Basel-Stadt: Photographische Erkundungen der Strukturen, vom Rande her - 7:

Brüglingen - St. Alban

[1: Dreiländereck, Klybeck, 1b: Lange Erlen- Riehen, Wiese, Inselstrasse, 2: Kleinhüningen ... 8:  Wettsteinbrücke-Hörnli-Bettingen / Wirtschaftsentwicklung]

Brüglingen (Sie erinnern sich an die Grün 80?) ist ein weitere grüne Oase neben Basel, gerade jenseits der Grenze zum Baselland.

 


 

Eine herrliche Oase im Grünen ....

 


 


 

Vor dem Bus das Fussballstadion Basel, vor dem Kran ein Konsumpalast. Rechts wäre noch die Sporthalle und das Schwimmbad St. Jakob. (St. Jakob, gen. Infos).

Hiess es bei Shakesbier (... nee, schmeckt ja nicht mehr), Shakespeare: Much ado about nothing (viel Getue um nichts), so muss man hier sagen (auch wenn's, wie der Klotz in Münchenstein) von einem Namensvetter stammt): Viel Beton um wenig Grün.


 

Eisenbahn, Autobahn, Strassenbahn ... und alle müssen über die Birs. An dieser, wie an der gegenüberliegenden Ecke Basels, wurden der Mobilität Denkmäler aus Beton gegossen. Denk mal.

 


 

Falls Sie sich hier in der Wildnis wähnen sind Sie im Irrtum. Lins Wohnblocks, rechts Wohnblocks ... und dazwischen riecht's leicht vergammelt. Dennoch, die Renaturierung ist recht gut geglückt.

 


 

Auch dies eine optische Täuschung, falls Sie sich auf dem Lande wähnen. Diese romantische Perspektive vermittelt Ihnen bloss der Photograph, der was zwischen den Wohnsilos rauspiekt.

 


 

Birskopf: Die Einmündung der Birs in den Rhein. Kleines Schwimmbad, Schrebergärten, Grünzone zum Sonnenbaden und Schwimmen, wie übrigens das ganze Birsigufer ... an dem leider nicht alle ihren Dreck wieder mitnehmen, sondern sich auf die guten Reinigungsdienste der Stadt verlassen. [Der Abfallkorb hier ist nicht gemeint, sondern verschiedene wilde Deponien entlang des Ufers].

[von der gegenüberliegenden Seite]


 

Jenseits des Rheines, im Solitude-Park, das Tinguely Museum von Mario Botta.


 

Der St.Alban Rheinweg


 

... mit Platanenallee

 


 

Ein Rest alter Stadtmauer bei St.Alban

 


 

- und ein Holzrad an einem der alten Gewerbekanäle. Hier war also das mittelalterliche Industriequartier, mit entsprechendem Lärm und Gerüchen (Gerbereien). Dieses Quartier, zu Baselditsch s Dalbeloch, ist auch die Urheimat des Basler Daigs, der Urbasler, die sich, sobald zu Geld gekommen, allerdings dann lieber etwas höher, im Gellert, oder später ganz oben, im Bruderholz niederliessen.

Nun, obwohl ich dies im Geschichtsunterricht des Basler MNG (math. natw. Gymnasium) so gelernt habe, dürfte es sich um ein Gerücht handeln, denn der Harrst der arrivierten Basler Pfeffersäcke, hier Daig oder Daigg, anderswo Kuchen genannt, wird von Einwanderern gebildet: Die französisch klingenden sind entweder Nachfahren hugenottischer Flüchtlinge, die das Urgewerbe der Basler, die Seidenweberei mitgebracht hatten. Andere, wie auch die grösste "Basler" Familie, die Burckhardts, mit Zekadete, aus Baden, dem Herzogtum Schwaben, oder aus andern Gefilden des heutigen Deutschlands. Diese Neubürger brachten Basel das Wissen der Papierfabrikation mit. Aber auch aus Holland (Bernoulli) oder Italien (Socin, aus Siena) zog man gerne nach Basel. Auskunft. Das Dalbeloch war kein übliches Strassendorf, sondern eine geschlossene Siedlung der Cluniazenser, die erst im Verlauf des 13. JH. an die Stadt angeschlossen wurde.

Der Basler Rat hatte ein ausgefeiltes System, nach dem als Bürger nur aufgenommen wurde, wer der Stadt Geld, Ruhm, Ehre - der zumindest wertvolles künstlerisches und handwerkliches Wissen brachte.

Einmal oben angekommen, residiert man mit Vorliebe auf dem Münsterhügel. Diejenigen die gar zu Landherren werden wollten, erwarben sich Güter in Riehen, wie die Geigys, die sich 1876/78 die Villa auf dem Bäumlihofareal errichten liessen. In der Innenstadt lebte das Patriziat, der Pöbel wurde in die Vorstädte gedrängt. Das gilt noch heute. Für ein Studio an der Rheingasse, mit Blick auf Münster, wurden so bereits vor 25 Jahren 2500 Fr. Miete pro Monat bezahlt - von ausländischen Fachkräften der Pharma und Chemie. Die Entwicklung der Agglomeration im angrenzenden Kanton Baselland, d.h. Allschwil, Binningen, Bottmingen, Reinach, Münchenstein etc explodierte erst in der zweiten Hälfte des 20. JHs.

Ganz in der Nähe auch das Museum für Gegenwartskunst.

Apropos Gerbereien und Gerüche: Die sind natürlich beide weg. Sie finden hier mehrere ausgezeichnete Restaurants wo Sie an der frischen Luft speisen können.


 

M. Herzog, Basel, 21.6.2005