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Eunomie, die gute Ordnung ... die natürliche Ordnung?

Struktur

  1. Der Ursprung der Eunomie bei Solon
  2. Sinn und Zweck von Ordnung
  3. Ordnung und Freiheit
  4. Unterschiedliche Erwartungen an eine gute Ordnung
  5. Die gegenwärtige Situation: Perversion der Ziele & Anomie
  6. Empfehlungen zur guten Ordnung eines guten Lebens

Zumindest eine Vorstellung zu haben, wie denn eine gute Ordnung aussehen könnte, ist äusserst wichtig, da diese als Vision, also Weltanschauung, unsere Orientierung und damit unser Verhalten mitbestimmt. Das dritte Millennium beginnt mit dem Problem, dass Mittel zu Zwecken wurden, wie insbesondere Geld und Wettbewerb, dass aber Visionen und Utopien, wie ein gutes Leben eigentlich aussehen könnte, abhanden gekommen sind.

1) Der Ursprung der Eunomie bei Solon

Eunomie wurde als Begriff von Solon (640-561 bC) geschaffen.

Solon war einer der sieben Weisen Athens. Er führte einschneidende soziale und wirtschaftliche Reformen durch. Insbesondere hob er die Schuldknechtschaft auf, milderte das Schuldrechts und setzte Höchstgrenzen von Landbesitz. [aha ... das geht also, wär' zu überlegen, was die Begrenzung der Herrschaft globaler Wirtschaftsgiganten betrifft (s. Wirtschaftsmacht).

Solon war Friedensstifter und Gesetzgeber, er ermöglichte die Befreiung von Schulden und verhinderte Wucher. Solon änderte auch die Verfassung, indem er dem Ältestenrat zwei Kontrollorgane zur Seite stellte und die vierte Klasse mit geringem Einkommen zur Volksversammlung zuliess.

Solon schuf zwar mit seinen Gesetzen die notwendigen Voraussetzungen für den Aufstieg Athens zur Handelsmacht, doch konnte er die sozialen Spannungen nicht lösen. Er brachte jedoch das Volk zu lebendiger, selbständiger Teilnahme am öffentlichen Leben, hob die geistige Bildung und erzeugte bewusste Sittlichkeit und edle Humanität in ihm. Also eigentlich recht präzise das, was in einer Phase übermässiger Anomie nötig ist.

So viel Teil an der Macht, als genug ist, gab ich dem Volke,
Nahm an Berechtigung ihm nichts, noch gewährt' ich zu viel.
Für die Gewaltigen auch und die reicher Begüterten sorgt' ich,
Dass man ihr Ansehen nicht schädige wider Gebühr.
Also stand ich mit mächtigem Schild und schützte sie beide,
Doch vor beiden zugleich schützt' ich das heilige Recht.

Die solonische Verfassung von 594 b. C.  war die erste Verfassung Athens. Das Stimmrecht war nach Steuerabgaben gestuft. Es herrschte also keine Demokratie (Volksherrschaft), sondern eine Timokratie, in der politischer Einfluss gestaffelt war nach Vermögen - und insbesondere in Abhängigkeit der Abgaben an den Staat, der Steuern (worin sich Timokratie von Plutokratie, der reinen Herrschaft des Geldes, positiv unterscheidet!). http://www.zum.de/psm/antike/athen_verf.php

Das bedeutendste Dokument das von Solon überliefert ist, ist seine Elegie auf die Eunomie. Hier wirft er den Bürgern nicht bloss mangelhafte moralische Einstellung vor, sondern auch Unverstand, Geldgier und Ungerechtigkeit bei den Führern. Er geisselte die ungerechte Gesinnung, Frevel,  zügellose Gier, Übermass und Übermut der Adligen, insbesondere weil diese, im Gegensatz zum Volk, dass sich (dem Markt wie den Herren) zu fügen hat, bewusst und zielgerichtet planen können. (sic!) Somit zerstören die Adligen mit ihrem unbeherrschten Streben nach Reichtum das Zusammenleben in der Gemeinde, indem sie andere Mitbürger existentiell bedrohen oder sich an Gütern der Götter bzw. der Polis vergreifen. Die Metapher, daß die Freveltaten dabei nicht einmal vor dem Fundament der Dike, der Göttin des Rechts und des Ausgleichs, haltmachen (V. 14), ist derart zu verstehen, daß Dikes Dasein ohne die traditionellen Regeln der menschlichen Gemeinschaft nicht denkbar ist, die Untaten der Adligen dabei aber die herkömmliche Ordnung der Gemeinde vernichten und somit die Göttin Dike selbst schänden.

Ein äusserst aktueller Aspekt dabei ist, dass Solon nicht auf Eigenverantwortung plädiert, sondern deutlich macht, dass Schaden, der von einzelnen Mächtigen verursacht wird, die ganze Gesellschaft betrifft und in der Existenz bedroht. Der Bürger der nur an seiner privaten Ökonomie (Hausordnung/Betriebswirtschaft) interessiert ist, gefährdet durch die daraus resultierende Politik seine eigene Existenz.

Als Lösung sieht er die Eunomie, die einen wohlgeordneten Zustand des Gemeinwesens schafft - und zwar durch aktives, moralisch begründetes Wirken der Menschen, nicht der Götter.

