Fundamentalismus

Definition Fundamentalismus:

Ende des 19. Jh. entstandene Bewegung des amerikan. Protestantismus zur Abwehr des Liberalismus; sie geht mit Entschlossenheit davon aus, dass die Bibel unmittelbares Wort Gottes (gewissermassen wörtl. diktiert: "inspiriert") und aus diesem Grund irrtums- und widerspruchsfrei sei.

Meyers Grosses Taschenlexikon 1983

Fundamentalismus wird heute, was weder seiner Geschichte noch den Tatsachen entspricht, meist mit dem Islam in Verbindung gebracht. Fundamentalismus entstand aber in den USA als christlich-protestantische Bewegung und ist auch heute noch dort am stärksten.

Dies trifft für das Wort zu, die Sache an und für sich dürfte aber um einiges älter sein. So ist z.B. Savonarola (1452-98) sicher eines der übelsten Beispiele für einen Fundamentalisten. Sicher haben die Medicis in Florenz eine Kunst gefördert, die auch heute noch manchen Fundamentalisten in Rage bringen würde. In der Renaissance entwickelte sich Kultur gleich einem bunten Blumenstrauss. Für viele von uns sind diese Gemälde heute vor allem alte Schinken. Verglichen mit dem was vorher war, ging die Kunst der Renaissance mit Botticelli (rechts: Ausschnitt aus Geburt der Venus), Leonardo da Vinci, Michelangelo quasi auf einen LSD-Trip. Girolamo Savonarola, ein Benediktinermönch, machte sich als Bussprediger (heute würde man das eher als Hassprediger bezeichnen und ihn nach Hause schicken) auf den Weg, um mit der Androhung vom Ende der Welt und Höllenqualen für die Sünder wieder Ordnung herzustellen. Er war ein guter Rhetoriker. Er beherrschte sein Mund-Werk. Er verängstigte sogar den aufgeklärten, mächtigen und reichen Bankier, Mäzen und Fürsten Lorenzo de Medici (Il Magnifico) und brachte Botticelli und seine Genossen dazu, ihre eigenen Bilder im "Freudenfeuer der Eitelkeiten" zu verbrennen. Offenbar waren sie geschickt genug, das nicht all zu effizient zu tun. Als Savonarola allerdings den Papst der Häresie bezeichnete, endete er selbst auf dem Scheiterhaufen - nachdem er erhängt worden war.

Wichtigste Instrumente des Fundamentalismus waren Inquisition und Zensur. Sie dienen der Bekämpfung von Häresie. Als 1633 Galileo von den Medicis fallen gelassen wurde, aus Angst vor der Macht der Kirche, ging die Aufklärung erst mal zu Ende. (Galileo wurde von der katholischen Kirche übrigens erst  1965 rehabilitiert). Die Inquisition war kein Gericht, sondern ein Beschuldigungstribunal: Du bist Schuldig - gestehe! Wer nicht gestand, wurde gefoltert, um die bereits bewiesene Wahrheit aus ihm heraus zu pressen. Ein einigermassen gewalttätiger Umgang mit Apostaten war bereits dem Judentum zu eigen, widersprach und widerspricht aber eigentlich der christlichen Grundhaltung, die ja Liebe und Vergebung betont. Nichtsdestoweniger fügte diese liebenswürdige Religion Gewalttat an Gewalttat. Die ersten 3 Jahrhunderte war die christliche Religion ein Sache der persönlichen freien Entscheidung - und die Christen litten unter Zwang. Obwohl, Diokletian folterte und verurteilte bereits im Jahre 287 die Manichäer (eine Religion zoroastrischen Ursprungs, die später die Albigenser und Katharer inspiriert haben soll und vielleicht auch die Yessidi (Teufelsanbeter) des Irak) zum Tode. Die Waldenser werden 1184 exkommuniziert und ab 1252 verfolgt. Zu dieser Zeit wurde der Inquisitor als religiöser Richter (eigentlich selbst eine Häresie ...) eine Institution. Erst 1848 erhalten sie die Glaubensfreiheit. Das "teuflische" an diesen Konzepten war vor allem der Dualismus: Es gibt einen Gott für das Gute und einen für das Böse. Die verwirrende Realität entsteht aus deren Widerstreit. Ein recht rationales Konzept also, mit dem sich, wie über die Chaotentruppe der griechischen Götter, das irdische Chaos mit weitaus weniger geistigen Saltos begründen liess als über das Konzept des einen "lieben" Gottes.

Der Demiurg der Gnostiker, ehemals Platos Baumeister der Welt, ist ein eher clownesquer Versuch, das widerstrebende Böse und Gute wieder in einem Gott zu vereinigen. Der Demiurg hat die Welt zwar gut gemeint, aber als Bastler und Pfuscher schlecht eingerichtet. Abgesehen davon, dass diese Vorstellung der Allmacht Gottes wie der Ehrfurcht vor Gott ein Bein stellt, scheint der Demiurg doch der herrschende Gott des Industriezeitalters und der Moderne. Alle, je gläubiger desto gewalt-tätiger, verhalten sich so, wie wenn Gott die Welt schlecht eingerichtet hätte und es ihre Aufgabe wäre, dies zu verbessern. Da Menschwerk aber Stückwerk ist, scheitert diese Einrichtung - und es bleibt vom Verbesserungswerk nur das Streben nach Macht und der Dienst an der Macht.

Der absolute Geist ist Gott. Geist ist unendlich. Gott ist unerfasslich. Von Gott soll der Mensch sich kein Abbild machen. ...

Fazit:

Fundamentalisten sind Häretiker, denn sie behaupten, Gott genau zu kennen.

Jeder Muslim bestätigt tagtäglich mehrfach; Allahu akbar, Gott ist grösser ... grösser als alles ... also auf jeden Fall auch grösser als die Vorstellungen, die sich irgend en kleinkarrierter Religionsfuzzi über ihn macht - denn der braucht ihn nur so gross, dass er sich hinter ihm verstecken kann.

Süd- und Mitteleuropa. Spanische Inquisition durch Papst Sixtus IV 1478 - also zu der Zeit, als in Italien die Renaissance blühte. Torquemada wurde 1486-87 Durch Paps Innocent VIII. zum Grossinquisitor ernannt. Die Einführung des Konzepts in Holland schlug kläglich fehl. In Italien übernahm das Sanctum Officium ähnliche Funktionen. Es hielt zwar den Protestantismus aus Spanien fern, aber nicht den Rationalismus. 1820 erst, also nicht mit dem Mittelalter, endete die Inquisition in Spanien mit der Revolution.

Inquisitorischer Fundamentalismus hatte also die Menschen Europas während rund 600 Jahren beherrscht. Dann übernahmen Geld und Markt, die unsichtbare Hand, die Rolle von Gott. Wir müssen uns also heute nicht nur in acht nehmen vor religiösen, sondern genau so vor wirtschaftspolitischen Fundamentalismen. Kommunismus ist nicht der einzige.

