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[Kurze Ur-Fassung des Themas: http://www.brainworker.ch/situationsanalyse.htm & der Ursprung der Orientierungsforschung, wie er zwischen 1994 und 98 entstand s. Steering of Development & Politics, Knowledge - Action - Learning. Insbesondere das Kapitel zu Orientierungswissen]
Definition von Orientierung:[vom franz. s'orienter]: Auf Reizen der Umwelt, auf Gedächtnisleistungen, Meinungen ... und Lernvorgängen beruhende, meist zu gerichteten Bewegungen führenden, Reaktionen bei Tieren, Pflanzen und Menschen. Die höchste Form von Orientierung ist die einsichtige, d.h. auf Verstand und Wissen beruhende Orientierung von Handlung. |
Fehlorientierung durch Globalisierung und Weltmarktpreis:
Bauern
und die Globalisierung: Mehr Arbeit - weniger Lohn.All zu einseitige Orientierung war immer gefährlich. Sich nur an Geldvermehrung zu orientieren, dürfte etwas zu einseitig sein für eine nachhaltige Entwicklung. Fosters erstes Gesetz zur Stabilisierung von Systemen lautet ja auch: Schaffe möglichst viele alternative Handlungsmöglichkeiten!
So betrachtet ist es meines Erachtens ein Denkfehler, wenn Wissensanbieter dem Besucher nur gerade das anbieten, was dieser sucht. Natürlich wäre das der Kundenwunsch. Natürlich ist es kommerziell nichts als richtig, dem nachzugeben. Da aber die Welt viel bunter ist als die meisten sie zu sehen gewohnt sind, wird sie dadurch ärmer, genau so wie sie durch die sehr reduzierten Sparangebot von "Ich bin doch blöd, geizig und geil" kaum reicher und schon gar nicht besser wird. Der Besucher darf und soll also gerne mal mit unkonventionellem überrascht werden: http://www.brainworker.ch/webdesign/navigationsmuster.htm.
Der Abschnitt: Suchstrategien bei fehlender Orientierung - wurde in den Artikel: Anomie nennt sich das fehlen sozialer Ordnung - nicht Anarchie - ausgegliedert.
Denken ist immer zuerst an Modelle
gebunden - komplexes Denken darum an komplexe Modelle:
s. Komplexe Argumentation
Leider ist unsere Orientierung vorwiegend eindimensional. Von Gut - Böse möchten wir (so behaupte wir zumindest ...) ja nur das Gute (das gute Ende der Wurst). Bei der politischen Links - Rechts Orientierung gibt es für die meisten ebenfalls nur eine Möglichkeit sich zu platzieren (Zu Links = Staat & Rechts = Freiheit s. Politik).
Bereits eine zweidimensionale Orientierung (s. ebenfalls unter Politik) ergibt bereits ziemlich andere Sicht der Dinge. Dabei wäre ja sogar die Welt seit Ptolemäus (in Europa halt erst seit Galileo), eigentlich dreidimensional und keine Scheibe.
Wissen findet sich nicht in Parteien, denn die sind parteiisch, also nicht an Wahrheiten interessiert, die möglicherweise gar der Parteidoktrin widersprechen. Wahrheit kann allenfalls durch den Dialog, durch Argumentation, durch Abwägen, entstehen, denn sie ist, zumindest in gesellschaftlichen Belangen, meist irgendwo zwischen den Extremen, von denen meist keines optimal ist. Hier haben wir ein Problem, das auch von der besten aller Demokratien nicht gelöst wird. Es gibt keine politische Prozedur, die auf systemische Funktionalität und Vielfalt optimiert. Politische Systeme optimieren nach Machtverteilung. Parlamentarier und Räte die primär ihre parteiische Politik vertreten, suchen nicht nach optimalen Lösungen, sondern nach Macht und Durchsetzung dieser Interessen. Sie sind für das Funktionieren des Gesamtsystems schädlich, also eigentlich fehl am Platz. Leider gibt es noch kaum Lösungsansätze zu diesem Problem. Think Tanks versuchen "wissenschaftlich" die Ideologie ihrer Geldgeber wissenschaftlich zu untermauern. Wissenschaften versuchen in ihrem kleinen, abgegrenzten Feld Neues zu entdecken. Zudem produzieren sie kein Wissen von Zielen (und diese sind es eigentlich, die uns als Orientierung dienen!), sondern nur Wissen von Relationen (Ursache - Wirkung nie aber Sinn und Zweck!), und die Philosophen ... ja was treiben die eigentlich heute? Sie wären eigentlich zuständig für ganzheitliche Betrachtung und für den Überblick über das Chaos der Disziplinen. [s. http://www.brainworker.ch/Wissen/interdisziplinaritaet.htm].
Wann werden wir es schaffen, aus dieser bipolar-platten Desorientierung auszubrechen die einer Orientierung an Extremen entspricht und jeder systemischen Optimierung im Wege steht, insbesondere was kollektiv-individuell, christlich-islamisch, wissenschaftlich-philosophisch betrifft.
