Anschlüsse/Weitere Länderkunden

Österreich (pdf)

Landesstrukturen, Geschichte und die Entwicklung der Wirtschaft

[Elisabeth Lichtenberger: Österreich: Geographie, Geschichte, Wissenschaft, Politik. Länderkunden. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt. 2002

Das Schwein und seine Haxn ...

Sind die Österreicher die besseren Schweizer?

  1. 83'859 km2  - also ziemlich präzise doppelt so gross wie   v
  2. 8,233.306 Einwohner (2005) - also nur wenig mehr als
  3. BIP pro Kopf: 26'178 Euro / kaufkraftmässig  30'000 Euro - deutlich tiefer als
  1.  die Schweiz mit 41'285 km2
  2. die Schweiz, die mit 7'476'000, also fast doppelt so dicht besiedelt ist. v
  3. die Schweiz absolut mit 52'900 $ = 40'000 Euro. Die Schweiz steht  kaufkraftmässig aber deutlich schlechter da.

  1. 14'902 km2 landwirtschaftliche Anbaufläche = 17.8% in Österreich v
  2. 2.4 Millionen Rinder in Österreich
  3. 4 Millionen Telefonanschlüsse, 7 Millionen Mobiltelefone, 3.7 Millionen Internetanschlüsse
  4. Die Staatsausgaben als Anteil am BIP liegen mit 55% im Bereich der nordischen Staaten. Da sie von 1990 bis 2004 um 1.4% abgenommen hat, sind unsere Rechsaussen voll des Lobes, denn
  5. Mit 10%. Ausgaben für Bildungswesen werden die 5.5% Deutschlands (4.2% des BIP) fast verdoppelt v - wäre die Zahl nicht getürkt. Offiziell sind's nämlich auch bloss 5.7% s.u.
  1. 15'251 km2 in der Schweiz = 36.9%
    v
  2. 1' 8 Millionen in der Schweiz
  3. 4 Millionen, 6 Millionen, 2.6 Millionen Internetabonnenten, 1.6 Millionen mit Breitband.
  4. die Staatsquote der Schweiz hat in der selben Zeit von 30% auf 36.4% zugenommen. v

  5.  und auch die Schweiz mit ca. 6% deutlich übertroffen!
    nach Riphahn stimmen die 10% allerdings nicht - und die Schweiz ist vor allem im Tertiären Sektor weitaus besser positioniert, während dem Oesterreich die Benachteiligung schwacher Schichten und Fremdsprachiger besser gelöst zu haben scheint ...
Fazit: so ziemlich unentschieden ...

 Statistische Kennzahlen Österreich        Statistische Kennzahlen Schweiz

Für Österreich gilt eigentlich das selbe wie für DIE Schweiz und die meisten Länder: Österreich und DEN Österreicher gibt es nicht. Obwohl nur noch ein Bruchteil der ehemaligen KuK Monarchie, besteht Österreich immer noch aus einer Vielzahl höchst unterschiedlicher Regionen, mit unterschiedlichen Kulturen und Wirtschaftsformen.

In der ersten Phase Gewinner der Öffnung durch Ausdehnung nach Osten, in der zweiten heimsten "die Unternehmen grosser Volkswirtschaften" die Gewinne ein, und die Marktanteile Österreichs schrumpften wieder. Schwerpunkt der Ausdehnung liegt für die Bank Austria um den Jahrtausendwechsel in Ungarn, Slowenien, der Slowakei und Tschechien - während die Schweiz deutlich mehr auf die internationale Machtwirtschaft setzt, in der sie doch bei einigen Bereichen ganz oben mitspielt. ... Sie sehen's, sogar ich sag hier "die Schweiz" ... obwohl das mit DER Schweiz der meisten Schweizer wenig zu tun hat und bloss eine Veranstaltung unserer Oligarchen ist.

Der Vergleich der topographischen Karte oben mit der Besiedelungsdichte unten zeigt sofort die auch hier problematische Struktur eines Gebirgslandes. Der Grossteil der Bevölkerung findet sich in den Siedlungszentren der Ebenen, hier also  Wien, Linz, Graz, Salzburg. Innsbruck ist der Kern der Inneralpinen Talbodenbesiedelung entlang des Inns, ähnlich die Mur westlich von Graz, die Siedlungen beträchtlicher Dichte aufweist. Die meisten dieser bereits dicht besiedelten Gegenden weisen steigende Bevölkerungszahlen auf, während dem sich auch hier die Alpen und das Zentrum entvölkern, wie auch der Grenzraum zur Tschechei (Wald- und Weinviertel).

http://www.bmvit.gv.at/verkehr/gesamtverkehr/statistik/downloads/verkehrinzahlen/viz02_kap2.pdf

 

http://www.statistik.at/karten/kartogramm/kartogramm242_02.shtml

http://www.statistik.at/karten/kartogramm/kartogramm038_03.shtml

Wien

Mit  rund 1.6 Millionen Einwohnern und vielen internationalen Beziehungen (UN-Stadt), ist Wien  Zürich, Genf und Basel in einem ... allerdings ein Zürich ohne Banken, ein Genf ohne Uhren und ein Basel ohne Chemie- dafür bevölkerungsmässig allerdings weitaus grösser als die Gesamtheit der genannten Schweizer Städte samt Vororten.

Wie überall wohnten auch in Wien im Zentrum die Herren des Geld- und Politadels, während die Beamten und Handwerker sich in einem zweiten Ring (der erste sind Wall und Parkanlagen) darum gruppierten und die Unterschicht am Rande lebte, wo später die Sozialsiedlungen entstanden. Um 1800 war Wien bereits die viertgrösste Stadt Europas, nach London, Paris und Neapel. Neapel wurde in der ersten Hälfte des 19. JH ebenfalls überrundet.

Zu dieser Zeit hatte die kuk Monarchie 31.3 Millionen Bürger, war also Frankreich mit 34 Millionen und dem Deutschen Reich mit 34.5 Millionen ebenbürtig. Wien hatte um 1840 etwa 440'000 Einwohner, um 1910 aber bereits 2 Millionen

Das historische Wien: http://depts.washington.edu/vienna/wien_images/artwork/yates-map2.jpg


Niederösterreich

Der Fläche nach ist es mit 19'000 km2 das größte und nach der Einwohnerzahl (1,575.291) das zweitgrößte Bundesland. Es umschliesst die (nicht dazu gehörige) Hauptstadt Wien und grenzt im Südosten an das Burgenland, im Süden an die Steiermark und im Westen an Oberösterreich. Da diese Landschaft, im Gegensatz zum Westen und Süden des Landes, relativ flach ist, ist nicht nur die moderne Wirtschaft hier konzentriert und ergiebig, sondern auch die Land- und Forstwirtschaft.

