IRAK

Handelsvermittlung

Eine weitere Reise nach Bagdad - mit lehrreichen Hindernissen - März 2004

Am Sonntag den 22. Februar verliessen wir planmässig Zürich um 4-00 am Morgen früh, erreichten um 14-00 pünktlich die Fähre in Ancona und am nächsten Morgen Igoumenitza in Griechenland. Von dort ging die Reise gleich weiter durch die Berge Nordgriechenlands, entlang der Grenze zu Albanien - eine zur Zeit recht ruhige, Ländliche und eher arme Gegend. Der Restaurantbesitzer bei dem wir am Mittag ein Spiegelei verzehren, versucht sich mit dem Einmachen von Kürbissen und Früchten ein Zusatzeinkommen zu verschaffen, da der Durchgangsverkehr im Winter recht gering ist. Beim Übernachten sind wir bereits einige Kilometer in der Türkei, das Hotel allerdings ungeheizt, und bei ca. 4 Grad doch etwas ungemütlich.
 

verschneites Tessin

Am Dienstag durchqueren wir die Türkei, mit einem Durchschnitt von 140 km / h. Die Busse die wir am spätern Mittag fassen wegen Geschwindigkeitsübertretung (90 wären auf Überlandstrassen erlaubt), ist ein geringer Beitrag gemessen an den zu schnell gefahrenen Kilometern. Für die Übernachtung erreichen wir noch die letzte Stadt vor der syrischen Grenze, wo wir in einer Art kommunaler Unterkunft von der Polizei beherbergt werden. Damit ist nicht das lokale Gefängnis gemeint, sondern wirklich ein Haus, das von der Gemeinde betrieben, verschiedenen Gruppen (Jugend, Sport, Vereine) als Unterkunft und Schulungsort dient. Auch dies ein ungeheizter und bei 4 Grad eher ungemütlicher Rastplatz. Die Betreiber allerdings äusserst freundlich.
Am Mittwoch erreichen wir ca. um 9 Uhr die syrische Grenze. Ich reiche nach einigem Anstehen und Drängen meinen Pass dem Zollbeamten, in der Erwartung, ein Visum zu erhalten. Er hingegen durchblättert ihn, in der Erwartung, ein Visa zu finden. Nach einigen Erklärungsversuchen steht fest, dass eine Bewilligung vom Passamt in Damaskus nötig ist, die per Fax eingeholt werden kann. 1 Stunde. Nach 1 Stunde wieder eine Stunde …. Und so weiter, bis Abends um 17-00. Da wir bis dann so langsam den Eindruck erhalten, das werde wohl nichts, schlage ich vor, wieder in die Türkei zurückzukehren und über


vernebeltes Griechenland

verschneite Türkei

...

 Gaziantep, Kamishli, Cicre in den Norden des Irak einzureisen. Das scheint den Beamten doch nicht ganz zu behagen, und sie bitten mich zu bleiben, bieten mir eine Matratze an, auf der in den letzten 10 Jahren sicher 3000 Leute geschlagen haben, die

 aber nie eine Reinigung gesehen hat.
Am naechsten Morgen geht die Geschichte natürlich genau so weiter: eine Stunde, noch eine Stunde, und noch ein Papier das fehlt ….
Gegen 12 war die Sache dann beschlossen, wurde aber im letzten Moment vom Direktor torpediert, der mit dem Visum noch eine Auflage verpasste, erstens von der Schweizer Botschaft ein Beglaubigungsschreiben zu beschaffen und zweitens beim Aussenministerium vorstellig zu werden. Damit war die Sache für Usama gelaufen, denn er hatte das Land vor dem naechsten Morgen um 7-00 zu verlassen. Die Registrierung der transportierten Waren hatte Stunden gebraucht und eine Korrektur vermutlich einen weiteren Tag. So brachte er mich nach Damaskus und zog weiter, und erreichte am naechsten Tag Bagdad, nachdem allerdings auch er um weitere 200$ erleichtert worden war. [Die Zollformalitaeten sind auch 6 Wochen spaeter noch nicht geregelt. Die Buerokratie hat den Krieg offensichtlich überlebt.]
Da es bereits Donnerstag Abend war, stand auch bereits fest, dass weder die Schweizer Botschaft noch das Aussenministerium für die naechsten zwei Tage zur Verfügung stehen würde. Also spazierte ich zwei Tage durch Altstatt und die in historischen Ringen angelegten Speckgürtel unterschiedlicher Struktur und Funktion: Maerkte, Wohnquartiere, Blocksiedlungen, Hochhaeuser, neuere Fussgaengerzonen, wobei ich unter anderem auch auf ein für die arabische Kultur doch eher aussergewoehnliches Restaurant stiess. Hier fanden sich mehr Frauen als Maenner, und alle rauchten Wasserpfeife. Offenbar eine Art lokaler Yuppybeiz in der sich die Jeunesse Doré trifft.


