Politische Karten zu Politik bei Brainworker und Think-Tanks

| CVP und FDP, die eigentliche Mitte, wurden zerrissen
zwischen den Extremen der
Kollektiv-Staatsautoritären und der Individualistisch-Wirtschaftsautoritären.
Es handelt sich bei ihren aktuellen Problemen also mindestens eben so sehr Systemfehler wie Fehler der
Politik der Mitteparteien selbst.
Während die Grünen in England offensichtlich eher libertär sind, folgen unsere Grünen hier offenbar einem eher konservativen Kurs: Linkskonservative: Erhaltung von Natur und sozialen Grundlagen, Erhaltung der geringen, aber doch mal gemachten sozialen Fortschritte. Rechtskonservative: Erhaltung des Status quo der Macht und der ungleichen Verteilung Beiden gemeinsam ist das Pochen auf Rechte. Beiden fehlen aber offenbar wirklich neue Ideen zur Entwicklung der Schweiz und der Wirtschaft. Diese Politikbanane zeigt auch, warum es ab und zu zu recht seltsamen Koalitionen zwischen Grünen und der SVP kommt (Europa niet), denn was Konservativ betrifft, sitzen halt oft beide im selben Boot. http://sotomo.geo.unizh.ch/papers/parlaKarte.99-03.pdf Unter http://www.parlamentsspiegel.ch/welcome/parlaspiegel/parlaspiegel-de.html können Sie weitere Karten abfragen, insbesondere zum Abstimmungsverhalten zu verschiedenen Vorlagen. Diese zeigen nicht nur das, was Sie eh erwarten, sondern auch, dass in weitaus mehr Fällen Übereinstimmung herrscht, als man laut Medien glauben könnte. Da allerdings Streitereien weitaus interessanter sind als Übereinstimmung, wen wundert's, dass sie weitaus mehr Platz beanspruchen. |
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| FDP und CVP vermischen sich zusehends und schaffen Distanz zur SVP - SVP setzt sich auch selbst rechts ab. |
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| Die Blockbildung setzt sich fort. Offensichtlich herrscht keine klare links-rechts-Polarität, sondern die Schweiz verfügt über eine starke Mitte, die Extreme linker wie rechter Provenienz ausbremsen kann. Eigentlich positiv, scheint mir ein recht stabiles System zu sein. |
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WICHTIG:
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FDP
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Die
Untersuchung des Tagesanzeigers (1. Beitrag: Appenzell: Fürs Soziale ist die
Familie zuständig. 9.7.07. S. 3) macht hier einiges klar was die SVP
betrifft. Das politische Profil des Kantons Appenzell Innerrhoden entspricht
fast perfekt dem der SVP - mit Ausnahme der doch wichtigen Stellung
"wirtschaftliche Liberalisierung", die aber dem dort sehr stark vertretenen
Freisinn zu verdanken ist. Appenzell-Innerrhoden ist der ausgesprochenste Gegner
aller sozialstaatlichen Massnahmen. Die Mutterschaftsversicherung ging hier
mit 74% bachab, der stärksten Ablehnung in der gesamten Schweiz - und
nirgends sind die Arbeitslosen- und Sozialhilfequoten so tief wie hier. Weil
man exponiert ist, sich nicht traut, da das zum Ausschluss aus der Gesellschaft
führt.
Sieht man sich den Kanton AI aber genauer an, so ist der gerade mal 172 km2 gross, also doch 5 x grösser als BS - allerdings mit einer Bevölkerung von bloss 15'000 Einwohnern, was einer Kleinstadt entspricht. So kennt man sich und die Anonymität fehlt.
Dies führt aber nicht nur zu einem sozialen Anpassungsdruck/Gruppenzwang dem die Schwächeren einseitig ausgesetzt werden, sondern auch "die Starken" werden zur Verantwortung gerufen.
Der Landammann betreibt oft, höchst unkonventionell, selbst Eingliederungshilfe, fragt bei diesem oder jenem Unternehmer persönlich an, ob er nicht diesem oder jenem Arbeitslosen eine Chance geben wolle.