Fundamentalismus ist Buchstabengläubigkeit. Fundamentalismus ist konservativ, d.h. er betoniert eine Momentaufnahme im Strom der Zeit. Je stärker der Strom - desto dicker der Beton. Fundamentalisten sehen sich meist als Fels in der Brandung - übersehen, dass die Brandung meist noch da ist, wenn sie den Fels schon längst zu Sand zerwaschen hat. ... Tönt gut, trifft aber genau so zu auf Orthodoxie, und Fundamentalismus muss von Orthodoxie unterschieden werden. Orthodoxie bedeutet "Rechtgläubigkeit", also das Selbe was Fundamentalisten für sich beanspruchen. Orthodoxe Gläubige kümmern sich aber in erster Linie um ihren eigenen rechten Glauben, nicht um den "Irrglauben" anderer, sind also weitaus toleranter und kaum je so militant wie Fundamentalisten, der Leidenschaft das Missionieren ist, wenn's sein muss mit Gewalt. Orthodoxe überlassen das Richten dem höchsten Richter, so wie's eigentlich geschrieben steht (Richte nicht, damit du nicht gerichtet werdest). Hieraus zeigt sich bereits ein typisches Charakteristikum der meisten Fundamentalisten. Sie verteidigen "ihre" Schrift mit dem Leben ... halten sich aber selbst kaum an das, was in der Schrift steht.

2. Fundamentalismus in den USA

Habt acht auf eure Frömmigkeit, dass Ihr die nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel.

Bergpredigt, Mathäus 6.1

Die Evangelikaner [d. meist Evangelikale, engl. evangelicals, s. http://www.efb.ch/Texte/efusa/polit.htm] vertreten einen theologisch_konservativen Protestantismus der gewisse Parallelen zum Pietismus aufweist, wie er im Schwabenland noch weit verbreitet ist. Bereits 1980 bezeichneten sich mehr als die Hälfte der weissen Delegierten der Republikaner als Fundamentalisten. 1988 bezeichneten sich 1/3 der US-Bürger die einer Glaubensgemeinschaft angehörten als Fundamentalisten (NZZ 27.8.1988).

Politik wie Wirtschaft haben sich diesen Trend zu Nutze gemacht: An allen Tele-Evangelisten ist ihre mangelnde Distanz zum bürgerlichen Materialismus auffällig. [http://www.efb.ch/Texte/efusa/fundev.htm] Berühmte Evangelicals sind etwa Jerry Falwell, Jimmy Swaggart (der wegen eines Besuchs bei einer Prostituierten etwas an Glaubwürdigkeit verlor), Jim Bakker, dessen Glaubwürdigkeit wegen einer Affäre mit seiner ehemaligen Sekretärin litt, wie darunter, dass er wegen Missbrauchs von Spendengeldern für persönliche Zwecke, sowie Steuerhinterziehung und Veruntreuung zu 45 Jahren Haft verurteilt wurde und Pat Robertson, Gründer der Christian Coalition, Bewerber um das Präsidentenamt 1988. Letzterer hat gestern, am 24. August 2005 bewiesen, dass für die christlichen Fundamentalisten die selbe Regel gilt wie für islamische: Sie sind keine Gläubigen, sondern streben nach persönlicher Macht. Robertson hat dazu aufgerufen, den venezolanischen Staatspräsidenten Hugo Chavez zu ermorden. (Venezuela hat Oel, die USA brauchen es. Chavez ist Linksdemokrat, die USA eine Geldaristokratie ....) Abgesehen davon, dass die Erde ziemlich leer wäre, würden wir nicht nur jeden Dummschwätzer, sondern auch gleich noch jeden, der uns nicht passt, einfach umbringen, gibt es vermutlich kein eindeutigeres Kriterium, jemanden als Nicht-Christen zu klassieren, als ein Aufruf zu Gewalttätigkeit.

Die Evangelikaner (Evangelikalen) haben substantiell beigetragen zur Wahl von Jimmy Carter, Ronald Reagan, Bush Senior und Junior! Wenn Sie sich das Denkgebäude dieser Gruppierungen im folgenden Text etwas ansehen, werden Sie einiges besser verstehen, warum Bushs Politik für uns Europäer oft ziemlich unverständlich ist.

Ein übles Beispiel vorweg: Der Prediger James Robinson ist der Meinung: Es wird keinen Frieden geben, bis Jesus kommt. Das fundamentalistische Festhalten an diesem Bibelwort bedeutet für die Getreuen, dass jede Lehre von Frieden Häresie ist. Internationale Friedensinstitutionen und Friedensinitiativen, UNO, EG und sogar Bürgerforen (sic!) sind der Antichrist. Wen wundert's, mit welch faulen Argumenten sich Bush gegen den Internationalen Gerichtshof sträubt.

Zur Zeit zeigt sich allerdings, dass auch Fundamentalisten manchmal recht haben. Die Evangelikalen der USA haben nämlich festgestellt, dass die Bibel dem Menschen die Verantwortung für Gottes Schöpfung übertragen hat, und leiten davon ab, dass sich die Menschen (über die Politik u.a.) für Umweltschutz, also auch gegen die globale Erwärmung, und für die Armen einsetzen müssen. Damit geraten sie nun direkt in den Clinch mit ihrem politisch höchstgestellten Mitglied, Bruder Bush.

2.b Evangelikaler Fundamentalismus in Afrika

Die evangelikalen Missionen wirken besonders in den Städten. Dort sammeln sich die entwurzelten Landflüchtigen, geraten meist in Slums, Verschuldung, kurzum eine ziemlich hoffnungslose Situation. Das ist der beste Boden für Wunderheiler: Gott wird alle Probleme lösen - aber jeder ist für sein Heil und die Erlösung von Armut und Krankheit selbst verantwortlich. Obwohl diese Aussage, wenn ernst genommen, Organisationen wie die Kirche auch gleich überflüssig macht, haben derartige populistische Heilsprediger eine Affinität zu Macht und politischer Autorität, die sie nicht kritisieren. Im Gegenzug wird gerade der extreme Protestantismus von Staatsführern, Politikern und Reichen sehr geschätzt, da sie nicht wegen Ausbeutung der Armen angeklagt werden, sondern sich im Selbstbewusstsein sonnen können: "Gott liebt mich. Hätte er mir sonst all das gegeben?"

Die äusserst theatralische Form amerikanischer Gottesdienste, mit Singen, Klatschen, Halleluja, Jesus und oh Lord-Rufen, Erweckungsbekenntnissen und meist Zungenreden fügt sich gut in afrikanische Traditionen. Verstärkend kommt der Wunderglaube hinzu. In einem Punkt wurde aber dieser protestantische Fundamentalismus so fundamentalistisch, dass er gleich das Verfahren wieder einführte, dass eigentlich zu den Thesen Luthers geführt hat, den Ablass nämlich. Natürlich redet heute niemand von Ablass, aber mit:

Also präzise das selbe Verfahren wie im Mittelalter. Die Kirche erhält Geld, steuerfrei, aber für die Erlösung ist nach wie vor das Individuum und Gottes Gnade zuständig. Ein ziemlich fauler Zauber.

3. Der Islamische Fundamentalismus

Ursprung des Islamischen Fundamentalismus sind der Iraner Al-Afghani und der Ägypter Muhammad Abduh, deren Lehren sowohl von Modernisten wie von Fundamentalisten als Grundlage genommen wurden.  Eine einflussreiche Bewegung wurde islamische Orthodoxie, wie aber auch der militante Fundamentalismus, erst über die Muslimbrüder, gegründet 1928 in Ägypten von Hasan al-Banna als Reaktion auf den Zusammenbruch des Osmanischen Reiches. Saiyid Qutb (1906-1966. Ausführliche Beschreibung unter Link) war sein bedeutendster Theoretiker:

1948 wurde er im Auftrag des Bildungsministeriums in die USA geschickt, um (Ruhe vor ihm zu haben und) das dortige Bildungssystem zu studieren. Er wurde jedoch nicht, wie seine Vorgesetzten zu wünschen schienen, „geläutert“. Die Erwartungen, er würde als begeisterter Anhänger des American Way of Life zurückkehren erwies sich als Irrtum.