Diese Bundesland ist aufgeteilt in Waldviertel oder Mühlviertel, Mostviertel, Weinviertel und Industrieviertel - woran man gleich sieht, was dem Wiener so am nächsten liegt ... Mit Wien wachsen vor allem das Industrie- und das Mostviertel, während Wein- und Waldviertel einige Probleme zeigen.

 42% sind Landwirtschafts- und 40% Waldfläche. Dieses Bundesland deckt damit heute noch 2/3 des österreichischen Lebensmittelbedarfs, 4/5 der Nachfrage nach Weizen und Zuckerrüben und 2/3 der Weinernte.

Auch in dieser Beziehung ist der Nordosten Österreichs dem Schweizer Städtecluster, insbesondere der Region Zürich, vergleichbar.


Oberösterreich

11.981,92 km² und 1,399.226 Einwohner. Oberösterreich erlebte in der Nachkriegszeit einen einmaligen wirtschaftlichen Aufschwung. Es ist heute das grösste Industrieland Oesterreichs mit nahezu einem Viertel der in dem Sektor beschäftigten und entsprechenden Anteilen am Bruttosozialprodukt wie am Export und an Investitionen. Die wichtigsten Zweige sind Eisen, Stahl, Chemie und Fahrzeugherstellung (Steyr-Puch. Die Hauptstadt Linz ist mit 70'000 Einpendlern zum zweitwichtigsten Arbeitsmarkt Oesterreichs geworden. Dennoch ist Oberösterreich auch ein intensives Land- und Forstwirtschaftsgebiet, mit Spitzenerträgen.

Burgenland

Mit 4'000 km2 und 278.655 Einwohnern das kleinste Bundesland, ist das Burgenland, ein ursprünglicher Bestandteil des Königreichs Ungarn, der im Vertrag von Trianon Oesterreich zugesprochen wurde. Ungarn verlor dabei noch weitaus grössere Teile mit ungarischsprachiger Bevölkerung an Rumänien, die Slowakei und Kroatien. (s. Karte)

Das Burgenland ist verkehrsmässig nach aussen orientiert, arm an Industrie und so stark von Auswanderung betroffen. In der Landwirtschaft dominieren Kleinbetriebe, die nur wenig für den Markt produzieren. Das Burgenland ist auch arm an Städten. Eisenstadt, die Hauptstadt, hat weniger als 10'000 Einwohner. Damit ist es auch das einzige Bundesland Österreichs das zu den durch die EU zu fördernden einkommensschwachen Regionen zählt.

Steiermark

Im Westen schliesst sich die Steiermark, mit 14'000 km2 und einer Bevölkerung von 2 1,199.489 an. Die Landeshauptstadt Graz ist nach Wien die zweitgrösste Stadt Österreichs. Sie ist zweigeteilt in Schwerindustrie auf der einen, Universitäts- und Beamtenstadt auf der andern Seite.

In der Steiermark ist das eigenständige österreichische Autocluster beheimatet (was allerdings nichts mit Steyr-Puch zu tun hat, da die aus Steyr stammen, und das liegt in Oberösterreich). Da 80% der Fläche von Wald bedeckt sind, spielen auch Papier-, Zellulose- und Holzstoffindustrie eine wichtige Rolle. Die Hälfte der österreichischen Produktion wird hier erzeugt, was bei 1 Million ha, also 1/4 der Waldfläche Oesterreichs, wenig wundert. s. Holzcluster, Holzoffensive, ...

Kärnten

9.535,97 km² und 560.089 Einwohner. Der südlichste Teil Österreichs, grenzt ans Friaul und Venetien. Er wurde in den letzten Jahren vor allem bekannt durch die fremdenfeindlichen Ausfälle seines Landeshauptmannes Haider (der österreichischen Ausgabe von Blocher) und durch Sprachstreitigkeiten mit kroatischen Minderheiten. Vermutlich hätte das Ländchen aber mehr zu bieten. Vom Niedergang der Eisenindustrie hat sich Kärnten zwar nie recht erholt. Dazu gingen grosse Teile der chemischen Industrie, Textil und Leder wie Holzverarbeitung verloren. Viele Arbeitskräfte pendeln also nach Wien. Kärnten ist der am wenigsten dicht besiedelte Landesteil Oesterreichs und hat mit über 50% den grössten Anteil an Auspendlern - eine relativ seltsame Grundlage für die dort stark verbreitete Ausländerfeindlichkeit. Die Landeshauptstadt Klagenfurt versucht allerdings sich international als Kompetenzzentrum Holz darzustellen. Mit 574'000 ha besitzt alleine Kärnten bereits 50% der Schweizer Waldfläche. Von den 4 Millionen m2 die der Wald Jahr fur Jahr zuwächst werden allerdings auch hier nur 2/3 geerntet.

Salzburg

65,678 km² 526.875 Einwohner. Salzburg war zwar Österreich immer eng verbunden, aber bis 1815 ein selbständiges geistliches Fürstentum im Staatsverband des Heiligen Römischen Reiches (s. Karte) Der Grossforst des Erzstiftes ging nach der Säkularisierung über in Staatsbesitz, ist heute also Bundesforst

Mit 150.000 (Stand 2006) Einwohnern ist Salzburg nach Wien, Graz und Linz die viertgrößte Stadt Österreichs und nicht nur ein Kultur-, sondern auch ein Wirtschaftszentrum: Fremdenverkehr, reichste Palette an Touristikzweigen (zu viel Knödel ...). Landwirtschaft, Handel- und Transport. (bis in den Irak ...)

Tirol

12.647,71 km² und 693.651 Einwohner. Das Land der Gebirge. Tirol entstand, wie Salzburg, aus einem ehemaligen Passstaat, hat also wie etwa der Kanton Uri in der Schweiz stark vom Handel mit dem Süden profitiert. Hall hatte mit Hallein in Salzburg das Salzmonopol. Anders als im Osten des Landes waren die Bauern hier bereits vor der französischen Revolution im Landtag vertreten und waffenfähig. Sie wehrten sich eben so gegen die Übergriffe Bayerns wie gegen die Besetzung durch Napoleon (s. Andreas Hofer). Das Tirol mussten aber nach dem 1. Weltkrieg den Verlust Südtirols an Italien hinnehmen, mit heute noch hörbarem Grummeln. Die Privatzimmervermietung ist hier am weitesten verbreitet.

