Basel-Stadt: Der Ring (besser Thorus oder Doughnut) zwischen Zentrum und Peripherie

1b1: Rosenthal, das Messequartier - Deutscher Bahnhof - Hirzbrunnen, das grüne Basel.

1b2: 1b2 Matthäus - Clara

http://www.statistik-bs.ch/kennzahlen/quartier/wv16/portrait

Der Badische Bahnhof wurde am 20. Februar 1855 eröffnet. Er stand damals am Riehenring, dort wo sich heute die Messehalle 1 befindet. Erst nach 58 Jahren, also 1913 wurde er an den heutigen Standort an der Schwarzwaldstrasse verschoben. Das macht sofort klar, warum sich die Messebauten, insbesondere Halle 1 bis 7, als schlauchartiger Riegel durch das Rosental-Quartier ziehen.

Am 27. Juli 1852 wurde der Staatsvertrag geschlossen, der heute in Riehen einige Probleme verursacht betr. der Zollfreistrasse. Er gestattete dem damaligen Grossherzogtum Baden die Eisenbahnlinien längs des Rheins, von Mannheim und Schaffhausen, wie aus dem Wiesenthal, nach Basel hinein zu ziehen. Die Zufahrt wurde allerdings auch nach der Verlegung nie wie geplant ausgebaut, da weder die Schweizer noch die Deutschen die Kosten dafür übernehmen wollen.

Details s. Urs Hobi, Vogel Gryff No 5. 4. März 2005, S. 8 http://www.vogelgryff.ch/Ausgaben/Ausgaben2005/vg_050304.pdf

1918 wurde auf dem Gelände des alten Bahnhofs ein erstes, hölzernes Messeprovisorium einweihte. Dieses wurde 1923 ein Raub der Flammen.

Das heute dominierende Hochhaus dort, der Messeturm, ist zwar das höchste der Schweiz, aber beleibe nicht das einzige der Stadt.
 

 

1954 weihte man den Rundbau (oben links), 1965 den Neubau Rosental (u. rechts, bereits Neubau des Neubaus), 1984 das Kongresszentrum am Riehenring (im Wohnviertel Clara) und kürzlich die neue Messehalle, welche die erste Halle in Massivkonstruktion ersetzt.

Bis 2012 wird nun auch Halle 3 durch einen Neubau ersetzt, weil die Besucherführung über die verschiedenen Etagen gelinde gesagt suboptimal war, und weil zudem Halle 6 auf dem Gelände des ehem. Deutschen Güterbahnhofs der Neubebauung der Erlenmatt weichen muss. Die Kosten werden sich auf ca. 350-500 Millionen Fr. belaufen (zum Vergleich: Der Messeturm, oben links, kostete 180 Millionen, Der Neubau der Halle 1 170 Millionen Fr..)
 

 


 

Auch in diesem Quartier hat sich die Chemie früh ausgebreitet. Syngenta belegt einen beträchlichen Teil des Geländes zwischen Messe und heutigem deutschem Bahnhof. Auch diese Industriegelände, heute mitten in der Stadt, wurde einstmals offenbar auf dem grünen Feld angelegt.

Die Parkanlagen (rechts) beim Badischen Bahnhof, zeigen, welche Art Park die Stadt am meisten liebt. Vor dem Park die Autobahn (Osttangente), die hier im Untergrund verschwindet ...


 


... um kurz danach wieder aufzutauchen,

den Verkehr nach Deutschland zu entlassen, und mit einem luftigen Linksschwung, als Nordtangente, im Maul des Drachen wieder unter zu tauchen.

Diese Autobahn wird den Rhein, unter der Dreirosenbrücke hängend, überqueren, wieder untertauchen, mit Anschluss an die Oberwelt beim Voltaplatz/Novartis Campus, um endgültig aufzutauchen kurz vor der Grenze zu Frankreich.


 

 

Der hier hoch aufschiessende seltsame Betonpilz ist die Entstinkungsanlage des Horburg-Tunnels.

 

Sein Begleiter, der Betondrache, Schluckt allen Verkehr Richtung Frankreich ...