Im Gegenteil, die Erlebnisse während seines Aufenthalts, die von Qutb so wahrgenommene sexuelle Promiskuität, der Rassismus, die Rassentrennung, die gerade ihn als Ägypter treffen musste, die Hilflosigkeit der Ärmsten und ihre Verachtung, die Huldigung des Geldes, typische Symptome der calvinistisch geprägten USA, die Missachtung für ihn so wichtiger Werte beeinflussten seine Weltanschauung. So erlebte er seinen Aufenthalt in den USA.

Der Islamische Fundamentalismus ist also weder Ursprung noch stärkster Vertreter des Fundamentalismus. Er war bereits in den Dreissiger Jahren eine Reaktion auf den "Kulturimperialismus" der USA. Ähnlich steht es mit der heute berüchtigtsten fundamentalistischen Organisation, der al-Qaida Usama bin Ladens. Sie wurde 1988 in Afghanistan gegründet als Widerstandsorganisation gegen die Russische Besetzung, also mit Unterstützung nicht bloss der Saudis, sondern auch der Pakistanis und, last not least, der USA höchstselbst. Die Stationierung von "ungläubigen" US-Soldaten in Saudi-Arabien führten dazu, dass sich die al-Qaida in der Folge nicht bloss gegen den Kommunismus, sondern auch gegen die USA stellte.

Der islamische Fundamentalismus ist genau so gut begründet wie der christliche, aber für die gesellschaftliche Entwicklung genau so problematisch. So waren Kenner des Sudan von der Entwicklung ab 1989, als sich General Omar al Bashir an die Macht putschte, ziemlich betroffen. Hassan al-Turabi versuchte einen Gottesstaat einzurichten, die Schari'a wurde eingeführt, Terroristen wie Carlos und Osama bin Laden wurde Unterschlupf gewährt, aber vor allem, eine eigentlich freundliche und umgängliche Bevölkerung wandelte sich zu sich gegenseitig beobachtenden und verratenden Spiessern. (Ähnlichkeiten mit dem 1000-jährigen Reich dürften nicht ganz zufällig sein.)

Ähnliches geschah in Algerien, wo sich die Fundamentalisten als: "Ordnungskontrolle gegen Sittenzerfall" aufspielen. ... Andererseits darf man nicht vergessen, dass Afghanistan heute, befreit von den Taliban, gut 2/3 des weltweit verbrauchten Heroins liefert, 90% des Bedarfs des UK!

Literatur: Fundamentalismus. Ch. Jäggi, D.J. Krieger. Orell Füssli 1991

Was das Gerede von heiligem Krieg (Jihad) betrifft, so wird vom Westen - wie leider von fundamentalistischen Islamisten ebenso - unterschlagen, dass der Koran scharf unterscheidet zwischen dem kleinen und dem grossen Jijad. Jihad bedeutet eigentlich nur, um etwas kämpfen als: Sich um Etwas bemühen, nach Etwas streben. Der kleine Jijad ist das Bemühen, den Frieden zu erhalten, also der erlaubte Krieg gegen Aggressoren, die den eigenen (Religions-)Frieden bedrohen, nicht der Kampf gegen Ungläubige generell (ein Jihad gegen die USA wäre aus der Perspektive zur Zeit also absolut berechtigt. [Bevor Sie nun in Betracht ziehen, mich als islamischen Fundamentalisten zu steinigen, sehen Sie sich die Absichten der neokonservativen Freunde von Bush an, sowie die erwähnten Links, bei denen es sich um ganz offizielle Websites neokonservativer Organisationen handelt und nicht mal am Rande um irgend welche Verschwörungstheorien.! Saddams Jihad gegen Kuwait ein propagandistischer Witz, wie die meisten heiligen Kriege). Der grosse Jihad jedoch ist der alltägliche Kampf gegen den persönlichen Schlendrian, das unablässige Bemühen um den rechten Weg, der Kampf gegen Egoismus, üble Angewohnheiten, Begierden und Leidenschaften.

 

4. Andere Fundamentalismen und der "Krieg der Kulturen"

Pater Luzi ganz besonders
Macht sich ahnungsvoll bereit.
Ach, man will auch hier schon wieder
Nicht so wie die Geistlichkeit!!

Wilhelm Busch - ein viel humorigerer Bush: http://www.payer.de/religionskritik/karikaturen4.htm

Als Hort von Fundamentalismus selten genannt (wenn's nicht um die Hamas geht) wird Israel. Es sind aber nicht bloss Kakh und Gush Emunim, die der Definition entsprechen, sondern der ganze Staat hat das Potential, da er kein säkularer, sondern ein auf Religion begründeter Staat ist, genau wie manche seiner Nachbarn. Der Mord an Jitzchak Rabin machte 1995 deutlich darauf aufmerksam. Heute ruft das Merkaz Harav Yeshiva, unter Abraham Shapira, die orthodoxen Soldaten dazu auf, den Dienst zu verweigern, sich staatlicher Anordnung zur Räumung zu widersetzen, weil diese gegen religiöse Gebote verstiesse. In welchen Staaten ausser dem Vatikan oder Iran wäre dies schon möglich?

Auch in Indien treffen fundamentalistische Hindus und Muslims immer wieder in aller Härte aufeinander. Der hinduistische Fundamentalismus fordert die Abschaffung der Rechte von Minderheiten und die Durchsetzung hinduistischer Gesetze für alle, ohne Rücksicht auf andere Religionen. Ähnliches gibt es sogar bei den sonst friedfertigen Buddhisten

Die Katholiken fallen heute weitaus weniger auf mit Fundamentalismen, da der Liberalismus im 19. JH: ihre Kampftruppen, die Jesuiten, zum Schweigen gebracht hat. Eher im Untergrund arbeiten ultrakonservative Organisationen wie Opus Dei, die in Sachen Filz, Einfluss, Geld und Machtstreben den Evangelikalen allerdings in nichts nachstehen, es sei denn in der Anzahl Mitglieder. Der Vatikan wirkt zwar nicht mehr in erster Linie über die schlagkräftigen Organisation der Jesuiten, allenfalls über das Opus Dei, aber indem er sich gegen Eucharistie, gar gegen Ökumene wehrt, unterstützt er generell die Tendenz zu mehr Fundamentalismus.

Fundamentalismus gibt es aber nicht nur in religiösen Belangen. Tendenzen zu fundamentalistischem Absolutismus gibt es auch bei Anarchisten, Grünen, Neoliberalen, Wissenschaftlern (Positivismus etwa, als Fundamentalismus der aufklärerischen Vernunft, die kathegorisch alles ablehnt, was sie nicht erklären kann), Nationalisten und den unterschiedlichsten Kulturen. [Der Drang zur Wahrheit des Schreibenden hat, es sei zugegeben, auch ein bisschen was fundamentalistisches.]

