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Auf die Frage was er nach gewonnenem Kriege mit dem Irak machen will, sagt Bush: Wir werden den Irak in drei Teile spalten. In Super, Superplus und Diesel. Der geeignete neue Name dafür wäre dann wohl:
More fun (says an Iraqi friend): Sadam Hussein rief Präsident Clinton an und sagte: "Bill, ich rufe Dich an, weil ich letzte Nacht einen unbeschreiblich schönen Traum gehabt habe. Ich konnte ganz Amerika sehen, es war wunderschön, und auf jedem Haus wehte eine Fahne." Clinton fragte: "Sadam, was war auf den Fahnen zu sehen?" Sadam antwortete: "Allah ist Gott, Gott ist Allah". Darauf erwiderte Clinton: "Weißt Du, Sadam, Ich bin richtig froh, daß Du anrufst, weil ich letzte Nacht einen ähnlichen Traum hatte. Ich konnte ganz Bagdad sehen, und es war noch viel schöner als vor dem Krieg, es wurde vollständig neu aufgebaut, und jedes Haus hatte eine Fahne." Sadam fragte: "Bill, was war auf den Fahnen zu sehen ?" Clinton antwortete: "Ich weiß es nicht, ich kann kein Hebräisch !"
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Irak Mai 2010: Der Irak sucht immer noch verzweifelt - aber leider primär mit Gewaltakten - eine Regierung die einigermassen gerade aus geht. Inzwischen haben sich allerdings bereits die Palmen an die verdrehte Situation angepasst, die verhindert, das was Neues aufkommt::
Frühjahr 2012: Sehr gute Verhandlungen des Aussenministers mit Oelkonzernen. Die Gewinne aus der Oelforderung werden der Irakischen Bevölkerung gesichert - und nicht privat verteilt (inshallah).
Juni 08: Die Irakis wollen keine permnenten amerikanischen Militärbasen - unabhängig davon, ob sie Schiiten, Suniten, Araber oder Kurden sind. Bevor Irak eine amerikanische Kolonie wird, verbündet man sich noch lieber mit dem Erzfeind Iran. 16.11.07: Ein gutes Beispiel für den Zustand und die Probleme der irakischen Wirtschaft: Die wichtigste petrochemische Produktionsanlage zusammengebrochen auf Grund finanzieller wie technischer Probleme (Rohstoffe, Energieversorgung, vergammelte Anlagen ...). Bulgarien und Syrien, selbst äusserst arme Länder, erlassen Irak die Schulden. 23.10.07: Falls Sie sich wundern, dass aus dem Irak kaum Proteste kommen betr. eines allfälligen Einmarsches der Türkei in den Norden, so müssen Sie bloss daran denken, dass:
Das zeigt auch das Problem, auf das sich ein isolationistischer Kurdenstaat einlässt: Er steht ohne Freunde da. Generell scheint sich die Situation in Bagdad etwas zu stabilisieren. Die "Kammerung", die zwar den Verkehr extrem behindert, aber die Zugangskontrolle zu Quartieren mit kritischen Einrichtungen ermöglicht, scheint auch zunehmend Gewalttaten und Entführungen zu behindern und eine gewisse Beruhigung zu begünstigen. Strom steht wieder jeweils für 2 Stunden zur Verfügung und wird dann für 4 Stunden unterbrochen. Das ist immer noch schlechter als vor 3 Jahren (2 Stunden Strom, 2 Stunden Unterbruch) - aber besser als die letzten 2 Jahre: 2 Stunden Strom pro Tag. Weniger optimistisch stimmt da die Absicht der Schweizer Botschaft, die zu schliessen gedenkt, da ausser telephonischen Kontakten "aus dem Bunker" heraus offenbar kaum Kontakte mehr möglich sind. Ebenso eine beträchtliche Zunahme irakischer Flüchtlinge in Basel. (Nov. 07)
7.9.07: Der Zustand der irakischen Sicherheitskräfte ist weit gehend erbärmlich. Das Innenministerium in Bagdad funktioniere nicht und sei nur dem Namen nach ein Ministerium. {[Bericht des US-Kongresses]. Weitere 50 Milliarden $ sind nötig für den Wieder-Aufbau der Erdölförderung und der Energieversorgung, nach den 44.5 bereits ausgegebenen, damit die Irakische Bevölkerung möglichst rasch, d.h. bis 2010 oder 13 ausreichend versorgt ist. Na ja ... das heisst doch, dass sich die Zustände im Irak normalisieren, denn das war eigentlich schon immer so ... bevor das alles von Bush, seinen Evangel- und Zionisten zur Bedrohung hochstilisiert wurde. 23.8.07: Iraq is probably ungovernable. Heureka, endlich haben sie's (die Amis) begriffen, dass der Irak einfach anders funktioniert und man nicht einen Steuermann einsetzen kann, der das Land nach hegemonialen Vorgaben lenkt. Es steht zu hoffen, dass nicht bloss die Amis, sondern auch die Irakis, wieder etwas pragmatischer werden und den Irak eben so lenken, wie er sich lenken lässt, wozu Folter und Mord nicht unbedingt nötig sind, aber offensichtlich eine gewisse Konsistenz der Programme und eine gewisse Strenge im Umgang mit Dieben, auch Zeit-Dieben, von denen die Ministerien immer voll waren, und es heute noch mehr sind.. 29.7.07: Irak hat im Finale des Asia Cup Saudi Arabien 1:0 geschlagen. Es wird wieder geschossen im Irak - aber diesmal vor Freude, in die Luft. Sunniten, Schiiten, Christen, Kurden und Araber fühlen sich zur Abwechslung mal wieder als Irakis. Also wenn Fussball hier wirklich die Lage verbessern kann, werd' ich in Zukunft meine dummen Sprüche über diesen "Zuschauersport" lassen. Leider sieht die Realität anders aus. Die Folgen der Demokratisierung des Irak durch die US-Armee: sind heute
_______ Das amerikanische Aussenministerium hat am Montag Daten publiziert, nach denen der Terrorismus 2006 um 25% zugenommen hat ... und 45%, also fast die Hälfte davon findet im Irak statt. Dies 4 Jahre nachdem Bush am 1. Mai 2003 erklärt hat: Mission accomplished. Na ja, wenn die Mission die totale Zerstörung des Irak war, hatte er vielleicht doch recht .... allerdings wäre unter den Bedingungen und dem Effekt dann eigentlich er und nicht Saddam, der grösste Terrorist. Da wurde vermutlich, wie so oft in den USA, wieder mal der Falsche gehängt. Demokratie der Trennung - quasi "Volksdemokratie" für den Irak: Hat Saddam immer wieder einzelne eingesperrt, so soll nun ganz Bagdad, ev. der ganze Irak, Frieden finden hinter Mauern.
Ansonsten nichts Neues: Erlasset uns unsere Schulden - gebet uns reichlich Kredit - auf dass wir uns den unter den Nagel reissen und verduften können. Das Volk muss ja da bleiben, die werden's schon irgendwann bezahlen. Also immerhin so weit wurde der Irak inzwischen modernisiert, dass er ins Konzept der klassischen Entwicklungshilfe passt.
Die Verhandlungen über das Management der Erdöleinkünfte scheinen wieder in Gang gekommen zu sein. Laut New York Times vom 19. Februar 07 und Meldungen von CNN am 27.2.07 sollen sowohl östlich von Bagdad wie nordwestlich, an der Grenze zu Syrien, relativ grosse Lagerstätten von Erdöl existieren (se non e vero, e ben trovato ...). Das aktuelle Hauptproblem bei den Verhandlungen, dass die Kurden im Norden und die Schiiten im Süden die Sunniten im Zentrum, ohne Einkünfte, ohne Erdöl, einfach verhungern lassen können, wäre damit vom Tisch. Die Sunniten sind nicht mehr die armen Brüder, mit denen man teilen müsste, sondern könnten sich auch selbständig machen ... Da man aber die meiste Zeit weder türkisch noch syrisch oder ar iranisch oder saudisch war und eigentlich auch nicht werden möchte, könnte man sich also auch wieder zu einem Irak zusammenfinden ... inshallah ... Dabei ist auch ein interessanter neuer Partner aufgetaucht: China. Die Chancen für Lizenzen stehen für die Chinesen nicht besser als für die USA, da man im Irak von den Chinesen etwa gleich viel hält wie von deren Produkten ... die zwar keiner kaufen will, aber überall doch gekauft werden, einfach weil sie sehr günstig sind. Flösse Irakisches Erdöl plötzlich nach China statt in den Westen, hätte sich Bush mit seinem Krieg nicht bloss ins eigene Bein, sondern echt in den eigenen Arsch geschossen. Allerdings gibt es da auch den üblichen IMF-Markt-Terror: Der Paris-Club verlangt, dass im Irak internationale Preise für Benzin bezahlt werden, obwohl die Wirtschaft, insbesondere die Arbeitsplätze und damit Einkommen am Boden, und ganz und gar nicht auf internationalem Niveau sind. Der Liter Benzin soll also 800 Dinar kosten, statt der heute üblichen 300. (Zum Vergleich: Nach dem 1. Golf-Krieg, man erinnere sich, grosses Feuerwerk, Raffinerien, Strassen, Brücken, Infrastruktur zerstört + Boykott, kriegte man für 1 $ 150 Liter Benzin in Bagdad. ) Ansonsten gibt's kein Geld. Die Regierung konnte die Preiserhöhung zur Zeit auf 400 Dinar (0.29 $) begrenzen. Tja ... denkste. Eher zu vermuten steht, dass die Sache im Irak und drum herum noch komplizierter wird. Die USA spielen nicht nur die Aufregung im Iran und Israel hoch, so dass in vielen Medien die Möglichkeit, dass Israel iranische Atomkraftwerke bombardiert schon bereits als normale Antwort taxieren. Die USA unterstützen offenbar sogar ihre grössten eigenen Feinde, radikale sunnitische Gruppen, um Stimmung gegen den Iran zu machen. Dummerweise funktioniert das nun mal sogar mit vielen Irakis. Die Region wird so aber für viele Jahrzehnte Entwicklungsregion bleiben. Nebenwirkung oder Ziel? [ Die neue US-Strategie führt zu einem Flächenbrand im Nahen Osten]
Gedankensplitter (immer noch besser als Granatsplitter): 4.2.06: Der Thaura-Park im Zentrum der Stadt ist wieder offen!Ein Kind spielt. Ab und zu Schüsse rund herum. (CNN-News) [Wenn Bush bald den Iran angreift, kriegen sie vermutlich bald wieder einen Job, womit Bush bewiesen hätte, dass er ein würdiger Nachfolger Saddams ist und eigentlich die selbe Art von Politik betreibt ...]. Einige Paare gehen spazieren. Es wird gepflanzt. In Bagdad naht der Frühling. ...
War es die Absicht der USA und ihrer Kolonialregierung in Bagdad, Saddam möglichst rasch unter den Teppich zu kehren und bloss nicht zum Märtyrer zu machen, so ging dies mit dieser Hinrichtung so ziemlich schief. Hat er sein Land zu Lebzeiten bloss mit Gewalt einigen können, so wird er auch jetzt bloss zum einigenden Zentrum für die Sunniten, also zum Spaltpilz für den Irak. Die Hinrichtung hat auf jeden Fall etwas deutlich gemacht: Die Todesstrafe, mit der man sich eines Menschen wie eines Tieres entledigt, macht sehr leicht die ausführenden und die Zuschauer zu Tieren - was, so unlogisch es klingt, nicht gegen die Hinrichtung von Barsan el Tikriti und Awad el Bandar spricht, denn das waren Tiere - welche Aussage eben doch unlogisch und gefährlich ist, denn: man spielt mit dem Feuer, sobald man beginnt, einzelnen Menschen die Menschlichkeit abzusprechen. Das endete schon früher mehrfach mit Hexenverbrennungen, Deportationen und Vergasungen im grossen Stil. Jubel über militärische Schauspiele ist eine Reklame für den nächsten Krieg. (Kurt Tucholsky, dt. Schriftsteller, 1890-1935) Barsan el Tikriti und Awad el Bandar wurden inzwischen gehängt, womit der Hängerei und Mörderei im Irak nun wirklich Genüge getan wäre. Diese Meinung wird leider im Irak noch längst nicht geteilt. Der Anschlag auf die Universität vom 16.01.07 ist wieder etwas vom Übleren, wenn man bedenkt, dass hier die eigenen Studenten in die Luft gesprengt werden. Er könnte allerdings unter Umständen eine Rache für die Vorgänge von 2003, bei denen der Rektor der Mustansiriya Universität entführt und enthauptet wurde ... wie man sagt von schiitischen Studenten (die auch hier die Mehrheit bildeten und) denen der Betrieb "zu leger" war. Falls also gestern die sunnitischen Studenten zufälligerweise zu Hause blieben ...
Etwas Positives: Gehen Sie mal in eine arabische Cafeteria mit Fernseher und sehen sich "Karikater" auf dem Irakischen Privatsender Sharqiah an (per Satellit in Europa problemlos erreichbar). Im Stile unseres Volkstheaters beschreiben die Schauspieler dort die Zustände im Irak ... trotz allem mit Humor und in aller Offenheit. Hier ist wirklich eine Insel an Demokratie entstanden ... die es früher auch gab, die aber damals genau so gefährlich war wie heute. Der Satz ist kein Schreibfehler. Erst vor ein paar Wochen wurde einer der Schauspier ermordet, da Humor von Leuten nicht geschätzt wird, die sich als grimmige Hüter der Wahrheit geben möchten. Eigentlich müsste sich die Krise im Irak so langsam aber sicher auflösen, theoretisch, sozio-psychologisch gesehen, denn die meisten Ratten haben inzwischen das sinkende Schiff verlassen (zumindest alle, die mir in den letzten 30 Jahren begegnet sind). Sogar die USA haben gemerkt, dass die grössten Erdölreserven der Welt zu teuer sind, wenn sie in ein Fass ohne Boden sprudeln. Dummerweise scheint die neue Taktik der präventiven Verteidigung (eigener Interessen) im Irak und Libanon aber nicht nur diese Länder zerlegt zu haben, sondern den Graben zwischen Sunniten und Schiiten wurde dadurch vertieft, mit Petrol gefüllt und angezündet - was nicht nur lokalem, regionalem und Weltfrieden abträglich ist, sondern auch dem Islam selbst. Gewinner von Religionskriegen sind nie die Beteiligten!
