
1. Definition KULTUR
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Der Zweck aller Kultur ist es, Wissenschaft und Kunst unentbehrlich zu machen. Arthur Schnitzler
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Weitere Definitionen:
Von Kultur war erstmals die Rede, als Menschen in der Agri-Kultur begannen den Boden zu bearbeiten. Nach Kant ist Kultur die moralische Setzung und Nutzung seiner Zwecke durch den Menschen. Kultur umfasst heute die ganze Pflege des Geistes, also Sprache, Religion, Ethik, Institutionen (Familie, Staat, Wirtschaft ...), Recht, Technik, Kunst, Musik, Philosophie und Wissenschaft. Kultur dient als Orientierung und Motivation für unser Handeln. Nach der bewussten Landnutzung zweiter Ursprung der Kultur war die Zivilisierung durch das Leben in der Stadt (civis). Für Karl Jaspers (Von der Wahrheit) ist Kultur alles was der Menschengeist hervorgebracht hat, also Sprache; Gemeinschaft, Gesellschaft; Handwerk & Technik; Wirtschaft; Mythos, Religion; Sitten, Ethos; Institutionen, Staat, Politik, Recht; Kunst, Dichtung, Wissenschaft, Philosophie. |
Wenn wir eine Sprache verlieren, ist das , als ob man eine Bombe in den Louvre wirft. Ken Hale, Prof. Linguistik, MIT
So viel Sprachen ich kenne, so oft bin ich Mensch. Karl V. |
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Der Uranfang aller Kultur, also der bewussten Gestaltung und Handlung, liegt allerdings noch weiter zurück, denn er liegt in der Sprache. Bereits bei Moses heisst es: Im Anfang war das Wort, und das Wort war Gott. Definition Logos (gr.): ursprünglich Wort, Rede, Sprache; dann Gedanke, Begriff, Vernunft, Sinn, Weltgesetz (Philos. Wörterbuch. Kröner). Anwendungen dieser Grundsätze:.
Argumente sind aber meist selbst von unterschiedlicher Gültigkeit je nach Kultur:
Kultur und Werte sind also keine objektiven, weltweit absolut gültigen Tatsachen - und damit nicht Sache der Wissenschaften. Kultur schafft Werte und Werte schaffen Kultur (s. http://www.brainworker.ch/waldphilosophie/wertesystem.htm). |
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2. Wirkung und Bedeutung von Kultur
http://www.brainworker.ch/situationsanalyse.htm Kultur basiert auf Werten, insbesondere auf Commitment, auf Verantwortung - d.h. auf Engagement und Verpflichtung. ... Schön wär's! Offenbar entspricht dies schon länger nicht mehr der Realität, denn sogar unser Kulturbegriff wurde vom wirtschaftlichen Denken umgeprägt. Erstens wurde Kultur reduziert auf Kunst (und allenfalls Umgangsformen, also normiertes Verhalten). Zweitens wurde Kultur damit zum Marktprodukt das sich je länger je mehr dem Medium Geld unterordnet. Der kulturelle Auftrag ist als ethischer Auftrag nicht zu finanzieren, denn wer sich bezahlen lässt, lässt sich gleichzeitig kaufen. [Der wichtigste Grund, warum Händler, wenn auch oft sehr reich, in traditionellen Kulturen wie im Jemen, oder sogar bei uns im Mittelalter, nur geringes Ansehen genossen.] Kulturwandel durch Unterhaltung? Die EVENTualisierung der Nachhaltigkeit3. KulturkritikKulturkritik ist klar eine Kritik der herrschenden Ordnung, des Systems, also zumeist Aufgabe der Intellektuellen. Bei Diogenes und Rousseau ist sie dazu eine Kritik der Kultur generell, verbunden mit dem Lob der unverfälschten Natur. Beispiele für berechtigte Kulturkritik:
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Er warnte sogar Diotima davor, in ihre schöngeistigen Regierungsgeschäfte zu viel Ehrgeiz zu setzen, denn wenn Kultur auch sozusagen das Salz in der Speise des Lebens sei, so liebe die feine Gesellschaft doch nicht eine allzu gesalzene Küche. Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. S. 106:
In allem nur dem Vorteil nachgehen,
Konfuzius
Die einzige Kunst in der modernen Kunst ist es,