Vorarlberg

2.601,48 km² und 362.258 Einwohner. Wie die Deutschschweiz unter starkem alemannischem Einfluss. Des weitern wurde Vorarlberg aber auch durch die Walser besiedelt und geprägt.

Vorarlberg ist auch erkehrsmässig viel stärker mit der Schweiz und Deutschland verbunden als mit Oesterreich, auch strukturell. Es gibt hier z.B, anders als in den nordöstlichen Landesteilen, keinen Grossgrundbesitz und eine stärkere Beteiligung ausländischen Kapitals in der Tourismusentwicklung als in andern Landesteilen. 2/3 der Bevölkerung wohnen im Rheintal. Dornbirn ist ein wichtiges Zentrum der Textilindustrie.

Grossösterreich zu Zeiten der k.u.k. Monarchie

Die Karte Vorderösterreichs vor den Napoleonischen "Korrekturen" zeigt, dass diese Ausläufer, 660 km Flugdistanz von Wien, wohl eher eine Front- und Pufferzone als wirklich Oester-Reich waren. Präzise deshalb waren ja auch einige Rheinfelder auf Näppi ziemlich sauer, als er das Fricktal der Eidgenossenschaft zuschlug. Maria Theresia war weit weg ... und schaute nicht so genau hin. Das war aber nicht mal entscheidend, sondern eher die recht soziale Politik Maria Theresias. Diese räumte mit Steuerprivilegien des Adels und der Geistlichkeit auf, lange vor die französische Revolution nach Gleichheit rief. Überraschend an der Steuerreform war, dass die Bürgerschaft weniger zu bezahlen hatte, sich der Ertrag für die Staatskasse durch die Leistungen des Adels und der Geistlichkeit verdoppelte. Dass heute primär den Reichen Steuererlasse gewährt werden, scheint auch unter dem Lichte etwas seltsam.

http://www.s-line.de/homepages/m-ebener/KarteV.html

Nach dem Wiener Kongress, der die Vorherrschaft Napoleons, d.h. Frankreichs, in Europa beendete, sah die Machtverteilung wie folgt aus:

Die Grossmaechte:

  1. Oesterreich - Ungarn
  2. Preussen
  3. Russland
  4. Frankreich
  5. Grossbritannien

Dicke rote Linie: Deutscher Bund

Weitere Staaten:
6 Kgr. Hannover / 7 Kgr. Wuerttemberg / 8 Kgr. Bayern / 9 Daenemark / 10 Kgr. der Vereinigten Niederlande (bis 1830) / 11 Kgr. Sardinien - Piemont / 12 Oesterreichische Nebenlinien in Italien / 13 Kgr. Norwegen / 14 Kgr. Schweden / 15 Kongresspolen (zu Russland) / 16 Osmanisches Reich (Tuerkei) / 17 Kirchenstaat / 18 Kgr. beider Sizilien / 19 Schweiz / 20 Kgr. Spanien / 21 Kgr. Portugal


http://www.gzg.fn.bw.schule.de/schulen/emigrate/dokument/german19/maps/1815.htm

Dieses Österreich hatte ein Fläche von 677'000 km2 und eine Bevölkerung von 53 Millionen. Mit dem Verlust der gelb bezeichneten Reichsteile (Karte rechts) verlor Oesterreich 575'619 km2 und 45 Millionen Untertanen, schrumpfte also, unter Einbezug des Verlustes von Südtirol, auf die heutige Grösse,. d.h. die Monarchie erlitt einen Verlust von 85% der Fläche wie der Anzahl Untertanen!

Apropos Oesterreich-Ungarn: Der Interessantere Teil dieses Bündnisses war eigentlich (ich entschuldige mich bei den Oesterreichern, aber wenn Sie die Karte rechts oben anklicken, sehen Sie sofort warum:) - Ungarn. Die Ungarn, präziser Ugrier, wanderten, 300'000 MannFrauundKind stark aus den Steppen südlich des Ural *, also von der geographischen Grenze Europas, in die pannonische, damals dünn besiedelte Tiefebene ein (Vor-magyarische Geschichte Ungarns). (Ein Zwischenhalt in Magna Hungaria, dem heutigen Baschkirien, wurde ihnen durch die Mongoleneinfälle verleidet. Ein weiterer   Etelkös (Nordostrumänien, Moldavien, Südukraine) durch die Bulgaren und Petschenegen). Deshalb ist ihre Sprache auch zwar mit der finnischen Verwandt, denn auch diese wanderten aus Südwestsibirien ein, kaum aber mit den andern europäischen Sprachen. Allerdings gehören die Ungarn, als Nachfolger der Andronow-Kultur, die wiederum proto-iranisch ist und als Erfinder der Streitwagen gilt, so, anders als Türken und Mongolen, eindeutig zum indoeuropäischen Kulturraum. Den selben Ursprung haben übrigens die Thraker, die Rumänien, Moldawien, Serbien, Mazedonien, Bulgarien und Nordgriechenland besiedelten. 

* Dass die Ungarn Asiaten sind unterscheidet sie wenig vom Rest Europas, denn, 3000 Jahre vorher, war fast ganz Europa ** durch die indogermanischen Auswanderer aus den Steppen Zentralasiens sprachlich umgeprägt worden - bei relativ kleinem genetischem Einfluss ... aber offenbar übernahmen diese Asiaten gleich die Herrschaft.

** Nein, nicht ein kleines gallisches Dorf leistete den Besatzern unerbittlichen Widerstand, sondern die Basken im Gebirge der Pyrenäen. Die zweite "seltsame" Sprache (abgesehen von Finnisch und Ungarisch, die aus dem südlichen Kaukasus stammten), ist die albanische, die sich aus dem Illyrischen entwickelt haben soll, das aber ebenfalls zur indoeuropäischen Gruppe gehört, hier aber einen früh abgespaltenen und isolierten Zweig darstellt.