Solon erkennt, daß es einen von göttlicher Einwirkung freien irdischen Kausalzusammenhang gibt zwischen menschlichem Fehlverhalten und zerstörerischen Entwicklungen in der Gemeinde, daß es aber ebenso einen Weg aus dieser Krise heraus gibt. Dieser Weg muß von den Mitgliedern der Gemeinde selbst bestimmt und gestaltet werden, wollen sie nicht länger gegen den Willen der Götter ihre Stadt zugrunde richten.

Solon sieht in der Polis, der Stadt, einen Raum, in dem die ökonomischen Regeln für das Handeln einzelner, z.B. das Streben nach Reichtum, nicht ausschliesslich angewandt werden können. Zu Deutsch und verständlicher: Politik ist etwas anderes als Wirtschaft. Die Polis, womit die Stadt, die Gemeinschaft gemeint ist, steht über dem Haus und der Hausordnung (Ökonomie):

Dabei sind die Hauptfehler die ausschließliche Konzentration auf den eigenen Oikos und maßlose Gier nach Reichtum aufgrund mangelnder Selbstbeherrschung. Die neue Bürgermoral muß daher den Trieb zu zügeln versuchen und das Ideal der Vernunft und Mäßigung suchen, verbunden mit einem hohen Verantwortungsbewußtsein für das eigene Gemeinwesen.

Vollständiger Text, äusserst lesenswert und eigentlich (leider) aktuell: http://www.janstetter.de/wissen/referate/stahl.htm

 

Unsere Stadt wird nie nach des Zeus Schicksale zu Grund gehn,  

Und der unsterblichen und seligen Götter Beschluss;

  Solch hochheldengemute Behüterin, vatergewalt'ge  

Pallas Athene, hält schützende Hände darob.

 5 Aber sie selbst sind willens, die mächtige Stadt zu verderben,  

Bürger, in törichtem Sinn gebend dem Gelde Gehör;

  Und die Berater des Volks sind Freveler, welchen bereit ist,  

Dass aus frechem Begehn mancherlei Leiden sie trifft;

  Denn nicht können sie wehren der Sättigung, noch an der Mahlzeit  10

Mit friedfertiger Ruh schmücken den nahen Genuss ...

  (Sättigung zeugt Hochmut, wenn Reichtums Fülle gesellt ist.)  11

Reichtum schaffen sie sich, geben dem Frevel Gehör,

  (Nur auf steten Erwerb ist Sinn und Denken gerichtet;)  13

Weder den heiligen mehr, weder des Volkes Besitz

  Schonen sie, Diebstahl übend mit mancherlei Raubesgelüsten,  

Und nicht achten sie mehr Dike's erhabenen Grund.

 15 Die stillschweigend beschauet das Werdende wie das Geschehne,   

Aber zuletzt ganz voll mit der Vergeltung erscheint.

  Dies trifft alle die Stadt schon jetzt mit unmeidbarer Wunde,  

Und schnell über sie kam trauriges Sklavengeschick,

  Das einheimischen Zwist und den schlafenden Krieg ihr erwecket,  20

Der gar vielen der Kern lieblicher Jugend verzehrt.

  Denn bald wird von den Feinden die liebliche Feste geängstet,  

Wo sie den Freunden Gewalt in den Versammlungen tun.

  Dieses Verderben bewegt in dem Volke sich; aber die Armen  

Ziehn mit Haufen hinweg, fern in ein fremdes Gebiet,

 25 Wo sie verkauft und gebunden mit ganz unziemlichen Banden  

(Unter der Knechtschaft Zwang feindliches Übel bestehn.)

 26 So kommt Volkesverderb in die Wohnungen aller gegangen,  

Und kein Tor ist am Hof, das ihm zu wehren begehrt,

  Denn hoch springt er der Mauer herein, und keiner entgeht ihm,  

Ob den Entfliehenden auch Winkel und Kammer umfahn. -

 30 Dieses gebeut mir das Herz die athenischen Männer zu lehren,  

Wie viel Übel dem Staat schlimme Verfassung erbeut,

  Gute Verfassung alles gefügt und geordnet ersehn lässt,  

Und in Fesseln sogleich leget der Bösen Geschlecht,

  Macht, was rauh ist, glatt, hemmt Sättigung, löschet den Frevel,  35

Macht, dass der Unheilschuld wuchernde Blüte verwelkt, 

  Machet das Recht, das gekrümmte, gerad, und mildert vermessne  

Taten, und setzet dem Tun böser Entzweiung ein Ziel,

  Setzet es leidigem Groll der Erbitterung; ihr im Gefolge  

Ist bei dem Menschengeschlecht alles gefügt und bedacht.

 

http://www.gottwein.de/Grie/lyr/lyr_sol01_gr.htm?

Erfreulich ist, dass wir seit Solon offenbar doch einiges an Problemen überwunden haben. So müssen wir uns nicht mehr mit dem Problem der Sklaverei herum schlagen. So werden Schuldner nicht mehr zu Sklaven, im schlimmsten Falle vielleicht zu Lohnsklaven, im besten zu Flüchtlingen auf den Bahamas ... Wir haben auch keine offene Herrschaft der Besitzenden, sondern eine verborgene, pardon, eine Demokratie, die doch allen einige Mitsprache und manchmal sogar Mitbestimmung erlaubt. Nichtsdestoweniger sind wir wieder in einer Anomie gelandet, die sich nur graduell von der zu Zeiten Solons unterscheidet.

