Von Acker- und Waldbauern zu Stadt-, Export- und Kapitalwirtschaft:

Resultate der Agrarplattform: Kein Gewinn mit Fleisch und Kartoffeln und auch Käse dient eher als Frequenzbringer

Warum Bauern sooo billig produzieren, dass sie ihre eigene Existenz gefährden.

Religion und Städte – die treibenden Wirtschaftsfaktoren des Mittelalters.

Beziehungslehre: Ich und Du - Wir - die Andern - der Andere

Was ist Wohlstand, wer bestimmt darüber, wer verfügt darüber?

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Welche Faktoren bestimmen die Zufriedenheit mit dem Leben in der Schweiz - und anderswo?

Le bonheur n'est pas chose aisée:
il est très difficile de le trouver en nous,
et impossible de le trouver ailleurs.

Chamfort

  Wir bedürfen wenig, wenn wir unglücklich sind; unersättlich macht uns nur das Glück.  

Crescentem sequitur cura pecuniam

[Dem Wachsen des Geldes folgen die Sorgen.]

 

Chamforts Aussage wurde auch vom Ökonomen Lionel Robberts bestätigt, der die Annahme der klassischen Ökonomen bestritt, dass Glück vergleichbar und Messbar sei, oder dass zumindest stabile Präferenzen bestünden. Er sagte, die Ökonomie solle sich auf die Beziehung zwischen gegebenen Zielen und knappen Mitteln beschränken, denn das Formulieren von Zielen liege ausserhalb ihres Aufgabenbereichs.

Das Ausmass der Berufszufriedenheit
scheint einer der potentesten Prädikatoren
für Lebenszufriedenheit insgesamt zu sein
...

[Rice; Near; Hunt 1980 in Oerter/Montada: Entwicklungspsychologie S. 475]

Wo also der Beruf fehlt, oder reine Zwangsanpassung an den Markt darstellt, also Zwangsarbeit, oder durch unendliche Bewerbungen und Praktika immer weiter weg rückt, wird also die Lebenszufriedenheit in Mitleidenschaft gezogen. Hier der deutlichste Hinweis darauf, dass wir unsere Ökonomie des Glücks nur für Sieger (= Wettbewerbsökonomie) durch eine Oekonomie des Glücks ersetzen sollten.

Die Tabelle unten-rechts stammt aus http://www.fgn.unisg.ch/org/fgn/web.nsf/SysWebRessources/J%C3%B6hr_2001_Frey/$FILE/Frey-01.pdf, der sie wiederum von Leu, Burri, Priester 1997 bezog. Es handelt sich um eine statistische Analyse der Faktoren, die für Zufriedenheit verantwortlich sind. Deutlich wird, als Beleg für vorherige Aussage, dass Arbeitslosigkeit der dominierende negative Faktor ist. Dass dafür nicht allein Geldeinbussen verantwortlich sind, zeigt sich ebenfalls. Denn bis zu einem Einkommen von 5000.- steigt die Zufriedenheit noch an. Bei höheren Einkommen nimmt der Einfluss deutlich ab. Dass Arbeit trotzdem nicht allein selig machend ist, zeigt die hohe Zufriedenheit der über 60-jährigen, die den täglichen Kampf um Prestige und Einfluss hinter sich haben. Frauen scheinen etwas überdurchschnittlich zufrieden mit dem Leben, ebenso selbständig Erwerbende und Bürger mit einer höhereren Ausbildung.

arbeitslos -0.211
Kollektivhaushalte -0.124
Alleinerziehende -0.113
Ausländer -0.091
Frauen alleinstehend -0.083
Männer alleinstehend -0.057
andere Beschäftigung -0.044
andere Privathaushalte -0.042
Alter 30-39 -0.027
Alter 50-59 -0.027
Paare mit Kindern -0.023
Alter 40-49 -0.003
Frauen 0.015
Selbständige 0.025
direkte demokratische Rechte 0.028
Einkommen 2 bis 3000 0.029
Ausbildung mittel 0.039
Ausbildung hoch 0.042
Hausfrauen u. -Männer 0.043
Einkommen 3 bis 4000 0.05
Einkommen 5000 + 0.068
Alter 60-69 0.073
Einkommen 4 bis 5000 0.092
Alter 80 + 0.099
Alter 70-79 0.106

Abbildung 10 wurde aus dem selben Werk übernommen (Ingelhart/Klingelmann http://wvs.isr.umich.edu/wvs-fig.html) und zeigt, auf internationalem Niveau, die Abhängigkeit der Zufriedenheit vom Einkommen. Offensichtlich gehören Schweizer und Nordeuropäer zu den glücklichsten Menschen auf dem Erdball. Die USA, Deutschland, Frankreich, England ...  hinken, trotz ähnlich hohem Einkommen, bereits etwas hintennach.

Deutlich wird auf jeden Fall, dass eine reelle Steigerung des Glücks nur bis zu einem Einkommen von 8-9000 $ pro Jahr stattfindet. Der Rest ist Lifestyle. Bangladeshis, Philipinos (und ..a..s), Nigerianer, Chinesen, Inder ... verstehen es offenbar, bereits bei einem paritätischen Einkommen von unter 5000 $ zufrieden zu sein. Wäre hier nicht die kritische Frage zu stellen, ob nun diese "armen Länder" die Wirtschaftsform der reichen übernehmen müssen, um ihr Einkommen zu verfünffachen - womit sie auch den Verbrauch an Ressourcen vervielfachen. - Oder sollten die Nationen auf der Rechten Seite der Graphik einige Kurse in Lebensstil nehmen bei denen links oben?

Am stärksten relativiert wird die Verbindung Glück durch Wohlstand durch die Tatsache, dass gerade in reichen Ländern, wie etwa der Schweiz und Finnland, die Selbstmordraten recht hoch sind. In der Schweiz sterben täglich 4 Menschen durch Suizid, 1400 pro Jahr, doppelt so viele, wie durch Unfälle umkommen. 1000 davon sind Männer. Während sich jedermann lauthals über tödliche Unfälle entsetzt, während Trinken, Kiffen, Telefonieren, Lesen, Sex und alles, was beim Autofahren stört, verboten wird, wird über die Ursachen der Selbstmorde nicht mal geredet, vermutlich nicht mal nachgedacht. Ein grosser Teil davon dürfte aber auf die Sinnlosigkeit eines Lebens als Versager zurückzuführen sein - und präzise diese Sinnlosigkeit, wie die Qualifizierung als Versager, wird durch die ausschliessliche Bewertung wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und die weitere Förderung von Wettbewerb, also Ausschluss und Degradierung, gefördert. Wenn Alkohol ab 0.5 Promille so gefährlich wird, dass Fahren strafbar wird, warum nicht Wettbewerb ab einem gewissen Mass von Ausschluss?