Durch Denken wird bestehende Ordnung verstanden, durch Denken, insbesondere durch Forschung, werden neue Ordnungen entdeckt und geschaffen. Neue Ordnungen stossen deshalb meist auf Widerstand, gerade weil sie eine Umorientierung bedingen. Hier steckt unsere Wirtschaft und Gesellschaft in einem permanenten Dilemma, weil sie einerseits von dauernder Erneuerung (Innovation) abhängt, aber andererseits das Leben an und für sich eher beharrend, also konservativ, ist: natura non facit saltus, und auch spontane Mutationen, die Grundlage der Evolution, sind ja eher selten.
Denken ist nicht bloss ein Wissen, im Sinne von "wenn A dann B". Das ist Logik, Denken ist eine Kombination aus Logik, Intuition, spielerischer Kombinatorik (Phantasie) und Wertung. Der erste Schritt zum Denken ist aber der selbe wie der zweite Schritt beim Lernen: Aufbau und/oder Veränderung von bestehenden Denkstrukturen. [s. Für welche Arten des Lernens eignet sich das Internet?] Lernprozesse basieren auf Fakten. Durch Umstrukturierung - Schemaoptimierung und Schemaerzeugung müssen aber erst Schema geschaffen werden, also eine Ordnung, nämlich die Ordnung durch die gezieltes Lehren und Lernen erst möglich wird. Dies ist Aufgabe der Didaktik. Intuitives Lernen allerdings schafft sich seine Ordnung selbst.
Die wirksamste Denkbehinderung ist nicht Dummheit, sondern Wertung. Wertung ist ein wichtiger und unumgänglicher Bestandteil des Denkens, denn es gibt viel mehr unsinnige Kombinationen von Wörtern wie von Gedanken als sinnvolle. Wer denkt muss sich also dauern mit den eigenen Denkhemmungen auseinander setzen, wie mit denen, die aus seiner Umgebung kommen. Wertungen wie: Das kannst Du doch nicht sagen! führt gerne dazu, dass man solches, was man nicht sagen soll, sich auch nicht zu denken wagt. Eine Kulturform wie die unsere aber, die derart von Innovation abhängt, sollte offenes Denken und Reden eigentlich begrüssen und nicht erschweren.
| Wer nicht an die Zukunft denkt, der wird bald grosse
Sorgen haben. Konfuzius |
Am Wort Planung zeigt sich am besten, wie seltsam der politisch-bipolare Dialog eigentlich ist. Während jede Firma, die ihre Finanzen, ihren Material- und Personaleinsatz, ihre Ziele, ihr Marketing, ihre Vorstellungen, ihre Produktion etc nicht auf das Präziseste plant, von Markt, Börse und Steueramt aufs härteste bestraft wird, bleibt Planwirtschaft ein Schimpfwort. Obwohl Plan auch ein Synonym ist für Karte (Stadtplan z.B), also DAS Instrument der Orientierung, wird nicht der bewusst gestaltete Plan, sondern der zufällig agierende Markt gelobt. Planung ist rationales Verfolgen eines Zieles, also orientiertes Handeln. Warum soll das, was für den Betrieb gut ist, für die Gesellschaft als Ganzes schlecht sein? Es sind zwei Probleme die sich dahinter verstecken:
Weder Poppers Falsifikationismus noch sonst eine Regel, die Wissenschaftlichkeit garantieren soll, kann Sinn und Zweck von Zielen prüfen, geschweige denn, Ziele "objektiv" schaffen.
Unser wirtschaftlicher Zielmonopolismus mag auch ein weiteres Phänomen unserer Gesellschaft erklären: So wollen zwar viele führen, und fast alle wollen jemanden beherrschen. So scheint der Steuermann das Vorbild ... aber wo sind die Navigatoren, Leuchttürme und Lotsen? Ohne Orientierung fährt der beste Steuermann in die Irre ... ausser, es gäbe eben nur ein Ziel, Onkel Dagoberts Ziel, das sich höchst attraktiv durch einen grossen Haufen Geld darstellen lässt.
Auch wenn wir Märkte nicht planerisch beherrschen und besser organisieren können, auch wenn es leider immer noch zutrifft, das wir für die Organisation unserer komplexen Gesellschaft kein besseres Koordinationsinstrument als den Markt haben - eines was wir sicher tun können und tun müssen ist, den Zielmonopolismus zu bekämpfen. Menschen orientieren sich an Zielen, an Werten, die oft als Wünsche formuliert werden. Dies ist ein, in Märchen und Geschichten, weit verbreitetes Topos, das die Notwendigkeit einer Zielvarianz belegt: Sei vorsichtig mit Deinen Wünschen, denn sie könnten sich erfüllen! Für Orientierung vielleicht noch wichtiger als Wünsche ist der innere Auftrag, der ethische Auftrag: Du sollst. Auch dieser darf sich nicht monopolistisch durchsetzen: Unterscheiden Sie zwischen Sein und Sollen - aber vernachlässigen Sie keines von beiden, denn es sind zwei Enden der selben Wurst.