Wege aus dem Desaster - 79 detailliert formulierte Empfehlungen mit pro und contras!:
Erfreulich. Zeigt doch, dass es in den USA noch andere geistige Kaliber gibt als Bush & Co. - und wird von der Irakischen Regierung unterstützt . Der Krieg gegen den Irak wurde von Juden angezettelt!- stimmkräftig unterstützt von den Evangelikalen, da nach deren absurder Endzeittheorie das Reich Gottes erst dann bevorsteht, wenn Babylon (wieder) zu Israel gehört. Bevor Sie mich nun anmösern von wegen Antisemitismus - ich sage nicht, von DEN Juden, aber von diesen Juden: Perle, Adelman, Wolfowitz, Ledeen, Frum, Libby, Fleischer, Bolten, Goldsmith, Luttwak ... und vermutlich noch einige mehr, die den Präsidenten in die Richtung gedrängt haben ... was bei dessen Intelligenz ja kein all zu schwieriges Unterfangen war ... ihn aber dennoch nicht entschuldigen soll.
Es wäre also angebracht gewesen, mal darauf hinzuweisen. Vielleicht wäre die Geschichte anders verlaufen, hätten nicht alle vor lauter Angst, als Antisemiten beschimpft zu werden, dieses kleine Detail einfach "übersehen." Lehre daraus: Man darf sich beim Denken von keinem Ismus zu sehr beeinflussen oder gar leiten lassen! [John J. Mearsheimer, Stephen M. Walt: Die Israel-Lobby. Wie die amerikanische Aussenpolitik beeinflusst wird. Campus-Verlag. Frankfurt a.M. 2007 ]_______________________________ Der Wind dreht in den USA. Rumsfeld ist weg. Die UN dürfte Bolton auch bald los werden. (Ist definitiv so, Anfang Dezember hat er auf eine weitere "Kandidatur" verzichtet.) Mal sehen, ob das im Irak eine günstigere Entwicklung ermöglicht. Schön wär's! ... Wär's gewesen. In Bagdad ist der Teufel lost (seltsam, Bush ist ha eigentlich zuhause ...). War der Irak zu Zeiten Saddams die Hölle, so fehlt heute jeder taugliche Ausdruck. Tag für Tag rund 400 Tote, vor allem Arme, die Arbeit bei Polizei oder Armee suchten. Der Irak ist zwar berüchtigt für seine gewalttätigen Umstürze: 1958 wurde König Faisal II. und seine ganze Familie hingerichtet, 1963 der Revolutionär Karim Kassim von seinen Kindern gefressen (im übertragenen Sinne, er wurde erschossen), Abd al Arif Salim entkam diesem Schicksal auch bloss durch einen Flugzeugunfall 1966 und Ahmed Hasan al Bakr wurde von Saddam in Pension geschickt - ach wie brutal. Die Bath-Partei wurde allerdings mit saddamischen Mitteln gesäubert. Nichtsdestoweniger waren alle diese Aufstände, Kriege und Unruhen zwar gewalttätig, aber immer kurz und lokal beschränkt. Seit dem Einmarsch der USA seien 400'000 Menschen ums Leben gekommen - womit Saddams Werk innert kürze beträchtlich übertroffen wurde. [Minimale Schätzung, denn es waren 2 bis 5% von 27 Millionen Irakis, d.h. zwischen einer halben und 1 1/4 Million Menschen.] Die Rekordmonate waren Juli 06 mit 3590 toten Zivilisten und Oktober mit 3709 Toten. So was wie heute kennt der Irak seit den Mongolen nicht mehr. Und wem verdanken wir das? Genau. Und die hoffen nun, Syrien und Iran würden das Problem lösten ... allerdings nur solange, bis sie es lösen, denn eine vereinte islamische Gemeinschaft von Iran bis Syrien würde den Selben den Angstschweiss derart zum Quellen bringen, dass sie sofort wieder irgendwo "Ordnung" schaffen müssten.
Fazit:
Saddam soll gehängt werden. ... Nun gut, er war ein gewalttätiger Tyrann, hat eine Menge Toter verursacht, das Land in mehrere Katastrophen geritten ... vermutlich hat er's verdient. Aber - a) wer bezahlt für die Leben, die der Eingriff der USA gekostet hat - und das sind inzwischen mehr als unter Saddam umkamen, b) ist die Situation heute im Irak schlimmer als sie es je unter Saddam war. Wenn also Saddam zu recht gehängt wird, dann müsste gerechterweise Bush daneben hängen. Freude im Irak? Sicher, bei einer Vielzahl von Kurden und Schiiten, nicht aber bei den Sunniten. Viele Familien, die alle Verwandte durch Saddams Grausamkeit verloren haben, sind dennoch entsetzt. Die Todesstrafe war ein Mittel, das Saddam eingesetzt hat, aber dennoch nicht das, womit nur halbwegs humanitär eingestellte ihn bestrafen möchten. Saddam war ein Tyrann - aber er war der Cheftyrann der Irakis, und hat sie ab und zu doch, als Nation, mit Stolz erfüllt (sonst war ja auch wenig, genau wie im ehemaligen Osten ...). Mit dem Entscheid, der ein US-Entscheid ist und nicht ein irakischer (!), werden die Irakis brüskiert, nicht mit der Kritik von Calmy-Rey. Hängen soll er, wie ein räudiger Hund. Die Idee dahinter ist klar, die USA will ähnlich gelagerten Typen klar machen, was ihnen droht - aber, genau wie mit dem Entscheid für den Krieg gegen den Irak, stehen sie schon wieder im Sumpf mit ihrem Denken. Sie werden sich damit nicht Respekt verschaffen, sondern eine Verachtung und einen Hass, der kaum mehr tiefer gehen kann. Und das liegt nicht mal an der Todesstrafe. Saddam weiss es selbst, dass er den Tod tausendfach verdient hat - aber man hätte ihm dennoch gewähren können, durch ein Exekutionskommando, also quasi in militärischen "Ehren", erschossen zu werden. Zudem ist das, was die USA im Irak an "Demokratie" bieten, widerlich. Der Gerichtsentscheid wurde gepuscht, um den Republikanern bei den Wahlen wieder etwas Antrieb zu geben, was offenbar geglückt ist. Damit aus dem Irak die "richtigen" Reaktionen kommen, wurden die in dem Falle kritischen Fernsehsender Al Thaura und Salahudin geschlossen! Meinungsfreiheit à l'Americaine ...
Warum Krieg? Warum im Irak? Warum im Iran? Warum in Afghanistan? Der Bericht des Geheimdienstausschusses des US-Senats vom 8. September 2006 [fast alles Republikaner] belegt, dass sämtliche Argumente mit denen die Bush-Regierung den Krieg im Irak begründet hat, entweder falsch oder gleich erstunken und erlogen waren. [s. Zusammenfassung]
http://www.globalresearch.ca/images/middleastmap.jpg
ALLES KLAR?
Fazit: Irak ist die neue Front im Ressourcenkrieg der USA gegen China ... und vielleicht ja auch zur Eindämmung Europas
(China unterhält mit Iran freundschaftliche Beziehungen, allerdings auch zum Irak, Zentralasien, Afrika und Südamerika. Der neue "Kalte Krieg" ist ein Krieg um Oel.). Die Bedeutung Israels als regionaler Vorposten der USA wird hier ebenfalls klar, also auch, warum Israels Atombombe kaum diskutiert wird, während Iran, der sich zu Recht bedroht fühlt, ein Krieg droht. Israel besetzt, als Reaktion auf zwei entführte Soldaten, ein ganzes Land. Merkel, die den Oberclown der USA bei sich eingeladen hat, findet das berechtigt, muss aber zur Begrüssung Bushs eine handverlesene Claque aufbieten, da diejenigen die die "Deutsche Meinung" vertreten (Bush? Zurück in den Wald mit dir!), ausgesperrt wurden. Bedenklich. Bush's Aktivitäten im Nahen und Mittleren Osten helfen Europa nicht, im Gegenteil. Fazit:
p.s: Ich scheisse auf Bush, Blair und die verlogene US-Presse ... apropos verlogene Presse: Die NZZ meldet am 16. Juli: Hizbullah nimmt Libanon als Geissel. Ach nee ... really? Ich dachte das war Israel? Wegen 2er, im Libanon verloren gegangener Soldaten ... Äusserst "verhältnismässige" Reaktion. Israel gerät, insbesondere nach der Bombardierung von Qana, bei der nur Kinder und Zivilisten umkamen, arg in die Breduille. Es zeigt sich, dass die Israelischen Smart Bombs genau so belämmert sind wie die von der USA im Irak (sind ja auch die selben ...), sich also nicht böse Terroristen aussuchen, sondern einfach irgendwo hinfallen und ganz normale Menschen umbringen. Die Bombardierung eines UN-Postens, trotz mehrfacher Bitte um Rücksichtname, die Bombardierung von Hilfsgütertransporten und Journalisten zeigen, auch wenn man nicht fiese Absicht annimmt, dass die Qualität des Israelischen Geheimdienstes wie auch die Treffsicherheit seiner Piloten und Kanoniere vermutlich weit überschätzt wird. Bush hatte für einmal in seinem Leben Erfolg als Komiker, als er nämlich in St. Petersburg die Fortschritte der Demokratie im Irak rühmte - was von Putin beantwortet wurde mit: Wir wünschen uns ehrlich gesagt keine Demokratie wie im Irak.
In der Zwischenzeit wird allerdings Bush's Intelligenz nicht nur von den Demokraten, sondern auch von den Repulikanern für eher unterdurchschnittlich gehalten. Die Erfolge seiner grossen Taten für die nationale Sicherheit sind mehr als Zweifelhaft: Usama bin Laden weiterhin quietschfidel irgendwo im Busch, Afghanistan fest in den Händen lokaler Kriegsherren, den grössten Heroinproduzenten der Welt, Irak im Bürgerkrieg - was inzwischen sogar in den USA so ausgedrückt wird -; die Hizbollah durch Israel zu Helden gemacht (Die Hizbollah - die beste Guerillatruppe der Welt), die nun jede Menge Zulauf haben. Hassan Nasrallah, der Generalsekretär der Hizbollah, wurde zum populärsten Mann der arabischen Welt. Israels Armee und insbesondere sein Geheimdienst sind diskreditiert. Dass Bush nun diese Reihe noch mit einem Angriff auf die Atomanlagen des Iran fortsetzen will, beunruhigt sogar die Neokonservativen, da dies die bereits enorme Destabilisierung des Nahen Ostens über den Mittleren bis nach Zentralasien hinein ausdehnen würde..
2.11.06: Statt einer Regierung, die sich um das Volk kümmert, wurde im Irak ein Klientelsystem aufgebaut, also eigentlich wieder das Selbe, wie unter Saddam, bloss heute mit mehr als einem Herrn, der in die eigenen Tasche wirtschaftet und, wie bei uns die Wirtschaftsbosse, eigentlich findet: Wenn es mir gut geht, geht es doch allen gut. Ansonsten alles wie immer: kein Strom, kein Wasser, Spitäler ruiniert, Schulen ruiniert, Preise steigen jährlich um 30%, dieses Jahr vermutlich gar um 60%. Niemand baut auf, da die eigenen Leute korrupt sind, und das Geld lieber gleich ohne Arbeit in die Tasche stecken, und die Situation für ausländische Organisationen viel zu riskant ist. ... Kurzum, ein Trauerspiel, das zwar von den USA verursacht wurde, bei dem aber die Irakis heute selbst (gewalt-)tatkräftig mitspielen. 8.6.06: Zarkawi ist weg (?) - eine echte Chance für Verbesserungen. Irak hat eine neue Regierung! Really? Hatten wir doch schon mehrmals ... Also die Meinung eines Bagdadis: Wir warten nun schon seit 25 Jahren auf bessere Zeiten ... vermutlich können wir das noch einige Zeit tun. Die Entwicklung wird dominiert durch ethnisch-religiösen Separatismus. Regionen, Gemeinden, Städte, Stadtviertel werden "ethnisch gesäubert." Nicht ganz so brutal wie von Afrika gewohnt, aber effizient. In Wohnvierteln mit dominanter Mehrheit an Schiiten wird Sunniten nahe gelegt, ihr Haus zu verkaufen, und dies so deutlich, dass sie nicht lange zögern. In Wohnvierteln mit sunnitischer Mehrheit entsprechend umgekehrt - und was die Kurden betrifft, das Selbe. Bei Politikern, die in erster Linie ihre eigenen, dann die Interessen der Partei vertreten, aber, genau wie hier, meist unfähig sind, das Land als ganzes zu sehen, dürfte das noch Jahre so weiter gehen. Vermutlich hat Bush sen. dem Bush jun., als der noch ein Kind war, nie erlaubt, mal eine Uhr auseinander zu nehmen. Sonst hätte er gewusst, dass das Zusammensetzen meist einiges schwieriger ist als das Zerlegen. Im Kriegsjahr 2003 starben in Bagdad 400 Menschen pro Monat durch Gewalt, heute (Juli 2006) sind es 1800! Wenig erfreuliches ist auch von der Integration der Milizen in eine irakische Armee zu erwarten. Ein ehemaliger Oberst rät davon ab, mit der Begründung: Wenn die sich erst mal unter dem Schirm "irakische Armee" befinden, dann können sie erst recht machen, was sie wollen. Er muss es ja wissen ... Unter Saddam gab es das Terrorinstrument "Republikanische Garde", vor der jeder zitterte. Heute gibt es keinerlei Autorität (die US-Streitkräfte am wenigsten), die von den Irakis respektiert wird. Demokratische Ordnung zu respektieren, ohne Zwang, ist eine kulturelle Entwicklung, die unter den im Irak gegebenen Bedingungen vermutlich mindestens eine bis zwei Generationen Zeit braucht. Eben so unerfreulich ist die Entwicklung der Polizeikräfte. Die tauchen mitten in der Nacht auf, treten die Türen ein, durchsuchen das Haus, zerschlagen Fenster, Tische, Möbel, nehmen mit was nicht niet und nagelfest ist, und verschwinden (im besten Fall). So gelernt von den Amis. Also mein (leicht zynischer) Vorschlag wäre: Die Rehabilitation des gastronomisch wichtigsten Triangels in Bagdad. Wenn Abu Nuwas abends und am Wochenende wieder voll besetzt ist - und man sogar bei den schiitischen Betreibern dieser Fischrestaurants (s. mesguf) wieder ein Bierchen kriegt, dann ist Bagdad bald wieder auf