> Für eine Uebersicht s. Geschichte und Geographie der Sprachen und Schriften

Die flache Steppe entsprach den Bedingungen ihrer Heimat. Von hier liessen sie sich nicht mehr vertreiben, nicht mal durch die ebenfalls aus den Steppen Zentralasiens stammenden Türken. Innerhalb von bloss 100 Jahren passen sich die Ungarn in Glaube und äusserer Kultur an die vorherrschenden Bedingungen in Europa an, erschlossen sich durch Heiratsdiplomatie (Bayern (Stefan, 997-1038) heiratet Gisela, Tochter des Bayernherzogs), Anjou (Karl I. Robert von Anjou, Sohn des Königs von Neapel) - womit Ungarn den Anschluss an höfische Sitten, die kulturelle Entwicklung Italiens und Frankreichs fand * - und regionale Grossmacht wurde), Habsburg 1515, was die Weichen für die Doppelmonarchie stellte)  wie Kirchenpolitik Zugang zur grossen Politik der herrschaftlichen Netzwerke. Einigen mussten sich diese vor allem mit der "Mittelschicht", den lokalen Fürsten. Die Bauern wurden auch hier meist niedergemacht, wenn ihnen ihr Schicksal nicht zusagte, wie etwa 1848, als im Partisanenkrieg rumänischer Bauern gegen die ungarischen Grossgrundbesitzer 40'000 umkamen. Bis 1683 waren die Türken Herrscher über Süd- und Osteuropa, setzten auch immer wieder zur Eroberung Wiens an, was die sonst nicht so sehr befreundeten Walachen und Siebenbürger mehrfach in ein Bündnis zwängte.

* Sich allerdings auch aus ganz Europa Luxusartikel und teure Waren (darunter auch Gefangene), die man sonst nicht hätte hervorbringen können, durch Raub- und Beutezüge beschafften. Die Heere westlicher Staaten bestanden zur damaligen Zeit größtenteils aus schwer gepanzerten und bewaffneter Reiterei, während die Reiter der Magyaren schnell und immer beweglich waren, ein Vorteil, der lange Zeit ihren Erfolg garantierte. Ihre Taktik war für die damalige Zeit recht außergewöhnlich: Sie versuchten das Heer des Gegners einzukreisen und vom Pferd aus mit Pfeilen zu beschießen. Nach einer Zeit täuschten sie die Flucht an, um sich dann im Überraschungsmoment umzudrehen und den Gegner so in die Falle zu locken. Mit dieser Taktik, der selben Taktik der Hunnen, aber auch generell der alten Indogermanen, gelang es ihnen viele, auch kulturell und technisch hoch entwickelte Regionen Europas zu plündern und brandzuschatzen. (Was irgendwie an die Aktivitäten und "Strukturen" des Postkapitalismus erinnert ...)

Die Querelen unter denen heute vor allem Ex-Jugoslavien leidet wie auch die per Benes-Dekret exilierten Tschechoslowakei-Deutschen (Sudeten-Deutschen) zu leiden haben, sind eine Folge sprach- und kulturnationalistischer Politik, die vor allem von Frankreich gefördert wurde, um Deutschland aufzuteilen und durch einen Ring aus Kleinstaaten im Zaume zu halten. Besonderns (un-)schön zeigt sich das am heute-noch-Kampfstaat-gegen-fremde-Fötzel Kärnten. Das Fürstentum Karantanien (vom keltischen kar, Stein, also in etwa "Steinigen" oder "Steinhausen") war ein slawisches Fürstentum, das das heutige Kärnten wie einen grossen Teil der Steiermark umfasste und bis zur Schwarza in Niederösterreich reichte. Noch 1414 musste sich der kärntner Herzog von Vertretern des Volkes in slawischer Sprache auf Eignung und christlichen Glauben prüfen lassen.

Das Siedlungsgebiet der Slaven, durch die Ungarn in zwei geteilt, wurde im Nordosten durch die Tschechen und Deutschen, im Südwesten (Slovenien, Istrien) ebenfalls durch Deutsch-Oesterreicher, aber auch Italien bedrängt, was nicht bloss durch politische und militärische Macht geschah, sondern vor allem wirtschaftlich: Dass die jungen Slowenen eifrig Deutsch und Italienisch lernten, ermöglichte ihnen den Eintritt vor allem in die unteren Schichten des österreichischen Beamtenstaates, was wieder von den Italienern )die an solchen Posten an sich wenig Interesse zeigten) als habsburgische Bevorzugung der Slawen ausgelegt wurde. (Manfred Scheuch: Das grössere Europa. Verl. Chr. Brandstätter. Wien 2002. S. 146). Waren 1846 noch 90% de Bevölkerung Südkärntens Slowenen, so sank deren Zahl, vor allem dank der Verbreitung der deutschen Sprach durch die Schulen, und der Aufstiegschancen durch deutsche Sprachkenntnisse, bis 1910 auf 43.5%. Die nationaldümmlichen Querelen fanden einen vorerst letzten Höhepunkt im Ortstafelsturm 1972, bei dem nationale Deutschkärnter die zweisprachigen Tafeln entfernten. Haider & Co raiten allerdings waiter auf dieser Welle. Na ja, ein paar Bekloppte fördern zumindest den Unterhaltungswert der Politik.

Noch grössere Verluste musste nach dem 1. Weltkrieg allerdings der ehemalige Erbfeind im Osten, das Osmanische Reich, hinnehmen. Dieser war aber bereits durch das ganze 19. JH hindurch zurechtgestutzt worden durch Russland und die Kolonialmächte England und Frankreich. Das nun völlig beschränkte koloniale Eroberungspotential wurde so bald darauf von einem österreichischen Exportschläger namens Adolf Schicklgruber unter deutscher Flagge eben innerhalb Europas ausgeübt, was allerdings weitaus kürzer als die geplanten 1000 Jahre hielt.