Planung im Betrieb ist gut, Planung in Wirtschaft und Politik sind schlecht, der Plan ist das Gegenteil von Freiheit, so scheint die Meinung. Es gibt zwar die unterschiedlichsten DEFINITIONEN VON PLANUNG, aber dass es sich dabei um Teufelswerk handelt, lässt sich eigentlich aus keiner davon ableiten ... es sei denn, man gehöre zu den Muta'ziliten und betrachte die Verwendung von Logik und Vernunft als Teufelswerk:
"Planung ist die "gedankliche Vorwegnahme zukünftigen Handelns unter Beachtung des Rationalprinzips".
Erwin Grochla
"Planung ist der systematische Entwurf einer rationalen Ordnung auf der Grundlage allen verfügbaren Wissens".
J.H. Kaiser
"Planung ist der politische Entscheidungsprozess zur Rationalisierung, Optimierung und Stabilisierung von Systemen".
Bendixen und Kemmler
"Planung lässt sich dadurch kennzeichnen, dass
etwas vorausschauend geschieht,
es sich um einen geistigen Prozess handelt,
zielorientiert vorgegangen wird,
Handlungsalternativen (Verhaltensweisen) zur Ereichung der Zeile entwickelt werden,
eine Auswahl unter den Alternativen (Entscheidung) getroffen wird und
Anweisung zur rationellen Realisierung der gewählten Alternative festgelegt werden."
Joachim Weisser:
[Alle aus Glaeser, B; Theherani-Krönner, P.d.: Humanökologie und Kulturökologie. Grundlagen. Ansätze. Praxis. Westdeutscher Verlag. Opladen 1992.]
Vermutlich sehen die Wirtschaftsanarchisten ein Problem in der Planung, weil durch Planung die Beliebigkeit (alias Freiheit) des Marktes natürlich schon etwas leiden kann. Man darf z.B. nicht einfach Häuser bauen wo immer man will, man darf sie auch nicht so hoch und so breit bauen wie man will. Man darf auch nicht die Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen gestalten wie man will, so zwischen 0 und 24 Stunden pro Tag. Aber wenn man die bei der Planung festgelegten Regeln kritisieren will, sollte man dies mit einer gewissen Präzision tun, und nicht jegliches Planen in den Topf der Ineffizienz und Unfreiheit werfen. So ist z.B. für den Soziologen Niklas Luhmann das Problem der Planung in der Gesellschaft nicht, dass die Freiheit abhanden kommt, sondern "das eigentliche Problem der Selbstplanung sozialer Systeme ist: dass die Planung in dem System, das sich plant, beobachtet wird." [Luhmann, Niklas: Soziale Systeme. stw 666. Suhrkamp. Frankfurt a.M. 1984.S. 635:]
Planung in der Gesellschaft muss also reflexiv und iterativ sein. D.h. dass auf jeden Zyklus von Planung - Ausführung - Evaluation wieder ein neuer Zyklus mit Beobachten - Denken - Kommunizieren - Werten - Entscheiden - Handeln begonnen werden muss. Planung ist aber doch der Intention nach nichts anderes als ("rationale") geregelte Selbstorganisation. Eben so deutlich wird hier, dass Planung, obwohl rational, keine Sache der Wissenschaften ist, da es dabei immer auch um Werte und Bewertungen geht: So bezeichnet beispielsweise Kröger den Planungsprozess als Bewertungsprozess, an dem aber die Öffentlichkeit, auch der einzelne 'vernünftige' Bürger, stärker zu beteiligen ist, und in dem neben Fakten Wertvorstellungen dominieren.Reichert, Dagmar; Zierhofer, Wolfgang: "Umwelt zur Sprache bringen." Westdeutscher Verlag, Opladen. 1993. 261:]
Das Problem der Umsetzung von Wissen in Handlung, das vor allem die Ingenieurswissenschaften (inkl. Biotechnologie!) betrifft, wird im Detail analysiert in:
Der Ingenieur als Bindeglied zwischen Homo sapiens und Homo faber, zwischen Wissenschaft und Handlung.
Diagnose -Design - Systemtherapie: Planung und Management zwischen Sein und Sollen
Basteln, Tüfteln, Improvisieren .... La Dialectique du Bricolage
Soziale Forstwirtschaft als aktive Entwicklung gesellschaftlicher Strukturen.
