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Die Irakis sind kein Volk von aggressiven Schafhirten - genau so wenig wie die Amerikaner ein Volk von tumben Kuhbuben. Eine der am weitesten entwickelten arabischen Staaten droht jedoch, auf Grund eines uneinsichtigen Staatschefs, auf dem Scheiterhaufen zu enden. Einschub vom 23. Juni 04: Die Ereignisse, das Köpfen von unbeteiligten Ausländern, machen es etwas schwierig, diese These aufrecht zu erhalten. Es gilt hier aber das Selbe wie für den Angriff der USA. Auch dafür wurde Europa zumindest nicht "Antiamerikanisch", aber Antibush. Genau wie Bush in den USA haben natürlich Abu Moussa al-Zarqawi & Co ihre Anhänger im Irak - was aber noch bei weitem nicht heisst, dass die Mehrheit der Irakis derartiges Vorgehen unterstützen würde. Meine Meinung: Der Koran sagt in dem Falle klar was zu tun ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn > Kopf um Kopf. Ich halte diese Leute nicht für Freiheitskämpfer sondern für selbstgerechte Spinner, welche Religion und Situation für ihre eigenen Anliegen missbrauchen. Hier spielt genau der selbe religiös verbrämte nationalistische Egozentrismus der Bush & Co antreibt. Der viel beschworene Kampf der Kulturen wird offensichtlich von Unkultivierten betrieben, die es in jedem Land gibt. Es ist hier auch zu beachten, dass auf die Art viel mehr Irakis umkommen und entführt werden, was die internationale Presse aber viel weniger interessiert (s. Hostage taking .... ). Nach der Ermordung von Margaret Hassan (Care), die sich 30 Jahre für die Irakis eingesetzt hat, hätte ich allerdings die grösste Lust, alles was ich an Positivem über den Irak hier versucht habe zu vermitteln, gleich zu löschen ... Der Irak ist ein hartes Land und die Irakis, manchmal, ein hartes Volk. .... Machen Sie sich doch erst mal ein Bild indem Sie sich ein paar Bilder ansehen: http://home.arcor.de/g.bodtke/index-k.htm http://www.mit.edu:8001/activities/arab/multimedia/iraq-pictures.html Falls Sie in die Tiefe gehen wollen, finden Sie eine umfangreiche Sammlung von Analysen und Berichten, von 1991 bis heute, unter http://www.zmag.org/CrisesCurEvts/Iraq/IraqCrisis.htm ABIR - eine Schweizer Organisation welche Frauen und Familien im Irak unterstützt finden Sie unter http://membres.lycos.fr/abirsuisse/pages/index2.htm Kriegsbefürworter, Kriegsgegner und die Meinung des Volkes:
Obige Liste zeigt nicht nur die schwache Unterstützung der Kriegstreiberei der USA durch die Staaten, sondern leider auch eine äusserst fragwürdige Einstellung der Mitläufer zur Demokratie. Details: Brief an die US-Botschaft in Bern Wie viele weltweit protestiert haben, und Analysen zur Rhetorik von Bush, Powell und Saddam finden Sie unter http://www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Feb_17_2003.html Von Entwicklungshilfe - über Entwicklungszusammenarbeit - zum Entwicklungskrieg: Afghanistan und den Rest der Welt vergessen - der Wiederaufbau des Iraks ist rentabler, zumal er mit den lokalen Ressourcen finanziert werden kann.