Diese Anschauung dürfte von vielen geteilt werden, ist aber falsch *. Ich war grad an der Art Basel (... die definitiv die 35 Fr. Eintritt wert ist) und entgegen meiner Vor-Urteile über moderne Kunst muss ich gestehen, dass diese Kunst (generell, natürlich nicht jeder Künstler) immer noch die alten Ansprüche erfüllt:
Sie bediehnt sich dazu heute einfach einer viel breiterern Palette von Werkzeugen. Insbesondere "Installationen", meist mit Video, brauchen ganze Räume, in denen sie Atmosphäre schaffen, also nicht bloss Bilder oder Plastiken. s. Hirschhorn <Hotel Democracy>, das laut Hirschhorn offenbar die Vielfalt demokratischer Ansätze zeigen soll - aber auf mich eher wirkt wie äusserst realistische Darstellung der Situation der meisten Menschen heute, die, jeder für sich, in kleinen Kämmerlein sitzen, mit billigen Möbeln, lausiger Architektur, ohne Gemeinschaft, und dennoch den Eindruck haben, wie Käfighühner, ihr Käfig sei die Welt. Macht betroffen ... oder Qiu Anxiong, der für <staring into amnesia> einen ganzen, stinkigen, lärmigen Eisenbahnwagen auffährt, an dessen Fenster die Geschichte Chinas per Video von aussen projiziert wird.
______ Fiona
Hall (wiki)
__________ "Kultur" wurde längst zum Wirtschaftsgut,. d.h. man kann sich Kultur kaufen. Auch hierfür ist die Art Basel ein gutes paradoxes Beispiel. Obwohl viele Künstler auf Probleme der zerrissenen und verkauften Welt aufmerksam machen - machen sie genau hier, in der Arte, bei dem Spiel auch als Täter mit. Je mehr Geld, desto Kultur. Das zeigt sich am besten an den Spitzen-Preisen:
2009 ging allerdings auch diese Kunst den Weg aller Werte: Christie's Impressionist and Modern Art
Das selbe gilt inzwischen (leider) auch für Weine, besonders die klassischen aus dem Bordeaux. Zum Glück haben sich die Fähigkeiten der meisten Winzer - sogar in der Schweiz - hier aber generell so verbessert, dass es immer noch ausreichend ausgezeichnete Weine gibt. Also lieber einen kultivierten Primitivo als solch primitive Kultur. * na ja, allerdings auch nicht 100% falsch. Manchmal weiss man nicht recht, ob das Gerümpel das rumliegt nun die Kunst ist ... oder eben der Dreck, den die Räuber zurückgelassen haben. Ohne Witz. Ein Werk hiess in etwa: Seine Seele ist entfleucht. Es bestand aus einem Drahtgestell, ein paar Latten und eine Handvoll Dreck am Boden. Gleich nebenan eine Reihe von 20 m mit Kameras, Taschen, Leitern etc. .... also da wusste man echt nicht, ob nun jemand filmt oder ob das eben auch eine "Installation" ist etwa Namens: <Medienarbeit>. Ebenso die Auslagen, in denen Hämmer, Nägel, Schrauben und Bohrer rumlagen: Bereits demontiert, oder vor der Montage, oder hab ich das Schild übersehen <Der Künstler als Konstrukteur>? Es ist also nich einfach für Museen wie Private, heute Kunst einzukaufen. Glücklicherweise wird man von den humorigen Mondmenschen Ugo Rondinones verabschiedet, nimmt das ganze also nicht all zu tragisch ... |
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4. Praktische Anwendung: Kultur schaffen
Wir erkennen aus dem von Cernea vor 15 Jahren formulierten grundlegenden Problem der Waldwirtschaft in wenig entwickelten Ländern, dass hier eine Forstkultur, ein pfleglicher Umgang mit der natürlichen Ressource Wald erst noch geschaffen werden muss. Dies war der Ansatz zur Forschungsarbeit im Yemen. http://www.brainworker.ch/Dialog/sozfor.htm (D. s.u. englische Texte) Kultur ist kein Handelsgut, sondern eine Sache des offenen Dialogs. Überall wo sog. Verhaltensänderungen nötig sind, also ein Wandel des Handelns, ein Kulturwandel, muss für diese neuer Sinn und für diesen Sinn(eswandel) neue Akzeptanz geschaffen werden. Eine klassische Aufgabe für analysierende Intellektuelle wie für Kultur schaffende. s. Soziale Forstwirtschaft als aktive Entwicklung gesellschaftlicher Strukturen. Zur Topik als primärem Instrument Kulturen zu verstehen und zu modellieren: http://www.brainworker.ch/reports/yemen/Topik.htm Kultur darf sich nicht zu sehr auf Bildung, Malerei, Literatur, Architektur beschränken, sich verästhetisieren und völlig ätherisch werden. Kultur muss real bleiben. Kultur ist Agri-Kultur, Sylvi-Kultur, Städtebau, Landbau, Maschinenbau, das Werk der Ingenieure und aller aktiv Gestaltenden. Das gegenwärtige Kulturverständnis ist zu eng, zu elitär, zu evasiv. Es kann zu leicht als Konsumgut und Event genossen werden. Wie man früher, als noch die Religion(en) die Kultur bestimmten, während sechs Tagen wohlgemut sündigte, und sich am siebenten vom Pfarrer dafür beschimpfen liess, um dann wohlgemut und gereinigt im selben Stil weiter zu machen, so wird heute Kultur zum Konsumgut. Descartes:
Und die Aufgabe des Kulturschaffens, die eigentlich Sache der Gesellschaft wäre, wird Spezialisten überlassen. In manchen Gemeinden betreiben diese allerdings eine derart volksnahe und konservative Kulturpolitik, dass Fasnacht, Fussball und Jahrmärkte zu den wichtigsten kulturellen Ereignissen werden. Hier geht die eigentliche Funktion von Kultur, die materialistische Orientierung durch eine Wertorientierung zu ergänzen, ... flöten. http://www.brainworker.ch/zynismus/ Im Jemen z.B. sind es vier Faktoren, welche die Vernunft bestimmen: Natur, Kultur, Religion und Politik. Die rhetorische Frage: Ist der Entwicklungsexperte als Beamter vorstellbar - die man auch so formulieren könnte: Lässt sich Entwicklung wissenschaftliche begründen und als Auftrag formulieren, kann und muss also mit einem nein beantwortet werden. Entwicklungszusammenarbeit, speziell soziale Forstwirtschaft, konnte sich nie und kann sich nicht auf rein technische Kooperation beschränken, denn sie immer mit einem Wandel von Weltanschauung verbunden. Jede Einführung neuer "Techniken", Verfahren und Geräte, sei sie noch so objektiv, sachbezogen, "desinteressiert" und nicht-involviert, bringt eine Veränderung der Art und Weise mit sich, wie die Welt gesehen wird und wie mit ihr umgegangen wird - also einen Kulturwandel. Entwicklungszusammenarbeit hat also immer politische Aspekte - wenn auch meist eher lokalpolitische. Darum ist sie gemeinsam mit den lokalen Denkern und Akteuren zu betreiben, den Denkern und den Interpretatoren von handlungsanleitendem Orientierungswissen. In einem Land wie Jemen, wo das topische Konzept erarbeitet und erprobt wurde, sind dies vor allem die religiösen Führer (Qadis, Imame, Vorbeter und Prediger), sowie die politisch Leitenden wie die Scheichs und ihre Berater, die Dorfweisen ("aqil"). Diese Interpretieren gegebene (religiöse und tribale) Handlungsnormen und nur sie können neue Normen (eine neue, erweiterte Ethik) einführen. |
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War früher das Problem, das der Kultur im Wege stand wenn sie wirksam werden wollte, dass sie elysisch, elitär, eklektizistisch, elegisch, schöngeistig, kurzum ziemlich abgehoben, war, so liegt das Problem heute eher in der Vermarktung von Kultur über gefühlsduselige Events deren Wirkung mit dem Kater des folgenden Tages auch gleich verrauscht. Dies ist um so erstaunlicher, als offenbar die Definition von Kultur nirgends bestritten wird, die sich zusammenfassen lässt zu: Die Art und Weise zu leben - die Veredelung des Lebens. Nichtsdestoweniger wird Kultur praktisch mit Kunst gleich gesetzt. Kunst ist aber "bloss" der Dekor des täglichen Lebens, die Schlagsahne. Kultur jedoch sollte sich auch mit dem Substrat, dem Boden, dieses Lebens befassen. Kultur muss also wieder Orientierung bieten können, Orientierung darüber, wie die Welt am besten und schönsten zu organisieren wäre, also eine Wertorientierung:
Was Sie im Internet zum Stichwort Kultur geboten kriegen, ist, leider, eine mittlere Katastrophe. Diese Zusammenfassung hier (wie der Beitrag zu den Intellektuellen) ist eigentlich zurückzuführen auf den im Tagesanzeiger publizierten Artikel von Thierry Chervel auf http://www.perlentaucher.de/artikel/1598.html: Die europäische Öffentlichkeit (insbesondere die Intellektuellen) hat Angst vorm Netz. Der Artikel ist gut, aber die Angst absurd, denn eigentlich ist das Internet das ideale Medium für Denker. Hier lässt sich etwas andenken, mit Links belegen, in zusätzlichen Beiträgen ausführen, mit spannenden Geschichten attraktiver Gestalten - und vor allem, beliebig weiter entwickeln und differenzieren. Gerade hier lässt sich, wie in keinem andern Medium, die Sartresche Funktion des Intellektuellen als incorruptible leben: Hier bezahlt kein Schwein für Denkleistungen - also muss sich aber auch kein Denker verkaufen und damit kaufen lassen! Die Welt des Denkens könnte hier so blühende Wiesen anlegen, wie z.B., äh hum, www.brainworker.ch. Die Realität sieht leider anders aus. Selbst in erstklassigen Gefässen wie www.perlentaucher.de, http://www.forumcivique.org/ sind hunderte erstklassiger Beiträge zu finden, d.h. sie wären dort zu finden. Aber sie liegen dort irgendwie in Schachteln verpackt, unverlinkt, unindiziert, unübersichtlich - also unzugänglich und weitgehend unwirksam. Kein wirksamer, also kein intelligenter Webdesign. Noch unwirksamer sind Hefte die sich in Antiquarien stapeln, wie die von Lettre International, der besten Kulturzeitschrift die ich kenne, oder die (leider eingegangene) Kulturzeitschrift Individualität. http://www.kultur-netz.de/ versteckt sich hinter einem nicht funktionierenden Javascript, DU bietet schönen Design aber keine Infos. [Was die gedruckte Zeitschrift betrifft, bekennt sich die Redaktion allerdings klar zu einem Kulturkonzept, das über die Gleichsetzung von Kultur und Kunst hinaus geht.] http://www.baselkultur.ch/ bietet unter Neue Medien: Kulturelles Angebot Was Basel in Sachen Kultur zu bieten hat, erfahren Sie hier. Tipps, wo Sie nach dem Besuch einer Veranstaltung essen gehen können finden Sie ebenfalls hier, unter -> Tourismus -> Restaurantführer. Kulturen im Plural kommen auch nicht viel besser weg, mit Ausnahme des Hauses der Kulturen der Welt überwiegt der Karneval. http://www.kulturen.ch/, die Website des Kulturfestivals, ein eindrückliches Event, mit grossem Engagement seitens Ruedi Berners aufgebaut, das tausende von Besuchern nach Rheinfelden zieht, vermag auf dem Internet keine Wirkung zu erzielen. Auf englisch sieht's kaum besser aus. Das webofculture, Platz 1 bei Google, bietet nichts ausser: Questions? Please contact: info@webofculture.bla.. . Looking for Global Savvy? Go here . Und dergleichen mehr, ad infinitum. Kulturschaffende wie Intellektuelle verpassen Chancen die das Internet ihnen bietet. Wie das zu ändern wäre? s. Die Brainworker-Formel von hewww: Webdesign_für Intelligente Allerdings ... darf man bei allen hehren Ideen über Kultur nicht vergessen, dass Kultur meist als Subkultur beginnt, und diese oft im Unterhaltungsbereich, präziser: In den Nachtclubs und Cabarets. Wo holten sich Schriftsteller und Maler ihre Inspirationen? Musterbeispiel der klassischen Art ist der Montparnasse in Paris, das Cabaret Renz in Wien. Jazz konnte sich entwickeln, weil die Musiker in Bars und Nightclubs ein Auskommen fanden. Man sollte also den Unterhaltungswert von Kunst nie unterschätzen ... eben so wenig wie den Verlust an Gehalt, wenn der monetarisierbare (versilberbare) Unterhaltungswert zum einzigen Wert einer kulturellen Veranstaltung wird. |
Kommentare zur Art Basel 40, 14.6.09:
Leider hat das Modell "Gerümpel auf einen Haufen werfen und Schild dazuhängen" am meisten Zuwachs erziehlt. Also an dieser Messe dürfen am Abend nach Torschluss auf keinen Fall Putztruppen reingelassen werden, ansonsten müssten die Aussteller, vor allem aus der Sektion Installationen, am nächsten Morgen die Hälfte ihrer Exponate aus dem Abfallcontainer grübeln. Es hat immer wieder ein paar amüsante, ja sogar erweckende Dinge, aber die Grenze zu ziehen zwischen Kunst und Gerümpel wird immer schwieriger. Also in einem sind die Leute auf jeden Fall Künstler: Irgend einem reichen Sack das Geld aus eben jenem zu ziehen.
