Basel: Strukturen, Funktionen und Entwicklung der Stadt

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0: Die Entwicklung von Stadt und Land - am Beispiel Basel

1: Die Strukturen der Stadt, photographisch erkundet, vom Rande her:

1:- Dreiländereck, Klybeck, Wiese, Inselstrasse, 1b: Lange Erlen- Riehen, 2: Kleinhüningen, 3: St. Johann-St. Louis, 4: St. Louis Grenze bis Allschwil, 5: Bachletten 6: Bruderholz, 7: Brüglingen-Breite. 8:  Wettsteinbrücke-Hörnli-Bettingen. 9. Hirzbrunnen - Bäumlihof - Riehen // 

 

Basels Weg nach Oben ...

Oder:                                                         Wie sich das Hochhaus in die Stadt einschlich

Wie der photographische Rundgang um (demnächst durch) den Kanton Basel zeigt, ist Basel schon fast vollständig überbaut. Entwicklung findet also in zwei Richtungen statt: Jenseits der Grenze - und nach oben. Je nach Quartier zeigen sich hier beträchtliche Unterschiede:

Mathäus, Clara, Gundeldingen, Iselin sind am stärksten überbaut - Bettingen, noch vor Riehen, am Grünsten. Kleinhüningen ist hier etwas ein Blender, da die relativ geringe Besiedlungsdichte auf relativ grossen Flächen beruht die vom Hafen, der Kläranlage und anderen Industriebauten belegt werden.

Wohnbevölkerung, Fläche und Wohndichte des Kantons Basel-Stadt nach Wohnviertel Ende 2003
Gemeinde Wohnbevöl-   Fläche in Hektaren
  Einwohner pro Hektare
Wohnviertel
kerung
 
Zonen AS-61
Zonen AS-71
Gesamtfläche
 
Zonen AS-61
Zonen AS-71
Gesamtfläche
Stadt Basel 166 286   1 236,30 1 441,07 2 385,15   134,5 115,4 269,7
  Altstadt Grossbasel 2 088   35,05 35,05 37,63   59,6 59,6 55,5
  Vorstädte 4 557   59,90 59,90 89,66   76,1 76,1 50,8
  Am Ring 10 323   83,30 83,30 90,98   123,9 123,9 113,5
  Breite 8 366   45,10 49,00 68,39   185,5 170,7 122,3
  St. Alban5 9 903   156,16 195,01 294,46   63,4 50,8 33,6
  Gundeldingen5 18 271   87,65 88,35 123,19   208,5 206,8 148,3
  Bruderholz 8 851   150,05 150,05 259,61   59,0 59,0 34,1
  Bachletten 13 216   112,80 112,80 151,39   117,2 117,2 87,3
  Gotthelf 6 607   37,50 37,50 46,62   176,2 176,2 141,7
  Iselin 16 028   74,05 74,05 109,82   216,4 216,4 145,9
  St. Johann 17 980   87,08 148,43 223,90   206,5 121,1 80,3
  Altstadt Kleinbasel 2 317   21,50 21,50 24,21   107,8 107,8 95,7
  Clara 3 787   19,92 19,92 23,66   190,1 190,1 160,1
  Wettstein 5 398   49,80 49,80 75,44   108,4 108,4 71,6
  Hirzbrunnen 8 898   93,31 93,31 305,32   95,4 95,4 29,1
  Rosental 4 559   32,85 32,90 64,33   138,8 138,6 70,9
  Matthäus 15 580   51,10 51,10 59,14   304,9 304,9 263,4
  Klybeck 7 064   28,10 68,20 91,19   251,4 103,6 77,5
  Kleinhüningen 2 493   11,08 70,90 136,11   225,0 35,2 18,3
Riehen 20 721   388,28 388,28 1 087,13   53,4 53,4 319,1
Bettingen 1 206   36,70 36,70 222,69   32,9 32,9 5,4
Kanton Basel-Stadt 188 213   1 661,28 1 866,05 3 694,97   113,3 100,9 450,9

1Zonenarten: AS = Altstadt-, Schutz- und Schonzone, Zonen 2-6 = 2-6geschossige Bauweise, 2a = offene Bauweise, 2 = geschlossene Bauweise, 5a = auf Gebieten ausserhalb der Innerstadt, 7 = Industriezone. Flächen auf 5 Aren (0,05 Hektar) gerundet. Siehe Basler Zahlenspiegel 9/1974, Seite 8. 2Einschliesslich 110,10 ha Rheinanteil, welcher nicht auf die Wohnviertel aufgeteilt wird. 3Einschliesslich 1,03 ha Rheinanteil. 4Einschliesslich 111,13 ha Rheinanteil. 5Die mit Bewilligung vom 24.9.2002 in Kraft getretene Grenzänderung zwischen den Wohnvierteln St. Alban und Gundeldingen im Gebiet Bahnhof-Ost (Peter Merian-Haus/Jacob Burckhardt-Haus) hatte geringfügige Auswirkungen auf die Flächen dieser beiden Wohnviertel; die neuen Flächenwerte liegen leider noch nicht vor.