Selbstmorde bei Männern per 100'000:

Litauen             82
Russland          74
Lettland           71
Estland            65
Weissrussland  56

Estland, Lettland und Littauen haben zwar zur Zeit eine boomende Entwicklung mit Zuwachsraten, um die sie der Rest von Europa beneidet, aber davon ist die bedeutende, nun zu Ausländern gewordene Minderheit der Russen mal ausgeschlossen und zudem bedeutet Entwicklung und Wachstum immer auch Änderung, Unsicherheit, Risiko, die für viele nicht zu besseren, sondern zu schlechteren Verhältnissen führen - was eigentlich allgemein das Resultat von Wettbewerb ist. Kurzum, diese Gegenden leiden unter Anomie.

Die Euphorie, mit der Wachstum, Wettbewerb und Restrukturierung als heilsbringende Lösung angepriesen werden, übersieht, dass es Bevölkerungsteile, oft ganze Völker, gibt, die in dieser geldorientierten Welt schlicht und einfach überflüssig sind. Dies trifft insbesondere alte, traditionsreiche Völker hart, wie etwa die Ureinwohner Grönlands (Inuit), Australiens (auf Tasmanien wurde sie sogar ausgerottet), der USA, Indiens .... und vermutlich überall. Hier zeigt sich auch ein weiteres Charakteristikum der Anomie: der Alkoholismus - und ein Problem des Wettbewerbs, die Landverteilung, das Recht auf einen Nutzungs-Anteil der Erde, das von der ökonomisch vorteilhaften Pareto-Verteilung schlichtwegs unterlaufen wird.

Ungarn            56
Sri Lanka        47
Finnland          43
Kasachstan     40
Schweiz          30
USA               20
China              14 - aber bei 18 für Frauen fast der einzige Staat, in dem Frauen eine höhere Selbstmordrate aufweisen als Männer. Ähnliches dürfte auch für Indien zu erwarten sein, aber das Land ist in der Statistik nicht aufgeführt. Für ländliche Gegenden und die Jugend wurden aber Zahlten von bis zu 95/100'000 ermittelt. Bangalore ist eben nicht Indien. Indien ist vorwiegend ländlich, und dieses ländliche Indien wird vom Bangalore-Indien quasi abgehängt und degradiert, genau wie in China.

http://www.uni-wuerzburg.de/IASR/suicide-table1.htm

Nebst den Selbstmorden gibt es ein zweites Kriterium, dass die Zweifelhaftigkeit des Wohlstands durch immer mehr, sogar mehr Arbeit, belegt. Eine Studie hat 2004 gezeigt, dass 1/4 der befragten Bankangestellten (ein müssiger Beruf, im Vergleich zur Arbeit in Landwirtschaft oder auf dem Bau) Beruhigungsmittel, Antidepressiva oder Schlafmittel nehmen muss, um den Druck zu überstehen. Zur Freude der Pharmaindustrie nehmen die Verschreibungen von Psychopharmaka, insbesondere von Antidepressiva, in den letzten 6 Jahren um 30% zu, auf sagenhafte 181 Millionen Franken, alleine mit Seropram 56 Millionen. Unsere Idee von Wohlstand durch "effiziente, wettbewerbsfähige Produktion" sabotiert sich selbst durch immer mehr Stress, Hektik, Mobbing, reelle und fingierte Anforderungen. Medikamente lösen diese Probleme nicht, sie halten bloss den Deckel auf dem Topf fest. Apropos Medikamente, wenn schon: Johanniskraut soll genau so wirken, ist aber um einiges günstiger. Noch günstiger und wirksamer wäre allerdings ein soziales Umfeld, dass doch noch eine gewisse Sicherheit und "Angenommen Sein" vermittelt.

Worauf die Unterschiede zurückzuführen sind, dazu gibt es verschiedene Interpretationen, insbesondere die unterschiedliche Art der Erhebung. So werden in Österreich z.B. weitaus mehr Autopsien durchgeführt als in Deutschland (21.8), was bereits einen Teil des tragischeren Koeffizienten Österreichs (34.2) (und vermutlich auch der Schweiz (29.9) erklären dürfte.

Auch die ausgeprägte Selbstmordneigung der Nordländer im Vergleich zu den Südländern wird auf sonniges Klima, extrovertiertes Gemüt letzterer zurückgeführt. Nebenstehende Graphik scheint dies zu bestätigen: während Engländer, Italiener, Portugiesen es offenbar leichter zugeben, sich schlecht zu fühlen, und vielleicht auch einmal mehr Jammern, werden solche Gefühle im Norden offenbar unterdrückt und führen eher zu explosiver Entladung.

Mein privates Motto dürfte also das Uebelste nicht sein, obwohl extrem unasiatisch, antiquietistisch, antibuddhistisch und auch nicht sehr philosophisch:

Lieber einmal zu viel nach aussen explodieren -
als ein Magengeschwür nähren
und nach innen explodieren.

Hier hilft es sogar, wenn man wenig oder kein Geld hat, denn wer Geld hat, will es kaum riskieren  Geschäftsbeziehungen zu gefährden. Wer nichts hat, hat auch nichts zu verlieren - kann also unbeschwert von solchen Ängsten leben (s. Diogenes) - falls er sich nicht einreden lässt, er müsse eigentlich was haben, um das er sich sorgen machen könne.

Geld macht nicht glücklich: Das Easterlin Paradox

Das Paradox, von Richard Easterlin 1974 entdeckt und formuliert wurde, sagt aus: Wenn grundlegende Bedürfnisse gestillt sind, führt mehr Reichtum nicht zu mehr Glück. Happiness economics (die's interessanterweise auf Deutsch bei Wiki gar nicht gibt ...) untersucht eher die Lebensqualität als bloss das Bruttosozialprodukt. Dennoch zeigt der daraus entwickelte Satisfaction of Life Index an der Spitze vor allem reiche Länder - aber auch ein paar interessante Ausnahmen (Vanuatu, Bhutan, Malta, Malaysia etc.).

Die Erkärung dafür wurde bereits 3 Jahre vorher, also 1971, von Brickman und Campbell geliefert. Sie nannten es "das hedonistische Tretrad, also so ein Ding wie das, mit dem Stubenhamster beschäftigt werden. Angetrieben wird es a) dadurch, dass mit mehr Geld auch die Wünsche und Erwartungen zunehmen, b) dem immerwährend neuen Vergleich mit dem Glück, in dem Falle dem Einkommen oder Reichtum anderer, der nur zu immerwährender Unzufriedenheit führen kann. Man nennt dies auch Wettbewerb und versucht ihn zu nutzen als Antrieb zur Produktivitätssteigerung - mit eben demselben Resultat: Grössere Produktivität - tiefere Preise, meist ohne höheren Umsatz, also Scheisse, falls man nicht immer wieder "neue" Produkte entwickeln kann.