Landesteil Oesterreich-Ungarns
Hauptstadt
Fläche im km2

Einwohner in 1000
Erzherzogtum unter der Enns Wien 19'825 3'635
Erzherzogtum ob der Enns Linz 11'982 864
Herzogtum Salzburg Salzburg 7'135 221
 Herzogtum Steiermark Graz 22'425 1'468
Herzogtum Kärnten Klagenfurt 10'326 406
Herzogtum Krain (Westslowenien) Laibach 9'954 530
Küstenland Triest 7'969 938
Gefürstete Grafschaft Tirol mit Vorarlberg Innsbruck 29'285 1'130
Königreich Böhmen Prag 51'947 6'860
Markgrafschaft Mähren Brünn 22'222 2'667
Herzogtum Schlesien Troppau 5147 776
Königreich Galizien und Lodomerien Lemberg 78'497 8'212
Herzogtum Bukowina Czernowitz 10'441 818
Königreich Dalmatien Zara 12'831 668
Oesterreich total Wien 299'986 29'193
Königreich Ungarn Budapest 28'2870 18'811
Fiume Fiume 20 49
Königreich Kroatien und Slawonien Agram 42'521 2'670
Ungarn total   325'411 21530
Bosnien und Herzegowina Sarajewo 51'200 2'076
     
Oesterreichisch-Ungarische Monarchie Wien 676'615 52'799

http://www.twschwarzer.de/au.htm

 

 

Die komplexe Struktur der ehemaligen Fürstbistümer Salzburg, Brixen und Trient, vermischt mit der Grafschaft Tirol, zeigt auch, dass das spätere Südtirol vorher eigentlich drei Herrschaft hatte. Da Italien heute bis an Salzburg heranragt, wurde Westösterreich auf den "Haxenknochen" reduziert, den es heute darstellt.


http://www.hoeckmann.de/deutschland/tirol.htm

Oesterreich seit dem Staatsvertrag 1955:

[Felix Butschek: Vom Staatsvertrag zur Europäischen Union. Oesterreichische Wirtschaftsgeschichte von 1955 bis zur Gegenwart. Böhlau Verlag. Wien, Köln, Weimar. 2004]

Nach dem 2. Weltkrieg war Österreich bis 1955 unter der "Obhut" der Alliierten (s. Zonen rechts.) Es folgte eine Periode starken Wachstums, aber auch starken Wachstums der  Verwaltung im österreichischen Staatskapitalismus. Wie in der Schweiz zeigt sich ein Ende der Ausdehnung des Tourismus und bereits seit 1980 zunehmende Entindustrialisierung (Privatisierung der ehemaligen Staatsbetriebe).

Von 1950 bis 1961 konnte das BSP um 85% gesteigert werden. Mit einem Wachstum von 5.5% lag Österreich damit,  obwohl hinter Deutschland, an der Spitze aller westeuropäischen Staaten. Die Wirtschaftspolitik folgte der Vorstellung eines "verwalteten Kapitalismus". Um 1970 war diese enorme Wachstumsphase beendet. Der Zusammenbruch der Weltwährungsordnung (Bretton Woods) und der Erdölschock von 1973 führten zu Rezession und einer starken Zunahme der Arbeitslosigkeit. Kreisky versuchte diese Phase mit dem Austrokeynesianimus "durchzutauchen." Der Schilling wurde an die DM gebunden, die Stahlindustrie und weitere verstaatlicht, 100'000 ausländische Arbeitskräfte nach Hause geschickt (wie in der Schweiz ...),  Zusammenschluss 15 autonomer Konsumgesellschaften mit 1144 Filialen zum "Konsum Oesterreich." Auch der Sozialismus bedient sich der Macht der Grösse. Der Unterschied liegt bloss darin, dass die negativen Auswirkungen solcher Staatsmonopole auf den Staat beschränkt bleiben, während multinationale Giganten gleich den Weltmarkt beeinflussen. Das zeigt sich deutlich an der relativ unbedeutenden Grösse selbst der grössten Betriebe Österreichs.

Das Wirtschaftswunder ging mit der Rezession des Jahres 1962 zu Ende, die Ära des aussergewöhnlichen Wirtschaftswachstums Mitte der Siebziger, die Ära der Vollbeschäftigung 1981 und die Ära halbwegs brauchbarer Wirtschaftskonzepte mit dem Untergang des Kommunismus - der zwar nicht unbedingt dazu gehört, aber als "theoretische Alternative" den ungezügelten Eigennutz des Kapitals immer ein bisschen gezügelt hatte.

Hauptziele des "rheinischen Kapitalismus", zu dem sich auch die österreichische Wirtschaft zählte und zählt, war nicht die Profitmaximierung, sondern eher die gemeinwirtschaftlichen Aufgaben: Beschäftigung, angemessene Einkommen, soziale Vorsorge.

Nachteil dieser Ausrichtung war, dass auch unrentable Betriebe kaum geschlossen werden konnten ....

Obwohl die Österreichischen Banken sich nun ihr Schlachtfeld im Osten suchen, sind die Bilanzsummen sogar der grössten (Bank of Austria, 114 Milliarden 2000, 20'000 Angestellte) im Vergleich zu denen von Zürich Peanuts. Die Bankstellendichte war 2000 zu hoch. Es wurde weitaus weniger Gewinne erwirtschaftet als von vergleichbaren Banken und man rechnete mit einem Abbau von 30% der Arbeitsplätze in dem Sektor.

Aussenhandel mit den Nachfolgestaaten
  Export Import
1920 42.3 50.2
1924 46.3 48.7
1229 38.6 44.6
1932 34.6 46.1
1937 31.5 38.5
1946 25.3 24.1
1947 18.8 23.7
1950 17.9 13.9
1960 11.2 8.4
1970 12.8 7.4
1980 10.6 5.5
1990 7.9 4.9
2000 14.6 10.4
2003 15.7 12

Die Ostorientierung ist eine Fortsetzung alter Traditionen. 1924 fielen z.B. noch fast die Hälfte der österreichischen Exporte und Importe auf die Nachfolgestaaten der ehemaligen Kronländer.

Branche Anzahl Unternehmen Marktanteil
Lebensmittel
Drogeriewaren
Möbel
Schuhe
Elektro
Textilien
5
2
5
3
3
5
88 %
70
58
52
41
28

Umgekehrt macht aber dennoch die zunehmende Konzentration den sog "freien" Wettbewerb" mehr und mehr zu einem Oligopol:.

Es sollte allerdings in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hingewiesen werden, dass die Sozialdemokratie - im Gegensatz zum Sowjetsystem - nie ein alternatives Wirtschaftsmodell entwickelt hatte. [S. 33]. Der Vorwurf, nur "Umverteiler" zu sein, trifft sie also zu recht.