Das Schlagwort "Krieg der Kulturen" weist hier auf mögliche internationale Konflikte durch den Zusammenstoss dialogunfähiger, weil eben fundamentalistischer, Kulturen. Dazu ist allerdings zu bemerken, dass Fundamentalismus nicht in erster Linie eine Gefahr für den Weltfrieden ist, sondern zuallererst eine Last für die Landsleute, für die direkte Umgebung fundamentalistischer Gruppen.

Komplexe Systeme erlauben keine Fundamentalismen!

externe Steuerungskomplexität

Interne Teilsystemkomplexität

niedrig

hoch

Willke: Systemtheorie 1987

niedrig prämoderne, repressive Steuerung sozialistisch-zentralistische Steuerung
hoch liberalistische Selbststeuerung postmoderne reflexive Steuerung

Aus systemtheoretischer Perspektive ist Fundamentalismus höchst problematisch. Komplexe Systeme funktionieren nur, solange die Abstimmung der Teilsysteme funktioniert. In Gesellschaften geschieht dies über Reflexion und Dialog. Teilsysteme müssen in der Lage sein, sich als Teil eines Ganzen zu sehen und zum Wohle der Funktionsfähigkeit des Ganzen auf die Überlebens- und Entwicklungsbedingungen der andern Teilsysteme - eigentlich ganz im eigenen Interesse des eigenen Überlebens, das ausserhalb des Gesamtsystems gar nicht möglich ist - sich auch beschränken zu wollen und zu können. Fundamentalismus (prämoderne, repressive Steuerung), der sich Reflexion und Dialog verweigert, stellt sich leider eben meist nicht ausserhalb des Systems, sondern als störender Block (Fels in der Brandung. s.o) in das System. So betrachtet hat der Islamische Fundamentalismus weitaus stärkere negative Auswirkungen auf die lokale Gesellschaft als auf den Weltfrieden - eine Theorie die von der Praxis mehr als bestätigt wird ... allerdings auch für den protestantischen Fundamentalismus der USA wie die andern.

Zunehmende Steuerungsprobleme komplexer Gesellschaften lassen sich nicht durch eine Banalisierung, d.h. Entdifferenzierung (Restrukturierung durch Zusammenschluss wie in Kommunismus oder economy of scale), lösen, sondern dadurch, dass sich die Teilsysteme nicht maximalistisch verhalten, sondern integrativ. Teilsysteme müssen sich selbst beschränken, damit sie für die andern Teilsysteme des Ganzen eine mögliche und strukturell, funktional wie psychisch erträgliche Umwelt präsentieren. Genau so wie die politische Steuerung durch Recht oft die wirtschaftliche Entwicklung zu sehr beschränkt, so beschränkt eine zu einseitige Ausrichtung nach wirtschaftlichen Gesetzen die Möglichkeiten von Politik, Gesellschaft und Kultur übermässig. Insbesondere die vier gewichtigsten Subsysteme Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Religion müssen sich im reflexiven Dialog abzustimmen suchen - statt sich gegenseitig im Wettbewerb übertrumpfen zu wollen.

Sekten sind nicht in jedem Falle fundamentalistisch. Dies zeigt insbesondere der Fall der Christkatholiken, die das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit ablehnen. Durch den Zwang zur Differenzierung vom Mainstream tragen Sekten  aber meist ein beträchtliches Riskio, fundamentalistisch zu werden - und viele werden es. Diejenigen, die sich vom Mainstream nur mässig entfernen, laufen unter der Bezeichnung "Freikirchen".

http://www.lexhist.ch/externe/protect/textes/d/D11437.html

Oft agierte hier eher die Kirche fundamentalistisch, liess also nicht mit sich reden und zwang die Sekte erst eigentlich zur Abspaltung (s. Täufer, Baptisten, Mennoniten, Amish, Alttäufer-Neutäufer) Letztere sind eigentlich eine höchst sympathische Bewegung. Ihr Grundsatz, wie der der Wiedertäufer, ist, dass sich der erwachsene, geistig reife Mensch frei entscheidet, ob er getauft sein will oder nicht. Kein freier Mensch soll seinen Glauben als Säugling aufgestempelt kriegen. Die Täufer sind, obwohl Sekte, also eigentlich gerade das Gegenteil von fundamentalistisch. Sie geben Argumentation und freier Entscheidung mehr Raum als die meisten Religionen. (Können sich allerdings auch, ob derart wichtiger Probleme wie die Form des Bartes oder Schnauzes, massiv in die Haare geraten).

Zum immer noch vorhandenen reichhaltigen Angebot an Sekten s. http://www.relinfo.ch - insbesondere auch die Psychogruppen wie Scientology, die zwar keine Religion aber eine Kirche ... oder umgekehrt, oder so ähnlich, sein wollen, oder VPM, NPL, Schamanen, Hexen, Avatare. Sogar die Politik hat sich im Larouche-Kult eine Kapelle gebaut. All diese sind äusserst intolerant gegenüber Kritikern und Andersgläubigen, qualifizieren sich also häufig als Fundamentalismen. (Auf solchen Sch... leg ich keinen Link. Müssen Sie per Google suchen, falls es Sie interessiert).

Heute machen sich sogar die Landeskirchen der Schweiz sorgen um die neuen Propheten, die heute nicht mehr mit Predigten, sondern über Kurse arbeiten. Alphalive wird vor allem aber dafür kritisiert, dass es einen vorwissenschaftlichen Umgang mit der Bibel treibe und das Wort Gottes eins zu eins auslege, d.h. ein recht fundamentalistisch-autoritäres Welt- und Gottesbild verbreitet. [Da ich gemäss meiner eigenen Richtlinien keinen Schrott fördern will, müssen Sie sich den Link zu Alphalive selbst suchen, falls Sie unbedingt wollen.]

4.1. Die heutige Basis des westlichen Fundamentalismus

Fundamentalismus entsteht aus sozio-kultureller Orientierungslosigkeit, also aus der Situation der Anomie. Anomie ihrerseits entsteht dort, wo Ordnung und Orientierung zerbricht.

Eine weitere Möglichkeit, sich das Gesetz (oder andere fundamentale Autoritäten) vom Leibe zu halten, ist die List:

Unsere Topverdiener, also Verwaltungsräte und CEOs (Betriebsleiter), erhalten ja nicht so viel Geld, weil sie so viel wissen. geschweige denn, weil sie so viel leisten würden (leisten im normalbürgerlichen Verständnis von Arbeitsleistung). Topsaläre werden bezahlt, weil diese Leute  bewiesen haben, dass sie List profitabel für den Betrieb einsetzen können.

Eine der wichtigsten Hinter-Listen des kapitalistischen Systems ist die Pareto-Verteilung, durch  die 80% "ausgemünzt" werden, weil sie am wirklich lukrativen Geld- und Finanzmarkt gar nicht mitspielen können.

Heute haben wir eine ziemlich orientierungslose Situation. Die Politik, das Organ, welches im 19. JH. die vorwiegend religiöse Orientierung ersetzt hat,  musste ihre Vorherrschaft längst an die Wirtschaft abgeben. Der Liberalismus seinerseits zerstörte erst die Vorherrschaft autoritärer Politik, dann die Vorherrschaft der Politik überhaupt, und verlangte wirtschaftliche Lenkung. Da sich wirtschaftliche Lenkung gleichzeitig als nicht machbar, oder zumindest als störend herausstellte, wird im Neoliberalismus auch diese bekämpft und voll auf freie Evolution gesetzt: Alle Macht den Starken. Nur diese werden überleben.

