Pfründen und Boni. Bestimmend für die Wahl Ceausescus war vor allem on Georghe Maurer, der Präsident des Ministerrates, der seine Position durch Unterstützung Cs 1961 gewonnen hatte. Als Belohnung für die seinerseitige Unterstützung wurde ihm nun sein Job garantiert. So ähnlich wurde auch mit den andern Mitglieder des Politbüros verfahren: Chivu Stoica wurde die Position des Staatspräsidenten versprochen, A. Drâgici die lebenslängliche Position als Innenminister. Apropos hocharbeiten ... als Mitglied der kommunistischen Partei erreichte er den ungewöhnlichen Rekord, zwischen 1933 und 38 vier Mal verhaftet zu werden, was ihm half, sich zum Martyrer zu erklären, aber eigentlich bereits damals ein deutliches Zeichen dafür war, dass er für subersive Aktivitäten schlicht unbrauchbar war.

1966 tat Nationalkommunist Ceau die Nachfolge von Gheorghiu-Dej an, und blieb Staatspräsident bis zu seiner Erschiessung am 25. Dezember 1989. Er und seine Frau traten mit der selben überheblichen Unverständnis ab wie Saddam, obwohl sie die Situation längst hätten begreifen müssen, da z.B. in der immer noch bestehenden, aber doch bereits bröselnden Ostdeutschland das Volk sich grüsste mit Ciao-şescu. Verhasst im Volk war nicht nur er, sondern vor allem seine Frau. Geistig nicht grad eine Leuchte, hatte sie sich die Leitung der Bildungspolitik und Akademien unter den Nagel gerissen und übergoss sich in Permanenz genau so mit Lob wie ihr Gemahl.

Altes und neues Rumänien - bereits 1968 [Sibiu. Photo Edmund Höfer. Verlag Meridiane. Bukarest 1968.]

Das Volk musst wieder, wie schon zu früheren Zeiten, sich offiziell beugen, kooperativ zeigen, aber listige Überlebensstrategien entwickeln. Da die Löhne kaum zum Überleben, geschweige denn zum Leben reichten, mischelte man, verkaufte Produkte der eigenen Firma schwarz, oder tauschte sie gegen Nahrungsmittel, Güter, Dienstleistungen die man selbst brauchte. Der Chef machte das selbe ... und war zufrieden, wenn man ihm dafür am Wochenende das Auto wusch oder reparierte, oder beim Bau oder Unterhalt seiner Villa half.

Die Bespitzelung durch Polizei und Geheimdienste (securitate) wurden ergänzt durch die gegenseitige Bespitzelung, basierend auf Neid. Leider ein menschlicher Zug der schon manch äusserst liebenswertes Volk zu einem doch nicht so liebenswerten gemacht hat (die selben Vorgänge verwandeln den Sudan seit 1989 (Baschir) in eine faschistoid-islamistische Zwangskultur. Wer ausreisen wollte musste zwischen 2'000 und 50'000 $ (- 250'000 $) an den Staat bezahlen, was mehreren Jahreslöhnen entsprach, insbesondere da der Betrag in Devisen entrichtet werden musste ... deren Erwerb und Besitz eigentlich illegal waren ... also zur Verhaftung führen konnten, auch wenn sie aus ausländischer Unterstützung stammten, da Beziehungen zu Ausländern eh verboten waren. Patentes System.

Bis 1964, der sowjetfeindlichen Erklärung der Unabhängigkeit Rumäniens, war die UDSSR DAS grosse Vorbild. Der Chruschtschow-Plan, aus Südbessarabien, rumänischen und bulgarischen Bezirken entlang der unteren Donau einen neuen Bund zu formen, der als jüngste Sowjetrepublik angegliedert werden sollte, änderte das schlagartig. Rumänien hätte damit 48% seiner Fläche verloren, inklusive seiner Hauptstadt Bukarest, Bulgarien 33%. Als Gegenpol zur Unfreiheit im eigenen Land verbreitete er sich propagandistisch international über die blockfreie Bewegung ... blieb aber im Warschau Pakt. Die Reformationen, die in der Tschechoslowakei 1968 mit dem Prager Frühling abgewürgt wurden, fanden in Rumänien nicht statt. Die Unterstützung blieb "rein verbal". Diese Kehrtwende wäre ohne chinesische Rückendeckung nicht möglich gewesen. Man hat diese Strategie: Verbünde dich mit dem Nachbarn deines Nachbarn - am andern Ende / dem Feind deines Feindes - also gut vom französischen Vorbild gelernt. Mit ein Grund warum Frankreich für Rumänien ein Vorbild war, war ja eben, dass Frankreich den Deutschen und Österreichern immer gerne in den Hintern trat, eben von hinten, vom europäischen Osten her. Dank dieser Abwehr gegenüber der Sowjetunion, blieb Ceau leider auch für lange ein Liebling des Westens, ganz egal wie grauenhaft er mit seinen eigenen Leuten umging. So war es Rumänien möglich, 1971 dem GATT und IMF, 1972 der IBRD (Weltbank) beizutreten. Die Oekonomie war allerdings am A..., die Leute warteten stundenlang für die alltäglichen Lebensmittel, die sogar auf "wissenschaftlicher Basis" rationiert wurden.