| Endlich weiss ich, was den Menschen vom Tier
unterscheidet: Geldsorgen. Jules Renard |
Die wichtigsten Probleme der Ökonomie sind diejenigen, mit denen sie sich nicht beschäftigt. Dies gilt auch für die meisten andern Wissenschaften. Deshalb bestehen ihre Vertreter so penetrant auf ihren disziplinären Ansätzen. Ein aktuelles Beispiel für die Beschränktheit wissenschaftlichen Denkens ist der genetisch veränderte goldene Reis, der Vitamin B enthält. Vitamin B ist aber in allen grünen Pflanzen, besonders Karotten, Spinat und Obst enthalten, ebenso in Butter, Milch und Eiern. Sicher eine clevere Leistung, die Gentechnologie, aber wenn diese Eierköpfe nun behaupten wollen, Reis der Vitamin A enthalte sei genial und mache die Welt glücklich, dann sollten sie sich vielleicht mal überlegen, was sie wählen würden: Einen Teller golden Reis - oder einen Teller Reis ohne Gold, dafür mit Gemüse, Salat und vielleicht sogar einem Stück Käse. Wissenschaft ist offensichtlich geistige Monokultur. Diese auf andere Kulturen zu übertragen also nicht sehr sinnvoll. Mehr Gemüseanbau und etwas Viehzucht wäre mit Sicherheit die intelligentere Lösung des Vitamin B Problems ... und auch ein Beitrag gegen Reismonokulturen. [s. EvB Das Reiskorn im Schafspelz]
Während diejenigen Parteien, die der Wirtschaft freundlicher gesinnt sind als den Menschen, andauernd darauf herumhämmern, dass sie für die Freiheit einstehen, dass Politik mit Ineffizienz und Staat mit Zwang gleichzusetzen ist, wurde die Dominanz der Politik längst durch Dominanz der Geldwirtschaft ersetzt. Ganz im Sinne des Zynismus wurden alle Werte entwertet und werden dauernd neu bewertet, aber nun durch Bank und Börse [s. http://www.brainworker.ch/Politik/politikundwirtschaft.htm]. Während dem Staat als Zwangmittel eigentlich nur die Macht der Anordnung, der Verfügung, die Macht von Polizei und Armee zur Verfügung stehen, hat die Wirtschaft eine Lizenz zum Töten. Der freie Markt ist ein Schlachtfeld, auf dem Tag für Tag nicht nur Firmen, sondern auch Existenzen geopfert werden (s. Gute Arbeit). Während die Propagandisten den Staat anklagen, er beschränke ihre Freiheit, die Freiheit des heiligen Marktes, unterdrücken sie die Aussage liberaler Denker, dass Marktversagen auch bei der Existenz von Marktmacht vorliegt und ereifern sich höchst selten darüber, dass die stärksten Marktverzerrungen durch wirtschaftliche Machtblöcke (dominante bis monopolnahe Betriebe) verursacht werden. [s. economy of scale: Die Macht der Grösse - oder die grossen Fische fressen die kleinen. s. insbesondere auch die Macht der UBS.]
| Eine ausschliessliche Orientierung an Geld, eine quasi automatische, mechanisierte, bürokratische Geldvermehrung, sollte vielleicht als <Finanzfaschismus> bezeichnet werden, um das Problem ausreichend deutlich zu formulieren. |
Gerade was diese Macht der Grösse betrifft, darf bei den Diskussionen um die Wohltaten des Welthandels nicht vergessen werden, dass durch die Orientierung der Betriebe am Weltmarkt eine falsche Referenz gesetzt wird, zumindest falsch, was den Einfluss solcher welthandelswettbewerbsfähiger Giganten auf ihre Standortsregion oder sogar ihr Herkunftsland betrifft. Globalisierung macht Grösse zum must und setzt damit eine falsche Orientierung was lokale Arbeitsmärkte und die Priorität lokaler Produktion betrifft. Zudem benutzt auch die als verbindlich betrachtete Orientierung an einem Welt-Marktpreis einen völlig falschen Kompass für die gesellschaftliche Entwicklung, die immer zuerst lokale Entwicklung ist [s. http://www.brainworker.ch/Arbeit/Bauernlohn.htm Bauern und die Globalisierung: Mehr Arbeit - weniger Lohn.]
Seltsamerweise liefert gerade eine Sparte, von der man es am wenigsten erwarten würde, ein schlagendes Beispiel für die Orientierung am Geld und die hierarchiebildende Wirkung der Pareto-Verteilung, nämlich die Entwicklungshilfe. 68% der öffentlichen Gelder für Entwicklungsprojekte werden vom DEZA gesprochen, das damit den Nordpol bildet, nach dem sich sämtliche Entwicklungsorganisationen richten. (s. Machtanalyse der Entwicklungszusammenarbeit).
Zu dieser "Verschiebung des Nordpols" kommt, dass sich auch in der lokalen Politik mehr und mehr die "Anreizsteuerung", also auch hier eine an Geld orientierte Haltung, durchgesetzt hat. Das New Public Management hat so die Subjekte der Politik zu Wirtschaftsobjekten gemacht. [s. http://www.brainworker.ch/Politik/politik_wirtschaft2.htm ]
Der "Nordpol Geld", und seine Kirche, die Finanzwirtschaft, führen zu einer gewaltigen systemischen Fehlorientierung. Dass sich heute alles nach Preisen und Kosten richtet ist ein Gemeinplatz: Billig - will-ig. Nach der Erfindung des Kompass fuhren allerdings auch nicht alle Schiffe in den Norden, bloss weil das Ding dorthin zeigt. [s. Politik - Wirtschaft - Geld Die Dominanz betriebswirtschaftlichen Denkens in der Politik ruiniert Volkswirtschaft, Volk und Kultur... und die Dominanz finanzwirtschaftlichen Denkens über die Betriebswirtschaft ruiniert auch noch die Betriebe.] Dass man sich aber an verschiedenen Fixpunkten orientieren kann und sollte (in der Nacht z.B. eignet sich die Sonne schlecht) zeigt die Tatsache, dass die Hauptrichtung für die Araber z.B. der Osten ist, der Sonnenaufgang, und nicht der Norden. Daher kommt z.B. auch der Name Jemen, der eigentlich nur bedeutet: (Das Land) zur Rechten (jamin) - wenn man gegen Osten schaut. Das kann beim Autofahren ab und zu zu Desorientierung führen, wenn man rechts mit Süden und links mit Norden verwechselt.