der obern Seite beim Städteranking. Wenn es sich die Leute aus finanziellen und aus Sicherheitsgründen wieder leisten können, am Abend und Wochenende in Mansur, Rubeihi und Hindiya flanieren zu gehen, dann ist Bagdad auf dem Weg zur Besserung. Wenn sich der Taglöhner wieder seine Hakake bei Ibn Smina, der mittelständische Bagdadi am Sonntag wieder einen Korb voller Süssigkeiten vom lokalen "Sacher" namens Abu Afif leisten kann, und die Sufis von Abu Hanifa auch einem Ausländer voller Verständnis den Islam erklären, dann ist das Leben in Bagdad wieder lebenswert. Ich denke dabei erst noch, dass nicht ich, sondern Politiker wie Ökonomen, national wie international (womit insbesondere der IMF gemeint ist), das Ganze irgendwie total verquert sehen. Also: > Vorsicht im Irak .... Die Weltbank will zurückkommen ... mit ganzen 900 Millionen! Die aktuelle Situation. Im Gegenzug müsste Abu Musab al Zarqawi der Teppich unter den Füssen weggezogen werden - was allerdings verlangte, dass diese, von Saddam favorisierte, heute "verdammte", d.h. von der Politik total ignorierte Region wieder unterstützt wird. Vermutlich liegt der wichtigste Grund dafür, warum die USA absolut keine Ahnung haben, was in Bagdad wie läuft, darin, dass Islamische Städte generell meist eher grosse Dörfer sind. (wobei ich natürlich von der vor-Dubai-Palm-City und dergleichen rede). Dem Islam war bereits im Mittelalter die Spannung zwischen Stadt und Land, Bürger und Bauer, fremd. Die Stadt war eher ein riesiges Dorf und nicht eine völlig anders geartete Organisation, die sich rechtlich, sozial, politisch und geistig vom Umfeld abhob. Riadh und Dscheddah hatten diesen Charakter 1980 noch, obwohl sie damals schon enorme Flächen bedeckten. Die Städte des Jemen und des Irak, auch Bagdad mit seinen 4 oder 5 Millionen Einwohnern, haben diesen Charakter heute noch. Ende März haben die USA angekündigt, dass der Irak seine weitere Entwicklung selbst finanzieren muss (logisch, wo bereits 21 Milliarden sinnlos verbraten wurden ... also immer noch 100 Milliarden nötig sind). Anstatt aber für 60 Milliarden Erdöl zu exportieren, wird zur Zeit für 6 Milliarden $ Benzin und Diesel importiert. Die Leistung der Stromversorgung liegt (trotz "enormer" "Investitionen" der USA), tiefer als vor dem Krieg. [s. Asia Times] Das wichtigsten Ministerium, von dem 80% der Einkünfte des Irak abhängen, das Ölministerium, leidet an Führungsschwäche und Geldmangel. Ohne Benzineinfuhr, ebenso bei Verrechnung der effektiven Kosten des Benzins zu Weltmarktpreisen, wird die Folge rabiat sein für die Bevölkerung, und eben so rabiat deren Reaktion. Heil Bush, dem Bringer von Friede, Freiheit und Wohlstand! Im Irak droht kollektiver Wahnsinn - und eine klassische IWF-markt-fundamentalistische VersorgungskriseDer Angriff auf eine Moschee, die seit 1000 Jahren Grabstätte zweier heiliger Männer der Schiiten ist, zeigt, dass offenbar die Grenzen des Erträglichen im Irak noch längst nicht überschritten sind. Diese Moschee ist ein islamisches Heiligtum, nicht bloss ein schiitisches, denn immer noch beten Schiiten und Sunniten zum selben einen Gott. Die Zerstörung ist ein Sakrileg und zeigt, wie extrem die Anomie im Irak gediehen ist. Bereits das letzte Fundament der irakischen Gesellschaft, der Glaube, erodiert. Das verheisst nichts gutes, denn damit bricht das letzte Fundament der Vernunft weg. Wer immer sich hier als Kriegstreiber betätigt hat, hat zwar sein eigenes Todesurteil unterschrieben, könnte aber Folgen bewirken ähnlich 9/11. Dies um so mehr als DER schiitische Staat, der Iran, zur Zeit eigentlich bereits ausreichend Probleme hätte. Man könnte allerdings auch sarkastisch sagen: Wenn Muslime Moscheen bombardieren ist das Letztmögliche an Primitivität und Irrsinn erreicht, noch blöder geht's nimmer ... Also irgend wer im Irak ist Bush offenbart ebenbürtig, was das geistige Niveau betrifft. Dieses Urteil wird bestätigt durch den historischen Hintergrund: Die goldene Moschee, Akari-Moschee, in Samara beherbergt die Grabstädte mehrerer Nachkommen Mohammeds. In der Presse werden diese bloss als "den Schiiten heilige Imame" erwähnt. Dies verengt die Sache in unzulässiger Weise. Wohl herrschte damals, ein Streit darüber, wer am meisten berechtigt sei, die Führung der islamischen Gemeinschaft zu übernehmen, unbestritten war und ist aber die Heiligkeit der Nachkommen Mohammeds für beide Seiten. Des weitern war diese Moschee, trotz ihrer hohen Bedeutung für die Schiiten, seit über 1000 Jahren unter vorsorglicher Obhut der Sunniten! Samara ist ein vorwiegend sunnitisches Gebiet. Wer immer also für die Sprengung verantwortlich ist, hatte nichts im Sinne ausser Unfrieden zu stiften - egal was es koste. Abgesehen davon ist die Situation auch sonst äusserst unerfreulich:
Wenn man sich die beiden Abschnitte oben ansieht, die rein zufällig als Meldungen nacheinander reintuckerten, kommt einem doch ein bisschen der Verdacht, dass da wieder mal wer einen religiösen Krieg vom Zaun brechen will, um die wirklichen Probleme zu übertünchen. Er möge in der Hölle rösten, auf dem gemischten Kollektivgrill für verdammte Sunniten, Schiiten, Christen, Juden, Feueranbeter, Atheisten etc - und nichts als Schweinepisse trinken. Anfang März 06 hat sich eine irakische Delegation in der Schweiz über den Föderalismus informiert, und auch die Regio Basiliensis besucht. Wahlen in BagdadDie Resultate: Auch nach dem Abzug der alliierten Truppen wird Gewalt und Korruption andauern. John Reid, brit. Verteidigungsminister Seltsam ... ich dachte der Krieg brachte dem Irak Demokratie, Freiheit und Wohlstand? Obwohl ... die Verhältnisse könnten theoretisch, möglicherweise, im Falle ... beginnen sich zu stabilisieren. Die gegenwärtige Verteilung der Mächte ist nicht mal so tragisch, wie sie sein könnte. Wir können zur Zeit 3 potentielle Blöcke unterscheiden:
Die Zersplitterung des Landes in 3 ist immer noch vorhanden. Aber die stärkste Splitterpartei, die Kurden, sind nur noch drittstärkste Macht, also ein- (oder an-) gebunden.
Bei einer Wahlbeteiligung von knapp 70% wurden folgende Resultate erzielt:
Was nun im Irak die weitere Entwicklung etwas schwierig macht, ist die Tatsache, dass diese Parteivertretung nicht nur eine Gesinnungsvertretung widerspiegelt, wie das in westlichen Demokratien normalerweise der Fall ist, sondern auf der kulturellen, sprachlichen, geographischen und religiösen Gliederung des Irak basiert. Man kann also bei Abstimmungsresultaten nicht wie bei uns sagen: Die Linken haben eben verloren, oder die Rechten - weil sich jedes Mal ein ganz bestimmter Landesteil benachteiligt fühlen wird. Diese Art von Problemen werden in entwickelten Demokratien in der kleinen Kammer abgehandelt, und auch dort gelingt auch uns die Trennung von Sach- und Regionalpolitik ganz und gar nicht immer. Die Städte lassen sich die Herrschaft über das Land genau so ungern nehmen wie die Sunniten die Landesherrschaft. Der Irak hat also noch eine ganze Anzahl äusserst schwieriger Entwicklungsschritte zu durchlaufen, bevor man von einer funktionierenden Demokratie wird reden können. Inschallah läuft die Geschichte des Irak nun bald wieder etwas ruhiger und konstruktiver ab .... 21.1.06 ____________________________________________ Vorgeplänkel: 70% der Irakis sind Mitte Dezember an die Urnen gegangen. Definitive Resultate werden erst zu Anfang Januar erwartet. Die Beteiligung der Sunniten war diesmal hoch - so dass die Resultate repräsentativ sein werden ... was einige schon zu Aussagen verleitet wie: Es wird nun keine Widerstandskämpfer mehr geben, sondern nur noch Terroristen ... Inshallah ... Die (religiösen?) Schiiten haben nun selbst in Bagdad mit 59% die Mehrheit. ... Was auf den ersten Blick als massives Problem erscheint und dementsprechend von sunnitischen, aber auch säkularen schiitischen Gruppen angefochten wird. Bis anhin sind die Zahlen auch eher verwirrend, was darauf deutet, dass sie eher gestrickt als gezählt sind. Die Meldung lautet nämlich: 59% für die religiösen Schiiten, 19% für die sunnitische Eintrachtsfront und 14% für die überkonfessionelle Bewegung des früheren Premiers Iyad Allawi. Bleiben 8%. Verdächtig .... denn bereits der Anteil an Kurden, die bestimmt eine kurdische Fraktion gewählt haben, dürfte einiges höher liegen als 8%. Und wenn es neben den 59% religiösen Schiiten auch noch gemässigte gibt, dann dürften am Ende so ca. 120% der Stimmberechtigen an der Urne gewesen sein. Dennoch ... Gerade diese vertrackt erscheinende Situation könnte vielleicht aber auch einen Beitrag zur Lösung des anstehenden massivsten Problems darstellen: Der Verteilung der Erdöleinkünfte. Die Tendenz geht dahin, dass sich Kurden im Norden und Schiiten im Süden selbst organisieren, staatlich oder parastaatlich - und auf den nun armen Mittelteil mit der Hauptstadt Bagdad pfeifen. Da es beträchtliche Anteile von Kurden und Schiiten in Bagdad gibt, die wenig Lust haben, wieder in die Landschaft zu ziehen, dürften diese Gruppen nun den notwendigen Korrekturfaktor bilden. Es liegt nun also an Bagdad, das Land zusammen zu halten. Eine Kooperation zwischen den Sunniten und Schiiten Bagdads erscheint so fast zwingend, um so zwingender, als bei den herrschenden Zuständen weder ausländische Firmen noch Politiker oder Freunde viel Lust haben, im Irak ihr Leben zu riskieren. Ein kritischer Faktor sind hier insbesondere die Ultranationalisten (unter jordanischer Führung ....), die keine Hilfe brauchen und alles am besten wissen und können. Eine Bewährungsprobe dürfte sie recht schnell hinwegfegen, denn jedem ringt irgendwann die Stunde der Wahrheit, zur Zeit sogar für Bush. ___________ 2005 erhielt der Irak vom IMF bereits 685 Millionen $ als Kredit um den Aufbau zu fördern. Die 436 Millionen vom Vorjahr mussten allerdings grösstenteils aufgewendet werden, um Schulden zu bezahlen. Wenn es also den USA nicht gelingt, den Irak in die Knie zu zwingen, so schafft es vielleicht die Bank, den Irak, mit 120 Milliarden $ Schulden am Bein, anzuketten .... Umgekehrt ist die Alternative natürlich auch für die Geldgeber eine Belastung. Alleine Österreich musste sich 80% der 1.2 Milliarden, die im der Irak schuldet, ans Bein streichen. Die gegenwärtigen Ölpreise dürften allerdings helfen, sich dieser Last relativ rasch zu entledigen. Weitere 120 Milliarden sollen in den nächsten 15 Jahren zudem alleine im Wohnungsbau investiert werden. ... also interessant bleibt's ... ____________ Die neusten "Visionen" der "US-Stil-Demokratie, Variante Lateinamerika" für den Irak:
Die neue Verfassung wurde mit grosser Mehrheit (79%) angenommen, mit Ausnahme der sunnitischen Provinzen Anbar (97% nein), Salahuddin/Tikrit (81% nein). In der kritischen 3. Provinz, Ninive/Mossul stimmte zwar eine Mehrheit von 56% nein - aber zur Ablehnung der Verfassung wäre auch hier eine 2/3 Mehrheit (67%) nötig gewesen. Fazit: Der Irak hat jetzt zwar (ganz knapp, 11% von Mossul!) eine neue Verfassung, aber immer noch die selben alten Probleme, von denen die Verfassung kein einziges löst - und bei 230 Parteien in 21 Koalitionen - mit unvereinbaren exklusiven Herrschaftsansprüchen, auch noch lange nicht lösen wird. (Man vergleiche: Für Deutschland ist es bereits eine Parforceleistung, zwei Koalitionen gemeinsam regieren zu lassen): Dem Irak geht das Geld aus. Sicherheit und Korruption verschlingen inzwischen so viel Geld, dass sich niemand mehr fragt, warum trotz der viel gelobten (von Bush viel gelobten) Aufbauarbeit die Versorgung mit Strom, Wasser und sogar Nahrungsmitteln immer noch schlechter ist als zu Saddams Zeiten. Die Weltbank schätzte den Bedarf auf 59 Milliarden $. Zur Verfügung standen 29, von denen noch 7% vorhanden sind. WTO gibt dem Irak 5 Jahre, um den notwendigen Standard zu erreichen. Das Nahrungsmittelprogramm hat erst 44% (30 Millionen) des notwendigen Kapitals beieinander. Im September stand nicht mal genügend Zucker zur Verfügung für die rationierte Verteilung. Die Schulden des Irak belaufen sich zur Zeit auf 200 Milliarden $. Darin enthalten sind 55 Milliarden Kompensation an Kuwait, 48 Milliarden an Saudi Arabien, und 40 Milliarden beim Paris Club. Diese sollen auf 10% abgeschrieben werden, wogegen sich vor allem Russland (auch keine reiche Nation) wehrt. Sogar Rumänien, eines der ärmsten Länder Europas, musste 2 der 2.5 Milliarden Schulden des Irak abschreiben.