Der Schluss draus ist eindeutig: Geld trägt nichts bei zum Glück. Ein Wohlstand der auf der Vermehrung von Geldwert basiert ist Brunz. (Für Nichtalemannen: Pisse).

Easterlins Schlussolgerungen:

  1. Innerhalb eines Landes ist zu einem bestimmten Zeitpunkt die Beziehung zwischen Einkommen und Glück nicht immer gegeben; die reichsten Leute sind nicht die glücklichsten.
  2. Im Ländervergleich gibt es keine Korrelation zwischen Einkommen und Glück. Die ärmsten Länder sind nicht unglücklicher als die reichsten.
  3. Alle Studien haben gezeigt, dass über die Lebenszeit das Glück nur wenig den Schwankungen von Einkommen und Vermögen folgt (bei Verlusten kurzfristig schon, aber auch die Freude ist bloss kurzfristig ...).
  4. Hierauf beruht der Ausdruck <Paradoxon des Glücks>, nämlich der Tatsache, dass Variationen von Glück und Einkommen im Lebenslauf nicht korreliert sind.

Die Sache ist belegt, hier für Deutschland: In 30 Jahren haben sich die Einkommen verdoppelt - Glück und Zufriedenheit blieben auf dem selben Niveau:

Eine weitere Graphik, von Inglehart/Klingemann, macht es deutlicher: Während sich bis zu einem gewissen Einkommen der Kampf ums Überleben vermindert und das Über-Leben einfacher und angenehmer wird, besteht die Gefahr, die längst Realität geworden ist, dass ab dieser Stufe Wirtschaften um des Wirtschaftens wegen betrieben wird. Statt Erleichterung zu verschaffen und ein angenehmes Leben zu ermöglichen, wird der Lifestile mit dauernden Änderungen der Mode zum Must. Was links "normal" ist - wird rechts unter enormem Aufwand zu einer "Erlebniswelt" hochstilisiert, die man rechts viel günstiger haben könnte, da man sie gar nicht zu schaffen braucht. Für die Schweiz wären 9000 Dollar für die meisten etwas knapp um das Leben wirklich geniessen zu zu können.

Die negative Wirkung von Kollektivhaushalten zeigt auch, dass wenig Verlangen besteht, zur Grossfamilie oder zum Stammesleben zurückzukehren. Individualismus wird geschätzt - Einsamkeit jedoch nicht (Alleinerziehende, Alleinstehende). Wie aber die Untersuchungen von Leu, Burri, Priester zeigen, ist auch hier, in der teuren Schweiz, das Optimum der Lebensfreude mit 5000 (dem Durchschnittsverdienst!, im Monat offenbar erreicht. [Eine detaillierte Analyse der Schweizer Lohnstruktur, stammt aus dem Jahr 2000. Da sich aber die Löhne in den "normalen" Bereichen kaum verändert haben [Einkommen wachsen wie Pflanzen an der Spitze ...], sind die Verhältnisse immer noch gültig. Eine Detailanalyse der Spitzenlöhne zeigt, wo sie sich wie und warum verändert haben.] Der dauernde Wettbewerb, das Streben nach noch mehr Anerkennung, bringt offensichtlich nicht die Erfüllung. Die Forderung von immer mehr Wirtschaftswachstum fauler Zauber, da mit mehr Wohlstand, im Sinne von mehr Zufriedenheit, nicht begründbar.

Die Untersuchungen von Prof. Bruno Frey an der Universität Zürich zeigen, dass sich erstens von den 70ern zu den 90ern logischerweise die Löhne die zu Zufriedenheit führen höher geworden sind, und zweitens, dass der Knick, bei dem die Steigerung der Zufriedenheit durch höhere Löhne sich stark abflacht, von ca. 10 auf ca. 15'000 gestiegen ist.

http://www.iew.unizh.ch/grp/frey/teaching/rational/Glueck.pdf
Solche Löhne sind allerdings für die Schweiz unterhalb des Existenzminimums, eine massive Steigerung der Zufriedenheit also logisch.

In der Zwischenzeit (s. Cash Nr. 19, 6. Mai 2004, S. 6-7: R. Sollberger - So gehen die Bubenträume der Reichen in Erfüllung) hat sich der Knick allerdings bereits auf die Höhe von 50'000 Fr. verschoben.

Sehen wir uns die Einkommensverteilung (Monatslöhne) an, so heisst das doch, dass über die Hälfte der Schweizer durch steigende Einkommen noch substantiell glücklicher gemacht werden könnten - allerdings nicht diejenigen, die durch Steuererlasse traditionell begünstigt werden.
 

 

 

Einige Glücksindizes:

1  Vanuatu 68.21 EUROPA 1 Island 72.3
2  Colombia 67.24   2 Schweden 63.3
3  Costa Rica 66.00   3 Norwegen 56
4  Dominica 64.55   4 Schweiz 51.6
5  Panama 63.54        
6  Cuba 61.86        
7  Honduras 61.75        
8  Guatemala 61.69        
9  El Salvador 61.66        
10  Saint Vincent and the Grenadines 61.37        
31 China 55.99        
61 Oesterreich 48.77        
65 Schweiz 48.30        
81 Deutschland 43.83     Luxemburg 29.6
178 Zimbabwe 16.64     Estland 29.3

Was hier zu ganz anderen Wertungen führt als wir es erwarten, auf Grund der Lobhudeleien der Presse betr. Schweiz und Zürich, ist die Enge, die sich besonders im Falle Luxemburgs, einer der reichsten und wohlhabendsten Staaten Europas, extrem negativ auswirkt. So ähnlich dürften die Dinge betr. Schweiz in Basel und Genf liegen.

Dieser ist ein Versuch, die subjektive Zufriedenheit mit der Lebenssitutation zu erfassen und zwischen verschiedenen Nationen zu vergleichen. (subjective life satisfaction). In dieser Berechungsart korreliert Zufriedenheit meist stark mit Gesundheit (0.7), Reichtum (0.6: Lieber reich und gesund als arm und krank) und dem Zugang zu Bildungsmöglichkeiten (0.6).