Empfohlener jährlicher Konsum 1989 pro Person: 54.88 kg Fleisch, 114 Eier, 20 kg Früchte, 45 kg Kartoffeln, 114.5 kg Mehl, 14. 8 kg Zucker, 9.6 l Oel, 1.6 kg Gemüsepaste. Dazu gab es 30 l Benzin pro Person und Monat, Fahrverbot für Sonntage.

Die Bildung wurde der Produktion untergeordnet. Produktionsquoten den Lehrern und Studenten auferlegt, die das Studium mit körperlicher Arbeit ergänzen mussten (was vielleicht nicht mal das Dümmste ist). Um die Effizienz der Ausbildung zu steigern wurden Schulklassen mit 40-45 Teilnehmern gebildet, um Strom und Heizmaterial zu sparen wurde in 3 Schichten, rund um die Uhr, unterrichtet.

Die ersten Anzeichen, dass es dem Volk reichte, waren die Aufstände der Mineure im Jiu-Tal 1977. Der Zusammenbruch folgte dominoartig: Belagerung westlicher Botschaften in Budapest 1989, Öffnung der Grenzen, Fall der Mauer in Berlin, Sturz der kommunistischen Regierung in Prag etcetc. Es ist daraus EINE interessante Lehre zu ziehen: Wenn die Masse die Schnauze voll hat mit Bevormundung, kann sich kein noch so totalitäres, faschistisches, perfektes, stalinistisches System halten. In Rumänien spielten nun seltsamerweise die Mineure, die als erste und am meisten protestiert hatten, eine reaktionäre Rolle, indem sie die protestierenden Studenten in Bukarest zusammen schlugen.

Parteienvertretung 1992:

Demokratische Front der nationalen Rettung
Demokratische Konvention
Partei-Front der nationalen Rettung
Nationale Einheitspartei
Demokratische Union der Ungarn in Rumänien
Partei Gross-Rumänien
Sozialistische Partei der Arbeit

 

117
  82
  43
  30
  27
  13
  13

1990 wurde Ion Iliescu zum Präsidenten gewählt (s. Staatsoberhäupter Rumäniens) ... aber wie in manch ähnliche Fällen waren in vielen leitenden Posten immer noch die alte Garde. Rumänien löst sich nur langsam aus den Wirren ... also es ist 2007 immer noch damit beschäftigt. Die also positive Entwicklung geschilderte Sonderstellung von Sibiu/Hermannstadt betrifft offenbar ebenfalls nur die Stadt, wirkt sich aber kaum auf die Umgebung, die Region, oder gar das ganze Land aus. So ist Rumänien immer noch das Armenhaus Europas .... was ab und zu zu Problemen führt, da unter der emigrierenden Bevölkerung eine doch ein recht hohe Kriminalitätsrate herrscht. Allerdings dürfte der kaum mit Zwang alleine beizukommen sein, denn Armut ist eben kein Problem, dass sich individualisieren und personalisieren lässt.

Die Dominanz national-istischer Parteien lässt nicht viel gutes ahnen, meiner Meinung nach. Vielleicht ist sie allerdings auch bloss Ausdruck der Tatsache, dass Rumänien nie sehr einheitlich war, sondern aus recht unterschiedlichen Völkern, Kulturen und geschichtlichen Erfahrungen erwachsen ist und eine ganze Anzahl Minderheiten integrieren muss. Einerseits ... andererseits ist die Entwicklung in Rumänien offensichtlich umgekehrt verlaufen als im Rest der Welt. Während dem bei uns in der Schweiz der Ausländeranteil inzwischen bei 20% liegt, fiel er in Rumänien auf gut 10% (die Ratten verlassen das sinkende Schiff ...). DAS Problem dem sich Rumänien also offensichtlich zu widmen hat ist weniger der Nationalismus, als die Beseitigung der Armut.

So beruht die Trennung der rumänischen Gesellschaft auch weniger auf rechts-links (auch da sind die Sozialisten bereits rechts der Mitte), sondern auf Stadt-Land-Basis. Die dynamisch-jugendliche Bevölkerung der Städte versucht, wie überall, alles, wie man zu Geld kommen kann, während dem das Land weiterhin billige Nahrungsmittel liefert, von Zwischenhändlern über den Tisch gezogen wird, vom Welt-Markt keinen echten Gegenwert für seine Leistung erhält. s. Bauernopfer

2004 trat Rumänien dem ehemaligen Erzfeind, der NATO bei.