Kommunismus und Sozialismus versuchten die durch einseitige Ausrichtung auf Wirtschaftlichkeit entstandene Anomie zu korrigieren, durch die Herrschaft der Räte, also der Politiker - leider nicht der Politik. Da Politik aber zur Lenkung von Wirtschaft nicht geeignet ist, ging auch dieses Modell unter.

Heute hat aber auch die Wirtschaft als Ordnungsmacht und Orientierungsgeber ihre beste Zeit hinter sich:

  1. glaubt eh bald niemand daran, dass wirtschaftlicher Erfolg, insbesondere Löhne, irgend was mit Leistung zu tun haben, da kein Mensch Leistung nachfragt, sondern Leistung über PR an Männer und Frauen getragen wird (s. Gesundheitswesen).
  2. ist das Wirtschaftswunder vorbei. Es kann seine Versprechungen als Träger des Heils und der Erlösung von allen Bedürfnissen nicht halten.

Also suchen wir heute eine neue Ordnung und Orientierung - als Reaktion auf den Zusammenbruch des ewig währenden Wirtschafts- und Wohlstandswachstums.  Statt aber nach Eunomie, einer guten Ordnung, zu suchen, wird alt bekannte Ordnung zementiert - und wieder am Glauben festgezurrt. (s. oben: Sekten, und unten: Kap. 6 - Neodogmatikum)

5. Eigenheiten des Fundamentalismus

Jemand wäscht sich eilig. Sage nicht, er wäscht sich schlecht, sondern: er wäscht sich eilig. Ein anderer trinkt viel Wein. Sage nicht, er handelt unrecht, sondern: er trinkt viel. Wie kannst Du wissen, dass es unrecht ist, eh du die Motive seines Handeln kennst? Auf diese Weise wird es dir nie widerfahren, dass du von einigen Dingen sichere Wahrnehmungen gewinnst, bei anderen aber zu vorschnellen Urteilen kommst.

Epiktet: Ueber das Urteilen

Man könnte auch die Reformatoren Martin Luther, Zwingli, Calvin als Fundamentalisten bezeichnen, da sie zurückkehren wollten zu den Ursprüngen des Glaubens, zu seiner Substanz. Auch Franz von Assisi möchten manche vielleicht als Fundamentalisten klassieren - aber genau diese Gestalten zeigen uns den Unterschied zwischen Fundamentalismus und berechtigter Kritik und Reformation: Alle diese Reformatoren waren, obwohl zutiefst gläubig, immer wieder von Zweifeln geplagt, Zweifeln am Glauben wie Zweifeln an ihrem eigenen Tun. Sogar Franz von Assisi - und der war ein Heiliger - litt unter solchen Zweifeln! Diese Leute haben die Wahrheit immer wieder selbst gesucht, nahmen sich also nicht das Recht heraus, andere mit Wahrheiten zu erschlagen.

Fundamentalisten hingegen haben keine Zweifel. Fundamentalisten wissen. Fundamentalisten kennen den Unterschied zwischen Gut und Böse. Ihr absolutistischer Wahrheitsanspruch ist undiskutabel. Da sie die Wahrheit kennen, halten nichts von Dialog und Argumentation. Sie leisten Überzeugungsarbeit (s. Freiwirtschaft und andere Sekten, leider geht auch die Umweltbildung oft etwas zu sehr in diese Richtung).

Ein Muster aus eigener Erfahrung: Seit 1975 reise und arbeite ich im Nahen und Mittleren Osten. Ich war während des Bürgerkriegs 1975 im Libanon, erlebte manche Bombardierung seit 1981in Bagdad, verbrachte die Zeit des 1. Golfkriegs wie des Bürgerkriegs im Jemen (1988-94) - und hatte so reichlich Gelegenheit mich mit Fundamentalisten herumzuschlagen. Die wichtigste Erfahrung daraus ist aber, dass diese, die sich als Moslembrüder bezeichnen, bei der lokalen Bevölkerung meist keinen sehr guten Ruf geniessen. Fundamentalisten sind keine guten Muslime - ist eine häufig gemachte Aussage dazu, denn Fundamentalisten wollen Macht und Prestige - nicht Wahrheit. Fundamentalisten behaupten, im Namen Gottes zu reden und zu handeln. Jeder Widerspruch wird damit zu einer Aussage gegen Allah und den Koran, zum Argumentieren gegen Gott. Fundamentalisten müssen sich nicht vor dem Volk rechtfertigen, sondern bloss vor Gott. Fundamentalismus ist antidemokratisch - aber nicht bloss Islamischer Fundamentalismus!

Fundamentalismus ist oft populistisch, aber ganz und gar nicht immer populär. Die Moslemischen Brüder, unter denen es sehr viele aufrechte, ehrliche und gläubige Männer gab, hatten schwere Kämpe zu bestehen und viele haben mit dem Leben bezahlt. Wo aber der Fundamentalismus zur Massenbewegung wird, profitiert er davon, dass er mit äusserst simplen, einfachen und bekannten Argumenten arbeitet, einfache Lösungen bietet (der Glaube, Jesus ... aber auch Nation, Heimat, Freiheit, Markt, Wettbewerb ... oder die Umlaufsicherung der Freiwirte) was sich populistisch äusserst wirksam verwerten lässt.

Fundamentalismus nutzt Populismus wie Angstmacherei. Fundamentalisten sind entweder älter und weniger gebildet als Durchschnittsbevölkerung, traditionell denkende einfache Menschen - oder Karrieretypen mit autoritär-machiavellistischer Einstellung zur Macht und ohne Sinn für eine Rangordnung von Wahrheiten  (s. Wertesystem). Fundamentalisten sind oder folgen charismatische(n) Führer(n). Ihr enges Weltbild erlaubt keine Toleranz gegenüber Andersgläubigen und Andersdenkenden. Fundamentalismus ist also (meist) regressiv und reaktionär. Er sucht nach absolut gültiger Orientierung und einem festen Handlungsrahmen. Hand in Hand mit Fundamentalismus gehen Patriotismus, strenge Moral, patriarchalische Familien,  militanter Antikommunismus.

Ein besonderes und eigentlich völlig unlogisches Problem ist die Theologiefeindlichkeit der Fundamentalisten. Diese sind völlig prinzipienlos in dem Sinne, dass sie nur ihre eigene Interpretation akzeptieren. Bei (heiligen) Texten ist aber die Auslegung immer ein Problem, da sie immer offen ist, was durch die unterschiedlichsten Interpretationen, und Aufspaltung in Sekten, deutlich belegt wird. Religiöse Schriften sind generell gehalten, sonst würde sie nach 1400 bis 2000 Jahren ja kein Mensch mehr lesen und verstehen können. Also wird die Interpretation, die Auslegung entscheidend. Es ist kein Zufall, dass die Juristerei in der katholischen Kirche des Mittelalters entstand. Wort- und Rechtsverdreherei sind aber auch unter islamischen Juristen beliebt. Macher jemenitische Rechtsgelehrte hat sich schon gebrüstet, jede Fetwa ins Gegenteil verkehren zu können. Wenn Fachleute des Islamischen Rechts solche Aussagen machen, woher soll dann DIE einzig gültige Interpretation kommen, auf der die Fundamentalisten bauen?