1  Denmark 273.4
2  Switzerland 273.33
3  Austria 260
4  Iceland 260
5  The Bahamas 256.67
6  Finland 256.67
7  Sweden 256.67
8  Bhutan 253.33
9  Brunei 253.33
10  Canada 253.33

Wie relativ diese Wertungen sind, zeigt auch der Zustand der Schweiz (Perspektive Bauchnabelschau bis Rückwärts), die Tatsache, dass sich die Mehrheit der USA durch dem Präsidenten ergebene Medien einreden liessen, der Irak sei eine Bedrohung für die USA ...,  die Tatsache, dass in Island und Norwegen beträchtliche Probleme mit Alkoholismus bestehen und die Tatsache, dass Italien sich beträchtlich anstrengen müsste, um einen Präsidenten zu küren, der noch problematischer ist. Interessanter sind die Rezepte Sollbergers für eine glücklichere Gesellschaft:

Was Unternehmer, Manager und Politiker tun können: Was jede und jeder Einzelne tun kann:
  • Ermöglichen Sie keine Lohnvergleiche unter den Angestellten, denn wer weniger verdient als seine Kollegen kann sich rasch unglücklich fühlen. S. Lohnrechner
  • Vermeiden Sie Wettbewerb innerhalb des Unternehmens, denn wo ein Gewinner ist, ist immer auch ein Verlierer. Fördern Sie den Teamgeist.
  • Bolzen Sie nicht Wachstum und Produktivität. Was für den Unternehmenserfolg zählt, ist die Produktivität, gemessen an der Lohnsumme.
  • Stoppen Sie die Leistungsspirale: Schrauben Sie Erwartung und Entlöhnung bei Bedarf im gegenseitigen Einverständnis mit einem Angestellten zurück; stellen Sie mehr Personal ein.
  • Unterlassen Sie alles, was Mobilität fördert oder nötig macht, denn Mobilität kann gewachsene Beziehungsnetze auseinander Reissen. (> Pendeln macht unglücklich).
  • Erhöhen Sie den Druck auf Arbeitslose (???), denn auch Beziehungen am Arbeitsplatz tragen zum Glück bei. (Eine etwas unglückliche Formulierung, die von der PNOS stammen könnte: Man muss die faulen Kerle offenbar zu ihrem Glück zwingen. Ausreichend Arbeitsplätze anbieten dürfte genügen. Arbeitslosigkeit ist bekanntermassen einer der wichtigsten Unglücksfaktoren.)
  • Setzen Sie sich nicht auf Steuersenkungen, weil der individuelle Gewinn daraus nichts mehr zum Glück beiträgt.
  • Wohnen Sie möglichst nahe beim Arbeitsort, denn tägliches Pendeln kann unzufrieden machen.
  • Seien Sie nett zu den Leuten, bewusst zu bekannten oder auch spontan zu Fremden. Sie fühlen sich dann grosszügig und ernten erst noch ein Lächeln oder Anerkennung. (Offenbar Utilitarist, der Herr Sollberger).
  • Werden Sie sich bewusst, was Sie alles freut.
  • Geniessen Sie die kleinen Freuden des Alltags, seien es reife Erdbeeren (wozu Sie vermutlich Ihren Bauern besuchen müssen statt den Grosshandel) oder die wärmenden Sonnenstrahlen.
  • Lernen Sie, anderen Menschen, die Sie verletzt haben, zu vergeben. So befreien Sie sich von Wut, schlechten Gefühlen und Rachegelüsten.
  • Entwickeln Sie Strategien, um harte Momente besser zu überstehen. Der Glaube oder Meditation (oder Philosophie) können helfen.
  • Investieren Sie Zeit und Energie in Freunde und in die Familie. Starke persönliche Beziehungen tragen am meisten zum Glücksgefühl bei (es sei denn, man sei ein Eremit).
  • Sorgen Sie für ein gutes Körpergefühl mit genügend Schlaf und Bewegung sowie mit gesundem Essen.

Dazu noch eine Empfehlung meinerseits: Vergleichen Sie das, was Sie erreicht haben, nicht immer mit dem, was andere erreicht haben, sondern messen Sie es daran, was Sie selbst erreichen wollten - und realistischerweise erreichen konnten. Oft werden Sie nämlich dahinter kommen, dass Sie genau deswegen nicht so glücklich sind, oder eben nicht das Selbe erreicht haben wie andere, weil Sie eben das erreicht haben, was Sie selbst wollten.

Man kann nicht nach dem eigenen Glück streben, und dann andere die Massstäbe (Einkommen, Vermögen, Macht ...) für das Glück festlegen lassen.

Glück nach Richard David Prechts Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele? [Goldmann. München. 2007]

Precht setzt beim klassischen Modell an: Arm aber Glücklich. Als Beispiel dient ihm Vanuatu, eine kleine Insel im Pazifik. Die Leute hier sind glücklich, weil sie mit wenig zufrieden sind, erkärt ein Journalist von der Lokalzeitung. Das Leben dreht sich um die Gemeinschaft, um die Familie und um das, was man anderen Leuten Gutes tun kann.

Dieses Modell wird kontrastiert mit unserem, in dem Geld und Wohlstand als treibende, glücklich machende Elemente allen Tuns betrachtet werden:

Der Traum von finanzieller Unabhängigkeit ist immer noch der am weitesten verbreitete Lebenstraum in den Industriestaaten. Genau dafür rackern wir uns ab und investieren die grösste Zeit unseres Lebens, obwohl die meisten von uns nie wirklich so weit kommen, tatsächlich <frei> zu sein. Geld und Prestige stehen auf der höchsten Stufe unseres persönlichen Wertesystems noch vor Familie und Freunden. ...Freiheit und Selbstbestimmung wird geopfert für ein höheres Einkommen. Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen, mit Geld, das wir nicht haben.

Konsum, Macht und die Aussicht auf ein hohes Lebensalter machen jedoch nicht glücklich.

Richard Layard: Es gibt mehr im Leben, was glücklich macht, als immer nur alles haben zu wollen. Suchtverhalten. Materielles Streben erzeugt einen dauerhaften Zustand der Unzufriedenheit, in dem kein nachhaltiges Glück entstehen kann.

Und dies ist präzise die Funktionsweise des Wettbewerbsmarktes mit Innovations- und Wachstumszwang. Sozialer Friede, Vollbeschäftigun wären wichtiger als die Steigerung von Produktivität und BSP. Glück für alle statt Wachstum für die Wirtschaft (das Kapital). Nicht Wohlstand und Geld, nicht einmal Alter, Geschlecht, Aussehen, Intelligenz und Bildung entscheiden über unser Glück. Wichtiger sind Sexualität, Kinder, Freunde, Essen und Sport. Am allerwichtigsten sind dabei die sozialen Beziehungen. Nach der WelteweitenWerte-Umfrage (World Values Survey), wirkt sich eine Scheidung etwa so negativ auf das Wohlbefinden aus wie der Verlust von zwei Dritteln des Einkommens.

Glücksgefühle sind oft mehr als schlichte Emotionen, und eine äusserst heikle Sache, ein Problem des Gleichgewichtes von Hormonen (s. Die komplexe hormonelle Steuerung (Kybernetik) des Menschen): Zu viel Serotonin macht gleichgültig. Zu viel Dopamin führt zu Besessenheit, Machtrausch, Grössenwahn und Irrsinn, ähnlich Drogenabhängigkeit, Liebesblödheit oder dem Terror permanenter Erfolgssucht.

