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s. auch Vergleich Basels mit andern Agglomerationen der Schweiz
" Städtediktat und Alpenreservat: Städtische Herrschaft - Alpine Reservate - Voralpine Ruhezonen
Ungenutzte Brachflächen in der Schweiz [pdf. BAFU]
| In der Schweiz trifft man überall auf Häuser. Jean-Jacques Rousseau. 1793 |
Wie Ihnen die Bilder zu Basel in der Sammlung "Basel - vom Rande her" zeigen, ist Basel voll, voll überbaut. Basel-Stadt hat nur noch 0.7%, 8.7 ha, bisher ungenutzter Bauzone. Bereits 1919 war das gesamte Kantonsgebiet, mit Ausnahme der Grünzonen, zur Überbauung freigegeben worden. Will der Städter frische Luft schnuppern, muss er sich über die Stadtgrenze hinaus begeben. Also entwickelt sich Wirtschaft und Besiedlung in den angrenzenden Gebieten. Die Agglomeration Basel erfasst bereits den halben Kanton Basel-Land sowie beträchtliche Teile des unteren Fricktals - die auch nicht mehr viel Reserven zu überbauen haben. Dies zeigt auf den ersten Blick, dass unsere traditionelle Politik, die innerhalb historisch gewachsener Strukturen arbeiten muss, den Überblick nicht mehr hat und ob all der widersprüchlichen, meist lokalen strukturorientierten Massnahmen, wichtige Funktionen unter die Räder kommen. [Bearbeitet unter Funktionspolitik].
Das Problem der relativen Enge kennt Basel aber seit ca. 200 Jahren. Man musste immer einen optimalen Kompromiss zwischen der Erhaltung des Alten und der Schaffung von Neuem finden. Vermutlich ist diese Erfahrung mit ein Grund, warum die Basler nicht auf jeden Wirtschaftsfurz mit der selben Rasanz und Begeisterung abfahren wie die Zürcher.
Graphiken aus http://www.statistik-bs.ch/publikationen/stadt_region/heft2/sr_wirtschaft.pdf
Dass diese Entwicklung bereits sehr früh eingesetzt hat, zeigen uns einige alte Karten
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Basel 1829 |
Basel 1850 |
Basel 1900 |
Basel 1958 |
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Die Stadt liegt noch innerhalb der alten Stadtmauern. Der Kanton Basel noch einer. Riehen, Binningen, Bettingen sind kleine Bauerndörfer. Einwohner Stadt, (Bezirk 1) 1835: 23'300 Bezirk: |
Man sieht bereits die Bahnlinien aus Frankreich und Richtung Zürich, die aber noch in getrennten Bahnhöfen enden. Ausserhalb der Stadt entwickeln sich die ersten Siedlungen radial, entlang der Ausfallstrassen. Obwohl Kleinhüningen wie eine Festung aussieht - die Festung Vaubans wurde bereits 1815 von den Eidgenossen gemeinsam mit den Oesterreichern geschleift.
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Deutsche, Schweizer und Französische Bahn sind verbunden und umfassen die Stadt Der Badische Bahnhof nach am heutigen Standplatz der Messe. Die Inseln bei Kleinhüningen sind noch vorhanden.
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Die Stadt ist verbaut. In Kleinhüningen ist die Hafenmole 2 noch in Planung, die Autobahnen fehlen und das Bruderholz ist noch rel. dünn besiedelt, aber sonst ist Basel bereits relativ voll. Die angrenzenden Gemeinden sind immer noch Dörfer. |
Bei Riehen, Binningen, Allschwil zeichnet sich ähnliches ab. Die rasanteste Entwicklung fand statt in Bezirk 3. Bezirk 6, die Peripherie, war damals schon am Arsch der Welt. Einwohner 1957: 217'400 Bezirk (s. Basel 1829): |
| Karten: Vermessungsamt Basel-Stadt | ||||
Die Entwicklung der Bevölkerung:
1600: 3400 der damals 15'000 Bewohner starben an der Pest
1726: 17'000 Einwohner
1777: - 12%
1779:
15'040 Einwohner, 7607 Bürger, 7433 Niedergelassene, davon 3985 Bedienstete und ca. 600 Hintersässen, die von den Niedergelassenen eigentlich abgezählt werden müssten, da sie über keinerlei Rechte verfügten. Da sie jedoch nicht Sklaven waren, also nicht Eigentum, entspricht dies in etwa der 4. Klasse im Jemen. Obwohl etwas weit weg, ein interessanter Vergleich sozialer Schichtung. Im Jemen wird die Oberklasse gebildet durch die Sayids, die Abkömmlinge Mohammeds, gefolgt von der Ulama, den Schriftgelehrten. Die grösste, und sehr respektierte Klasse, bilden die Bauern, da sie frei und unabhängig sind. Die vierte Klasse, im 18. Jahrhundert in der Schweiz den Hintersässen entsprechend, bilden im Jemen die ahl al suq, die Leute die Dienste leisten müssen, die sich mit andern Menschen nicht auf Grund eigenen Wunsches, sondern zwecks Erwerbs, auseinander setzen müssen, also alle die im Handel tätig sind. Noch weniger Achtung finden bloss die Ausgestossenen und Sklaven, die Fischhändler, Bader, Gemüsebauer, Gerber, Musiker, Töpfer und Bedienstete. Ich weiss, es tönt heute etwas absurd, aber war das wirklich der Fortschritt, den wir wollten, ein Fortschritt, in dem "sich verkaufen" erstes Gebot ist, in dem wir also eigentlich nicht Freie, sondern Sklaven des Marktes sind?
1800: 16'000 - mehr als Zürich und Bern. Untertanen im Baselbiet: 29'000
1814: 16-17'000 Einwohner, davon kaum die Hälfte Bürger. In dem Jahr starben 53.5 auf Tausend an Typhus, etwas das seit 1668 nicht mehr vorgekommen war. Landschaft 30'000
> Um 1700 war die Aufnahme von Neubürgern gestoppt worden. Nur qualifizierte Subjekte mit mindestens 10'000 Reichstalern an Vermögen hatten eine Chance, also so ähnlich wie das mit der Lex Furgler gehandhabt wurde. Zwischen 1682 und 1788 wurden nur 80 Bürger aufgenommen.
1830: 20'500 Einwohner
1833: 24'000 Einwohner (davon nur noch 1700-1800 aktive Bürger), Genf 30'000, Zürich 14'000
1847: 27'000, 35% Bürger, 44 % Schweizer aus anderen Kantonen, 21% Ausländer, vorwiegend Badenser.
1860 37'915, 10456 Bürger, 27459 Niedergelassene, 30% Ausländer. 1873 erste Einbürgerung eines Elsässer Juden. Zwischen 1779 und 1860 hat allerdings die Bevölkerungszahl weitaus rascher zugenommen, als der Wohnraum, weshalb sich die Behausungsziffer von 7.1 auf 14.5 verdoppelte.
| Heimatland der Bewohner | 1870 | 1880 | 1888 |
| Baden Württemberg Elsass-Lothringen Preussen Frankreich |
7562 2182 2178 632 594 |
12146 3104 1289 1226 1919 |
13938 3655 1585 1643 1941 |
1883: 63'500
1886: 66'700
1889: 70'500
1892: 77'000
1893: 78'500
1898: 100'000 Bürger im Kanton. Bürger noch 1/4. Die Bevölkerung Basels hat sich also im 19 JH versechsfacht, ohne Antibiotika. Im 20 JH wuchs sie nur noch auf das 2.5-fache, allerdings war sie flächenmässig eben auch bereits ziemlich überbaut. Der extreme Zuwachs scheint aber nicht auf übermässige Fruchtbarkeit, sondern eher auf starke Einwanderung vor allem aus dem benachbarten, damals österreichischen, Baden zurückzuführen sein. [Zahlen aus: Ruedi Hotz: Basels Lage und ihr Einfluss auf die Entwicklung und Geschichte der Stadt. Wissenschaftliche Beilage zum Bericht über das Gymnasium Schuljahr 1893-94. Reinhard, Unversitätsdruckerei. 1894.]
1910: 136'000, 44'000 Bürger, 40'000 niedergelassene Schweizer, 52'000 Ausländer, vor allem Deutsche
1933: 170'000, 87'000 Bürger (Erleichterung der Einbürgerung. 15 Jahre Niederlassung reichten nun aus um gebührenfrei aufgenommen zu werden, was während des Krieges und danach stark genutzt wurde), 62'000 niedergelassene Schweizer und nur noch 21'000 Ausländer.
Die Landschaft hatte Mitte des 18. JHs eine Bevölkerung von 14'000. Bereits damals begannen die stadtnahen Gemeinden Münchenstein, Bottmingen, Binningen, Pratteln stark zu wachsen.
1743: 20'771 Einwohner - womit die Obergrenze einer agronomischen Wirtschaftsform erreicht war. 18% waren Bauern, vermutlich mehr, da Bauern mit einem halben Zug (Gespann) auch nur halb gezählt wurden. 27% Tauner : Taglöhner, Näherinnen, Spinnerinnen, Hirten, Sennen ... und oft auch Schulmeister. Dies war die unterste Schicht der Dorfhierarchie. 26% Fabrikarbeiter, 29% Handwerker.