http://www.statistik-bs.ch/themen/01/bevoelkerungsstruktur/wohndichte/t0112203/view?searchterm=einwohner%20fläche

 

Wohnviertel Gesamtfläche   Wohnviertel Zonen AS-71
  Matthäus 263.4     Matthäus 304.9
  Clara 160.1     Iselin 216.4
  Gundeldingen 148.3     Gundeldingen 206.8
  Iselin 145.9     Clara 190.1
  Gotthelf 141.7     Gotthelf 176.2
  Breite 122.3     Breite 170.7
  Am Ring 113.5     Rosental 138.6
  Altstadt Kleinbasel 95.7     Am Ring 123.9
  Bachletten 87.3     St. Johann 121.1
  St. Johann 80.3     Bachletten 117.2
  Klybeck 77.5   Stadt Basel 115.4
  Wettstein 71.6     Wettstein 108.4
  Rosental 70.9     Altstadt Kleinbasel 107.8
Stadt Basel 69.7     Klybeck 103.6
  Altstadt Grossbasel 55.5   Kanton Basel-Stadt 100.9
Kanton Basel-Stadt 50.9     Hirzbrunnen 95.4
  Vorstädte 50.8     Vorstädte 76.1
  Bruderholz 34.1     Altstadt Grossbasel 59.6
  St. Alban5 33.6     Bruderholz 59
  Hirzbrunnen 29.1   Riehen 53.4
Riehen 19.1     St. Alban5 50.8
  Kleinhüningen 18.3     Kleinhüningen 35.2
Bettingen 5.4   Bettingen 32.9

Solche Bevölkerungsdichten haben andere Gemeinden der Schweiz pro km2, statt pro ha. Der Landesdurchschnitt liegt bei 170/km für die Schweiz, 333/km2 für Japan. Die Altstadt und die Vorstädte kommen nicht derart gut weg, weil sie so grün sind, sondern weil dort mehr Verwaltungs- als Wohngebäude stehen. Diese "Industriezone 2. Art wurde nicht speziell ausgewiesen.

Basel hat also bereits eine Besiedlungsdichte erreicht, die mit der internationaler Grosstädte vergleichbar ist:

  1. Hongkong 53'000 / km2 = 530/ha in einigen Stadtteilen, insbesondere auf Hongkong Island. http://www.demographia.com/db-hkuza.htm s.u.
  2. Tokyo 13'400 / km2 = 134 ha http://countrystudies.us/japan/51.htm
  3. New York 10'000 / km2 = 100/ha http://www.demographia.com/dm-nyc.htm

     

    > Die Grossstädte der letzten 5000 Jahre

    Hong Kong


     

     

     

     

    Hongkong ist also mit 7 Millionen Einwohnern bei weitem nicht die grösste (Bombay, 12 Millionen), wohl aber die am dichtesten besiedelte Stadt der Welt. Hier ist Hongkong nicht nur der Schweiz, sondern auch New York und allen andern Grossstädten voraus. Allerdings ist es mehr als nur fraglich, ob andere auch dorthin wollen, wohin diese Entwicklung Hongkong geführt hat: Laut Umfragen ist Hongkong der freudloseste Ort der Welt (nur 6% fühlen sich glücklich) und wird nur ab und zu noch geschlagen wird von der grössten Stadt Afrikas, Kairo. Dies insbesondere weil sonst nirgends auf der Welt so wenig Sex getrieben wird wie hier - und Sex offensichtlich für Glück entscheidend ist. [Das hätte einige Auswirkungen auf die Psychoanalyse nach Freud, die ja primär auf verdrängte sexuelle Faktoren als Ursachen psychischer Störungen setzt. Die Geburtenrate fiel so ebenfalls, schneller als irgendwo auf der Welt, in nur 20 Jahren von ca 3 auf 0.8 Kinder pro Frau, womit die Reproduktion, die ca. 2.2 erfordert, mehr als gefährdet ist. Im Vergleich mit den Überalterungsproblemen die Hongkong drohen, sind unsere Pipifax.

    Der äusserst niedrige Fortpflanzungserfolg zeigt deutlich, dass diese Form der Käfighaltung auch für Menschen nicht artgerecht ist!

