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Der Irak, das ehemalige Mesopotamien, war seit Urzeiten ein Reich des Lehmbaus - bis es den Beton entdeckte. Die Qualität war schon sehr früh recht hochstehend, so hochstehend, dass noch vor 100 Jahren alte Monumente als Ziegellager missbraucht wurden, weil die alten Ziegel von weitaus besserer Qualität waren als die neuen. (s. Ctesiphon. Heutiger Zustand heisst in dem Falle der Zustand von 1911, denn die Bilder stammen aus der Dissertation an der Königl. Sächs. Technischen Hochschule, von Felix Langenegger, Dresden, 1911: Baukunst des Irak (heutiges Babylonien).).
Bereits 1980, als John Warren und Ihsan Fethi ihre Arbeit: Traditional Houses in Baghdad (Coach Publishing House L., Horsham, England. 1982) publizierten, waren allerdings nur noch wenige übrig geblieben, die meisten in extrem schlechtem Zustand. Dies ist nicht nur auf das immer noch beduinenhaften Umgang der Araber mit Häusern zurückzuführen: benutzen bis es hin ist und dann ein neues Bauen, sondern auch auf die Zerstörung durch Termiten und Überschwemmungen.
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Leider ging ein grosser Teil der damaligen Lehmbaukunst verloren, und wird nur noch durch recht alte Literatur dokumentiert. Ein zweiter Fundus in der Beziehung ist die Dissertation von Oscar Reuther, der selben Hochschule, von 1910: Das Wohnhaus in Bagdad und andern Städten des Irak.
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Die erste Grundstruktur des städtischen Bagdader Hauses entwickelte sich aus dem ländlichen Tarma-Haus, dem Haus mit säulengestützten Vorhalle (Tarma). Es weist lediglich wenige einfache Räume auf, im besten Fall einen Liwan, der sich zum Tarma öffnet.

Obige Skizze zeigt den vermutlichen Vorgänger des Innenhofhauses, den Bauernhof mit Eingangshalle (Tarma)Das Schenaschil, ein Erker der den Blick über die Strasse (und den Hauseingang) gewährt.
Die Häuser wurden aber zunehmend nicht bloss in
den öffentlichen (männlichen) Teil (Diwankhane) und den Haram getrennt, sondern wendeten
sich ganz gegen Innen. Das Private hatte im islamischen Raum immer höhere
Bedeutung als die Wirkung gegen Aussen. Die typische Struktur des irakischen Stadthauses war
im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Haus mit Innenhof, gedeckt
oder offen, oft mit Brunnen, wie es sich heute noch besonders schön in
Andalusien bewundern lässt.
Nebenstehender Grundriss zeigt ein wohlhabendes Haus, traditionell geteilt in den öffentlichen Bereicht links und den privaten Familienbereich (Harem) rechts. Die Zimmer sind jeweils um die zentralen, offenen Innenhöfe angeordnet.
Die abassidische Innenhofarchitektur ist heute noch weit verbreitet in Marokko und Südspanien. Berühmt sind insbesondere die Patios von Cordoba und Sevilla ( http://www.travelinginspain.com/sevilla/savilla_patio.htm ), aber auch die der Extremadura, insbesondere von Almagro.
Bei reicheren Bagdader Häusern konnten solche Empfangsräume recht gross und dekorativ gestaltet sein. (Für Vollbild bitte klicken)
Ein typisches Element arabischer Stadthäuser ist der Erker (Schenaschil), wo man vor Blicken geschützt an der frischen Luft sitzt und freien Blick auf Hauseingang und Strasse hat, der zudem Gelegenheit gab, sich mit den Nachbarn über die Strasse hinweg zu unterhalten.
Der Schenaschil hat auch eine klimatisierende Funktion. Da sich
das dunkle Holz stark erwärmt, entstehen Aufwinde, welche die warme Luft aus den
Räumen saugen und frische aus dem kühlen Keller nachsaugen.
Übersicht über die Elemente traditioneller Architektur, wie sie vom 13 bis Ende
des 19ten Jahrhunderts üblich waren:
| Oda: das einfache Zimmer | ||
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Tarma: Offener Balkon mit Säulen | |
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Ursi: Vermutlich von Russi, russisch. Der wichtigste Raum im Haus, da er zugleich Ausblick bot, aber nicht so einsichtbar war, wie Tarma, Iwan und Talar. Er ist durch eine türlose Fensterwand, meist aus buntem Glas, vom Tarma getrennt. In diesen Wänden zeigten die Handwerker ihre ganze Kunst. | |
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Talar, nutzbarer offener Raum hinter dem Tarma, im Gegensatz zum Iwan von den seitlich anliegenden Zimmern betretbar und mit zusätzlichen Säulen vom Tarma optisch getrennt. | |
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Iwan (auch Liwan), auf einer Seite offener Raum, meist hinter Tarma oder angrenzend an Innenhof. | |
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Hosh, der zentrale offene Hof, in dessen Mitte oft ein Brunnen stand. | |
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Sirdab, der Keller, welcher nicht nur der Lagerung, sondern auch als Kühlraum und Kühlluftlieferant dient über das Badgir-Sirdab-System. | |
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Neem, ein nur halb im Erdreich versenkter Keller, meist mit Fenster | |
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Das Dach wurde und wird im Sommer gerne zum Schlafen
benutzt. Der hohe Wert der Privatsphäre bedingte, dass alle Häuser
gleich hoch waren, also niemand auf das Dach des Nachbarn hinuntersehen
konnte. Die bewohnten Dächer trugen auch zur Sicherheit der Stadt bei, da sich niemand auf den Strassen unbeobachtet glauben durfte. |
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| kabishkan: das Penthouse, von dem aus sich das ganze Haus einsehen liess. Oft lagen vier dieser Räume wie Adlernester in den vier Ecken des Innenhofes. | ![]() |
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Mit
dem Lehmbau war leider nicht nur die Kunst und die klimatischen
Annehmlichkeiten des Lehmbaus verloren, sondern auch weitere
architektonische Nutzungen natürlicher Gegebenheiten, wie etwa die Nutzung
des im Sommer konstant wehenden Norwest-Passatwindes als natürliche Klimaanlage.
Das System Badgir - Sirdab war eine günstige, energie- wie umweltfreundliche Lösung zur Gestaltung eines annehmbaren Hausklimas, bei über 50°C im Sommer wahrlich keine einfache Sache.
Durch den Dachaufbau, den Badgir, wurden die Passatwinde eingefangen und durch den kühlen Keller ins Haus geleitet. Hier nicht dargestellt ein zweites System, bei dem der Wind nicht in den Keller geleitet, sondern durch leewärtige Ausrichtung der Öffnung des Badgir die warme Luft aus den Wohnräumen abgesaugt, und durch kühlere, durch Fundament und Mauern gesaugte, ersetzt wurde.