Etwa 1880 kehrten sich die Verhältnisse, die 1833 noch 1/2 betragen hatten, und die Stadt hatte nun mehr Bevölkerung als das Land. Da dieselbe aber Mitte des 20 JHs. völlig zugebaut war, entvölkerte sie sich, und führte zu einem Schub bei der Ansiedlung im untern Baselbiet, speziell dem Bezirk Arlesheim, der bereits seit 100 Jahren parallel zur Stadt wuchs und den grössten Anteil am Bevölkerungszuwachs des Kantons hatte. Seit 1980 scheint es aber auch hier eng zu werden, und das Wachstum verlagert sich noch weiter von der Stadt weg, bis ins Fricktal hinein. Die Wohnbevölkerung der Stadt ist nun wieder auf dem Niveau von 1940. Damit ist sie in der Schrumpfparade der Schweizer Städte auf Platz 1.
Hier, besonders am Beispiel Riehen, lässt sich das Problem von Wachstum und Wohlstand ausgezeichnet aufzeigen. Profitiert Riehen von der Tatsache, dass es heute den Spitzenplatz im Standortswettbewerb um die Gunst der Wohnungssuchenden erreicht hat (Riehen steht auf Platz 1 der Schweiz in Sachen Lebensqualität), stellt es betuchten Bürgern den Resten seines knappen Baulands für Villen zur Verfügung, erhöht es zwar seine Steuereinnahmen, verliert aber, mit jedem überbauten Quadratmeter, Lebensqualität. Wettbewerb und Wachstum zerstören also genau das, was sie zu schaffen vorgeben: Wohlstand - zumindest solange man unter Wohlstand nicht bloss Vermögen, sondern auch Wohl-Sein versteht.
Die Probleme der innerstädtischen Peripherie
lassen sich sehr gut anhand der Entwicklung von
Kleinhüningen besehen.
Dieser Rückgang der
Einwohnerzahlen war und ist, wie beinahe zu erwarten, von einem Rückgang an
Arbeitsstätten und Arbeitsplätzen begleitet. Ein Rückgang der Bevölkerungszahl
trifft erst mal die Detailhändler, die bereits durch den Trend zu immer mehr
Grösse enorm unter Druck sind, sogar im Buchhandel (s. Jäggi).
Allein zwischen 1991 und 98 verlor Basel-Stadt ca. 22% ihrer Arbeitsplätze. Diese wurden in der angrenzenden Landschaft nur teilweise ersetzt - und dies vor allem durch Teilzeitstellen. Heute allerdings ist auch die Basler Agglomeration bereits stark verbaut.