Schlimmer aber als mit dem Auto eine falsche Abzweigung zu erwischen, sind die Folgen unserer wirtschaftlichen Desorientierung. Auf Grund des Nordpols Geld und der Barke Grösse wollen und müssen alle Wachsen. Vergessen wird dabei:
Philosophen, also Wahrheitsliebende, müss(t)en sich auf die Suche nach Wahrheit machen können ohne dass die Wahrheit davon abhängt, wie sie ihr Brot verdienen - und ohne dass ihr Brot davon abhängt, welche Wahrheiten sie finden (auf dem Gebiet kenn ich mich aus ...). Wer sich aber als Forscher verkaufen muss, verkauft auch die Wahrheit. Wer darf heute noch wild denken und wild, also frei, seine Kommentare abgeben zu was immer ihn interessiert? (Falls Sie zu denen gehören, die mir gerne wilde Kommentare vorwerfen ... Grüsschen!). Denken Sie, dass die Wahrheit es ungeschoren übersteht, dass fast die Hälfte des Umsatzes von Zeitungen von Inserenten, also Unternehmern, also dem Kapital, bezahlt wird? Hier hat die Monetarisierung sämtlicher Lebensbereiche nicht zu einer Befreiung geführt, sondern zur Abhängigkeit von einer diffusen Massenerwartung des Marktes, nach der und dem sich alles zu richten habe. Richtet sich der Wahrheitssuchende aber nach dem Markt, ist er nichts als Sophist und Texthändler.
Das Orientierungsmonopol des Geldes hat es sogar geschafft, uns vergessen zu lassen, dass eigentlich auch Geld unterschiedliche Funktionen zu erfüllen hätte, insbesondere in unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Strukturen. Die weltweite Einheitswährung oder der Wettkampf der Währungen führt also ebenfalls zu Steuerungsproblemen. Statt das sich die Geldfunktion an unterschiedliche Strukturen anpasst die durch unterschiedliche Kulturen im Umgang mit Geld und wirtschaft bedingt sind, verlangt das Geld (na ja, seine Priester, die Ökonomen) dass sich die Strukturen an die Bedürfnisse der Geldhändler, also der Finanzmärkte anzupassen haben. Hier will das Ei ein Huhn legen. [s. http://www.brainworker.ch/Geldtheorie/Geldoekologie.htm ].
Es ist klar, dass ein solcher gemeinsamer Orientierungspunkt quasi den Nordpol einer Gesellschaft darstellt. Um so wichtiger ist es, dass diese Orientierung "verhält".. Unser kultureller Kontrapunkt z.B, der Islam, hat da einen weitaus geschickteren Orientierungspunkt gewählt als ihn das Geld darstellt: Mekka gibt allen Muslimen einen gemeinsamen "Nordpol", dessen Wirkung psychologisch wie politisch kaum zu übertreffen ist: Wir haben etwas gemeinsam, wir haben einen gemeinsamen Orientierungspunkt ... auch wenn sich jeder mit jedem an jedem Tag streitet! Der Orientierungspunkt der Christen, Liebe und Vergebung, ist da erstens um einiges diffuser und wurde zweitens eigentlich ad acta gelegt und ebenfalls durch Geld ersetzt, seit dem Calvin irdischen Wohlstand als wohlwollendes Zeichen Gottes deutete.
Was also den clash of cultures zwischen Islam und Christenheit betrifft, so sollten Staaten in denen Geld den gesamten Wertekompass ersetzt, ganz und gar nicht von einem clash of cultures reden. Es handelt sich offensichtlich bloss um einen Zusammenstoss von unkultivierten Fundamentalisten beider Seiten. [http://www.brainworker.ch/Wirtschaft/moderne_wirtschaft.htm].