Persönliche Meinung zum Krieg im Irak: Der von Bush angestrebte Krieg im Irak setzt der Glaubwürdigkeit liberaler und humaner westlicher Rechtsstaaten ein Ende. Bestimmt eine Weltmacht darüber, was gut und recht ist, so werden logischerweise alle zu Terroristen, die sich dem widersetzen, denn es gibt ja keinen Staat mehr, der das auf "legaler" (nichtterroristischer) militärischer Basis tun könnte. Nebst Terrorismus bleibt allerdings noch die von den USA bevorzugte Waffe: Der Einsatz wirtschaftlicher Mittel, denn die USA hängen vom Rest der Welt stärker ab, als sie es gerne hätten. Durch Weltbank und IMF, Ableger des US-Treasury Departments und der Wall Street, wurde den von ihnen abhängigen Länder weltweit eine Politik aufgezwungen, welche deren Wirtschaft enorm bremste. 40% der Weltbevölkerung leben in 55 Ländern die heute unter Diktat des IMF stehen. Dies im Namen der Wiederherstellung des Vertrauens der Investoren. Stieglitz: Heute verleiht der IMF Kredite nur wenn sich das empfangende Land an eine restriktive Politik hält, basierend auf Einsparungen, Steuer- und Zinserhöhungen. Es ist doch erstaunlich, dass hierzulande genau das Gegenteil empfohlen wird, sogar von Rechts, zumindest was Steuern und Zinsen betrifft. Aber wenn es einem selbst dient, darf man offenbar ruhig eine Ideologie fördern, die zerstörerisch ist. (s. Neoliberalismus). Es war auf jeden Fall auffällig, wie oft Reklame mit Pumas, Hawks und Panzer in den internationalen Nachrichtenmagazinen (Newsweek, Times) auftauchten nach dem Golfkrieg. Titel: With this we defeated Saddam! Das weckt doch die Frage: Braucht die Waffenindustrie der USA nach 12 Jahren Ruhe im Irak vielleicht wieder mal ein Versuchsgelände und einige Werbegags? Heute, am 3.4.03, haben die USA und GB nach eigenen Aussagen 2/3 des Irak besetzt und stehen 30 km vor Bagdad. Bis anhin haben sie keinen Teelöffel voll an Massenvernichtungswaffen gefunden - aber die irakische Armee und irakische Städte und Dörfer in Grund und Boden gebombt, die über keinerlei Luftunterstützung verfügen. Wer sind hier die Schurkenstaaten? Eine derart massive Förderung des Terrorismus gab es wohl noch nie in der Geschichte! 6.4.03: Seither nimmt vor allem die Diskussion über den Nachkriegsirak zu. Ein gewaltiges Rekonstruktionspotential, finanziert, so steht zu vermuten, über Erdöleinnahmen. USA, aber auch Frankreich, Deutschland und der Rest der Welt, denkt bis anhin nur an den eigenen Beitrag zum Wiederaufbau des Irak. Die Hilfsmentalität verschleiert noch erfolgreich die eigentliche Absicht, die Förderung der eigenen Wirtschaft. Die Irakis haben mehrfach bewiesen, dass sie sehr gut in der Lage sind, ihr Land selbst zu entwickeln und Schäden zu beheben. Im Winter 1991, ein halbes Jahr nach Ende des letzten Krieges, hatten sie sämtlichen Schutt geräumt, Strassen (die Verbindungsstrasse Bagdad-Jordanien war auf irakischem Territorium sicht- und fühlbar immer von viel besserer Qualität als auf jordanischer Seite), Brücken, Elektrizität, Wasserversorgung, ja sogar die Raffinerie, wieder hergestellt - obwohl unter Boykott. Warum sollten sie diesmal auf die ach so grosszügige Unterstützung beim Wiederaufbau durch die USA angewiesen sein? Warum sollte der Wiederaufbau von US-Firmen, oder überhaupt von ausländischen Firmen geleistet werden? Die Irakis haben 20 verlorene Jahre hinter sich, in denen ihr Boss alles tat um zum Kriegshelden zu werden (womit sich ebenfalls ein äusserst geringer Unterschied zum Kollegen Bush zeigt). Fast eine ganze Generation von Irakis dienten vor allem dem Militär, und hatten wenig Aussicht auf eine friedliche berufliche Karriere. Nimmt die USA ihr Ziel ernst, Demokratisierung und Entwaffnung des Irak, dann hat der Irak nun ca. eine Million Arbeitslose zusätzlich, eine Million Soldaten mit Waffen, trainiert im Kriegsgewerbe. Diese gilt es sinnvoll in der Wirtschaft einzusetzen, diese müssen eine Zukunft für sich sehen, diese müssen den Wiederaufbau in ihrem Sinne leisten können - nicht internationale Baufirmen. Der beste Beitrag zur Schaffung eines friedlichen Irak ist der Aufbau einer funktionierenden lokalen Wirtschaft - nicht Grossaufträge für grosse Firmen aus "grossen" Nationen. Die Not leidenden Irakis geraten hier in Gefahr betrogen zu werden, wenn nicht ganz zwischen Tisch und Bank zu fallen. Die Wiederaufnahme des Food for Oil Programms durch die UN wird als Erfolg gefeiert, ist aber eigentlich Betrug. Die Irakis bezahlen mit den eigenen Mitteln für die Kosten eines Krieges der ihnen aufgezwungen wurde, im Namen der Vernichtung von Massenvernichtungswaffen, von denen noch nicht ein Stück aufgetaucht ist. Werden sie auch für die Kosten des Krieges bezahlen? Betrug bleibt es, denn bezahlen die Irakis nicht so sind es die US-Steuerzahler, welche die Rechnung übernehmen, das old boys (and girls) network von Cheney, Rumsfeld, Rice und Bush aber, welche mit den Öl- und Rüstungsfirmen die Gewinne einfahren. Darum:
Dazu gehört auch, dass von dieser Militärverwaltung geschlossene Verträge in ihrer Dauer beschränkt sind, den Irak also nicht lange über die Besatzung hinaus rechtlich verpflichten können - womit der nächste Krieg zur Sicherung der Interessen der USA bereits ins Haus stünde. Die Situation und Erfahrung, dass einzelne die Erdölreserven wie ihr Eigentum nutzen, diese haben die Irakis lange genug gemacht, denn ob nun Saddam oder ein Ersatz-Saddam oder sonst ein Pfeffersack das Erdöl privat bewirtschaftet, dürfte da wenig Unterschied machen. Absicht der USA ist es, die OPEC zu schwächen, mehr Erdöl auf den Markt zu bringen und damit die Preise tief zu halten (vom Kyoto-Protokoll hält man ja eh nichts). An dieser Frage wird es sich zeigen, wie demokratisch der Einsatz der USA war, ob sich die Plutokratie oder die Demokratie durchsetzt. Zur Zeit zeichnet sich eher ersteres ab, waren doch die ersten Vorschläge für eine Nachkriegsregierung schon reichlich absurd, da weder Kurden noch Schiiten daran beteiligt sein sollten. Dass die meisten vom Verteidigungsministerium vorgeschlagenen Leute technische Spezialisten sind ohne Kenntnis über Nah- und Mittelost, Islam und dergleichen haben, macht wenig Hoffnung auf eine Verwaltung im Interesse der Irakis. Zur Zeit werden von Wolfowitz folgende Vorschläge für Top-Positionen gemacht:
[I. Staub: Iraks Schattenregierung formiert sich. Tages Anzeiger 8. April 2003, S. 3)]
Man darf hier aber auch die Exilirakis nicht generell mit dem Idealbild des guten, demokratischen
friedlichen Widerstands verwechseln. Viele der Exilierten waren Teil des
harten Kerns um Saddam, und haben sich bloss abgesetzt, weil sie sich
nicht genug unter den Nagel reissen konnten, ohne Saddam dabei in die
Quere zu kommen. Für die
Liebe Irakis, auch wenn ihr den Krieg militärisch verlieren solltet, so bleibt euch ein Trost: Der Nachkriegsirak wird für die Amis die Hölle. Sie wollen den Irak nach ihren eigenen Vorstellungen verwalten - lasst es sie versuchen. Ihr wisst es selbst am besten, wie schwierig es ist, in diesem Land (wie andern arabischen Ländern) etwas zum Funktionieren zu bringen. Es ist harte und frustrierende Arbeit, sogar wenn man Kultur und Sprache kennt und gewillt ist, sich mit den kulturellen Unterschieden auseinander zu setzen. Die USA haben aber (mit Ausnahmen, s. Literaturliste) kaum Kenntnisse über die Arabische Kultur und der Islam ist ihnen Feind. Die Verwaltung des Irak wird die Hölle für sie, auch wenn, wider Erwarten, nach Beendigung des Krieges kein Schuss mehr fallen sollte. (Geschrieben am 18.7.02. Hat sich bewahrheitet). Historische Kultur Kulturell hat Mesopotamien, Heimat dreier Hochkulturen, nämlich der babylonischen, assyrischen und sumerischen, die Welt mit einigen Innovationen beschenkt. Es war dies nicht nur Bewässerung, die erste schriftlich festgehaltende Heldensage von Gilgamesch (der übrigens bereits von bald 5000 Jahren zur Erkenntnis kam, dass ewiges Leben nicht nur Vorteile bringe (s. 4.6.1.2 Trees and Forestry in Mesopotamia), die erste Verfassung, die erste obligatorische Volksschule, lange vor Pestalozzi, die Schrift, die ersten Kredite und Buchhaltungen auf Tontafeln - sondern auch die ersten Förster! http://www.brainworker.ch/reports/yemen/46CRL.HTML#LUTIRME Babylonische Rechenkunst: http://www.sfrs.fr/e-doc/babyl.htm
In Ktesiphon, ca. 20 km östlich von Baghdad, entstand im 5 JH dieser Palast. Der weite Bogen besteht aus nichts als getrocknetem Lehm. 1920 war noch ein zweiter Flügel intakt, aber die Ziegel wurden von der lokalen Bevölkerung abgebaut, da sie stabiler waren als die neu hergestellten. Eine erstaunliche Leistung vor 1600 Jahren, ein Bogen aus ungebranntem Ton mit dieses Spannweite herzustellen! Die traditionelle Irakische Architektur, mit Innenhof, Brunnen, Gärten, freiem Blick über Haus und Hof für die Frauen - aber keinerlei Blick auf die Frauen - sind vorzüglich beschrieben in den folgenden zwei Werken:
Leider hat in Bagdad kaum eines der beschriebenen Häuser die radikale Modernisierung der letzen 20 Jahre überlebt.