Venus trifft Erde.
Venus: "Warum siehst du so schlecht aus?"
Erde: "Ich habe Homo sapiens".
Venus: "Mach` dir nichts daraus, das geht vorbei"

Allerdings ist auch die Sache mit dem Gleichgewicht nicht so einfach: Kein Mensch kann so leben, dass er ständig in absoluter Harmonie mit sich selbst ist. [S. 355] Das Leben erhält seinen Wert durch Kontrast: Glück ist schön, aber anstrengend. Geistiger Stillstand ist ein Problem, da er rasch zu Langweile führt, die wiederum zu schlechter Laune, Antriebslosigkeit und ev. gar Depressionen. Normalerweise werden diese aufgefangen durch die tagtägliche Arbeit, was allerdings nur geht, wenn a) diese vorhanden und b) nicht all zu monoton oder konfliktbeladen. Weitere Lösungsmöglichkeiten sind:

Moral ist, wenn man so lebt, dass es gar keinen Spass macht, so zu leben.

Edit Piaf

Vorsicht!

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass praktisch jedes Leben zum Tode führt.

(Man sollte also zumindest den Weg halbwegs angenehm gestalten).

Gerade beim Sport zeigt sich, dass Glück in erster Linie abhängt von der eigenen Erwartungshaltung. Marcuse: Mit sich selbst übereinstimmen bedeutet, mit den eigenen Erwartungen im Einklang zu sein ... und zwar einschliesslich der Erwartungen der anderen, die ich erwarte. (Luhmanns Erwartungserwartungen.) Es nützt wenig, mit sich selbst im Reinen zu sein, wenn dieser Zustand nicht mit der Umwelt abgestimmt ist. Genau deshalb lassen sich fernöstliche Lebensideale in Europa nur schlecht ausserhalb des Klosters leben.

Wer umgekehrt all zu stoisch sehr wenig erwartet, dem passiert auch nicht viel. Er wird diese Leere also zu füllen suchen mit gesuchten Pflichten, wie bei Kant, dem Erfüllung der Pflicht das Höchste war; oder der gute Bürger, dem die Erwerbspflicht (Selbsthilfe) als Erwerb von Gütern sein Leben bestimmt.

Monty Python: The meaning of life (Der Sinn des Lebens):

Also, nun kommt der Sinn des Lebens. Nun, es ist wirklich nichts Besonderes. Versuch einfach nett zu den Leuten zu sein, vermeide fettes Essen, lese ab und zu ein gutes Buch, lass dich mal besuchen, und versuch mit allen Rassen und Nationen in Frieden und Harmonie zu leben.

Glück setzt sich also zusammen aus: Glück beruht auf: Oder laut Epikur:
  • dem angenehmen Leben, dem Genuss, wie
  • dem guten Leben, dem Engagement, der Erfüllung persönlicher Sehnsüchte, wie
  • dem sinnerfüllten Leben, dem Erreichen bestimmter, erstrebenswerter Ziele.
  1. aktivem Leben
  2. sozialem Leben
  3. Konzentration/Aufmerksamkeit
  4. realistischen Erwartungen
  5. guten Gedanken, kein Versinken in Kreisläufe von Selbstkritik und Pessimismus
  6. Gelassenheit im Umgang mit Unglück - keine übertriebene Suche des Glücks
  7. Freude durch Arbeit (womit nicht nur und nicht unbedingt Lohnarbeit gemeint sein muss. Es gibt auch Freiwilligenarbeit, Arbeit an sich selbst, Arbeit an sozialen, geistigen, wirtschaftliche, politischen, religiösen oder sonstwelchen Problemen. Arbeit ist die beste Psychotherapie. Wer nicht arbeitet fühlt sich leicht nutzlos und schlaff: zu wenig Dopamin und Serotonin.
  • Gelingendes Leben im Rahmen des Möglichen,
  • kleine Freuden des Lebens,
  • Besiegen der Aengste,
  • gesellig und verträglich leben.

_____________________________________________________________

An sich ist den geschlechtlichen wie den mitleidenden und anbetenden Empfindungen gemeinsam, dass hier der eine Mensch durch sein Vergnügen einem anderen Menschen wohltut - man trifft derartige wohltuende Veranstaltungen nicht zu häufig in der Natur.

Friedrich Nietzsche:  Morgenröte 76

Ergänzung vom 17. September 2004 - eine, trotz Aufklärung und Emanzipation selten offen gestellte Frage:

Was trägt Sex bei zur Zufriedenheit?

Wie gross ist die Bedeutung von Sex für ein zufriedenes Leben?

 

Die Glücks-Hitparade

[nach: Kahnemann, Schkade, Schwarz Sone: Measuring the qualityof experience. Princeton University. Publ. in CASH No 38, 16. Sept. 04: P. Hossli: Hauptsache, auf dem Nummernkonto stimmts].

Rang

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

Aktivität

Sex

soziale Kontakte nach der Arbeit

zu Abend essen

sich entspannen

zu Mittag essen

Sport betreiben

Beten

Soziale Kontakte während der Arbeit

Fernsehen

zu Hause telefonieren

Schlummern

Kochen

Einkaufen

Computer zu Hause benutzen

Hausarbeiten

Kinder umsorgen

Von der Arbeit nach Hause fahren

Arbeiten

Zur Arbeit fahren

Stunden pro Tag

0.2

1.1

0.8

2.2

0.6

0.2

0.5

1.1

2.2

0.9

0.9

1.1

0.4

0.5

1.1

1.1

0.6

6.9

0.4

Obige Tabelle gibt noch ein paar weitere interessante Erkenntnisse frei:

1. Sex wird offenbar höchst selten als sportliche Langstrecken-Disziplin betrieben, wie das in Filmen meist dargestellt wird. Allerdings, der so viel gepriesene Sportgeist regiert offenbar auch nur während der selben kläglichen 12 Minuten pro Tag.

2. Einkaufen scheint weder ein Volksport zu sein noch derart viel zum Glücklichsein beizutragen, wie uns die Werbung weis machen will.

3. Arbeiten trägt zwar wenig zur Begeisterung bei, ist aber die wichtigste Beschäftigung, da sie die meiste Zeit beansprucht und auch die Existenz davon abhängt.