| "Würdest du mir bitte sagen, wich ich von hier aus
weitergehen soll?" "Das hängt zum grossen Teil davon ab, wohin du möchtest", sagte die Katze. "Ach, wohin ist mir eigentlich gleich -", sagte Alice. "Dann ist es auch egal, wie du weitergehst." Alice im Wunderland |
Parson's Steuersysteme waren da doch noch ein klein bisschen komplexer. Zusätzlich zur Wirtschaft die über Geld lenkt gab er noch der Politik die Funktion, über Macht zu lenken, Gesellschaft über Einfluss und insbesondere die Kultur hatte die Funktion über Werte zu lenken. Heute wird die politische Macht ebenso vom Geld dominiert wie der gesellschaftliche Einfluss. Zur Korrektur der Orientierung an Geld-Macht bliebe also nur noch die Kultur, wenn diese nicht ebenfalls bereits völlig kommerzialisiert und eventualisiert wäre:
Kultur bestimmt:
Die eigentliche Funktion von Kultur wäre es also, die materialistische Orientierung durch eine Wertorientierung zu ergänzen. [s. auch Orientierung durch Ethik http://www.brainworker.ch/waldphilosophie/forstethik.htm: WERTEKOMPASS]
Von Kultur war erstmals die Rede, als Menschen in der Agri-Kultur begannen den Boden zu bearbeiten.
Nach Kant ist Kultur die moralische Setzung und Nutzung seiner Zwecke durch den Menschen - also das Schaffen von Orientierung!
Kultur umfasst heute die ganze Pflege des Geistes, also Sprache, Religion, Ethik, Institutionen (Familie, Staat, Wirtschaft ...), Recht, Technik, Kunst, Musik, Philosophie und Wissenschaft. Kultur dient als Orientierung und Motivation für unser Handeln.
Kultur tradiert zudem das Wissen der Alten und Weisen. Weil unter Kultur eben alles verstanden werden kann, was Menschen tun, ist Kultur ein etwas diffuser Begriff (s. Definitionen in: Die Bedeutung von Kultur für die Entwicklung). Bildlich fassen lässt sie sich eine Kultur, meines Erachtens, am besten durch das kollektive Weltbild. Im Weltbild koaguliert, über Denken, Wissen und intuitives Fühlen, eine spirituelle eine allgemeine lebensweltliche Orientierung aus verschiedenstem Wissen. Die im Weltbild enthaltene Orientierung besteht aus Wissen über die Gesellschaft, Wissen über den Menschen: das Individuum, Familie, Gruppe, politische Organisation, wirtschaftliche Organisation; Wissen über die Natur; und, auf keinen Fall zu vernachlässigen, auch transzendentales Wissen über Werte, über das Gute, das sich zumeist in Ethik und Religion findet. Im Weltbild kondensiert sich Orientierungswissen!
Orientierungswissen ist ist für Entwicklung entscheidend,
denn Orientierung, das Wissen, wohin es gehen soll, schafft Motivation und
Motivation treibt an zu Handlung.
Details zur Weltbildforschung s. http://www.brainworker.ch/Dialog/weltbild.htm
Modell der Umorientierung s. Soziale Forstwirtschaft als kulturelle Umorientierung. Martin Herzog, 1995.
Moralische Grundwerte gehören immer zu den bedeutendsten Faktoren des Orientierungswissens. Nach Aristoteles sind dies:
- also ein wohl balanciertes Wertesystem, keine einseitige Bevorzugung von Risiko und Wettbewerb, aber auch nicht von Sicherheit und Ausgleich.
Orientierungswissen darf aber kein rein esotherisches Wissen sein, es sei denn, wir richten uns, wie manche Religionen, nur auf ein Leben nach dem Leben aus. Für Orientierung in irdischen Belangen ist aber meist das Lokale entscheidend, denn hier wird gehandelt, d.h. konsumiert, produziert und investiert. Damit ist auch Orientierungswissen an verschiedene Kontexte gebunden, vor allem aber an den lokalen, der für die Bewertung die dominante Perspektive darstellt. [s. http://www.brainworker.ch/publizieren.htm]. Ethik ist also nicht wissenschaftlich, da sie immer von Traditionen und lokalen Bedingungen abhängt. Ethik wie alle Steuerungsregeln, also auch Gesetze, müssen zudem an das zu steuernde System angepasst sein, da jedes Subsystem seine eigenen Gesetze hat. Hier widerspricht die Dominanz der Finanzwirtschaft auch einem belegten Grundsatz der Steuerung komplexer Systeme!
Die Methode, gesellschaftliche Orientierung zu tradieren, weiter zu vermitteln ist Bildung. Leider geht der Unterschied zwischen Bildung und Ausbildung immer mehr verloren, da es immer mehr darum geht, Erlerntes sofort in klingende Münze umzusetzen, bevor das Erlernte nichts mehr wert ist. Bei einer Halbwertszeit des Wissens von 2 Jahren muss man sich da schon sputen. Bildung hingegen würde beinhalten, dass wir uns über Zwecke und Ziele mehr Klarheit verschaffen wollen, und nicht irgend was produzieren, einfach weil wir es produzieren (und verkaufen!) können. Mehr Bildung wäre wichtig für mehr Sinn, mehr Ausbildung und Training fördert bloss mehr sinnlose Produktion. Wissenschaft, insbesondere Wirtschaftswissenschaft setzt den Drang nach Mehr (nicht nach Meer, das sind bloss die Touristiker) als Axiom. Wen wundert's, dass ohne Mehr nichts mehr geht.
