Freiheit, Macht, Herrschaft und Gewalt. Während die Wirtschaftsanarchisten (Liberale) paradoxerweise an der Macht sind, fehlt den Sozialliberalen das Forum
Neo-Neo-LIBERALISMUS UND sein faschistoider FREIHEITsbegriff
Moderne Ökonomie: Umgang mit Knappheit oder mit Überschuss, Überfluss und Überdruss?
GUTE ARBEIT: Wie kam sie abhanden, was bedeutet Gute Arbeit und wo können wir sie wieder schaffen?
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| ... und die Dominanz finanzwirtschaftlichen Denkens über die Betriebswirtschaft ruiniert auch noch die Betriebe. |
Wirtschaft wie Politik können als Mittel zur Befreiung,
aber genau so gut als
Instrument der Disziplinierung,
genutzt werden.
Warum
wehren sich Anarchisten, Sozialanarchisten genau so wie Wirtschaftsanarchisten,
derart gegen die Politik? Was die
Anarchisten
betrifft, so ist es historisch bedingt, da die Politik im 19. Jahrhundert
Machtpolitik war, galt es das Individuum davor zu schützen. Was die
Wirtschaft betrifft, so hat diese insofern recht,
als das Wirtschaften über einiges mehr an Freiraum verfügen muss um gedeihen zu
können als die Politik, sie hat aber, wie die Anarchisten alter Schule, unrecht,
wo sie die Politik für schädlich hält. Politik steht zwischen Natur und
Gesellschaft, zwischen Moral und Wirtschaft. Sie erfüllt hier eine notwendige
Mittlerrolle. Wer Politik abbaut, privatisiert auch Macht und Gewalt. R.E. Park
von der Chicagoer Schule der Soziologie, einer der Begründer der Humanökologie,
zeigte diese Ordnungsprinzipien in seiner humanökologischen Pyramide bereits 1936
auf. Die freiste Ordnung ist die natürliche Ordnung, sie dürfte aber auch die
härteste sein. Die wirtschaftliche Ordnung muss Rücksicht nehmen auf Natur und
Gesellschaft, deren Existenzrecht und Ansprüche ihre Freiheit begrenzen. Die
moralische Ordnung, Konventionen, formelle wie informelle Gesetze, beschränken
die Freiheit am stärksten. So weit ist das Bestreben der Wirtschaft nach mehr
Freiheit verständlich und rational. Die Kritik wird allerdings irrational (uvernäuftig), wenn sie Politik und Moral
als wirtschaftshemmend bezeichnet und ganz abbauen will. Denn damit gehen 2/3
der Kultur bachab und, wie wir es eben zur Zeit erleben, die Orientierung an
einer einigermassen verlässliche Ordnung flöten. K. Egger hat bereits 1975
deutlich gemacht, dass die Sache eigentlich genau umgekehrt liegt. Es sind nicht
Politik und Kultur welche die Wirtschaft übermässig beengen, es sind Ökonomie
und Technik die einen übermässigen Einfluss auf die Politik ausüben. Die
Leitziele unserer Gesellschaft, die früher religiös begründet waren und
allenfalls aus der lokalen Kultur heraus wuchsen, wurden allesamt ersetzt durch
Ziele die von der Wirtschaft gesetzt werden, also von Betrieben. Die
ganzheitlichen Weltbilder die Metaphysik und Philosophie lieferten, wurden durch hoch spezialisiertes wissenschaftliches,
dafür leichter verwertbares, Brosamenwissen ersetzt.
Mit der Zielsetzung übernahmen die Betriebe gleich auch die Disziplinierung der Arbeitnehmer und die Dressur des gehorsamen Bürgers. Diese finden heute nicht mehr über Politik und Schule, sondern vor allem über den Arbeitsmarkt statt. Die stärkste Peitsche ist die periodisch wiederkehrende, in den meisten Ländern bereits permanent vorhandene, Arbeitslosigkeit. Diese erzeugt Angst, Fügsamkeit, Unterwürfigkeit, und dies in weitaus höherem Masse als es die meisten staatlichen Regierungen je erzeugen konnten. Betriebe sind zu kleinen Königreichen geworden, in denen jeder um seine Pfründe balgt und sein eigenes kleines Fürstentum einzurichten sucht. Demokratien sind in Betrieben nach wie vor nur selten zu finden, obwohl "selbst verwaltete Betriebe" mal ein Schlagwort war.