Dass das Volkseinkommen nicht dem selben Trend folgte, liegt leider nicht daran, dass man (und Frau) in Basel eben mehr verdienen würde, sondern an dem, was in der Finanzwirtschaft verdient wird, also von denen, die von den Zinsen leben:
Der Anteil der Einkommen der Kapitalgesellschaften am gesamten Volkseinkommen beträgt ca. ein Drittel und ist damit deutlich höher als in jedem anderen Kanton. Im Index der kantonalen Volkseinkommen liegt Basel weiterhin auf dem zweiten Platz.
Gemessen am Einkommen der privaten Haushalte resultiert allerdings nur Platz fünf.
Finanzwirtschaft kann aber eine "normale" Wirtschaft nicht ersetzen. Wo keine Investitionen, da weder Kreditnehmer noch Arbeit - und wo keine Stellen, da keine Mieter (zumindest keine, die die Miete bezahlen können). Die paar Kläuse, die da denken, dass sie über die Finanzwirtschaft die Welt beherrschen, haben vielleicht recht. Aber wenn sie Menschen nach den Gesetzen der Finanz- und Kapitalmärkte regieren, wird bald nicht mehr viel da sein, zu regieren.
Zu der Branche gehören nämlich auch "Finanzgenies" wie Rey (Nichtbasler) oder Behring, Basler - mit besten Beziehungen zur Basler Politik, sogar links, über Anita Fetz, die zudem Verwaltungsrätin zweier Banken ist. Da steckt also eine Menge heisser Luft drin, in diesen "Einkommen der Kapitalgesellschaften".
http://www.statistik-bs.ch/themen/04/volkseinkommen72-02

Der
Mangel an Arbeitskräften wird durch Pendlerbewegungen, vor allem aus dem
Baselbiet, dem Laufenthal und dem Fricktal ...

aber auch durch Grenzgänger aus dem
Elsass und Deutschland ausgeglichen.