Passend zur Symbolik obiger erigierter Graphik ... wird zur Zeit in Presse und Internet die Studie von David Blanchflower vom Dartmouth College und Andrew Oswald von der University of Warwick breit diskutiert: Money, Sex and Happiness . Die beiden Ökonomen versuchen einen Glücksindex zu erstellen - denn, da das Streben nach Glückseligkeit in der US-Verfassung verankert ist (Warnung: Nietzsche in: Zwielicht der Idole: Der Mensch strebt nicht nach Glück; nur der Engländer tut dies.), sollte man vielleicht wissen, worin sie den eigentlich liegt, diese Glückseligkeit. Wie bereits oben gezeigt, steigt das Glück rapid an, wenn es gelingt, aus schierer Armut zu entrinnen. Bei bereits Reichen ändert sich nur wenig am Glück, wenn sie noch reicher werden. Passend zum Ansatz von Freud (der allerdings massiv übertrieben hat, und auf ein gesundes Mass reduziert werden sollte: s. Freud sollte entsorgt werden) haben die Forscher nun festgestellt, dass es eigentlich Sex ist, der die höchsten Glücksgefühle beschert. Die Wertsteigerung eines Lebens mit Sex von einem ohne, wird von Ökonomen mit 50'000 $ bezeichnet, ebenfalls die Wertsteigerung von einem Leben mit einmal pro Monat Sex auf einmal pro Woche Sex! Alle Macht bei den Frauen, könnte man hier sagen, denn sie entscheiden seit Jahrmillionen darüber, mit wem sie sich paaren! Dazu bestimmen Frauen dominant die Erziehung der Jungs. (s. Wettbewerb ums andere Geschlecht). Vielleicht ist die Dominanz der Männer in der Wirtschaft also nur ein psychischer Ausgleich für die ansonsten unterlegene Stellung? Auch Männer wollen mal wo dominieren und "oben" sein ...  So betrachtet wäre auch die Diskussion über Emanzipation eigentlich in erster Linie von Männern zu führen!

Allerdings, obwohl sich Sex kaufen lässt - das Glück lässt sich dennoch nicht käuflich erwerben. Wer Sex kauft, kaufen muss, gehört nicht zu den Glücklichen. Sex ausserhalb einer festen Beziehung erzielt weitaus tiefere Glückssteigerung als in einer dauerhaften Beziehung. "Sex and the City" ist also ein Hollywood-Märchen, allerdings ohne den Märchen meist innewohnenden tieferen Gehalt. 

Dem entsprechend gehören Scheidungen zu den kostspieligsten Angelegenheiten die einen privat treffen können, nicht nur der Unterhaltspflicht wegen. Bei der Scheidung geht ein Wohlbehagen im Wert von 66'000 $ verloren (na ja, statistisch, wer lässt sich schon scheiden weil ihm zu wohl ist ....?). Arbeitslosigkeit kommt mit Kosten des Wohlfühlverlustes von 60'000$ erst dahinter. 

Wir hätten's also in der Hand ... äh, na, ja ... ich meine, wir hätten also einige Möglichkeiten, die Zufriedenheit beträchtlich zu stärken, ohne Wachstum, Wettbewerb, Hetze, Mobbing, Überschuss und Überdruss fördern zu müssen. Vielleicht sollte man die Diskussion um Emanzipation, bei der es ja meist eher darum geht, wer beherrscht wen, also um Macht und Freiheit; etwas mehr in Richtung lenken: - Wie leben Männlein und Weiblein am besten zusammen, was ist die geeignetste "Familien"struktur in der postmodernen Gesellschaft für Kinder wie Eltern. Das aktuelle Emanzipations- und Gegenseitigesichbehauptenabgenzenundbeherrschenwollen-Schlachtfeld ist ganz offensichtlich der Zufriedenheit ziemlich abträglich. Eine Diskussion zum Thema "gutes Leben", ähnlich wie zur Frage, was bedeutet "gute Arbeit" oder "gute Ordnung", wäre nach 100 Jahren Vernachlässigung der Philosophie, die sich hinter den Wissenschaften anstellen musste, die solche Fragen nicht mal stellen, geschweige denn beantworten kann, vielleicht wieder angebracht. Seit der sexuellen Befreiung de 68 wird zwar viel über Sex geredet ... aber ganz offensichtlich mehr geredet als ... Leider scheint hier das Selbe passiert zu sein wie bei der fast so wichtigen Selbstbestätigung, der persönlichen Zuordnung von Bedeutung und ein kleines bisschen Macht (s. Machttreppe). Der Markt schafft Scheinlösungen und Scheinwelten, die sich verkaufen lassen, das Problem jedoch bleibt bestehen.

Die Frau kontrolliert ihren Sex, weil sie für Sex all das bekommt, was ihr noch wichtiger ist als Sex.

Esther Vilar

Dummes Zeug? In den USA, gelobt als Musterland von Fortschritt und Wachstum, schrumpft die Zufriedenheit. Amerikaner haben zwei bis drei mal monatlich Beischlaf. (In Deutschland scheint man (und frau) sich immer noch an Luther zu halten, der da schon einiges erfreulicher ist: In der Wochen zween. Zahlen aus der Schweiz unterliegen offenbar dem Bettundbankgeheimnis ....). 40% der Frauen und 20% der Männer über 40 sind völlig abstinent. Insbesondere bei den weissen Frauen führen die Doppelbelastung durch Beruf und Familie zu beträchtlichen Einbussen beim Wohlbefinden und Sexleben. Vermutlich wäre die Sache einfacher als sie aussieht: Alte Männer, es gibt auch alte Frauen die noch .... / dicke Frauen, es gibt auch dicke Männer die gerne ... Kurzum, lebt nicht zu sehr nach den Vorstellungen, die in den Medien übermittelt werden.

Eine Massnahme, welche dem Volksglück weitaus besser täte als die Steigerung von Wettbewerb, Produktivität und Konsum, wäre also z.B. die Quote an wöchentlichem Sex um ein bis zwei Stunden zu erhöhen (man sollte ja eh jeden Tag eine halbe Stunde Sport betreiben) ... statt die Arbeitszeit zu erhöhen. Stellen Sie sich mal die rundum zufriedenen Gesichter vor. Die Schweiz würde zum freundlichsten Land der Erde. Der Tourismus würde boomen und brächte zweistellige Wachstumszahlen. Wir können uns die Stunde täglich leisten ... und Italien müsste sich anstrengen, den Anschluss nicht zu verlieren.

Zudem wäre gleichzeitig das Problem "zuwenig Sport" gelöst ... und ein beträchtlicher Teil der Übergewichte dürfte auch schwinden. Sex ist gesund - wobei man allerdings, besonders bei "Auswärtsspielen", den Schutz nicht vergessen sollte.

 

In England soll allerdings (meldet der Tagesanzeiger am 25. September 2006, ohne die Quelle anzugeben, die Umfrage einer Versicherungsgesellschaft ergeben haben, dass 48% der Frauen Grossbritanniens ohne Sex leben würden, wenn sie dafür die Garantie erhielten, 100 Jahre alt zu werden. Bei den Männern wären es immer noch 31%. 94% würden es jedoch ablehnen, dafür Familie und Freunde fallen zu lassen. 74% würden sich dafür nie von ihrem Vermögen trennen (na ja, das werden die Ärzte und Spitäler ihnen aber handlich amputieren, lange bevor sie 100 sind).