Solon soll allerdings auch durch seine Luststeuer - und eigene Bordelle - derart viel Geld gemacht haben, dass er damit seine Militärmaschine, den Hafen von Piräus und einen Tempel der Aphrodite finanzieren konnte. Tja ... Philosophen .... (s. Prostitution)

2. Sinn und Zweck von Ordnung [Das Problem der Un-Ordnung s. Anomie]

Die Welt in Ordnung bringen
Ein kleiner Junge kam zu seinem Vater und wollte mit ihm spielen. Der aber hatte keine Zeit für den Jungen und auch keine Lust zum Spiel. Also überlegte er, womit er den Knaben beschäftigen könnte. Er fand in einer Zeitschrift eine komplizierte und detailreiche Abbildung der Erde. Dieses Bild riss er aus und zerschnipselte es dann in viele kleine Teile. Die gab er dem Jungen und dachte, dass der nun mit diesem schwierigen Puzzle wohl eine ganze Zeit beschäftigt sei.Der Junge zog sich in eine Ecke zurück und begann mit dem Puzzle. Nach wenigen Minuten kam er zum Vater und zeigte ihm das fertig zusammengesetzte Bild. Der Vater konnte es kaum glauben und fragte seinen Sohn, wie er das geschafft habe. Das Kind sagte: "Ach, auf der Rückseite war ein Mensch abgebildet. Den habe ich richtig zusammengesetzt. Und als der Mensch in Ordnung war, war es auch die Welt."

Eine verlässliche Ordnung und Orientierung (Tradition) stabilisiert die Gesellschaft, da sie viele Verhaltensnormen beinhaltet, also zu verlässlichen Reaktionen und Aktionen führt. Unordnung führt zu Kriminalität, Mord und Selbstmord, Auflösung der familiären und gesellschaftlichen Strukturen, und, weil die Orientierung fehlt und alles mehr oder minder absurd wird, zu zunehmenden psychischen Problemen.

Ordnung soll also Prozesse- und Strukturen in Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft erhalten. Ordnung soll verlässliche Orientierung erlauben und dadurch auch effizientes Handeln ermöglichen, wie auch die klare Zu-Ordnung von Verantwortung und Haftung.

Ordnung soll dem Schutz der Freiheit dienen und vor Übergriffen schützen. Ordnung soll Sicherheit bieten, insbesondere die Sicherung der Menschenwürde!

Ordnung, insbesondere die Rechtsordnung, soll eine verlässliche Trennung von Recht und Unrecht ermöglichen sowie die rechtliche Gleichbehandlung: gleiches gleich, ungleiches ungleich.

Ordnung ist oft auch mit dem Begriff Gerechtigkeit verbunden. Gerechtigkeit wird allerdings über Recht selten erreicht. Blödsinn? Waren Sie schon mal in einen Rechtsstreit verwickelt? Haben Sie sich noch nie gewundert, wie seltsam die Argumentationen der Rechtsanwälte oft sind? Das liegt daran, dass Recht bloss das ist, was in den Gesetzen und Gerichtsentscheiden steht, was geschrieben steht. Recht ist nicht das, was als Gerecht empfunden würde! Dieser Widerspruch zeigt uns aber auch, dass man das Recht nicht gar so heiligen muss, wie Solon das noch tat. Gesetz kommt von setzen. Was gesetzt wird lässt sich aber auch ausreissen, jäten, ab-, weg-, um-, ver-, zurück- und absetzen. Politik kann Gesetzte erlassen, ändern, aufheben.  Das Geschrei nach mehr Freiheit und weniger Staat ist also irgendwo falsch, denn eigentlich brauchte es nicht weniger Politik (Staat), sondern eine andere, so wie mehr Freiheit und weniger Gesetze wollen. Insbesondere erfordert die Streichung von Gesetzen vermutlich eben so viel politisches Engagement wie die Schaffung, wenn nicht mehr.

Obwohl ich eigentlich von staatlicher (wie sonstiger) Autorität nicht viel halte, ist an eine Abschaffung der Politik eigentlich nicht zu denken, denn je komplexer ein System ist, desto höher ist sein Koordinationsbedarf. Je komplexer ein System ist, desto höher ist aber auch der Bedarf an Freiheitsgraden. Jedes Subsystem hat seine spezifische Ordnung, also braucht jedes Subsystem seine spezifische Steuerung. Der Markt kann die politische Lenkung also nicht ersetzen. Märkte koordinieren zwar gut und günstig, aber sie folgen ihren eigenen Gesetzen, und dies ohne Rücksicht auf Verluste, ohne die geringste Rücksicht auf Gerechtigkeit. Die Marktgesetze funktionieren gut, solange der Markt nicht von Einzelnen beherrscht wird. Viele Marktgesetze lassen sich aber so nutzen, dass sie präzise diesen Effekt haben, nämlich die Marktbeherrschung durch wenige. Der Markt ist nicht  frei, der Markt ist kein Naturprodukt. Der Markt ist Menschenwerk und Machtstruktur. Der freie Markt zerstört seine Freiheit selbst durch immerwährende Akkumulation in einem begrenzten Raum, da eine solche Akkumulation nur möglich ist auf Kosten anderer.