    Mit 15 Selbstmorden pro Tag, insbesondere unter alten Menschen, die sich vermutlich von ihrer Familie verlassen fühlen, hat Hongkong mit 79/100'000 die höchste Selbstmordrate der Welt [Diese Daten stimmen allerdings nicht mit den der WHO überein.]. Der Grund? Die von einigen sogar unserer WirtschaftsführerInnen (insb. Eliane Canepa) so gelobte Produktivität, basierend auf nicht enden wollendem Einsatzwillen und Risikofreude bei minimalen Ansprüchen ... Eigenschaften die uns offenbar fehlen ... Gott sei dank: In Hongkong wird von 8-22 Uhr gearbeitet, incl. Samstag. Im Durchschnitt 55 h pro Woche. Das Wort Freizeit ist unbekannt, wird allenfalls aufgefüllt mit Essen und Einkaufen gehen. Kinder kriegen ihre erste Wettbewerbsversagenskrise wenn sie mit 2.5 Jahren die Aufnahmeprüfung in den Kindergarten nicht schaffen.

    Nein danke - zur Käfighaltung von Arbeitskräften!

    Die Stadt ist also quasi das schwarze Loch der Gesellschaft. Sie besitzt zwar noch Masse und Energie - strahlt aber nicht mehr aus, sondern zieht nur noch an und verschluckt alles, was in ihre Nähe kommt.

    [nach: Hongkong-Express. Keine Stadt ist schneller, keine produktiver. .... Kai Strittmatter/Michael Wolf (Photos links). Das Magazin 41-2005. S. 4047]

    s. auch: Kinder sind Sache der Proleten. Je reicher - desto impotent. & Je ärmer an Geld, desto reicher an Kindern.

    Ein Musterexemplar einer "Katastrophensiedlung" ist auch Corviale in Rom.

      

    Dies ist eine Seite von Hong Kong, welche die Freunde der global cities und des boomenden chinesischen Marktes gerne unterschlagen. Rentner sammeln müll, leben in aufgestapelten Käfigen, weil die Mieten für sie inzwischen viel zu hoch (oder die Renten zu tief sind, deshalb auch die ausserordentliche Selbstmorquote unter Hong Kongs Alten). Obwohl sich die Wirtschaft extrem positiv entwickelt, geschieht das Selbe mit der Armut auf der andern Seite der Gleichung. Auch die Armut hat sich in 10 Jahren verdoppelt.

Ein ähnlich grausliches Exemplar gibt es allerdings auch in Südafrika, den Ponte Tower. 173 m hoch, 1975 erbaut, erst Trauwohnung, dann Trauma von Wohnung durch Verslummung des Quartiers.


 

Dergleichen verkaufen uns die Leute die das bauen als "Zukunft", Vorbild Singapur, der autoritäre Stadtstaat.


 

Die kritiklos von tausenden von Websites und Journalisten immer wieder wiederholte Behauptung, der Gaza- Streifen habe die höchste Bevölkerungsdichte der Welt stimmt so also nicht [detaillierte und stimmige Analyse hier]:

1.5 Millionen Menschen leben dort auf auf 360 km2  = das mach nach Adam Riese 42/ha. Der Eindruck an Dichte wird verstärkt durch den immer noch beträchtlichen Anteil an Landwirtschaftsflächen (50%, 120 km2 bewässert, was die Dichte für Nichtlandwirtschaftsgebiet bereits auf 84 erhöht, also entsprechend dem Wohnviertel St. Johann - allerdings (ohne Landwirtschaft) auf einer Fläche die der fünffachen  des Kantons Basel-Stadt entspricht), wie auch den arabischen Baustil, der die Bauhöhe auf ein bis zwei Stockwerke beschränkt, so dass keiner auf den Nachbar heruntersehen kann, weil die meisten im Sommer gerne auf den Dächern schlafen. Hochhäuser sind aber auch dort, der Enge wegen, auf dem Vormarsch.
 