Training dient der Produktivität - Bildung dient der nachhaltigen Entwicklung
Lernen ist die Aneignung von Wissen. Dabei darf nie vergessen werden, dass Wissen aus unterschiedlichsten Quellen stammen kann und unterschiedlichsten Zielen dient. Obwohl heute, gerade im Westen, mit Wissen meist wissenschaftlich begründetes Wissen gemeint ist, orientiert sich auch heute noch, sogar im Westen, eine Mehrheit der Bevölkerung an tradiertem Wissen wie Kultur, Brauchtum, Alltagswissen (dem so genannten "gesunden Menschenverstand") und auch oft an transzendentalem Wissen, also am Glauben. Je wirtschaftsorientierter unsere Ausbildung wird, je mehr sich Ausbildung auf die Vermittlung von meist beruflichem Anwendungswissen verengt, desto wichtiger würde, als Gegenpool, eine Bildung die Orientierung in der Welt vermittelt, denn, so der Pädagoge Nohl:
Es gibt zwei Möglichkeiten
Menschen zu formen:
Politik und Pädagogik
[s. http://www.brainworker.ch/Bildung/selbst-lernen.htm]
Ein Beispiel für ein formvollendetes Bildungskonzept von unglaublicher Schönheit und Tiefe, da ganzheitlich, finden Sie im Training des sarazenischen Bogenschützen (engl.), dessen Ausbildung auch ein Training in Andacht und transzendentaler Orientierung war, also dem Zen-Budhismus doch recht nahe verwandt sein dürfte. Es zeigt sich auch hier, das Religiosität eigentlich unabhängig davon ist, wie der Glaube nun genannt wird, also ob Christ, Jud oder Moslem. "Fundamentalisten" sind also so betrachtet eigentlich bloss fundamental beschränkt.
Orientierung lehren und lernen ist allerdings ein heikles Feld, in dem sich Ideologen unterschiedlichster Provenienz die Köpfe einschlagen. Das Problem Religionsunterricht ist so neu nicht. Bereits 1882 wurde dieser z.B. in Frankreich aus dem Lehrplan gestrichen, unter Berufung auf die Gewissensfreiheit, zum Schutz der Lehrpersonen und zur Verhinderung der Spaltung der Nation durch religiöse Dogmen. Es wurden aber auch in ganz Europa zu der Zeit "ethische Gesellschaften" gegründet: 1896 in Zürich, 1899 in Lausanne. Das neue Fach wurde alsbald Lebenskunde genannt und behandelte alle Fragen der Lebensführung, wie auch Sexualethik und Sexualpädagogik. Mit der Vermittlung von "Staatsgesinnung" hätten wir heute allerdings etwas Mühe, in Anbetracht der Folgen, die diese in Deutschland hatte. ... Allerdings verzichten wir ja auch nicht auf Physikunterricht, weil der ev. zum Bau einer Atombombe führen könnte. Der Mensch braucht also nicht nur Sachwissen, sondern auch Orientierungswissen. Und gegenüber Irrtümern hilft in beiden Fällen eine gehörige Portion Skepsis, denn auch bei bestem Willen können Ziele verwechselt oder zu einseitig gesehen werden. Einseitigkeit ist leider nicht nur schlecht, wenn sie aus böser Absicht geschieht, sondern kann sich auch übel auswirken, wenn gut gemeint:
Die führenden Moralpädagogen jener Zeit, F. W. Foerster und G. Kerschensteiner, verwechselten, wie das noch heute gerne geschieht von Seiten der "Guten", das Politische mit dem Sozialen. Sie förderten Versöhnlichkeit, Einmütigkeit, Verständnisbereitschaft, Hilfsbereitschaft; redeten von Partnerschaft, Kooperation, nachbarschaftlicher Solidarität und Menschlichkeit - und vergassen, dass Politik ein Kampf um Macht ist, das Wirtschaft ein Kampf um Marktmacht ist. So wurden die einen zu armen und weltfremden Gutmenschen, die andern zu reichen und mächtigen Politikern oder Unternehmern. Hierin dürfte vermutlich der Hass der Neoliberalen gegenüber den Gutmenschen seinen, leider berechtigten, Ursprung finden. Werterziehung muss den SchülerInnen erlauben, ihre eigene Identität - und die dazu passende Orientierung - zu finden, eine Identität und Orientierung, die solidarisches Zusammenleben in der Gesellschaft erlauben. Und hier, durch den Zwang zum Zusammenleben in der Gesellschaft, wird der vorletzte Satz wieder relativiert. Die Stossrichtung des Neoliberalismus, der Kampf, Leistung, Aneignung weit über Verständnisbereitschaft, Solidarität, Kooperation setzt, der Wettbewerb eigentlich zum Allerweltsheilmittel macht (wie die Freiwirte ihre Umlaufsicherung und das neue Bodenrecht), diese Stossrichtung führt genau so in die Irre wie das absolute Gutmenschentum, das sich sogar der Kritik verwehren möchte: Seid doch lieb, der Klügere gibt nach ... bis nur noch Dummheit herrscht.