Selbstorganisation ist das freieste und beste Ordnungsprinzip komplexer Systeme. Allerdings führt diese, was die Wirtschaft betrifft, zur Herrschaft einiger weniger militärisch-wirtschaftlicher Komplexe, was ganz und gar nicht optimal ist für die Mehrheit der Bürger, ja nicht mal für die Wirtschaft selbst.

3. Ordnung und Freiheit

Gesetze werden von der Politik erlassen und von politisch gewählten und kontrollierten Organen, der Verwaltung, vollzogen.

Unsere Welt ist von einem Spinnennetz an Normen und Gesetzen durchzogen. Gesetze ordnen das Zusammen-Leben und Zusammen-Wirken der Menschen in Familie, Gemeinde, Organisationen; bei Ausbildung, Arbeit, Produktion und Handel; in Stadt, Region und Staat, während Krieg- und Frieden; durch Bodenrecht, Bauordnung, Verkehrsordnung, Handelsrecht, Zivilrecht, Verwaltungsrecht und vieles mehr. Wer trägt die Schuld daran? Die Politik? DIE Politik gibt es eh nicht, es gibt eine Politik links, eine Politik rechts, braune Politik, grüne Politik, Politik der Mehrheit: Politik? Was ist das?

Es gibt vermutlich die verschiedensten Gründe, warum wir uns selbst in einem so verworrenen Netz an Regeln einspinnen, dass uns nur teuer bezahlte Spezialisten (Juristen) wieder da raus holen. Warum müssen oder wollen wir jedes Detail gesetzlich geregelt haben? Warum liefern wir uns Juristen und Gerichten aus, statt selbst Verträge zu schliessen und Probleme zu lösen?

Warum sind es ausgerechnet die Ordnungsparteien, also die rechten Parteien, die sich gegen Politik stellen, da es doch erst die Politik ist, die die gewünschte straffe Gesetzesordnung schafft?

Das Dilemma zwischen Ordnung und Liberalismus beschreibt schön ein von Hans Sutter im Tagesanzeiger vom 14. Juli 2005, S. 19, übermittelter Witz:

Ein Bettler an der Zürcher Bahnhofstrasse wird von einem Polizisten angesprochen.

Polizist: Momänt, bättle isch verbotte, weisch du ganz genau.

Bettler: Chasch mer gliich no chli Münz gä?

Polizist: Mach jetzt kei tummi Sprüch! Ich ha di scho zweimal verwarnt. Jetzt choschts 100 Franke Buess, wänn d grad zahlsch.

Der Bettler klaubt sein gebetteltes Geld aus der Tasche und zählt es. "Es langed nöd, muesch mi no e Stund oder zwei bättle laa, dänn chasch ja namal verbiii cho."

Der Polizist ist ratlos ...

Die Antwort liegt beim Nachtwächterstaat. Die autoritären Parteien, meist auch eher konservativ, wollen den status quo erhalten, also die Pareto-Verteilung: Die Reichen bleiben reich die Armen arm - das ist von Gott genau so gewollt wie vom Markt! Diese Ordnung ist also zu heiligen ... nicht zu ändern.

Wir müssen also unterscheiden zwischen Gesetzen, die den status quo erhalten und Gesetzen, die ändern. Und es sind die Änderungen die von diesen Parteien konsequent mit nein erledigt werden. Der Widerwille der Rechten gegen politische Lenkung dient also nur der Systemerhaltung (Nachtwächterstaat), da die Elite schon immer gewusst hat, die bestehende Ordnung oder Unordnung zu den eigenen Gunsten zu nutzen, genau wie der gewiefte Börsenspekulant verdient, egal ob die Kurse rauf oder runter gehen, Hauptsache sie bewegen sich. Die von den meisten erwünschte, einigermassen stabile Ordnung, wäre also das Ende der Spekulation ... die gute Ordnung wäre vielleicht das Ende der Ausbeutung. Wer aber möchte das schon ...

Ursprung dieser Ordnungswut dürfte somit das Eigentum sein und die mit ihm verbundene, eben so ungleich verteilte, Macht und Ohnmacht. Revolutionen entzündeten sich historisch meist an Problemen des Bodenrechts und von Grossgrundbesitz. Während hierzulande alles lauthals die Barone Argentiniens der Ungerechtigkeit anklagt und eine Umverteilung der Grossgrundbesitze einklagt, darf man die einseitige Verteilung der Ressource Kapital heute kaum mehr beklagen. Seit dem Zusammenbruch des Kommunismus gibt es keine ernst zu nehmende Diskussion zu diesem Thema mehr,  obwohl es jedem und jeder klar sein müsste, dass es ethisch, und somit politisch und auch wirtschaftlich, nicht haltbar ist, dass Menschen von der Existenzsicherung, also Arbeit, ausgeschlossen werden dürfen, weil das Eigentum heilig ist.