Diese Dogmatismen gehen auf ihre eigene Art manchmal bis oft über den legitimen Interpretationsspielraum der Bibel hinaus. Es ist also nicht unbedingt falsch zu sagen, dass der Fundamentalismus im Begriff ist, sein eigenes Fundament zu vernachlässigen.

http://www.efb.ch/Texte/efusa/einleit.htm

Ein Muster dafür mag die seltsame Einstellung zur Wahrheit sein, die ich anhand von Bush leicht persifliert habe: Bush lügt, Bush hat gelogen, Bush wird lügen - also ist Bush Anhänger von Loki, Hermes, Pan, den Göttern der Lügner, Diebe und Händler - und damit ein Heide. ...

Die sieben Tugenden Die sieben Todsünden
Weisheit, Klugheit

prudentia

Hochmut superbia
Gerechtigkeit

justitia

Neid invidia
Tapferkeit

fortitudo

Zorn ira
Mässigung temperantia Habgier,Geiz avaritia
Glaube devotio Völlerei, Unmässigkeit gula
Liebe agape Trägheit acedia
Hoffnung speratio Wollust luxuria

Dass sich die sog. konservativen Werte eh nicht mit den christlichen vertragen zeigen die christlichen Grundwerte (Tugenden) und Grundübel (Todsünden). Für Christen ist dies ein verbindliches Koordinatensystem. Bush wie die Evangelikalen verstossen aber gegen 4 der Tugenden, während sie 5 der Todsünden frönen. So beruft sich Bush eher auf (demokratisch nicht kontrollierbare) göttliche Eingebung - als auf die Nutzung der gottgegebenen Vernunft. So basiert Kapitalismus auf Hochmut, Neid, Habgier, Geiz, Unmässigkeit des Konsums, und macht sogar Geld mit Wollust - verneint aber Mässigung (Wirtschaft ohne Wachstum) und Gerechtigkeit (Umverteilung). Anstatt die Feinde zu lieben werden sie im eigenen Staate mit Rechtsanwälten geplagt, wenn sie gar "ungläubige" sind mit Bomben und Raketen traktiert. Die Gläubigkeit von Bush & Co hat so zumindest etwas Wohltuendes: Sie werden in der Hölle rösten bis zum jüngsten Tag!

Die Evangelikaner (Evangelikalen) etwa sind die Gruppe, die für Schulgebet und Kreationismus einsteht, nebst Darwin aber auch gleich die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Rechte von Schwulen und Lesben, ja selbst internationale Organisationen und Friedensförderung ablehnt. Ihr konservativer, dogmatischer Geltungsanspruch ist gegen Aufklärung, antiliberal, antiintellektuell, antisäkular und antimodernistisch. Durch den Zusammenhalt in der ideologisch geschlossenen Gruppe immunisieren sie sich gegen kritisches Denken durch Tabuisierung ihrer Grundlagen, die sie fanatisch verteidigen.

Die Unwilligkeit und/oder Unfähigkeit zum Dialog und komplexer Argumentation, die von den Vertretern dieser Haltung als Führungsstärke, Standhaftigkeit, Beständigkeit, Durchhaltewillen, Selbstsicherheit etc. apostrophiert wird, liest sich aus anderer Perspektive eher als Verkalkung, Sturheit, Dummheit, Rechthaberei. Ist jemand, der 40 Jahre seine Meinung nicht ändert, wirklich standhaft - oder stur? Fundamentalisten führen keinen Dialog. Sie erschlagen ihre Dialogpartner mit Wahrheit, mit göttlicher, nicht zu begründender Wahrheit, die sie besitzen, da sie sich als Vertreter Gottes auf Erden sehen.

Ziel des Fundamentalismus ist die Herrschaft des eigenen Denkmodells.
Verfolgt wird es mit Macht und (Psycho-)Terror statt Argumentation.
Fundamentalismus ist missionarisch.

 

6 Folgen des Fundamentalismus

Fundamentalismus ist Anti-Aufklärung, damit eigentlich nicht Gegner, sondern Vater der Postmoderne. Fundamentalismus schafft durch seine Dialogfeindlichkeit das Klima eines orientierungslosen weltanschaulichen Chaos gleich selbst, in dem er am besten gedeiht. Fundamentalismus kündigt den Sozialvertrag und lässt unterschiedliche Rationalitätsmodelle im polemischen Kampf - und damit im Regen - stehen.

Fundamentalismus verschweigt, dass sich unterschiedliche Völker und Kulturen historisch unterschiedlich entwickelt haben, also ganz berechtigt und ganz rational ganz unterschiedliche Weltbilder und damit Denkmuster haben. Hier scheitert der Fundamentalismus präzise genau so wie die Befreiung des Irak durch Bushs Armee. Da Bush sein Weltbild für absolut und gottgegeben nimmt, sieht er nicht den geringsten Grund, auf das doch ziemlich spezifische Denken der Muslime oder gar der Irakis einzugehen, will sein Weltbild mit Macht durchsetzen, und kreiert mehr Chaos als da je herrschte. (Abgesehen vielleicht von der Zeit der Invasion der Mongolen).

Fundamentalismus polarisiert nicht nur zwischen Islam und Christentum, zwischen Freund und Feind, sondern auch im eigenen Land. Dies ist die unausweichliche Folge daraus, dass Fundamentalisten begeisterte Nutzer von Eristik sind, mit welcher der Gegner persönlich niedergemacht wird ohne auf sachlich-inhaltliche Argumente einzugehen. Man erinnere sich an Bushs Aussage bei Beginn des Irak-Krieges: Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns.

Und eigentlich ist all dies äusserst seltsam, denn protestantische wie muslimische Fundamentalisten schöpfen ihren Zorn offenbar aus der selben Quelle, dem Widerwillen am Amerikanischen Lebensstil; beide haben die selben Ziele: eine straffe göttliche Ordnung; beide benutzen die selben Methoden: Eristik und Polemik; und auf beiden Seiten sind die Anführer die selben verlogenen Typen. Nichtsdestoweniger bringen sie es fertig, zwischen sich derart viel Spannung aufzubauen, dass sich die Weltgeschichte nur noch um Terrorismus und Sicherheit zu drehen scheint und, wie postmodern (= absurd), nun Kriege für den Frieden geführt werden..

Fundamentalismus, falls er obsiegt, wird ein neues Mittelalter schaffen. Die Postpostmoderne liesse sich so als Neodogmatikum benamsen, dessen Grundzüge sind:

  1. Einige Bevorzugte Wissen, was richtig, wahr und gut ist (ehemals Scholastik).
    1. Es ist den Gläubigen gegeben, klar zu erkennen was gut und was böse ist, schwarz - weiss, ja - nein. Sagt doch die Bibel: Eure Rede sei ja, ja - nein, nein.
  2. Reichtum ist gottgegeben, beruht also weder auf Erbschaft, Ausnutzung von Marktgesetzen (economy of scale) noch auf Betrug. Man soll sich Gott nicht widersetzen und Gottes Geschenk an unwürdige (Arme) umverteilen.
  3. Macht ist von Gott gegeben. Die Erwählten reden in Gottes Namen ... brauchen also nichts zu begründen, brauchen keine Argumente neben dem Glauben (getreu dem altislamisch-mittelalterlichen Motiv: Wer logisch argumentiert ist ein Ketzer!). Wer sich widersetzt, widersetzt sich Gottes Willen! - und ist ein Terrorist.