Es ist verständlich (and quite reasonable ...) dass die Amis inzwischen so ziemlich die Nase voll haben mit diesem Irak-Abenteuer und die heisse Kohle, d.h. die Führung dieses Staates gerne wieder an eine lokale Regierung abgeben würden. Nur gibt es heute diese Führung nicht mehr. Diejenigen die sich als Führer präsentieren, möchten vor allem möglichst viel Geld auf ihre privaten Konten ab-führen. Ein Volk, das 25 Jahre, also über eine ganze Generation, von Saddam & Co gelernt hat, wie man zu etwas kommt, schafft nicht einfach aus dem Nichts eine funktionierende Verwaltung und einen freien Markt. Das dürfte fast eben so lange dauern, wie die vorgehende Schulung zur Misswirtschaft. Korruption ist grassierend. Da die Meldung nun selbst offiziell aus dem Irak kommt, darf auch ich kritischer werden. Ich habe 2004, nebst der neuen Bagdad-Stadtplan, beträchtlich Zeit (ca. 3 Monate) investiert in Beratung betr. Minensuchgeräte (die besten: Forster/Vallon). Von den 3 Ex-Generälen mit denen ich es zu tun hatte, mussten 2 inzwischen fluchtartig das Land verlassen, da sie sogar für irakische Verhältnisse zu viel gestohlen haben. Anstatt preiswert einzukaufen, haben sie sich pro-Forma-Lieferscheine in der Tschechei erstellen lassen (die gar keine Minensuchgeräte produziert, wo aber die Mutter des einen Vertreters zu einem Spitalbesuch eingeladen wurde ....). Das ganze Geld wurde so als Bakshish zwischen den Beteiligten verteilt. Der Irak hat keine Minensuchgeräte, und seriöse Produzenten und Händler keinen Verdienst. Proscht Nägele ... Dieser Auftrag war allerdings "bloss" 1.2 Millionen, der vorgehende, dem es ähnlich ergangen sein dürfte allerdings 5 Millionen $. Total sind dem Verteidigungsministerium so bereits eine ganze Milliarde "abhanden gekommen". Im Vergleich dazu ist das, was die Volcker-Kommission publiziert, peanuts (10%). Man muss hier aufpassen:
Illegaler Handel während des Embargos. [CRS Report for Congress. June 14, 2005] Fazit:
Positives: Die Flüge zwischen Bagdad und Kuwait werden bald wieder aufgenommen. Am 27. Oktober werden die Flüge zwischen Bagdad und Kairo wieder aufgenommen. Irbil ? Sollte theoretisch nun für Internationale Flüge offen sein. Am 22.9.05 traf der erste aus Frankfurt ein. Eine Eisenbahnverbindung zwischen Basra und Abadan (Iran) ist in Planung. 2004 sind die Exporte um 40% gestiegen. 738 Millionen Barrels Erdöl wurden produziert - ein grosser Teil davon allerdings geschmuggelt (da die Preise nur einen Bruchteil dessen betragen, was in den Nachbarländern bezahlt wird), daher die Versorgungskrisen im eigenen Land mit Gas, Benzin und Diesel. [Eine weitere Möglichkeit ist auch, dass die Statistik schlichtweg erfunden ist, denn weiter unten im selben Dokument wird das auf 1.4 Millionen Barrel pro Tag umgerechnet, was nicht so ganz aufgeht]. http://www.iraqdirectory.com/en/default.asp NEUE IRAKISCHE VERFASSUNG (download, english translation): Bush ist ein Volltrottel. Er applaudiert einem neuen, in drei Teile zerlegten Irak, dessen 3 Teile alle ein Problem darstellen.
Natürlich braucht der Irak eine föderalistische Struktur, aber als Bündnis unter möglichst gleichen Mächten - und mit gerechter Verteilung der Ressourcen. Natürlich wird der alte zentralistische Staat mit der Vorherrschaft der Sunniten nicht mehr hergestellt - Aber, es wäre doch möglich, Bagdad, einer Weltstadt mit 4 Millionen, der einzigen Weltstadt im Irak, eine etwas lukrativere Position einzuräumen.
Die vorliegende Verfassung dürfte kein Meilenstein im Kampf gegen den, sondern in der Förderung des, Terrorismus sein. Schickt den Bush nach New Orleans. Katrina soll ihn mitnehmen. (Hat sie leider verpasst ...). Was die Verfassung betrifft gibt's nichts als: NEIN. Das ist Demokratie. Die USA, IMF und die meisten Zeitungen machen in letzter Zeit derart Druck auf den Irak, diese Prozesse zu beschleunigen: Iraq misses constitution deadline, US ambassador blames weather. bla bla ... Sie sollten sich vielleicht alle mal daran erinnern, wie lange ihr eigenes Land gebraucht hat, um zu einer demokratischen Verfassung zu kommen. Also in der Schweiz, die gerne die älteste Demokratie der Welt genannt wird (obwohl sich eigentlich die USA damit meinen, die allerdings die Sklaverei erst 1863 aufgehoben hat und auch heute eher von einer Geldaristokratie als vom Volk regiert wird), wurde mit Wilhelm Tell noch lange keine Volks-Demokratie eingeführt, sondern erst eine Aristokratendemokratie. Um zu einer Demokratie für die hälfte der Bevölkerung, die Männer, zu kommen, hat es dann die Französische Revolution, Napoleon, und weitere 50 Jahre Krieg gebraucht, bis zur Bundesverfassung von 1848. Bis zum Einbezug der Frauen nochmals 100 Jahre. Demokratie heisst allerdings auch hier immer noch: Wer Geld hat kann tun was er will. Die andern kriegen ab und zu einen Zettel ins Haus, mit dem sie zu meist eher formellen Belangen ja oder nein sagen können. In Deutschland verliefen die Dinge ähnlich. Mit Napoleon kam erst die Jungkerdemokratie. Mit dem verlorenen Krieg von 1918 eine eher unglückliche, vor allem wenn man auf das Ende sieht, Lernphase der Demokratie, die Weimarer Republik, deren Usurpator nur durch Beistand der USA wieder entfernt werden konnte. Deutschland hat sich also erst in den letzten 50 Jahren zu einer Art Demokratie entwickelt. Und auch diese, genau wie die der USA, hat starke Aspekte einer Plutokratie. Wie Gilles Deleuze und Felix Guatarri in: Anti-Oedipus. Kapitalismus und Schizophrenie sagten: Geld und Markt sind die wirklichen Polizisten des Kapitalismus. - Und die unterstehen keinerlei demokratischer Kontrolle, nirgends. Also lassen wir dem Irak die Zeit, die es eben braucht, die es auch bei uns gebraucht hat und immer noch braucht, denn auch hier ist das Projekt Demokratisierung bei weitem noch nicht abgeschlossen. Solange beträchtliche Teile des Irak den (nicht unberechtigten) Eindruck haben, diese Verfassung entspreche vor allem den Wünschen der USA, wird daraus eh nix.
Bush: Wir geben keinen Plan bekannt für den definitiven Rückzug. Da müssten die Terroristen dann ja nur warten, bis wir weg sind. Na ja, je länger die "Erfolge" der USA im Irak dauern, desto mehr haben sogar die Anhänger Bush's die Nase voll davon. Noch nicht alle. Während aber Dick Cheney noch immer salbadert: der Aufstand befände sich in den letzten Zügen, rechnet Rumsfeld mit 4, 8, 10, 12 oder 15 Jahren bis zur Beendigung. Für einmal muss man ihm sogar recht geben: Der Aufstand ist letztlich ein Problem für das irakische Volk. Der irakische Ministerpräsident Al Jaafari ist etwas optimistischer und rechnet damit, dass es noch zwei Jahre brauche um die Sicherheit wieder herzustellen. Aber auch wenn die Verfassung zu 90% steht, die alten Probleme sind noch nicht gelöst. Der Zeitplan: 12 August Verfassungsentwurf vorgelegt, 15. Oktober Abstimmung, scheint zu knapp, denn:
Waren bisher "Gefälligkeiten" für die Unterschriftsberechtigten von 5 bis 15% im Rahmen, hat sich die Sache inzwischen so weit entwickelt, dass, nachdem jeder seinen Kickoff abgezogen hat, für die Projekte, den Einkauf oder was immer nichts mehr übrig bleibt. Korruptionskoeffizient 100% - und so läuft natürlich rein gar nichts mehr. Einschub15.9.05: Ich hab wieder mal masslos übertrieben vor lauter Ärger. Laut eines eben aus dem Irak kommenden Bagdadis sind es bloss 90%. Die "grossen" Geschäfte werden von Involvierten gemacht. Immer öfter werden allerdings bloss noch pro Forma Papiere und Geld ausgetauscht - während die Güter nie im Irak ankommen. [Wenn Geschäftspartner also plötzlich nach Kairo oder Jordanien umziehen, muss dies nicht immer mit der Unsicherheit im Irak zu tun haben. Es kann ganz einfach sein, dass sie so viel gestohlen haben, dass ihre Position nicht mehr haltbar ist Im Gegensatz zu früher, als es auch schon Rationierungskarten gab und man für die Dinge anstehen musste, braucht man heute nicht anzustehen ... weil ein grosser Teil der rationierten Güter gar nicht mehr in den Läden ankommt.).
Die neue Interimsregierung von Jaafari steht beim Volk bereits auf der Abschussliste (ein Ausdruck, der im Irak oft recht wörtlich zu nehmen ist. Allawi, den vor kurzem eigentlich niemand mehr wollte, steht im Vergleich schon als Held da, der nicht nur in die eigenen Tasche gewirtschaftet hat. Trotzdem gibt's ein paar Lichtblicke, allerdings Lichtblicke Iraqi Style. Das früher als äusserst unsicheres Viertel geltende As Thaura/SaddamCity/Sadr City steht heute besser da als die meisten andern Viertel, da Al Sadrs Anhänger für Ruhe und Ordnung sorgen, Lebensmittelrationen verteilen und auch Arbeitsaufträge für einfache Arbeiter. Zudem scheint Al Sadr relativ gut mit den Sunniten zu kooperieren. Die Revolutionäre, die die Strasse Amman-Bagdad unsicher gemacht haben, widmen sich heute mehr den Räubern, verfolgen Autodiebe und Entführer - die auf der Stelle hingerichtet werden. Allerdings entführen sie auch selbst ab und zu Ausländer ... irgendwie müssen sie sich halt finanzieren. Die US-Truppen leben abgeschottet in der Green Zone und anderen Militärlagern. "Normale" Kontakte mit der Bevölkerung, Restaurantsbesuche etc. sind ihnen fast unmöglich, da zu unsicher und daher verboten. Also es bewegt sich etwas, aber es dauert. Ich vermisse den Irak, möchte hin, sollte hin - aber es empfiehlt sich sogar für mich, den Land und Leute seit 1981 kennt, etwas zu warten. ___________________________________ 30.5.05: Zur Zeit haben die Sunniten im Irak definitiv den Schwarzen Peter gefasst und sind zum Abschuss freigegeben. Aadamia und weitere sunnitische Stadtviertel werden regelmässig beschossen. Dass ohne Warnung beschossen wird, wer sich einer Armee oder Polizeistreife zu sehr nähert, gilt allerdings demokratisch für alle. In der Situation, zwei gegen einen, ist mit Beruhigung kaum zu rechnen. Immerhin ist Terrorismus ja DIE Waffe der Machtlosen. Allenfalls dürfte sich durch die Elimination von Zarqawi eine gewisse Beruhigung und Entspannung ergeben, allerdings nur, wenn nicht noch mehr Druck auf den sunnitischen Bevölkerungsteil ausgeübt wird. Sonst wird sich dieser wehren müssen - auch ohne Zarqawis Unterstützung. 16. März 05: Erste Versammlung des neuen irakischen Parlaments.