Der arabische Baustil mit seinen typischen Innenhöfen und dekorativen Verzierungen (Mukarnas, rechts) lässt sich heute am eindrücklichsten an der Alhambra in Cordoba bewundern. Viele dieser Elemente überlebten im Irak bis beinahe ans Ende des 20 Jahrhunderts. zur Alhambra:
Kunst Im heutigen Irak spielt Kunst, besonders Theater, Malerei und Skulptur, eine viel wichtigere Rolle als man sich das, von aussen betrachtet, unter der herrschenden Diktatur vorstellt.
Moderne Skulpturen und Malerei:
Der berühmteste Vertreter neo-traditioneller Irakischer Musik ist sicher Munir Baschir, Meister der Laute :
Weitere mp3-Muster finden Sie bei:
Küche: Die irakische Küche ist nicht gerade das, was wir als leichte Küche bezeichnen würden. Aber für Leute die nicht auf die Linie achten wollen oder müssen, bietet sie jede Menge an vorzüglichen Rezepten, wie z.B. Kubba, in Öl gebratene, mit Hackfleisch und Kräutern gefüllte Reisklösse, Hakake - gebratene Reis-Kruste mit Bohnen und Fleisch, Mesguf, über Holzfeuer gebratene Fische, die mit Vorliebe in Parks an den Ufern des Euphrat, verzehrt werden. etcetc (Dass Araber andere Probleme mit der Linie haben als wir zeigt auch www.diwan.ch/bucher.html Wie nehme ich zu. Ratgeber für Gewichtszunahme ohne Mehl und ohne Milch. Einige typisch irakische Rezepte
Traditionelle irakische Kostüme:
Links / allgemeine und detaillierte Infos zum Irak
Völkische Vielfalt und religiöse Toleranz Obwohl der Irakischen Regierung der Vorwurf gemacht wird (nicht ganz zu unrecht), sie unterdrücke mit brutalsten Methoden die Mehrheit der Schiiten im Süden, sowie die Kurden im Norden, ist das irakische Volk als solches relativ tolerant (auf jeden Fall nicht weniger tolerant als wir selbst). Immerhin finden sich in der irakischen Bevölkerung nach wie vor respektable Gruppen von Armeniern, Assyrern, Chaldäern, Mandäern (Sabäer), Yezidis, Turkmenen und, immer noch, sogar einige irakische Juden. s. http://www.geocities.com/athens/ithaca/3291/index1.html Darüber hinaus sind in diesem Land einige Religionen vertreten: Muslime (2 Hauptrichtungen + sufische Gruppen), Christen (unterschiedlicher Orientierung, vor allem Orthodoxe), Juden, Yehzidis und Baha'i. Die Unterdrückung der Kurden basiert zudem auf einem Konsens zwischen Irak, Iran und Türkei, von denen keiner einen unabhängigen kurdischen Staat will, die harte Kontrolle der Schiiten im Süden geschah zu Zeiten Chomeinis unter vollem Wissen und bei voller Unterstützung von Seiten der USA, die den Irak als Bollwerk gegen den Islamischen Fundamentalismus stärkten.
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Martin Herzog Rheinfelden 18.07.2002 hewww.brainworker.ch