Seit diesem Jahr, 2007, ist Rumänien Mitglied der EU. Die Aufnahme (incl. Bulgarien) wird für die nächsten 6 Jahre fast die Hälfte des Budgets der EU beanspruchen. Nach Schätzungen der EU-Kommission wird die Aufnahme von Bulgarien und Rumänien die Gemeinschaft in den Jahren von 2007 bis 2013 rund 44,3 Milliarden Euro kosten. Zum Vergleich: Der gesamte EU-Haushalt der 25 Mitglieder für dieses Jahr liegt bei rund 100 Milliarden Euro. (Man rechne, was die Aufnahme der Türkei kosten wird ...)

Projekte des SAH in Rumänien zur Stärkung des sozialen Friedens (beendigt, keine Infos mehr vorhanden). Seltsam mutet übrigens an, dass die Schweiz offenbar Ländern, die der EU beitreten wollen, dementsprechende Unterstützung gewährt. Es wäre vielleicht besser, sie hülfe sich in der Beziehung erst mal selbst.

Wiederaufbauprojekte gibt es vermehrt ganz private, von Heimwehsachsen und andern Freunden Rumäniens. (Man muss eben schon ein bisschen wissen, wie das Land "funktioniert", sonst geht das schief, wenn man einfach mit unserer eigenen Ideologie dort einfährt). Diese Bewegung fördert insbesondere die Region Siebenbürgen, speziell Hermannstadt (Sibiu).

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Zur Geschichte der europäischen Juden: Was wir darüber aus der Perspektive Rumäniens lehren können.

Gross-Rumänien 1930   % Rumänien 1948   % Rumänien 1992   %
Rumänen
Magyaren (Ungarn)
Deutsche
Juden
Ukrainer
Russen
Bulgaren
Türken
12.9 Millionen
  1.4      "
  745'000
  728'000
  582'000
  409'000
  366'000
  145'000
71
  7.9
  4.1
  4.0
  3.2
  2.3
  2.0
  0.9
Rumänen
Magyaren
Deutsche
Juden
Zigeuner
Serben, Kroaten, Slowenen
Russen
Ukrainer
13.5 Mio
  1.4 Mio
  343'000
  138'000
    53'000
    45'000
    39'000
    37'000
85.7
  9.4
  2.2
  0.9
  0.3
  0.3
  3.2
  0.2
Rumänen
Magyaren
Roma
Deutsche
Ukrainer
Russen
Türken
Serben
20.3 Mio
  1.6 Mio
  410'000
  119'000
    67'000
    39'000
    30'000
    29'000
89.4
  7.1
  1.8
  0.5
  0.3
  0.2
  0.1
  0.1 
18.04 Millionen Einwohner auf 294'900 km2 15.8 Millionen Einwohner auf 237'500  km2 22.8 Millionen Einwohner auf 237'00  km2

Interessant ist hier auch der hohe Anteil an Juden vor dem 2. Weltkrieg. Rumänien steht hier an 3. Stelle nach Russland und Polen. Dies gilt allerdings für den ganzen Balkan, denn um die Jahrhundertwende lebten auf dem Balkan mehr Juden (2 Millionen) als Albaner oder Slowenen. Die Frage, warum denn nicht ein Judenstaat in Osteuropa gegründet wurde, ist allerdings die selbe, die die Probleme in Palästina erklärt: Andere waren vorher dar, mit ihrer Geschichte und ihren sozialen, politischen und wirtschaftlichen Strukturen. Der Boden war auch hier besetzt.

Während des Mittelalters wurde die europäische Gemeinschaft der Juden geteilt in spanische Juden (Sephardim) und Deutsche Juden (Aschkenasim). Die Sepharditen wurden, mit der Vertreibung der doch toleranteren islamischen Araber (tja, that's life ...) 1491 aus Spanien und Portugal vertrieben. Im Osmanischen Reich konnten sie sich zu den gleichen Bedingungen wieder niederlassen: Ungläubige ... na ja, besser Halb- oder Fehlgläubige, Verirrte - aber doch Leute des Buches, die unter Schutz standen, also nicht wegen ihrer Religionszugehörigkeit verfolgt wurden. Sie siedelten sich vor allem in Griechenland und Konstantinopel an.