Kurzkommentare:
Qualifizierterer Kommentar: Mansoor Moaddel zu den unterschiedlichen Meinungen, aber auch Gemeinsamkeiten, im dreigeteilten Irak: The Iraqi Public Speaks 28-30 Januar 2005: Wahlen - die ersten demokratischen Wahlen im Irak! Resultate:
Was die Sunniten betrifft, die arabischen, nicht die kurdischen, so haben in der Provinz Anbar (Falluja) bloss 2% der Stimmberechtigen an den Wahlen teilgenommen, in Ninive (Mosul) doch immerhin 17% und in Salahuddin 20%. In der Heimatstatt von Saddam, Tikrit, sollen es sogar über 30% gewesen sein. Damit kehrt sich die Situation, die 1920, als die Schiiten die Wahl verweigerten und die Sunniten an die Macht brachten, wieder um. Wie ich die Irakis so kenne, könnte da allerdings auch ein relativ gerissenes Konzept dahinter stehen. Bis anhin ist es ja nicht ungefährlich, sich im Irak als Politiker zu outen. Auch wenn man sich natürlich um die lukrativen Posten reisst, sie sind zur Zeit noch lebensgefährlich, um so gefährlicher, je mehr den Interessen der USA verbunden. Die nächste Regierung, die bereits im Dezember gewählt wird, hat dann vielleicht eine bessere Chance, wirklich als Wahl der Irakis durchzugehen (und zu überleben). Dann sind die Sunniten sicher wieder dabei, würd' ich prognostizieren. Challabi als Ministerpräsident ... au weia, warum nicht gleich Pinochio oder den Dieb von Bagdad? Immerhin hat der Kerl mit seinen Lügen den Angriff der USA erst möglich gemacht. Al Jaafari - Al hamdulillah! Historische Hintergründe - - warum die Geschichte des Irak bis anhin nicht sehr demokratisch verlief, wozu seit über 40 Jahren auch die neuen "Befreier" ihr Scherflein beigetragen haben : Den Zusatz: Die ersten freien Wahlen "seit 50 Jahren" können Sie vergessen, denn zuvor war der Irak ein Königreich unter britischer Protektion [auch wenn das Mandat offiziell 1932 aufgehoben wurde]. Irak als Republik existierte bloss zwischen dem Sturz Königs Faisal II. 1958als erst General Abdul Karim Kasim (1958-63) die Macht übernahm, bis er 1963, mit Unterstützung der CIA, gewaltsam entfernt wurde. Die CIA hatte bereits zuvor mehrfach versucht , ihn zu ermorden - mit der Unterstützung Saddams! 3-5000 Kommunisten wurden 1963 ermordet - und die Militärregierung der Bath-Partei gelangte, dank ihrer strammen antikommunistischen Haltung, mit Abd as Salam Aref (1963-66) and die Macht! In dieser Republik war es mit demokratischen Wahlen vermutlich nicht weit her. Wie die Liste der Premierminister des Irak zeigt, übernahmen die zukünftigen Führer dieses Amt meist gleich selbst. Vor dem Protektorat war Irak eine Provinz des Osmanischen Reiches (1534-1922), und da war mit Demokratie schon rein gar nichts, eben so wenig wie zu den hehren Zeiten des Kaliphats (750-1288) die noch weiter zurück liegen. Noch weniger in der dazwischen liegenden Zeit als Bagdad mehrfach von den Mongolen unter Hulagu (1258) und Tamerlan (1401) überrannt, geplündert und dem Erdboden gleich gemacht wurde. Aref verstaatlichte die Ölquellen, nutzte die UDSSR um dem Westen Zugeständnisse abzuringen, vor allem um höhere Überschüsse aus der Erdölproduktion im eigenen Land zu behalten. Durch eine zunehmende Rechtsverschiebung verlor er den Rückhalt in der Bevölkerung und wurde Nachdem Abd as Salam Aref bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war, übernahm sein Bruder, Abd ar Rahman Arif (1966-68) Ahmed Hassan al Bakr herrschte von 1968-79. Ab 1977 kontrollierten al Bakr, Saddam Hussain und dessen Schwager, General Adnan Khayr Allah Talfah + der Tikrit-Clan die Macht im Irak vollständig. (Details s. THE EMERGENCE OF SADDAM HUSAYN, 1968-79) Wenn sich Bush heute über die Massen selbst lobt dafür, dass er Demokratie in den Irak gebracht habe, so darf darüber nicht vergessen werden, dass die jetzt gewaltsam entfernte Bath-Partei erst mit Unterstützung der USA an die Macht kam, als antikommunistische Kampftruppe. Sie und Saddam hielten sich auch nach dem Untergang der Sowjetunion an der Macht, da sie dann die "Interessen der USA" vertraten als Bollwerk gegen den Fundamentalismus von Khomeini. Kritisch betrachtet werden muss aber auch die Vorbilder der Irakische Elite der letzten 1400 Jahre, denen es primär um Macht, wenig aber um die Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft ging. ______________________________ Daten und Fakten: Der Irak hat eine Bevölkerung von schätzungsweise 24 Millionen. Stimmberechtigt sind alle Männer und Frauen ab 18. 40% der Bevölkerung sind unter 14 - es sind also knapp 12 Millionen Irakis im stimmfähigen Alter. Dazu kämen 1.2 Millionen im Ausland, von denen sich rund 280'000 für die Wahlen registriert haben. Die von der Wahlkommission erstellten vollständigen Register stimmfähiger Irakis umfassen 13.9 Millionen. Von diesen haben schätzungsweise 8 Millionen, also 60%, an den Wahlen teilgenommen. Ein voller Erfolg. Für die zu besetzenden 275 Sitze der Nationalversammlung bewerben sich 75 Parteien und rund 19'000 Irakis. Die wichtigsten Verbindungen sind:
Vorläufiges Fazit (29.01.05): Viele Köpfe und viel Risiko - aber wenig Programm. Im Irak läuft ein grosses Experiment ab. Meines Erachtens sind die Wahlen, egal wie das Ergebnis sein wird, recht problematisch, wenn auch, was die Wahlen selbst und die Wahlbeteiligung von rund 60% betrifft, diese als voller Erfolg verbucht werden können. Nicht bloss weil im Irak wie hier und in den USA Slogans über Fakten dominieren, wobei sich Zarqawi als genau so bekloppt outet wie Bush: Denn mit dem Islam an und für sich, also über Koran und Sharia, lässt sich keine antidemokratische Haltung begründen und schon gar nicht ein heiliger Krieg ... höchstens ein eben so scheinheiliger wie der von Bush. Die Wahlen machen aber das Grundproblem der Demokratie und ihrer Form von Freiheit deutlich: Der Umgang von Mehrheiten mit Minderheiten. Da noch keinerlei Konzept besteht für eine föderalistische Lösung, wird sich so oder so die eine oder andere Volksgruppe als besch... und betrogen vorkommen. Diesen schwarzen Peter haben nun zur Abwechslung mal die Sunniten gezogen. Es gibt bereits Stimmen, die das als gerechten Ausgleich für die ungerechte Vorherrschaft der Sunniten während der letzten 50 Jahre betrachten. Politisch ist diese Ansicht genau so toll wie damals, als die Deutschen im Versailler Vertrag bestraft wurden. Die Folgen dürften bekannt sein. Von Turkmenen, Assyrern, Chaldäern, Mandäern, Yezidis etc redet zur Zeit niemand. Der Status dieser Minderheiten wird aber ein wichtiger Prüfstein für die irakische Demokratie sein. Was die Sunniten betrifft so haben die stärksten Gegner, die schiitische Dawa Partei, bereits bekannt gegeben, dass sie freiwillig einige Plätze abtreten werden. Von den Wahlen ist also wenig mehr zu erwarten als eine erste Übung in Demokratie. Hoffen wir, dass daraus gelernt wird. Nicht zu viel erwarten sollte man auch auf Grund folgender Überlegung: Gewählt wird nur ein Parlament. Parlament kommt aber von palavern. Diese etwas spitzige Bemerkung ist aber nicht gar so negativ wie sie tönen mag, denn immerhin haben über das Palaver unterschiedlichste Gruppierungen (Kurden, Schiiten, sunnitische Stämme ...) zusammen gefunden, die bisher mehr Energie darauf verwendet haben, sich gegenseitig zu bekämpfen statt Saddam in die Schranken zu weisen. Allerdings haben diese 3 Blöcke, die sich nun gegenüberstehen, doch recht unterschiedliche Ziele. Die Schiiten wollen und können als Mehrheit nun generell bestimmen (nicht bloss über das Erdöl im Südosten) - die Kurden wollen die Unabhängigkeit, natürlich garniert mit den Ölquellen von Kirkuk, welche die Hälfte der Irakischen Erdölproduktion liefern - und die Sunniten versuchen so viel als möglich ihrer ehemaligen Privilegien zu retten ... oder zumindest nicht in revisionistischen Vergeltungsaktionen unterzugehen. Hier wurde dem Irakischen Dampfkochtopf aber bereits eine Sicherung eingebaut, da 3 Provinzen per Referendum solch einseitige Beschlüsse blockieren können. Dies ist einerseits zwar ein Sicherheitsventil, kann andererseits aber auch Entwicklung blockieren und ev. zu einer nahöstlichen Wiederholung der Weimarer Republik führen, wo das Parlament nur noch palavert und die Mächtigen eben machen - was sie wollen, weil sie's können, also so ähnlich wie in den USA .... Es gibt allerdings weiterhin Faktoren, die dem Zusammenhalt förderlich sind:
Die irakischen Parlamentarier dürften aber nicht viel intelligenter, effizienter oder ehrlicher sein als unsere eigenen. Welchen unserer eigenen Parlamentarier würden Sie es zutrauen, das Chaos im Irak zu richten? Dazu mit einem Besatzungspanzer vor dem Haus, einem Terroristen hinter dem Haus - und einem Besatzungsberater, der jedem höheren Staatsangestellten über die Schultern schaut und dazu sieht, dass alles im Sinne seiner Imperialität Bush II. verläuft?
______________ 20.1.05: Krönung seiner Imperialität Bush II. (das mächtigste Arschloch der Welt), für eine zweite Regentschaftsperiode. Ziel: Wenn schon Krieg mit dem Islam, dann zeigen wir jetzt mal den Schiiten, wo der Bartel den Most holt!Irakische Politik kriegt wieder festen Boden unter die Füsse ... Denkste!In Bagdad herrscht ...
nein, nicht Anarchie. Anarchie will Herrschaftslosigkeit, basiert also auf Selbstorganisation, womit sie sogar der Demokratie weitaus überlegen wäre. In Bagdad herrschen Gewalt, Chaos und Korruption (bekanntermassen nicht nur bei den Irakis, deren Regierung und Verwaltung bis auf Mark korrupt war und ist. Zumindest in der Beziehung sind die Irakis also den Bush-Amigos absolut ebenbürtig. Hier besteht ein reelles Problem. Aber genau so wenig wie sich ein Fundamentalismus durch einen andern bekämpfen lässt, wird eine korrupte US-Regierung eine korrupte Irakische Regierung ändern können.). Sogar innerhalb von Ministerien werden Meinungsunterschiede immer mit Argumenten, immer häufiger mit Gewalt gelöst. Man hat von Saddam und Bush gelernt: Wer anderer Meinung ist, wird präemptiv eliminiert. Apropos Wahlen USA (detaillierte Analyse des Wählerverhaltens): Alea jacta est - die Würfel sind gefallen, die USA (und damit die Weltwirtschaft und nicht-christliche Kulturen) weitere 4 Jahre in der Scheisse:
Positives zur Wahl: Bush ruiniert die USA - effizienter als alle Terroristen der Welt gemeinsam. So billig wird es uns kaum je wieder gelingen, die Supermacht los zu werden, denn Bush ist quasi der eingebaute Selbstzerstörungsmechanismus des Imperiums. Bush behauptet, von Gott und dem Volk erwählt zu sein. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass präzise 49% der US-AmerikanerInnen von Bush das Selbe halten wie eine grosse Mehrheit der SchweizerInnen, nämlich nichts. (40% versprachen sich weder von Bush noch von Kerry was, und wählten gar nicht.). Die Bush-Regierung ist damit die grösste Demokratur der Welt:
____________________________ Die Verhandlungen in Sadr-City wie in Faluja (10.10.04) zeigen immerhin, dass Gespräche stattfinden, d.h. auch, dass Lösungen möglich wären, unter Umständen ... Die Irakische Nationalkonferenz hat ihre ersten Erfolge aufzuweisen. Die schiitischen Rebellen um Muqtada as Sadr beteiligen sich am politischen Dialog. Die sunnitischen Gelehrten, die den Aufständen im Westen recht freundlich gegenüber stehen, sind ebenfalls integriert. Der Prozess verläuft zwar leicht chaotisch, dafür aber demokratisch: Man redet wieder statt zu schiessen.
Vorgefertigte Einheitslisten von zu wählenden Mitgliedern wurden abgelehnt, der verlangte Anteil von 25% Frauen ist gewährt. Von den 100 Sitzen gehen 19 an die ehemaligen Mitglieder des Regierungsrats (US-handverlesen), 21 an verschiedene Parteien, 21 an Provinzvertreter, 11 an Minderheiten (wie die Christen z.B.), 10 an Stämme, 10 an die Zivilgesellschaft und 8 an Unabhängige. [Astrid Frevel: Ein erster Erfolg für die Demokratie. Tagesanzeiger 19. August 2004, S. 7] Zwei Muster, wie die US-Wirtschaft den Irak entwickelt
Man kann auf Grund derartiger Infos schon ein bisschen verstehen, warum die USA immer noch mehrheitlich eher feindselige Gefühle weckt, was allerdings keine Entschuldigung für die tierischen, kriminellen und trotteligen Terrorakte ist, unter denen mehrheitlich die Irakis selbst leiden. Dass neuerdings Christen bombardiert werden, macht die Strategie des Widerstands kaum intelligenter, denn diese leben seit hunderten von Jahren friedlich mit den Moslems zusammen. Diese Strategie dürfte nur bei einem geringen Teil der irakischen Bevölkerung Anklang finden, denn viele, auch Muslime aus meinem eigenen Bekanntenkreis, schicken ihre Kinder an christliche Privatschulen, die meist bezahlbar und um einiges effizienter sind (na ja ...) als die staatlichen. Dass es ein Witz ist, wenn Zarkawi als jordanischer Terrorist im Irak auf Ultranationalismus macht, müsste aber auch denen irgendwann aufgehen, die ihn heute noch unterstützen. Man darf sich allerdings auch nicht der Illusion hingeben, mit der Enthauptung Zarkawis seien die Probleme gelöst. Die Monster verhalten sich heute genauso wie damals die Hydra. Wurde "dem Terrorismus" im Irak mit Saddam der Kopf abgeschlagen, so wuchsen bald 7 Köpfe nach: Nationalismus, Separatismus, Fundamentalismus, Islamismus, Partikularismus (von Kurden, Schiiten und Sunniten), Fremdenfeindlichkeit. Sicher ist Zarkawi eine der Oberpfeifen, aber es gibt auch noch Al Sadr und ähnliche, und vor allem jede Menge gemeiner Räuber, denen es nicht um Freiheit oder irgend welche Ideale geht, sondern nur ums Geld. Herkules verhinderte das Nachwachsen von Hydras Köpfen indem er die Wunde abbrannte. Den Schlangenköpfen im Irak muss vermutlich klar werden, dass sie nur nachwachsen können, solange es den Körper, also den Irak noch gibt: Die Sunniten können nicht mit der Wiederherstellung der Vormacht rechnen, sondern, je mehr sie darauf pochen, mit der Rache der Unterdrückten. Den Schiiten droht unter Al Sadr die Gruppendiktatur im Mäntelchen des Gottesstaates. Den Kurden sollte eh klar sein, dass sie sich nicht all zu herrisch gebärden sollten, auch nicht wenn sie auf dem Erdöl von Kirkuk und Mosul sitzen, denn die Nachbarn Türkei, Syrien und Iran beobachten die Vorgänge scharf. Den Nationalisten droht ein jordanischer Chef. Und den gemeinen Räubern und Entführern sollte man vielleicht androhen, sie in ein von einer Frauenbrigade verwaltetes Abu Ghraib zu stecken .... Wenn man allerdings annimmt, dass die einzelnen neuen Herren, wie Barazani und Al Sadr auf derartige Erwägungen pfeifen, weil sie nicht über den eigenen Gartenzaun hinaus sehen, dann verstehen wir das Problem des Irak sofort besser. Es sind nicht einzelne graue Eminenzen, die Chaos im Irak wollen. Es sind unterschiedliche Ordnungsvorstellungen die unvermittelt (hoffentlich nicht unvermittelbar) aufeinander prallen - und so automatisch ein Chaos ergeben. Anders gefragt: Liebe Terroristen (falls sich mal einer auf die Website verliert), wie soll sich der Irak entwickeln, wenn Ihr einen solchen Terror veranstaltet? Ich hätte zur Zeit selbst die Gelegenheit wieder in den Irak zu kommen, um die Installation einiger Umspannstationen und Generatoren zu leiten. Davon rät mir aber nicht bloss die Botschaft, sondern auch irakische Freunde ab. Wenn sich also nicht mal mehr Freunde des Irak in Euer schönes Land trauen können, wenn Ihr sogar Frauen (Ihr solltet Euch schämen!) und Entwicklungshelfer bedroht fühlen müssen, was soll der Unsinn? Würde mich gern mal mit Euch darüber unterhalten - sogar im Irak. 28. Juni 2004:
Der 28. Juni dürfte kaum zu einem historischen Tag werden, denn:
p.s: Hoffentlich hat jemand daran gedacht, als Dank zumindest eine grosse Schachtel Brezeln ans Weisse Haus zu liefern, denn ansonsten ist es heiss, es gibt keinen Strom, das Project and Contracting Office lobt sich am 5.7.04, mit 300 Millionen $ rund 11'000 Stellen geschaffen zu haben (zur Erinnerung: 1.5 bis 4 Millionen Stellen sind nötig, zudem scheint die Meldung ein Remake vom 19.01.04). Das vom US-Kongress gesprochene Geld liegt immer noch irgendwo, wurde aber kaum eingesetzt. Die Gelder die in Madrid gesprochen hätten werden sollen fehlen immer noch. Wenn Gelder geflossen sind, dann weiss keiner so recht wohin eigentlich. Dazu kommen nun die Irakis die wieder Aufbauen wollen in den Clinch mit den Irakis die (gegen was auch immer) weiterhin Widerstand leisten wollen. Kurzum, die Situation ist ziemlich versch.... |

Ergänzung vom 7. März 05: Es ist erfreulich, dass Giuliana Sgrena wieder frei ist, es ist tragisch, dass Nicola Calipari dabei sein Leben lassen musste. Auch Helden leben lieber in Italien als in der Erinnerung ... Es ist allerdings auch hier weniger mit einer Verschwörung zu rechnen, als schlichtwegs mit dem der chaotischen Situation inhärenten Chaos. Wer als Ausländer im Irak damit rechnet, einfach weil er Ausländer sei, nicht beschossen zu werden, der irrt. Gerade die Flughafenstrasse ist strengstens bewacht -und die Geschwindigkeit beschränkt auf 20 km (wenn ich mich recht erinnere). Da in Zeitungsartikeln deutlich wird, dass der Wagen ab und zu ins Schleudern geriet auf der nassen Fahrbahn, fuhr er eindeutig zu schnell. Und im Irak wird erst geschossen, dann gefragt - insbesondere von Seiten der US-Armee.