Was den sog. "freien Markt" betrifft wäre das eigentlich zu  beklagen ... nur ist das seit dem Neoliberalismus nicht mehr "in", denn nun geht es um Marktmacht. Die Wirkung grösserer Märkte, also der sog. "Globalisierung", besteht eben gerade darin, den Wettbewerb zu erhöhen ... unter Ausnutzung der economy of scale *, der Grössenvorteile der Betriebe und ihrer Heimmärkte. Das zweitere verschafft den USA einen gewaltigen Vorteil, weshalb sie eben so hinter dem Konzept stehen). Nach Adam Smith besteht die Voraussetzung jeglichen Wirtschaftswachstums in höherer Arbeitsteilung (also Spezialisierung) und Marktausweitung, die aber beide nur zum Tragen kommen, wenn die Transaktionskosten tief gehalten werden können. Dies wiederum bedingt Integration, also Zusammenschlüsse, Netzwerke (s. auch Netzwerke, Cliquen, Clans und Clubs) oder supply & demand chain management. Erst am Resultat zeigte sich, dass die Spezialisierung auch Nachteile mit sich brachte, durch die Erhöhung des Aufwands für Stellen- wie Personalsuche. Allerdings wurden diese erhöhten Transferkosten den Arbeitslosenkassen übertragen, heute zunehmend auch den Gemeinden, wenn der Transfer mehr Zeit braucht, als die Versicherung deckt, die nach einer passenden Stelle suchenden also beim Sozialamt landen.

Die Konstruktion der "grossen Maschine" wurde eingeleitet durch Bretton Woods, Gatt, OEEC, OECD, EWG, EFTA etc. ... und endet in der Herrschaft der Betriebe * (2).

Der Beitritt zur EU erfolgte in Oesterreich mit genau so wenig genereller Begeisterung wie sie in der Schweiz herrscht ... aber, man wollte nicht "autonom nachvollziehen", sondern mitmischeln, in der Verfolgung nationaler Ziele nicht benachteiligt sein. Die Zusammenarbeit mit der EU ist so vor allem technischer Art. Schützenhilfe könnten sich die beiden gewähren im Problem des Alpentransits, den beide auf die Schiene verlagern möchten, wenn nicht gar begrenzen. Obwohl die Verbindung durch die Schweiz kürzer ist, trägt Oesterreich mit dem Brenner immer noch die höhere Transitlast. Anstrengungen, diese Last einzudämmen, richten sich also nicht in erster Linie gegen die Schweiz, sondern an die EU, quasi als Bitte, den Verkehr auch mal als Problem und nicht nur als Lösung zu sehen. (An Zürich, wo die SVP in den nächsten 30 Jahren 24 Milliarden in Strassenbau investieren will: hört hört .... hört auf damit! Wie im Tourismus wird das Land durch mehr Strassen und Bauten nur für Verkehr und Geld interessanter ... aber ansehen will sich diesen Betonbrei ja niemand).

Neue ökonomische Theorien:

Die recht banalen neoklassischen Theorien bilden KEIN KONSISTENTES SYSTEM, im Gegenteil, sie werden zunehmend banalisiert und popularisiert, um Forderungen zum Vorteil der Unternehmen zu erreichen: Reduktion des Staatseinflusses, Budgetausgleich, Deregulierung, Privatisierung (2), Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und der Absicherung, womit die Kosten für die Risiken auf die Mitarbeiter verlagert werden. Diese konservativen wirtschaftspolitischen Ziele wurden und werden inzwischen sogar von den meisten sozialdemokratischen Parteien gefördert. Vorreiter waren Blair und Schröder, Nachzügler die SP Schweiz. Auch sog. "Freiheitliche" Parteien, in Oesterreich wie der Schweiz, sind Sozialpartnerschaften eher abgeneigt, da sie weniger auf Verhandeln als auf starke Führer, Populismus und Autorität * bauen. Immerhin wurden in Oesterreich bisher weder das Umlageverfahren der Alterversicherung abgeschafft noch die Arbeitslosenversicherung gleich mit der Fürsorge zusammengelegt - und auf das selbe Niveau gedrückt! - wie bei Hartz IV.

Schliesslich scheint es nicht verfehlt, auf die Qualifikation der Arbeitnehmer und - entgegen der traditionellen Auffassung - auch der Unternehmer hinzuweisen. Immer wieder betonte man den hohen Ausbildungsstand sowie die Arbeitsdisziplin von Arbeitern und Angestellten, wogegen die Qualität des Managements aus historischer Erfahrung eher skeptisch beurteilt wurde.

Felix Butschek, S. 201

In der vorhergehenden Periode, der goldenen Zeit, hatten die Interessenvertreter kooperiert, natürlich auch damals in erster Linie zum eigenen, und nicht zum Wohle des Volkes. Auch der öffentliche Sektor erwirtschaftete einen erheblichen Anteil am BSP. Die Erträge flossen in Investitionen - statt in fluide Geldkonstrukte, die das Kapital quasi magisch vermehren ... oder vernichten. Das Management sah eher auf die langfristigen Erträge als auf die kurzfristige Bewertung der Firma als Ganzem an der Börse und auf Dividenden. Das wurde durch die "shareholder rights" korrigiert.  Nun galt und gilt es, Kosten kurzfristig zu minimieren, Erträge und Dividenden zu maximieren. Der Kapitalmarkt wurde zur Peitsche, mit der die Angestellten ganz legal und ohne grosse Kritik zu immer mehr Leistung ... bei gleichen oder tieferen Löhnen ... angetrieben werden.

Mit der Betonung individueller Leistung und der Aufgabe wohlfahrtsstaatlich-korporatistsicher Modelle kommt allerdings der soziale Friede immer mehr unter Druck.Die Aussage: Oesterreich gehört mit der Schweiz zu den Ländern mit der geringsten Streikhäufigkeit ... muss also vielleicht bald mal zu "gehörte" abgeändert werden.

Die Regionalpolitik wurde in ihrer ursprünglichen Form aufgegeben. Niemand mehr zeigt die Ambition, Betriebe und Arbeitskräfte gleichmässig über das Land zu verteilen. Zu evident sind die Agglomerationsvorteile geworden. ... Das gilt aber in keiner Weise für die Landwirtschaft. [S. 202]

Das Entstehen einer grossen Industrieagglomeration Wien-Bratislava und allenfalls auch Brünn wäre vorstellbar, wenn auch die österreichische Verkehrspolitik endlich Anstrengungen in diese Richtung unternähme. [S. 205]

Fazit Butscheks:

Auch wäre die Vorstellung, dass die österreichische Wirtschaft in Zukunft überdurchschnittlich wachsen wird, in Frage zu stellen. Ihre Performance seit 1945 ist ha mehrfach als Aufholprozess bezeichnet worden, und das Ziel dieses Prozesses ist mittlerweile erreicht worden: Oesterreich zählt zur Gruppe der wohlhabenden westeuropäischen Industriestaaten. Impulse von dorther sind daher nicht mehr zu erwarten. Spezielle Vorteile des Landes - als solche wurde die korporatistische Institutionenstruktur allgemein betrachtet - treten nicht mehr deutlich hervor. Man wird daher nicht allzu weit in der Annahme fehlgehen, dass sich das künftige österreichische Wirtschaftswachstum eher im westeuropäischen Durchschnitt bewegen wird - was allerdings nicht die schlechteste Zukunftserwartung darstellt! [S. 106]

Interreg III: http://www.noe.gv.at/service/ru/ru/landesentwicklungskonzept/dokumente/Landesentwicklungskonzept.pdf

 

Das soziale Finanz-Loch ist eine logische Folge der einseitigen Konzentration auf Profite.