Die Ausstellung macht den Eindruck, der Weltuntergang stehe vor der Tür. Eine solche Menge an Schrott als Kunst aufzustellen würde sich doch sonst niemand leisten, oder?
Hier noch ein paar positive Beispiele, na ja, aus meiner Sicht:
Komplexe Struktur - vor der Dunkelheit, dem Knall? |
Eine verschraubte Welt? Nur durch massive Stahlkontstruktionen zusammen zu halten. |
Der heutige Denker muss, bevor er denkt, sich erst mal selbst zusammenfügen. |
Eine rechtwinklig organisierte Welt hat immer mehr Mühe sich aufrecht zu erhalten (Robert Willie) |
Selbst für Anna (Slumberland Anna v. Jeome Plens) ist die Welt so hirnrissig, dass sie sich nur noch im Schlaf ertragen lässt. |
Und die arme ist beim Schlafen grad völlig aus den Fugen gegangen. Positiver ausgedrückt: Geist ruht entspannt auf Körper. Mens sana supra corpore sano. |
Art Basel 41 (19.6.2010): Noch immer fragt man sich bei manchem Haufen aus Beleuchtungskörpern, Kabeln und Drähten, ob da die Aufräumequippe wieder mal das Gerümpel vom Aufbau der Messe hat liegen lassen. Vermutlich kann uns derartiges nur erspart bleiben, wenn sich ab und zu ein Besucher auch traut, seine Meinung hörbar kunzutun: Was für ein Haufen Sch..., was für ein Gerümpel! Apropos Haufen Sch..., den gibt's wirklich. Sieht aus wie wenn der Künstler seinen Dünnpfiff getrocknet, als Form in Gibs gegossen, und vergoldet hätte ... zwecks Vergoldung am Markt.
Auffallend dieses Jahr die vielen Werke die sich mit irgend einem Typ von Naturgesetz oder der Natur (Almond Darren, auseinander setzen. (Bill Viola: Pneuma. Installation: Es werde Licht, ...) Einige machen deutlich, dass eigenltich auch die Wissenschaften in ihren Präsentationen of Kunst bieten, besonders wenn sie sich anstrengen (müssen), über die Publikation von Daten und Berechnungen hinaus. Eines der schönsten Stücke: Afrikanerin an die Wand gelehnt, war vermutlich allerdings bloss eine Besucherin ... (Na ja, Kunst hat viele Seiten ...) Bewundernswert ist allerdings die grosse Varianz, mit welcher Künstler ihre Betrachtungen präsentieren. Bringt mich zu einer eigenen Definition von Kunst:
Kunst soll ja, so sagt man, auf Können beruhen (drum heisse sie so). Frag man sich nun, welches Können, so ist es eindeutig das Können in Präsentation, die gekonnte Darstellung von Eigebung, Einsicht, Ansicht, Schau, Problem, Tatsache, Idee, Zustand ... whatsoever ... durch Bild, Graphik, Modell, Skulptur, Text, Musik etc.
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Ausgehend von der Absicht der Rhetorik, der Kunst der wirkungsvollen Rede, können wir uns einige Klarheit verschaffen über Sinn und Zweck anderer Künste und insbesondere über die Heimstätte aller Künste, die Kultur.