(spuckt ihn leider aber bei der Dreirosenbrücke und an der Landesgrenze wieder aus.)

In der Nordecke wurde ein grosses Gebiet (19 ha) frei, da die Deutsche Bahn Mitte der 90er Jahre bekannt gab, dass sie den deutschen Güterbahnhof aufzugeben gedenke. Bis 2009 (erstreckt bis 2012) ist eine Zwischennutzung durch die neue Halle der Weltmesse für Uhren und Schmuck - Baselworld - geplant. Für danach wurde ein Gesamtbebauungsplan entwickelt. Aus den städtebaulichen Wettbewerben von 1996/97 und 2001/02 ging Ernst Niklaus Fausch von Aarau siegreich hervor. Sein Projekt wurde nach ausgiebigen Quartiervernehmlassungen unter partnerschaftlicher Leitung der Grundeigentümer (Vivico Real Estate GmbH, BRD. Die Erlenmatt ist nicht im Besitz Basels, ja nicht mal in Schweizer hand ...) und dem kantonalen Hochbau- und Planungsamt weiter entwickelt. In einem Vertrag wurde insbesondere auch festgelegt, dass der Kanton Basel-Stadt die vorgesehenen Allmenden und Grünflächen käuflich erwirbt. Für die gesamte bauliche Entwicklung der "Erlenmatt" wird mit rund 25 Jahren gerechnet.

Es handelt sich hier um eines der letzten Gebiete (wenn nicht das letzte überhaupt), in welchem ein ganzes Stadtquartier neu entwickelt werden kann. Die Möglichkeit, an diesem Ort eine grosse Zahl neuer und grosszügig angelegter Wohnungen entstehen zu lassen, ist für die Bevölkerungsentwicklung des Kantons Basel-Stadt höchst willkommen. Neben den Wohnungen werden in der "Erlenmatt" aber, wie es dem Charakter eines Stadtquartiers entspricht, auch Gewerbebetriebe und staatliche Dienste (insbesondere eine Schule) angesiedelt werden. Die grosszügige Ausstattung des Gebietes mit Frei- und Grünflächen soll wesentlich zur angestrebten hohen Standortqualität beitragen.

Im Baufeld N2 ist die Erstellung eines Hochhauses mit maximal 15 Geschossen und einer Gebäudehöhe von maximal 56 m vorgesehen. Dieses Baufeld befindet sich am westlichen Rand des Planungsperimeters über der Autobahn, die an dieser Stelle in Südrichtung in den Untergrund tritt. Das Hochhaus würde über dem Dach der Autobahn erstellt.

Das Baufeld N2 steht (als Nationalstrassengebiet) im Eigentum des Kantons Basel-Stadt. Das dort vorgesehene Hochhaus soll vom Kanton aus eigenen Mitteln erstellt werden. Es soll keine Wohnungen, sondern nur gewerblich nutzbare Räume enthalten. Beabsichtigt ist, dass die kantonale Verwaltung (z. B. das Baudepartement) einen Teil dieses Hochhauses belegen wird.

In demjenigen Projekt, welches aus dem zweiten Wettbewerb schliesslich als Sieger hervorging (Projekt Ernst Niklaus Fausch) war die Erstellung des hier zur Diskussion stehenden Hochhauses noch nicht vorgesehen; jedoch wurde das Hochhaus im Rahmen der im Anschluss an den zweiten Wettbewerb erfolgten Überarbeitung der beiden erstrangierten Projekte als Planungselement aufgenommen.

Das Hochhaus, als Gegenstück zum bestehenden "Thomy & Franck"-Gebäude, ist ein wichtiges Element der Gesamtplanung.

Bericht der Bau- und Raumplanungskommission des Grossen Rates zum Ratschlag Nr. 9299 betreffend Projekt "Erlenmatt" vom 28. April 2004 / 032187

http://www.erlenmatt.ch/ [top-präsentiertes Architektenballaballa], Nutzungsplan [Wohn- und Produktionskisten mit etwas Grün]

Bevor wir uns das ganze Architektengesülze von wegen Elementen und Schwung die architektonisch aufgenommen um- und abgeleitet werden wieder anhören müssen ... es ist einfacher. Diese Landschaft ist derart versaut durch Verkehrs- und Industriebauten, das kann auch durch ein Hochhaus nicht mehr schlimmer werden. (Punktum). Also baut was Ansehnliches ... und gut Schallisoliertes, denn es kommt direkt in die Umarmung der Bahn, Autobahn und verschiedenster anderer Strassen.