Korea dagegen beweist das Gegenteil. Nachdem Nordkorea seine Atombombe gestestet hat, stieg der Verkauf von Kondomen (+ 28%) und die Übernachtungen in Stundenhotels in Südkorea sprunghaft an!

Sex bietet Trost ... und, noch erfreulicher, eigentlich braucht man dazu nicht mal nen Guru, sondern nur zwei, die sich gesonnen sind.

p.s: Definition ...: ein Abenteuer haben, abschleppen, den Akt vollziehen,  befriedigen, begatten, beischlafen, beiwohnen, beschlafen, es jem. besorgen, mit jem. ins Bett gehen / steigen, bumsen, bürsten, die ehelichen Pflichten erfüllen, eins werden, erkennen, einander gehören, Geschlechtsverkehr, jem. seine Gunst schenken, sich hingeben, höpperle (CH), mit jem. intim werden, koitieren, kopulieren, Liebe machen, sich lieben, nageln,  jem. nehmen, eine Nummer schieben, pudern (Oe), poppen (D), rammeln, jem. ranlassen, sich jem. schenken, mit jem. schlafen, schnackseln (Oe),  stoßen, sündigen, es mit jem. treiben, vernaschen, Verkehr, verschmelzen, vögeln, jem. auf sein Zimmer nehmen, zu Willen sein ... und viele mehr.

Viele Worten, wenig Taten. Daran hat sich weder während noch nach den 68ern offenbar viel geändert. Oder?

Einige weitere interessante Links:

p.s: Die hier vertretene Meinung ist, wie das Meiste auf dieser Website, nicht mehrheitsfähig. Die CASH-Umfrage hat ergeben, dass 56% lieber mehr Lohn als mehr Sex hätten ... Der Einfluss der Wirtschaft auf menschliches Verhalten geht also weitaus tiefer als befürchtet. Hatte Freud noch fast alle Verhaltens- und Geistesstörungen auf die Urkraft Sex zurückgeführt, müsste ein  heutiger Nachfolger die Psychoanalyse offenbar auf der Kraft des Geldes basierend aufbauen: Oedipus tötet heute nicht mehr seinen Vater und heiratet die Mutter, er erledigt seine(n) Kreditgeber und v... das Steueramt.

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Der erste Teil des Artikels entstand im Juli 02 als Anhang zum Newsflash Wald-International mit dem Thema: Was ist Fortschritt? Ein neuer Indikator, der einen Beitrag zur Abkehr vom Wachstumswahn leisten könnte. Er ist im Directory Irak abgelegt, da ich insbesondere dort die Probleme der happiness weiter studiere ... also was Arbeit und Lohn angeht natürlich. Der zweite Teil ist ein bisschen ein Querschläger, erschien mir aber wichtig und passt hier thematisch rein. (Happiness ist übrigens die richtige Schreibweise, lässt sich beim File kaum mehr ändern, da weltweit bei Suchmaschinen so registiert.) Webmasters: Mind the correct orthography!).

Martin Herzog, Webredaktor, Rheinfelden, 17. September 2004

Soweit die Theorie. In der Praxis sieht die Sache, wie meist, etwas anders aus. Erstaunlich ist 1., dass ganz offensichtlich weder die dafür berühmten Italiener, noch die Südamerikaner oder die Franzosen die "Hengste" sind, sondern die Südosteueropäer. Die heissblütigen Italiener und Spanier scheinen sich mit den "unterkühlten" Schweizern, Oesterreichern und Deutschen so ziemlich auf der selben Intensität im Bett zu tummeln. Die sexuell frustriertesten Zeitgenossen finden sich allerdings im Hohen Norden, und, wen wunderts, in den USA, seltsamerweise also präzise in den Ländern, die die sexuelle Revolution eigentlich angeführt haben, und, wollte man sich auf Medien und Werbung verlassen, dies immer noch tun. Dies führt aber offenbar nur so weit, dass der Appetit gefördert wird, nicht jedoch die Kochkunst. Die Japaner, die eigentlich die "ärmsten" sind in der Beziehung, haben offenbar aber auch nicht mehr Lust ... na ja, vielleicht sind sie auch die einzigen die ehrlich sind ...

Rangordnung nach Häufigkeit
der Kopulationen
Anzahl/Jahr alle x Tage Zufrieden
sind x %
Anteil in % der sich
mehr Sex wünscht
das erste mal
mit Alter:
Rangordnung nach
sexueller Unerfülltheit
% die mehr
Sex wünschen
Griechenland 138 2.6 43 35 17.5 Norwegen 53
Kroatien 134 2.7 52 33 17.3 Schweden 52
Serbien/Montenegro 128 2.9 46 27 17.6 Dänemark 48
Bulgarien 125 2.9 49 33 16.9 Island 47
Tschechei 120 3.0 50 36 17.2 USA 45
Frankreich 120 3.0 38 36 17.2 Chile 45
UK 118 3.1 51 37 16.6 Kanada 45
Polen 115 3.2 56 37 17.7 Finnland 45
Niederlande 115 3.2 54 37 16.6 Australien 44
Neuseeland 114 3.2 49 38 16.4 Singapur 42
USA 113 3.2 52 45 16.9 Südafrika 40
Chile 112 3.3 50 45 17.2 Irland 40
Türkei 111 3.3 48 34 17.9 Taiwan 40
Island 109 3.3 50 47 15.7 Neuseeland 38
Südafrika 109 3.3 46 40 17.5 Belgien 38
Kanada 108 3.4 46 45 17 Oesterreich 38
Australien 108 3.4 42 44 16.9 Schweiz 38
Portugal 108 3.4 33 19 16.9 UK 37
Belgien 106 3.4 57 38 17.2 Polen 37
Slowakei 106 3.4 46 37 17.8 Niederlande 37
Italien 106 3.4 36 35 18.1 Slowakei 37
Spanien 105 3.5 48 29 17.5 Israel 37
Oesterreich 105 3.5 48 38 16.5 Malaysia 37
Schweiz 104 3.5 51 38 17.3 Tschechei 36
Deutschland 104 3.5 47 36 15.9 Frankreich 36
Global 103 3.5 44 36 17.3 Deutschland 36
Finnland 102 3.6 41 45 16.6 Global 36
Israel 100 3.7 36 37 16.7 Griechenland 35
Dänemark 98 3.7 49 48 16.1 Italien 35
Norwegen 98 3.7 44 53 16.5 Türkei 34
Thailand 97 3.8 41 20 18 Kroatien 33
Irland 97 3.8 40 40 17.3 Bulgarien 33
China 96 3.8 22 20 18.3 Vietnam 31
Schweden 92 4.0 45 52 16.1 Indonesien 31
Taiwan 88 4.1 37 40 18.9 Spanien 29
Vietnam 87 4.2 42 31 19.6 Serbien/Montenegro 27
Malaysia 83 4.4 48 37 19 Japan 25
Hong Kong 78 4.7 30 22 18.6 Hong Kong 22
Indonesien 77 4.7 34 31 19.1 Thailand 20
Indien 75 4.9 46 19 19.8 China 20
Singapur 73 5.0 42 42 18.4 Portugal 19
Japan 45 8.1 24 25 17.2 Indien 19

Dieses Resultat dürfte für Muslime mit ihren strengen Moralvorstellungen doch einigermassen erstaunlich sein, dass hier gerade die islamische Türkei führend ist ... während die "Kaffer" (die Ungläubigen) in Indien, China, Vietnam, Hong Kong sich offensichtlich ehelicher Treue befleissigen (oder Bordellbesuche nicht als Sexkontakte auffassen). Die eingeklammerte Interpretation dürfte die zutreffendere sein, da gerade in Vietnam und Indonesien ein Bordellbesuch, bei Städtern natürlich, oft so normal ist wie ein Mittagessen, während ein Türke vermutlich denselben lebenslänglich im schlechten Gewissen mitträgt.