Mit der Befreiung Ungarns von den Türken 1711 kam Galizien zu Österreich, was eine Übersiedelung der dort bereits ansässigen Juden nach Österreich erleichterte. 1720 gab es in Ungarn 12'000 Juden, 1787 waren es dann 83'000, 1% der Bevölkerung (4% um 1850). Diese lebten zumeist auf dem Lande ... als Verwalter. Dies erklärt  gleich die Häufigkeit des Namens Meier/Meyer/Meïr), von lat. major, der über den Haus-meier, den Majordomus, den Hausverwalter, später zum Kämmerer oder Regierungsverwalter wurde. Allerdings waren auch in Budapest um 1890 ein volles Viertel der Bewohner jüdisch, 60% der Kaufleute der Stadt, 51% der Rechtsanwälte, 63% der Ärzte - 4% der Beamten. Sie passten sich den Verhältnissen an, waren zum Teil sogar nationalistisch, und, Hauptgrund ihres Problems, äusserst sichtbar und bekannt. Dies führte zum falschen Eindruck, dass alle Juden reich seien, und damit zu Judenhass und Pogromen. Gerade aber weil sie aus vielen Berufen und Tätigkeiten ausgeschlossen waren, verlegten sie sich auf andere, die sie dann beherrschten. 1910 waren 55% der Ungarischen Kaufleute Juden, do 42% der Journalisten, 45% der Rechtsanwälte und 49% der Ärzte. Aber, obwohl 2300 von 4800 Ärzten Juden waren, waren auch nur 2300 Juden unter 800'000 Ärzte ...  Was die Geschäftsleute betrifft, so liegt das Problem darin, dass nicht zwischen Inhabern von Fabriken und kleinen Dorfläden unterschieden wurde. Das Betreiben eines kleinen Ladens ist z.B. heute noch die Leidenschaft der Mehrheit arabischer Unternehmer ... die ja auch Semiten sind. Die Nazizeit überlebten nur 255'000 der 825'000 Juden Ungarns (inkl. Siebenbürgen). In Bessarabien wurden weitere 120'000 getötet.

Einwanderung jüdischer Bevölkerung in die Moldau Walachei
1803   15'000
1859 118'000
1899 197'000
1831 4'000
1859 9'000
1899 61'000

Die Aschkenasim wichen der Verfolgung in England, Frankreich und Deutschland in den Osten aus, vor allem nach Polen und Litauen - damals eine tolerante Weltmacht. Nach der Aufteilung Polens von 1772 und 1795 kam ein Teil unter die wenig tolerante russische Herrschaft ... und zog dann südwärts nach Österreich (präziser: Galizien), Ungarn und in die rumänischen Fürstentümer. Durch das Toleranzedikt Josephs II, und den obligaten Schutz im osmanischen Reich, das Rumänien kontrollierte, waren diese Regionen nun attraktiv für sie. Zwischen 1881 und 1914 emigrierten allerdings 75'000 rumänische Juden, zumeist in die USA.

Während dem 70% der rumänischen Bevölkerung auf dem Lande lebte, lebten 70% der 800'000 Juden (1930) in den Städten.

Juden ersetzten, d.h. vielmehr etablierten in Rumänien das nicht-vorhandene Wirtschafts-Bürgertum. In Bukarest stellten sie 75% der Bankangestellten, 40% der Rechtsanwälte und 2/3 der im Handel tätigen Angestellten, um 1941 1/4 der Ärzte. (Also ein klein bisschen begreift man da schon, dass das Neid und Ärger auf sich zieht). Von den 110 Banken die zwischen 1903 und 1913 in Rumänien gegründet wurden, waren 36 in jüdischen Händen. In Bukarest gab es 40 Synagogen, 19 jüdische Schulen, zwei Altersheime und 3 Krankenhäuser.

Da die Juden meist auch die einzigen waren, die über Bargeld verfügten, verschuldeten sich viele Bauern bei ihnen. Oft waren auch Wucherzinsen schuld an der folgenden Zahlungsunfähigkeit, die zum Verlust des eigenen Landes und ev. gar Hofes führte. So kulminierte auch der Bauernaufstand von 1903 in einem Judenprogrom in Kischinew, das 50 Leben kostete. Die folgende Strafexpedition des Militärs brachte allerdings dann 11'000 Bauern um.

Dazu ist allerdings auch zu bemerken, dass Juden kein Land besitzen durften, womit sie von der dominierenden Tätigkeit damals, der landwirtschaftlichen, ausgeschlossen waren - was sie zwangsweise in die Städte trieb - wo sie aber auch  keine öffentlichen Ämter bekleiden durften - da sie keine Staatsbürger waren - was sie auf Verwaltungsarbeit, Bankwesen und beratende wie publizistische Tätigkeiten verwies - wo sie dann eben dominier(t)en. (s. Psychologie als jüdische Wissenschaft).