Die Graphik rechts macht
deutlich, dass die Pendler aus dem stadtnahen Baselland seit 1990, mit
zunehmender Liberalisierung, vor allem durch Grenzgänger aus Deutschland und
Frankreich ersetzt wurden.
Die
Gründe dafür sind banal, Sie brauchen bloss die relativen Bruttoinlandprodukte
zu vergleichen, die in direkter Relation zu den entsprechenden Löhnen stehen.
Die relative hohe Arbeitslosigkeit in Basel, besonders bei Jungendlichen, ist also wirklich äusserst relativ, da Basel weitaus mehr Stellen schafft, als es durch seine Bevölkerung, ja sogar die der umliegenden Kantone, füllen kann.
Mit noch etwas Recherche müsste sich also auch die Fragen beantworten lassen:
Hat die Arbeitslosigkeit in Basel wirklich etwas mit Qualifikationen zu tun? ... oder bleibt es ein unlösbares Dilemma für Anbieter einfacher Arbeitskraft, dass sie, in den Märkten, die von ihnen verlangen, sich zu international wettbewerbsfähigen Lohnkosten anzubieten, von diesem Lohn nicht leben können? Entwickelt vielleicht Basel ein Modell des "Wachstums ohne Bürger"?
Welche Art Wirtschaft entwickelt sich und floriert in Basel, seitdem die Stadt vom Wohn-Ort zum Attraktionszentrum für Pendler geworden ist.
Die zweite Frage ist rasch beantwortet:
Basel-Stadt ist ein Dienstleistungszentrum
für Finanz, Information, Unternehmen, und dies nicht nur für die angrenzenden Regionen der Schweiz, sondern auch Deutschlands und Frankreichs. Der Anteil des Dienstleistungssektors beträgt 73%, womit Basel nur hinter Genf und Zürich liegt. Es handelt sich dabei zu fast gleichen Teilen um Unternehmensdienstleistungen (Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Treuhand, Unternehmensberatung, Dienstleistungen von Beteiligungsgesellschaften, Architekturbüros und Reinigungsgewerbe), und Gesundheit/Sozialwesen.
Baselland liegt, was Dienstleistungen betrifft, mit 59.3% eben so deutlich unter dem Schweizer Mittelwert von 65.5% wie Basel-Stadt darüber.
Die Chemie beschäftigt 12% der Arbeitnehmer im Kanton Basel, und damit einen Viertel aller Chemie-mit-arbeiter der Schweiz. Zusammen mit dem Kanton Baselland wären es sogar 34%! Pharmazie macht dabei in der Stadt 70% der Beschäftigen aus, in der Landschaft die Hälfte.
http://www.statistik-bs.ch/themen/11/glossar/11PendlerVZ2000.pdf
Der erste Teil der ersten Frage lässt sich auch leicht beantworten: Der Anteil der Industrie nahm in Basel mit 14% etwas geringer ab als in der Schweiz (16%), was durch günstige Grenzgänger erleichtert wurde. Der zweite Teil der ersten Frage zeigt ein zu lösendes Problem: Die Dienstleistungsgesellschaft hat weniger einfache Jobs als die alte Industrie, die noch ohne Computer auskam. Zum Teil werden allerdings die Anforderungen künstlich hochgeschraubt, da für jeden Pipifax ein Diplom verlangt wird. (s. Kindergärtnerinnen, ein Job den ich hiermit nicht als Pipifaxjob deklarieren möchte, aber doch ein Job, bei dem eine Matur oder gar ein Studium nun wirklich rein gar nichts beiträgt. Um Himmels Willen, lasst doch zumindest im Kindergarten die Kinder noch spielen, die Schule schlägt früh genug zu. Und, je früher selektiert wird, desto länger sind die Ausgeschiedenen im Abseits und um so schwieriger werden Korrekturen).
Wird heute mit dem Finger auf die Arbeitslosen gezeigt, die wegen ihrer zu geringen Ausbildung und Qualifikationen eben arbeitslos seien, sollten diese vielleicht mal die Faust ballen, und auf die Qualifizierenden, insbesondere aber die primär De-Qualifizierenden (wozu leider ein grosser Teil der Personaldienste gehören), ein bisschen draufhauen (nur verbal bitte, sonst krieg ich hier Ärger wegen öffentlicher Unruhestiftung!), denn die sind mindestens ebenso Teil des Problems.
- Warum das berechtigt ist?
- Warum das berechtig ist: Wettbewerb zum selbsttätig alles ordnenden Prinzip zu erklären ist (sozialpolitische) Dummheit und Frechheit zugleich - was seit der Industrialisierung Manchesters als bekannt voraus gesetzt werden dürfte.