Dies machen z.B. auch die Lehrer, die, wenn nötig, am Abend beim Unternehmer an der Haustür klingeln und melden, sie hätten noch zwei Schüler ohne Lehrstelle. Wenn diese keinen Platz fänden, käme es gar nicht gut. Irgendwann ist man weich geklopft und sagt zu, so ein Unternehmer.
Eine heile Welt ... na ja, die Landflucht zeigt, dass die meisten dieser Art heiler Welt lieber entfleuchen wenn sie können - aber eben doch eine andere Welt, eine sozial geordnete Welt die Verlierer und Schwache nicht verbannt, sondern sich auch um diese kümmert, wenn auch nicht all zu zimperlich.
Das Modell funktioniert in Appenzell und andern ländlichen Kleinstaaten - versagt aber in der arbeitsteiligen Stadt in der meist Fremde nebeneinander wohnen, sich sogar als Nachbarn oft jahrelang nicht kennen, ja vielleicht nicht mal grüssen. Nicht aus Missachtung, sondern einfach weil der Andere genau wie man selbst nur ein Partikel einer einigermassen unübersichtlichen Masse ist, die eben nicht so gemanagt werden kann wie eine übersichtliche, kleine Gesellschaft - die sich eben die SVP offenbar als Vorbild nimmt. Aus dem Grund ist es als utopisch zu betrachten, den politischen Ansatz der SVP "global" oder schon nur national, oder sogar schon auf einen grösseren Kanton oder Wirtschaftsraum anwenden zu wollen.
Ein noch
extremerer Fall ist das Obersimmental, das praktisch auf nichts mehr Wert legt,
als auf Armee und Polizei: Wir sind ein Volk, das gerne Ordnung hat, wir
wollen klare Werte. Nirgendwo in der Schweiz wurden Schnüffelinitiative,
Abschaffung der Armee, Halbierung der Armeeausgaben, Umverteilungsinitiative
derart stark abgelehnt wie hier.
Hier handelt es sich allerdings um ein politisches Auslaufmodell, den sog. Nachtwächterstaat, der urkonservativ ist: So wie es ist, ist alles gut. Jede Änderung verschlechtert den Zustand. Jeder ist an dem Platz, an dem Gott ihn hingestellt hat. Wir brauchen niemanden.
Dass dieses Modell her überlebt hat, liegt allerdings an handfesten
materiellen Interessen, denn ein grosser Teil der Bevölkerung lebt(e) von der
Ruag, die offensichtlich weitaus
internationaler ist als die Einstellung der hiesigen Mitarbeiter .... Deshalb
fehlt im Politprofil des Obersimmentals auch noch das Sparen und die Steuern
senken ... denn eigentlich lebt ja die Rüstungsindustrie eben von Staatsausgaben
...
Aehnlich
"beschränkt" das Profil des Misox, das wie die Tessiner Bergtäler
aussenpolitische Öffnung total ablehnt - in dem Falle aber auch wirtschaftliche
Liberalisierung, da man stark von Subventionen, also vom Staat abhängig ist. Man
betrachtet dies als "Geist der Unabhängigkeit", da sich das Misox weder den
Grauen Bünden noch dem Tessin wirklich anschloss, also immer den <esprit
de clocher> (Provinzialismus, parochialism) pflegte.
Interessanterweise hat sich hier die Kirche offenbar in der Sprache direkt
selbst als lokalfundamentalistische Organisation per se verankert - obwohl sie
eigentlich mit ihrem Gedankengut global missioniert.
Einen massiven
Fokus auf die Abwehr böser Ausländer hat offenbar der Bezirk Kulm, der damit gut
in den Aargau passt. Eine Initiative, den Ausländeranteil auf 18% zu
beschränken, so ähnlich wie damals von Schwarzenbach angestrebt, wurde in der
Schweiz knapp abgelehnt, im Aargau noch knapper - aber im Bezirk Kulm mit 68%
angenommen, in Renach sogar mit 74%. Das Volksbegehren gegen illegale
Einwanderer fand 66% Zuspruch, wurde schweizweit aber mit 54% Nein abgelehnt.
Die dringlichen Massnahmen im Asyl- und Ausländerbereich mit 74% angenommen, die
Asylinitiative der SVP mit 70%. Also nur halb so viele wie sonst in der Schweiz
sind gewillt, die 2. Generation Ausländer erleichtert einzubürgern. Der
Ausländeranteil ist hier nur geringfügig über dem Mittel, die Region nicht
isoliert und abgeschottet wie das Misox - aber doch weder zu Aarau, noch zu
Luzern direkt zugehörig. Die Modernisierung hat hier viele Verlierer
geschaffen, die denken dass ihnen Ausgrenzung <der Anderen> helfen würde.
Dieser Trend wird genutzt und verstärkt durch viele konservative Freikirchen und
Sekten, bei denen Abgrenzung ja meist ein Kernpunkt der Erlösung ist.
Das Profil von Zürich
dagegen ist eindeutig grün - mit einer
deutlichen freisinnigen Korrektur betr.
wirtschaftlicher Liberalisierung. In Zürich wurde die höchste
Zustimmung erzielt zu Vorlagen wie LSVA, Solarinitiative, Atomausstieg,
Verkehrshalbierung, Tempo 30 - was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass
Städter die Umweltprobleme am deutlichsten vor Augen und in Nase und Ohren haben
... was allerdings auch gerne dazu führt, dass man die Natur, die man selbst
zugebaut hat, nun bei andern (Alpenreservat / 3. Welt) Schützen will, auch wenn
deren Interessen berechtigter Massen ganz anders liegen. "Amüsant" sind hier
insbesondere die Anstrengungen des Basler Oekofilzes, der seit einer Generation
mit Vehement jede grüne Hundekegeldeponie schützt ... aber Natur eigentlich
ausserhalb des Kantons suchen muss und daher ebenfalls vor allem die Andern mit
guten Ratschlägen beglückt. (s.
Geschichte der Ueber- und Verbauung von Basel)
La
Chaux-de-Fonds ist mit 37'200 Einwohnern die typische Arbeiterstadt, seit 1918
mit linker Mehrheit regiert. Steuersenkungen und Sparpakete des Bundes werden
hier so stark abgelehnt wie sonst nirgends in der Schweiz. Mit dem tiefen
Lohnniveau und der hohen Unsicherheit der Stellen sind die Menschen auf den
Sozialstaat angewiesen. Francis Matthey besuchte 2004 als scheidender
Finanzdirektor und ehemaliger Stadtpräsident den Modellkanton Schwyz. Nachdem er
aber vom dortigen Amtskollen Franz Marty erfahren hatte, dass der grösste
Industriebetrieb im Kanton Zug eine Sackmesserfabrik ist (Victorinox, immerhin
eine grosse), und die SchwyzerInnen auswärts studieren und ins Theater oder
Konzert gehen müssen, stand sein Urteil fest: Mit einer
Weniger-Steuern-Philosophie kann man eben keine Gesellschaft aufbauen, die
produziert, forscht, ihre Jungen selbst ausbildet und den Bürgern kulturell
etwas bietet. (Tagesanzeiger 31.7.07, S. 2: Richard Diethelm: Das
Vertrauen in einen starken Staat ist ungebrochen.) Man könnte daran das
links-rechts Modell etwa so formulieren:
Schaffhausen - Mitte aus Extremen.
Ein
"interessanter" Fall ist der Kanton Schaffhausen, denn er entspricht absolut dem
<Mittelmass> der Schweiz. Nichts überbetont - nichts unterbetont. Seltsamerweise
glaubt dies niemand, nicht mal ich, denn immerhin war Schaffhausen einer der
ersten Kantone die eine degressive Steuer eingeführt haben - allerdings unter
Mitwirkung der SP - weshalb vermutlich kaum protestiert wurde. Es gibt
allerdings in Schaffhausen weder Überreiche noch viele Arme, die Schaffhauser
haben der Personenfreizügigkeit mit Osteuropa zugestimmt - aber niemand würde
hier einen Kanton Ostschweiz vorschlagen.