Dieser äusserst kurze und unvollständige Abriss enthält aber bereits ausreichend Informationen um zu verstehen, warum auch das Bankwesen von Juden dominiert wurde und wird. Die Gefahr, von einem auf den andern Tag die "Heimat" verlassen zu müssen, oft nach Jahren oder gar Generationen des Aufenthalts, legte es nahe, das Vermögen nicht vor Ort anzulegen, sondern in leichter transportierbarer Form, also in Wertpapieren. Durch diese jahrhunderte alte, meist auferzwungene Tradition der Mobilität, verlegten sich immer mehr darauf, nur solches Kapital anzuhäufen, dass sich leicht transportieren liess, also nebst Papieren vor allem Wissen. Die gleiche Flexibilität führte auch zu einem gehäuften Wissen betr. der Psychologie und Soziologie der lieben Mitmenschen, also Wissen das für die wirtschaftliche Planung eben so entscheidend ist wie für die politische. Wissen also, das auch die Tätigkeit in der Publizistik begünstigt, wo Juden ebenfalls überrepräsentiert sind. Irgendwie sind die Juden also, das vertriebene, das landlose Volk (vor der nicht so erfolgreichen Besetzung oder Rückeroberung Palästinas) eine Art Zigeuner der Oberklasse, die nicht mit Wagen und Pferden herumziehen um Kessel zu flicken, sondern die mit Papier und Bleistift ihre Dienste anbieten können und, dank geschickter Kapitalanlage, immer wieder leicht an einen Wagen kommen, sollte der alte gestohlen werden. Es könnte also gut sein, dass die den Juden seit 2000 Jahren, pardon, da war schon Babylon (5. JH BC) und Aegypten (13. JH BC), also seit 3300 Jahren auferzwungene Flexibilität über das heute allbeherrschende Finanzsystem auf uns zurückschlägt.

Berühmte Juden aus Rumänien

Der Krieg gegen Serbien wurde ebenfalls von Juden ermöglicht: Dazu bringt grad in No 19, 9-22. November 2007, S. 32-43 das Schweizer Wirtschaftsmagazin Bilanz eine interessante Ergänzung im Artikel über die "Erschaffung" oder vielmehr Vermarktung des grossen Dan (Vasella): Jörg Becher. Text: Peter Gut Bild: Der gemachte Mann. Es geht dabei primär um die Rolle seiner Beraterin Kathy Bloomgarden, von der PR-Agentur Ruder Finn. 1991 übernahm diese Agentur im Auftrag Kroatiens, Bosniens und Kosovos die Aufgabe, die amerikanische Öffentlichkeit für die Sache der Kroaten zu mobilisieren. Kroaten und Bosnier sollten als unbescholtene Bürger dargestellt werden, die Serben galt es zu dämonisieren. Was ja prächtig gelungen ist. Noch weniger als beim Angriff der USA auf den Irak konnten sich hier Verteidiger und Sympathisanten der Serben durchsetzen. Wer es wagte, war gesellschaftlich und politisch tot. Der Schachzug war gelungen. Im nun konnte Ruder/Finn die Serben in der öffentlichen Meinung den Nazis gleichsetzen. Die Presse übernahm auch hier, genau wie im Irak, umgehend den "neuen", "angepassten" Sprachgebrauch und redete von ethnischer Säuberung und Konzentrationslagern.

Wir haben hier das Problem "käuflicher Wahrheit", verstärkt durch einen marktorientierten Journalismus (s. Marktzensur - Selbstzensur): Wer bezahlt, erhält die Medienstimme. Verbunden mit dem traditionellen Ablauf von Diskussionen: Wer am lautesten und am meisten redet hat recht, ergibt das eine ziemlich verquirlte Kacke, aber keine glaubhafte Politik.

Vorsichtig sein muss man nun aber auch insbesondere in der Beziehung, dass man derartiges nicht für antizionistische Aktionen verwenden sollte - denn, dieser Unsinn wird nicht nur von Juden betrieben. Richtet sich das Augenmerk zu sehr auf Juden, schleichen die andern und können ihr hinterlistiges Werk um so besser vollbringen. Es gilt aber immer mehr, die Informationsquellen wirklich zu prüfen und sich nicht vom Strom der Massenmeinung fortragen zu lassen, bevor man die Quelle und das Ziel kennt. Quelle und Ziel könnten nämlich, wie in den beiden oben genannten Fällen, ein propagandistischer Sumpf von Scheisse sein.