Die grosse Depression der 20er hat sich auf die Arbeitslosigkeit offenbar bereits damals viel stärker ausgewirkt als auf die Konjunktur generell. Die Entwicklung des indexierten BIP zeigt, dass der 1. wie der 2. Weltkrieg beträchtliche Verluste verursachten, die Wirtschaft aber seit 1945 eigentlich recht kontinuierlich wächst, mit leichten Wellen ... Die Produktion von "Wohlstand" funktioniert also trotz Konjunkturwellen offenbar ungebrochen, langfristig gesehen ... problematisch war und aber immer noch die Verteilung.

Gegen 1980 war nichts mehr mit durchtauchen. Arbeitslosigkeit wurde dem Volk nun als "normale Begleiterscheinung" wirtschaftlicher Dynamik verkauft, als Durststrecke auf dem Weg ins gelobte Land. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wurde, auch hier, ersetzt durch Bekämpfung der Arbeitslosen. [s. Sozialarbeit *]. Frühpensionierung war in Österreich eines der beliebtesten Mittel gegen hohe Arbeitslosigkeit. Das wahre Ausmass der wirtschaftlichen Probleme lässt sich also nicht alleine durch die Arbeitslosenzahlen abschätzen, sondern muss auch hier die Frühverrentung und Markt-Invalidisierung berücksichtigen: Invalid = unbrauchbar für wirtschaftliche Produktion, wozu immer häufiger psychische Merkmale herangezogen werden. Die in Militärdiktaturen bedrohliche Insubordination (=fehlende Ein- und Unterordnung), wird nun einfach pschüchologisiert.


http://www.statistik.at/neuerscheinungen/download/2006/ake2005_www.pdf

Obwohl Oesterreich in vielen Belangen, auch aus der Sicht der Schweiz, vorbildhaft scheint, muss für vieles durch tiefe Löhne (bei allerdings ebenfalls relativ tiefen Lebenshaltungskosten, insbesondere im Vergleich mit der Schweiz) Konsum- und Freizeitverzicht bezahlt werden.

Es wundert wenig, dass Oesterreich von Schweizer Wirtschaftskreisen immer dann gelobt wird, wenn es um Restrukturierung und Senkung der Lohnkosten  geht. Gerade die Verhältnisse in den immer noch bäuerlichen Regionen sind dafür ideal, denn:

  1. Die baeuerliche Subsistenzproduktion erlaubt zwar ein ueberleben auf niedrigstem Niveau, erspart also dem Sozialamt, d.h. Staat und Wirtschaft, Kosten, reicht aber nicht zum Leben, zwingt also die Bauern dazu:

    1. Wohnflaeche an Touristen zu vermieten

    2. sich selbst Teilzeit oder als Wanderarbeiter, also moderner Soeldner der Wirtschaft, zu verdingen.

Links:

Martin Herzog, Dipl. Forsting. ETH, Basel, 12.12.06

* Die mit * markierten Links sind seit dem 23.01.08 nicht mehr am Netz, weil der Provider von www.diskussionsforen.ch, Genotec, Zensur ausuebt - in eigener Regie.

Tourismus (Fragment)

Elisabeth Lichtenberger: Oesterreich: Geobraphie, Geschichte, Wissenschaft, Politik. Länderkunden. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmststadt. 2002

Österreich ist das Fremdenverkehrsland No 1 in der EU! Im Jahr 2000 beliefen sich die Einnahmen aus dem Tourismus auf 1526 Euro pro Kopf, 13% des BIP, 6% der Deviseneingänge. 586000 Personen hängen direkt oder indirekt davon ab. Im Gegensatz zur lange institutionalisierten Hotellerie der Schweiz ist in Österreich die Vermietung von privaten Zimmern weitaus mehr verbreitet, allerdings mit abnehmender Tendenz durch zunehmende Kommerzialisierung. Die prosperierende bauliche Erscheinung im Westen Österreichs, Einfamilienhäuser mit über 150 m2 Wohnfläche, muss allerdings relativiert werden, da die Bevölkerung einen beträchtlichen Teil des eigenen Wohnraums vermarktet.

Der Tourismus der Schweiz aus österreichischer Sicht:

In der Schweiz ist, gestützt auf ein mächtiges Bankenwesen und strikte privatkapitalistische Prinzipien, im Rahmen der Wohnungswirtschaft ein bedeutender Immobilienmarkt entstanden. Die Vermarktung des Wohnraumes in Form der Parahotellerie und der Zweitwohnungen hat sich weitgehend vom Tourismus klassischer Art abgekoppelt. Das Bedürfnis nach Sachwertanlage und das ausländische Fluchtkapital haben das Immobiliengeschäft zum Hauptgeschäft werden lassen. Es ist folgender Circulus vitiosus entstanden: örtliche Kapitalgeber treten als Grundstückkäufer auf, vergeben Bauaufträge an zum Teil örtliche Bauunternehmen, die ebenfalls zum Teil mit auswärtigen Kräften die Objekte errichten, in erster Linie Apartmentwohnungen, in zweiter Linie Chalets. Ein Heer von Realitätenbüros und Agenturen vermarktet diese, wobei auch Ausländer Zugang gewinnen können, wenn auch durch die jeweilige Gesetzeslage in unterschiedlicher Form. Dadurch tritt eine Nachfrageverstärkung ein, es erhöhen sich die Preise weiter, und es wird wieder Freizeitwohnraum auf "Vorrat" erzeugt.