Der wichtigste Unterschied zwischen östlichem und westlichem Denken dürfte in der Wertung und Nutzung von Wissen liegen. Während unser Wissen, wozu zumeist eh nur noch wissenschaftliches Wissen gezählt wird, Wissen von kausalen Relationen ist die zur Nutzung und Anwendung nützlich und gedacht sind; ist östliches Wissen vor allem Orientierungswissen. S.H. Nasr (The knowledge and the sacred. Islamic Science u.a.) hat diesen Unterschied durch die Gestalten von Prometheus und Pontifex ausgedrückt. Prometheus steht für den aktiven selbst bestimmten Menschen, der gegen den Himmel revoltiert und Gott gleich werden will! Pontifex hingegen steht für die Brücke zwischen Himmel und Erde, also für den Menschen, der sich eher als Gottes Stellvertreter auf Erden und als Hüter und Pfleger der Schöpfung sieht, der zwar den selben Regeln unterworfen ist wie die Natur, aber frei, alle Regeln in Frage zu stellen.
Wir beklagen als Wissenschaftler oft, dass der Aufklärer Ibn Rushd dem religiösen al Khazali unterlegen ist. Die heutige Schwäche der arabischen Wissenschaften wird auf diese Periode zurück geführt. Diese Interpretation leitet uns aber seit langem in die Irre, denn Khazali hat sich nie per se gegen Wissenschaften ausgesprochen. Er verwies bloss in aller Deutlichkeit darauf, das Wissenschaften sehr begrenzte Erkenntnis produzieren, also nur für einen begrenzten Teil an Menschen von Bedeutung sind, während der Koran (z.B., man kann auch die Thora, Bibel oder die Lehren des Konfuzius nehmen) allgemeine Handlungsorientierung bietet. Kenntnisse die für die Gesellschaft wichtig sind, sind meist eben nicht Kenntnisse wissenschaftlicher Fachgelehrsamkeit. Explizit als schädlich verurteilt hat Khazali bloss Wahrsagerei, Magie, dialektische Theologie und Astrologie.
Etwas fundamentalistischer wurde dann allerdings die Auseinandersetzung zwischen Aschariten und Mutaziliten. Während für die ersteren Gott eigentlich die Vernunft in Person ist, weigerten sich letztere jede Ursache (Kausalität) ausserhalb Gottes anzuerkennen. Sogar Logik war für sie Gotteslästerung: Wer in seiner Argumentation Logik benutzt, ist ein Gotteslästerer. Leute die's mit dem Glauben übertreiben, gab's also schon immer. Was es aber aus dieser Auseinandersetzung für uns zu lernen gälte ist, dass es ein Wissen gibt das wertfrei ist, aber auch eines, dass von Werten durchtränkt ist. Statt dessen rennen wir jedoch wie die Lemminge immer schneller auf die Klippe zu, gelenkt von einer Ökonomie, die behauptet wissenschaftlich zu sein, die aber seit langem unsere Werte durch Geld ersetzt hat, dessen grenzenloser Wachstumsdrang eine nachhaltige Orientierung (beinahe) verunmöglicht.
Martin Herzog, Webdesign, Rheinfelden, 24. August 2004
Schön ideologisch und idealistisch. Dummerweise hat Geld aber den Vorteil, dass es auf die meisten Menschen eben so wirkt wie Sex oder Opium. Geld wirkt also echt wie eine Droge, wissenschaftlich bestätigt. Dass es vernünftig sei, Geld zu scheffeln, hat also wenig mit Vernunft zu tun. Es ist eine Sucht. Kapitalismus basiert also auf einer Sucht, ähnlich der Drogenabhängigkeit. Nichts als logisch, dass es ebenfalls der Nucleus accumbens ist, der dabei hilft, bedingte Reflexe anzudressieren, und zwar nicht nur bei Tieren. Unser Wirtschaftssystem ist also ein Suchtsystem das mit Geld-Reiz und (seltener) Geld-Belohnung die Menschen dressiert.
Auszug aus: Definitionen des Denkens
p.s:
Orientierungswissen ist das Wissen, das den Weisen zum Weisen macht, also die Art von Wissen, das Philosophen suchen.
Ich bin selbst erst zwischen 1990 und 1994 auf die Bedeutung des Orientierungswissens für die Entwicklung[szusammenarbeit) gestossen, nach 6 Jahren Feldarbeit, denen weitere 4 Jahre Verarbeitung der Daten und Literaturforschung folgten. Dass Neo-Liberalismus wie Neo-Konservatismus Geld und "Geschäftigkeit" als wichtigste Orientierung setzen, zeigt, dass die Probleme, an denen wir heute nagen, auf die Elimination der Weisheit durch Geld bedingt ist, und sich nicht durch eine Rückwendung auf alte Werte der Neokonservativen, zurückgewinnen lässt, da diese Werte genau so geld- und machtverseucht sind wie die des kapitalistischen Liberalismus.