Was die Einsprüche betrifft, die lieber einen Park hätten, so ist doch zu sagen, dass die Gegend an 21/4-Seiten nicht nur durch eine Autobahn umfahren wird, sondern sogar durch eine Autobahn auf Stelzen - die man bis rüber an den Wiesenplatz hört. Das Grundstück dürfte also für einen Park eben so wenig geeignet sein wie zum Wohnen. Es gibt aber eine taugliche Alternative. Fenster lassen sich heute so gut isolieren, dass man mitten in einem Flughafen (z.B. Kempinsky Frankfurt) ruhig schlafen kann - allerdings bei geschlossenen Fenstern. Auch das hat zwei positive Aspekte:

  1. könnte man so Leute ansiedeln, die bereits beim Gedanken an ein offenes Fenster den Schnupfen kriegen (Bürolisten).

  2. wären Minergiegebäude, so gesehen, ideal für den Zweck.

Verkehr-te Welt

Hirzbrunnen

Wir können aus dieser Baugeschichte entnehmen, dass sich der Stadtrand von 1855 bis 1913 in die selbe Gegend verlagert hat wie der Bahnhof.

Zwischen der Jahrhundertwende und 1920 wurden der neue Badische Bahnhof und erste Häuser am Schorenweg gebaut. Bis zum Zweiten Weltkrieg folgten sowohl die Siedlung in der Schorenmatte als auch die Überbauung des gesamten Gebietes zwischen Riehenstrasse und Bäumlihofstrasse. Zu einem grossen Teil handelt es sich um Genossenschaftswohnungen, die dort erstellt wurden. Auf dem Hirzbrunnengut, das sich inmitten dieser Siedlungen befindet, wurde von den Schwestern des Klosters Ingenbohl das Claraspital errichtet, dessen Eröffnung 1928 erfolgte. Trotz der Grösse des Spitals, welches über die Jahre noch Gebäudeerweiterungen erfuhr, blieben die Hirzbrunnen-Villa und der grösste Teil des baumbestandenen Parkes erhalten.

Vom Schulhaus nordwärts erstreckt sich eine unbebaute Fläche, welche ebenfalls den Namen Bäumlihof trägt; sie gehört zum Landgut gleichen Namens, welches bereits auf Riehener Boden liegt. Ab den 60er Jahren wurden verschiedene Projekte zur Überbauung des Areals ausgearbeitet. In den 70er Jahren stimmten die Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons Basel-Stadt gegen eine Grossüberbauung, und 1983 wurde der Kanton in einer weiteren Volksabstimmung verpflichtet, das Gebiet zu naturschützerischen Zwecken zu erwerben.

Das Wohnviertel Hirzbrunnen verfügt über den grössten Freiflächenanteil aller Stadtquartiere, welcher zur Hauptsache aus dem bereits erwähnte Grüngürtel mit dem Bäumlihofareal, zum anderen aus den ‘Langen Erlen’, einem Waldgebiet entlang der Wiese,

Es war knapp ... Sie sehen, wie wenig gefehlt hätte, dass Basel-Stadt heute wirklich bis auf den letzten Quadratmeter überbaut wäre. Mit um so mehr Eifer hätten die Städter dann vermutlich Projekte gefördert, die Waldnutzung oder generell die Nutzung natürlicher Ressourcen anderswo bekämpfen, wie etwa das Alpenreservat, Verbot von Tropenholz etc..

 

Martin Herzog, Inselstrasse 2, 4057 Basel. 28. Juni 2005

[noch zu bearbeiten: Riehen-Bettingen // Wettstein, Clara, Matthäus, Ring, Vorstädte, Gundeldingen, St. Alban // Altstadt. Multiple Ring-Speichenstruktur: Der Speckgürtel]