Retrospektiven: Die ersten Forschungsstreifzüge Martin Herzogs

Die romantische Schmalspurbahn Sibiu-Agnita (Hermannstadt-Agnetheln)  ist mit dem polnischen Original der Lokomotive von 1924 am 1. Mai 2007 wieder eröffnet worden. (COMUNICAT DE PRESĂ). Hermannstadt ist übrigens für das Jahr 2007, zusammen mit Luxemburg, zur Kulturhauptstadt Europas ernannt worden. Was lange währt ....

Marpod, ein kleines Bauerndorf im Zentrum der Karpaten, ca. 20 km von Sibiu, Hermannstadt. Erreichbar mit einer kleinen Eisenbahn, die allerdings für die rund 30 km gute 2 Stunden brauchte. (Bilder von 1972)


 

Zigeuner am Rande von Marpod. Sie wurden weder von den deutschstämmigen Siebenbürger Sachsen noch von den Rumänen akzeptiert und lebten am Rande der Siedlung. (Das ist keine Schilderung aus dem Mittelalter, sondern aus den frühen Siebzigern des letzten Jahrhunderts).


 

Das Haus meiner Grosseltern mütterlicherseits in Marpod.


 

Gebauert wurde auch da schon lange nicht mehr. Die Scheune drohte zu zerfallen und brauchte ein paar neue Balken.

Die gegenseitige Hilfe in diesen deutschen Siedlungen war beeindruckend. Wenn jemand heiratete und ein neues Haus aufstellte, half das ganze Dorf. Es ist schade, dass die ganze Tatkraft dieser Bürger nach Deutschland emigrierte, so bald dies möglich war ... obwohl einige bald zurückkehrten, da sie bald feststellen müssten, dass der Besitz eines Autos und das fehlen eines Diktators, vielleicht doch etwas weniger Freiheit bedeuten, wenn man dafür in einem Wohnsilo sitzt und tagtäglich an der oder um die Arbeit kämpfen muss.


 

In den Apuseni *, die Westkarpaten, führten vor 30 Jahren weder Strassen noch Bahn oder sonst was. Man musste sich mit dem Maultier bewegen. Mir selbst ist das erst 1996 wieder passiert, in den Arba Gugu Bergen Äthiopiens.

So dumm wie man meint sind die Tiere gar nicht. Also das in Aethiopien hat mich zwar brav geradeaus getragen, hat sich aber standhaft geweigert, meine dann doch schon 120 kg den Berg hinauf zu befördern. Musste ich selbst tun - aber ich habs getan.

 *:  Das letzte i wird bei rumänischen Worten nicht gesprochen. Also das notorische Hotel Carpati hört sich präzise so an, wie wenn wir Carpaz schreiben.


 

Kein Museum. Strohdächer im Apusen.  

 

Das Dorfmuseum in Cluj (Klausenburg). So ähnlich Ballenberg - aber bereits 1972 längst etabliert in Rumänien, obwohl gerade in dem Land, die selbe traditionelle Lebensweise noch weit verbreitet war.


 

Eine Mühle im Apusen. Kein Museumsstück. Solche Anlagen waren in den 70ern noch weit herum in Gebrauch.


 

Der Schacht der Eishöhle. Über 100 m tief, darum bleibt die Kälte hier bis weit in den Sommer gefangen.


 

Wabeneis - eine Spezialität in Eishöhlen. Wenn das Eis im Sommer beginnt zu schmelzen, zerfällt es in sechskantige Prismen.

Hier mit Magnesium von hinten beleuchtet.


 

Wabeneis im Schein der Karbidlampen.


 

Der Autor im Winter 72/73 und 73/74: Als Höhlenforscher im Höllloch, Muotatal


 

Martin Herzog, Basel, 1. November 2005

Haus „Quellengarten” (gradina-izvoarelor)

Heimwehrumänen und andere Freunde sehr traditioneller Kulturen haben die Möglichkeit, in einem renovierten Bauernhaus in Sibiel, 23km westlich von Hermannstadt, zu wohnen. Sie lernen dabei Land und Leute kennen (reiches Angebot an selbständig zu bewältigenden Wanderungen wie an organisierten und geführte Touren) sowie die traditionelle einheimische Küche.

 

Spätere Auslandexkursionen und -einsätze

1975 Nah- und Mittelost: Türkei, Iran, Jordanien, Syrien: Tramper

1978 Israel: Volcani-Center Rehovot: Praktikum in Pflanzenphysiologie

1980-81: Saudi-Arabien: Landscaping

1981 - heute: Irak: Chemische Reinigung von Pipelines - Handelsvermittlung (na ja ...)

1988-94: Jemen: Aufbau der Forstdirektion in Sana'a. Bewirtschaftung und Schutz der Naturwälder

1995: Tadschikistan: Untersuchung des Potentials für schnell wachsende Bäume, da Holzmangel herrscht zur Reparatur der im Bürgerkrieg zerstörten Häuser

1996: Äthiopien, Somaliland: Potential des Waldes für Arbeitsbeschaffung, um den nach dem Bürgerkrieg entlassenen Milizen Arbeitsplätze anbieten zu können.

Dass die Reihe hier, abgesehen von einigen privaten Besuchen im Irak + Kartographie, abbricht, liegt weder an mangelndem Interesse meinerseits, noch an meinem Gewicht oder gesundheitlichen Problemen - sondern daran, dass jemand der sich lange genug mit dem Nahen Osten abgibt, offenbar auch in der Entwicklungshilfe nicht mehr zu gebrauchen ist (Nach 200 Bewerbungen an immer die selben wenigen Stellen "bringts es irgendwie irgendwann nicht mehr" ...). Die Islam- und Arabophobie betrifft eindeutig nicht nur Muslime und Araber, sondern auch diejenigen, die sich mit ihnen so lange Beschäftigen, bis sie sie verstanden haben. ...