Spinnerte Verschwörungstheorie? Wissen Sie, dass in den USA die Firmen das Recht haben, ihren Angestellten das Rauchen und den Alkoholkonsum zu verbieten, auch ausserhalb des Betriebes und in der Freizeit? Dass sie die Einhaltung dieser "Firmengesetze" per Drogentest überprüfen dürfen und dass in den USA MitarbeiterInnen wegen privaten Rauchens oder Alkoholkonsum auf Grund eben solcher Tests entlassen werden? USA .... hehre Verteidiger der Freiheit weltweit ... scheiss drauf.
Betriebswirtschaft hat weitaus mehr Affinität zu Autorität, bis hin zum Faschismus, als zu Freiheit oder gar Anarchie. Betriebe müssen klare Ziele setzen, und dies geschieht von Oben herab, hierarchisch. Angestellten haben in erster Linie zu gehorchen, allenfalls bleibt ihnen die Freiheit, den Betrieb zu wechseln. Aber auch diese wird um so begrenzter, je enger der Arbeitsmarkt wird. Und letzterer wird um so enger, je spezialisierter Ausbildung und Erfahrung werden.
Betriebe verlangen:
Wichtigstes Lebensziel jeden Lebewesens war aber eigentlich immer die Reproduktion. Am demographischen Wandel, an der Bevölkerungspyramide, zeigt sich am deutlichsten und unwiderlegbarsten, wie destruktiv die einseitige Orientierung an betriebswirtschaftlichen Maximen ist. Die Betonung von Rendite, Produktivität und Eigennutz hat die Reproduktionsrate vieler der so genannten entwickelten Länder so tief gesenkt, dass die Bevölkerung schrumpft.
Die Leistungen, die Eltern durch die Erziehung ihrer Kinder der Gesellschaft zukommen lassen, haben unter anderem zwei hervorstechende Merkmale:
Die Vorsorge besteht darin, daß die Menschen in ihrer Erwerbsphase jene produktiven Kräfte aufbauen und bereitstellen, mit denen zukünftig – in ihrer Altersphase – Güter und Leistungen, auch und gerade zu Konsumzwecken, produziert werden können.
Mit der Kollektivierung der Ansprüche ging nämlich auf natürliche Weise die Kollektivierung einiger Risiken einher. Wer keine Kinder bekommen kann, wessen Kinder früh sterben, der ist im Alter nicht unversorgt; die Gemeinschaft läßt ihn nicht fallen. So mag man, wenn man unbedingt will, die Kollektivierung der Versorgungsansprüche gegen die Kinder als einen Akt der Solidarität deuten.
http://die-neue-ordnung.de/Nr62001/HN.html
Das betriebswirtschaftliche Denken: Kinder bedingen einen enormen Aufwand an Zeit und Geld, sie kosten bis zu 1 Million! führt in allen "entwickelten" Ländern dazu, dass weniger Kinder geboren werden (nicht gezeugt, denn gezeugt werden vermutlich fast überall so viele wie im katholischen Irland, das Abtreibungen verbietet) als dies für die Erhaltung der Bevölkerung eigentlich nötig wäre:

Die Geburtenziffer die eine stabile Bevölkerung garantiert läge in Europa bei etwa 220. (2.2 pro Frau/Familie, auf Grund der Kindersterblichkeit muss sie etwas höher liegen als 2(00)). Die Fruchtbarkeit der Schweizer Frauen sank rasch von 1,55 Kindern je Frau im Jahr 1990 auf 1,27 Kinder 1999. (Die Zahl scheint etwas dubios, das BFS rechnet mit einem Wert von ca. 1.4, was allerdings nicht viel besser ist).

Weniger Kinder bedeuten aber auch weniger Konsum, damit weniger Produktion, weniger Wohlstand, weniger Dynamik, weniger Innovation und generell: Weniger Lebensqualität. Umkehren liesse sich dies nur durch eine viel höhere Anerkennung individueller Erziehungsanstrengungen durch die Gemeinschaft. Die Schweiz kann hier gar nicht überzeugen:

Der Wunsch vieler Frauen nach beruflicher Tätigkeit, nach mehr Teil- wie Vollzeitstellen, nach einem Ausstieg aus dem traditionellen traditionellen Muster: Mann arbeitet, Frau zu Hause - zeigt am deutlichsten, wie wenig wirtschaftliche Freiheit mit persönlicher Freiheit und persönlichen Wünschen im Einklang steht.
Politisch-wirtschaftlich noch zu lösende Aufgaben:
Diese Unterstellung der Politik unter betriebswirtschaftliche Zwecke zeigt sich auch anhand des Irak Krieges. Was man eigentlich von Anbeginn an wissen konnte, wenn man bloss wollte, wird nun durch umfangreiche Untersuchungen belegt: Es gab keine politisch und sicherheitstechnisch relevanten Gründe für einen Krieg. Was bleibt sind die strategischen Interessen der USA zu herrschen, insbesondere den Ölmarkt zu kontrollieren. Bush hat also einen Krieg für wirtschaftliche Interessen - nein, nicht der USA, aber - seiner Kollegen, der Betriebe der US-Erdölmultis, geführt.
Warum betreibt unser grösster Volkstribun und Populist, Betriebsinhaber und Milliardär, Politik? Warum spricht seine Politik meist Mitglieder aus der Unterschicht an? Warum hält sich die Intelligenzija zumeist fern von seiner Partei? Weil hier keine freie Politik für Freie, keine ehrliche Politik für das Volk gemacht wird, sondern Untergebene für eine betriebswirtschaftlich orientierte Politik mobilisiert werden.
Das faschistoid im Titel: Neo-Neo-LIBERALISMUS UND sein faschistoider FREIHEITsbegriff ist damit berechtigt und nicht bloss Effekthascherei. Neoliberale Wirtschaft will keine freien Menschen, sondern gehorsame Angestellte, die mit Freude und aus freier Überzeugung jedes Risiko und alle Kosten übernehmen, die ihnen durch diese Politik und Wirtschaft aufgeladen werden. Die Freiheit die sie meinen hat wenig mit den freien Verträgen gemein, welche die Anarchisten an Stelle einer imperialen Politik wollten, aber viel mit Auftrag und Gehorsam. Lösungen werden keine geboten, denn das ständig wieder holte Wettbewerb, Wettbewerb, Wettbewerb ist keine Lösung, sondern vielleicht ehr Ursache des Problems, insbesondere des Problems Ausschluss.
Martin Herzog, Rheinfelden, 24. Juli 2004
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Definition:
Aufgabe und Funktion des Kapitalmarktes ist die Allokation, also die Umwandlung von Ersparnissen in (volkswirtschaftlich nützliche) Investitionen. Die modernen Kapitalmärkte machten aber die Rente zur Lotterie. Und nicht nur die Rente, sondern auch Berufswahl und Existenz. |
(Globale) Finanzmärkte reduzieren die Komplexität der Welt auf ein paar wenige Zahlen, vor allem aber reduziert sie alles auf ökonomische Werte. Die Finanzwirtschaft hat in den letzten 10 Jahren weitaus stärker zugenommen als die Staatsquote, wird aber kaum kritisiert, obwohl sie mindestens so ineffizient, korrupt, fehlgesteuert und vor allem primär auf Eigennutz aus ist.
Das Geld und seine Kirche, die Finanzwirtschaft, führen so zu einer gewaltigen systemischen Fehlorientierung. Dass sich heute alles nach Preisen und Kosten richtet ist ein Gemeinplatz: Billig - will-ig. Nach der Erfindung des Kompass fuhren allerdings auch nicht alle Schiffe in den Norden, bloss weil das Ding dorthin zeigt. Heute müssen aber nicht nur Unternehmer, sondern auch Politiker, sogar auf Gemeindeebene, immer stärker auf die Reaktion der Finanzmärkte achten (Bodenpreise, Standortswettbewerb, Steuern ...).
Grundlage der Finanzwirtschaft ist das Geld. Geld ist heute, ohne Golddeckung, nicht mehr ein Wert an sich, sondern umlauffähige Schuld. [Details zu Geld bei Simmel: http://socio.ch/sim/index_sim.htm ]
Mit der Aufkündigung der Bretton-Woods-Abkommen 1971 bahnte sich eine unkontrollierbare Geldvermehrung an, gegenüber der das Wachstum der realen Wirtschaft immer weiter in Rückstand geriet. Damit wurde aber auch die Idee aufgegeben, dass alle Werte einlösbar sind. Die immer abstrakteren Geldwerte lösten sich immer weiter von der Realität. Der Umfang dieser seltsamen Geldwerte forciert die Produktion immer neuer immaterieller Güter (Derivative), die keine Wachstumsgrenze kennen.
Ein solches System ist Wirtschaft nur noch dem Namen nach; in Wirklichkeit ist es die Forstsetzung des Krieges mit andern Mitteln. Es ist das System einer permanenten Mobilmachung der Menschen, des ideologischen Taumels einer nie enden wollenden Prosperität und der Realität einer den sozialen Tod vorwegnehmenden Omnipräsenz des Konkurrenzprinzips.
Aldo I. Haesler: Die Doppeldeutigkeit des Fortschritts in der "Philosophie des Geldes". [Binswanger: Geld & Wachstum. S. 61-78]
Definition der Faktorallokation durch Finanzmärkte:
Das Geld sucht sozusagen die fruchtbare Hand.
Simmel
Geld bedeutet freie Bahn, Geld ist ein dem Unternehmer überlassener Befehl, etwas zu schaffen.
nach Schumpeter
Beispiel zum Dilemma Betriebswirtschaf - Volkswirtschaft anhand Aldi-Lidl <> Coop-Migros [Marcel Speiser: Halb so profitabel reicht, um die Schweizer Händler zu schlagen. Tages-Anzeiger, 24. Dezember 2004. S. 25]
| Betriebsgewinn in % des Umsatzes |
Quadratmeterumsatz in Franken |
Personalkosten in % des Umsatzes |
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| Deutschland | |||
| Aldi Süd | 9.3 | 17'251 | 4.6 |
| Aldi Nord | 6.7 | - | 4.9 |
| Lidl | 6.7 | 8'370 | 5.9 |
| durchschnittlicher Supermarkt | 3 | 6'138 | 13.1 |
| Schweiz | |||
| Coop | 3.7 | 12'825 | 18.5 |
| Migros | 2.4 | 13'857 | 22.5 |
Sehen die Schweizer Discounter (von Detailhändlern nicht mal zu reden ...) die Katastrophe winken in der Kolonne Betriebsgewinne in % des Umsatzes - und die Lösung in der Reduktion der Personalkosten, so sieht der gewiefte Volkswirtschafter die Sache genau umgekehrt. Je tiefer die Personalkosten, je weniger Personal angestellt wird und je weniger es verdient, um so mehr sinkt die Kaufkraft des Volkes. Logische Folge: Wenn man im eigenen Land nichts mehr verkaufen kann, erschlägt man die Konkurrenz sonst wo. Wirtschaft ist Krieg mit anderen Mitteln! Deutlich ist auch das von mir betonte Prinzip des Verlusts der Orientierung, Verlust des Augenmasses, insbesondere was eine akzeptable Betriebsgrösse betrifft, durch die Globalisierung. Freier Wettbewerb wäre Wettbewerb unter "durchschnittlichen Supermärkten". Wettbewerb mit Giganten hat mit Freiheit nicht mehr viel zu tun.
Die autopoietische, also evolutive Lösung des Problems:
Obwohl ich's nur zähneknirschend zugebe, eigentlich haben auch hier die Freunde des freien Marktes recht: Das Problem der Ausnutzung makroökonomischer Gegebenheiten durch nur mikroökonomisch optimierende Betriebe wird sich von selbst lösen, denn der Markt schlägt zurück. Zwar verstärkt jeder Betrieb, der Personal reduziert und Einkünfte maximiert seine eigene Position, aber er schädigt den Konsum. Jeder Arbeitslose ist für den entlassenden Betrieb eine Einsparung - aber für die Gemeinschaft eine Belastung, und, das wird von den klassischen Theoretikern vergessen: Jeder Arbeitslose trägt einerseits zwar bei zur Dämpfung der Verhandlungsmacht der Arbeiter bei Lohnfragen - aber jeder Arbeitslose und jede Lohnminderung, auch relative, trägt bei zur Minderung des Konsums. Früher oder später werden auch die heute sehr beschränkt denkenden Betriebe das begreifen, denn bereits heute müssen sie die Konsumenten ja mit allen möglichen Tricks zum Kauf verleiten, ja schon fast dafür bezahlen, dass diese Konsumieren. Da dürfte ihnen ein Mitarbeiter der produziert - und dessen Geld über die der Betriebspensionskasse gehörende Wohnung und Konsum eh wieder in die Betriebe fliesst, dann doch noch lieber sein. Aber das kann dauern. Und wie es meistens so geht, verleidet es den Leuten irgendwann, mit leeren Versprechungen von wegen Wohlstand abgespiesen zu werden und sie werden revoltieren, am ehesten dann, wenn die Revolte bereits wieder überflüssig ist, eben weil die Korrektur schon eingesetzt hat ... weil der Kapitalmarkt längst keine Gewinne mehr abwirft. (Irgendwie "amüsant", diese komplexen Systeme ...). Ein Rückgang der Pirateriegewinne aus den Kapitalmärkten ist aus zweierlei Gründen zu erwarten :
Nicht bloss wegen der Wachstumsschwäche: Ohne Konsumenten ist auch der Kapitalmarkt nicht mal die Hälfte wert: Wirtschaft ist der Kreislauf von Wahren und Dienstleistungen auf der einen, Geld auf der andern, Seite.
Die meisten Börsengeschäfte sind eigentlich auf Absicherung ausgerichtet. Einer erwartet (zu) hohe Preise, der andere (zu) tiefe. Wenn beide die Preisentwicklung nach dem besten Stand des verfügbaren Wissens geschätzt haben, kann die entstehende Abweichung nur auf Zufall beruhen, also werden sich über- und Unterschätzungen ausgleichen und der Saldo wird 0. Bei einer effizient betriebenen Börse, ohne Marktbeeinflussung und Tricks, bleibt den Händlern nur die Handelsmarge. Der gegenwärtige Trend bei Derivaten zeigt deutlich in diese Richtung.
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Auf freien Märkten sollte es, rein liberalismus-theoretisch, eigentlich gar keine Macht geben, da es sich um ein System kommunizierender Röhren handelt in dem jeder von jedem abhängig ist. In der modernen Wirtschaftspraxis hat das Kapital aber hat immer mehr Möglichkeiten, sich in "private Spielkasinos" zurückzuziehen. Dadurch dass es sich dem Wirtschaftskreislauf entzieht, wird dieser geschädigt, obwohl das Bruttosozialprodukt für den Moment bestehen bleibt oder sogar, auf Grund einer Spekulationsblase allerdings, wächst. Der wichtigste Grund für das unmässige Ansteigen der Finanzvermögen, stärker als das BSP, war der, dass diese die einzige Möglichkeit darstell(t)en, das Wachstum weiterhin aufrecht zu erhalten [Mathias Binswanger: Wirtschaftswachstum durch Profits without Production? S. 180]. Der Begründer von Herzogs 1. Theorem zur Überflusswirtschaft [Es ist egal was wir produzieren - solange jemand dafür bezahlt!] ist damit Michael Milken, der junk-bond king, der seine Meinung in die Tat umsetzte:: It is the common perception that capital (Geldkapital) is scarce, but in fact capital is abundant; it is vision that is scarce. Leider blieben aber die Geldhändler beim 1. Theorem stecken und vernachlässigten insbesondere das 1. Axiom der Freiheit: Grundlage jeglicher Freiheit ist eine gesicherte Existenz! Mit ihren absurden Theorien dominier(t)en(?) sie die Wirtschaft, absurd, weil sogar die knobelpreisgekrönte Black-Scholes-Theorie in der Praxis bankrott ging.
Obwohl die Finanzmarktdirektoren also kaum je die produktive Leistung der Wirtschaft steigern konnten, vermochten sie sich immer grössere Anteile des Bruttosozialproduktes anzueignen. Für die Schweiz liegen offizielle Zahlen erst seit 1990 vor. Damals betrug die Wertschöpfung der Banken 9.7% des BSP, schliesst man die Finanzsektoren anderer Branchen ein ergibt sich ein Total von 13.7%. So schöpfte der Finanzsektor bereits 1998, also vor dem Millenniumsboom, knapp 20% des BSP ab. 2001 21%, so waren es 2002 27%! Über ein Viertel unseres BSP wird also von Finanzdienstleistern beansprucht, die bloss um die 100'000 Arbeitsplätze stellen - und diese nun auch noch massiv kürzen. Eben so wenig wurden die Kostenvorteile, die sich durch die enorme Ausweitung des Finanzsektors realisieren liessen, an die Kunden weiter gegeben!
Es sind in der Schweiz also nicht die Staatsausgaben, die am schnellsten wachsen, sondern die Pfründen der Kapital- und Geldhändler. Von 1994 bis 2000 hat das gesamte Arbeitseinkommen aller Haushalte um 12.9 Milliarden Fr. zugenommen. Im selben Zeitraum nahm die Lohnsumme im Bankensektor um 9.7 Milliarden zu. 3% der Beschäftigen haben sich also 75% des Lohnzuwachses angeeignet. Das sieht eher nach einer Wirtschaft für Wegelagerer als nach freier Wirtschaft aus.
Was die von rechts und Wirtschaft viel beklagte Staatsquote
betrifft, so betrug diese 1990 gemäss OECD noch 33 Prozent - offensichtlich der tiefste Wert in Europa und weltweit der zweittiefste
Wert nach jenem Japans. Fünf Jahre später betrug sie schon mehr als 38 Prozent,
und im Jahr 2002 wurde gemäss OECD die Marke von 40 Prozent überschritten.
Einschränkend sei erwähnt, dass das Eidgenössische Finanzdepartement selbst die
Grenze von 40 Prozent noch nicht als überschritten betrachtet.
http://wko.at/statistik/eu/eu-staatsausgaben.pdf
Sogar in dem, für seine wirtschaftliche Effizienz und sein Wachstum hoch gelobten Nachbarland Österreich, liegen die Staatsausgaben aber mehr als 10% höher! In der EU durchschnittlich bei 47.5%, in Japan mit 39.2 % etwa gleich hoch wie in der Schweiz, aber in den USA bei bloss 33.5%. Die Staatsquote hat sichtbar in Japan und der Schweiz stark zugenommen, war aber sonst auch nirgends so tief, und ist heute noch bei den meisten Ländern deutlich höher, insbesondere bei Spanien Kanada, den Niederlanden, Italien, Belgien, Österreich und Schweden, die ihre, allerdings vorher horrend hohe, Staatsquote reduziert haben.