Eben so wenig stimmt die Behauptung, Bangladesh sei am dichtesten besiedelt (10/ha). Es kommt erst auf Platz 10, ist allerdings mit 144'000 km2 der grösste Staat mit einer derart dichten Besiedelung.

s. Länder nach Bevölkerungsdichte geordnet: [Macao], Monaco 1, Singapur 2, [Hongkong, Gibraltar, Gaza], Vatikan 3, Malta 4, Niederlande 15, Deutschland 34, Schweiz 44, Frankreich 68, Österreich 78, Island 188, Mongolei 193 (s. auch hier)

Solche Wohndichten lassen sich natürlich nur erreichen, wenn man übereinander wohnt. Hochhäuser sind allerdings nicht bloss hoch, weil sie das übereinander Wohnen und die Mehrfachnutzung begrenzten Bodens maximieren, sonder Hochhäuser sind die Kathedralen der Postmoderne. Strebten die mittelalterlichen Kathedralen in die Höhe, als Sinnbild für das Streben nach Gott, so streben unsere Hochhäuser in die Höhe, aus Beengung, aus dem Streben nach besserer Bodennutzung und, last not least, als Symbole der Macht, Monumente der Machbarkeit, technischer Machbarkeit. Sie sind Symbole der Herrschaft des Menschen über die Natur und für die Überwindung der Grenzen des Wachstums. Auf eine weitere Symbolik kommen Sie leicht, wenn Sie sich die islamische Form strebender Türme, der Minarette, ansehen.

Landwirte können ihre Flächen meist nur einmal, oder geteilt nutzen. Nicht mal was oberirdische und unterirdische Früchte betrifft, lässt sich mehr aus dem Boden herausholen, als die Sonne erlaubt. In der Industrie wurde von Anbeginn in die Höhe gebaut, zwecks Ableitung verstunkener Luft, zwecks Einrichtung oft riesiger Maschinen und Produktionsanlagen (Stahlproduktion z.B:, Lager ...). Ebenso verdichten lässt sich die Dienstleistung. Es bringt zwar meist wenig, 20 oder 40 Stockwerke mit dem selben Typ an Angebot zu füllen, denn es gibt ja nicht nur die Nachfrage nach Netzwerken, sondern auch die Konkurrenz.
Die Ersten: Die mit "der Kappe an":

So lange die Business- und Wohntürme in die Höhe wachsen können, kann eine Begrenztheit von Wachstum als Mär abgetan werden ... denken einige. Hier die grössten Klötze und Türme von Basel:

Basel hatte mit den Entenweid-Türmen die Nase vorn beim Hochhaus mit Dächlikappe. (1951)

Die Zweiten: Kristallklare Profite (es war einmal ...)

Der Mini-Pirelli
Bürohochhaus der Lonza, 1960–62
Münchensteinerstrasse 33, Basel
Architekten: Suter + Suter, Basel

1955–1960 baute ein Architektenteam unter Gio Ponti den Grattacielo Pirelli beim Mailänder Zentralbahnhof. Das kurz darauf erbaute Lonza-Hochhaus in Basel ist wie ein kleiner Bruder des Mailänder Baus. Doch: Die Kopie erreicht nicht die Qualität des Originals.

Der Ausgefallene, der Turm des Geldes

Der Finanzkühlturm
Bank für Internationalen
Zahlungsausgleich (BIZ), 1972–76
Centralbahnplatz 2, Basel
Architekten: Burckhardt + Partner

Ausgerechnet in Basel, wo der Widerstand gegen das KKW Kaiseraugst am heftigsten war, steht das an einen Kühlturm erinnernde Hochhaus der BIZ. Klobige Brüstungen und dunkle Scheiben sind typisch für die Bankenarchitektur der Siebzigerjahre: steril, pflegeleicht und seelenlos.

Der Widerstand entzündete sich in den frühen 70ern (da besuchte ich gerade das MNG nebenan) an diesem Symbol der Macht. Industriekonform gestaltete Betonklötze, die einfach die Bodennutzung maximieren, sind derart selbstverständlich geworden, dass sie kaum mehr auffallen. Beispielhaft waren die Diskussionen um den Kühlturm des BIZ, meines (nichtarchitektonischen) Erachtens ein ansprechendes Gebäude, das aber einigen Widerstand hervorrief, während der daneben liegende Klotz aus Beton, Glas und Stahl kaum zu Reaktionen führte.
 

Der Basler Messeturm, mit 105 Meter das höchste Haus der Schweiz.

http://www.emporis.com/ge/wm/ci/bu/sk/li/?id=100870&bt=9&ht=2&sro=1 Hochhäuser in Basel

Nachdem der Messeturm bald vom Prime Tower (Maag Tower) in Zürich, mit 126 m Höhe überragt werden soll, können die Basler das natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Mit dem Roche Hochhaus von 160m werden sie bald wieder "den grössten" haben.

Inzwischen fühlen sich nun auch die Genfer als "zu kurz geraten". Am Place Etoile soll ein Hochhaus von 175 m entstehen. Mal sehen, wer dann als nächster kommt. Die Berner stehen noch aus ...


 

Wie bei jedem Schwänzchenvergleich ging es nicht lange, bis Basel wieder was grösseres vorlegte, die Roche-Schnecke.