Am Sonntag Morgen erhielt ich die Bestaetigung der Schweizer Botschaft innert 10 Minuten (und für 21.- Fr.). Das Aussenministerium allerdings erwies sich als der haertere Brocken. Es besteht aus mehreren Subministerien, wovon sich erst die dritte Anlaufstelle als die richtige erwies, das Direktorium für diplomatische Angelegenheiten, dem die Beglaubigung internationaler Dokumente obliegt. Dort standen dann allerdings laengere Diskussionen an: Wir koennen Ihnen kein Transitvisum geben, da Sie kein Visum für den Irak haben. Wir wissen ja nicht, ob Sie wieder zurückkommen müssen. Einer der Direktoren bestand darauf, dass ich mir von der irakischen Botschaft ein Visum besorge, und war nicht davon abzubringen, dass diese als Botschaften immer noch voll legitimiert sei.
Gegen 14-00 entschied der Direktor, ein Brief der Schweizer Botschaft, in dem meine Taetigkeit und meine Absichten beschrieben sind, und in dem die Schweizer Botschaft das Aussenministerum um Unterstützung bei der Erteilung eines Durchreisevisums ersucht, reiche aus. Dieses erstellte ich mit freundlicher Unterstützung von Frau Roethlisberger in Kürze, blieb allerdings auf dem Rückweg im Stau stecken - und um 15-00 schliesst das Aussenministerium. Zudem hatte der Fahrer offenbar mein Arabisch ausserst schlecht verstanden, denn ich landete um 15-00 nicht beim Aussenministerium, sondern vor meinem Hotel .... (dessen Namen ich nie erwaehnt hatte ...).

Am nächsten Morgen brauchte es dann noch einige Telefonate zwischen Aussenministerium und Schweizer Botschaft + eine arabische Übersetzung. Gegen Mittag hatte ich die Bewilligung, bestehend aus einem ganzen Paket an Formularen, mit dem ich das Passbüro aufzusuchen hatte. Meine Befürchtungen, dass es nun noch zwei Tage so weiter gehe, erwiesen sich als unbegründet. Die Soldaten im Passbüro rannten mit dem Pass selbst hin und her, in weniger als einer Stunde hatte ich ein offizielles Durchreisevisum für Syrien.

Hier dürfte noch eine Randbemerkung zu geläufigen Empfehlungen in Reiseführern hilfreich sein: Keine grünen Salate essen! Dies ist zwar aus gesundheitlicher Sicht eine absolut richtige und sinnvolle Empfehlung, wer allerdings in Syrien einen Bogen um die köstlichen Salate macht, verpasst bereits die Hälfte der syrischen Küche.

Am Mittag begann dann der zweite Teil des Abenteuers, einen Fahrer zu finden, der mich nach Bagdad bringt. Auf meine Anfrage im Hotel, wo sich der Busplatz befinde, auf dem sich normalerweise auch die Taxis sammeln, suchte der Portier im Hotel selbst nach Leuten, da dieses besonders von Irakis und Kurden besucht wird. Nach einigem hin und her gelang es ihm, einen jüngeren Fahrer, der offenbar seit zwei Tagen seine Rechnung nicht bezahlen konnte, davon zu überzeugen, dass ein Kunde der sicher nach Bagdad will besser ist als zwei oder drei, die man gerne hätte. Als Preis wurden 100$ vereint.
Bereits zwei Stunden später war er allerdings wieder vor der Tür, mit der Frage, ob es OK sei, einen Grenzübergang weiter östlich zu nehmen, falls Al Walid geschlossen sei ... und dass ich die Mehrkosten für das Benzin übernähme, was ich natürlich annahm.
 

sonniger Iraq

Dieses Restaurant im Grünen liegt an der Jame'a Road, nur wenige hundert Meter von der Universität entfernt. In nächster Nachbarschaft finden sich mehrere der Art, zur Zeit allerdings ebenfalls nur mässig besucht, sowie einige Gärtnereien.

 