Moldawien

s. auch, auf deutsch: Jüdische Kultur

 

Kirche, Ostansicht, des Klosters Suceviţa in der Moldau
[Ion Miclea: Süsse Bukowina. Editura sport-turism 1976. S. 287]

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Die Geschichte erklärt recht klar die meisten Ursachen dafür, warum sich nördlich von Rumänien die politischen Einheiten in sich befeindende Brösel auflösen:

Moldavien & Bessarabien

[Hannes Hofbauer; Viorel Roman: Bukowina, Bessarabien, Moldawien. Vergessenes Land zwischen Westeuropa, Russland und der Türkei. Promedia Wien 1993]

Im Gegensatz zum später protestantischen Transsilvanien, dass unter Österreich-Ungarns Herrschaft stand, war Moldavien auch noch unter polnischem Einfluss. Dies vor allem, weil die moldawische Strasse, die alte Bernsteinstrasse, der uralte Handelsweg vom Schwarzen Meer an die Nordsee, zum grössten Teil durch Polen führte und für das Land eine beträchtliche wirtschaftliche Bedeutung hatte.

Moldavien, Bessarabien und die Bukowina wurden von den russischen Zaren bloss als Durchgangsstation nach Istanbul betrachtet. In den Geheimabkommen zwischen Österreich und Russland von 1896 etwa wurde beschlossen, dass beim Zusammenbruch des Osmanischen Reiches Österreich Bosnien und die Herzegowina, Russland Süd-Bessarabien erhält.

Die rumänischen Interessen waren hier in der "grossen Politik" immer nebensächlich. 1787 besetzt Russland im 4. Russisch-Türkischen Krieg Moldavien. 1806, im 5.  Russisch-Türkischen Krieg wird Moldavien wiederum ohne Gegenwehr besetzt. 1812 annektierte Russland Moldavien. 1818 besetzt Russland Moldavien und die Walachei - verlässt beide aber 1834 wieder.

Nebst russischen, ukrainischen und serbischen Bauern kamen aber gerade in den 20er und 30er Jahren des 19. Jahrhunderts auch immer mehr deutsche Siedler aus der Gegend von Warschau, Bayern und Württemberg dazu. Die meisten fuhren mit dem Schiff, den sog. Ulmer Schachteln, von Ulm an die Donaumündung. Die Siedler erhielten von der russischen Regierung 60 ha Land und das nötigste für Hausbau und Einrichtung. Nebst den zur Verfügung gestellten 150'000 ha erwarben die Deutschen nochmals 180'000 ha Land. Lebten 1827 9355 Deutsche hier, waren es1897 60'000, nach dem 1. Weltkrieg 100'000, die allerdings dann auf Grund des Stalin-Hitler-Paktes nach Deutschland "zurückgesiedelt" wurden.

Ebenfalls stark war die Zuwanderung de Slawen. Nach der Annexion 1812 lebten 36'000 Slawen in Bessarabien, 1858 146'000 und am Ende des 19. Jahrhunderts mehr als eine halbe Million.

1828 hob Zar Nikolaus I. die Autonomie Bessarabiens auf. Rumänen, Ukrainer und andere Nicht-Russen mussten nun russisch sprechen, wenn sie in der Verwaltung tätig sein wollten.

Die Feudalherrschaft war hoch hierarchisch, gestützt auf schulische Ausbildung und Dienst in der russischen Armee - und schützte sich unter anderem dadurch, dass Bauernsöhnen (von Töchtern gar nicht zu reden) der Besuch einer Schule verboten war. Nach 100 Jahren russischer Herrschaft konnten nur 15% der Bevölkerung lesen.

Im Frieden von Adrianopel musste die Hohe Pforte, nach 6 russisch-türkischen Kriegen, die Oberhoheit über Moldavien, die Walachei und Serbien an Zar Nikolaus I. abgeben, die im 7. russisch-türkischen Krieg prompt wieder als erste an der Front standen. Zwischen 1900 und 1904 erhoben sich die Bauern Bessarabiens vierzehn mal, da sie wieder um die Landreform betrogen worden waren.

Im Versailler Vertrag (1. Weltkrieg) kamen die Bukowina wie alle mehrheitlich rumänisch besiedelten Gebiete der ehemaligen K&K-Monarchie an Rumänien. Die Grossmächte England, Frankreich und die USA erlaubten aber keine sozialen und politischen Reformen in den Grenzgebieten zur UDSSR. Am Rande eines grossbürgerlichen Gross-Rumäniens verblieben diese Regionen also als landwirtschaftliche Peripherie, welche die Weltmärkte mit billigen agrarischen Produkten versorgte. Die heutige Armut ist also zum Teil auch Folge der typisch französischen Politik (divide et impera) des cordon sanitaire.

Eben so hinterlistig und nachhaltig schädlich war allerdings die Politik Stalins, der in Transnistrien eine neues Moldawien gründete, das es so historisch nie gab, dessen Hauptaufgabe aber darin bestand, die Wiederbesetzung Bessarabiens vorzubereiten und die Rumänen ständig unter Druck zu halten, da sie dauernd grössere Truppen in den Raum stationiert haben mussten.