Das hat die Rhetorik gemein mit den meisten Künsten. Obwohl sich diese auch anderer Mittel als der Sprache bedienen, will Kunst Wirkung, d.h. sie will auf den Betrachter, Hörer, Leser, Riecher, Schmecker, Taster wirken.
Ur-Instinkte dagegen sind, abgesehen von Grunzlauten, meist wortlos. Hunger wird durch Essen, nicht durch Reden, Ansehen, Hören, Schecken, Riechen gestillt (Wen nerven all die hochgeistigen Palaver über Weine und Gerichte nicht?).
Kultur lehrt das Schmecken: Zuviel des Palavers schadet allerdings, verdirbt den Appetit wie den Wein
Sex, genau wie Hunger und Durst, motivieren direkt, über uralte Hirnzentren und ohne Umweg über Sprache. Es werden hier auch keine sachlichen Inhalte transportiert, keine Sinn-Botschaften. Wo die Sprache gekonnt eingesetzt wird, handelt es sich meist um Verführung. Literarische Klassiker wie Don Juan und Casanova belegen dies, der Marquis de Sade hingegen, dass es sich gerade bei sexueller Perversion (Scheisszensur-Scheisszensor) , die sich als sexueller Fundamentalismus beschreiben lässt, nur noch um instinktives, nicht reflektiertes, rein egoistisch-lustbetontes Urverhalten handelt.
Kultur lehrte das Fühlen ... wenn man Skulpturen noch anfassen dürfte
Kultur lehrt das Riechen: Gerüche können auch heute noch nur von wenigen gut in Worte gefasst werden. Sie sprechen uralte Instinkte und Reaktionen direkt und meist unbewusst an. Deshalb sind sie entscheidend bei Liebesbeziehungen. Kultivierter Umgang mit Sex = Erotik
Bereits seitdem der Mensch in Höhlen wohnt und Werkzeuge benutzt, finden wir Symbole und Bilder, mit denen er seine Umwelt festhält, vielleicht auch bereits durch transzendentalen Bezug zu beschwören versucht. Kultur setzt also bereits vor der Agri-Kultur ein.
Kultur lehrt das Sehen: Sie lässt uns das Diesseitige sehen und bringt auch transzendente Symbole in die Welt. Bilder sprechen meist ohne Worte und können so, genau wie Musik und Gerüche, Gefühle direkt ansprechen.
Kultur lehrt das Hören: Musik ist die Sprache des Gemüts
Kultur lehrt das Werten, womit sie das gegenseitige Verhalten regelt und normiert
Auf diese Art gestaltet Kultur die Welt, d.h. Kultur wirkt. Und die wirksamste Kultur war die Agrikultur, vor sie durch Beton- und Geldkultur ersetzt wurde.
Kultur regelt die gegenseitige Wirkung: Wie wirke ich auf die Umwelt ein, die natürliche, soziale, wirtschaftliche, kulturelle - und wie gehe ich um mit der Wirkung, die meine Umwelt auf mich ausübt.
Kultur normiert die Interaktion des Menschen mit seiner natürlichen, sozialen, wirtschaftlichen - aber auch der transzendentalen - Umwelt.
Kultur beruht dennoch zur Hauptsache auf sprachlicher Vermittlung. Da Rhetorik das Wissen darüber ist, wie Sprache zielorientiert anzuwenden ist, ist Rhetorik das Fundament der kulturellen Schöpfung.
Deshalb ist Webdesign, der nach rein optischen Gestaltungsregeln vorgeht, Scheissdesign.
Noch kürzere Kürzestdefinition:
Geist
kann absolut frei sein, wird dann aber ab und zu als
"geistesgestört" bezeichnet, wenn er sich zu weit von dem entfernt, was in der
Natur zu finden ist (s. Normalität)
Natur regiert absolutistisch mit einer gewissen, d.h. beschränkten Freiheit/Varianz
Kultur ist die optimale Nutzung der Natur & die optimale Entfaltung des Geistes
s. Geist-er und die jeweilige Zuckerbrot-Peitsche-Kombination die sie antreibt
English texts on culture:
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Martin Herzog, Dipl. Sylvi-Kultur-Ingenieur ETH, Rheinfelden, 2. Juli 2004/1.6.06

17. Dezember 2004