Die Skizze rechts zeigt, welche Temperaturunterschiede nur durch die Nutzung natürlicher Gegebenheiten im traditionellen Haus erreicht werden konnten. Mehr als 20° sind eigentlich auch heute noch ungesund. Die mit 20° doch relativ starken Temperaturunterschiede in Bagdad zwischen Tag und Nacht führen auch zu täglichen Wanderungen innerhalb des Hauses, auf der Suche nach dem besten Klima.
Auch Stadtbewohner bleiben so innerhalb ihres Hauses Beduinen. Während sie sich im Winter in den geschlossenen warmen Räumen auf der Südseite aufhalten, ziehen sie im Sommer auf die Nordseite, in den Keller und aufs Dach.

Badgir-Details, für Vollbild bitte klicken
Im öffentlichen Bereich, wie hier dem Suq, wurde der stechenden Sonne zumindest durch schattenspendende Bedachung einhalt geboten. Solch einfache Dachkonstruktionen sind heute insbesondere im Jemen immer noch anzutreffen.
Dächer
Details 1, für Vollbild bitte klicken

Da es im Irak, wie den meisten Wüstengegenden, zwar selten regnet, dafür um
so heftiger wenn es dies mal tut, waren auch ausreichende Vorsehungen zu
treffen, das Wasser abzuleiten und den Lehm vor Auswaschung zu schützen:
Dächer
Details2, für Vollbild bitte klicken
Ziegel boten nicht bloss ein angenehmes Klima, sondern sind auch für ornamentalen Schmuck äusserst geeignet:

Ziegelornamentik (für Vollbild bitte klicken)
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Martin Herzog, Webdesign, Rheinfelden, 1. Mai 2004
Im übrigen kein Tag an dem man drauf stolz sein könnte, Schweizer zu sein. Während sich in Europa gewaltiges tut in Sachen politischer Neuorganisation und Völkerverbindung - sitzt die Schweiz im Zentrum am Rande ... und schaut zu.
Meine Meinung: Also wenn ich es vermutlich schon nie dazu bringe, ein richtiger Iraki zu werden, dann möcht' ich es doch zum Europäer schaffen. Auch wenn ich als permanenter Aussenseiter und somit als Minderheit hohe Stücke auf die direkte Demokratie halte, wäre es vielleicht doch angebrachter, sich mit den andern Kleinen innerhalb der EU dafür einzusetzen, als von Aussen her zu schmollen.