In der Schweiz übertraf 1993 das Bettenangebot in der Parahotellerie mit 830'000 das Angebot an Hotelbetten (270'000) um rund das Dreifache, nachdem das Verhältnis zu Beginn der 1950er Jahre noch ausgeglichen war. Hierzu kommt noch die Zahl von ausschliesslich eigengenutzten Zweitwohnungen in der Grössenordnung von rund 740'000 Betten. Konkret bedeutet dies, dass jede achte Wohnung in der Schweiz eine Ferien- oder Zweitwohnung ist.

Im Gegensatz dazu entfallen in Österreich nur 16.1% der Betten auf Zweitwohnungen, 7.1% auf sonstige Unterkünfte wie Jugendheime, alpine Vereine, (zusammen also 23.2%) und 17.1% auf Privatquartiere (bei allerdings sehr geringer Auslastung), davon 31.2% alleine in Bauernhöfen. Das heisst, das die meisten Touristen in Oesterreich in Hotels nächtigen, die meisten Touristen in der Schweiz aber in Zweitwohnungen. Es wundert also wenig, dass die Bedienung in Österreich freundlicher ist, da es sich in der Schweiz ja primär um Selbstbedienung handelt .... womit schon wieder ein Rätsel gelöst wäre.

Ein Erfolgsmodell war und ist der Urlaub auf dem Bauernhof - trotz fallender Besucherzahlen:

1980: 28940

1990: 21276

2000: 15486

Entgegen dem sonst herrschenden Trend im Tourismu stiegen hier aber die Umsätze. Die Ferienbetten allerdings nehmen ab, die Ferienwohnungen zu. Von 114 Millionen Nächtigungen fielen allerdings nur 3.2 Millionen auf Privatquartiere in Bauernhöfen und 1.8 Millionen auf Bäuerliche Ferienwohnungen und Ferienhäuser. Es gab 8000 bäuerliche Betriebe, die Privatzimmer vermieteten, und 4200, die Ferienwohnungen und -häuser im Angebot hatten (von insgesamt 74'000 Beherbergungsbetrieben mit 1'162'100 Betten. Jeder sechste Beherbergungsbetrieb war somit ein bäuerlicher Betrieb. Die angebotenen 117'000 Betten stellten etwa 1/10 des gesamten österreichischen Bettenangebotes dar. Die Auslastung war allerdings mit 50 Tagen nur halb so gut wie der österreichische Durchschnitt.

1980 bot in Tirol ein Drittel aller land- und forstwirtschaftlichen Betriebe Fremdenzimmer an, was mehr als ein Viertel aller bäuerlichen Fremdenzimmer in ganz Oesterreich entsprach. Mitte der Neunzigerjahre betrieben rund 60% der Höfe eine bäuerliche Zimmervermietung. Im Jahr 2002 entfiel etwa ein Viertel der Ankünfte (184'634 von 742'418) bzw. Nächtigungen (1'075'992 von 4'125'184) im Privatzimmerbereich auf die bäuerliche Zimmervermietung. An dem starken Anstieg des Wintertourismus konnten sich diese allerdings nicht beteiligen, da sie oft abseits der Touristikzentren lagen und ihnen auch die Mittel für Neu- und Umbauten fehlten.

 

 

Nur Tirol und Vorarlberg sind uneingeschränkte Domänen des Ausländertourismus.

Zweitwohnungen sind vor allem in Nieder- und Oberösterreich verbreitet (Sommerfrische der Wiener ...), sowie im westlichen Grenzland Kärntens und die Ferienregion Kitzbühel-Kufstein.


http://www.statistik.at/karten/kartogramm/kartogramm238_02.shtml

http://www.statistik.at/karten/kartogramm/kartogramm011_03.shtml

http://www.statistik.at/karten/kartogramm/kartogramm010_03.shtml

http://www.statistik.at/karten/kartogramm/kartogramm211_02.shtml

Martin Herzog, Basel, 31.12.06

Die Graphik rechts (aus: Das Schweizer Gastgewerbe: Eine Branche im Wandel. Die Volkswirtschaft 1/2 2007) zeigt zwar, dass Österreich in den letzten 25 Jahren ein bisschen besser da stand als die Schweiz, wo der "Zuwachs" für die Periode negativ war (- 0.5%/Jahr), dass aber auch Österreich nicht mit Spanien, den USA etc. mithalten konnte.

Die folgende Karte unten zeigt gleich warum, denn eine ausgeprägte Bedeutung hat das Gastgewerbe nur in relativ wenigen gebirgigen, abgelegenen und dünn besiedelten Regionen, dort allerdings bringt es über 25% des BIP. Ohne verlässlichen Schnee im Winter, und bald ohne Gletscher, dürfte sich das wohl weiter eher negativ entwickeln.


Regionale Bedeutung des Gastgewerbes für die Schweiz 2005

als Anteil am jeweiligen BIP

In den letzten Jahren hat sich das Bild wieder gekehrt: Österreich stagniert touristisch, die Schweiz hat Rückenwind. 2007 wurden die seit 1960 höchsten Besucherzahlen (Logiernächte) verzeichnet, 37 Millionen Nächte, inkl. Belegung durch Inländer.  Zurückgeführt wird dies vor allem durch den relativ zum Euro günstigen Franken, wie auch den Fokus auf wohlhabende Touristen aus Indien, China, Russland und den arabischen Ölstaaten einerseits, wie durch den zunehmenden Bestand an hoch qualifizierten Deutschen die in der Schweizer Wirtschaft tätig sind - und aus Deutschland besucht werden.

Zudem wurde in den letzten 3 Jahren gewaltig investiert, vor allem in die Luxushotellerie:

  1. Dolder Grand Hotel Zürich
  2. Grand Hotels Bad Ragaz
  3. Trois Rois Basel
  4. Carlton Hotel St. Moritz
  5. Le Richemont Genf
  6. Tschuggen Grand Hotel Arosa
  7. Baur au Lac Zürich
  8. Badrutt's Palace St. Moritz
  9. Victoria Jungfrau Collection
  10. Beau-Rivage Palace Lausanne

 

440 Mio Fr.
150
120
75
70
60
40
35
28
25
___
1043 Mio Fr.

Weit weniger gut allerdings sieht die Siutation von Kleinhotels aus, "die sich besser vermarkten sollten". Na ja, woher nehmen und nicht stehlen. Einerseits. Andererseits brauchen die ja auch weniger Gäste, sollten also ihr Zielpublikum eher direkt - und besser ansprechen, sich also quasi eine "Community" basteln, in der bekannt und anerkannt ist, dass klein auch fein sein kann, und dass günstig nicht immer schlechter ist als teuer, sondern primär anders: