Gesundheits- und Krankenkassenterror

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Das Gesundheitssystem und die Krankenkassen leben von der Angst der Bürger, der Angst krank zu werden und die Heilungskosten nicht bezahlen zu können - eine Angst hinter der letzten Endes die Angst vor dem Tode steckt. Diese Angst wurde meiner Generation und der der Eltern noch von Kirche und Schule mit den heillosen Weihnachtsgeschichtchen eingebläut: Das arme Kind das an Auszehrung leidet - der gute Arzt, der es uneigennützig mit Fleischsuppe aufpäppelt. Obwohl die gesundheitlichen Probleme heute anderer Art sind, z.B. der Art, dass Kranke erst am Montag arbeiten gehen statt am Freitag, wird die Angst von Pharma und der gesamten Krankheitsindustrie geschürt - mit 1/3 des Umsatzes! Sie müssen dies testen, sie müssen das tun, nicht rauchen, nicht trinken, wenig essen, kein Sex, kein Sport mit Risiko ... aber reichlich arbeiten um die Krankenkasse und all die überflüssigen Mittelchen bezahlen zu können.

Bereits heute gibt der Durchschnittsschweizer 5000 Fr. pro Jahr für die Gesundheit aus. Der Anteil am BIP hat sich in den letzten 40 Jahren verdoppelt - d.h. dass die Gesundheitsausgaben doppelt so rasch gewachsen sind, wie die Einkommen. Die OECD-Studie Gesundheit rechnet bis 2020 sogar nochmals mit einer Verdreifachung der Kosten. Oktober 08 haben ca. 120-150'000 Schweizer keinen Versicherungsschutz mehr, weil sie sich die Krankenkasse nicht mehr leisten können.

Ex oriente lux ... oder diesmal, auch bloss eine Warnung. In Österreich macht man sich langsam Sorgen, dass das ganze Geschrei um die Finanzierung der Krankenkasse und die Sparhysterie so langsam aber sicher in ein System münden, in dem die Krankheitskosten wieder völlig privatisiert werden. Ein Warner an erster Front ist der Unfallchirurg, Pflegeombudsmann und Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft kritische Medizin: Werner Vogt. Er macht darauf aufmerksam, dass:

Dreiklassenmedizin:

Wer krank und reich ist, umgeht spielend Eingangsbarrieren und Warteschlangen. Wer krank und arm ist, wartet Monate und Jahre auf die Operation der Hüfte oder der Augen. Nutznießer dieser wuchernden Zweiklassenmedizin sind exakt jene Privatärzte, die jetzt jaulen, und die Privatversicherungen. Wahr ist: Ob roter Klinikchef oder schwarze Versicherung, alle reiben sich die Hände, wenn das Geschäft mit den Krankheiten läuft - und es läuft derzeit prächtig.

Die Beerdigung des Sozialstaates und die Auslieferung der Kranken und Verletzten, der Behinderten und Geisteskranken, der hilfsbedürftigen Alten an den freien Markt ist erklärte Regierungspolitik.

Wer die willkürlich, aber gesetzlich herbeigeführte Umwandlung eines Patienten zum Pflegepatienten erdulden muss, marschiert sehr oft in die dritte Klasse der Medizin herab: ein Bad für siebzig Patienten, rationierte Inkontinenzeinlagen (Windelhosen), dürftige - weil personell unterbesetzte - Pflege, keine Betreuung. Erst der soziale Tod, dann physischer Tod. Dreiklassenmedizin mit politischem Mehrheitsbeschluss.

Das professorale Gejammer, dass Krebspatienten, Herz-Kreislauf-Patienten, dass chronisch Kranke wie Diabetiker und Rheumatiker nicht auf der Höhe der Zeit der medikamentösen Möglichkeiten behandelt werden können, ist widerlich. Die Kläger beklagen nicht Patientenschicksale, sondern mangelhafte Geldflüsse des Staates an die Pharmaindustrie. Die medizinischen Großgrundbesitzer an den Kliniken bangen um ihre an die Pharmaindustrie gekoppelten Forschungsprojekte. Medizin ist: Medikament oder  Operation. Dass es sinnvoll wäre, Primärprävention zu betreiben, gegebene  gesellschaftliche Krankheitsursachen aufzuspüren, dass es besser wäre, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verhindern, als ihrem Anstieg zuzusehen und dann die Pharmaindustrie um teure Präparate zu bitten, sehen die "Kassandra-Rufer" nicht ein. Sie haben sich alle an ein falsches medizinisches Denken gewöhnt und sind in der Dreiklassenmedizin aufgewachsen.

Da im Feld - der Lehrmeister der Chirurgie ist die Kriegschirurgie - nicht alle Verletzten gerettet werden können, werden die schweren Fälle bis zum letzten Atemzug getröstet und die leichten Fälle ordentlich behandelt. Das ist nicht gerecht, aber listig und billig. Es fördert die Feldtauglichkeit, nicht die Gesundheit. Der Sozialstaat ist kein Feldlazarett. Jeder gegen jeden, der freie Markt gegen alle. Das ist österreichische Gesundheitspolitik. Das ist Triage. Der Reiche und Gebildete überlebt lange, der Arme und Arbeitslose büßt Leben ein.

Falls Sie denken, ja ja ... Österreich ..., kann uns nicht passieren, dann warten Sie mal ... aber nicht zu lange. Wir haben eine Partei, die jede Furzidee aus dem Ausland sofort aufnimmt (genetischer Test der Einwanderer, wanderte selbst vom rechtsnationalen Dänemark über das Frankreich Sarkosis in die Schweiz ein), wenn sie damit den Status quo stärken kann, also den Reichen hilft reicher zu werden - und den Armen ärmer.

Idee zur Kosteneinsparung im Gesundheitsbereich:

Das Hauptproblem des Gesundheitsmarktes ist der Wissensunterschied zwischen Arzt und Patient. Trotz diesem getrauen sich viele Patienten, überflüssige und überreichlich verteilte Medikamente im Müll zu entsorgen ...  Abgesehen davon, dass das natürlich keine Kosten spart, ist es auch einigermassen gefährlich, denn der Patient kann kaum wirklich beurteilen, welche Medikamente/Behandlungen nun nötig und welche überflüssig sind, da diese oft äusserst komplexe und widrige Zwischenwirkungen erzeugen.

Aus diesem Problem entsteht auf der einen Seite Überversorgung/Ueberfürsorglichkeit. Die Patienten werden mit allem bedacht, was dem Arzt so einfällt. Fällt ihm nichts mehr ein, sendet er sie von Pontius zu Pilatus, also seinen Kollegen. Das führt dazu, dass einige (wie ich z.B.) kaum je zum Arzt gehen, oder wenn, dann meist ziemlich spät - was auch nicht grad gesund ist. Und dennoch bleibt man wieder hängen nach der Heilung, und weiss nicht, wie man da bloss wieder rauskommen soll.

Falls die Kassen wirklich Geld sparen wollen (was nicht sicher ist, denn Umsatz ist Umsatz und der entsteht nicht durch b günstige und rasche Erledigung von Problemen, sprich Krankheiten ...), also falls man eine Institution finden könnte, die wirklich die Gesundheitsversorgung wirtschaftlich optimieren will, dann müsste man eine Art Ombudsstelle schaffen, an der Patienten ihre Behandlung überprüfen lassen können, falls sie den Eindruck haben, es sei nun wirklich genug.

Die Ansiedelung dieser Stelle bei den Kassen wäre optimal, denn so riskieren sie nicht, übermässig zu sparen, also am falschen Ort zu sparen, da sonst die Kosten mit dem rückfälligen Kranken gleich doppelt zurückkommen,.

Die viel gelobte Gentechnik dürfte hier ebenfalls eher kontraproduktiv wirken. Noch heute geht die Mehrheit der Menschen zum Arzt, wenn sie das Gefühl haben, es stimme was nicht mit ihrem Körper (was ja präzise der Zweck der Evolution war, als sie die Schmerzen positiv bewertete). Wenn es nun möglich ist, sämtliche potentiellen Risiken und Anfälligkeiten zum Vornherein zu wissen, dürfte das in vielen Fällen den Ausbruch der Krankheit beschleunigen und verstärken, präzise wie bei allen self fulfilling prophecies. Potentiale können sich entwickeln, tun dies aber nur zu einem gewissen (oder ungewissen?) Prozentsatz. Jeder aber der von einem Krankheitspotential weiss, wird alles unternehmen, es im Schach zu halten, wodurch a) zusätzliche Kosten entstehen, b) das Potential häufig erst aktiviert wird, oder c) sich als Phobie manifestiert.

Nicht diskutiert wird dabei aber über das was wirklich krank macht, oder es unmöglich macht, eine Krankheit einfach "normal" ausheilen zu lassen: Unser Arbeits- (Wirtschafts-) und Lebensstil. Und da besteht wenig Hoffnung auf Änderung, insbesondere seitdem sogar die SP auch auf mehr Unzufriedenheit setzt, die in der Form des Wettbewerbs zu noch mehr Wachstum führen soll.

Restaurant

Der Herr drüben bestellt sich noch ein Bier,
das ist mir angenehm, dann brauch ich mir keinen Vorwurf zu machen
dass ich auch gelegentlich  einen zische¨.
Man denkt immer gleich, man ist süchtig.

In einer amerikanischen Zeitschrift las ich sogar,
jede Zigarette verkürze das Leben um sechsunddreissig Minuten,
das glaube ich nicht, vermutlich steht die Coca-Cola-Industrie
oder eine Kaugummifabrik hinter dem Artikel.

Ein normales Leben, ein normaler Tod
das ist auch nichts. Auch ein normales Leben
führt zu einem kranken Tod. Überhaupt hat der Tod
mit Gesundheit und Krankheit nichts zu tun,
er bedient sich ihrer zu seinem Zwecke.

Wie meinen Sie das: der Tod hat mit Krankheit nichts zu tun?
Ich meine das so: viele erkranken, ohne zu sterben,
also liegt hier noch etwas anderes vor,
ein Fragwürdigkeitsfragment,
ein Unsicherheitsfaktor,
er ist nicht so klar umrissen,
hat auch keine Hippe,
beobachtet, sieht um die Ecke, hält sich sogar zurück
und ist musikalisch eine andere Melodie.

Gottfried Benn

mehr Zeichen prosaischen Ablebens ...

Dabei landen in der Schweiz jährlich offenbar Medikamente im Wert von 500 Millionen Franken im Abfall. Anstatt den Schluss daraus zu ziehen, dass diese vermutlich überflüssig sind, wird ein neues Dosiersystem entwickelt ( http://www.toppharm.ch/magazin/2128/2129/ ). Die Krankheitsindustrie verarscht doch die Leute - mit Hinter-List. Laut folgender Definition dürfen wir die Methoden mit Terror bezeichnen, denn es werden Einschüchterung, Abschreckung Druck und Zwang verwendet:

Definition Terror:
Der Begriff Terror wird allgemein bei einem Zustand langfristiger Angst und Schreckens verwendet. Einzelne Personen oder Gruppen die einer Organisation angehören verwenden Methoden wie Druck, Zwang, Gewalt, Einschüchterung, Abschreckung, Niederkämpfung oder Bedrohung

http://www.net-home.ch/sorus/def_terrorismus.htm

Terror lässt sich nur von denen ausüben, die über die Macht dazu verfügen. Terror ist also eine Erscheinungsform von Machtkampf und Machtmissbrauch der herrschenden Staats- und Polizeimacht gegenüber Opposition und Widerstand. Ausgeprägte Terrorherrschaften waren etwas die Hunnen, die Mongolen, die Nazis und Stalin. (Wenn ich also die Krankenkasse in die Reihe stelle, handelt es sich zugegebenermassen um eine kleine, rhetorisch zugespitzte, Übertreibung.)

Bei tiefen Einkommen macht die Krankenkasse präzise das, was der Begriff aussagt: Sie macht krank - und nicht bloss die Kasse. Was denken Sie, welche Auswirkung der dauernde Druck, ev. die Betreibung oder Pfändung auf die Gesundheit haben? Der Saldo wird hier langsam aber sicher negativ, wenn er es nicht bereits längst ist.

Die Krankenversicherer beklagen offene Rechnungen in Höhe von 400 Millionen Franken, was etwa 1,5 Prämienprozenten entspricht. Die grösste Krankenversicherung, Helsana (1,47 Millionen Versicherte), versandte im letzten Jahr über eine Million Mahnungen und leitete 90 000 Betreibungen ein, was einem Prämienvolumen von 80 Millionen Franken entspricht. Bei der CSS (1,19 Millionen Versicherte) waren Ende 2003 Forderungen in Höhe von 60 Millionen Franken offen und 25 000 Betreibungen eingeleitet, bei der Groupe Mutuel (674 000 Versicherte) spricht man von rund 90 000 Betreibungen und einem offenen Prämienvolumen von 58 Millionen Franken.

Ursache davon ist, dass die Krankenversicherungsprämien in den letzten Jahren schweizweit massiv gestiegen sind, im Kanton Zürich beispielsweise um durchschnittlich 71 Prozent seit Einführung des neuen Krankenversicherungsgesetzes im Jahre 1996. Damals zahlte ein Erwachsener im Schnitt 161 Franken pro Monat, 2004 sind es bereits 275. Seit 2000 stiegen die Prämien um 45% - bei stagnierender Wirtschaft, insbesondere bei stagnierenden tiefen Löhnen. Im nächsten Jahr wird die Erhöhung verdeckt durch die Erhöhung (Verdoppelung) der Franchisen! Gleichzeitig steigen die Ausgaben für Steuern, Abgaben und Versicherungen.

Nicht bloss die beklagten Steuern belasten als Zwangsabgaben die Bürger. Die Steuern passen sich zumindest der individuellen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit an. Die Krankenkasse belastet aber Arme und reiche mit dem selben Betrag, stellt also eine weitaus stärkere Belastung der Armen dar - und dies gleich in doppelter Hinsicht. Arme Familien haben meist auch mehr Kinder - und kaum Reserven, nicht bloss weil sie jünger sind, sondern auch weil Reiche generell weniger Kinder haben: Zeit ist Geld ...
 

Wirtschaft und Politik setzen auf den Gesundheitsmarkt als Wachstumsmotor. Er funktioniert vielfach als Marktöffner und Innovationstreiber.

Gesundheit wird zum Konsumgut. Die Mechanismen der Gesundheitsmärkte folgen der Logik der Konsummärkte, Konsumgewohnheiten werden auf den Gesundheitsmarkt übertragen.

Stephan Siegrist in GDI Impuls: Healthtyle. Alles wird Gesundheit. Wirklich alles. Sommer 2006

Ein besonderer Marktantrieb ist hier die Nachfrage der Reichen nach Lifestyle-Produkten, wie Schönheitsoperationen, Schlankheit, Fitness, Regulierung aller unerwünschten Emotionen (Trauer, Wut, Unruhe ...), das "allzeit bereit" des Pillermanns etc. Im Zeichen der "Gerechtigkeit" müssen dann die selben Mittel allen zugänglich gemacht werden, und werden konsumiert, weil man den Reichen nachstrebt im Konsumverhalten.

Die Krankenkassen subventionieren in extremem Masse die "Gesundheitsindustrie". Vorsicht gegenüber Gen* und Bio* sind also angebracht, da eine Subventionierung solcher Branchen durch eine Kopfsteuer unangebracht ist und nicht mehr lange bestehen wird. Die Idee der solidarischen Absicherung über eine gemeinsame Krankenkasse ist zusammengebrochen - weil die Privatisierung nun Spitäler, Ärzte, Kassen und Kunden zu wirtschaftlichem Denken zwingt: Rausholen was sich rausholen lässt. Wir könnten aber das gesamte Bruttosozialprodukt für "Gesundheit" ausgeben, was das Angebot an Therapien und Maschinen betrifft. Die Frage ist bloss: Wollen wir das? Für die unteren Einkommen ist die Schmerzgrenze längst erreicht. Es liegt nicht drin, dass tiefe Einkommen die Wachstumsindustrie "Gesundheit" finanzieren.

> Eine eindrückliche Demo [Gesund werden], was im Gesundheitsunwesen so möglich wäre ...

Bereits heute arbeiten 12% der Beschäftigen in der "Gesundheitsindustrie" und die Beschäftigung wächst hier weiter um jährlich 2.8%, die Kosten allerdings um 4%. Dieses überdurchschnittliche Wachstum muss aber bezahlt werden, und es wird zu 40% von den Krankenkassen bezahlt. Also bitte keine weitere Wachstumsförderung in dem Bereich!

Als Alternativen empfiehlt :http://www.stoplamal.ch/index.htm (Deutsch: http://www.stoplamal.ch/index2.htm) wieder eine öffentliche Krankenkasse, allenfalls sogar eine Einheitskasse analog zur SUVA einzurichten, die Gesundheit als öffentliches Gut und nicht als individuellen Konsumartikel behandelt.

Infos und Unterschriftenbogen zur "sozialen Einheitskrankenkasse unter http://www.userlearn.ch/krankenkasse/downloads/ubogende.pdf [Die Sammelfrist lief am 10.Dezember 04 aus!]

Es steht zwar zu befürchten, dass weder die Einheitskasse noch die zur Zeit diskutierte Verbilligung der Krankenkasse für Kinder durch Bund und Kantone das Problem lösen werden. Die Kosten werden umverteilt, steigen aber weiter. Stossend daran ist auch das Giesskannenprinzip, das im Namen der Gleichbehandlung den Reichen die selbe Erstattung gewährt wie den Armen. Hier liegt aber bereits das Problem, das von stoplamal mit einem marktorientierten Ansatz grosszügig übersehen wird. Reiche können sich Ärzte und Spitäler auch ohne Kasse leisten. Können wir uns aber wieder ein System leisten, in dem Reiche überleben und Arme verrecken? Die Tendenz geht in die Richtung. Diejenigen die am härtesten arbeiten, wie die Leute auf dem Bau, kommen kaum in das Alter, in dem sie Kosten verursachen könnten. Auch das ist eine marktorientierte

 

Früher starben die Menschen mit 35. Heute schimpfen sie mit 95 auf die Chemie.

Karl H. Krauch

Analyse der Kostenursachen und Lösungsansätze: ...Was kostet unsere Gesundheit- Ökonomische Analyse des Gesundheitswesens. Dr. oec.publ. Harry Telser: Das Schweizer Gesundheitswesen steht zwischen zwei Extremen:

1. Gesundheit ist das höchste Gut. Um die Gesundheit zu erhalten ist nichts zu teuer.

2. Das Gesundheitswesen ist in einer Krise. Wenn die Kosten weiter im bisherigen Tempo steigen, können wir uns die Gesundheit bald nicht mehr leisten.

Der Mensch ist gesünder, wenn er krank ist.

... Es fällt uns jedoch bedeutend schwerer, die Welt des Menschen als ein Biotop anzusehen, in dem nach eben so strengen Gesetzmässigkeiten das Kranke und das Gesunde verstrickt sind.

Alfred Ziegler: Morbismus

Ärzte Schaffen sich ihre Nachfrage selbst: Die Ärzte werden das heute noch bestreiten, obwohl die Tatsache längst bekannt ist. Ich hab' diese Tatsache auf seltsame Art, an seltsamem Ort, zum ersten Mal gehört. Das war ca. 1990, als ich im Sheraton in Sana'a (Jemen) ein opulentes dreigängiges Mal genoss, und sich 2 Deutsche Piloten am Nebentisch unterhielten: Eine Untersuchung in der Schweiz habe ergeben, dass jeder Arzt der eine neue Praxis eröffnet, die Krankenkassen zusätzliche 200'000 Fr. koste. Heute, 14 Jahre später warten wir immer noch auf die Lösung. Weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass Angehörige von Ärzten weitaus weniger oft operiert werden. Telser sieht also weniger eine Kostenexplosion als eine Mengenexplosion: Immer mehr medizinische Leistungen die immer weniger bringen.

Jürg Blech hat dies offenbar in seinen Bücher: Die Krankheitserfinder und Heillose Medizin (S. Fischer, Frankfurt a.M. 2005) beschrieben. Den besten Hinweis darauf, wie viel Ueberflüssiges, Unnötiges oder sogar äusserst Gewagtes von der Gesundheitsindustrie verkauft wird, ist der Anteil an Aerzten, die sich der selben Behandlung unterziehen würden.

Peter Sloterdijk zeigt in seinem Buch Kritik der zynischen Vernunft [S. 497] ein positives Beispiel [aus Johann Peter Hebel: Das Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes], wie etwas mehr Zynismus (auch Ehrlichkeit könnte bereits helfen ...) heilende Wirkung entfalten und Geld sparen kann. Da reiche Leute oft Krankheiten haben, von denen der arme Mann nichts weiss, erteilte ein kluger Arzt einem überfressenen Amsterdamer Bürger folgenden Rat.:

Guter Freund, Ihr habt einen schlimmen Umstand, doch wird Euch zu helfen sein, wenn Ihr folgen wollt. Ihr habt ein böses Tier im Bauch, einen Lindwurm mit sieben Mäulern. Mit dem Lindwurm muss ich selber reden und Ihr müsst zu mir kommen. Aber fürs erste dürft Ihr nicht fahren oder auf dem Rösslein reiten, sonder auf des Schuhmachers Rappen, sonst schüttelt ihr den Lindwurm und er beisst Euch die Eingeweide ab, sieben Därme auf einmal ganz entzwei. Fürs andere dürft Ihr nicht mehr essen als zweimal des Tages einen Teller voll Gemüs, mittags ein Bratwürstlein dazu und nachts ein Ei und am Morgen ein Fleischsüpplein mit Schnittlauch drauf. Was ihr mehr esst, davon wir nur der Lindwurm grösser, also dass er Euch die Leber zerdrückt, und der Schneider hat Euch nimmer viel anzumessen, aber der Schreiner. Dies ist mein Rat, und wenn Ihr mir nicht folgt, so hört Ihr im andern Frühjahr den Guckuck nimmer schreien. Tut, was Ihr wollt.

Der Gesundheitsgruss: Der reiche Fremdling habe 87 Jahre, 4 Monate, 10 Tage gelebt, wie ein Fisch im Wasser so gesund, und hat alle Neujahr dem Arzt 20 Dublonen zum Gruss geschickt. Aus dem Krankenhonorar ist der Neujahrsgruss eines Gesunden geworden. Krankenkassenprämie als Dank dafür, gesund zu sein, dass war eigentlich die Grundidee. Privatisierung und Marktdenken haben daraus einen Subventionstopf gemacht über den die Armen für die Reichen spenden.

Sloterdijks Bemerkungen zeigen, dass das Problem offenbar schon vor 20 Jahren absehbar war:

All diese grandiosen Leistungen moderner Medizin, all diese neuen Spezialisten wollen natürlich bezahlt werden, und wie bereits Sloterdijk schon festgestellt hat: Die einzige Waffe gegen falsche oder bedenkliche Hilfe besteht darin, sie nicht zu gebrauchen. All dies scheint nicht neu. Eine ähnliche Kritik an innovativer Kurshuberei äusserte bereits Seneca vor bald 2000 Jahren. Beachtenswert auch die Aussagen von Epictet zur Schönheit, einem florierenden Bereich des Gesundheits-Unwesens.

 

So wird der Mensch nicht bloss bevormundet (Hallo liebe schlankem Fitness treibende Nichtraucher), sondern seiner körperlichen Kompetenz enteignet: Am Ende wird man auf urologischen Lerngängen lernen müssen, wie man korrekt pisst. .... Wer erkennt, dass der Kreis der Entfremdung und der Flucht sich am Ende immer im eigenen Tod schliessen muss, dem muss klar werden, dass man den Kreis besser in die andere Richtung schlüge, ins Leben statt in die Betäubung, ins Risiko statt in die Absicherung, in die Verkörperung statt in die Spaltung. [Sloterdijk S. 504/5].

Hier haben wir auch ein Problem, das durch das schw. Heilmittelgesetz eigentlich umschifft werden sollte: Für rezeptpflichtige Medikamente darf keine Publikumswerbung gemacht werden. Die Werbung soll nur an den Arzt, der das Zeugs ja verschreiben soll. Dennoch gibt die Pharmaindustrie 1/3 ihres Budgets für PR aus. Deshalb beglücken uns nun Plakate mit so wertvollen Hinweisen wie:

Überfettung der Bevölkerung:

Vorschlag für eine problem-lösende statt problem-verursachende Subventionierung von Nahrungsmitteln:

Gemüse und Obst für die Gesundheit - statt Pharma

Laut Caritas gibt es in der Schweiz rund 1 Million Arme. Diese verfügen also über ein Budget, das in etwa dem Existenzminimum entspricht, oft weniger, manchmal etwas mehr. Sehen Sie sich mal so ein Budget an und überlegen Sie sich, auch wenn Sie (zur Zeit noch) nicht selbst davon betroffen sind, welche Art Nahrungsmittel Sie sich selbst damit leisten würden. Standard ist  Reis, Nudeln, Speck, billiger "entvitaminisierter" Fleischwurst, Zwiebeln & Knoblauch, Bohnen, Käse, Brot, Butter, Milch, Tee und Kaffee ... und Gewürze - leider aber keine frischen Kräuter - obwohl gerade diese eigentlich meist Heilmittel währen, also auch für die Gesundheit präventive Wirkung hätten. Obst und Gemüse fällt flach, da ein Pfund billige Wurst oder Käse nun eben doch einiges mehr abgibt als ein Pfund Obst oder Gemüse, das schon bald gleichviel kostet.

Den Armen wird also das Leben verkürzt
durch die beschränkte Auswahl an zahlbaren gesunden Nahrungsmitteln!

Dicke verursachen mehr Kosten. Ganze Spitäler müssen für Dicke umgerüstet werden. Dicke sollen einen höheren Selbstbehalt bezahlen.  - So der vorherrschende Ton in den Medien. Tja ... da aber Dicke kürzer leben, sieht das auf die Gesamtlebensdauer bezogen eben doch ganz anders aus, denn da sind es die Gesunden und Schlanken die weitaus höhere Kosten verursachen. PLoS Medicine, Bd. 5, S. 29: Übergewichtige zwischen 20 und 56 Jahren verursachen zwar die meisten Gesundheitskosten, neigen aber stärker zu Herzkrankheiten und sterben im Durchschnitt mit 80 Jahren (Raucher sogar schon mit 77, Gesunde aber erst mit 84, wobei auch hier die letzten Jahre nicht immer sehr gesund sind). Ab einem Alter von 20 Jahren verursachten Raucher Gesundheitskosten von von 356'000, Dicke 404'000 Fr. und Gesunde 454'000 Fr . Also bitte, lasst die Raucher und die Dicken in Ruhe, denn sie leisten ihren Sparbeitrag!

Wie jedes Problem birgt aber auch dieses einige Chancen:

  1. Die Bauern gehören ja mit zu den Ärmsten. Sie müssen mit enormen Subventionen über Wasser gehalten werden - aber, der grösste Teil der Subventionen geht an die Verarbeiter, damit sie billig exportieren können, kommt also den Bauern gar nicht zu gute - und der Steuerzahler erhält auch wenig für seine Leistungen.

  2. Übergewicht ist, im wahrsten Sinne des Wortes, ein gewichtiges Problem, insbesondere da es immer weitere Kreise bereits der Jugendlichen erfasst.

    Übergewicht betrifft vor allem Arme, also die unteren sozialen Schichten. Wenn Sie sich obiges "Diätprogramm" ansehen, verstehen Sie sofort, warum dem so ist - und warum das auch so bleibt, trotz tausend Empfehlungen mehr Gemüse und Obst zu Essen an Schule, Fernsehen und in allen andern Medien.

  3. Durch Subventionen verbilligte Nahrungsmittel die in den Export gehen, ruinieren die Existenz noch ärmerer Bauern in der 3. Welt.

Nun ist es für tiefe Einkommen ja seit längerem möglich, sich einen Teil der Krankenkassenkosten erstatten zu lassen. Es gäbe aber bessere Möglichkeiten! Warum nicht die Krankheit im Keime ersticken, insbesondere diejenigen, die durch Fehlernährung entstehen?

Vorschlag:

Diejenigen Bevölkerungsschichten, die sich frisches Gemüse und Obst - Fleisch sowieso, bei den Preisen ! - schlichtweg nicht leisten können, erhalten vergünstigte Bezugsberechtigungen / Gutscheine, die sie an lokalen Märkten oder bei ihren lokalen Bauern einlösen können. Damit wären nicht nur zwei Fliegen auf einen Schlag getroffen, sondern gleich 3:

  1. die Bauern (zumindest Gemüse und Obst-Klein-Bauern, aber auch Fleischbauern und lokale Metzger) hätten ihre Existenzberechtigung nicht nur in Worten sondern auch in Geld zugesprochen,

  2. und die Armen können es sich überhaupt erst leisten, vernünftig und gesund zu essen.

  3. Die Landwirtschaft müsste nicht mit subventionierten Billigangeboten die Weltmärkte überschwemmen und damit Landwirte in der Dritten Welt, die noch ärger dran sind, in den Ruin treiben

 

Die unheilige Allianz zwischen Ärzten ("Gesundheitsanbieter" generell sind gemeint) und Patienten

Leider ist das gegenwärtig gesetzlich sanktionierte Krankenkassenunwesen ganz anders organisiert. Dicke und Arme haben ja ein überdurchschnittliches Risiko nicht gesund zu leben - also krank zu werden. Statt sie bei ihren Anstrengungen zu unterstützen, diese Situation zu bessern, werden sie aber noch weiter abgedrängt. Wer dick ist, kann keine Zusatzversicherung abschliesse - wer keine Zusatzversicherung hat, kriegt die Beiträge ans Fitnesszentrum nicht erstattet.

Noch schlimmer, wer von teurer und oft unergiebiger Physiotherapie zum Fitnesstraining wechselt, kriegt nicht mal mehr die Kosten erstattet für Rehabilitation. Konkretes Beispiel: Ich hatte am 31. April eine so heftige Knieentzündung, dass ich zwei Nächte nicht schlafen konnte, und am übernächsten Tag 20 Minuten brauchte für die 150 m in die nächste Apotheke, um Schmerzmittel zu besorgen (ich brauch so was sonst nie). Dummerweise nahm ich eines gegen Gicht, weil sich der Schmerz präzise so anfühlte (bis heute kann mir kein Arzt sagen, was es war), denn wäre ich ganz einfach beim klassischen Aspirin geblieben, hätte das blutverdünnend gewirkt, und die Thrombose wäre zu vermeiden gewesen. Gut, oder schlecht, also Thrombosebehandlung, ambulant, gegen die rabiate Empfehlung des Professors. Ab Juli Physiotherapie. Allerdings soll ich auf ein Fahrrad, was ein Witz ist, da ich das Knie immer noch nicht vollständig beugen kann. Also Bankdrücken mit rechtem Bein, 100 mal. Kostet bei der hmo 22.- pro Stunde, und daneben gibt's sonst nicht viel, womit man sich betätigen könnte. Also wechsel ich zum forum sports club, wo's jede Menge an Möglichkeiten gibt, und trainier dort 3 mal pro Woche, wobei ich jedes mal 25 - 30 Tonnen stemm (Ich hab nämlich nicht bloss Gewicht, sondern auch die Muskeln dazu). Und was meint die SWICA dazu? Ein Lob - Unterstützung dieser Anstrengungen, welche die Kasse über 200.- Fr pro Monat sparen? Nö - sie bezahlt nix, weil ich zu fett bin hab ich keine Möglichkeit der Zusatzversicherung ... und das Geld hätt' ich eh nicht.

Nun gut, das mag ja alles richtig sein ... im Interesse der Kassen - aber der Saldo der nationalen Gesundheit dürfte mit derartigem Schabernack massiv belastet werden, wenn nur diejenigen Vorsorge betreiben (können), die's nicht nötig haben.

Fazit:

Die Kosten für die Krankenkasse lassen sich im gegenwärtigen System darum kaum senken, weil die Anreize Ausgaben fördern, weil insbesondere eine unheilige Allianz zwischen Patient und Anbieter gefördert wird. Der Patient der schön brav alles mitmacht, was der Arzt, Therapeut, etc verordnet, krieg von der Krankenkasse schön brav alles bezahlt. Wer nach günstigeren, alternativen Mitteln sucht oder die Heilung in die eigenen Hände nimmt, kriegt dagegen gar nix, unabhängig vom Resultat und den Einsparungen, die er ermöglicht hat. Und wer möchte schon so dämlich sein ....

Krankenkassen sind keine sozialen Einrichtungen, sondern Versicherungsbürokratien. Die Privatisierung hat sie zwar nicht günstiger gemacht, aber offensichtlich beschränkter, denn was zählt ist nur noch die Profitabilität. Der gesunde Menschenverstand ging flöten, was ja eigentlich nicht so gesund sein kann ...

Wer eigenverantwortlich handelt, muss also selber zahlen!

gemessen am Glücksgefühl, dass dies verursacht, ist es allerdings berechtigt ... (s. Lebensstandarditems)

 

Überalterung der Bevölkerung

Motto:

Gesunde Ernährung ist teuer,
Bewegung kostet Zeit und Zeit ist Geld ... Aber Krankheit ist noch teurer ..
.

Der steigende Anteil älterer Semester an der Bevölkerung trägt hier auch sein Scherflein bei. Bis 2030 wird mit einer Verdoppelung der Kosten der Alterspflege gerechnet, also mit 15 Milliarden statt 6 (2001). Dieser rasante Anstieg könnte etwas gemildert werden, wenn der Anstieg der Kosten der Medikamente tiefer ausfällt als heute, und insbesondere, wenn der Eintritt ins Pflegeheim verzögert werden kann. Dazu vor allem geeignet scheinen Andreas Stucks (geriatrische Abklärungsstation, Inselspital Bern)  präventive Hausbesuche. Die Stiftung Gesundheitsförderung, die in dem Bereich mit Pro Senectute zusammenarbeitet, verfügt allerdings nur über ein Gesamtbudget von 17 Millionen.

Ich lege gar kein so grosses Gewicht auf unsere Sozialpolitik; was hilft es, wenn Arbeiter auf ihre alten Tage etliches Behagen haben, wenn sie gehorchen müssen, solange sie ihre gesunden Knochen noch beieinander haben.

Max Weber

Das Greisenalter, das alle zu erreichen wünschen, klagen alle an, wenn sie es erreicht haben.

Goethe

50% der Spitalkosten fallen in den letzten drei Monaten vor dem Tod an.

Die britischen Behörden verweigern z.B. die Bezahlung des Krebsmedikamentes Tarceva von Roche, wie bereits vor Jahren Avastin. Allen diesen Krebsmedikamenten ist gemein, dass sie den Krebs nicht heilen, sondern das Leben nur noch um ein paar Monate verlängern - dies aber für horrende Preise (bis 70'000 Fr. pro Jahr). Im Angesicht des Todes vermutlich für viele dann eben "kein Argument" mehr.

Hier haben Christen wie Muslime eine ziemlich absurde Einstellung zum Tode. Beide gelangen ja zu ihrem Gott, in die Ewigkeit, vom Jammertal ins echte Leben. Aber beiden scheint dieser Schritt enorme Mühe zu bereiten, obwohl das Problem betr. der Fehleinschätzung des "Ewigen Lebens" eigentlich bereits vor 5000 Jahren gelöst wurde. (s. Gilgamesch). Obwohl sich hier Bibel und Koran kaum unterscheiden: Asche zu Asche, Staub zu Staub, wird in beiden Kulturen eine postmortale Staubverehrung betrieben. Charles Richet, Physiologe, Psychologe und Nobelpreisträger  lehrte bereits  1921 eine souveräne Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Tod:

Was also meinen eigenen Leichnam angeht, so erkläre ich hiermit ganz feierlich, man werfe ihn auf den Schindanger, äschere ihn ein, begrabe ihn oder seziere ihn, es ist mir völlig gleichgültig, und ich bitte die Meinen inständig, sich darum keine Sorgen zu machen. (Sloterdijk S. 867)

Schopenhauer meinte, es sei seltsam, dass die meisten Leute ein Nicht-Weiterleben nach dem Tode unerträglich finden, während sie ein Nicht-Dagewesen-Sein vor der Geburt gleichgültig lässt. Noch seltsamer allerdings ist, wie viele bereits vor dem Tode nicht leben - und dieses nach dem Tode weiter treiben möchten.

Mein persönlicher Vorzug gälte allerdings dem Einäschern und dem Verstreuen der Asche im Wind, am liebsten in einem Eichenwald mit Südlage.

Schockierend ist die Erkenntnis, dass in weiten Teilen der entwickelten Welt für die medizinische Behandlung in den letzten Lebenswochen mehr ausgegeben wird als während des ganzen übrigen Lebens.

Ivaylo Ditchef, Lettre International. Sommer 2006, S. 128

In England soll allerdings (meldet der Tagesanzeiger am 25. September 2006, ohne die Quelle anzugeben, die Umfrage einer Versicherungsgesellschaft ergeben haben, dass 48% der Frauen Grossbritanniens ohne Sex leben würden, wenn sie dafür die Garantie erhielten, 100 Jahre alt zu werden. Bei den Männern wären es immer noch 31%. 94% würden es jedoch ablehnen, dafür Familie und Freunde fallen zu lassen. 74% würden sich dafür nie von ihrem Vermögen trennen (na ja, das werden die Ärzte und Spitäler ihnen aber handlich amputieren, lange bevor sie 100 sind!)

Über den angemessenen, d.h. weisen, Umgang mit dem Tod wusste auch die Stoa ausreichend bescheid. Das herrschende technokratisch-wirtschaftliche Modell hat jedoch aus natürlichen Vorgängen wie Altern und Tod Krankheiten gemacht, die durch Spezialisten zu behandeln, ja zu verhindern sind.

Das gegenwärtig vorherrschende Lebensmodell dagegen ist ein Horror:

  1. 20 Jahre oder mehr gehorsam lernen, bald schon werden vermutlich Lallkurse angeboten, als Vorbereitung für Vorkindergartensprachkurse, worauf dann alternativ die SP oder die Rechten den "Uterusgarten" als Vorgeburtsschule entwickeln . damit die Schulzeit für das wirklich Wichtige genutzt werden kann: Die Anpassung an die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes! (neuste Vorschläge: Ab 7. Klasse, ich wette, in ein paar Jahren sind wir mit dieser Forderung am Schulanfang gelandet: Bildung als Dressur der emsigen Ameisen und fleissigen Bienen.).

  2. Sein Leistungspotential auf dem Markt zum höchstmöglichen Kurs anbieten ... eine meist unbezahlte Tätigkeit, die für viele Zeit ihres Lebens die Hauptbeschäftigung bleibt.

  3. Haus bauen, Kapital anhäufen und vermehren.

    Wie die Harvard Business Reviev publiziert und Cary (nicht Gary) Cooper von der Lancaster University herausgefunden haben, geht das nicht bloss bei einer Minderheit schief, sondern wird zum Massenproblem, zu dessen Benamsung gleich ein paar neue Begriffe geschaffen wurden:

    middlescence (wie adoleszenz: Aufwuchsphase) oder quarterlife crisis: Lebensphase zwischen 35 und 50, in der man merkt, dass man den Job nie kriegt für den man gearbeitet oder studiert hat, die Karriere in der Sackgasse steckt, die Ausgaben höher sind als die Einnahmen, die Begeisterung für die Arbeit (so man sie hat) längst flöten gegangen ist, 20% eine andere Stelle möchten - aber: Nur 10% die Stellensuche für Aussichtsreich halten (Anders formuliert: 90% der Arbeitnehmer halten die Stellensuche, wohlgemerkt, ohne selbst von Arbeitslosigkeit betroffen zu sein, für Aussichtslos! Man sieht eben, wie bei der Auswahl von Kandidaten vorgegangen wird ...) Das zeigt, dass die Arbeit der Arbeitsvermittlungen nicht einfach ist, aber auch, dass die einseitige Schuldzuweisung für Arbeitslosigkeit an die Betroffenen ungerecht ist.) Und, obwohl man kein luxuriöses Leben lebt, reicht das Geld oft nicht bis zum Ende des Monats. Sparen? Altersvorsorge? Aktien oder Lebensversicherung zur Absicherung des Alters? He jo drnoo ... am Arsch isch finschter! Als nicht so optimale Ausweichstrategien gibt es:

    1. Bis ins Spätmittelalter wurden kaum Testamente aufgesetzt, man sorge sich auch nicht für die Nächsten über das Leben hinaus, denn die Toten gehörten noch zur Gemeinde (eine Vorstellung, die wir heute noch ausgeprägt auf Madagaskar finden können.

      Petrus Kantor von der Notre Dame kritisierte 1190 den Bau der Kathedrale, da diese einen Zweifel darstelle am kurz zuvor stehenden Ende der Tage. Man habe auch nicht genügend Geld, um gleichzeitig die Armen zu unterstützen.  Völlig befreit von solchem Gedankengut wurden die Menschen allerdings erst mit dem Protestantismus und dem Kapitalismus, der die Anhäufung irdischer Güter und den Bau von Kathedralen (heute Betriebe genannt) - erst durch Arme - dann durch Maschinen - zur Pflicht machte.

      Boomeranger: Erwachsene Kinder die nach einer Phase der Selbständigkeit wieder bei den Eltern einziehen. (s. Generatione 1000 Euro)

    2. Kidult: macht als 40, 50 oder 60-jähriger noch immer auf Teeny - und sich lächerlich, kindisch - statt kindlich offen und nicht von Strategien und Taktiken beherrscht, was man sich bis zu einem gewissen Grad immer behalten sollte.

    3. Kipper: Versuchen's schon gar nicht, sich selbständig zu machen, da es zu Hause weitaus gemütlicher ist.

    Für die Betroffenen, und das dürfte ein beträchtlicher Teil unserer Generation sein, fallen also Punkt 4 und 5 ins Wasser. Wenn nun das Haus durch eine Alterspflegeversicherung ersetzt wird, fällt eben die ins Wasser. Zusätzlich zum Überalterungsproblem der Rentenunterdeckung haben wir also noch ein beträchtliches der Pensionskassen- und Pflegekostenunterdeckung. Die Mindestverzinsung auf Pensionskassen wurde 2003 gekürzt, nun sind die Renten dran. Gulio Vitarelli, VZ Vermögenszentrum Basel: Ein Berufsanfänger heute muss gegenüber 2003 mit einer um ein Drittel reduzierten PK-Rente rechnen. Die Jungen müssen wieder das Sparen lernen.  Fazit: Im Uterus mit Lernen anfangen - um Arbeit zu haben und zu sparen - bis zum Abnippeln. ... Vielleicht müssten die Alten erst mal begreifen, dass man nur sparen kann, wenn mehr Geld reinkommt als einem durch Miete, Krankenkasse, Steuern, Versicherungen, etc. gleich wieder abgenommen wird.

     

  4. Haus verkaufen, um die Pflegekosten im Alter bezahlen zu können.

  5. Den "Übergang ins Reich der Erlösung" mit den letzten Reserven so weit als möglich verhindern.

Das Modell ist ein bisschen übertrieben und darum ein bisschen falsch ... schrieb ich vor ein paar Monaten. Heute (19. August 06) hat uns aber die Realität, mit dem Holzhammer, eingeholt. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) fordert, dass die Bürger auf einige Ferientage verzichten, wie einige Feiertage abschaffen, um mehr für die Altervorsorge zu sparen. Diese wird damit endgültig zur Zwangsjacke jeglicher Existenz, ausser der von Milliardären. Der durchschnittliche Bauarbeiter spart so sein Leben lang ... für die Nachfahren, da er die Pensionierung gar nie erlebt. So werden Bauarbeiter im Schnitt 63 Jahre alt, während Akademiker bis zu 5 Jahre älter als der Durchschnitt werden. Bei 60-jährigen Männern lagen zwischen den untersten und den obersten Einkommensschichten immerhin ganze 13 Jahre an Lebenserwartung.  Konkret: Ob jemand 1500 € oder 4500 € verdient,  macht in der Lebensbilanz 7 Jahre aus. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich die Solidargemeinschaft in der Rentenversicherung durch die höheren und vor allem längeren Zahlungen an die Besserverdiener als äußerst ungerechte Umverteilung von den Schwachen zu den Stärkeren. (SPD Hamburg). Wenn man nun auch noch Feier- und Ferientage streicht, bleibt den Armen also nur ein Leben voller Arbeit ...

altersphasen_monetaerHier nochmals das Selbe in graphisch:

Selbst bei minimalem Einkommen (Existenzminimum) braucht der Mensch in seinen 80 Lebensjahren in der Schweiz rund 2 Millionen Franken.

Verdient er zwischen 20 und 60 (oder 25 und 65) in etwa den Medianlohn, setzt er in seinem Leben glatte 4 Millionen um, angefangen mit Schulden von 1/2 Million, d.h. Aufwand für die Erziehung und Ausbildung von 1 Kind, Abschluss mit entweder wieder 1 Kind das ausgebildet sind, oder Erbschaft. (Darum reichts vielleicht nur noch für 0.6 Kinder pro Person.)

Wer also irgendwann in seinem Leben feststellen muss, dass er keine 2 Millionen hinkriegt, der hat ein Problem, das sich eindeutig nicht mit Zwang zur Gratis-Arbeit lösen lässt.
 

Pierre Bourdieu: Der Einzige und sein Eigenheim. VSA-Verlag. Hamburg 1998

Vorteile des eigenen Hauses:

  • was Eigenes haben
  • mitgestalten können, frei schalten und walten
  • Mieterhöhungen entgehen
  • nicht gekündigt werden können
  • unabhängig von Vorschriften und Belästigungen durch Vermieter (wobei geflissentlich die Nachbarn übersehen werden, die man überall hat ....)
  • Möglichkeiten für die Kinder zum spielen
  • im Alter versorgt sein: Kapitalanlage, Akkumulation, Schatzbildung,; Spekulative Erwartungen der Gewinnsteigerung
  • vererben können

Probleme:

  • Überforderung durch Zahlungen, langfristige Verschuldung
    • Förderung konservativer Einstellung
  • Behinderung der Streik- und generell Widerstandsfähigkeit
  • Verminderung der Flexibilität bei Arbeitssuche
  • Lange Arbeitswege
  • Isolierung
  • Zersiedelung der Landschaft

Fazit:

Eigenheimförderung ist eine Strategie der Normierung von Oben, Zivilisierung, Domestizierung, der Dressur auf Kapitalismus.

Die Realität ist allerdings auch nicht viel besser: Im Kanton ZH z.B. gehören 53% der versteuerten Vermögen den über 64-jährigen. Kapital ist vorwiegend bei den Alten konzentriert, und dies aus folgenden Gründen:

  1. Die Einkommen sind am höchsten, da man (selten auch Frau) endlich den Platz einnimmt, für den man sein Leben lang gekrochen ist.

  2. Die Kinder sind selbständig

  3. Die Hypothek ist bezahlt

  4. Auf amüsante, aber dennoch zum Denken anregende Weise hat Karls kühne Gassenschau den Umgang mit dem Altern umgesetzt. Die mechanisierte Pflege im selbst überalterten Silo 8, wo Glück durch Vergessen der Träume gefördert wird, hat ihre Tücken ... und die Erinnerung, der nur halbvergessene Traum zu fliegen wird endlich umgesetzt.

    Gerade die Schweizer, insbesondere die Generation des Wirtschaftswunders, die sich noch entfernt an härtere Zeiten erinnert, sind Vorsichtssparer. Man will sich gegen alles und jedes Risiko versichern, insbesondere auch, im Alter zu verarmen. In keinem Land ist das Versicherungsdenken so ausgeprägt wie in der Schweiz (s. Versicherungsdichte).

  5. Die Pensionskasse erlaubt, dass Reserven nur selten angetastet werden müssen. Die älteren Menschen leben sparsam, da sie ihren Nachkommen etwas hinterlassen wollen.

  6. Erbschaften fallen an. Da die Menschen immer älter werden, fallen die Erbschaften erst an, wenn die Kinder selbst schon das Pensionsalter erreicht haben.

Fazit:

Es fehlt das Risikokapital, trotz überzogener Sparwut.

s. auch Erbschaften, die zu 70% an über 50-jährige gehen, Tendenz zunehmend: Die Moderne wurde durch den Umstand gekennzeichnet, dass das Kind das Alter der Reife erreicht lange bevor die Eltern zurücktreten und ihm das Kommando überlassen. (s. Prinz Charles ...) Solange die physische Kraft ausschlaggebend war, fand die Übergabe der Macht auf natürliche Weise statt. Das Pensionierungsmodell der modernen Gesellschaft ermöglicht eine Machtübergabe ungeachtet des physischen Zustands, aber hat immerhin einen Bezug zur Arbeit. Eigentum hat man jedoch bis zum Lebensende und ist etwas, von dem man im Ruhestand nicht zurücktritt; und in einer Gesellschaft, in der Eigentum ein viel grösseres Gewicht hat als Arbeit, wird es zum Problem, jung zu sein. (Wobei man sich nicht von ein paar Yuppies beirren lassen sollte, sondern die Masse der Shareholder ansehen muss) [Ivaylo Ditchef]

Nun kommt der freisinnige Bundesrat Couchepin, dem es ja so sehr an der Freiheit liegt, und schlägt eine weitere Sparkasse vor, die steuerbefreite 3c (Übersicht über die bisherigen Modelle privater Altersvorsorge). In dieser sollen, zusätzlich zur AHV, zur obligatorischen Pensionskasse, zur freiwilligen Pensionskasse, nun nochmals 100'000 bis 150'000 Fr. gespart werden, für Pflegekosten im Alter.  Dass aber bloss 25% der Schweizer überhaupt über ein Vermögen von über 150'000 Fr. verfügen, liegt für Couchepin wohl bloss daran, dass sie zuwenig sparen ... Entziehen wir also weitere 200'000 Fr. (so das Ziel) dem potentiellen Konsum, dann bleibt gerade noch den reichsten 10-20% ein ein Vermögensanteil, den sie investieren können.

Zudem bleibt nur wenig Zeit, dieses Geld anzuhäufen. Die heutige Generation, die Generation p, findet mit 38 ihre erste feste Stelle, ist mit 40 zu alt, und mit 50 definitiv überflüssig.

Die "Forderung des Marktes" lautet also zur Zeit:

Mit spätestens 25 voll in die Karriere, mit 30 in Top-Position, Reserven anhäufen, und ab 40, spätestens ab 50 das Geld arbeiten lassen, da Du selbst eh keine Chance mehr hast (es sei denn, Du hast Beziehungen und wirst Verwaltungsrat). Scheissforderungen eines Scheissmarktes ...

Arme Alte auf der einen, Gerontokratie auf der andern Seite

Wir sehen, dass heute die ärmsten 10% mit weniger frei verfügbarem Geld auskommen müssen, als manche Jugendliche an Taschengeld erhalten. Sie müssen davon aber Nahrungsmittel, Kleider, Verkehrsmittel bezahlen, nebst den "freiwilligen" Auslagen für Bildung, Unterhaltung, Sport etc. Auch der dauernd verlangten lebenslangen Weiterbildung wird hier ebenfalls ein Bein gestellt.

3. Die Krankenkassen sind an einer Reduktion der Kosten nicht wirklich interessiert, denn des einen Kosten sind des andern Umsatz.

Eigene Erfahrung seit Umzug von Rheinfelden nach Basel (4.05): Meldung der Adressänderung im April. Erhalte sofort neue Rechnung, das 1.5-fache von Rheinfelden. Änderungsantrag auf HMO. Neue Police, ohne Infos oder Nachfrage betr. Selbstbehalt. Protest per E-Mail. Antwort: Den Selbstbehalt können Sie erst Ende Jahr wechseln. Mittlerweile ist August. Die hohe Prämie wurde Rückwirkend auf April verrechnet, der inzwischen mit Betreibungsandrohung gemahnt wird. Telefon. Änderung der Police auch Rückwirkend auf HMO - aber immer noch Selbstbehalt 500 statt der gewünschten 1500.

Während dem das "Lebensmodell" eigentlich lautet: In der Jugend sparen, damit man im Alter davon leben kann", zeigt die Realität ein noch ärgerlicheres Bild. Die Zürcher Hochschule Winterthur hat erhoben, dass der durchschnittliche Rentner heute etwa 44'000 Fr/Jahr zur Verfügung hat, davon aber nur 30'000 ausgibt, also weiterhin spart. Man könnte denken, für den Krankheitsfall ... ist aber nicht so, denn gerade die Gesündesten sparen am meisten, die am besten Vernetzten sparen am meisten, diejenigen mit der höchsten Bildung sparen am meisten. Sparen scheint glücklich zu machen ... auch wenn man das Ersparte nicht mit ins Grab nehmen kann und die Nachkommen wahrlich alt genug sind, nicht auf eine Erbschaft angewiesen zu sein. Geerbt wird nämlich ebenfalls meist im Alter zwischen 55 und Exitus. Das Geld zirkuliert also unter den Alten. Das zeigt, in welch horrendem politischem Modell wir wirklich Leben. Demokratie heisst nämlich nur die Etikette. Bestimmt wird, wie eh und je, von denen, die zahlen, und das sind a) die Plutokraten, und b) gleichzeitig, die Gerontokratie.

Steuersparmodelle, die Produktion und Konsum noch mehr Geld entziehen, sind also abzuschaffen. Keine Steuerermässigungen ab 65! Dafür ein bisschen mehr Risiko. Es ist etwas billig, auf Säcken von Geld zu sitzen, Flexibilität, unbedingten Arbeitswillen und Risikofreude von denen zu verlangen, die von all dem Geld - vor allem den zu wenigen Arbeitsplätzen dahinter! - abhängig sind.

Apropos Steuererlasse für die Reichen. Eigentlich spielt hier die Krankenkasse die selbe Rolle, denn auch die reichen Alten zahlen die selben Beiträge wie die armen Alten, obwohl sie es beileibe nicht nötig hätten, werden also im Zeichen der Gleichheit mit subventioniert. So betrachtet ist das Krankenversicherungssystem nicht gerecht und ein deutlicher Warnschuss über die Einheitskasse zu empfehlen. HIER wird die Solidarität der Jungen eindeutig überstrapaziert!

[Erich Solenthaler: Pensionäre tasten ihr Vermögen nicht an. Tagesanzeiger, 6.3.07. S. 27]

Fazit 1:

Die Krankenkassen versuchen NICHT die für Sie günstigste Lösung zu finden, sondern Ihnen das teuerste Angebot zu verkaufen, also Umsatz zu machen.

Auch das wäre bei der Privatisierung eigentlich absehbar gewesen.

Fazit 2:

Die Krankenkasse ist nicht "Ihr Freund" oder "Ihre Familie", die für sie sorgt - auch wenn es in der Werbung so tönt.
Die Krankenkasse ist eine verkaufsorientierte Versicherungsbürokratie, voll mit Bürokraten, die ihre Formulare abarbeiten.

Sie sollten sich also, genau wie die Krankenkassen, von der Idee der familiären Solidarität lösen und wirklich nur noch auf das Preis-Leistungsverhältnis sehen,
also die effizienteste dieser Bürokratien nutzen.

Weiter Amtsblüten

Die wichtigsten Massnahmen:

Die von Couchepin vorgeschlagene Senkung der notwendigen Reserven ist keine Lösung, sondern das, was man als kreative Buchhaltung oder "Windowdressing" bezeichnet. Auch der Risikoausgleich zwischen den Kassen behebt nur die Jagd nach besseren Risken durch einzelne Kassen, nicht aber das Problem, das auf einem Grundsatzirrtum beruht, der Verwechslung von Versicherung mit vorbezahlter Leistungsbezugsberechtigung, die man unbedingt beziehen sollte; eben so wenig das Problem, dass erst eigentlich durch die Privatisierung der Kassen entstand, die mehr verdienen wenn sie höhere Umsätze machen, nicht tiefere.

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Daten zur Gesundheit und zu den Kosten

Beschäftigte im Gesundheitswesen, 2002: 437000 oder 5970 pro 100'000 Einwohner oder ein Beschäftigter auf 17 Einwohner
Davon Ärzte: 14408 oder 197 pro 100000 Einwohner oder 1 Arzt auf 508 Einwohner
Krankenhäuser: 572 oder 8 pro 100000 Einwohner oder ein Spital auf 12'500 Einwohner
Kosten pro Behandlungstag im Krankenhaus durchschnittlich: 906 Franken.
Kosten gesamtes Gesundheitswesen 2001: 46 Milliarden Franken, 21% mehr als 1996.
Lebenserwartung bei der Geburt: 82.8(f) bzw. 77.2(m) Jahre.
Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren: 20.9(f) bzw. 17.1(m) Jahre.
Säuglingssterblichkeit 5 von 1000 Knaben, 4 von 1000 Mädchen

Todesursachen (von insgesamt ca. 62500 Todesfällen im Jahr 2000):

Unfälle 2001

Fazit: Hände und Füsse weg vom Sport - aber raus aus dem Haus. Geht gemütlich im Wald spazieren, das belebt nicht nur den Kreislauf!

Kostenvergleich des Gesundheitswesens, 2002, in % des BIP (Bild rechts Zahlen für 2003)
  1. USA: 14.6% des BIP (Bruttoinlandsprodukt)
  2. Schweiz: 11.2%
  3. Deutschland: 10.9%
  4. Frankreich: 9.7%
  5. Italien: 8.5%
  6. Grossbritannien: 7.7%

http://www.calsky.com/lexikon/de/txt/g/ge/gesundheitswesen_schweiz.php

Die Zahlen belegen deutlich, wie wenig eine Privatisierung hier ändert. 40 der 293 Millionen US-Bürger, also 14%, können oder wollen sich keine Krankenkasse leisten - und dennoch sind die Kosten höher als in der Schweiz! New York z.B. hat 1 Arzt pro 244 Einwohner, während der Landesdurchschnitt der USA bei 1 Arzt auf 350 Einwohner liegt.

Privat oder nicht privat ist offenbar nicht die Frage. Diese lautet offenbar eher: Geschäft oder Dienstleistung bei Bedarf. Denn auch privat lässt sich gut mit der Angst vor Krankheit und Tod geschäften, genau so gut wie mit anderem Terrorismus.

M. Herzog, Rheinfelden, 14. November 2004

Daten:

Die Kosten steigen, auch wenn die Löhne und generell die Preise stagnieren.


 

 

Das Problem liegt nicht nur bei den Spitälern. Die Kosten ambulanter Behandlung steigen noch stärker. Allerdings hat bereits der Kanton Bern für seine 950'000 Einwohner mehr Akutspitäler als ganz Schweden mit 8.8 Millionen Einwohnern [Reto Schlatter: Spitäler treiben die Kosten in die Höhe. Handelszeitung Nr 27, 5.-11. Juli 2006. S. 54]. Und das Wallis betreibt mehr Tomographen pro Kopf als Frankreich.
 

... Spitäler sind trotzdem schuld ... (vermutlich weil die ambulante Behandlung auch von Spitälern durchgeführt wird). Für die relative Unschuld von Pharma wie Ärzten an dem Desaster sprechen auch die Zahlen des Bundesamtes für Statistik - verarbeitet von Interpharma ...


 

Gerade die Restrukturierung des Angebots an Spitälern stösst aber auf enormen Widerstand, teils aus lokalpatriotischer Perspektive, teils aus mach- und autoritätspolitischen der Chefärzte - aber auch generell aus arbeitsmarktsorientierten Betrachtungen. In Deutschland trägt eine Website solche abgebauten Spitäler mit Pomp zu Grabe [http://www.kliniksterben.de/ ]

Die höchsten Kosten müssen in Genf und Basel berappt werden. Diese Kollektivhaftung ohne Mitspracherecht stösst an Grenzen (bei mir zumindest). Zudem sind solche Extremfälle dazu geeignet, von der Krankheitsindustrie in andern Kantonen als Zielvorgaben genommen zu werden. Eine Analyse gerade der Fälle Genf, Basel, Tessin und Waadt wäre angebracht.


 

Frauen verursachen um 37% höhere Kosten (obwohl die Männer dicker sind, möchte ich hier mal bemerken). Zwischen 20 und 40 auf Grund der Schwangerschaften, ab 80?



Die extreme Schrumpfung der Anzahl der Krankenkassen (im ökonomischen Fachjargon Konsolidierung genannt) von 984 auf 85 hätte eigentlich enorme "Fusions-Gewinne" bringen sollen durch die Elimination von Doppelspurigkeiten (im ökonomischen Fachjargon Synergien genannt). Pustekuchen! Solche entstehen offenbar nur, wenn sie jemand privat abschöpfen kann.


Diejenigen, die am meisten dran verdienen, die Gesundheitsindustrie, hält sich bei der Bezahlung der Kosten vornehm zurück.


Die Franchise erfährt weiter eine leichte Zunahme. Während diese Form der Prämienreduktion ca. von der Hälfte der Versicherten genutzt wird, wird das HMO-Modell offenbar nicht als attraktiv empfunden.

Hier liegt offenbar ein Problem, das es noch zu beheben gilt. Offenbar wird die freie Artzwahl als wichtiger betrachtet als die Reduktion der Prämie. Allerdings wird dabei vergessen, dass ja kaum ein "Kunde", also Patient, wirklich den Überblick darüber hat, welcher Arzt nun auf seinem Gebiet wirklich gut ist - oder, neutraler gesagt, wie er mit Krankheit umgeht. Der eine findet es toll, tütenweise Medikamente zu erhalten, während dem andern vielleicht doch an einer seriösen Diagnose gelegen wäre, auch wenn diese bloss lautet: Hypochonder, zu fett, raucht zu viel, sollte sich mehr bewegen, gesünder essen oder so. Die Chancen, dass in einem kooperativ arbeitenden Team, wie es an der HMO arbeitet, der richtige Spezialist bestimmt wird, sollte doch um einiges höher sein als bei Wahl durch den Patienten, der wie gesagt, den Anbietermarkt wohl kaum überblicken kann.


Es gibt immer wieder auch das Argument, dass der zusätzliche Bedarf an Kranken- und Alterspflege ja auch Stellen schaffe. Das Argument erlaubt einen interessanten Einblick in die Seltsamkeiten des Arbeitsmarktes. Wie diese Graphiken aus dem Statistischen Jahrbuch der Schweiz 2005 (übernommen aus "dossierpolitik No 12, 12. April 2006. S. 2: Spitalfinanzierung).  zeigen, nahm zwischen 1991 und 2004 die Anzahl der im Gesundheits- und Sozialwesen Beschäftigten sehr stark zu, während insbesondere das Bauwesen und die davon abhängigen Branchen wie die Wald- und Holzwirtschaft, auf Tauchkurs gingen, an Personal und Bedeutung verloren. Während aber beim Baugewerbe mit den Stellen auch die volkswirtschaftliche Bedeutung sank, stieg nicht etwa die volkswirtschaftliche Bedeutung des Gesundheits- und Sozialwesens, sondern die des Kreditgewerbes, das damals mit den selben Personalbeständen immer mehr Geld machte, heute sogar mit sinkenden. Den "Wert", der Bildung zugemessen wird, unabhängig vom medialen Getöse, zeigt die geringe Bedeutung des Unterrichtswesens für das BIP.

 

Wie die Alternativmedizin politisch "eingespart" wurde:

Dr.med. Peter Heusser: Medizin und Macht am Beispiel des Programms Evaluation Komplementärmedizin PEK

Heusser liefert in seinem Bericht über den Verlauf der Evalutation der Komplementärmedizien eine detaillierte Dokumentation eines für die Schweizer Politik absolut typischenpolitischen Prozesses (hinterverschlossenentürenmauschelnundmeucheln). Präzise diese Prozesse, die auch in vielen Vereinen und Betrieben üblich sind, bildeten den Anlass, www.diskussionsforen.ch zu eröffnen, unter dem Motto:

Secrecy is the beginning of tyranny.

Ich war selbst beteiligt an derartigen Prozessen bei den Vorarbeiten zum neuen Waldprogramm (WAP) und der neuen Ausbildung der Forstfachleute an der ETH. Diese Prozesse waren Anlass zur Einrichtung von www.diskussionsforen.ch sind hier im Detail abgebildet. Auch da waren "demokratisches Verfahren" und "Qualität" der Inhalte äusserst dürftig.

Bundesrätin (BR) Ruth Dreifuss sah sich deshalb gezwungen, der Bevölkerung entgegenzukommen und verfügte, dass die komplementärmedizinischen Leistungen von Ärzten auch unter dem neuen Krankenversicherungsgesetz ab 1999 provisorisch bis zum 30.Juni 2005 in der obligatorischen Grundversicherung bleiben sollten, und zwar unter der Bedingung, dass die Komplementärmedizin von Ärzten ausgeübt würde, die einen von der FMH anerkannten komplementärmedizinischen Fähigkeitsausweis besassen, und zweitens, dass in dieser Zeit eine wissenschaftliche Evaluation der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Komplementärmedizin durchgeführt würde. Das galt für die fünf häufigsten Methoden: Anthroposophische Medizin, Klassische Homöopathie, Neuraltherapie, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Phytotherapie. (Pflanzenheilkunde/Heilkräuter)

Programm Evaluation Komplementärmedizin PEK“

Der Prozess Evaluation PEK (Programm Evaluation Komplementärmedizin) vom 31.8.2004 kam zu einer äusserst günstigen Beurteilung des Prozesses: „PEK hat allein schon dadurch, dass die historischen Gräben zwischen den beiden medizinischen Systemen in schwierigen Konsensverfahren und durch eine von allen Beteiligten als konstruktiv empfundene Kooperation weitgehend überbrückt werden konnten, Einmaliges erreicht, das auch international bereits auf höchste Beachtung gestossen ist."

Wenn man diesen Bericht liest, mutet es sehr eigentümlich, wenn Dr. Brunner später behauptete, es gebe Indizien dafür, dass die PEK-Studien aus politischen Gründen so angelegt wurden, dass das Resultat für die Komplementärmedizin möglichst günstig ausfalle, und das PEK sei möglicherweise „falsch aufgegleist“ worden.

Unter der neuen Leitung des BAG (Bundesamt für Gesundheit. d.Autor)  ging die Arbeit zunächst weiter wie vorher. Neu war, dass das BAG einen aus Prof. Zeltner und Dr. Brunner (Direktor bzw. Vizedirektor BAG) sowie Dr. Koch (BAG und Präsident PEK Lenkungsausschuss) bestehenden strategischen Ausschuss PEK bildete, in dem Dr. Brunner die Geschäftsführung innehatte. Dadurch änderte sich der PEK-Prozess enorm. Denn der strategische Ausschuss ergriff in der Folge mehrfach Massnahmen, die mit vorherigen Abmachungen im Widerspruch standen, die vereinbarten Kompetenzen von Lenkungsausschuss, Experten und Review Board übergingen und das Prinzip der Transparenz verletzten. Diese problematische und für ein demokratisches Land bedenkliche Vorgehensweise des BAG in der Schlussphase von PEK veranlassen mich, die Ereignisse genauer zu schildern und den interessierten Kreisen zur Verfügung zu stellen. Als Mitglied des nationalen Lenkungsausschusses habe ich hautnah alles selbst miterlebt und verfüge über die entsprechenden offiziellen Dokumente und Korrespondenzen, aus denen hier zitiert wird. Die Öffentlichkeit hat bei diesem Projekt, das mit über 6 Millionen Franken aus öffentlichen Steuergeldern finanziert worden ist, ein Recht zu wissen, was hier vorgegangen ist.