Weil wir uns ein derart absurdes Wirtschaftssystem geschaffen haben, dass nur funktioniert, wenn es wächst, gibt es auch keine ernst zu nehmende Diskussion über Wachstumsprobleme mehr. Das geheiligte Kapital darf, soll  und kann sich (zumindest als Finanzkapital) unendlich vermehren, obwohl die irdischen Ressourcen beschränkt sind. Das geheiligte Kapital soll sich also die ganze Erde aneignen dürfen und soll das Recht haben, die grosse Mehrheit der Erdenbürger auszuschliessen, zu Untertanen zu machen. Hier liegt der wichtigste Grund für Revolutionen und bei der gegenwärtigen Politik: Alle Freiheiten dem Kapital - alle Pflichten den Untergebenen, ist die nächste vielleicht weniger weit weg, als wir das gerne hätten.

4. Unterschiedliche Erwartungen an eine Eunomie

Die zwei Gegenpole Epikuräer und Stoiker zeigen uns das Feld, in dem sich wohl das gute Leben einrichten kann und muss [http://www.brainworker.ch/zynismus/stoiker.htm]

Problem Epikureer Stoiker

Höchstes Gut:

Natur:

Gott:

Sinn des Lebens:

Seele:

Politik:

 

Lust

Atome, Zufall, viele Welten

Keine göttliche Vorsehung

Kein letzter Sinn

sterblich

asozial

 

Tugend

Logos, Fatum, eine Welt

Göttliche Vorsehung

Sinnvolle Ordnung der Welt

unsterblich

sozial

http://www.philolex.de/stoiepik.htm

Eine "Gute Ordnung" muss es also möglichst vielen Epikuräern (tendenziell die politische Rechte) erlauben, möglichst viel Lust zu erleben - den Stoikern (tendenziell die politische Linke) aber die Möglichkeit geben, ihren Idealen zu folgen.

Die Epikuräer nehmen Veränderungen hin als Zufall, die Stoiker als Fatum. Kleiner Unterschied, ohne Bedeutung für Ordnungsprinzipien.

Mit dem Aufkommen des Christentums in Europa wurde die gute Ordnung als göttliche Ordnung von der Kirche diktiert. Neben grossartigen Bauten und andern unbestreitbaren kulturellen Leistungen, waren die Folgen davon aber auch viel Angst, Mord und Totschlag. Unterordnung wurde durch Angst vor dem Fegefeuer erzielt. Die Kirche war der militärisch-wirtschaftliche Komplex des Mittelalters und sie sicherte sich ihre Macht mit allen Mitteln, mit einer enormen Streitmacht an Juristen, mit Armeen, mittels der Unterwerfung von Fürsten, Königen und gar des Kaisers, mittels Angst, Terror und Schlägertruppen (s.  Religion und Städte – die treibenden Wirtschaftsfaktoren des Mittelalters.) Viele die diese Verbindung von Wirtschaftsmacht und geistiger Ordnungsmacht kritisierten wie die Katharer (etymologischer Ursprung der Ketzer)  landeten als Häretiker auf dem Scheiterhaufen. Der stärkste wirtschaftliche Konkurrent der offiziellen Kirche war der Orden (auch hier ist Ordnung enthalten ...) der Templer, die zudem versucht hatten, die christliche und die islamische Ordnung zu verbinden. Auch sie landeten auf dem Scheiterhaufen. Ihre Erben, die Freimaurer, sind leider zu etwas suspekten Geheimorganisationen verkommen, die das geistige Fundament der Bewegung vergessen liessen, dass durch seine ausgeprägt gnostischen Elemente dem der Sufi nahe verwandt ist.

Einen modernen und rationalen Zugang zum Problem gute Ordnung erhalten wir, wenn wir die maslow'sche Bedürfnispyramide als Grundlage nehmen.

  1. Physische Bedürfnisse
  2. Sicherheit
  3. soziale Bindung
  4. Selbstachtung
  5. Selbstverwirklichung

Die Vertreter der Marktwirtschaft mit ihren unbändigen Drang nach Wachstum argumentieren, dass die Bedürfnisse des Menschen unendlich seien, dass also eigentlich nichts überflüssiges produziert werden könne und jedes Angebot seine Nachfrage finde (s. Says). Die Realität jedoch zeigt, dass ein Mehr an Gütern einen nur sehr beschränkten Beitrag zu einem Mehr an Zufriedenheit leisten kann. Sind die Grundbedürfnisse gedeckt und findet das Leben in einigermassen sicheren Bedingungen, bei einigermassen verlässlichen sozialen Beziehungen statt, so bringen mehr Güter und Dienstleistungen kaum mehr an Zufriedenheit. Wozu also mehr produzieren und konsumieren? Wäre es nicht angebracht, das Wirtschaftssystem anzupassen, wenn es mehr Güter als Zufriedenheit produziert? Wäre es nicht dringendst notwendig, das Wirtschaftssystem anzupassen, ein Wirtschaftssystem das nur Bestand hat, wenn immer mehr produziert wird, auch wenn dies sogar auf Kosten der Zufriedenheit geht: Längere Arbeitszeiten, spätere Pension, tiefere Löhne, höhere Aufwendungen für Arbeitsweg und Ausbildung (mehr Flexibilität), mehr Unterordnung, weniger Freiheit ... etcetc.