Äusserst seltsam jedoch ist, dass hier Mordtheorien aufkommen, die den USA Absicht unterstellen (die ziemlich trottelig ausgeführt worden wäre, wenn sie zuträfe) - nicht jedoch im Falle der Ermordung Harriris im Libanon. Dort zeigen alle Finger auf Syrien - obwohl Hariris Regierung heute von vielen als Marionette Syriens bezeichnet wird. Warum also sollte Syrien seine eigene Marionetteregierung wegbomben und sich in derartige Schwierigkeiten manövrieren? Da werden die Syrer für bekloppter gehalten als sie sind. Wer sucht denn nach jedem Vorwand, um wieder einen Staat zum Schurkenstaat erklären zu können, dem es gilt, die Freiheit zu bringen? Ich hoffe, die Untersuchungen ziehen dies in betracht.
Betroffen vom Abzug der Syrer sind insbesondere die Hisbollah, die einen Drittel der libanesischen Bevölkerung vertreten. Vermutlich sind sie gemeint mit Sprüchen wie "fuck the arabs", denn eigentlich sind alle Libanesen Araber, auch die Christen, die sich hier demgemäss ein bisschen selbst v... Nicht arabischen Stammes wären nur die Nachkömmlinge der Philister, der Seevölker (Herkunft östliche Adria bis Südtirol), die sich vor 3000 Jahren in weiten Teilen des Nahen und Mittleren Ostens niedergelassen haben - aber als isoliertes reines Volk mit eigener Kultur längst nicht mehr existieren. Zur Zeit scheint in der Bevölkerung Libanons wieder Angst zu dominieren. Die wirtschaftliche Tätigkeit erlahmt - was bei einer Staatsverschuldung von 35 Milliarden $ (180% des BSP) zu weitaus grösseren Schäden führen könnte als die wenigen Anschläge (deren Ursprung noch immer nicht geklärt ist).
Der Libanon befand sich zwischen 1975 (ich war auch grad da, kann aber, beim Barte des Propheten, nichts dafür) und 1991 im Bürgerkrieg, uns seither in einem labilen Gleichgewicht - unter syrischer Besatzung. Obwohl die Beziehungen zwischen Sunniten, Schiiten, Drusen und Christen prekär sind und meist waren, entstand der Bürgerkrieg eigentlich nicht wegen dieser Spannungen, auch nicht wegen der Spannungen zwischen Syrien und Libanon, sondern primär auf Grund palästinensischen Terrors - der sich seinerseits wiederum durch die Besetzung Palästinas durch Israel legitimiert. Damals fragten die Christen Syrien um Beistand an, die Drusen opponierten - heute sind es vor allem die Schiiten, die ihre Position durch einen Abzug Syriens bedroht sehen. 1991 wurden die palästinensischen Einheiten im Libanon entwaffnet. Die damalige syrische Intervention erfolgte mit Billigung, wenn nicht gar auf Aufforderung der USA und wohl auch mit stillschweigendem Einverständnis Israels, das sich seit 1977 immer wieder massiv in die inneren Belange des Libanon einmischt. Im Abkommen von Taif (1989) wurden alle Parteien zur Abgabe der Waffen oder zum Verlassen des Landes verpflichtet - ausser den Milizen im Süden, den schiitischen Hisbollah, die, Nomen est Omen, weiterhin ein Bollwerk gegen Israel bilden sollten. Der südliche Nachbar des Libanon, der 52. Staat der USA, hat sich in die inneren Belange immer wieder eingemischt, nicht bloss Syrien.
Hinter den gegenwärtigen einseitigen Schuldzuweisung und der Hetze gegen Syrien dürften ein ähnliches "Befreiungskonzept" stehen, wie das im Irak angewandte. Die Folgen dürften dann ebenfalls ähnlich aussehen. Heil Bush!
7. Mai 04: Leichter zu verstehen und zu erklären als die folgenden Beispiele sind die Vorgänge in den Irakischen Gefängnissen die zur Zeit die Gemüter erregen. Der Irak und die Irakis waren die letzten 20 Jahre Parias, vor allem dank ihres Chefs. Durch Boykott und die Kriegspropaganda der USA wurden sie in den letzten 2 Jahren noch mehr marginalisiert und kollektiv zu Terroristen erklärt. Der Staat Irak und mit ihm seine Bewohner wurden, unter enormem Einsatz der regierungstreuen Medien der USA, zur Bedrohung der Welt erklärt. Diese Botschaft wurde von der halben Welt geglaubt, insbesondere denen, die sich dann in der Koalition fanden.
Die Soldaten dieser Koalition nun wurden darauf gedrillt, höchst gefährliche und hinterhältige (immerhin ist es denen gelungen, die Massenvernichtungswaffen bis heute zu verstecken ....) Terroristen zu eliminieren. Sie behandeln diese Terroristen nun eben so unmenschlich - wie diese ihnen geschildert worden waren.
Die Lehre die daraus zu ziehen ist: Man darf Menschen nicht ungestraft zu Tieren erklären, sonst rächt sich das. Und präzise diese Rache ist es, was die widrigen Ereignisse der letzten Tage zeigen.
Einschub vom11. Juli 04:
Um einen Krieg führen zu können, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein:
Die Propaganda zum ersten Punkt setzte lange vor Kriegsbeginn an - und damit die Antipropaganda dieser Website: Irakis sind kultiviert, am 18.7.02. Merken Sie sich für weitere Fälle, was hier passiert ist, denn der nächste Fall kommt bestimmt, und nehmen Sie sich den Rat des weisen Konfuzius zu herzen: Wo alle ja sagen, da muss man prüfen. Wo alle nein sagen, da muss man prüfen. (Oder nach Herzog: Lieber vielstimmig gestritten als einstimmig gelogen.) Das ach so gefühlsduselige: Seid doch friedlich, fügt euch, passt euch an, denn der Klügere gibt nach, führt leider nicht zum erwünschten Resultat, da darauf die Dummheit regiert. So betrachtet sind auch die gegenwärtigen Klagen des US-Senates Krokodilstränen, Bohnenblust, Mumpitz, Chutzemischt, Hafekäs - denn Lügen haben vielleicht kurze, dafür aber meistens zwei, Beine, auf denen sie weiter kommen: Auf dem einen steht die Lüge - aber dazu gehört notwendig das zweite, welches die Lügen glaubt, stützt und weiter trägt. Unter solchen Bedingungen kritisch zu bleiben, erfordert ZIVILCOURAGE, und diese ist nicht billig und schon gar nicht gratis zu haben. Gerade darum ist Zivilcourage in unserer Gesellschaft, die alles nach Kriterien der Wirtschaftlichkeit beurteilt, so selten. Definition Zivilcourage: Zivilcourage bedeutet eben nicht, mit einer Mehrheit auf eine Minderheit einzudreschen oder mit Gemeinplätzen wild um sich zu schlagen. Auch nicht, seine Meinung für Wahrheit zu halten und andern aufzudrängen. Zivilcourage bedeutet, sich daneben zu stellen, einen Minderheitenstandpunkt auch zu vertreten, sich auch als Schwacher gegenüber von Macht und Stärke zu behaupten, zu den Schwächeren zu stehen statt zu den Starken! Zivilcourage bedeutet, für Werte einzustehen, auch wenn das Kosten verursacht.
http://www.teachsam.de/deutsch/d_schreibf/schr_schule/def/def_1_2.htm Darum umfasst dieses Lügengespinst leider noch weitere Kreise, insbesondere die regierungstreue US-Presse, angeführt von Fox und CNN, welche für Bush und Co. deren Lügen kritiklos durch den Busch getrommelt haben. Basiert nicht unser Vertrauen in die Presse darauf, dass Journalisten Experten sind, eh bon, sein sollten, in kritischer Wertung von Informationen? Im übrigen scheint das Lügen noch lange nicht beendet. Zur Zeit werden Lügen mit Lügen weggelogen. Vor dem Krieg war des öftern von Seiten der CIA zu hören, dass es keine Beweise dafür gäbe, dass der Irak im Besitz von Massenvernichtungswaffen sei. Bush hat jeweils behauptet, über bessere Quellen zu verfügen. Also welcher Scheiss geht denn nun hier ab? Leiden wir unter kollektivem Gedächtnisschwund, trotz Megagigaflops an gespeicherten Daten? Seht doch mal in die Archive! Was soll der Unsinn mit den Geheimdiensten die versagt haben ... ausser dass ein Sündenbock, einer den man zudem weder einsperren noch entlassen kann, der zudem vermutlich mit mehr Geld für dieses Vergehen bestraft wird (damit so was aber nie mehr vorkommt!), natürlich nützlich wäre, von höchst präsidialen Lügen abzulenken? Verleidet Bush als Kreuzritter der Christenheit im clash of cultures Politik und Welt nur den Muslimen, wenn er daraus einen Schweinestall macht?
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Die Lösung dürfte schwierig sein, denn die Ursache liegt tief eingebettet in den kommerzialisierten Medien. Früher mal war es Aufgabe der Journalisten, über wahre und interessante Begebenheiten zu berichten, zu unterhalten, aber auch zu informieren, Verdecktes ans Licht zu bringen. Mit der zunehmenden Dominanz des Marktes über alles, änderte sich das Ziel zusehends dahin, Leser- und Zuschauerquoten zu erzielen, wozu immer härtere Mittel eingesetzt wurden. Dabei ging man sogar immer fahrlässiger mit der Grundbedingung verlässlicher Berichterstattung um, der Wahrheit. Die Wirkung wurde wichtiger als die Wahrheit. Allerdings übersieht man hier zumeist, dass Mitteilungen unterschiedliche Wirkungen haben. Mit dem Fokus auf Zuschauer- und Leserquoten, die gerne mit starker Emotionalisierung erzeugt werden, werden zugleich die andern Wirkungen vergessen. Explodiert eine Bombe in Bagdad rennen sämtliche Medientrosse hin und berichten. Aber - haben Sie schon mal einen Bericht gehört von Bagdad über eine Geschäftseröffnung? Über Freizeitaktivitäten? Oder über den ganz normalen Alltag eines Bagdadis? Es ist immer das Aussergewöhnliche, dass für Berichte aufgegriffen wird. Wie soll so ein normales Bild des Irak entstehen? Die Medien multiplizieren die Wirkung von Bomben und Entführungen auf das Millionenfache - annullieren dabei aber den ganz normalen Irak in dem gearbeitet, geliebt, gestritten, gelernt, gedacht und manchmal auch gehandelt wird. Die Widerstandskämpfer werden wie Tiere behandelt, weil sie durch Kriegspropaganda zu solchen gemacht wurden. Der Irak wird unsicher bleiben, solange der Schwerpunkt der Berichte derart einseitig den unruhigen und gefährlichen Irak präsentiert. Huhn oder Ei? ... Es braucht beides, die Realität (das Huhn) und ihre Beschreibung, die Anlage zur Realität (das Ei).
Nach dem Angriff auf das Rote Kreuz sind nun sogar dessen Mitarbeiter in den Norden geflüchtet, ein Norden der sich seit dem Golfkrieg, unter dem Schutz der UN, recht positiv entwickelt hat. Was den Gesamtstaat Irak betrifft, wird allerdings eben dies zum Problem. Die Zone Zentrum-West (die Faluja-Tikrit Achse), bekannt als Hort der Anhänger Saddams und als gefährlichstes Gebiet für die Koalition wie für Reisende, beherrschte früher das ganze Land. Man hat dort also einiges zu verlieren. Dabei handelt es sich nicht bloss um den Pro-Saddam-Bonus, sondern um die Existenz. Das für die Irakische Wirtschaft enorm wichtige Einkommen aus Erdölexport stammt nämlich vor allem aus Quellen aus dem Norden, die heute in der kurdischen, quasi autonomen Zone liegen; sowie aus den Quellen im Süden, die im Gebiet der Schiiten liegen. Bei der sich abzeichnenden Aufteilung des Iraks in eine kurdische Nordprovinz und eine schiitische Südprovinz steht das sunnitische Zentrum da mit abgesägten Hosen. Man mag das begrüssen als "gerechten Ausgleich für frühere Ungerechtigkeit" ... dummerweise sind aber diese Gegenden auch diejenigen, die am ehesten in der Lage wären, eine säkulare und föderalistische Regierung zu akzeptieren und aufzubauen. Die Bath-Partei war nämlich säkular. Die USA haben sich hier mit der Befreiung in einen rechten Sumpf geritten: Wir bringen dem Irak Freiheit und Demokratie [aber bloss keine demokratischen Mehrheitsentscheide, sonst haben wir da plötzlich einen Gottesstaat!]. Die Abwanderung der Entwicklungsorganisationen in den Norden verstärkt das Problem noch weiter. Dabei steht zu vermuten, dass der Anschlag auf das Rote Kreuz mit demselben und seinen Aktivitäten wie seinen Mitarbeitern gar nichts zu tun hatte, sondern, worauf auch der Zeitpunkt, im Ramadan, deutet, ein Anschlag auf das Symbol des Kreuzes war.
Man mag das hierzulande als absurd empfinden, darum also eine kleine Geschichte aus dem Jemen. Ich war ja von 1988 bis 1994 dort, mit der FAO. Im Golfkrieg stund dann, anders als heute, die UN gegen den Irak - und der Jemen war deutlich auf der Seite des Irak. Als UN-Mitarbeiter war man also plötzlich ein Feind. Die UN evakuierte also ihr Personal nach Kenia, zwangsweise, wobei ich und Fatima allerdings nach einigen Streitereien mit New York bleiben durften, da sie drohte, von Kenia das erste Flugzeug nach Bagdad zu nehmen. Um nicht als UN-Mitglied zu sehr aufzufallen, erwog ich also, mein Auto mit der Schweizer Flagge zu kennzeichnen, was mich allerdings vom Regen in die Traufe brachte, da sofort ein Aufstand losbrach: El Salib, authebilla ... ein Kreuz, Gott bhüet is. In zwei Minuten war es weg. Ansonsten hatte ich allerdings keine Problem während dieser Zeit.