Dies um so mehr, als die wirtschaftliche Zukunft für Basel weitaus besser aussieht, als man auf Grund der bereits vollständig überbauten Fläche annehmen könnte:
Basel, noch mehr das Fricktal (da noch Raum vorhanden ...) haben ein Steigerungspotential in der Wertschöpfung das sogar deutlich über dem von Zürich und Genf liegt (die allerdings, dank besserer Standortsqualität, aufholen können und werden). Heureka! Unter diesen Bedingungen kann es sich Basel auch leisten, doch noch ein bisschen auf die alten Zopfträger zu hören, die nie an die reine Selbstregulierung der Wirtschaft glaubten, sonder, wenn auch patriarchalisch, immer die Verantwortung des Patrons für sein Gesinde als unablehnbaren Bestandteil des Wirtschaftens ansahen. (s. Geschichte der Chemischen Industrie von Basel).

Wenn Sie sich den Anteil ansehen, den die Siedlungsfläche im Umfeld von Basel-Stadt bereits belegt, und dazu den Anteil an Industriefläche zählen, dann bleibt, wie zu erwarten, so ca. 0.0% übrig. [Wie war das mit der Nachhaltigkeit in der Werkstatt Basel? ...]


Wo nichts ist kann auch nichts werden. Was freies Land betrifft, ist der Spruch leider nicht zu entkräften. Sie sehen deutlich etwas, das ich als langjähriger Rheinfelder (55-75, 82-88, 94-04) schon lange befürchtet habe: Auch Rheinfelden hat seine Landreserven praktisch verbaut. Der Speckgürtel zur Hälfte - und nun geht's dem stadtferneren Land an den Kragen. Diese Entwicklung ist nicht bloss eine landschaftsplanerische Katastrophe, sondern führt auch zu mehr Agglomerationsverkehr, s. Zürich.

Dass Basel-Stadt ausserhalb seiner Grenze wächst, liegt nicht nur daran, dass es voll bebaut ist. Ausserhalb lebt und produziert es sich auch günstiger. Dies gilt allerdings nur für den Speckgürtel der Stadt. Die strukturschwachen, stadtfernen Regionen müssen, wie die Stadt, überdurchschnittlich hohe Steuern erheben, um ihre Aufgaben erfüllen zu können - weil sie über unterdurchschnittlich begüterte Steuerzahler verfügen, genau wie die Stadt.
Dieses etwas unglückliche Sandwich: Speckgürtel zwischen Wasserkopf und Arsch (der Welt), gibt zu weiteren symbolischen Interpretationen Anlass. Das gegenwärtige Geschrei um mehr und schnelleren Strukturwandel will eigentlich bloss mehr des Selben, also noch mehr Speck am Speckgürtel. Wer möchte das in der reellen Welt schon? Auch mehr Speck am Wasser-Kopf, also ein Doppelkinn, scheint etwas fragwürdig. Diese Strukturen sind offensichtlich männlicher Art, denn Männer setzen ja bekanntlich Speck in der Mitte an - Frauen am Hintern. Was hier eindeutig nötig wäre, ist mehr Speck am Hintern, in den Randzonen, also mehr weibliche Wirtschaft, mehr Subsistenzwirtschaft, mehr Wirtschaft die Existenz und Sein fördert, statt Haben.