Lösungsansätze:

Diejenigen, die ihren Lohn im ewigen Leben erwarten, sollten nicht auf denen rumtrampeln, die "nur" ein irdisches Dasein haben und beanspruchen. Durch Verachtung derselben holen sie sich nämlich ihren Lohn bereits ab und könnten sich den himmlischen Lohn damit verwirken.

Diejenigen die ganz auf das irdische Leben setzen, hier und jetzt, sollten erstens an diejenigen denken, die das selbe tun, sowie and diejenigen, die  nach ihnen kommen und an diejenigen, die keine Verträge schliessen können, also die Natur. Auch sie sollten also nicht auf denen rumtrampeln, die an die Zukunft denken oder sich an transzendentalen Werten (Religion) orientieren, die rational nicht (immer) fassbar sind. Es gibt keinen Anlass, denen, deren Leben erst nach dem Tode beginnt, so rasch als möglich zum echten Leben zu verhelfen, denn Märtyrer (suizide bombers) machen das Leben auch für Epikuräer wenig angenehm.

Auch wenn sich "göttliche Ordnungen" äusserlich zu widersprechen scheinen, so ist es meist nicht all zu schwierig, Gemeinsamkeiten zu finden. Die Ökumene hat eine Chance - auch wenn der Papst das anders sieht.

Zusammenfassend:

Wer sich nur kurzfristig orientiert eilt von Sackgasse zu Sackgasse.
Wer sich zu langfristig orientiert verpasst das Leben.

 

5. Die gegenwärtige Situation: Verzerrung der Ziele bis zur Perversion

Im 17. und 18. Jahrhundert war noch nicht mal der Begriff der Produktion unbekannt (s. Foucault: Die Ordnung der Dinge). Heute suchen wir das Glück nicht bloss in Produktivität, also möglichst hoher Produktion pro Zeiteinheit, sonder bereits in der Steigerung der Produktivität. Das heisst, wir verkaufen die Zeit, da sie bekanntlich Geld ist. Mit der spekulativen Börse verkaufen wir damit gleich auch die Zukunft. (s. Spekulation).

Beispiel Gesundheitsunwesen: Eine betriebswirtschaftliche Organisation der Krankheitsdienste (s. Wettbewerb, unten) hat nicht das Ziel, dass es möglichste wenig Kranke gäbe, im Gegenteil: Jeder Patient bringt Geld! Mehr Patienten - mehr Geld!

Beispiel Wirtschaft: Ziel unserer Ökonomie ist nicht mehr die effiziente Versorgung mit knappen Gütern, sondern möglichst viele Güter. Je mehr Güter - desto Geld.

Beispiel Bildung: Ziel unseres Bildungswesens (s. Wettbewerb, unten) ist nicht mehr, möglichst allen Bürgern klare Orientierung mit auf den Lebensweg zu geben, sondern Fachleute zu erzeugen, die sich produktiv einsetzen lassen. Ziel unserer Bildung ist nicht mehr, möglichst dauerhaftes Wissen zu vermitteln, sondern möglichst viel verwertbares Wissen in kurzer Zeit, Wissen, das allerdings immer schneller seinen Wert verliert. Ziel der Ausbildung ist nicht mehr, den Schülern Wissen zu vermitteln, dass ihnen eine Existenz ermöglicht, sondern möglichst viele gut zahlende Kunden durch attraktive Kurse und hohe Versprechungen anzulocken. #

Beispiel Wettbewerb: Ziel des Wettbewerbs ist nicht mehr die Teilnahme, nicht mal der Triumph des Gewinners, sondern andere vom Markt zu verdrängen, also die Verlierer nicht bloss dumm dastehen, sondern auch noch mit ihrer Existenz bezahlen zu lassen. Wettbewerbsfähigkeit bedeutet doch nichts weniger, als die Macht, andere vom Markt zu drängen. Globale Wettbewerbsfähigkeit also, andere vom globalen Markt fernzuhalten oder zu verdrängen.

Beispiel Wachstum: Wachstum wird nicht mehr als Prozess oder Weg gesehen, nicht mehr als ausgleichende Folge von Bevölkerungswachstum oder Fortschritt betrachtet, sondern wurde zum Ziel: Kein Wohlstand ohne Wachstum.

Alle vier Beispiele, die sich beliebig erweitern liessen, zeigen auch, dass es nicht mehr um pflegliche Kultur geht, sondern um eine Form von Krieg, um einen Überlebenskampf. Alle Beispiele zeigen, dass wir nirgends wissen, wohin wir wollen und was das Ziel ist - aber vom Markt dazu gedrängt werden, trotzdem möglichst schnell zu rennen. Präzise das passiert, wenn man Mittel zu Zwecken macht.