Also schreien Avenir Suisse und SVP zetermordio, da sie den Eindruck haben, alles was der Staat macht, nimmt er der Wirtschaft weg. Von dieser Seite kommt aber nicht auch nur die geringste Kritik am andern, und weitaus effizienteren Abschöpfer, nämlich dem Finanzsektor. Eine Bedrohung wirtschaftlicher Freiheit und Prosperität geht heute also nicht mehr von den Linken aus, sondern von denen, die den Umlauf des Geldes zwischen Arbeit und Konsum zerstören. Angebots- wie Nachfragetheorie, obwohl konkurrierend, gehen davon aus, dass Produktion Geld in die Taschen der Konsumenten bringt, also Konsum ermöglicht. Geld das sich ohne Arbeit vermehrt, also nur bereits bestehende Geldhaufen vergrössert, kann aber den Konsum nicht fördern, höchstens den Geld- und Kapitalhandel, also jobless growth. Diese Geldvermehrer durch Inzest (Geld das sich selbst vermehrt, "arbeitet") schaden heute der Volkswirtschaft weitaus mehr als die dafür gerne verantwortlich gemachten "Linken". Staatspersonal, Staatsaufträge, Staatswirtschaft häuft nicht Geld an, sondern bringt es, durch gute Löhne, in den Umlauf. Staatswirtschaft kann also, wenn nicht übertrieben, wenn sie nicht selbst monopolistisch und dominant wird, zu einer florierenden Wirtschaft beitragen. Hier steht die SVP und ähnlich argumentierende total neben den Schuhen. Der "Feind" ist nicht der Staat, der Feind ist das sich selbst, ohne Arbeit, vermehrende Inzestkapital. 2004 war, trotz einer einigermassen ansprechenden Konjunktur, ein Rekordjahr betr. Bankrotte. Auch hier hat das Kapital wieder zugeschlagen und sich Terrain angeeignet. Wie das gehen soll? s. Die Gesetze der Plutokratie. Aus den dort aufgeführten Wirtschaftsgesetzen wird klar, dass ein Bankrott nicht bloss Verlust bedeutet, sondern auch, Konzentration, Aneignung, also Zunahme von Macht auf der andern Seite. Ein weiterer Effekt der zu leicht genommen wird, ist der Billigtrend. Billig-will ig und Geiz ist Geil führt nicht nur zu billigen Produkten, sondern auch zu Löhnen, zu denen man sich nicht mal die Billigprodukte leisten kann (s. China). Die Urheber von Geiz ist Geil sollte man wegen Irreführung, Volksverdummung, Aufwiegelung, Störung der öffentlichen (Wirtschafts-)Ordnung oder irgend so was einsperren können.
Natürlich nahm der Staatsanteil in den letzten 15 Jahren zu, aber nicht weil der Staat mehr konsumierte, sondern weil er mehr umverteilen musste. Er musste mehr umverteilen, nicht weil die Ansprüche masslos waren, sondern weil die Existenzgefährdung massiv zunahm!
Das seit den 80er Jahren starke Wachstum der Finanzmärkte war hingegen nicht bloss wirtschaftlich ineffizient, da es spekulative Gewinne ohne Produktion (profits without production, Kasinokapitalismus) ausserhalb der realen Wirtschaft schuf. Die abenteuerlichen Mechanismen der Finanzmärkte sind ursächlich daran beteiligt, dass unsere Wirtschaft von einer sozialen Marktwirtschaft zu Chaos, Lotterie und Spekulation verkam. Heute gibt es praktisch keine Kontrolle mehr des Kapitalverkehrs - ganz anders als bei Personen. Auch hier eine seltsame Auffassung von Freiheit. [Das Funktionieren des Kasinokapitalismus wird im Detail erklärt bei Vontobel 2002].
Folgerichtig argumentiert so etwa die Arbeitsgruppe alternative Wirtschaft (gegründet 1975), sogar für Deutschland, das bereits heute eine beträchtlich höhere Staatsquote hat als die Schweiz, gegen die Disziplinierung der Arbeitnehmer durch Hartz, und Arbeitsmarktreform, gegen die Vereinnahmung und Patentierung des Wissens durch Private, gegen Arbeitszeitverkürzung - und für mehr öffentliche Arbeitsplätze und öffentliche Dienste.