Auch in Australien, Neu Seeland, Island herrscht in der Beziehung Beziehungen offenbar beträchtliche Flexibilität. Auch hier sind die Südländer nicht an vorderster Stelle, sondern im Falle von Spanien doch den (treuen?) Deutschen recht nahe (obwohl hier, ähnlich wie in Südostasien, der Umgang mit Prostituierten vermutlich nicht als "Sexualpartnerschaft" erinnert wird, sondern als "Geschäftsbesprechung" oder ähnliches.

Kurzum, die Zahlen dürften vermutlich recht wenig aussagen, insbesondere da sie nicht nach Stadt und Land trennt.

Für die Schweiz berichtet Durex 2006:

 


Daten aus Durex Befragung: http://www.durex.com/de/gss2005results.asp

Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Die Studie von Meston und Buss ergab, dass Sex vor allem betrieben wird, wenn man sich zu jemandem hingezogen fühlt, und das gilt für beide Geschlechter gleich. 20 der 25 wichtigsten Gründe sind identisch. Männer sind allerdings leicht opportunistischer, wenn sie eine Chance sehen ... während dem es bei Frauen häufiger vorkommt, dass sie Sex haben, um einem Partner entgegen zu kommen. Interessanterweise kam der biologische Grund für Sex, dessen Bedeutung den Sextrieb so dominant macht, in keiner der wichtigsten 50 Gründe vor.

Men's top 10 reasons: Women's top 10 reasons:
1. I was attracted to the person.
2. It feels good.
3. I wanted to experience physical pleasure.
4. It’s fun.
5. I wanted to show my affection to the person.
6. I was sexually aroused and wanted the release.
7. I was “horny.”
8. I wanted to express my love for the person.
9. I wanted to achieve an orgasm.
10. I wanted to please my partner.
1. I was attracted to the person.
2. I wanted to experience physical pleasure.
3. It feels good.
4. I wanted to show my affection to the person.
5. I wanted to express my love for the person.
6. I was sexually aroused and wanted the release.
7. I was “horny.”
8. It’s fun.
9. I realized I was in love.
10. I was “in the heat of the moment.”

p.s: Zufriedenheit und Lohn:

CASH und L'Hebdo haben bei MIS Lausanne eine Umfrage in Auftrag gegeben, und unter andere die Resultate rechts publiziert (Speckert, Baumann: Die Berufe der Zukunft. CASH 18. Mai 2006, S. 55). Also was mir daran sofort aufgefallen ist: Die gut bezahlten Führer haben offenbar an allem was rumzumeckern, ausser am Lohn. Ihre Spitzenlöhne tragen offenbar ganz und gar nix zur Zufriedenheit bei.

Logische Folge:

 

Löhne kürzen bei der Elite,

denn die meckern sowieso.
 


AKUT: Sex gibt immer noch sehr rasch Anlass zur Zensur

www.diskussionsforen.ch wurde 8.1.08 auf Antrag des Providers Genotec, Liestal, nach SR 311 http://www.admin.ch/ch/d/sr/311_0/a197.html von mir nach dessen Vorgaben selbszensuriert, doppelt zensuriert 11.1.08 auf Antrag Roger Hofstetter, Geschäftsführer Genotec AG - und trotzdem am 23.1.08 vollständig vom Netz genommen.

Der Versuch, der seit 27.05.06 läuft (s. Beschreibung unter http://www.brainworker.ch/webdesign/web-wirkung.htm#disclaimer_sexcontent) wurde also vom Provider Genotec in Allschwil (BL) beendet, um es klar auszudrücken, zensuriert. Der Versuch ging an die Grenzen, womöglich etwas darüber hinaus, aber Zensur darf nicht auf Grund persönlicher Empflindlichkeiten oder Aengste von Providern stattfinden. Detaillierte Analyse der rechtlichen Situation sowie der speziellen Problematik beim Thema Pornographie s.

Zensur  ... gestern - und heute, im Internet:

Dank Pornographie entspannte, aufgeweckte, weniger aggressive Jungs

Der Provider steht nicht ganz allein, denn eine Seite, nur eine einzige der 12 in Betracht kommenden, wurde auch von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (9.1.08) auf Antrag Zerneke (22.11.07: keine Kopie oder Anfrage an mich), Quedlinburg, bei kjm (Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten. 18.12.07. Keine Kopie oder Anfrage an mich) im Schnellverfahren zur Indexierung beantragt (in der alten Version natürlich! Tja, das gibt's noch, allerdings nur in Deutschland (nebste dem Vatikan). Die Werbung für zensierte Medien, wozu auch Verlinkung zählt, ist in Deutschland strafbar.Es cheint also, dass Schweizer Webprovider oft päpstlicher als der Papst agieren (s. auch Fall Indimedia). Hinter der Website www.diskussionsforen.ch stecken 5 Jahre Aufbauarbeit. Ich betrachte das Vorgehen des Providers als Nötigung und werde eine gerichtliche Beurteilung verlangen (in der Zwischenzeit erfolgt: Kostet mich 30 Tage bedingt + Spesen. Die Schweiz ist in Sachen Aufgeklärtheit also offensichtlich spiessiger als Deutschland. Alles andere sind ungerechtfertigte Behauptungen.), denn der Deutsche Kinderschutz beurteilt Pornographie auf jeden Fall viel restriktiver als die Schweizer Normen - und es geht nicht an, dass ein Schweizer Provider auf Grund seiner persönlichen Einstellung hier vorauseilenden Gehorsam auf noch schärfere Restriktion verlangt.

Zu den so gleich mit zensierten Beiträgen gehört amüsanterweise auch Diogenes, dessen Anliegen es präzise war, Dinge die normal sind auch als normal zu behandeln. Er erregte deswegen öfters Widerstand, wenn er auf dem Marktplatz sch...., pisste oder v... Aber da sind wir heute natürlich viel offener und augeklärter ....