Das Gesundheitssystem und die Krankenkassen leben von der Angst der
Bürger, der Angst krank zu werden und die Heilungskosten nicht bezahlen zu
können - eine Angst hinter der letzten Endes die Angst vor dem Tode steckt. Diese Angst wurde meiner Generation und der der Eltern noch von Kirche
und Schule mit den heillosen Weihnachtsgeschichtchen eingebläut: Das arme Kind
das an Auszehrung leidet - der gute Arzt, der es uneigennützig mit Fleischsuppe
aufpäppelt. Obwohl die gesundheitlichen Probleme heute anderer Art sind, z.B.
der Art, dass Kranke erst am Montag arbeiten gehen statt am Freitag, wird die
Angst von Pharma und der gesamten Krankheitsindustrie geschürt - mit 1/3 des
Umsatzes! Sie müssen dies testen, sie müssen das tun, nicht rauchen, nicht
trinken, wenig essen, kein Sex, kein Sport mit Risiko ... aber reichlich
arbeiten um die Krankenkasse und all die überflüssigen Mittelchen bezahlen zu
können.
Bereits heute gibt der Durchschnittsschweizer 5000 Fr. pro Jahr für die
Gesundheit aus. Der Anteil am BIP hat sich in den letzten 40 Jahren verdoppelt -
d.h. dass die Gesundheitsausgaben doppelt so rasch gewachsen sind, wie die
Einkommen. Die OECD-Studie Gesundheit rechnet bis 2020 sogar nochmals mit einer
Verdreifachung der Kosten. Oktober 08 haben ca. 120-150'000 Schweizer keinen Versicherungsschutz mehr, weil sie sich die Krankenkasse nicht mehr leisten können.
Ex oriente lux ... oder diesmal, auch bloss eine Warnung. In
Österreich macht man sich langsam Sorgen, dass das ganze Geschrei um die
Finanzierung der Krankenkasse und die Sparhysterie so langsam aber sicher in ein
System münden, in dem die Krankheitskosten wieder völlig privatisiert werden.
Ein Warner an erster Front ist der Unfallchirurg, Pflegeombudsmann und
Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft kritische Medizin:
Werner Vogt. Er macht
darauf aufmerksam, dass:
Dreiklassenmedizin:
Wer krank und reich ist, umgeht spielend Eingangsbarrieren und
Warteschlangen. Wer krank und arm ist, wartet Monate und Jahre auf die Operation
der Hüfte oder der Augen. Nutznießer dieser wuchernden Zweiklassenmedizin sind
exakt jene Privatärzte, die jetzt jaulen, und die Privatversicherungen. Wahr
ist: Ob roter Klinikchef oder schwarze Versicherung, alle reiben sich die Hände,
wenn das Geschäft mit den Krankheiten läuft - und es läuft derzeit prächtig.
Die Beerdigung des Sozialstaates und die Auslieferung der Kranken und
Verletzten, der Behinderten und Geisteskranken, der hilfsbedürftigen Alten an
den freien Markt ist erklärte Regierungspolitik.
Wer die willkürlich, aber gesetzlich herbeigeführte Umwandlung eines
Patienten zum Pflegepatienten erdulden muss,
marschiert sehr oft in die dritte Klasse der Medizin herab: ein Bad für
siebzig Patienten, rationierte Inkontinenzeinlagen (Windelhosen), dürftige -
weil personell unterbesetzte - Pflege, keine Betreuung. Erst der
soziale Tod, dann physischer Tod. Dreiklassenmedizin mit politischem
Mehrheitsbeschluss.
Das professorale Gejammer, dass Krebspatienten, Herz-Kreislauf-Patienten,
dass chronisch Kranke wie Diabetiker und Rheumatiker nicht auf der Höhe der Zeit
der medikamentösen Möglichkeiten behandelt werden können, ist widerlich. Die
Kläger beklagen nicht Patientenschicksale, sondern mangelhafte Geldflüsse des
Staates an die Pharmaindustrie. Die medizinischen Großgrundbesitzer an den
Kliniken bangen um ihre an die Pharmaindustrie gekoppelten Forschungsprojekte.
Medizin ist: Medikament oder Operation.
Dass es sinnvoll wäre, Primärprävention zu betreiben, gegebene
gesellschaftliche Krankheitsursachen aufzuspüren, dass es besser wäre, Krebs und
Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verhindern, als ihrem Anstieg zuzusehen und dann
die Pharmaindustrie um teure Präparate zu bitten, sehen die "Kassandra-Rufer"
nicht ein. Sie haben sich alle an ein falsches medizinisches Denken gewöhnt
und sind in der Dreiklassenmedizin aufgewachsen.
Da im Feld - der Lehrmeister der Chirurgie ist die Kriegschirurgie - nicht
alle Verletzten gerettet werden können, werden die schweren Fälle bis zum
letzten Atemzug getröstet und die leichten Fälle ordentlich behandelt. Das ist
nicht gerecht, aber listig und billig. Es fördert die Feldtauglichkeit, nicht
die Gesundheit. Der Sozialstaat ist kein Feldlazarett. Jeder gegen jeden, der
freie Markt gegen alle. Das ist österreichische Gesundheitspolitik.
Das ist Triage. Der Reiche und Gebildete überlebt lange, der Arme und
Arbeitslose büßt Leben ein.
Falls Sie denken, ja ja ... Österreich ..., kann uns nicht passieren, dann
warten Sie mal ... aber nicht zu lange. Wir haben eine Partei, die jede Furzidee
aus dem Ausland sofort aufnimmt (genetischer Test der Einwanderer, wanderte
selbst vom rechtsnationalen Dänemark über das Frankreich Sarkosis in die Schweiz
ein), wenn sie damit den Status quo stärken kann, also den Reichen hilft reicher
zu werden - und den Armen ärmer.
Idee zur Kosteneinsparung im Gesundheitsbereich:
Das Hauptproblem des Gesundheitsmarktes ist der Wissensunterschied
zwischen Arzt und Patient. Trotz diesem getrauen sich viele Patienten,
überflüssige und überreichlich verteilte Medikamente im Müll zu entsorgen
... Abgesehen davon, dass das natürlich keine Kosten spart, ist es
auch einigermassen gefährlich, denn der Patient
kann kaum wirklich beurteilen, welche Medikamente/Behandlungen nun nötig
und welche überflüssig sind, da diese oft äusserst komplexe und
widrige Zwischenwirkungen erzeugen.
Aus diesem Problem entsteht auf der einen Seite Überversorgung/Ueberfürsorglichkeit.
Die Patienten werden mit allem bedacht, was dem Arzt so einfällt. Fällt
ihm nichts mehr ein, sendet er sie von Pontius zu Pilatus, also seinen
Kollegen. Das führt dazu, dass einige (wie ich z.B.) kaum je zum Arzt
gehen, oder wenn, dann meist ziemlich spät - was auch nicht grad gesund
ist. Und dennoch bleibt man wieder hängen nach der Heilung, und weiss
nicht, wie man da bloss wieder rauskommen soll.
Falls die Kassen wirklich Geld sparen wollen (was nicht sicher
ist, denn Umsatz ist Umsatz und der entsteht nicht durch b günstige und
rasche Erledigung von Problemen, sprich Krankheiten ...), also
falls man eine Institution finden könnte, die
wirklich die Gesundheitsversorgung wirtschaftlich optimieren will, dann
müsste man eine Art Ombudsstelle schaffen, an der Patienten ihre
Behandlung überprüfen lassen können, falls sie den Eindruck haben, es sei
nun wirklich genug.
Die Ansiedelung dieser Stelle bei den Kassen wäre optimal, denn so
riskieren sie nicht, übermässig zu sparen, also am falschen Ort zu sparen,
da sonst die Kosten mit dem rückfälligen Kranken gleich doppelt
zurückkommen,. |
Die viel gelobte
Gentechnik
dürfte hier ebenfalls eher kontraproduktiv wirken. Noch heute geht die Mehrheit
der Menschen zum Arzt, wenn sie das Gefühl haben, es stimme was nicht mit ihrem
Körper (was ja präzise der Zweck der Evolution war, als sie die Schmerzen
positiv bewertete). Wenn es nun möglich ist, sämtliche potentiellen Risiken und
Anfälligkeiten zum Vornherein zu wissen, dürfte das in vielen Fällen den
Ausbruch der Krankheit beschleunigen und verstärken, präzise wie bei allen
self fulfilling prophecies. Potentiale können sich entwickeln, tun dies aber
nur zu einem gewissen (oder ungewissen?) Prozentsatz. Jeder aber der von einem
Krankheitspotential weiss, wird alles unternehmen, es im Schach zu halten,
wodurch a) zusätzliche Kosten entstehen, b) das Potential häufig erst aktiviert
wird, oder c) sich als Phobie manifestiert.
Nicht diskutiert wird dabei aber über das was wirklich krank macht, oder es
unmöglich macht, eine Krankheit einfach "normal" ausheilen zu lassen: Unser
Arbeits- (Wirtschafts-) und Lebensstil. Und da besteht wenig Hoffnung auf
Änderung, insbesondere seitdem sogar
die SP auch auf
mehr Unzufriedenheit setzt, die in der Form des Wettbewerbs zu noch mehr
Wachstum führen soll.
|
Restaurant
Der Herr drüben bestellt sich noch ein Bier,
das ist mir angenehm, dann brauch ich mir keinen Vorwurf zu machen
dass ich auch gelegentlich einen zische¨.
Man denkt immer gleich, man ist süchtig.
In einer amerikanischen Zeitschrift las ich sogar,
jede Zigarette verkürze das Leben um sechsunddreissig Minuten,
das glaube ich nicht, vermutlich steht die Coca-Cola-Industrie
oder eine Kaugummifabrik hinter dem Artikel.
Ein normales Leben, ein normaler Tod
das ist auch nichts. Auch ein normales Leben
führt zu einem kranken Tod. Überhaupt hat der Tod
mit Gesundheit und Krankheit nichts zu tun,
er bedient sich ihrer zu seinem Zwecke.
Wie meinen Sie das: der Tod hat mit Krankheit nichts zu tun?
Ich meine das so: viele erkranken, ohne zu sterben,
also liegt hier noch etwas anderes vor,
ein Fragwürdigkeitsfragment,
ein Unsicherheitsfaktor,
er ist nicht so klar umrissen,
hat auch keine Hippe,
beobachtet, sieht um die Ecke, hält sich sogar zurück
und ist musikalisch eine andere Melodie.
Gottfried Benn

mehr Zeichen prosaischen
Ablebens ... |
Dabei landen in der Schweiz jährlich offenbar Medikamente im Wert von 500
Millionen Franken im Abfall. Anstatt den Schluss daraus zu ziehen, dass
diese vermutlich überflüssig sind, wird ein neues Dosiersystem entwickelt (
http://www.toppharm.ch/magazin/2128/2129/ ). Die Krankheitsindustrie
verarscht doch die Leute - mit Hinter-List. Laut folgender Definition dürfen wir die Methoden mit
Terror bezeichnen, denn es werden Einschüchterung, Abschreckung Druck und Zwang
verwendet:
Definition Terror:
Der Begriff Terror wird allgemein bei einem Zustand langfristiger Angst und
Schreckens verwendet. Einzelne Personen oder Gruppen die einer Organisation
angehören verwenden Methoden wie Druck, Zwang, Gewalt, Einschüchterung,
Abschreckung, Niederkämpfung oder Bedrohung
http://www.net-home.ch/sorus/def_terrorismus.htm
Terror lässt sich nur von denen ausüben, die über die Macht dazu
verfügen. Terror ist also eine Erscheinungsform von Machtkampf und
Machtmissbrauch der herrschenden Staats- und Polizeimacht gegenüber Opposition
und Widerstand. Ausgeprägte Terrorherrschaften waren etwas die Hunnen, die
Mongolen, die Nazis und Stalin. (Wenn ich also die Krankenkasse in die Reihe
stelle, handelt es sich zugegebenermassen um eine kleine, rhetorisch
zugespitzte, Übertreibung.)
Bei tiefen Einkommen macht die Krankenkasse präzise das, was
der Begriff aussagt: Sie macht krank - und nicht bloss die Kasse. Was denken
Sie, welche Auswirkung der dauernde Druck, ev. die Betreibung oder Pfändung auf
die Gesundheit haben? Der Saldo wird hier langsam aber sicher negativ, wenn er
es nicht bereits längst ist.
Die Krankenversicherer beklagen offene Rechnungen
in Höhe von 400 Millionen Franken, was etwa 1,5 Prämienprozenten entspricht.
Die grösste Krankenversicherung, Helsana (1,47 Millionen Versicherte),
versandte im letzten Jahr über eine Million Mahnungen und leitete
90 000 Betreibungen ein, was einem Prämienvolumen von 80 Millionen Franken
entspricht. Bei der CSS (1,19 Millionen Versicherte) waren Ende 2003
Forderungen in Höhe von 60 Millionen Franken offen und 25 000 Betreibungen
eingeleitet, bei der Groupe Mutuel (674 000 Versicherte) spricht man von
rund 90 000 Betreibungen und einem offenen Prämienvolumen von 58
Millionen Franken.
Ursache davon ist, dass die Krankenversicherungsprämien
in den letzten Jahren schweizweit massiv gestiegen sind, im Kanton Zürich
beispielsweise um durchschnittlich 71 Prozent seit Einführung des neuen
Krankenversicherungsgesetzes im Jahre 1996. Damals zahlte ein Erwachsener im
Schnitt 161 Franken pro Monat, 2004 sind es bereits 275. Seit 2000
stiegen die Prämien um 45% - bei stagnierender Wirtschaft,
insbesondere bei stagnierenden tiefen Löhnen. Im nächsten Jahr wird die Erhöhung
verdeckt durch die Erhöhung (Verdoppelung) der Franchisen! Gleichzeitig steigen
die Ausgaben für Steuern, Abgaben und Versicherungen.
Nicht bloss die beklagten Steuern belasten als
Zwangsabgaben die Bürger. Die Steuern passen sich zumindest der
individuellen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit an. Die Krankenkasse belastet
aber Arme und reiche mit dem selben Betrag, stellt also eine weitaus stärkere
Belastung der Armen dar - und dies gleich in doppelter Hinsicht. Arme Familien
haben meist auch mehr Kinder - und kaum Reserven, nicht bloss weil sie jünger
sind, sondern auch weil Reiche generell weniger Kinder haben: Zeit ist Geld ...
| Wirtschaft und Politik setzen auf den Gesundheitsmarkt
als Wachstumsmotor. Er funktioniert vielfach als Marktöffner und
Innovationstreiber.
Gesundheit wird zum Konsumgut. Die Mechanismen der Gesundheitsmärkte
folgen der Logik der Konsummärkte, Konsumgewohnheiten werden auf den
Gesundheitsmarkt übertragen.
Stephan Siegrist in GDI Impuls: Healthtyle. Alles
wird Gesundheit. Wirklich alles. Sommer 2006
Ein besonderer Marktantrieb ist hier die Nachfrage der
Reichen nach Lifestyle-Produkten, wie Schönheitsoperationen,
Schlankheit, Fitness, Regulierung aller unerwünschten Emotionen (Trauer,
Wut, Unruhe ...), das "allzeit bereit" des Pillermanns etc. Im Zeichen der
"Gerechtigkeit" müssen dann die selben Mittel allen zugänglich gemacht
werden, und werden konsumiert, weil man den Reichen nachstrebt im
Konsumverhalten. |
Die
Krankenkassen subventionieren in extremem Masse die "Gesundheitsindustrie".
Vorsicht gegenüber Gen* und Bio* sind also angebracht, da eine Subventionierung
solcher Branchen durch eine Kopfsteuer unangebracht ist und nicht mehr lange
bestehen wird. Die Idee der solidarischen Absicherung über eine gemeinsame
Krankenkasse ist zusammengebrochen - weil die Privatisierung nun Spitäler,
Ärzte, Kassen und Kunden zu wirtschaftlichem Denken zwingt: Rausholen was
sich rausholen lässt. Wir könnten aber das gesamte Bruttosozialprodukt
für "Gesundheit" ausgeben, was das Angebot an Therapien und Maschinen betrifft.
Die Frage ist bloss: Wollen wir das? Für die unteren Einkommen ist die
Schmerzgrenze längst erreicht. Es liegt nicht drin, dass tiefe Einkommen die
Wachstumsindustrie "Gesundheit" finanzieren.
> Eine eindrückliche Demo [Gesund
werden], was im Gesundheitsunwesen so möglich wäre ...
Bereits heute arbeiten 12% der Beschäftigen in der
"Gesundheitsindustrie" und die Beschäftigung wächst hier weiter um jährlich
2.8%, die Kosten allerdings um 4%. Dieses überdurchschnittliche Wachstum muss
aber bezahlt werden, und es wird zu 40% von den Krankenkassen bezahlt. Also
bitte keine weitere Wachstumsförderung in dem Bereich!
Als Alternativen empfiehlt :http://www.stoplamal.ch/index.htm
(Deutsch:
http://www.stoplamal.ch/index2.htm) wieder eine öffentliche Krankenkasse,
allenfalls sogar eine Einheitskasse analog zur SUVA einzurichten, die Gesundheit
als öffentliches Gut und nicht als individuellen Konsumartikel behandelt.
Infos und Unterschriftenbogen zur "sozialen
Einheitskrankenkasse unter
http://www.userlearn.ch/krankenkasse/downloads/ubogende.pdf [Die Sammelfrist lief am 10.Dezember 04 aus!]
Es steht zwar zu befürchten, dass weder die Einheitskasse noch
die zur Zeit diskutierte Verbilligung der Krankenkasse für Kinder durch Bund und
Kantone das Problem lösen werden. Die Kosten werden umverteilt, steigen aber
weiter. Stossend daran ist auch das Giesskannenprinzip, das im Namen der
Gleichbehandlung den Reichen die selbe Erstattung gewährt wie den Armen. Hier
liegt aber bereits das Problem, das von stoplamal mit einem
marktorientierten Ansatz grosszügig übersehen wird. Reiche können sich Ärzte und
Spitäler auch ohne Kasse leisten. Können wir uns aber wieder ein System leisten,
in dem Reiche überleben und Arme verrecken? Die Tendenz geht in die Richtung.
Diejenigen die am härtesten arbeiten, wie die Leute auf dem Bau, kommen kaum in
das Alter, in dem sie Kosten verursachen könnten. Auch das ist eine
marktorientierte

| Früher starben die Menschen mit 35. Heute schimpfen sie
mit 95 auf die Chemie. Karl H. Krauch |
Analyse der Kostenursachen und
Lösungsansätze: ...Was
kostet unsere Gesundheit-
Ökonomische Analyse des Gesundheitswesens. Dr. oec.publ.
Harry Telser: Das Schweizer Gesundheitswesen steht zwischen zwei Extremen:
1. Gesundheit ist das höchste Gut. Um die Gesundheit zu erhalten
ist nichts zu teuer.
2. Das Gesundheitswesen ist in einer Krise. Wenn die Kosten
weiter im bisherigen Tempo steigen, können wir uns die Gesundheit bald nicht
mehr leisten.
| Der Mensch ist gesünder, wenn er krank ist. ...
Es fällt uns jedoch bedeutend schwerer, die Welt des Menschen als ein Biotop
anzusehen, in dem nach eben so strengen Gesetzmässigkeiten das Kranke und
das Gesunde verstrickt sind.
Alfred Ziegler: Morbismus |
Ärzte Schaffen sich ihre Nachfrage
selbst: Die Ärzte werden das heute noch bestreiten, obwohl die Tatsache
längst bekannt ist. Ich hab' diese Tatsache auf seltsame Art, an seltsamem Ort,
zum ersten Mal gehört. Das war ca. 1990, als ich im Sheraton in Sana'a (Jemen)
ein opulentes dreigängiges Mal genoss, und sich 2 Deutsche Piloten am Nebentisch unterhielten:
Eine Untersuchung in der Schweiz habe ergeben, dass jeder Arzt der eine neue
Praxis eröffnet, die Krankenkassen zusätzliche 200'000 Fr. koste. Heute, 14
Jahre später warten wir immer noch auf die Lösung. Weitere Untersuchungen haben
gezeigt, dass Angehörige von Ärzten weitaus weniger oft operiert werden. Telser
sieht also weniger eine Kostenexplosion als eine Mengenexplosion: Immer mehr
medizinische Leistungen die immer weniger bringen.
Jürg Blech hat dies offenbar in seinen
Bücher: Die Krankheitserfinder und Heillose Medizin (S. Fischer,
Frankfurt a.M. 2005) beschrieben. Den besten Hinweis darauf, wie viel
Ueberflüssiges, Unnötiges oder sogar äusserst Gewagtes von der
Gesundheitsindustrie verkauft wird, ist der Anteil an Aerzten, die sich der
selben Behandlung unterziehen würden.
-
Bei
Arthroskopie z.B.
wurde belegt, dass die Wirkung nicht mehr als ein Placeboeffekt ist.
-
Selbst bei heftigen Rückenschmerzen würden
sich nur 17% der Ärzte an der Bandscheibe operieren lassen.
-
Bei der Behandlung von Organtumoren wurde
seit 25 Jahren kein Fortschritt erzielt (gemessen am Fall mit 4 Tumoren mit
Metastasen). Betroffene wären also bei einem Priester, Psychologen oder
Philosophen, der geistigen Beistand gewährt, in besseren Händen.
-
Die durchschnittliche Zustimmung für
Operationen, die von Ärzten standardmässig verkauft werden, liegt, wenn sie
selbst sich einer solchen unterziehen sollten, bloss bei 41%.
Peter Sloterdijk
zeigt in seinem Buch Kritik der zynischen Vernunft [S. 497] ein positives
Beispiel [aus Johann Peter Hebel: Das Schatzkästlein des Rheinischen
Hausfreundes], wie etwas mehr Zynismus (auch Ehrlichkeit könnte bereits
helfen ...) heilende Wirkung entfalten und Geld sparen kann. Da reiche Leute
oft Krankheiten haben, von denen der arme Mann nichts weiss, erteilte ein kluger
Arzt einem überfressenen Amsterdamer Bürger folgenden Rat.:
Guter Freund, Ihr habt einen schlimmen
Umstand, doch wird Euch zu helfen sein, wenn Ihr folgen wollt. Ihr habt ein
böses Tier im Bauch, einen Lindwurm mit sieben Mäulern. Mit dem Lindwurm muss
ich selber reden und Ihr müsst zu mir kommen. Aber fürs erste dürft Ihr nicht
fahren oder auf dem Rösslein reiten, sonder auf des Schuhmachers Rappen, sonst
schüttelt ihr den Lindwurm und er beisst Euch die Eingeweide ab, sieben Därme
auf einmal ganz entzwei. Fürs andere dürft Ihr nicht mehr essen als zweimal des
Tages einen Teller voll Gemüs, mittags ein Bratwürstlein dazu und nachts ein Ei
und am Morgen ein Fleischsüpplein mit Schnittlauch drauf. Was ihr mehr esst,
davon wir nur der Lindwurm grösser, also dass er Euch die Leber zerdrückt, und
der Schneider hat Euch nimmer viel anzumessen, aber der Schreiner. Dies ist mein
Rat, und wenn Ihr mir nicht folgt, so hört Ihr im andern Frühjahr den Guckuck
nimmer schreien. Tut, was Ihr wollt.
Der Gesundheitsgruss: Der reiche
Fremdling habe 87 Jahre, 4 Monate, 10 Tage gelebt, wie ein Fisch im Wasser so
gesund, und hat alle Neujahr dem Arzt 20 Dublonen zum Gruss geschickt. Aus dem
Krankenhonorar ist der Neujahrsgruss eines Gesunden geworden.
Krankenkassenprämie als Dank dafür, gesund zu sein, dass war eigentlich die
Grundidee. Privatisierung und Marktdenken haben daraus einen Subventionstopf
gemacht über den die Armen für die Reichen spenden.
Sloterdijks Bemerkungen zeigen, dass das
Problem offenbar schon vor 20 Jahren absehbar war:
-
Hausmedizin und Kräutermedizin wurde
integriert
-
Selbsthilfe, Kräutermedizin,
Naturheilkunde wurden in die Herrenmedizin integriert . und verursachen so
weitaus mehr Kosten als zuvor
-
Alles körperliche wird medikalisiert. Es
entstanden Arbeitsmedizin, Sportmedizin, Sexualmedizin, Verdauungsmedizin,
Ernährungsmedizin, Fitnessmedizin, Unfallmedizin, Kriminalmedizin,
Kriegsmedizin, Medizin die sich mit Stehen, Gehen, Laufen, Lernen,
Zeitungslesen, Schwangerschaft, Geburt, Sterben befasst.
All diese grandiosen Leistungen moderner Medizin, all diese
neuen Spezialisten wollen natürlich bezahlt werden, und wie bereits Sloterdijk
schon festgestellt hat: Die einzige Waffe gegen
falsche oder bedenkliche Hilfe besteht darin, sie nicht zu gebrauchen.
All dies scheint nicht neu. Eine ähnliche Kritik an innovativer Kurshuberei
äusserte bereits Seneca vor bald
2000 Jahren. Beachtenswert auch die Aussagen von
Epictet zur Schönheit,
einem florierenden Bereich des Gesundheits-Unwesens.
So wird der Mensch nicht bloss bevormundet
(Hallo liebe schlankem Fitness treibende Nichtraucher), sondern seiner
körperlichen Kompetenz enteignet: Am Ende wird man auf urologischen
Lerngängen lernen müssen, wie man korrekt pisst. .... Wer erkennt, dass der
Kreis der Entfremdung und der Flucht sich am Ende immer im eigenen Tod
schliessen muss, dem muss klar werden, dass man den Kreis besser in die andere
Richtung schlüge, ins Leben statt in die Betäubung, ins Risiko statt in die
Absicherung, in die Verkörperung statt in die Spaltung. [Sloterdijk S.
504/5].
Hier haben wir auch ein Problem, das durch
das schw. Heilmittelgesetz eigentlich umschifft werden sollte: Für
rezeptpflichtige Medikamente darf keine Publikumswerbung gemacht werden. Die
Werbung soll nur an den Arzt, der das Zeugs ja verschreiben soll. Dennoch
gibt die Pharmaindustrie 1/3 ihres Budgets für PR aus. Deshalb beglücken uns
nun Plakate mit so wertvollen Hinweisen wie:
Überfettung der Bevölkerung:
Vorschlag für eine problem-lösende statt problem-verursachende
Subventionierung von Nahrungsmitteln:
Gemüse und Obst für die Gesundheit - statt Pharma
Laut Caritas gibt es in der Schweiz
rund 1 Million Arme. Diese verfügen also über ein Budget, das in etwa dem
Existenzminimum entspricht, oft weniger, manchmal etwas mehr. Sehen Sie sich mal
so ein Budget an und überlegen Sie sich, auch wenn Sie (zur Zeit noch) nicht
selbst davon betroffen sind, welche Art Nahrungsmittel Sie sich selbst damit
leisten würden. Standard ist Reis, Nudeln, Speck,
billiger "entvitaminisierter" Fleischwurst, Zwiebeln & Knoblauch,
Bohnen, Käse, Brot,
Butter, Milch, Tee und Kaffee ... und Gewürze - leider aber keine frischen
Kräuter - obwohl gerade diese eigentlich meist Heilmittel währen, also auch für
die Gesundheit präventive Wirkung hätten.
Obst und Gemüse fällt flach, da ein Pfund billige Wurst oder Käse nun eben doch
einiges mehr abgibt als ein Pfund Obst oder Gemüse, das schon bald gleichviel
kostet.
Den
Armen wird also das Leben verkürzt
durch die beschränkte Auswahl an zahlbaren gesunden Nahrungsmitteln!
| Dicke
verursachen mehr Kosten. Ganze Spitäler müssen für Dicke umgerüstet werden.
Dicke sollen einen höheren Selbstbehalt bezahlen. - So der
vorherrschende Ton in den Medien. Tja ... da aber Dicke kürzer leben, sieht
das auf die Gesamtlebensdauer bezogen eben doch ganz anders aus, denn da
sind es die Gesunden und Schlanken die weitaus höhere Kosten verursachen.
PLoS Medicine, Bd. 5, S. 29: Übergewichtige zwischen 20 und 56 Jahren
verursachen zwar die meisten Gesundheitskosten, neigen aber stärker zu
Herzkrankheiten und sterben im Durchschnitt mit 80 Jahren (Raucher sogar
schon mit 77, Gesunde aber erst mit 84, wobei auch hier die letzten Jahre
nicht immer sehr gesund sind). Ab einem Alter von
20 Jahren verursachten Raucher Gesundheitskosten von von 356'000, Dicke
404'000 Fr. und Gesunde 454'000 Fr . Also bitte, lasst die Raucher und die
Dicken in Ruhe, denn sie leisten ihren Sparbeitrag! |
Wie jedes Problem birgt aber auch dieses einige Chancen:
-
Die Bauern gehören ja mit zu
den Ärmsten.
Sie müssen mit enormen Subventionen über Wasser gehalten werden - aber,
der grösste Teil
der Subventionen geht an die Verarbeiter, damit sie
billig exportieren können, kommt also den Bauern gar nicht zu gute - und
der Steuerzahler erhält auch wenig für seine Leistungen.
-
Übergewicht ist, im wahrsten
Sinne des Wortes, ein gewichtiges Problem, insbesondere da es immer weitere
Kreise bereits der Jugendlichen erfasst.
Übergewicht betrifft vor allem Arme, also die unteren
sozialen Schichten. Wenn Sie sich obiges "Diätprogramm" ansehen, verstehen Sie
sofort, warum dem so ist - und warum das auch so bleibt, trotz tausend
Empfehlungen mehr Gemüse und Obst zu Essen an Schule, Fernsehen und in allen
andern Medien.
-
Durch Subventionen verbilligte Nahrungsmittel die in den
Export gehen, ruinieren die Existenz noch ärmerer Bauern in der 3. Welt.
Nun ist es für tiefe Einkommen ja seit längerem möglich,
sich einen Teil der Krankenkassenkosten erstatten
zu lassen. Es gäbe aber bessere Möglichkeiten! Warum nicht die Krankheit im
Keime ersticken, insbesondere diejenigen, die durch Fehlernährung entstehen?
|
Vorschlag:
Diejenigen Bevölkerungsschichten, die sich frisches Gemüse und Obst -
Fleisch sowieso, bei den Preisen ! - schlichtweg
nicht leisten können, erhalten vergünstigte Bezugsberechtigungen / Gutscheine,
die sie an lokalen Märkten oder bei ihren lokalen Bauern einlösen können.
Damit wären nicht nur zwei Fliegen auf einen Schlag getroffen, sondern gleich 3:
-
die Bauern (zumindest
Gemüse und Obst-Klein-Bauern, aber auch Fleischbauern und lokale Metzger) hätten ihre Existenzberechtigung nicht nur in
Worten sondern auch in Geld zugesprochen,
-
und die Armen können es
sich überhaupt erst leisten, vernünftig und gesund zu essen.
-
Die Landwirtschaft
müsste nicht mit subventionierten Billigangeboten die Weltmärkte überschwemmen
und damit Landwirte in der Dritten Welt, die noch ärger dran sind, in den Ruin
treiben
|
Die unheilige Allianz zwischen Ärzten
("Gesundheitsanbieter" generell sind gemeint) und Patienten
Leider ist das gegenwärtig gesetzlich sanktionierte Krankenkassenunwesen
ganz anders organisiert. Dicke und Arme haben ja ein überdurchschnittliches
Risiko nicht gesund zu leben - also krank zu werden. Statt sie bei ihren Anstrengungen
zu unterstützen, diese Situation zu bessern, werden sie aber noch weiter
abgedrängt. Wer dick ist, kann keine Zusatzversicherung abschliesse - wer
keine Zusatzversicherung hat, kriegt die Beiträge ans Fitnesszentrum nicht
erstattet.
Noch schlimmer, wer von teurer und oft unergiebiger Physiotherapie
zum Fitnesstraining wechselt, kriegt nicht mal mehr die Kosten erstattet für
Rehabilitation. Konkretes Beispiel: Ich hatte am 31. April eine so heftige Knieentzündung,
dass ich zwei Nächte nicht schlafen konnte, und am übernächsten
Tag 20 Minuten brauchte für die 150 m in die nächste Apotheke, um
Schmerzmittel zu besorgen (ich brauch so was sonst nie). Dummerweise nahm ich
eines gegen Gicht, weil sich der Schmerz präzise so anfühlte (bis
heute kann mir kein Arzt sagen, was es war), denn wäre ich ganz einfach
beim klassischen Aspirin geblieben, hätte das blutverdünnend gewirkt,
und die Thrombose wäre zu vermeiden gewesen. Gut, oder schlecht, also
Thrombosebehandlung, ambulant, gegen die rabiate Empfehlung des Professors.
Ab Juli Physiotherapie. Allerdings soll ich auf ein Fahrrad, was ein Witz ist,
da ich das Knie immer noch nicht vollständig beugen kann. Also Bankdrücken
mit rechtem Bein, 100 mal. Kostet bei der hmo 22.- pro Stunde, und daneben gibt's
sonst nicht viel, womit man sich betätigen könnte. Also wechsel ich
zum forum sports club, wo's jede Menge an Möglichkeiten gibt,
und trainier dort 3 mal pro Woche, wobei ich jedes mal 25 - 30 Tonnen stemm
(Ich hab nämlich nicht bloss Gewicht, sondern auch die Muskeln dazu). Und
was meint die SWICA dazu? Ein Lob - Unterstützung dieser Anstrengungen,
welche die Kasse über 200.- Fr pro Monat sparen? Nö - sie bezahlt
nix, weil ich zu fett bin hab ich keine Möglichkeit der Zusatzversicherung
... und das Geld hätt' ich eh nicht.
Nun gut, das mag ja alles richtig sein ... im Interesse
der Kassen - aber der Saldo der nationalen Gesundheit dürfte mit derartigem
Schabernack massiv belastet werden, wenn nur diejenigen Vorsorge betreiben (können),
die's nicht nötig haben.
Fazit:
Die Kosten für die Krankenkasse lassen sich im
gegenwärtigen System darum kaum senken, weil die Anreize Ausgaben fördern, weil
insbesondere eine unheilige Allianz zwischen Patient und
Anbieter gefördert wird. Der Patient der schön brav
alles mitmacht, was der Arzt, Therapeut, etc verordnet, krieg von der
Krankenkasse schön brav alles bezahlt. Wer nach günstigeren, alternativen
Mitteln sucht oder die Heilung in die eigenen Hände nimmt, kriegt dagegen gar
nix, unabhängig vom Resultat und den Einsparungen, die er ermöglicht hat.
Und wer möchte schon so dämlich sein ....
Krankenkassen sind keine sozialen Einrichtungen, sondern
Versicherungsbürokratien. Die Privatisierung hat sie zwar nicht günstiger
gemacht, aber offensichtlich beschränkter, denn was zählt ist nur
noch die Profitabilität. Der gesunde Menschenverstand ging flöten,
was ja eigentlich nicht so gesund sein kann ...
Wer eigenverantwortlich handelt, muss also selber zahlen!
gemessen am
Glücksgefühl, dass dies verursacht, ist es allerdings berechtigt ... (s.
Lebensstandarditems)
Überalterung der Bevölkerung
| Motto:
Gesunde Ernährung ist teuer,
Bewegung kostet Zeit und Zeit ist Geld ... Aber Krankheit ist noch teurer ... |
Der steigende Anteil älterer Semester an der Bevölkerung trägt
hier auch sein Scherflein bei. Bis 2030 wird mit einer Verdoppelung der Kosten
der Alterspflege gerechnet, also mit 15 Milliarden statt 6 (2001). Dieser
rasante Anstieg könnte etwas gemildert werden, wenn der Anstieg der Kosten der
Medikamente tiefer ausfällt als heute, und insbesondere, wenn der Eintritt ins
Pflegeheim verzögert werden kann. Dazu vor allem geeignet scheinen Andreas
Stucks (geriatrische Abklärungsstation, Inselspital Bern)
präventive
Hausbesuche. Die
Stiftung
Gesundheitsförderung, die in dem Bereich mit
Pro Senectute zusammenarbeitet,
verfügt allerdings nur über ein Gesamtbudget von 17 Millionen.

| Ich lege gar kein so grosses Gewicht auf unsere
Sozialpolitik; was hilft es, wenn Arbeiter auf ihre alten Tage etliches
Behagen haben, wenn sie gehorchen müssen, solange sie ihre gesunden Knochen
noch beieinander haben.
Max Weber |
Das Greisenalter, das alle zu erreichen wünschen, klagen alle an, wenn sie es erreicht haben.
Goethe |
50% der Spitalkosten fallen in den
letzten drei Monaten vor dem Tod an.
Die britischen Behörden verweigern z.B.
die Bezahlung des Krebsmedikamentes Tarceva von Roche, wie bereits vor
Jahren Avastin. Allen diesen Krebsmedikamenten ist gemein, dass sie den
Krebs nicht heilen, sondern das Leben nur noch um ein paar Monate verlängern -
dies aber für horrende Preise (bis 70'000 Fr. pro Jahr). Im Angesicht des Todes
vermutlich für viele dann eben "kein Argument" mehr.
Hier haben Christen wie Muslime
eine ziemlich absurde Einstellung zum Tode. Beide gelangen ja zu ihrem
Gott, in die Ewigkeit, vom Jammertal ins echte Leben. Aber beiden scheint dieser
Schritt enorme Mühe zu bereiten, obwohl das Problem betr. der Fehleinschätzung
des "Ewigen Lebens" eigentlich bereits vor 5000 Jahren gelöst wurde. (s.
Gilgamesch). Obwohl sich hier
Bibel und Koran kaum unterscheiden: Asche zu Asche, Staub zu Staub, wird in
beiden Kulturen eine postmortale Staubverehrung betrieben. Charles Richet, Physiologe, Psychologe
und Nobelpreisträger lehrte bereits 1921 eine souveräne
Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Tod:
Was also meinen eigenen Leichnam angeht, so erkläre ich
hiermit ganz feierlich, man werfe ihn auf den Schindanger, äschere ihn ein,
begrabe ihn oder seziere ihn, es ist mir völlig gleichgültig, und ich bitte die
Meinen inständig, sich darum keine Sorgen zu machen. (Sloterdijk S. 867)
Schopenhauer meinte, es sei seltsam, dass die meisten Leute ein
Nicht-Weiterleben nach dem Tode unerträglich finden, während sie ein
Nicht-Dagewesen-Sein vor der Geburt gleichgültig lässt. Noch seltsamer
allerdings ist, wie viele bereits vor dem Tode nicht leben - und dieses nach dem
Tode weiter treiben möchten.
Mein persönlicher Vorzug gälte allerdings dem Einäschern und dem
Verstreuen der Asche im Wind,
am liebsten in einem Eichenwald mit Südlage.
| Schockierend ist die Erkenntnis, dass
in weiten Teilen der entwickelten Welt für die medizinische Behandlung in
den letzten Lebenswochen mehr ausgegeben wird als während des ganzen übrigen
Lebens. Ivaylo Ditchef, Lettre International.
Sommer 2006, S. 128 In England soll allerdings (meldet der
Tagesanzeiger am 25. September 2006, ohne die Quelle anzugeben, die Umfrage
einer Versicherungsgesellschaft ergeben haben, dass
48% der Frauen Grossbritanniens ohne Sex leben würden, wenn sie dafür die
Garantie erhielten, 100 Jahre alt zu werden. Bei den Männern
wären es immer noch 31%. 94% würden es jedoch ablehnen, dafür Familie und
Freunde fallen zu lassen. 74% würden sich dafür nie
von ihrem Vermögen trennen (na ja, das werden die Ärzte und Spitäler ihnen
aber handlich amputieren, lange bevor sie 100 sind!) |
Über den angemessenen, d.h. weisen, Umgang mit dem Tod wusste
auch die Stoa ausreichend bescheid. Das
herrschende technokratisch-wirtschaftliche Modell hat jedoch aus natürlichen
Vorgängen wie Altern
und Tod Krankheiten gemacht, die durch Spezialisten zu behandeln, ja zu
verhindern sind.
Das gegenwärtig vorherrschende Lebensmodell dagegen ist ein
Horror:
-
20 Jahre oder mehr gehorsam lernen, bald schon werden vermutlich
Lallkurse angeboten, als Vorbereitung für Vorkindergartensprachkurse, worauf
dann alternativ die SP oder die Rechten den "Uterusgarten" als Vorgeburtsschule
entwickeln . damit die Schulzeit für das wirklich Wichtige genutzt werden kann:
Die Anpassung an die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes! (neuste Vorschläge: Ab 7.
Klasse, ich wette, in ein paar Jahren sind wir mit dieser Forderung am
Schulanfang gelandet: Bildung als Dressur der emsigen Ameisen und
fleissigen Bienen.).
-
Sein Leistungspotential auf dem Markt zum höchstmöglichen Kurs
anbieten ... eine meist unbezahlte Tätigkeit, die für viele Zeit ihres Lebens
die Hauptbeschäftigung bleibt.
-
Haus bauen, Kapital anhäufen und vermehren.
Wie die Harvard Business
Reviev publiziert und Cary (nicht Gary) Cooper von der Lancaster University
herausgefunden haben, geht das nicht bloss bei einer Minderheit schief, sondern
wird zum Massenproblem, zu dessen Benamsung gleich ein paar neue Begriffe
geschaffen wurden:
middlescence
(wie adoleszenz: Aufwuchsphase) oder quarterlife crisis:
Lebensphase zwischen 35 und 50, in der man merkt, dass man den Job nie kriegt
für den man gearbeitet oder studiert hat, die Karriere in der Sackgasse steckt,
die Ausgaben höher sind als die Einnahmen, die Begeisterung für die Arbeit (so
man sie hat) längst flöten gegangen ist, 20% eine andere Stelle möchten - aber:
Nur 10% die Stellensuche für Aussichtsreich halten (Anders formuliert: 90%
der Arbeitnehmer halten die Stellensuche, wohlgemerkt, ohne selbst von
Arbeitslosigkeit betroffen zu sein, für Aussichtslos! Man sieht eben, wie
bei der Auswahl von Kandidaten vorgegangen wird ...) Das zeigt, dass die
Arbeit der Arbeitsvermittlungen nicht einfach ist, aber auch, dass die
einseitige Schuldzuweisung für Arbeitslosigkeit an die Betroffenen ungerecht
ist.) Und, obwohl man kein luxuriöses Leben lebt, reicht das Geld oft nicht bis
zum Ende des Monats. Sparen? Altersvorsorge? Aktien oder Lebensversicherung zur
Absicherung des Alters? He jo drnoo ... am Arsch isch finschter! Als nicht so
optimale Ausweichstrategien gibt es:
-
| Bis ins Spätmittelalter wurden kaum Testamente aufgesetzt,
man sorge sich auch nicht für die Nächsten über das Leben hinaus, denn die
Toten gehörten noch zur Gemeinde (eine Vorstellung, die wir heute noch
ausgeprägt auf Madagaskar finden können. Petrus Kantor von der Notre Dame
kritisierte 1190 den Bau der Kathedrale, da diese einen Zweifel darstelle am
kurz zuvor stehenden Ende der Tage. Man habe auch nicht genügend Geld, um
gleichzeitig die Armen zu unterstützen. Völlig befreit von solchem
Gedankengut wurden die Menschen allerdings erst mit dem
Protestantismus
und dem Kapitalismus, der die Anhäufung irdischer Güter und den Bau von
Kathedralen (heute Betriebe genannt) - erst durch Arme - dann durch
Maschinen - zur Pflicht machte. |
Boomeranger:
Erwachsene Kinder die nach einer Phase der Selbständigkeit wieder bei den Eltern
einziehen. (s.
Generatione 1000 Euro)
-
Kidult:
macht als 40, 50 oder 60-jähriger noch immer auf Teeny - und sich lächerlich,
kindisch - statt kindlich offen und nicht von Strategien und Taktiken
beherrscht, was man sich bis zu einem gewissen Grad immer behalten sollte.
-
Kipper:
Versuchen's schon gar nicht, sich selbständig zu machen, da es zu Hause weitaus
gemütlicher ist.
Für die Betroffenen, und
das dürfte ein beträchtlicher Teil unserer Generation sein, fallen also Punkt 4
und 5 ins Wasser. Wenn nun das Haus durch eine Alterspflegeversicherung ersetzt
wird, fällt eben die ins Wasser. Zusätzlich zum Überalterungsproblem der
Rentenunterdeckung haben wir also noch ein beträchtliches der Pensionskassen-
und Pflegekostenunterdeckung. Die Mindestverzinsung auf Pensionskassen wurde
2003 gekürzt, nun sind die Renten dran. Gulio Vitarelli, VZ Vermögenszentrum
Basel: Ein Berufsanfänger heute muss gegenüber 2003 mit einer um ein Drittel
reduzierten PK-Rente rechnen. Die Jungen müssen wieder das Sparen lernen. Fazit: Im Uterus mit Lernen anfangen - um
Arbeit zu haben und zu sparen - bis zum Abnippeln. ... Vielleicht müssten
die Alten erst mal begreifen, dass man nur sparen kann, wenn mehr Geld reinkommt
als einem durch Miete, Krankenkasse, Steuern, Versicherungen, etc. gleich wieder
abgenommen wird.
-
Haus verkaufen, um die Pflegekosten im Alter bezahlen zu können.
-
Den "Übergang ins Reich der Erlösung" mit den letzten Reserven
so weit als möglich verhindern.
Das Modell ist ein bisschen übertrieben und darum ein bisschen
falsch ... schrieb ich vor ein paar Monaten. Heute (19. August 06) hat uns aber
die Realität, mit dem Holzhammer, eingeholt.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) fordert, dass die Bürger auf einige
Ferientage verzichten, wie einige Feiertage abschaffen, um mehr für die
Altervorsorge zu sparen. Diese wird damit endgültig zur Zwangsjacke jeglicher
Existenz, ausser der von Milliardären. Der durchschnittliche Bauarbeiter spart
so sein Leben lang ... für die Nachfahren, da er die Pensionierung gar nie
erlebt. So werden Bauarbeiter im Schnitt
63 Jahre alt, während Akademiker bis zu 5 Jahre älter als der
Durchschnitt werden. Bei 60-jährigen Männern lagen zwischen den untersten
und den obersten Einkommensschichten immerhin ganze 13 Jahre an Lebenserwartung.
Konkret: Ob jemand 1500 € oder 4500 € verdient,
macht in der Lebensbilanz 7 Jahre aus. Bei näherem
Hinsehen entpuppt sich die Solidargemeinschaft in der Rentenversicherung durch
die höheren und vor allem längeren Zahlungen an die Besserverdiener als äußerst
ungerechte Umverteilung von den Schwachen zu den Stärkeren. (SPD
Hamburg).
Wenn man nun auch noch Feier- und Ferientage streicht, bleibt den Armen also nur
ein Leben voller Arbeit ...
Hier nochmals das Selbe in graphisch:
Selbst bei minimalem Einkommen (Existenzminimum) braucht der Mensch in seinen 80 Lebensjahren in der Schweiz rund 2 Millionen Franken.
Verdient er zwischen 20 und 60 (oder 25 und 65) in etwa den Medianlohn, setzt er in seinem Leben glatte 4 Millionen um, angefangen mit Schulden von 1/2 Million, d.h. Aufwand für die Erziehung und Ausbildung von 1 Kind, Abschluss mit entweder wieder 1 Kind das ausgebildet sind, oder Erbschaft. (Darum reichts vielleicht nur noch für 0.6 Kinder pro Person.)
Wer also irgendwann in seinem Leben feststellen muss, dass er keine 2 Millionen hinkriegt, der hat ein Problem, das sich eindeutig nicht mit Zwang zur Gratis-Arbeit lösen lässt.
| Pierre Bourdieu: Der Einzige und sein Eigenheim.
VSA-Verlag. Hamburg 1998 Vorteile des eigenen Hauses:
- was Eigenes haben
- mitgestalten können, frei schalten und walten
- Mieterhöhungen entgehen
- nicht gekündigt werden können
- unabhängig von Vorschriften und Belästigungen durch Vermieter (wobei
geflissentlich die Nachbarn übersehen werden, die man überall hat ....)
- Möglichkeiten für die Kinder zum spielen
- im Alter versorgt sein: Kapitalanlage, Akkumulation, Schatzbildung,;
Spekulative Erwartungen der Gewinnsteigerung
- vererben können
Probleme:
- Überforderung durch Zahlungen, langfristige Verschuldung
- Förderung konservativer Einstellung
- Behinderung der Streik- und generell Widerstandsfähigkeit
- Verminderung der Flexibilität bei Arbeitssuche
- Lange Arbeitswege
- Isolierung
- Zersiedelung der Landschaft
Fazit:
Eigenheimförderung ist eine Strategie der Normierung von Oben,
Zivilisierung, Domestizierung, der Dressur auf Kapitalismus. |

-
zum Vergleich
ein
reeller Lebenslauf aus der Welt der projektabhängigen Anstellung, wie er bei
vielen hoch Qualifizierten zu finden ist, die deshalb trotzdem oft zur
generation p, den prekär über-Lebenden, gehören: Keine Ersparnisse, kein
Geld, keine Sicherheit ... aber ein interessantes Leben, wenn vielleicht
auch nicht ins hohe Alter ....
Die Realität ist allerdings auch nicht viel besser: Im Kanton ZH z.B.
gehören 53% der versteuerten Vermögen den über 64-jährigen. Kapital ist
vorwiegend bei den Alten konzentriert, und dies aus folgenden Gründen:
-
Die Einkommen sind am höchsten, da man (selten auch Frau)
endlich den Platz einnimmt, für den man sein Leben lang gekrochen ist.
-
Die Kinder sind selbständig
-
Die Hypothek ist bezahlt
-
| Auf amüsante, aber dennoch zum Denken anregende Weise hat
Karls kühne Gassenschau
den Umgang mit dem Altern umgesetzt. Die mechanisierte Pflege im selbst
überalterten Silo 8,
wo Glück durch Vergessen der Träume gefördert wird, hat ihre Tücken ... und
die Erinnerung, der nur halbvergessene Traum zu fliegen wird endlich
umgesetzt. |
Gerade die Schweizer, insbesondere die Generation des
Wirtschaftswunders, die sich noch entfernt an härtere Zeiten erinnert, sind
Vorsichtssparer. Man will sich gegen alles und jedes Risiko versichern,
insbesondere auch, im Alter zu verarmen. In keinem Land ist das
Versicherungsdenken so ausgeprägt wie in der Schweiz (s.
Versicherungsdichte).
-
Die Pensionskasse erlaubt, dass Reserven nur selten angetastet
werden müssen. Die älteren Menschen leben sparsam, da sie ihren Nachkommen etwas
hinterlassen wollen.
-
Erbschaften fallen an. Da die Menschen immer älter werden,
fallen die Erbschaften erst an, wenn die Kinder selbst schon das Pensionsalter
erreicht haben.
Fazit:
Es fehlt das Risikokapital, trotz überzogener
Sparwut.
s. auch
Erbschaften, die zu 70% an über 50-jährige gehen, Tendenz zunehmend: Die
Moderne wurde durch den Umstand gekennzeichnet, dass das Kind das Alter der
Reife erreicht lange bevor die Eltern zurücktreten und ihm das Kommando
überlassen. (s. Prinz Charles ...) Solange die physische Kraft ausschlaggebend
war, fand die Übergabe der Macht auf natürliche Weise statt. Das
Pensionierungsmodell der modernen Gesellschaft ermöglicht eine Machtübergabe
ungeachtet des physischen Zustands, aber hat immerhin einen Bezug zur Arbeit.
Eigentum hat man jedoch bis zum Lebensende und ist etwas, von dem man im
Ruhestand nicht zurücktritt; und in einer Gesellschaft, in der Eigentum ein viel
grösseres Gewicht hat als Arbeit, wird es zum Problem, jung zu sein. (Wobei man
sich nicht von ein paar Yuppies beirren lassen sollte, sondern die Masse der
Shareholder ansehen muss) [Ivaylo Ditchef]
Nun kommt der freisinnige Bundesrat Couchepin, dem es ja so sehr
an der Freiheit liegt, und schlägt eine weitere Sparkasse vor, die
steuerbefreite 3c (Übersicht
über die bisherigen Modelle privater Altersvorsorge). In dieser sollen,
zusätzlich zur AHV, zur obligatorischen Pensionskasse, zur freiwilligen
Pensionskasse, nun nochmals 100'000 bis 150'000 Fr. gespart werden, für
Pflegekosten im Alter. Dass aber bloss
25% der Schweizer überhaupt über ein Vermögen von über 150'000 Fr. verfügen,
liegt für Couchepin wohl bloss daran, dass sie zuwenig sparen ... Entziehen wir
also weitere 200'000 Fr. (so das Ziel) dem potentiellen Konsum, dann bleibt gerade noch den
reichsten 10-20% ein ein Vermögensanteil, den sie investieren können.
Zudem bleibt nur wenig Zeit, dieses Geld anzuhäufen.
Die heutige Generation, die
Generation p, findet mit 38 ihre erste feste Stelle, ist mit 40 zu alt, und
mit 50 definitiv überflüssig.
Die "Forderung des Marktes" lautet also zur Zeit:
Mit spätestens 25 voll
in die Karriere, mit 30 in Top-Position, Reserven anhäufen, und ab 40,
spätestens ab 50 das Geld arbeiten lassen, da Du selbst eh keine Chance mehr
hast (es sei denn, Du hast
Beziehungen und wirst
Verwaltungsrat).
Scheissforderungen eines Scheissmarktes ...
Arme
Alte auf der einen, Gerontokratie auf der andern Seite
Wir sehen, dass heute die ärmsten 10% mit weniger frei
verfügbarem Geld auskommen müssen, als manche Jugendliche an Taschengeld
erhalten. Sie müssen davon aber Nahrungsmittel, Kleider, Verkehrsmittel
bezahlen, nebst den "freiwilligen" Auslagen für Bildung, Unterhaltung, Sport
etc. Auch der dauernd verlangten lebenslangen Weiterbildung wird hier ebenfalls
ein Bein gestellt.
3. Die Krankenkassen sind an
einer Reduktion der Kosten nicht wirklich interessiert, denn des einen Kosten
sind des andern Umsatz.
Eigene Erfahrung seit Umzug von Rheinfelden nach Basel (4.05):
Meldung der Adressänderung im April. Erhalte sofort neue Rechnung, das 1.5-fache
von Rheinfelden. Änderungsantrag auf HMO. Neue Police, ohne Infos oder Nachfrage
betr. Selbstbehalt. Protest per E-Mail. Antwort: Den Selbstbehalt können Sie
erst Ende Jahr wechseln. Mittlerweile ist August. Die hohe Prämie wurde
Rückwirkend auf April verrechnet, der inzwischen mit Betreibungsandrohung
gemahnt wird. Telefon. Änderung der Police auch Rückwirkend auf HMO - aber immer
noch Selbstbehalt 500 statt der gewünschten 1500.
Während dem das "Lebensmodell" eigentlich lautet: In der Jugend
sparen, damit man im Alter davon leben kann", zeigt die Realität ein noch
ärgerlicheres Bild. Die Zürcher Hochschule Winterthur hat erhoben, dass der
durchschnittliche Rentner heute etwa 44'000 Fr/Jahr zur Verfügung hat, davon
aber nur 30'000 ausgibt, also weiterhin spart. Man könnte denken, für den
Krankheitsfall ... ist aber nicht so, denn gerade die Gesündesten sparen am
meisten, die am besten Vernetzten sparen am meisten, diejenigen mit der höchsten
Bildung sparen am meisten. Sparen scheint glücklich zu machen ... auch wenn man
das Ersparte nicht mit ins Grab nehmen kann und die Nachkommen wahrlich alt
genug sind, nicht auf eine Erbschaft angewiesen zu sein. Geerbt wird nämlich
ebenfalls meist im Alter zwischen 55 und Exitus. Das Geld zirkuliert also unter
den Alten. Das zeigt, in welch horrendem politischem
Modell wir wirklich Leben. Demokratie heisst nämlich nur die Etikette. Bestimmt
wird, wie eh und je, von denen, die zahlen, und das sind a) die
Plutokraten, und b)
gleichzeitig, die
Gerontokratie.
Steuersparmodelle, die Produktion und
Konsum noch mehr Geld entziehen, sind also abzuschaffen. Keine
Steuerermässigungen ab 65! Dafür ein bisschen mehr Risiko. Es ist
etwas billig, auf Säcken von Geld zu sitzen, Flexibilität, unbedingten
Arbeitswillen und Risikofreude von denen zu verlangen, die von all dem Geld -
vor allem den zu wenigen Arbeitsplätzen dahinter! - abhängig sind.
Apropos Steuererlasse für die Reichen. Eigentlich spielt hier
die Krankenkasse die selbe Rolle, denn auch die reichen Alten zahlen die selben
Beiträge wie die armen Alten, obwohl sie es beileibe nicht nötig hätten, werden
also im Zeichen der Gleichheit mit subventioniert. So betrachtet ist das
Krankenversicherungssystem nicht gerecht und ein deutlicher Warnschuss über die
Einheitskasse zu empfehlen. HIER wird die Solidarität der
Jungen eindeutig überstrapaziert!

[Erich Solenthaler: Pensionäre tasten ihr Vermögen nicht an.
Tagesanzeiger, 6.3.07. S. 27]
Fazit 1:
Die Krankenkassen versuchen NICHT die für Sie günstigste
Lösung zu finden, sondern Ihnen das teuerste Angebot zu verkaufen, also Umsatz
zu machen.
Auch das wäre bei der Privatisierung eigentlich absehbar
gewesen.
Fazit 2:
Die Krankenkasse ist nicht "Ihr Freund" oder "Ihre
Familie", die für sie sorgt - auch wenn es in der Werbung so tönt.
Die Krankenkasse ist eine verkaufsorientierte Versicherungsbürokratie, voll mit
Bürokraten, die ihre Formulare abarbeiten.
Sie sollten sich also, genau wie die Krankenkassen, von der
Idee der familiären Solidarität lösen und wirklich nur noch auf das
Preis-Leistungsverhältnis sehen,
also die effizienteste dieser Bürokratien nutzen.
Die wichtigsten Massnahmen:
-
Die Anstellung von Ärzten im Monatslohn - obwohl, die
Löhne
der Aerzte sind bei den meisten nicht mehr so, wie man das erwarten würde.
-
Aufhebung des Kontrahierungszwangs
(Was allerdings eine Form der Rationierung und Beschränkung der
Erwerbsfreiheit darstellt. Dieser Erwerbsfreiheit steht allerdings heute eine
Bezahlungspflicht gegenüber, die insbesondere diejenigen Schichten hart
trifft, die ökonomisch eh "auf dem Zahnfleisch" gehen.)
-
HMO-Modelle, also effizientere und
kontrollierte Anwendung der "Gesundheitstechnik"
-
... s.
Originaltext
-
Kritische objektive Bewertung des
Nutzens von Behandlungen und von Medikamenten. Der Konsumentenschutz ist
dran. So sind z.B. ein grosser Teil der Medikamente gegen Migräne offenbar
nutzlos, Untersuchungen auf Prostata, Mandelentfernungen sind in Städten fast
doppelt so häufig wie auf dem Land, im Kanton Freiburg werden doppelt so viele
Gebärmütter entfernt wie in andern Kantonen, Hormonersatztherapien scheinen
bei langfristiger Nutzung eher schädlich, Operation von Kreuzbandriss führt zu
Arthrose ...
-
psychosomatische Aspekte ernstern
nehmen: Die zwei Allgemeinpraktiker Alon Margalit und Aviva Elad-Green
zeigten am Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kommunikation im
Gesundheitswesen in Basel, wie sie Patienten mit medizinisch unerklärlichen
Symptomen (MUS) helfen. Die Therapie nimmt emotionale Probleme als Ursache
körperlicher Symptome aufs Korn. So fanden sie heraus, dass eine Patientin,
die an Herzschwäche litt, Herzrasen jeweils bekam, wenn ihr an Alzheimer
erkrankter Ehemann gewalttätig wurde. Sie starb allerdings bei einer
Herzuntersuchung auf dem Operationstisch ...
Die Kosten können so bis zu 80% gesenkt werden! [Tagesanzeiger,
8.9.06. S. 38]
Die von Couchepin vorgeschlagene Senkung
der notwendigen Reserven ist keine Lösung, sondern das, was man als kreative
Buchhaltung oder "Windowdressing" bezeichnet. Auch der Risikoausgleich
zwischen den Kassen behebt nur die Jagd nach besseren Risken durch einzelne
Kassen, nicht aber das Problem, das auf einem Grundsatzirrtum beruht, der
Verwechslung von Versicherung mit vorbezahlter Leistungsbezugsberechtigung,
die man unbedingt beziehen sollte; eben so wenig das Problem, dass erst
eigentlich durch die Privatisierung der Kassen entstand, die mehr verdienen
wenn sie höhere Umsätze machen, nicht tiefere.
_______________________________________________________________________
Daten zur Gesundheit und zu den Kosten
| Beschäftigte im Gesundheitswesen, 2002:
|
437000 oder 5970 pro 100'000 Einwohner oder
ein
Beschäftigter auf 17 Einwohner |
| Davon Ärzte: |
14408 oder 197 pro 100000 Einwohner oder
1 Arzt auf 508
Einwohner |
| Krankenhäuser: |
572 oder 8 pro 100000 Einwohner oder
ein Spital auf 12'500
Einwohner |
| Kosten pro Behandlungstag im Krankenhaus
durchschnittlich: |
906 Franken. |
| Kosten gesamtes Gesundheitswesen 2001: |
46 Milliarden Franken, 21% mehr als 1996. |
| Lebenserwartung bei der Geburt: |
82.8(f) bzw. 77.2(m) Jahre. |
| Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren:
|
20.9(f) bzw. 17.1(m) Jahre. |
| Säuglingssterblichkeit |
5 von 1000 Knaben, 4 von 1000 Mädchen |
Todesursachen (von insgesamt ca. 62500 Todesfällen im Jahr
2000):
- Herz/Kreislauf 40%
- Krebskrankheiten 26%
- Unfälle und Gewalt 3.8%
- Suizide 2.2%
Unfälle 2001
- Sport: 284500: Wie Churchill schon sagte: Sport
ist Gift!
- Zuhause 166300: Dazu kommt noch, statistisch belegt, dass die meisten
Menschen im Bett sterben! Offenbar ein gefährlicher Ort.
- Strassenverkehr: 75300
Fazit: Hände und Füsse weg vom Sport - aber raus aus dem Haus. Geht gemütlich im Wald spazieren, das belebt nicht nur den
Kreislauf!
Kostenvergleich des Gesundheitswesens, 2002, in % des BIP
(Bild rechts Zahlen für 2003)
- USA: 14.6% des BIP
(Bruttoinlandsprodukt)
- Schweiz: 11.2%
- Deutschland: 10.9%
- Frankreich: 9.7%
- Italien: 8.5%
- Grossbritannien: 7.7%
http://www.calsky.com/lexikon/de/txt/g/ge/gesundheitswesen_schweiz.php
Die Zahlen belegen deutlich, wie wenig
eine Privatisierung hier ändert. 40 der 293 Millionen US-Bürger, also 14%,
können oder wollen sich keine Krankenkasse leisten - und dennoch sind die Kosten
höher als in der Schweiz! New York z.B. hat 1 Arzt pro 244
Einwohner, während der Landesdurchschnitt der USA
bei 1 Arzt auf 350 Einwohner liegt.
Privat oder nicht privat ist offenbar nicht die
Frage. Diese lautet offenbar eher: Geschäft oder Dienstleistung bei Bedarf. Denn
auch privat lässt sich gut mit der Angst vor Krankheit und Tod geschäften, genau
so gut wie mit anderem
Terrorismus.
M. Herzog, Rheinfelden, 14. November 2004

Daten:

Die Kosten steigen, auch wenn die Löhne und generell die Preise
stagnieren.

Das Problem liegt nicht nur bei den Spitälern. Die Kosten
ambulanter Behandlung steigen noch stärker. Allerdings hat bereits der Kanton
Bern für seine 950'000 Einwohner mehr Akutspitäler als ganz Schweden mit 8.8
Millionen Einwohnern [Reto Schlatter: Spitäler treiben die Kosten in die Höhe.
Handelszeitung Nr 27, 5.-11. Juli 2006. S. 54]. Und das Wallis betreibt mehr
Tomographen pro Kopf als Frankreich.
...
Spitäler sind trotzdem schuld ... (vermutlich weil die ambulante Behandlung auch
von Spitälern durchgeführt wird). Für die relative Unschuld von Pharma wie
Ärzten an dem Desaster sprechen auch die Zahlen des Bundesamtes für Statistik -
verarbeitet von Interpharma
...
Gerade die Restrukturierung des Angebots an Spitälern stösst
aber auf enormen Widerstand, teils aus lokalpatriotischer Perspektive, teils aus
mach- und autoritätspolitischen der Chefärzte - aber auch generell aus
arbeitsmarktsorientierten Betrachtungen. In Deutschland trägt eine Website
solche abgebauten Spitäler mit Pomp zu Grabe [http://www.kliniksterben.de/
]

Die höchsten Kosten müssen in Genf und Basel berappt werden.
Diese Kollektivhaftung ohne Mitspracherecht stösst an Grenzen (bei mir
zumindest). Zudem sind solche Extremfälle dazu geeignet, von der
Krankheitsindustrie in andern Kantonen als Zielvorgaben genommen zu werden. Eine
Analyse gerade der Fälle Genf, Basel, Tessin und Waadt wäre angebracht.
Frauen
verursachen um 37% höhere Kosten (obwohl die Männer dicker sind, möchte ich hier
mal bemerken). Zwischen 20 und 40 auf Grund der Schwangerschaften, ab 80?

Die extreme Schrumpfung der
Anzahl der Krankenkassen (im ökonomischen Fachjargon Konsolidierung genannt) von
984 auf 85 hätte eigentlich enorme "Fusions-Gewinne" bringen sollen durch die
Elimination von Doppelspurigkeiten (im ökonomischen Fachjargon Synergien
genannt). Pustekuchen! Solche entstehen offenbar nur, wenn sie jemand privat
abschöpfen kann.
Diejenigen, die am meisten dran
verdienen, die Gesundheitsindustrie, hält sich bei der Bezahlung der Kosten
vornehm zurück.
Die Franchise erfährt weiter
eine leichte Zunahme. Während diese Form der Prämienreduktion ca. von der Hälfte
der Versicherten genutzt wird, wird das HMO-Modell offenbar nicht als attraktiv
empfunden.
Hier liegt offenbar ein Problem, das es noch zu beheben gilt.
Offenbar wird die freie Artzwahl als wichtiger betrachtet als die Reduktion der
Prämie. Allerdings wird dabei vergessen, dass ja kaum ein "Kunde", also Patient,
wirklich den Überblick darüber hat, welcher Arzt nun auf seinem Gebiet wirklich
gut ist - oder, neutraler gesagt, wie er mit Krankheit umgeht. Der eine findet
es toll, tütenweise Medikamente zu erhalten, während dem andern vielleicht doch
an einer seriösen Diagnose gelegen wäre, auch wenn diese bloss lautet:
Hypochonder, zu fett, raucht zu viel, sollte sich mehr bewegen, gesünder essen
oder so. Die Chancen, dass in einem kooperativ arbeitenden Team, wie es an der
HMO arbeitet, der richtige Spezialist bestimmt wird, sollte doch um einiges
höher sein als bei Wahl durch den Patienten, der wie gesagt, den Anbietermarkt
wohl kaum überblicken kann.
Es gibt immer wieder auch das Argument, dass der zusätzliche Bedarf an Kranken-
und Alterspflege ja auch Stellen schaffe. Das Argument erlaubt einen
interessanten Einblick in die Seltsamkeiten des Arbeitsmarktes. Wie diese
Graphiken aus dem Statistischen Jahrbuch der Schweiz 2005 (übernommen aus "dossierpolitik
No 12, 12. April 2006. S. 2: Spitalfinanzierung). zeigen, nahm zwischen
1991 und 2004 die Anzahl der im Gesundheits- und Sozialwesen Beschäftigten sehr
stark zu, während insbesondere das Bauwesen und die davon abhängigen Branchen
wie die Wald- und Holzwirtschaft, auf Tauchkurs gingen, an Personal und
Bedeutung verloren. Während aber beim Baugewerbe mit den Stellen auch die
volkswirtschaftliche Bedeutung sank, stieg nicht etwa die volkswirtschaftliche
Bedeutung des Gesundheits- und Sozialwesens, sondern die des Kreditgewerbes, das
damals mit den selben Personalbeständen immer mehr Geld machte, heute sogar mit
sinkenden. Den "Wert", der Bildung zugemessen wird, unabhängig vom medialen
Getöse, zeigt die geringe Bedeutung des Unterrichtswesens für das BIP.

Wie die
Alternativmedizin politisch "eingespart" wurde:
Dr.med. Peter
Heusser:
Medizin und Macht am Beispiel des Programms Evaluation Komplementärmedizin
PEK
Heusser liefert in seinem Bericht über den Verlauf der
Evalutation der Komplementärmedizien eine detaillierte Dokumentation eines für
die Schweizer Politik absolut typischenpolitischen Prozesses (hinterverschlossenentürenmauschelnundmeucheln).
Präzise diese Prozesse, die auch in vielen Vereinen und Betrieben üblich sind,
bildeten den Anlass,
www.diskussionsforen.ch zu eröffnen, unter dem Motto:
Secrecy is the
beginning of tyranny.
Ich war selbst beteiligt an derartigen
Prozessen bei den Vorarbeiten zum neuen Waldprogramm (WAP)
und der neuen Ausbildung der Forstfachleute an der
ETH. Diese Prozesse waren Anlass zur Einrichtung von
www.diskussionsforen.ch sind hier
im Detail abgebildet. Auch da waren "demokratisches Verfahren" und "Qualität"
der Inhalte äusserst dürftig.
Bundesrätin (BR) Ruth Dreifuss sah sich deshalb gezwungen,
der Bevölkerung entgegenzukommen und verfügte, dass die
komplementärmedizinischen Leistungen von Ärzten auch unter dem neuen
Krankenversicherungsgesetz ab 1999 provisorisch bis zum 30.Juni 2005 in der
obligatorischen Grundversicherung bleiben sollten, und zwar unter der Bedingung,
dass die Komplementärmedizin von Ärzten ausgeübt würde, die einen von der FMH
anerkannten komplementärmedizinischen Fähigkeitsausweis besassen, und zweitens,
dass in dieser Zeit eine wissenschaftliche Evaluation der Wirksamkeit,
Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Komplementärmedizin durchgeführt
würde. Das galt für die fünf häufigsten Methoden:
Anthroposophische Medizin, Klassische
Homöopathie, Neuraltherapie, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und
Phytotherapie. (Pflanzenheilkunde/Heilkräuter)
Programm Evaluation Komplementärmedizin PEK“
Der Prozess Evaluation PEK (Programm Evaluation
Komplementärmedizin)
vom 31.8.2004 kam zu einer
äusserst günstigen Beurteilung des Prozesses: „PEK hat allein schon
dadurch, dass die historischen Gräben zwischen den beiden medizinischen Systemen
in schwierigen Konsensverfahren und durch eine von allen Beteiligten als
konstruktiv empfundene Kooperation weitgehend überbrückt werden konnten,
Einmaliges erreicht, das auch international bereits auf höchste Beachtung
gestossen ist."
Wenn man diesen Bericht liest, mutet es sehr eigentümlich,
wenn Dr. Brunner später behauptete, es gebe Indizien dafür, dass die PEK-Studien
aus politischen Gründen so angelegt wurden, dass das Resultat für die
Komplementärmedizin möglichst günstig ausfalle, und das PEK sei möglicherweise
„falsch aufgegleist“ worden.
Unter der neuen Leitung des BAG (Bundesamt für Gesundheit.
d.Autor) ging die Arbeit zunächst weiter wie vorher. Neu war, dass das BAG
einen aus Prof. Zeltner und Dr. Brunner (Direktor bzw. Vizedirektor BAG) sowie
Dr. Koch (BAG und Präsident PEK Lenkungsausschuss) bestehenden
strategischen Ausschuss PEK
bildete, in dem Dr.
Brunner die Geschäftsführung innehatte. Dadurch änderte sich der PEK-Prozess
enorm. Denn der strategische Ausschuss ergriff in der Folge mehrfach
Massnahmen, die mit vorherigen Abmachungen im Widerspruch standen, die
vereinbarten Kompetenzen von Lenkungsausschuss, Experten und Review Board
übergingen und das Prinzip der Transparenz verletzten.
Diese problematische und für ein demokratisches Land bedenkliche Vorgehensweise
des BAG in der Schlussphase von PEK veranlassen mich, die Ereignisse genauer zu
schildern und den interessierten Kreisen zur Verfügung zu stellen. Als Mitglied
des nationalen Lenkungsausschusses habe ich hautnah alles selbst miterlebt und
verfüge über die entsprechenden offiziellen Dokumente und Korrespondenzen, aus
denen hier zitiert wird. Die Öffentlichkeit hat bei diesem Projekt, das mit über
6 Millionen Franken aus öffentlichen Steuergeldern finanziert worden ist, ein
Recht zu wissen, was hier vorgegangen ist.
Am 18.04.2005, drei Tage vor der Fachtagung, untersagte
jedoch PD Busato per Mail allen PEK-Experten, PEK-Resultate „in qualitativer
oder quantitativer Hinsicht“ zu veröffentlichen. Auf Anfrage des
UNION-Präsidenten bestätigte das BAG am 19.4.2005 dieses Verbot. Damit hatte
sich die Veröffentlichungspolitik des BAG von der denkbar grössten
Öffentlichkeit in ein totales Geheimhalten transformiert, entgegen den
vorherigen eigenen
Verhaltensweisen und Abmachungen, und sehr weit entfernt von der Empfehlung
seines Experten Dr. Hess.
Wenn man annähme, dass die BAG-Spitze schon dazumal
entschlossen war, die Komplementärmedizin aus der Grundversicherung zu kippen,
dann waren solche Ergebnisse im Hinblick auf die öffentliche Meinung natürlich
„gefährlich“.
Die Fachtagung PEK wurde am 21.4.2005 natürlich trotzdem
durchgeführt, allerdings reduziert vor allem auf Komplementärmediziner, und mit
der Weisung, nur dasjenige darzustellen, was bereits bekannt oder aus anderen
als den PEK-Studien stammte.
Zusammenfassend wurden deshalb am 21.4.2005 nebst Resultaten
der einzelnen Methoden folgende Ergebnisse nochmals vorgestellt:
·
Patienten der komplementärmedizinischen
Grundversorger sind im Vergleich zu solchen der Schulmedizin durchschnittlich
jünger sowie häufiger Frauen und Kinder
·
Die in
komplementärmedizinischen Praxen behandelten Patienten haben eine grösseren
Zufriedenheitsgrad als die schulmedizinisch behandelten, obwohl sie
durchschnittlich schwerere und mehr chronische Krankheiten haben.
·
Patienten der
Komplementärmedizin wählen ihre Ärzte öfters wegen den medizinischen Verfahren
aus (z.B. wegen ganzheitlicheren Gesichtspunkten oder weniger Nebenwirkungen),
Patienten der Schulmedizin eher aus pragmatischen Gründen (z.B. lokale
Erreichbarkeit).
·
Komplementärmedizinische Ärzte haben im
Vergleich zu Schulmedizinern häufiger das therapeutische Ziel der Heilung.
·
Patienten der
Komplementärmedizin finden ihre Erwartung an die Therapie häufiger vollständig
erfüllt als Patienten der Schulmedizin.
·
Die Kosten der ärztlichen
Komplementärmedizin sind in der ganzen Grundversicherung verschwindend klein und
bewegen sich im Promillebereich (0.16 % gemäss BAG „Statistik der
obligatorischen Krankenversicherung“ 2003).
·
Die Kosten pro Patient sind
gemäss Wirtschaftlichkeitsstudie PEK in der ärztlichen Komplementärmedizin und
Schulmedizin etwa vergleichbar, wobei die Komplementärmediziner sich für die
Patienten mehr Zeit nehmen und geringere Medikamentenkosten verursachen.
·
Die Kosten pro Arzt sind in
der Komplementärmedizin erheblich tiefer als in der Schulmedizin, je nach
Fachgebiet bis zur Hälfte.
·
Entgegen früheren Behauptungen zeigt PEK,
dass der Kostenanstieg durch die provisorische Aufnahme der fünf Richtungen in
die Grundversicherung bedeutend geringer ausgefallen ist als erwartet, z.T.
sogar stagniert. (Man vergleiche das mit den anderen, ungebremsten Teuerungen im
Gesundheitswesen!)
Im Protokoll des Lenkungsausschusses vom
19.9 2004 hiess es noch: “Nach dem neuen Konzept trägt der Lenkungsausschuss die
Verantwortung [für das ganze Publikationskonzept!].
Also weder die Lenkungsausschussmitglieder, noch die ELK,
geschweige denn weitere Interessensträger oder die Öffentlichkeit sollten dieses
wichtige Dokument vor dem bundesrätlichen Entscheid sehen dürfen.
Pikant an der Geschichte des Schlussberichtes ist jedoch,
dass er in seiner ersten Version vom 14.3.2005 die ausdrückliche
Empfehlung enthielt,
die
Anthroposophische Medizin, die Homöopathie und die Phytotherapie in der
Grundversicherung zu belassen. Die
Anthroposophische Medizin habe bezüglich Wirksamkeit und Patientennutzen eine
„zufrieden stellende Indizienlage“, und sie sei besonders von Krebspatienten
gefragt, bei denen die konventionelle Medizin allein zu „keinen zufrieden
stellenden Behandlungsergebnissen und Verlaufsprognosen“ führten. Die
Homöopathie habe bezüglich Wirksamkeit zu positiven und negativen
Studienergebnisse, sie werde aber insbesondere für Kinder und Frauen genutzt bei
Problemen, für welche die Schulmedizin „oft gar keine Alternative“ oder nur
Medikamente mit Nebenwirkungen bieten könne. Die Phytotherapie habe eine gute
Indizienlage und bereits eine „eher medizinisch-konventionelle Charakteristik“,
und sie müsse eigentlich als ein Teil der Schulmedizin betrachtet werden.
Es ist wiederum bemerkenswert, dass diese
Empfehlung zur Belassung der genannten Methoden in der Grundversicherung auf
Veranlassung von BR Couchepin aus dem Schlussbericht gestrichen wurde.
Begründung: es sei nicht Expertensache, „den Entscheidungsspielraum der
zuständigen Behörde durch konkrete Empfehlungen einzuschränken“
Zusammenfassend bedeutet das, dass der Entscheid von BR
Couchepin
nicht sachgemäss
auf Grundlage der vorliegenden wissenschaftlichen
Ergebnisse, und nicht durch ein
ordnungsgemässes wissenschaftliches Verfahren
gefällt worden ist. Aber offenbar spielte die Wissenschaft beim Entscheid
sowieso eine untergeordnete Rolle. BR Couchepin hat das in seinem Interview mit
dem SonntagsBlick vom 3.7.2005 auch bestätigt, und Dr. Brunner hat gegenüber dem
Review Board Mitglied Prof. Walach geäussert, „die Entscheidung über den
Verbleib der Komplementärmedizin in der Grundversicherung sei eine rein
politische [...].
Deshalb wäre eine Diskussion der wissenschaftlichen
Ergebnisse für die Entscheidung irrelevant, und die wissenschaftlichen Daten
seien ein ‹Abfallprodukt›.“
Bereits vor dem Entscheid von BR war klar, dass eine
Mehrheit in der Bevölkerung den Verbleib der ärztlichen Komplementärmedizin in
der Grundversicherung befürworteten. Dieser Meinung waren z.B. 87% der
Befragten in einer repräsentativen Umfrage von Poliquest vom Februar/März
2005. Und der GfS-Gesundheitsmonitor hatte 2004 gefunden, dass 62% der
Stimmberechtigten den Leistungskatalog der Grundversicherung auf dem damaligen
Stand belassen, und nur 12% ihn abbauen wollten.
... die Entstehung einer
Zweiklassen-Medizin wird begünstigt, ... Weiter wird geltend gemacht, das hier
am falschen Ort gespart wird und dass der Entscheid die teureren Produkte der
Pharmaindustrie begünstige.
Vorläufig ist es leider so, dass der
Grossteil der schulmedizinischen Verfahren ihren Nachweis der Wirksamkeit,
Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit (WZW) im Sinne des Gesetzes
nicht
erbracht hat, aber trotzdem in der
Grundversicherung vergütet wird.
Kommentare:
Dass wissenschaftliche Ergebnisse für politische
Entscheidungen nicht zwingend sind, ist eigentlich erfreulich, denn sonst
kämen wir aus den Sachzwängen nicht heraus. Leider wurde hier aber einfach
der wissenschaftliche Sachzwang durch einen wirtschaftlichen Ersetzt, und
dies noch mit einer sehr einseitigen Perspektive.
Dass die Volksinitiative
Ja zur
Komplementärmedizin am 15. Sept. 2005 mit glanzvollen 140'000
Stimmen eingereicht werden konnte, zeigt deutlich, wie viel Rückhalt das
Anliegen in der Bevölkerung hat!
Links:
"Weisheiten" zur Heilkunst:
Wenn ein Arzt hinter dem Sarg seines Patienten her geht, so
folgt manchmal tatsächlich die Ursache der Wirkung.
(Robert Koch, dt. Bakteriologe,
1843-1910)
Die meisten Menschen sterben an ihren Medikamenten und nicht
an ihren Krankheiten.
(Jean Moliere, frz. Dichter, 1622-1673)
Die Fortschritte der Medizin sind ungeheuer - man ist sich seines Todes nicht
mehr sicher.
(Hermann Kesten, dt. Schriftsteller,
1900-1996)
Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen,
ihr durchstudiert die gross" und kleine Welt,
um es am Ende gehn zu lassen,
wie's Gott gefällt.
Goethe: Faust I
Pflegedebatte
Meine Frau und ich lagen letzte Nacht im Bett und diskutierten die Dinge Des Lebens, auch über das Leben und Sterben. Ich meinte zu ihr: "Lass mich bitte nie in einem unwürdigen Zustand leben, abhängig von einer Maschine und von diversen Flüssigkeiten. Wenn du mich je in so einem Zustand siehst, räum alle Sachen weg, die mich
auf Diese Art am Leben halten." Da stand sie auf, zog das Fernseherkabel und nahm mir mein Bier weg ...