Die unterschiedlichen Niveaus regionaler Haushalteinkommen zeigen den Speckgürtel ebenfalls.
Das Sandwich Stadt-Land mit eingelegtem Speckgürtel zeigt eigentlich auch, wie widersinnig die Frontkämpfe zwischen SP und SVP sind, denn in beiden Fällen, Stadt wie Land, geht es eigentlich um das selbe Problem: Ist es die höchste Aufgabe der Wirtschaft, Geld zu vermehren - oder wäre es Aufgabe der Wirtschaft, eine gute Ordnung zu schaffen? Die Frage ist weit weniger idealistisch als sie tönen mag, denn Ökonomie kommt aus dem Griechischen. Oikos bedeutet Haus, Nomie Ordnung. Ökonomie wäre also die Ordnung im Haus (Ökologie die Kenntnis des Hauses) - und nicht die maximale Ausnutzung der Hausbewohner, noch weniger der Verkauf des Hauses. Bleiben wir grad beim Griechischen, nämlich dem Wort für eine Ansammlung von Häusern, mit gemeinsamen Strukturen, einer Verwaltung, Planungsorganen, nämlich der Stadt. Die Stadt, polis, definiert den Grundbegriff der Politik. Wenn Ihnen wieder mal was vorschwafelt von Wirtschaft, die durch Politik behindert wird, Politik, die durch Wirtschaft zu ersetzen sei, dann greifen Sie ganz einfach auf dieses Urbild zurück und fragen sich: Kann man eine Stadt wirklich auf die selbe Art managen wie ein Haus, d.h. eine Firma? Einige Gemeinden, inkl. Rheinfelden, haben Versuche gemacht mit Stadtmanagern, die ziemlich in die Hosen gingen. Aus demokratischer Perspektive wäre der Ansatz schlichtweg zu verbieten, es sei denn, das Haus werde genossenschaftlich verwaltet.
Dieses einfache Denkschema: Wirtschaft=Hauswirtschaft, Politik= Stadtverwaltung gibt Ihnen auch die Möglichkeit, die Ideen derjenigen besser zu verstehen, die von Politik rein gar nichts halten, also die Sozial- und Wirtschaftsanarchisten. Erstere basieren ihre Abneigung und ihr "Gesellschaftsmodell" auf der rousseauschen ländlichen Ideologie des reinen, guten und selbständigen Menschen, letztere auf der macht- und lustvollen darwinistisch-nietzscheanischen Durchsetzung des stärkeren Individuums oder Kollektivs. Die Wirtschaft, personalisiert als Händler, Produzent, Marketender, wurde in keiner traditionellen Gesellschaft hoch geehrt. Im Jemen z.B. gibt es 5 soziale Schichten. Zuoberst stehen die Abkömmlinge des Propheten Mohameds, gefolgt von den Korangelehrten, also die Weisen, die über die richtige Orientierung verfügen. Bereits an dritter Stelle jedoch der Hauptharst jeder traditionellen Gesellschaft, die Bauern. Stadtmenschen und Händler kommen als vierte Klasse, mit den Bediensteten, gerade noch vor der untersten, den Sklaven. Diese tiefe Rangierung verdanken sie vor allem der Tatsache, dass Händler heimatlose Gesellen sind, an keinen Stamm und kein Land gebunden. (Die global wirtschaftenden wären hier dann wohl noch eine Unterklasse der Unterklasse, was Heimatlosigkeit betrifft. Von Händlern ist also keinerlei Unterstützung lokaler Entwicklung zu erwarten, im Gegenteil, sie nutzen regionale Unterschiede, Beziehungen im Machtzentrum - billige Waren und Arbeitskräfte aus der Peripherie - zu ihrem eigenen Vorteil und sehen keinen Grund, sich hier ihr Geschäft zu versauen. Händler und die Wirtschaft machen also eine Politik von Heimaltlosen - leider nicht für Heimatlose, die ihnen selbst seltsamerweise eher verhasst sind, es sei denn, sie engagieren sich als billige Arbeitskräfte, also als würdige Vertreter der Peripherie.
Gerade das Modell Stadt macht jedoch bewusst, dass es hier Strukturen gibt, die unverzichtbare Funktionen erfüllen. Produziert die Wirtschaft inzwischen zum grossen Teil Überflüssiges, das mittels teurer PR zu unentbehrlichem hochstilisiert wird, auf das aber ohne Not verzichtet werden kann; so darf die Existenz nie als überflüssig erklärt werden - auch nicht durch den Markt. Die Politik, die Stadtordnung, muss also Existenz sichern. Dieser Auftrag steht höher als der, Vermögen und sich selber vermehrendes Kapital zu sichern.
Ein Problem, für das uns die Griechen leider keinen (akzeptablen) Lösungsansatz bieten, ist die Beziehung zwischen Stadt und Land, Städter und Bauern. Wie bei uns bis zur französischen Revolution waren die meisten Landarbeiter/Bauern Untertanen, wenn nicht Sklaven der Begüterten, was historisch die heutige Trennung von Basel-Stadt und Landschaft, Bern und Waadt, Zürich SP-Stadt und SVP-Land, mehr als verständlich macht. Da heute aber die Wirtschaft, d.h. das Kapital bestimmt, das auf stadtnahem Land lebt, so ein bisschen im politischen Niemandsland, müssen sich Städter und Ländler wieder verstehen lernen, denn sie leben vom selben Substrat und in der selben Landschaft. Die parteipolitischen Querelen um mehr oder weniger Staat sind hier leider nur Geplänkel, dass von reellen Problemen und Lösungen ablenkt. Eine Politik, die mit der Förderung bereits strukturstarker Regionen die bereits bestehenden Probleme noch verschärft, ist keine Politik die Probleme Löst und Chancen (für eine Mehrheit) schafft. Eine lösungsorientierte Politik muss nebst den Strukturen auch die Funktionen beachten, die von Strukturen erfüllt werden, ob diese nun rentieren oder nicht. Dazu braucht es, angesichts der Tatsache, dass Entwicklung von der Wirtschaft, nicht von der Politik getrieben wird, eine angepasstere Form der Politik als die traditionelle, von historischen Grenzen begrenzte, also eine Regionalpolitik [dies um so mehr als das dabei beliebte Standortmarketing eigentlich Betrug an der Mehrheit zu Gunsten einer kleinen Minderheit ist]. Die Konsenskonferenz der Werkstatt Basel hat hier einige Denkanstösse geliefert, die sich allerdings in der Förderung der regionalen Verkehrsstrukturen, dem Thema Wiedervereinigung Baselland-Baselstadt, der Harmonisierung des Bildungswesens und kleineren Beiträgen zu Sauberkeit, Verkehr, Ufergestaltung und Ausländerbeteiligung erschöpfen ... und vermutlich seither nicht weiter entwickelt wurden. Die Idee der Clusterförderung entspricht einer Umgehrung der bisherigen Strukturpolitik: Fördert die Starken, die Schwachen zu fördern ist Geldverschwendung. Auch dies ist kaum die Lösung. Die Regio Basiliensis richtet ihr Augenmerk vor allem auf den Oberrhein bis nach Strassburg, nicht aber auf das schweizerische Hinterland. Mein Eindruck: Die "Hausaufgaben" sind nicht gemacht, aber man ist bereits unterwegs zu neuen Horizonten.