.Wer liefert Ziele, damit Ordnung und Orientierung? Die Kirche ist dazu nicht mehr in der Lage, die Wissenschaften noch weniger. Wissenschaften, sogar die komplexesten wie die Systemanalyse und die Ökonomie, liefern keine Ziele, denn Ziele entstehen aus Werten. Es brauchte also auch hier mehr Philosophie, und zwar gerade diejenige Philosophie, die in den letzten 150 Jahren totgesagt wurde. Weil letztere so dem Realismus verbunden sind, dass sie sich auf keinen Fall mit Werten oder gar Spekulationen abgeben wollen. Durch ihre exklusive Beschäftigung mit dem, was da ist, wird sogar die Forschung konservativ. Da die Zukunft aber immer spekulativ ist, fehlen hier die Denker. Die Politik, die hier auch noch Zuständigkeit reklamieren dürfte, hangelt heute von Sachzwang zu Sachzwang (Sparen z.B), statt von Banane zu Banane, und ist kaum mehr zu utopischen, zukunftsgerichteten Zielsetzungen fähig. Die Wirtschaft spekuliert zwar gerne und ausgiebig, aber nur wenn die Spekulationen ausgiebige Erträge versprechen. Das Platzen der Spekulationsblase zur Jahrtausendwende zeigte zudem deutlich, dass die Spekulationen der Finanz-Wirtschaft mehr spielerischen Unterhaltungswert als zukunftsträchtige Ziele und Produkte produzieren.

 

6. Empfehlungen

Vielfalt ist Reichtum!

In der Freiheit der Wahl seiner eigenen guten Ordnung
liegt vermutlich das grösste Glück!

Wirtschaft, Gesellschaft, Geist (nicht bloss die Umwelt: Biodiversität) leben von Vielfalt, also von Ungleichheit. Die Veräppelung des Rufes nach Gleichheit ist dennoch eine rhetorische Hinterlist, eine rabulistische Fehlinterpretation. Als Resultat eines Wettbewerbs mit äusserst ungleich langen Spiessen (s. Pareto), wird die Verteilung der Ressourcen immer schiefer, immer ungleicher. Wenige haben alles, viele haben nichts. Der Ausschluss aus der Produktion, wenn er auch im Namen der viel gepriesenen Effizienz erfolgt,  bedroht die schiere Existenz vieler Menschen. Existenzrecht darf kein Almosen sein, dürfte also auch nicht als Ansporn dazu genutzt werden, sich um nicht existierende Stellen zu bewerben. Recht auf würdige Existenz, steht, wenn ich mich nicht irre, sogar in unserer Verfassung! Was aber in Deutschland wie in der Schweiz und vermutlich auch andernorts mit Arbeitslosen getrieben wird, ist oft unwürdig. Woher sonst die Gewalt vieler gegen sich selbst oder andere? (s. Anomie)

Eine Zentralregierung die ihre Erlasse auf Durchschnittswerten basiert, hat die beste Chance, für die lokale und regionale Entwicklung nur noch Stuss zu produzieren (Euro, der Wechselkursschwankungen zwar ausschaltet, aber auch eine regionale Arbeitsmarktpolitik) , Parisernorm, Rohmilchkäse ...) und diese mehr zu stören als zu unterstützen. Jedes Volk, jede Region, jede Kultur sollte sich aus eigenen Kräften und nach eigener Ordnung selbst entwickeln können. Deshalb täte der Beitritt der Schweiz Europa gut, so sich die Schweiz mit den andern kleinen und widerborstigen verbündet und hilft, in Europa eine, vielleicht noch etwas mühsamere, aber dafür freiheitliche, föderative Ordnung aufzubauen.

6.1 Wir brauchen wieder mehr spekulative Philosophie und Idealismus

- gerade weil die Finanzspekulation grassiert!

... denn Philosophie sucht Wahrheit. Finanzwirtschaft nur Geld.

Spekulation (von lat. speculatio: Auskundschaften) bedeutet: von ferne Betrachten. Sie sieht also in die Zukunft, oder versucht, ganz auf Wittgenstein und Kant pfeifend, Transzendentales zu erfassen, also den Bereich der Erfahrung (Empirie) zu überschreiten, wobei sie sich logischerweise ab und zu lächerlich macht. Absurd? Gut, lieber Realist, dann sag mal, wie wir die Zukunft gestalten wollen, ohne uns ein Bild von ihr zu machen? Spekulation kann sich aller Methoden der "Zukunftsforschung" (in Klammern, da ein etwas absurder Begriff, denn was nicht ist lässt sich auch nicht erforschen sondern höchstens denken!) bedienen, aber auch der Intuition, der Gnosis und hermeneutischer Schlüssigkeit (sowie statistischer Modelle bei der Finanzspekulation). Ein Unwort ist hier die "Zukunftsmaschine", doppelt unsinnig, wenn sie für die rein technische Forschung der ETH angewendet wird.

Idealismus ist Handeln nach Gebot echter Ideale, die praktische Orientierung an bestimmten Weltanschauungen, die Lebensführung nach Gebot geistiger Prinzipien. [Der erste Satz dieses Artikels entlarvt mich also gleich als Idealisten ... na ja, ich nehm's hin ...] Idealismus basiert auf dem platonische Ideal, also dem Musterbild, dem Urbild, einem sittlichen Vorbild. Idealismus beinhaltet Streben nach Vollkommenheit (steht so im Philosophischen Wörterbuch von Kröner, ich wär da etwas weniger elitär ...). Idealisten gewinnen also praktische Kraft aus Ideen. That's it!

6.2 Eigentum verpflichtet

Gerne predigen Eigentümer denen die vom Lohn abhängig sind, d.h. nochmehr denen, die dies waren und Arbeitslos oder gar ausgesteuert gar kein "Vermögen" mehr haben, die Eigenverantwortung. Es ist aber präzise der Begriff <Vermögen> der zeigt, dass Arme eben wirtschaftlich nichts mehr vermögen. Dies liegt eben in den Hànden der Vermögenden, die Verhältnisse zu ändern. Heute scheint das Eigentum nur noch zur Vermehrung desselben zu verpflichten - egal, welche Kosten dadurch andern, nicht zuletzt dem Staat, entstehen. s. Armut: Definitionen, Ressourcentheorie / Reichtum: Was ist Reichtum, welche Funktion hat er und welche Verantwortung?

6.3 Geld soll nicht herrschen sondern dienen - Geld ist ein Mittel, kein Zweck, insbesondere kein Lebenszweck.

6.4 Eine freiheitliche, liberale Ordnung, die kooperative und kollektive Betriebsformen nicht ausschliesst und Kleinbetriebe vor Grossen begünstigt.

Die Überwindung der Diktatur des Profits wäre relativ einfach, denn wenn Produzenten und Konsumenten, kleine und mittlere Unternehmen, Bauern, Arbeiter und Angestellte erkennen würden, dass ihre Interessen sich mit denen des geballten Kapitals nicht decken , sie würden eine demokratische Mehrheit bilden.

[S. Die Bedeutung der natürlichen Ordnung in der Freiwirtschaft http://www.brainworker.ch/r-evolution/1_4_01%20freiw.htm Propagandaartikel geschrieben ca. 2000 für die Evolution, Monatszeitschrift der Freiwirte. Von der reell existierenden Freiwirtschaft muss ich mich leider distanzieren. Die Vereine sind überaltert, autoritär, phantasielos, und hängen übermässig am alten Universalrezept der Umlaufsicherung (einer Bargeldsteuer, die Horten verhindern soll), das nur mehrheitsfähig werden könnte nach einer lang andauernden Rezession. Des weitern sind die Freiwirte Anhänger einer unglaublich sturen Inflationsbekämpfung (0%, ohne Toleranz!) und glauben absolut treu und fest daran, dass sich die Konjunktur über die Geldmenge stabilisieren lässt. Ich betrachte diese Monetarismusgläubigkeit als absurd. Des weitern sprechen sie mit ihrer Kritik am herrschenden Bodenrecht zwar ein reelles und wichtiges Problem an. Ihre Lösungsvorschläge sind allerdings halbgar. Es handelt sich um eine Art Sozialfeudalismus, der eine für unser heutiges komplexes System kaum taugliche Ordnung darstellen dürfte.]

Der Artikel hilft jedoch (obwohl propagandistisch), den Terminus "natürliche Ordnung" zu klären, der auch von den Humanökologen gerne verwendet wird [s. http://www.brainworker.ch/Politik/politikundwirtschaft.htm ] für eine Ordnung, welche die Wirtschaftsordnung unseres Zeitalters ersetzen sollte, nachdem diese im Liberalismus des 19. JH. die politische Ordnung der Stände, und jene die feudalistischen Ordnungen der Herren des Mittelalters wie der Stammesordnung der Alten ersetzt hatte:

Silvio Gesell's Definition der natürlichen Ordnung:

Es handelt sich also nicht um eine Ordnung, die sich etwa von selbst, als Naturprodukt einstellt. Eine solche Ordnung gibt es überhaupt nicht, denn immer ist die Ordnung, die wir uns geben, eine Tat, und zwar eine bewusste und gewollte Tat. Dort, wo der Mensch am besten gedeiht, wird auch die Wirtschaftsordnung die natürlichste sein. Ob eine in diesem Sinne sich bewährende Wirtschaftsordnung zugleich die technisch leistungsfähigste ist und dem Ermittlungsamt Höchstzahlen liefert, ist eine Frage minderer Ordnung.

.... weitere Bearbeitung irgendwann, wann mir - oder Ihnen (Lassen Sie's mich wissen!) was einfällt. s. vor allem auch Ordnungsmodelle, denn dort werd' ich die weiterentwickeln (bin zur Zeit am Weltsozialforum).

Martin Herzog, Rheinfelden, 12. September 2004

Neuster Beitrag in der Richtung: From "Economy of Power" to a sustainable "Wise Economy" [14.04.06]

6.5 Eine Oekonomie des Glücks statt des Wettbewerbs, die dem Grundsatzg gerecht wird:

Jeder hat das Recht sein persönliches Glück zu suchen
- nicht aber auf Kosten anderer.

Zynismus heisst: Den Ernst der Lage erkennen - und trotzdem den Humor behalten.

Das E-Book fasst alle Artikel von Brainworker zu dem Thema zusammen und liefert:
Definition und Herkunft des Zynismus/Kynismus aus Skeptizismus und Stoizismus - aber auch mit einer gesunden Prise Lebensgenuss der Epikuräer.

Eine Analyse des Wissens das dumm macht, weil es die Welt so beschreibt, wie wenn es verschiedene davon zur Auswahl und alls Ersatz gäbe.

Eine Kritik von Sloterdijks Kritik der zynischen Vernunft.

Eine Lösung zur Aufgabe einer postmodernen Philosophie, das Ganze zu sehen, zu verstehen, trotz inhärenter Widersprüche und Unbestimmbarkeiten.

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