Für Moldavien repräsentiert das politisch geschaffene Transnistrien den alten Anspruch Russlands auf ihr Land - die russlandfreundliche Bevölkerung Transnistriens dagegen kann sich nicht mit dem rumänischen Staat identifizieren. Der nationalistisch-überhebliche Umgang der mehrheitlich rumänischen Bevölkerung Moldaviens mit den Russen , der selbe, den sie selbst früher von Oesterreichern, Ungarn, Türken, Polen und Russen erfahren haben, macht äusserst verständlich, dass sich Transnistrien hier nicht anschliessen will, was in blutigen Auseinandersetzungen zwischen Militär Moldaviens und lokalen Russisch Sprechenden deutlich gemacht wurde.

Ebenso versucht die Region Gagausien (christliche Türken), südlich von Comrat, sich von Moldavien zu lösen.

Die Tatsache allerdings, dass die Russen die Republik Moldawien nannten und nicht Bessarabien, war ein Zugeständnis an die rumänisch sprechende Bevölkerung.

1940 annektierten die Russen in der Bukowina und Bessarabien 50'000 km2 , vorwiegend rumänisch besiedeltes Land, und gründet die Sozialistische Sowjetrepublik Moldawien.. Das vertraglich vorher festgehaltene totale deutsche Desinteresse mag viel dazu beigetragen haben, dass Rumänien 4 Jahre später die Seite wechselte. 300'000 Bewohner Bessarabiens wurden nach Sibirien deportiert, alles was nicht niet- und nagelfest war nach Russland transportiert - und der Rest zerstört. Taktik der verbrannten Erde - Schicksal eines typischen Grenzbereiches. Tausende von Rumänen werden deportiert, und die darauf folgende Hungersnot von 1947 raffte 200'000 Menschen hinweg.

Von den 275'000 Juden die 1930 in der Region ansässig gewesen waren, war nach dem Krieg 1/3 verschwunden. Allerdings kamen auch 400'000 rumänische Soldaten in russische Gefangenschaft, von 160'000 wurde nie mehr gehört ...

Am 13. Juni 1990 erklärte sich die Moldawien (Republik Moldau / Moldova), noch innerhalb der UDSSR, als souverän. Am 27. August 1991 löste sie sich als unabhängiger Staat völlig von der UDSSR. 1989 betrugen die Bevölkerungsanteile der 4.34 Millionen Einwohner:

Ethnie (s. Karte) Anzahl %
Moldauer (Rumänen)
Ukrainer
Russen
Gagausen (christl. Türken)
2.8 Millionen
ca. 600'000
560'000
153'000
64.5
13
13
  3.5

In einer Vereinigung mit Rumänen sieht Moldawien wenig Vorteile, da es der Gemüsegarten der UDSSR war ... und in dem Bereich also 1. Konkurrent Rumäniens, innerhalb dessen Grenzen es bloss (wieder) eine Randprovinz wäre. Moldawien gehörte bis zu 1990 zu den reichsten Provinzen Russlands. Mit dem Transnistrien-Konflikt wurde es allerdings inzwischen zu einem der ärmsten. Stark in Mitleidenschaft gezogen wurden auch die Weinexporte, für die Russland der wichtigsten Abnehmer gewesen war.

Bukowina

1774, im Frieden von Kütschük Kainardschi, rückt die Grenze mit Russland näher, bis an den Dnjestr. Österreich besetzt im folgenden Jahr die Bukowina, und bleibt Besatzungsmacht bis 1918.

Die Bukowina blieb durch intensive und gut dokumentierte Bestechungsarbeit am Osmanischen Hof in Istanbul bei Österreich, auch als sich die Kräfteverhältnisse zu Gunsten der Türken änderten. Sogar Alexander Ypsilanti (1774-82), Fürst der Walachei, arbeitete als Spion für Wien und meldete die verzweifelten Versuche des moldawischen Fürsten Chica II (der dadurch seinen Kopf verlor), sein Reich von dieser Herrschaft fern zu halten, prompt nach Wien. Wenn man also heute (noch) sagt, der Balkan beginne in Wien, dann ist das vielleicht nur die halbe Wahrheit. Vermutlich hat Wien den Charakter der Balkanvölker weitaus stärker verformt, als man es dort gerne wahr hätte. Die Bukowina wurde in die 10x grössere Provinz Galizien (Rotrussland) integriert. Dies war verbunden mit dem generellen Scheitern der österreichischen Politik in Transsilvanien, wo 1784 (Aufstand von Horea) die ungarischen Adeligen von rumänischen Bauern gejagt wurden. Das Schicksal der Bauern hatte sich im 18. JH verschlechtert. 7% der Bevölkerung konnte als <Elite> betrachtet werden (also so ähnlich wie heute ...), die den Rest der Bevölkerung als Bedienstete behandelte. Mit den Worten eines französischen Beobachters aus der Zeit: Hier (in Transsilvanien) sind diese alten englischen Barone, diese französischen Grafen (comtes), die von ihren kleinen Schlössern aus ihre Diener als Mobiliar ansehen, das sie benutzen können wie sie wollen und deren Freiheit, Arbeit und sogar Leben sie verspielen, verkaufen oder entfremden  dürfen. [Pop/Bolovan S. 443] Diese Bedingungen führten zu einer verstärkten Auswanderung in die Ebenen der Walachei, Moldawiens und des Banats.