Das ist kein Witz, höchstens eine Prise Zynismus. Denn nicht nur dass die US-Fundamentalisten gegen Modernismus, Rationalismus und Säkularismus eingestellt sind, und auch gerne die Zensur wieder einführen würden, die Verknüpfung von Wirtschaft mit Politik und Glauben hat Tradition. Man darf nicht vergessen, dass die Kirche im Mittelalter die stärkste politische wie wirtschaftliche Organisation war! (Man sollte vielleicht auch das Opus Dei nicht vergessen, dass diese Situation gerne wieder herstellen würde). Ketzer wurden nicht bloss verbrannt, weil sie eine Gefahr für die herrschende Ordnung waren; wie die Katharer und Franziskaner, die gegen eine betriebswirtschaftlich organisierte Kirche antraten; sondern auch gerne, wann und weil man sich ihre Eigentümer aneignen konnte, was sich insbesondere bei Templern und Juden lohnte! Man darf nicht vergessen, dass die damals reichsten Europäer, die Fugger und die Medicis, die damaligen global players, sich nicht bloss ihre Fürsten, sondern auch ihre Päpste kauften, und dass der von ihnen organisierte Ablasshandel ein gewaltiges Geschäft war. Diese Vermischung von Religion mit Business führte zur Reformation und damit zum Sacco di Roma, der den Gottesstaat zum ersten mal seit dem Einfall der Goten unter Alarich im Jahre 410 in irdische Trümmer verwandelte, fast der ganzen Schweizer Garde das Leben kostete ... und vielleicht doch nicht bloss fundamentalistischen Ursprungs war, sondern Beutegier (90% der Kunstschätze gingen verloren).

Neokonservative sind zwar für Neoliberalismus - aber gegen Liberalismus. Sie schaffen, eigentlich ähnlich der ihr verhassten al-Qaida, Netzwerke unter Traditionalisten und Konservativen, insbesondere aber Netzwerke zwischen Leuten mit Geld und Einfluss. (Die Geschichte der Familie Bush deckt da einiges auf. s. THE BUSH FAMILY ‘PREYS’ TOGETHER).

Man wundert sich, wenn man um die antisäkulare Einstellung der Evangelikaner/Evangelikalen weiss, auch viel weniger über Bushs Hass auf die Bath-Partei, denn die war ja eben gerade nicht fundamentalistisch sondern säkular orientiert ... und dummerweise auch noch sozialistisch!

Noch selten hat ein Präsident ein Land so polarisiert wie Bush die USA. Man sollte also Fundamentalisten nicht zu Politikern machen, denn sie sind unfähig, konstruktiv zu argumentieren, Zugeständnisse zu machen, ja bereits unfähig, andere Perspektiven überhaupt als sinnvoll und berechtigt wahr zu nehmen. (Gruss an Blocher, der ebenfalls stolz darauf ist, seine Meinung nie geändert zu haben seitdem er 20 war ...).

Die Vorgänge in den USA und Italien zeigen, warum Demokratie für die Anarchisten zwar schlecht, aber doch die beste aller Regierungsformen war, denn eine kleine Minderheit kann auch in einer Demokratie dank Medienbeherrschung und Filz ihre Interessen durchsetzen, indem sie eine knappe Mehrheit (meist nicht die intelligentere Mehrheit) an der Nase herumführt, und indem sie das Volk derart verwirrt, dass Wahlen durch Gerichte entschieden werden müssen, deren parteiliche Unabhängigkeit je länger je mehr auch zweifelhaft ist.

Wenn Minderheiten ihre Interessen in Demokratien einer Mehrheit aufzwängen können (meist dank dümmlichen Stimmverhaltens, was sich nicht verschweigen lässt), dann entartet die Demokratie aber zur Demokratur.

Definition:

Demokratur herrscht, wenn 51% ihre Interessen rücksichtslos gegenüber den andern 49% durchsetzen (können).

Demokratur verschärft nicht nur die Stimmenthaltung und generell politische Abstinenz, sondern polarisiert so extrem, dass sich quasi die Hälfte der Bevölkerung immer als Verlierer vorkommt. Und:

Es sind die Verlierer, die Ohnmächtigen, die zu Terroristen werden,
weil sie der (Gross-)Macht nichts anderes entgegen zu setzen haben.

Lösungsansatz: s. 'THREE AXIOMS OF DEMOCRACY' BY RAOUL NAKHMANSON:

  1. Demokratie ist die Gleichheit aller vor dem Gesetz.
  2. Demokratie bedeutet, die Herrschaft des Volkes, also systemtheoretisch: Selbstregulierung. Alle Menschen sollte also die selben Chancen haben, ihre Vorstellungen und Wünsche verwirklicht zu sehen.
  3. Das Majoritätsprinzip verletzt die 2. Regel. Oder wie Nakhmanson das poetisch ausdrückt: Mehrheitsentscheide bringen uns zwar auf die Spitze des nächsten Hügels - aber wir sehen immer mit Verlangen nach all den andern Hügeln.

Nakhmanson schlägt also vor, dem Zufall, der auch in der Evolution die Hautrolle spielt, eine grössere Chance zu geben. z.B: Wo es gilt, zwischen unterschiedlichen Vorschlägen zu entscheiden, werfen alle Stimmberechtigten ihre Stimme ein für dasjenige Projekt, das sie bevorzugen. Nun wird aber nicht per Mehrheit entschieden, sondern per Zufall eine Karte aus dem ganzen Topf gezogen. Projekte mit mehr Stimmen haben so eine entsprechend grössere Chance gezogen zu werden als andere - aber im Gegensatz zur Demokratur bleibt auch den Minderheiten eine gewissen Chance, einmal zum Zuge zu kommen. Gerade in Zeiten in denen Mehrheiten wieder vermehrt durch die Medien gebildet (na ja, ver-bildet wäre richtiger) werden, ist der Vorschlag weit weniger absurd als er tönt. Zudem spielt auch bei Mehrheitsentscheiden der Zufall eine immer grössere Rolle. So herrscht in den USA immer noch Bush, weil 1. die Alternative nicht grad grandios war, und 2. es den Demokraten um 1-2% weniger gut geglückt ist als den Republikanern, ihre stimmfaulen Schnarchsäcke an die Urne zu bewegen (wozu den Republikanern auch beträchtlich mehr Mittel zur Verfügung stehen. Sie sehen, soooooo rational sind auch Mehrheitsentscheide nicht.).

7. Auswege aus der Intransigenz des Multi-Fundamentalimus

 Intransigenz bedeutet Unversöhnlichkeit, mangelnde Bereitschaft zu Konzessionen.

DAS Problem der unterschiedlichen Fundamentalismen ist ihre Weigerung zu kommunizieren, ja selbst andere Perspektiven oder gar Religionen als halbwegs berechtig anzuerkennen.