Eine starke Rolle in dieser kapitalistischen Umorientierung der gesamten Bevölkerung kommen den Pensionen zu. 1999 verwalteten Pensionskassen bereits 18 Milliarden Dollar, 2010 sollen es 45 Milliarden sein. Die enormen Geldmengen haben mit geholfen, den Börsenballon zu blähen. Möglich wären aber noch viel grössere Ballons, da weltweit erst 15% der Menschen einer Pensionskasse angeschlossen sind.
Pensionskassen dienen aber nicht bloss als Treibstoff für Börsenballons. Sie sind mit Ursache noch weiterer Probleme. Insbesondere fördern sie aufs prächtigste den Denkfehler, dass man Geld für sich arbeiten lassen kann, denn die Zinsen müssen auch bezahlt werden, und auch diese Zinsen werden von der aktiven Generation bezahlt. Je höher die Ersparnisse und Zinsen, desto schärfer das Verteilungsproblem.
Rentner wünschen hohe Zinsen, Kreditnehmer, also diejenigen, die das Geld wirklich zum Arbeiten bringen, möglichst tiefe. Je höher der Zins, desto tiefer Betriebsgewinne wie Löhne. Und sogar innerhalb des Finanzmarktes werden Verteilungsprobleme unter den Teppich gekehrt. Während in den späten 90ern die potentielle Rendite weit über den damals auszuzahlenden 4% lag, konnten die Pensionskassenverwalter beträchtliche Beträge in Reservekassen deponieren, bei denen nie klar definiert war, wem sie eigentlich gehören. 20 Milliarden sind hier versickert. Apropos effiziente Privatwirtschaft - ineffizienter Staat: Aufwand und Verwaltungskosten sind bei Pensionskasse, wie bei privaten Krankenkassen, meist höher als bei AHV und SUVA.
Die Börse verkauft Erwartungen, also Illusionen. Zudem arbeitet sie mit dem Kapitalstock, der erstens aus gewaltigen Beträgen besteht, und dessen Wert höchst unsicher zu schätzen ist. Indem sie sich Anteile aus diesen Wertänderungen bezahlen lässt, realisiert sie die gewaltigen Gewinne (und oft ebenso gewaltige Verluste ...).
Die von Ebner und Co versprochenen realisierbaren Renditen von 15-20% und mehr sind abstrus. In den USA z.B. hätten 2002 20% der Anlagen einem Wert von 2250 Milliarden $ entsprochen und somit dem Vierfachen der Gewinne aller, auch der nicht an der Börse kotierten, US-Unternehmen. Es war ein Betrug - unterstützt durch Dummheit und Gier der Anleger, zu denen sich gegen Schluss des Booms, also bei Anlaufen der Verliererphase, sogar Kirchen und andere NPOs gesellten. Die ganze Chose lief nach der Theorie des greater fool, oder zu gut Deutsch: Den letzten beissen die Hunde. Wer zu lange an die Einlösbarkeit dieser überrissenen Forderungen glaubte, zahlte.
Die Kunst in dem Business ist es, auch zu verdienen, wenn andere verlieren. Werner Vontobel zeigt dies eklatant am Beispiel der Integrated Health Services der USA. Rechtsanwälte und Berater kassierten da 60 Millionen $ + eine Abfindung von 20 Millionen für den Chef, der die Firma eigentlich in den Ruin getrieben hatte. Diese Wertschöpfung (als diese taucht sie, ohne Witz, im BSP auf) war damit vier mal so hoch wie der Umsatz den die noch vorhandenen 115 Angestellten generierten und das 30fache des Börsenwertes. Effizientere Aasgeier gibt es selbst in der freien Wildbahn nicht. [s. Vontobel.]
| Definition Kredit: The true function of credit is to bring into commerce the present value of future profits. Macleod, schottischer Oekonom, vor 100 Jahren |
Die Börse bezieht ihre Existenzberechtigung aus der Behauptung, sie verschaffe den Unternehmungen Geld, also Kredite. Vom weltweiten Bruttosozialprodukt (2001: 33'000 Milliarden Dollar (33 Billionen)) werden im Schnitt bloss 20% für Investitionen verwendet. Der grösste Teil der Investitionen ist aber Bestandteil des normalen Cashflows. Die meisten Netto-Cashflows, ohne Investitionen, sind immer noch positiv, also werden die meisten Investitionen selbst finanziert.