Die hier ebenfalls starke Vertretung von Juden wurde verursacht durch attraktive Steuergesetze, nach denen Juden nur 5 Gulden Steuern pro Jahr bezahlen mussten - wodurch der wirtschaftliche Aufbau doch stark beschleunigt wurde. Aus diesem Kulturkreis stammt etwa auch der Dichter Paul Celan.

1848 wurde hier die Leibeigenschaft beendet, 1850 die Bukowina als Herzogtum von Galizien wieder getrennt und direkt Wien unterstellt. Die russische Intervention zu Gunsten Österreichs 1849 machte die Gründung eines nach Westen orientierten rumänischen Staates innerhalb der Donaumonarchie unmöglich.. Moldavien und die Walachei blieben unter türkisch-russischer Doppelherrschaft, den einen tributpflichtig und politisch loyal, den andern geistig (orthodox) gefügig.

Der Entwicklungsstand war hier fast noch dürftiger als in Siebenbürgen. Neben dem lateinischen Gymnasium in Czernowitz (1808 gegründet), ab es Mitte des 19. JH. nur 34 ordentliche Schulen für Rumänen, 104 1865. Diese konnten nicht mal 10% der Kinder aufnehmen.

1875 entstand dann die Kaiserlich-königliche Franz-Joseph-Universität zu Czernowitz.

Heute ist die Bukowina aufgeteilt zwischen Rumänien und der Ukraine. Dies nicht ganz zu Unrecht, denn die Bevölkerungsverteilung am Ende des 1. Weltkriegs bestand aus 300'000 Rumänen, etwas mehr als 300'000 Ruthenen und 200'000 Deutschen, Polen, Ungarn etc.

 

LINKS:

Weitere Entwicklung seit dem Sturz Ceausescus:

Heute boomen einzelne Regionen Rumäniens, insbesondere Hermannstadt/Sibiu und Bukarest. Da sogar die Bauarbeiter knapp werden, importiert Rumäniens Arbeitskräfte aus Moldavien und der Türkei, und holt seine "Wirtschaftsflüchtlinge" zurück.  Viel Geld fliesst, vieles allerdings in private Taschen. Die Korruption grassiert immer noch. Die Politik ist immer noch grauenhaft. Ministerpräsident Tariçeanu und Präsident Basescu sprechen offenbar seit Monaten nicht miteinander. Die Regierung ist längst handlungsunfähig. Die heutige Dynamik der Wirtschaft hat überhaupt keinen Bezug zur Politik. [Peter Hartmann: Dracula wohnt nicht mehr hier. Das Magazin Nr. 17, 26.4.-2.5.08].

Geschätzte 3 Millionen rumänischer Emigranten in Spanien, Italien, Griechenland, Deutschland und der Türkei (das legerere mediterrane Umfeld passt den meisten Rumänen besser als die doch eher kleinkarrierten Schweizer, Deutschen und Oesterreicher ...) schicken jährlich über 6 Milliarden Euro nach Hause. Viel Sorge braucht sich Europa und die Schweiz also nicht zu machen, von rumänischen Arbeitskräften überrannt zu werden.

 

Problematisch ist nach wie vor die Situation der Zigeuner, zumeist Roma (alle "Zigeuner" oder "Fahrenden" als Sinti und Roma zu bezeichnen ist zwar "politisch korrekt", aber dennoch Unsinn, denn Sinti und Roma sind zwei Völker unterschiedlicher Herkunft und Tradition. Unter den Zigeunern gibt es aber noch mehr Stämme). 620'000 sollen es sein, als realistischere Schätzung gilt 1 Million, aber es könnten auch bis zu 2.5 Millionen sein. 44% Analphabetismus bei Männern, 59% bei Frauen. Nur 684 Roma studieren an Universitäten. Die Arbeitslosigkeit wird allerdings auf bloss 4 % geschätzt - allerdings gelten Roma mit mehr als 2ha Land nicht als arbeitslos, da sie so selbstversorgend leben können.

Kultur:

generelle Infos:

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Martin Herzog, zur Hälfte (mütterlicherseits) selbst Siebenbürger Sachse, aus dem Geschlecht der Dengel von Marpod, Basel, 24.10.07

Uli Stein

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