Arbeitsplätze finden sich nach wie vor vor allem in der Stadt und dem Speckgürtel:

Globalisierung, Weltmarkt - die Macht der Grösse bei Rationalisierung und Restrukturierung. Sie sehen die Kritik meinerseits bestätigt durch die Realität. In der Stadt und im vorgelagerten gut erschlossenen Vorland liegen die international wettbewerbsfähigen Grossbetriebe, im Hinterland die kleinen, unrentablen, wenig produktiven Kleinbetriebe der Gewerbler und Bauern.

Folgende Graphik zeigt, dass mit der Bevölkerung auch die Arbeitsplätze aus der Stadt abwandern - in den Speckgürtel der Stadt und verkehrsgünstige Lagen. Während in den stadtfernsten Landgemeinden kaum Bewegung stattfindet, entvölkert sich der 3. Gürtel, der noch zwischen "Hinter den sieben Bergen .." und dem erweiterten Vorland der Stadt liegt. Die Stadt bestimmt also die Entwicklung bis weit hinaus "ins Kraut". Mit "die Stadt" ist allerdings nicht die Stadtpolitik gemeint, die sich eh ab und zu überschätzt, sondern das in der Stadt entstandene, ausserhalb des Stadtrandes versteuerte, Kapital.


Das Gesundheits- und Sozialwesen sollte nicht über den grünen Klee gelobt werden, weil es Stellen schafft, denn diese Stellen werden über Krankenkasse und Steuern bezahlt (Zwangsabgaben), und führen zu beträchtlichen Einschränkungen des privaten freien Konsumpotentials.