Unsere, insbesondere die westliche, Welt, leidet an einem übermässigen Glauben an Geld. Sie braucht Alternativen, insbesondere mehr echten Glauben, tiefen und tieferen Glauben - nicht aber mehr Fundamentalismus! Sofern wir keine neuen Glaubenskriege wollen (die zwar wirtschaftsfördernd wären ...), müssen wir nicht die Unterschiede im Glauben betonen, sondern die Gemeinsamkeiten. Schickt also bitte den Papst endlich in Pension. Er ist ja nett, aber er hat etwas Ruhe nicht nur verdient, sondern auch nötig.

Man muss im Umgang mit Fundamentalisten die Fundamente kritisch begutachten. Meist finden sich ja doch Gemeinsamkeiten (so wie die sufitische Richtung des Islam über die Gnosis sehr gut mit christlichen Gnostikern Kontakt findet). Vielleicht lassen sich auch  tolerierbare Differenzen finden die zumindest Duldung erlauben, oder sogar Unter-Schutz-Stellung wie die der "Leute des Buches" (Christen und Juden, die ahl al kitab) durch die Muslime. Da Fundamentalismen aber darauf ausgerichtet sind, sich wirklich in Unstimmigkeit mit der Welt zu sehen und zu bringen, braucht es dazu meist Weise, wie Lessings Nathan.

Terrorismus, mit dem Bush sein Volk und die Welt ängstigt, ist aber bloss ein Symptom, nicht die Ursache. Seine Wurzel liegt in der Zunahme intransigenter Fundamentalismen und der damit zunehmenden Ablehnung, sich auf andere Kulturen, Menschen, Weltanschauungen einzulassen.

Eine Bekämpfung die über Symptombekämpfung hinaus geht, erfordert Therapie. Gerade eben weil sich Fundamentalismen, wie die meisten autopoietischen Subsysteme, nicht von aussen beeinflussen lassen, müssen sie so angestossen werden, dass interne Denkprozesse ausgelöst werden, welche die selbst gewählte Abschottung von innen her durchbrechen. Fundamentalisten müssen dazu gebracht werden, sich selbst mit den Augen der Andern zu sehen, auch wenn (oder gerade weil) ihnen das einen ziemlichen Knacks im Selbstbewusstsein verursachen könnte, der sie dann auf andere Bahnen zu bringen vermag.

Der fundamentalistische Beton müsste aufgebrochen werden können durch die Inkonsistenz, die sich automatisch ergibt, wenn sich ein System von seiner Umwelt zu stark abkoppelt. Zudem sind Fundamentalisten meist sehr buchstabengläubig. Sie können für Worte töten. Aber oft nicht gerade konsequent in der Anwendung ihrer eigenen Lehre auf ihr eigenes Leben, so im Sinne der moral majority: Moral is for the majority ... not for me.  [Aktuelle Verwendung dieser Strategie: Präsident George W. Bushs Politik ist völlig losgelöst von der Realität und in einem tiefen Glauben begründet, weshalb Bush äusserst empfindlich auf Kritik reagiert und während des Interviews von Kerry Grimassen schnitt. [Ron Suskind, New York Times.] Das Grundprinzip der Newborn Evangelicals, das eigene Denken abzulegen und sich von Gott führen zu lassen, dürfte den meist ziemlich belämmert-osterhaasigen Gesichtsausdruck Bush's bestens erklären. Eine fiesere Entschuldigung, als Gottes Führung, für Unwissen und Fehlentscheide, dürfte es wohl kaum geben. Zum Teufel mit Bush. Die Berufung auf Gottes Gesetz oder Gottes Inspiration stellt in einer gläubigen Gesellschaft die absolut hinterlistigste Rhetorik dar, die man sich vorstellen kann. Für säkulare Europäer ist das heute kaum vorstellbar. Da müssen Sie einige Jahre in einer traditionellen Gesellschaft wie z.B. im Jemen gelebt haben, oder sich das Mittelalter intensiv vorstellen können. Ein moderner Europäer wischt derartige Argumentation mit einem Lächeln weg (was den Fundamentalisten zu noch mehr Zorn und noch extremeren Forderungen führt) - der Gläubige aber kann und darf nicht argumentieren. Er fügt sich (oder umgeht die Sache mit dem bekannten arabischen Schlendrian, der den Protestanten leider fehlt.

Satisfaction with the present induces neglect of provision for the future.

Francis Bacon

Ein weiterer Ausweg bietet sich, wenn es gelingt, zwischen unangreifbarem Fundament und diskutierbarer Interpretation zu unterscheiden. Präzise hier liegt das Problem des Fundamentalismus begründet, das diesen undemokratisch macht. Fundamentalisten beharren darauf, nicht nur die richtige Ordnung zu kennen, den richtigen Grundtext, sondern auch die richtige und einzige Interpretation. Diese Anmassung macht Sekten zu Sekten. Bei der oft typischen Idealisierung der Vergangenheit gilt die Aussage von Bacon noch weit mehr, bei Zufriedenheit (übermässiger Nach-Sicht) mit der Vergangenheit leidet nicht nur die Vor-Sicht in die Zukunft, sondern auch die Klar-Sicht der Gegenwart.

Einfaches aber wichtiges Mittel:

Führt (um Gottes Willen ...) die Rhetorik als Lehrfach wieder ein, sonst bleiben Tür und Tor für Demagogie jeder Art offen und es muss mit noch mehr unvereinbar aufeinander treffenden Fundamentalismen und populistischem Volksbetrug gerechnet werden. Der Beispiele sind Legion - nicht bloss in den USA.

Die Förderung eines produktiveren Dialogs ist aber nicht bloss nötig um Terrorismus zu verhindern, sondern generell eine Erfordernis der reflexiven Steuerung, also der Politik in komplexen Systemen.

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Weiter Möglichkeiten des Umgangs zwischen Religionen: s. Welche Religion hat die Wahrheit? Oekumene, Welthethos, Exclusivismus (Grundproblem des Fundamentalismus. Wird sogar von professionellen Missionaren als Problem angesehen, da Exclusivismus die Freiheit des Entscheides, der freien Wahl, der Bekennung, eigentlich verneint), Inclusivismus, Pluralismus.

Wir werden in den nächsten 4 Jahre reichlich Gelegenheit haben zu sehen, welche davon eine Chance hat und wie das Volk der USA, eigentlich als freiheitsliebend bekannt, aus dieser Demokratur heraus kommt. (Vorschläge von Michael Moore. u.a: "This is such a wonderful country  -- it doesn't even need a president!'" So ähnlich denk ich eigentlich auch seit 1992 (Bush-Clinton-Wahl), als ich während eines Aufenthalt in New York eigentlich einen Sticker suchte mit dem Aufdruck: What for do we need a president? (Rückwirkend gesehen hat eigentlich erst die Bush-Katastrophe Clintons Amtsführung "vergoldet". Erinnern Sie sich? Die Amtszeit Clintons war doch eine ziemliche Clownerei, bei der Clintons Privatleben weitaus mehr öffentliche Aufmerksamkeit erzeugte als seine Politik.)

Bei sieben Göttern, pardon, Präsidenten, wie in der Schweiz, weiss man zumindest, wie bei der Götterwelt der Griechen, warum Chaos herrscht - während Geld und Eigennutz regieren.

Ein positive Entwicklung in Europa und der Schweiz ist hier auf jeden Fall die Charta Oecumenica.

Martin Herzog, Dipl. Ing. ETH, Webdesign, 22. Oktober 2004

Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche.
(Gustav Mahler, österr. Dirigent u. Komponist, 1860-1911)