Man muss sich also darüber klar sein, dass das Kreuz als Symbol in solchen Situationen zur Flagge des Feindes wird, nicht nur eines politischen Feindes, sondern eines Feindes der tiefsten Gefühle, der Religion. Auf Grund dieser Erfahrungen verwett' ich meinen Hut darauf, dass der Angriff auf das Rote Kreuz diesem Symbol, nicht der Institution galt. [Es könnte aber auch ganz einfach sein, dass da jemand noch eine private Rechnung mit dem Hauseigentümer offen hatte, und die Sache weder mit dem Kreuz noch mit Ausländern irgend was zu tun hat. Die arabische Logik basiert eben kaum auf Algebra und Algorithmen, obwohl auch diese dort erfunden wurden.]
Natürlich sind solche Vorgänge tragisch, aber man darf nicht auf Grund solcher Akte Schlüsse auf ein ganzes Land oder eine Gesellschaft ziehen. Dieser Kreuzfanatismus ist mir nur im Yemen und in Saudi Arabien, nie aber bei den Irakis begegnet. Immerhin gibt es im Irak grössere christliche Gemeinschaften und Kirchen, samt Kreuz auf dem Dach.
Es gibt da Leute, die nicht wollen, dass das Land zur Ruhe kommt - eine weitere viel verbreitet Meinung. Dazu müsste man dann schon noch fragen: Ja zu welcher Ruhe denn? Sollen die Irakis nun akzeptieren, dass ihr Land von den USA besetzt ist und von den USA verwaltet wird? Sollen die Irakis akzeptieren, dass ihr Land in einen kurdischen Norden, einen schiitischen Süden und ein verarmtes Zentrum aufgespaltet wird? Sollen die Irakis akzeptieren, dass US-Firmen ihr Land aufbauen und sich mit irakischem Öl selbst finanzieren? (Darum die Anschläge auf die Pipelines).
Der erste, für mich schwer verständlich Akt war die Sprengung der jordanischen Botschaft. Immerhin sind eine Unzahl von Irakis in Jordanien als Flüchtlinge aufgenommen worden. Immerhin hat der Irak während der ganzen 12 Jahre des Boykotts von Ölschmuggel nach Jordanien (und natürlich der Türkei) und vom Handel mit Jordanien gelebt ... was halt eben zwei Seiten hat: Die Jordanier wurden durch den Handel reich, die Irakis hatten die Kosten zu tragen. Verstärkend kommt hinzu, dass Jordanien wenige Kilometer von der Irakischen Grenze entfernt ein grösseres US_Militärlager toleriert. Auch dies dürfte der Freundschaft nicht all zu förderlich sein.
Im Vergleich dazu ein eher verständlicher Akt ist die kürzliche Bombardierung der italienischen Truppen. In italienischen Zeitungen mag heute der Tonfall lautet: Diesen Leuten wollten wir helfen, die sollten wir glatt vergessen. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass diese italienischen Truppen Teil einer Koalition sind, die den Irak angegriffen und besetzt haben. Es sind keine Truppen von Entwicklungshelfern. Und, obwohl ich viele Irakis kenne, kenne ich keine(n) einzige(n), der oder die die USA oder Italien eingeladen hätte, sein Land zu befreien. In dem Fall kann man nur sagen: Mitgegangen, Mitgehangen. Dass dieser Entscheid vom Präsidenten gegen den Willen der grossen Mehrheit des Volkes getroffen wurde, spricht für die Italiener, macht aber ihre Truppen trotzdem nicht zu Friedensengeln. Wenn hier Kritik angebracht ist, dann bitte an die Adresse von Berlusconi. Sicher sind viele, nach eigener Erfahrung würde ich sagen ca. 2/3 der im Irak eingesetzten Soldaten keine Kriegsgurgeln, sondern eigentlich nette, hilfsbereite, umgängliche Menschen. Aber leider sind sie eben irgendwie auf der falschen Seite, im falschen Hemd, bei der falschen Truppe. Haben etwa die so smarten Bomben ihrer Streitkräfte erst eine Umfrage gemacht, welches Haus den nun einem guten (Anti-Saddam) oder einem schlechten (pro Saddam, Bathist) gehöre und in welchem unschuldige Zivilisten wohnen, die unter Umständen bereits unter dem vergangenen Regime litten? Haben die Bomben und Granaten nur Schuldige getroffen? Sind die 400 Irakis die jeden Monat alleine in Bagdad umkommen, als direkte Folge des Nachkriegschaos, alle selber schuld und ist ihr Tod weniger tragisch als der von Italienern oder Amerikanern? Zur Zeit regiert offenbar wieder mal Scheinheiligkeit die Presse.
In der Zwischenzeit hat sich diese Zahl fast verdoppelt. Im April 2005 starben in Bagdad rund 750 Menschen eines gewaltsamen Todes, in den letzten 18 Monaten 12'000, also 666 pro Monat. Heil Bush - grandiose Leistung! Divide et impera.
Die Annahme, dass man bloss Saddam zu entfernen brauche, und danach Friede, Freude, Eierkuchen herrsche im Irak, dass nach fast 40 Jahren Sozialismus, Diktatur und Geheimdienstregime 3, 6 oder 12 Monate ausreichen würden um einen freien Markt und eine neue Gesellschaft zu schaffen, ist eine recht bekloppte. Da muss man schon das Intelligenzniveau von Bush haben, um so was vertreten zu können.
Was den Wunsch der Irakis betrifft, ihr altes Regime zurückzuhaben, so ist das so weit verständlich, als sie damals zumindest einen Lohn, Stromversorgung, ausreichend günstiges Benzin, ein (na ja, eher schlecht als recht) funktionierendes Gesundheits- und Schulsystem, Sicherheit, ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln (ich glaub, ich muss nun aufhören mit der Liste, sonst werd ich noch zum Saddamanhänger erklärt) .. hatten. Nichtsdestoweniger dürfte auch den Irakis aufgefallen sein, dass da, im Nachhinein betrachtet, einiges ganz und gar nicht stimmte (nebst Diktatur und gewalttätigem Geheimdienst).
Ein kurzer Rückblick auf den Krieg und die Erwartungen:
Als die Amis ungehindert in Basra landeten, wunderte ich mich. Als sie eben so ungehindert in den Norden vorstiessen, wunderte ich mich nochmals. Aber irgendwann, als sie so mitten drin im Sand stecken blieben, überlegte ich mir möglich Strategien: Wäre es nicht das Geschickteste, die Koalition sich über das ganze Land verteilen zu lassen, was einen enormen Aufwand für die Versorgung mit Treibstoff, Nahrungsmitteln und Munition bedeutet? Ich geb's zu, ich habe bis zu dem Tag, als sie vor dem Rashid stunden, geglaubt, die heere Irakische Armee käme plötzlich aus allen möglichen Löchern der Wüste, würde die Versorgung unterbrechen, die US-Truppen isolieren und ... (na ja, was man im Krieg eben so tut mit dem Feind). Nix da. Aber nicht nur, dass bis heute all die gefährlichen Massenvernichtungswaffen nicht gefunden wurden, die als Kriegsgrund erfunden wurden, ausserdem zeigten die Bilder der eroberten Garnisonen eine Ansammlung des letzten UDSSR-Schrotts, nichts, absolut nichts, was irgend einer westlichen Armee auch nur am Rande ebenbürtig wäre. Schrott, schon bevor er gesprengt wurde. Daraus sind nun aber zwei Schlüsse zu ziehen:
Man sollte also ein paar schwer verständliche und unakzeptable Racheakte seitens der Irakis nicht zu einseitig beurteilen, den Spiess nicht umkehren. Diesmal wurden die Irakis angegriffen, basierend auf Lügen. Der Krieg war, was viele Leute, insbesondere in Europa vorher schon wussten, eine Dummheit. Es wäre eine doppelte Dummheit, die Folgen von Bush's Dummheit nun den Irakis in die Schuhe zu schieben. Der Krieg ist vorbei, verloren haben beide. Der Aufbau wird länger, härter und möglicherweise teurer als dieser Krieg. Gehen wir ihn trotzdem an, sonst wird's noch teurer (remember Libanon).
Martin Herzog, Rheinfelden, 13. November 2003
dafür läuft das Entwicklungsbusiness (s. auch Development Business - Entwicklung zwischen neokolonialistischer Mission, Business und Zusammenarbeit)
Bereits 86 NGOs helfen den Irakis. Sie mieten Häuser - Mietpreise und Bodenpreise steigen. Sie benötigen Büroräume und Personal - und bringen so Geld in die Bevölkerung. Sie benötigen Fahrer, Uebersetzer, Kontaktleute. Sie besuchen Restaurants, kaufen ein mit harten Dollars. That's business. Wie weit sie mit ihren hehren Zielen kommen, steht auf einem anderen Blatt.
Insbesondere was die USA betrifft, sind deren "Hilfsaktivitäten" nach der Genfer Konvention scharf zu beobachten. So als nicht all zu amerikafreundlicher Newslooker kriegt man den Eindruck, die USA richten sich im Irak eine neue Wirtschaftsprovinz ein. Am 5. Juni etwa findet in Ammann eine Konferenz statt, mit dem Ziel, jordanische und andere ausländische Firmen mit den Anforderungen und Erwartungen Amerikanischer Firmen, die in Irak tätig sind, vertraut zu machen. US-Firmen mit ihren Anforderungen und Erwartungen bestimmen also, was im Irak läuft. So lange es nur um das Geld geht, dass die USA selbst aufwerfen, dürfte dies ein geringeres Problem sein. Da die Absicht aber ist, den Irak längerfristig durch die USA zu bevormunden, ist darauf aufmerksam zu machen, dass hier eklatante Verstösse gegen die Genfer Konvention vorbereitet werden.
Bei Wiederaufbau geht es um langfristige Investitionen wie Strassen, Spitäler, öffentliche Dienste, Energieversorgung ... Erölförderung. Eine Besatzungsmacht darf und soll, so die Genfer Konvention (s. http://www.ihlresearch.org/iraq/feature.php?a=22), nur die dringenden Strukturen und Dienstleistungen erstellen. Vor allem darf sie nicht in die Planungsverfahren des besetzten Staates eingreifen. Der Wiederaufbau darf nur das wieder herstellen, was vor der Besetzung vorhanden war und was für das Ueberleben der Bevölkerung (Nahrungsmittel, Wasser, Abwasser, Gesundheit, Sicherheit,Elektritzität, Bildung...) lebenswichtig ist. Die Verdoppelung der Erdölförderung gehört hier eindeutig nicht dazu. Noch weniger die Kündigung von Verträgen die vor der Besatzung bestanden und schon gar nicht darf und kann eine Besatzungsmacht langfristig verbindliche Verträge für den besetzten Staat eingehen.
International tätige NGOs die neutral bleiben wollen, dürfen sich nicht von der Besatzungsmacht für ihre Ziele einspannen lassen und müssen sich auf die Wiederherstellung der lebensnotwendigen Dienste und Funktionen beschränken. Vor allem dürfen sie nicht in die lokale Politik eingreifen und politische Propaganda betreiben.
Diese Vorsichtsmassnahme dürfte auch für private Firmen gelten, die sich nun in einem gewissen Dilemma befinden. Vor der Niederlage waren sämtliche Teilnehmerländer der Koalition (spez. Spanien und Polen) als potentielle Handelspartner gestrichen worden. Kollaborateuren der USA könnte früher oder später das Selbe passieren. Man darf nicht vergessen, dass für die Irakis die USA eher Besetzer als Befreier sind.
Mehr Details in: UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA): General guidance for interaction between United Nations personnel and military and other representatives of the belligerent parties in the context of the crisis in Iraq http://wwww.reliefweb.int/w/rwb.nsf/s/96433123DA7412DB85256D08007393EE
US-Politik destabilisiert den gesamten Nahen und Mittleren Osten - und dies im Namen der internationalen Sicherheit
| Informationen zu Aktivitäten, Institutionen (NGOs), Erhebungen, Anlässen, news, Karten und mehr unter: http://www.agoodplacetostart.org/ News von Baghdad aus 1. Hand wieder nach dem 26. Juni. |
Diese Woche (letzte Maiwoche 03) wurden im Irak 400'000 Soldaten aus dem Dienst entlassen. 400'000 Arbeitslose - bewaffnet, frustriert, ohne Aussichten. Wie wenn die Erfahrungen mit ausgemusterten Milizen in Somali, Aethiopien, Jemen, Tajikistan etcetc nie gemacht worden wären; wie wenn es unvorhersehbar wäre, womit sich diese Menschen ihr Ueberleben und das Ueberleben ihrer Familien sichern werden, nämlich mit Raub.
Das Leben
im Irak ist vor allem von Unsicherheit geprägt. Die Leute trauen
sich kaum aus dem Haus, schon gar nicht ohne Waffen, noch weniger mit
dem Auto. Strom gibt es in Baghdad während 2 Stunden am Tag. Wasser
ab und zu. Löhne gar nicht. Die Ministerien sind geschlossen (mit
Ausnahme des Ministeriums für Erdöl natürlich, dass in
seiner Undankbarkeit für die Befreiung eben den Austritt aus der
OPEC abgelehnt hat).
Anstatt die 400'000 in polizeilichen Sicherheitsdiensten und zivilen Aufbautruppen unterzubringen, wird eine humane und soziale und politische und wirtschaftliche Katastrophe inszeniert. Wiederaufbau für US-Firmen statt für den Irak. Es scheint fast, als ob die US-Regierung einen Versuch unternäme, mit der katastrophalsten Aussen- und Entwicklungspolitik aller Zeiten ins Guinnes Book of Records zu kommen. (2. Versuch mit der katastrophalsten Innenpolitik aller Zeiten bereits am Anlaufen).
Der Irak ist im Chaos - aber anstatt Reorganisation und Aufbau voranzutreiben, destabilisiert die Regierung Bush auch gerade noch die Nachbarländer Syrien und den Iran. (In Afghanistan blüht inzwischen wieder der Mohn. Afghanistan wird zum grössten Heroinproduzenten der Welt. Ein echter wirtschaftlicher Erfolg des Eingriffs der USA). Bush wünscht sich im Iran offenbar wieder eine Ordnung wie sie unter dem Schah herrschte. Die Welt mag vergessen haben, dass die Regierung des Schahs etwa so humanitär war wie diejenige Saddams, dass es damals zwar einer kleinen Clique von Profiteuren sehr gut ging, aber die Mehrheit des Volkes weder über politische noch wirtschaftliche Freiheit verfügte. Der Aufstand gegen den Schah war kein Aufstand der vom Klerus (Khomeini & Co) ausging, er ging vom Volk aus, und die religiösen Führer übernahmen die Führung. Nach zwanzig Jahren funktioniert das System nun wieder einigermassen, sogar einigermassen demokratisch. Die Verbindung von Politik, Wirtschaft und Religion ist auf einem erfolgversprechenden Weg - nun soll dies vermutlich wieder auf eine Herrschaft der Wirtschaftselite reduziert werden, ganz nach dem Vorbild USA. Der Schah war als Kleptokrat eben für die USA berechenbarer und verständlicher als eine religiöse Führung.