http://www.statistik-bs.ch/publikationen/stadt_region/heft2/sr_wirtschaft.pdf
M. Herzog, Basel, 17. Juni 2005
Die Freunde des Wachstums haben wieder einen Booster gefunden, der die Bauwirtschaft beschleunigen soll: Die Abschaffung der Lex Furgler/Koller, und weiterer bauverzögernder Gesetze. Die Kapitalhändler merken wieder, dass Boden einen exklusiven Wert hat. Exklusiv trifft hier auf das Härteste zu, denn wer Boden besitzt darf andere davon vertreiben. Je knapper Boden wird, desto enger wird es für die Vertriebenen. Bisher stellte dies nur ein Problem für landlose Bauern dar. Heute trifft es zunehmend "Gesindel" (Sarkozy) in den Vorstädten, das sich um so rascher vermehrt, je schneller der Zugang durch Privatisierung auf immer weniger Menschen beschränkt wird. Die durch die Pareto-Verteilung angestrebte 80/20 Gesellschaft besteht halt eben zu 80% aus "Gesindel" ... aber sind die wirklich alle selbst schuld, dass sie nicht zu den 20 gehören?
Seit 1980 hat sich die Zahl von Zweitwohnungen in der Schweiz von 240'000 fast verdoppelt auf 450'000!
Im Oberengadin macht
der Anteil an Zweitwohnungen nun 58% des Wohnungsbestandes aus.
(Das dadurch Probleme entstehen findet sogar die doch eher rechts
orientierte NZZ)
Bevor Sie auch in das Täterätätä der Wachstumsimpulse und Investitionsförderung einsteigen, sehen Sie sich doch mal ihre eigene Gemeinde an, was da in den letzten 50 oder 100 Jahren passiert ist - und stellen Sie sich dann vor, wie Ihre Gemeinde in 50 oder 100 Jahren aussieht, wenn das so weiter geht, oder gar noch gefördert wird.
| totale Bauzone ha | totale Bauzone ha | davon noch bebaubar in % |
| Wallis | 9264 | 51 |
| Uri | 1018 | 50 |
| Tessin | 9152 | 34 |
| Appenzell Ausserrhoden | 334 | 31 |
| Thurgau | 8657 | 29 |
| Schweiz | 220000 | 27 |
| Glarus | 1321 | 26 |
| Solothurn | 8625 | 26 |
| Schwyz | 3818 | 24 |
| Neuenburg | 4100 | 24 |
| Schaffhausen | 2431 | 23 |
| Waadt | 19597 | 23 |
| Zug | 1869 | 21 |
| Graubünden | 7302 | 21 |
| Baselland | 6696 | 20 |
| Aargau | 20223 | 20 |
| Appenzell Innerrhoden | 1452 | 19 |
| Nidwalden | 936 | 17 |
| Jura | 3822 | 17 |
| Obwalden | 929 | 16 |
| Zürich | 28314 | 15 |
| Genf | 7568 | 6 |
| Basel-Stadt | 1710 | 3 |
| Bern | 24380 | unbekannt |
| Luzern | 9210 | unbekannt |
| Freiburg | 11756 | unbekannt |
| St. Gallen | 11209 | unbekannt |
Das Bewusstsein, dass Boden nur beschränkt vorhanden ist, entsteht aus der Knappheit, also in den Städten. Wenig wundert's, dass von dort dann gerade noch der Natur- und Landschaftsschutz eingespannt wird (s. Initiative Naturreservat Alpen), um die Natur dort zu erhalten wo sie (für die Lokalen) noch im Übermass vorhanden ist, um um so leichter den letzten Resten an Halbnatur in Stadtnähe auch noch profitabel zupflastern zu können. Erleichterte Bebauung des Landwirtschaftslandes dürfte nur der 1. Schritt sein, das Geschrei um erleichterte Rodung von Wald dürfte bald folgen. Wer seine eigenen Boden versaut hat, dass ihm kaum ein Flecken Grün zur Erholung bleibt, ist selbst schuld und hat kein Anrecht darauf, die Entwicklung bei andern zu bremsen. Man muss solche Vorschläge also nach der Herkunft bewerten. Wenn das Wallis, Uri oder Tessin ein solches Projekt wünschen: sofort. Wenn der Vorschlag aus Basel, Genf oder Zürich kommt: Seht für den Zustand eurer Natur zuhause!
In dieser Beziehung graut mir am meisten vor dem Beitritt der Schweiz zu Europa, denn wenn Grenzen keine Rolle mehr spielen, würde die Umgebung von Basel und Genf innert weniger Jahre mit Wohnungen und Industrie Schweizer Provenienz zugepflästert. Es könnte also gut sein, dass unsere Nachbarn uns eigentlich recht dankbar sind dafür, dass wir uns fern halten und im Reduit bleiben.
Einem Wächter über diese Entwicklung wurde 2010 vom BAfU und BAK das Licht, per Sparzwang, ausgeknipst: Documenta Natura. Die Stiftung hatte für 20 Jahre den Wandel der Schweiz durch Bilder sichtbar gemacht. Das Archiv mit 50'000 Bildern geht an die ETH.
Seltsam ... wenn's nicht logisch wäre. Wohlsta nd wird gepredigt, Wohlstand durch Wachstum. Was dabei verschwindet, also den Wohlstand untergräbt, soll vergessen werden. Eigentlich brauchte es nicht weniger, sondern mehr solche Institutionen, die klar machen, was bei einem zu einseitigen Entwicklungsprogramm der Gesellschaft (Wachstum, Wachstum über alles!) die Folgen sind. Wie zu Zeiten als Jörg Müller mit Alle Jahre wieder saust der Presslufthammer nieder (1973) und Hier fällt ein Haus, dort steht ein Kran und ewig droht der Baggerzahn (1976) per Kinderbuch medienwirksam auf das Problem hinwies, wird weiterhin jede Sekunde 1 m2 Land verbaut (Nicht in Basel ... da is keines mehr übrig)..