Diese "Mittelmässigkeit", positiv als "Ausgeglichenheit" formulierbar, zeigt aber eben auch die Probleme:
A) Das Problem des faulen Kompromisses, wenn die SP zur Unternehmerpartei wird.
B) Das Problem, dass eine Mitte die zwischen zwei Extremen steht eigentlich niemandes Heimat ist. Die Mitte basiert auf einem Stimmenausgleich zwischen progressiver Stadt und konservativem Land, starker SP und starker SVP, also eine zerrissene, eine etwas teuflische Mitte sogar im Ausgleich.
Das Problem der <teuflischen Mitte>
Einerseits ...
andererseits ist diese <teuflische Mitte> eben vermutlich leider das beste war wir auf Erden kriegen können, denn es steht zu vermuten, dass dieses klare ja - nein, schwarz oder weiss, vielleicht einfach ein Denkfehler ist, denn z.B. im asiatischen Verständnis,
insbesondere im Zen Buddhismus bedeutet Harmonie
einen souveränen Umgang mit den gegensätzlichen Polen eines Spannungsfeldes.
(s. Kritik und
Umgang mit Widerspruch). Die asiatische Harmonie bedeutet eben gerade nicht,
dass sich die einen, die schwächeren, den Vorstellungen der stärkeren beugen
müssen, sondern asiatische Harmoniebegriff beinhaltet von Anfang an beide Pole
eines Spannungsfeldes.
Die Anerkennung dieser Dualität von Gut und Böse, also von Gott wie Teufel, wurde bei uns in Europa im Mittelalter mit Gewaltdurch die Inquisition erledigt. Sie wurde kurze Zeit vertreten durch die Manichäer, Albigenser und Katharer - wobei letztere ja den Ketzern gleich den Namen gaben. Noch weiter lässt sich ihr Ursprung verfolgen zu den iranischen Zoroastriern. Anhand dieses Beispiels zeigt sich besonders deutlich, dass der Islam, die Araber, insbesondere aber der Irak weitaus toleranter war nicht bloss als wir das zugestehen, sondern toleranter als unsere Vorfahren, denn im Nordirak haben die Yesiden, die sog. Teufelsanbeter, bis heute überlebt, bis Bush, heute vermutlich der gefährlichste und dümmste Staatsführer der Welt, dachte, er wüsse es besser. Für die Yessiden gibt es so neben Gott, der für alles Gute zuständig ist, auch den Teufel, quasi als Kontrapunkt, das Yin zum Yang. Sie beten ihn zwar nicht an, respektieren aber seine Existenz, und vermeiden ihn durch die Nennung seines Namens an- oder aufzurufen. Die Yessdis sind also vermutlich das einzige Volk auf Erden, bei dem nicht geflucht wird.

Politisches Profil des Autors:
Eindeutig rot-grün - mit ein bisschen mehr Sinn für Ordnung und Gesetz.
(Muss an den langjährigen Aufenthalten im Nahen- und Mittleren Osten liegen,
speziell Irak, wo's schon immer ein
bisschen gar chaotisch zuging.
Das völlig fehlende Interesse an einer restriktiven Ausländerpolitik ist auf die
selbe Ursache zurückzuführen: Ich war selbst Ausländer für 10 Jahre -
anderswo, speziell im
Jemen und im
Irak - und hab dort überall viel mehr Toleranz erlebt als in der Schweiz
gegenüber mir, geschweige denn gegenüber Ausländern vorhanden ist.
Dass die wirtschaftliche Liberalisierung hier fehlt liegt daran, dass meiner
Meinung nach die Wirtschaft sich eh schon zu viele
Freiheiten nimmt,
Geld regiert - und das herrschende neoliberale Credo lautet:
Raubzüge mit
Netz -
lieber ohne Gesetz.
Martin Herzog, Basel