Mit dem Börsenboom sind zudem Kredite und reale Investitionen zurückgegangen. Geld suchte sich profitablere Anlagemöglichkeiten, die ein Gemisch aus reellen Anlagen und virtuellen Erwartungen verkauft, wobei die irreellen Erwartungen oft ganz reelle Werte mit in den Abgrund ziehen. In diesem Geschäft wird folgerichtig oft mehr Zeit und Aufwand investiert, Gewinnversprechungen zu generieren, als wirklich wirtschaftlich tätig zu sein.
Obwohl das Kreditwesen nach wie vor 2/3 der Bilanzsumme der Banken ausmacht, haben es die traditionellen Kredit- und Kommerzbanken längst aufgegeben, mit modernen Investment- und Vermögensverwaltungsbanken zu konkurrieren. Spargeschäfte mit Kleinkunden werden quasi bloss noch aus "Nächstenliebe und aus volkswirtschaftlicher Verantwortung" betrieben. Bereits hier müsste man sich doch auch über die grassierende Sparwut wundern ... weniger allerdings über die Bankspesen und die Knickerigkeit bei Kleinkrediten.
Kredite werden nämlich nicht mit Spargeldern bezahlt, sondern Kredite entstehen, indem Vermögen zu Geld gemacht wird, ohne etwas zu verkaufen (s. Geldschöpfung). Kredit und Geld erwächst aus Eigentum. Mit dem Wachstum von Eigentum wächst das gesamte mögliche Kreditvolumen. Mit dem steigenden Kreditvolumen wächst das Geldvolumen. Ohne Geld- und Kreditschöpfung würde der ganze Investitionsprozess nicht stattfinden. Mit Sparen allein lassen sich die Investitionen nicht finanzieren. Man kann das Geld nicht gleichzeitig sparen und konsumieren. [Vontobel S. 104]. Man kann aber Vermögen behalten und, dank seiner Garantie der Zahlungs- und finanziellen Leistungsfähigkeit, trotzdem zu Geld machen:
Kredit hängt so allein
davon ab,
ob jemand <Kredit> hat,
nicht aber davon,
ob andere Ersparnisse getätigt haben!
Ernst Dorfner: Der Zins in der modernen Geldwirtschaft. Vontobel
Zudem sind gerade die Schweizer Banken derart Risikoscheu, dass den Schweizer Unternehmern "Lebenslängliche Haft(ung)" aufgebrummt wird, wenn sie scheitern und nur Verlustscheine produzieren.
So wird der gewichtigste Teil an Investitionen, nämlich der private Wohnungsbau, über traditionelle Bankkredite, nicht über die Börse, finanziert. Dem Finanzmarkt mit seinen Aktien und Obligationen bleiben also 15 bis max. 25%, d.h. ein Betrag von 1 bis 1.5 Billionen. Die Kosten für die Umwandlung dieser Gelder in Investitionen betragen 1 bis 1.5 Billiarden. Vontobel präsentiert das äusserst bildlich, als Spesen von 100$ die beim Umtauschen einer 200$-Note in zwei 100-Dollarnoten anfallen. Und dieser Markt will die Effizienz der Wirtschaft fördern?
Warum die Diskussionen über das problematische Verhältnis zwischen Betriebs- und Volkswirtschaft meist auf äusserst mässigem Niveau stattfinden, ist nun klar. Es liegt ganz einfach daran, dass offensichtlich die meisten Bürger, sogar aus den oberen Bildungsschichten, bereits von Betriebswirtschaft keine Ahnung haben - von Volkswirtschaft ganz zu schweigen.

85 % aller TeilnehmerInnen haben ein so schlechtes Ergebnis erzielt, dass nicht einmal elementare betriebswirtschaftliche Begriffe vorausgesetzt werden können. Was die Brisanz dieses Ergebnisses zusätzlich erhöht: „Bei den befragten Studien- TeilnehmerInnen handelt es sich um eine sehr selektive Gruppe: Mehr als 95 % der TeilnehmerInnen verfügen über eine Matura. Ein Großteil der Befragten studiert neben dem Beruf an einer Fachhochschule und ist deshalb als außergewöhnlich bildungsorientiert anzusehen“, erläutert Prof. Wolfgang Jütte von der Donau-Universität Krems und schließt daran die Frage an: „Wie würde das Ergebnis erst bei einer repräsentativen Stichprobe breiter Bevölkerungsgruppen aussehen?“
http://www.tsp.at/client/pressegespraech_wirtschaftskompetenz/Presseaussendung.pdf
s. auch
EBC*L: European Business Competence * Licence
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Literatur:
Kernaussagen: Die globalen Investoren stecken zu viel Geld in die Finanzmärkte und schaden damit dem realen Wirtschaftswachstum.
Martin Herzog, Dipl. Ing. ETH, Webdesign, Rheinfelden (> heute Basel), 10. August 2004