Da sich hier, so offenbar die Verwaltung der Roche, nicht alle erforderlichen Räumlichkeiten integrieren liessen (eine Bemerkung die bei den Künstlern Demeuron/Herzog schwere Verwunderung hervorrief), wurde das Projekt eingestellt - und ein neues entworfen:

<Toblerone Basel> (offizielle Bezeichnung: "Bau 1"). Ab 2015 sollen hier 1900 Menschen (na ja, wenn's wenigstens 2015 wären ...) auf 41 Stockwerken arbeiten. Mit 175 m dann wieder mal dem höchsten Gebäude der Schweiz.

Die Versteckten

Sperr-Strasse

Hirzbrunnen

Die Geldschachtel

 

Seit rund 15 Jahren beginnt sich das ganze Gebiet des Bahnhofs der Schweizerischen Bundesbahnen baulich intensiv zu verdichten. Im Westen Richtung Frankreich errichteten die Architekten Diener & Diener ein grosses Konferenz- und Ausbildungszentrum (1990-94) und Richard Meier ein Geschäftshaus (1995-98). Da sich beide Volumen an einer Strasse gegenüberstehen und die Grundstücke je am Talhang eines linksrheinischen Nebenflusses liegen, sind sie von der Talsohle mit 9 und 11 Geschossen als kleine Hochhäuser lesbar.

Das lecke Schiff:

In Sichtweite dieser beiden Bauten erstellten die SBB eine geschlossene Passerelle über das Gleisfeld nach Plänen von Cruz/Ortiz und Giraudi & Wettstein (Lugano). Diese bekam an der Fasnacht 2005 mindestens so viel häme ab wie Wasser durchlief. Allerdings ist es den Architekten in dem Falle wirklich gelungen, altes mit neuem zu verbinden. Das neubarocke Aufnahmegebäude (1904-1907 von Emil Faesch und Emanuel La Roche) wurde durch den Basler Architekten Nicolas Goetz sorgfältig umgestaltet. Die Haupthalle lässt sich insbesondere von der Passerelle von Cruz und Ortiz (2003) als ganzes erleben.

Im Zwischenraum gehen die Wellen noch hoch. Der Grosse Rat von Basel hat, entgegen den Empfehlungen der Bau und Raumplanungskommission (10 nein gegen 1 ja), dem Bebauungsplan und damit dem Hochhaus von  zugestimmt (71 Ja gegen 47 Nein). Es handelt sich um einen 50m hohen Turm unmittelbar neben der Markthalle. Diese ist eine der grössten der Welt, wird aber nicht mehr benutzt.

Der Grosse Rat stimmte dem emotionalen Geschäft heute nach über zweistündiger Debatte mit 71 Ja gegen 47 Nein bei keiner Enthaltung mit überraschender Deutlichkeit zu. Dieses Ergebnis bedeutet eine Desavouierung der vorberatenden Bau- und Raumplanungskommission, die mit überdeutlichen 10 zu 1 Stimme Rückweisung des Geschäfts an die Regierung beschlossen hatte.

Male and female 

Bericht der Bau- und Raumplanungskommission des Grossen Rates zum Ratschlag Nr. 9369 betreffend "Areal Markthalle" vom 4. April 2005 / 001285

http://www.onlinereports.ch/2005/MarkthalleHochhaus.htm

Produktionsschachteln / profitables Grün:

Westlich der Bahnhofs wurde bereits angerichtet: Block zu Block, Klotz auf Klotz, Kiste neben Kiste, Schachtel auf Schachtel. Ob wohl einer der Architekten dem Ding den rechten Namen gab? Ich würde vorschlagen: Profitables Grün. [Und entschuldige mich gleich vorweg bei den Eigentümern, die immer noch Mieter suchen ....]. Weitere Beispiel von profitablem Gründ und Tarngrün.

 

Interessanterweise werden bei allen Präsentationen von Hochhäusern in Basel die Bauten der chemischen Industrie im Westen der Stadt, im Rosental (s. Syngenta) und im Wettsteinquartier völlig unterschlagen (s. auch Klybeck & St. Johann), vermutlich einfach weil sie nicht viel mehr bieten, als ein alte Form des profitablen Grüns. Man scheint von der black box abgekommen zu sein. Grün beruhigt. Profitables Grün wie Tarngrün sind auch in Kleinhüningen leicht zu finden.

Novartis bei Dreirosenbrücke

Coop, Hafen St. Johann

Tomy & Frank [Nestlé]. Klybeck

Lagerhochklötze im Hafengebiet

M. Herzog, Dipl. Ing. ETH, Inselstrasse 62, 4057 Basel.