Wer, ausser den Irakis, dafür bezahlt, sind die US-Söldner. Die Angriffe häufen sich, der Widerstand gegen die Besatzung wird stärker, je deutlicher die Eigeninteressen der USA an den Tag treten.
Apropos Krieg der Kulturen, Christentum gegen Islam: Ein Präsident, welcher der Welt dermassen die Hucke vollügt wie Bush, kann sich wohl kaum als Christ bezeichnen. So gesehen ist diese Theorie genau so "glaubhaft" wie die Aufrufe Saddams zu einem heiligen Krieg.
Problematische Nah-Osterweiterung des "freien" Marktes
| Also, there is a great need for part-time
people to clean the sand out of the fax machines in our tanks. Since
we'll be there for a long time, this is a job with a future.
New big boom in Iraq: Jobs (Satire) |
Bush hat mit seinem weltweit unerwünschten Krieg nicht nur ein mörderisches Regime und ein System entfernt, das die Welt (und die USA natürlich) mit Massenvernichtungswaffen bedroht (von denen allerdings keine gefunden wurden), sondern mit dem Systemwechsel ein überdimensioniertes soziales und politisches Experiment angelegt, dessen Entwicklung er und seine Crew kaum kontrollieren können. Mit dem "System" wurden nebst einem gewalttätigen Diktator und dessen Mitprofiteuren auch der wichtigste Arbeitgeber und Wohnungsbauer für einen grossen Teil der Bevölkerung erledigt. Die berüchtigte Bath-Partei hiess nämlich vollständig nicht nur sozialistische Bath-Partei der arabischen Aufklärung (Hisb al Bath al Arabi al Ischtiraki). Sie war es auch bis zu einem gewissen Grad. Sie war nicht nur eine Partei der Profiteure und Gewalttäter, sie war im Ursprung eine Partei der Aufklärung und Gerechtigkeit. Da sie auch eine sozialistische Partei war, ist der grösste Teil der Irakischen Wirtschaft heute Staatswirtschaft. Dazu gehört nicht nur die Million Irakis die als Soldaten und Polizisten ihr Salär bezogen, womit sie Familien von 6 bis 10 Mitgliedern unterhalten, sondern auch die Errichtung günstiger Wohnungen, Strassen, Telefon, Gesundheitsdienst, Schulen etcetc.
Auf diesem Wege haben alle von den Einkünften aus dem Erdöl mit profitiert - auch wenn das Bath-System korrupt war. Eine dem Diktator ergebene Elite hat sich bereichert, und andere mit Gewalt an der Beteiligung gehindert. Mit der Kleptokratie sind nun aber auch Millionen an Arbeitsplätzen verschwunden, die Versorgung mit Wasser und Strom gefährdet, die Gesundheitsdienste nicht mehr gesichert.
Der Irak befindet sich nun in der selben Situation wie die UDSSR nach dem Zusammenbruch 1990, oder wie Ostdeutschland. So gesehen war ein Kommentar von n-tv (Mi 10. April 03), der das geplante Treffen von Petersburg als überflüssig betrachtet, eher dümmlich. Die USA können nichts anfangen mit einem sozialistischen Staat, er ist ihnen Feind. Von dieser Seite ist nicht viel mehr zu erwarten als die alten Rezepte: Mehr Wettbewerb, weniger Subventionen - hohe Preise, tiefe Löhne, Gewinne aus der Erdölförderung an die Unternehmer.
Irakis, wie die grosse Mehrheit der Araber, haben keine Neigung zum Kommunismus, sie schätzen Privateigentum - aber - ihre Kultur fördert und fordert soziales Verhalten - und sie erwarten vom Staat, dass er sich um das Wohl seiner Bürger kümmert! Umverteilung, den Liberalisten verhasst, ist zudem ein Grundpfeiler des Islam. Hier hat ein US-Liberalismus nichts zu bieten.
Die Elite und obere Mittelschicht, die jetzt noch knurrt, wird sich am leichtesten an das neue Bereicherungssystem anpassen - aber die Unterschicht hat eine noch weitaus unsicherere Zukunft vor sich, als bis anhin. Gerade diejenigen die den Befreiern als erste zugejubelt haben, werden als erste leiden. Wenn nun die Amerikaner, aber auch Deutsche, Franzosen und alle andern, die wissen dass im Irak Geld zu holen ist, darauf bestehen, vom Wiederaufbau zu profitieren, dann berauben sie die Irakische Bevölkerung ihrer Arbeit und damit ihrer Existenzgrundlage. Die Bath-Parteien haben in Syrien und Irak seit 50 Jahren, also über fast zwei Generationen, die Entwicklung bestimmt. Die Erfahrungen mit Ostdeutschland zeigen, dass es nicht reicht, Mauern und Statuen nieder zu reissen, um ein System zu ersetzen. Das neue System braucht Jahre bis jahrzehntelanger Aufbauarbeit, von der meist nicht die Armen profitieren.
Werden die Arbeitsplätze, die das sozialistische System anbot, nun durch ausländische, ach so hilfsbereite, Firmen ersetzt, wird damit die Mehrheit der Irakis zu einem Leben als "Sozialhilfeempfängern" unter der Obhut von UN-USA verdammt. Wird im Irak in Zukunft von Haliburton & Co gebaut, und die Irakis auf Beten beschränkt, dann kommt der Gottesstaat wieder einen grossen Schritt näher. Dieser Gottesstaat dürfte es nämlich sein, den die Schiiten bereits in weiser Voraussicht der Ereignisse die da kommen werden, mit ihren Palmwedeln und Ali-Bildern begrüssen - weniger die "ungläubigen Befreier". Diejenigen, die von Saddam eingesperrt wurden, weil sie "zu viel beteten" (so ein befragter ehemaliger Gefängnisinsasse), dürften rasch wieder unter Beschuss geraten.
Dass Syrien vermutlich als nächster Schurkenstaat bereits auf der Liste der USA steht (Der Mörder ist immer der Gärtner ...), liegt also vielleicht nicht mal so sehr am ausgeprägten Humanismus von Bush (Wir bringen Freiheit und humanitäre Hilfe), vielleicht nicht mal an langfristigen Strategien zur Sicherung billiger Erdölversorgung, sondern in einem abgrundtiefen Hass der Neoliberalen gegenüber alle was mit sozial zu tun hat (s. 40 Jahre Embargo gegen Kuba), hat die CIA doch bereits 1963 Saddams Bath-Partei unterstützt, indem sie ihr Namen von Kommunisten aushändigte, die von der Bath-Partei dann zuverlässig liquidiert wurden. (Belege dazu).
Martin Herzog, Dipl. Ing. ETH, Webdesign, Basel, 10. April 2003
Apropos Erdöl - das nur wenige reich macht:
| Fördermenge in Barrel/Tag | Preis heute | Ertrag pro Tag in Millionen $ | Ertrag pro Jahr in Milliarden $ | Ertrag pro Kopf und Monat in $ | |
|
gegenwärtig geplant Maximum |
2.5 Millionen 5 6 |
25 $/b
|
62.5 125 150 |
23 46 55 |
50 100 120 |
Von diesem Roherlös sind Investitions-, Förder- und Transportkosten sowie die Handelsmargen abzuziehen. So erzielte der Irak in den vergangenen Jahren Einnahmen von gerade mal 15 Milliarden $ pro Jahr. Damit, mit genau diesem Beitrag, konnte der Irak über das food for oil program die Versorgung seiner Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sichern.
Irak hat eine Bevölkerung von ca. 24 Millionen, das macht pro Kopf und Jahr ein Erdöleinkommen von 625 $ oder 50 $ pro Kopf und Monat. Für manches Land der 3. Welt wäre es schön, einen solchen Zustupf zu haben - aber leben kann man nicht davon und reich macht er schon gar nicht.
Irak hat aber nicht nur Einnahmen, sondern auch Schulden von 300 Milliarden, vor allem gegenüber Kuwait (Reparationskosten), andern arabischen Staaten, sowie Frankreich und Russland, von denen die USA allerdings erwarten, dass sie zum grossen Teil erlassen werden (damit mehr für die USA übrig bleibt).
Die USA haben sich den Krieg bis anhin 75 Milliarden $ kosten lassen ... die Besatzung würde 12 bis 45 Milliarden pro Jahr kosten.
40 Milliarden an Investitionen wären nötig, die Fördermenge von 2.5 auf 5 Millionen Barrel pro Tag zu erhöhen, was allerdings dann auch gleich auf den Preis drücken könnte.
Wenn hier also die USA, oder auch Deutschland, Frankreich, Russland (vielleicht auch einige Schweizer) davon träumen, das Irakisch Öl rette die Weltwirtschaft, dann dürfte das ein ziemlicher Irrtum sein.
Einschub vom 8. Oktober 04: Inzwischen liegen die Verhältnisse eigentlich in allen Bereichen total umgekehrt als erwartet: Der Terrorismus wurde nicht bekämpft, sondern gefördert. Der Irak ist nicht frei, sondern droht im Chaos unterzugehen. Die Oelversorgung der USA und der Welt ist nicht sicherer geworden, sondern so kritisch, dass die Preise seit einem Jahr dauernd steigen. Die OPEC braucht sich nicht mal die Hände ölig zu machen. Wie aber meist in der Wirtschaft, sind des einen Kosten des andern Gewinne. Womit verdient der Bush-Clan sein Geld? Mit einem Präsidentenlohn? War das nicht eher Erdöl? Also aus der Perspektive war der Krieg, so gesehen, sicher ein Erfolg, bei den Preisen ...
Quellen: www.brainworker.ch/WAP/Waldforum/newsflash%20Maerz%2003.htm#Irak & woz - Le Monde diplomatique, 6. April 2003, S. 6/7: Yaha Sadowski: Die Sache mit dem Oel.
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Labid Abbadi von socialwatch liefert hierzu etwas andere Zahlen, und einige eher schockierende Einblicke [s. www.socialwatch.org/en/informesNacionales/203.html ]
Favoritismus, soziale
Ungleichheit und sehr ungleiche Verteilung der Einkommen sind charakteristisch
für den Irak. Die Mittelklasse verschwand, die Arbeitslosigkeit nahm zu. Bereits
im Jahr 2000 waren 80% der privaten Firmen im Irak geschlossen, aus Mangel an
Geld und Rohstoffen. 50% der Bevölkerung war arbeitslos. Das durchschnittliche
Jahreseinkommen sank im Irak permanent während der letzten 20 Jahre (s. Graphik
rechts).
80% der Bevölkerung leben unter der Armutsschwelle von 2 $ pro Tag. 1990 waren es "erst" 45%. Weniger als 5% der Bevölkerung stehen unter dem direkten Schutz der Regierung und geniessen Privilegien wie importierte Konsum- und Luxusgüter. Auf Grund der kritischen finanziellen Situation sahen sich Schulen wie Spitäler gezwungen, immer höhere Gebühren zu erheben. Einige Gesundheitsdienste wurden privatisiert. Die Masse der Arbeitslosen wurde so nochmals erhöht durch Schüler, welche die Schulen früher verliessen, und, alleine im Jahr 2001, durch 67'000 Lehrer die entlassen werden mussten.
Die Kindersterblichkeit betrug im Jahr 2000 rund 10%. Die Lebenserwartung fiel von 68 Jahren auf 60.5.
Eine ganze Generation leidet unter Arbeitslosigkeit und fehlenden Perspektiven. 4.5 Millionen Irakis leben im Ausland, viele davon mit guter Ausbildung. Die jungen Leute heiraten nicht mehr, die Scheidungsrate ist gestiegen, Kriminalität, speziell auch Jugendkriminalität stieg enorm an. Es ist diese Generation der Hoffnungslosigkeit, die heute, da die alten (Gefängnis-)Strukturen zerbrochen sind, die öffentlichen Einrichtungen plündert, ja sogar Spitäler. Hier wird es mehr brauchen, als Bomben und auch als Polizei, bis ein neues, stabiles und freies politisches wie wirtschaftliches System entsteht. Die Chancen stehen mittel- bis langfristig gut, denn das Saddam-Regime hat eine Wirtschaft zum eigenen Lob und zur Heroisierung des Landes betrieben, aber keine Wirtschaft für die Bevölkerung. Von da her kann es eigentlich nur besser werden ... Zuerst allerdings werden nur die "Profiteure" profitieren. Die Plünderer sind hier nur eine kleine und unbedeutende Vorhut. Die grossen Raubzüge, die Verteilung des Staatseigentums an Privilegierte, werden hinter verschlossenen Türen stattfinden und in den US-regierungstreuen Medien wie Fox und CNN kaum auftauchen.
p.s: Ist es eigentlich schon jemandem aufgefallen dass:
Ob sich hier die reichen und mächtigen schonen, während die Unterschicht der USA auf die Unterschicht des Irak schiesst? In beiden Armeen sind es nämlich vor allem die Armen, die rekrutiert werden, oder sich rekrutieren lassen. Herrscht hier vielleicht noch das alte Ideal der Ritterlichkeit, gegen das die Schweizer Bauern bereits bei Morgarten verstossen haben: Man schiesst auf das Volk - nicht auf die Herren!

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Von NET e.V., dem Interdisziplinärer Förderverein für Philosophie, Kunst und Wissenschaft, wurde diese Site aufgenommen in den Katalog der Antikriegs-Websites, Rubrik Diverseanti-kriegs-Initiativen, No 30, mit dem Kommentar: Die dem Protest gegen den Krieg im Irak gewidmete Rubrik der Homepage von Martin Herzog aus der Schweiz dokumentiert eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem Krieg im Irak. Die Website unterscheidet sich von “populären” Anti-Kriegs-Websites durch das außergewöhnliche fachliche und persönliche Hintergrundwissen des Autors. NET e.V. hat zu
Forschungszwecken während des Irak-Kriegs eine Reihe von Websites
aus dem Internet archiviert. Die Materialien liegen auf vier CD-ROMs vor,
die über den Verein zu beziehen sind.
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Irak- Karten s. Verlagsprogramm von A. Rohweder http://www.karto-atelier.com/ :
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