Am 18.04.2005, drei Tage vor der Fachtagung, untersagte jedoch PD Busato per Mail allen PEK-Experten, PEK-Resultate „in qualitativer oder quantitativer Hinsicht“ zu veröffentlichen. Auf Anfrage des UNION-Präsidenten bestätigte das BAG am 19.4.2005 dieses Verbot. Damit hatte sich die Veröffentlichungspolitik des BAG von der denkbar grössten Öffentlichkeit in ein totales Geheimhalten transformiert, entgegen den vorherigen eigenen Verhaltensweisen und Abmachungen, und sehr weit entfernt von der Empfehlung seines Experten Dr. Hess.

Wenn man annähme, dass die BAG-Spitze schon dazumal entschlossen war, die Komplementärmedizin aus der Grundversicherung zu kippen, dann waren solche Ergebnisse im Hinblick auf die öffentliche Meinung natürlich „gefährlich“.

Die Fachtagung PEK wurde am 21.4.2005 natürlich trotzdem durchgeführt, allerdings reduziert vor allem auf Komplementärmediziner, und mit der Weisung, nur dasjenige darzustellen, was bereits bekannt oder aus anderen als den PEK-Studien stammte.

Zusammenfassend wurden deshalb am 21.4.2005 nebst Resultaten der einzelnen Methoden folgende Ergebnisse nochmals vorgestellt:

· Patienten der komplementärmedizinischen Grundversorger sind im Vergleich zu solchen der Schulmedizin durchschnittlich jünger sowie häufiger Frauen und Kinder

· Die in komplementärmedizinischen Praxen behandelten Patienten haben eine grösseren Zufriedenheitsgrad als die schulmedizinisch behandelten, obwohl sie durchschnittlich schwerere und mehr chronische Krankheiten haben.

· Patienten der Komplementärmedizin wählen ihre Ärzte öfters wegen den medizinischen Verfahren aus (z.B. wegen ganzheitlicheren Gesichtspunkten oder weniger Nebenwirkungen), Patienten der Schulmedizin eher aus pragmatischen Gründen (z.B. lokale Erreichbarkeit).

· Komplementärmedizinische Ärzte haben im Vergleich zu Schulmedizinern häufiger das therapeutische Ziel der Heilung.

· Patienten der Komplementärmedizin finden ihre Erwartung an die Therapie häufiger vollständig erfüllt als Patienten der Schulmedizin.

· Die Kosten der ärztlichen Komplementärmedizin sind in der ganzen Grundversicherung verschwindend klein und bewegen sich im Promillebereich (0.16 % gemäss BAG „Statistik der obligatorischen Krankenversicherung“ 2003).

· Die Kosten pro Patient sind gemäss Wirtschaftlichkeitsstudie PEK in der ärztlichen Komplementärmedizin und Schulmedizin etwa vergleichbar, wobei die Komplementärmediziner sich für die Patienten mehr Zeit nehmen und geringere Medikamentenkosten verursachen.

· Die Kosten pro Arzt sind in der Komplementärmedizin erheblich tiefer als in der Schulmedizin, je nach Fachgebiet bis zur Hälfte.

· Entgegen früheren Behauptungen zeigt PEK, dass der Kostenanstieg durch die provisorische Aufnahme der fünf Richtungen in die Grundversicherung bedeutend geringer ausgefallen ist als erwartet, z.T. sogar stagniert. (Man vergleiche das mit den anderen, ungebremsten Teuerungen im Gesundheitswesen!)

Im Protokoll des Lenkungsausschusses vom 19.9 2004 hiess es noch: “Nach dem neuen Konzept trägt der Lenkungsausschuss die Verantwortung [für das ganze Publikationskonzept!].

Also weder die Lenkungsausschussmitglieder, noch die ELK, geschweige denn weitere Interessensträger oder die Öffentlichkeit sollten dieses wichtige Dokument vor dem bundesrätlichen Entscheid sehen dürfen.

Pikant an der Geschichte des Schlussberichtes ist jedoch, dass er in seiner ersten Version vom 14.3.2005 die ausdrückliche Empfehlung enthielt, die Anthroposophische Medizin, die Homöopathie und die Phytotherapie in der Grundversicherung zu belassen. Die Anthroposophische Medizin habe bezüglich Wirksamkeit und Patientennutzen eine „zufrieden stellende Indizienlage“, und sie sei besonders von Krebspatienten gefragt, bei denen die konventionelle Medizin allein zu „keinen zufrieden stellenden Behandlungsergebnissen und Verlaufsprognosen“ führten. Die Homöopathie habe bezüglich Wirksamkeit zu positiven und negativen Studienergebnisse, sie werde aber insbesondere für Kinder und Frauen genutzt bei Problemen, für welche die Schulmedizin „oft gar keine Alternative“ oder nur Medikamente mit Nebenwirkungen bieten könne. Die Phytotherapie habe eine gute Indizienlage und bereits eine „eher medizinisch-konventionelle Charakteristik“, und sie müsse eigentlich als ein Teil der Schulmedizin betrachtet werden.

Es ist wiederum bemerkenswert, dass diese Empfehlung zur Belassung der genannten Methoden in der Grundversicherung auf Veranlassung von BR Couchepin aus dem Schlussbericht gestrichen wurde. Begründung: es sei nicht Expertensache, „den Entscheidungsspielraum der zuständigen Behörde durch konkrete Empfehlungen einzuschränken“

Zusammenfassend bedeutet das, dass der Entscheid von BR Couchepin nicht sachgemäss auf Grundlage der vorliegenden wissenschaftlichen Ergebnisse, und nicht durch ein ordnungsgemässes wissenschaftliches Verfahren gefällt worden ist. Aber offenbar spielte die Wissenschaft beim Entscheid sowieso eine untergeordnete Rolle. BR Couchepin hat das in seinem Interview mit dem SonntagsBlick vom 3.7.2005 auch bestätigt, und Dr. Brunner hat gegenüber dem Review Board Mitglied Prof. Walach geäussert, „die Entscheidung über den Verbleib der Komplementärmedizin in der Grundversicherung sei eine rein politische [...].

Deshalb wäre eine Diskussion der wissenschaftlichen Ergebnisse für die Entscheidung irrelevant, und die wissenschaftlichen Daten seien ein ‹Abfallprodukt›.“

Bereits vor dem Entscheid von BR war klar, dass eine Mehrheit in der Bevölkerung den Verbleib der ärztlichen Komplementärmedizin in der Grundversicherung befürworteten. Dieser Meinung waren z.B. 87% der Befragten in einer repräsentativen Umfrage von Poliquest vom Februar/März 2005. Und der GfS-Gesundheitsmonitor hatte 2004 gefunden, dass 62% der Stimmberechtigten den Leistungskatalog der Grundversicherung auf dem damaligen Stand belassen, und nur 12% ihn abbauen wollten.

...  die Entstehung einer Zweiklassen-Medizin wird begünstigt, ... Weiter wird geltend gemacht, das hier am falschen Ort gespart wird und dass der Entscheid die teureren Produkte der Pharmaindustrie begünstige.

Vorläufig ist es leider so, dass der Grossteil der schulmedizinischen Verfahren ihren Nachweis der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit (WZW) im Sinne des Gesetzes nicht erbracht hat, aber trotzdem in der Grundversicherung vergütet wird.

Kommentare:

Dass wissenschaftliche Ergebnisse für politische Entscheidungen nicht zwingend sind, ist eigentlich erfreulich, denn sonst kämen wir aus den Sachzwängen nicht heraus. Leider wurde hier aber einfach der wissenschaftliche Sachzwang durch einen wirtschaftlichen Ersetzt, und dies noch mit einer sehr einseitigen Perspektive.

Dass die Volksinitiative Ja zur Komplementärmedizin am 15. Sept. 2005 mit glanzvollen 140'000 Stimmen eingereicht werden konnte, zeigt deutlich, wie viel Rückhalt das Anliegen in der Bevölkerung hat!

Links:

"Weisheiten" zur Heilkunst:

Wenn ein Arzt hinter dem Sarg seines Patienten her geht, so folgt manchmal tatsächlich die Ursache der Wirkung.

(Robert Koch, dt. Bakteriologe, 1843-1910)

Die meisten Menschen sterben an ihren Medikamenten und nicht an ihren Krankheiten.

(Jean Moliere, frz. Dichter, 1622-1673)

Die Fortschritte der Medizin sind ungeheuer - man ist sich seines Todes nicht mehr sicher.

(Hermann Kesten, dt. Schriftsteller, 1900-1996)

Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen,
ihr durchstudiert die gross" und kleine Welt,
um es am Ende gehn zu lassen,
wie's Gott gefällt.

Goethe: Faust I
 

Pflegedebatte

Meine Frau und ich lagen letzte Nacht im Bett und diskutierten die Dinge Des Lebens, auch über das Leben und Sterben. Ich meinte zu ihr: "Lass mich bitte nie in einem unwürdigen Zustand leben, abhängig von einer Maschine und von diversen Flüssigkeiten. Wenn du mich je in so einem Zustand siehst, räum alle Sachen weg, die mich auf Diese Art am Leben halten." Da stand sie auf, zog das Fernseherkabel und nahm mir mein Bier weg ...