Aus Bagdad erhielt ich allerdings in der Nacht die Nachricht, dass Tanf/Al Walid mit einiger Sicherheit geschlossen sei, und es besser wäre, direkt nach Qusaybah/Abu Kamal zu fahren. Keiner der drei Taxis denen wir uns am Morgen anschlossen, wollte allerdings etwas davon wissen, da Tanf mit Abstand die kürzeste Verbindung ist. Vor dem Grenzübergang stund eine Lastwagenkolonne von mindestens 20 km Länge. Einige der Fahrer wartete bereits seit 3 Tagen. Die Meinung über die US ist hier ziemlich eindeutig. Durch die willkürlichen und widersprüchlichen Entscheide der Koalition wird der Handel doch recht in Mitleidenschaft gezogen und viele Fahrer verlieren ihren Broterwerb. Hier weiss man offenbar nie, wann und wo wieder ein Übergang offen ist. So war nun auch diese Zollstelle geschlossen, nichts bewegte sich, also fuhren wir 130 km zurück um in Richtung Tadmur (Palmyra) weiterzufahren. Den zweiten Übergang zu nehmen bei Qusaybah erwies sich allerdings als ebenfalls nicht machbar, da Reisenden mit ausländischen - worunter nicht arabische Pässe verstanden werden, nur die Ubergaenge bei Tanf und Qamishli offen stehen. Da ersterer geschlossen, hiess es nun den Weg nach Qamishly unter die Räder zu nehmen, weitere 400 km zusätzlicher Weg. Der Fahrer hatte mich in der Zwischenzeit darauf angesprochen, dass in dem Fall von mir natürlich nicht nur die Mehrkosten an Benzin zu übernehmen seien, sondern auch ihm 250 statt 100 $ zustünden, von denen er mir die ersten 50 gleich eigenhändig aus dem Portemonnaie zog. Er erwies sich allerdings als grosser Meister der syrischen Bakschischdiplomatie und hatte seinen Stempel bereits nach 10 Minuten. In weniger als einer halben Stunde verliessen wir diesen Zoll, obwohl mir natürlich wieder mal ein Papier, das Einreiseformular, fehlte.
Die Vorgänge machten mir allerdings das syrische System besser verständlich. Korruption ist sicher ein lästerliches System .... kann aber unter chaotischen Verhältnissen ziemliche Vorteile bieten. So funktioniert offenbar Jordanien so ziemlich auf dem Rechtsweg, also verlässlich - aber dennoch ziehen es viele Transporteure vor, sich per Bakschisch durch Syrien zu bewegen, da dieser Weg doch der schnellere und damit billigere ist, so man das System beherrscht.
Hätten wir also eine Woche zuvor dem Zollvorsteher 50 oder 100 Dollar angeboten, wäre ich, trotz etwas langem Bart, eine Woche früher in Bagdad gewesen und hätte ca. 400$ gespart. Für weitere 500$ hätte ich vermutlich auch ohne Pass, dafür mit Bart und Kalashnikov einreisen können. Unser Unverständnis für die etwas spezifischen syrischen Zollvorgänge hatte uns also einiges gekostet.

Einschub vom 7.7.04: Da ich so eine Woche später als geplant in Bagdad eintraf, mussten wir gleich loslegen mit den Dreharbeiten für einen kurzen Film für den WDR, Andrea Ruby (Redaktion). Ein Bericht dazu, von Thomas Aders (Regisseur), finden Sie unter http://www.swr.de/bericht-aus-bagdad/archiv/2004/03/11/tagebuch.html (Korrekturen: Ich bin weder Biologe noch Chemiker oder Umwelttechniker, sondern Forstingenieur, mit einigen Erfahrungen auf den erwähnten Gebieten (Details, wen's interessiert ... Insbesondere bei meinem ersten Besuch im Irak, 1981, war ich als resident engineer mit dem Beizen von industriellen Rohranlagen beschäftigt (Natronlauge, Fluorsäure und mehr dergleichen, tonnenweise ...), darum der Kommentar von Aders. Zudem liessen wir uns nicht "eben" scheiden, sondern 1998).

Der Film wurde am 4.6.04 um 22-00 vom WDR gesendet, als Beitrag zu Magazin Weltweit, und ein zweites Mal am 7. Juli um 21.45 im Norddeutschen Rundfunk in der Sendung Weltbilder. Erst danach konnte ich meine Arbeit am STADTPLAN VON BAGDAD aufnehmen, sowie meinen zweiten Job, die wirtschaftlichen Beziehungen zum Irak zu verbessern, was allerdings Sisyphosarbeit ist.

Später, auf der Heimreise, im Flughafen von Amman, korrigierte ein Schweizer Tourist dieses Bild ein bisschen. Er und seine Frau hatten Syrien genossen, ohne je auf Anzeichen von Korruption gestossen zu sein. Sie fühlten sich eher durch die vielen Steuern und die hohen Preise in Jordanien ausgenommen. Zwei Tage Aufenthalt in Amman haben mir die Probleme eines ueberhoehten Einflusses des Staates auf die Wirtschaft deutlich vor Augen geführt - und mein Portemonnaie mittels Taxen restlos geplündert. Als Beispiel die Hotelrechnung des Grand Palace, früher mal ein gediegenes und doch günstiges Hotel. Als Preis waren 40 Dinar (80 Franken pro Nacht) abgemacht, die Rechnung sah dann wie folgt aus:

Zimmer 2 Nächte à 40                        
Getränke aus der Zimmerbar                
1 Nachtessen (zweitklassiges Buffet)    
Telefon (5 Min. Schweiz, 2 vergebliche Versuche Bagdad anzurufen)
Service (inexistent)
Steuern

Total

  80   Dinar
   5
 13.8
 21
 12
 21

153

Die Aussicht war allerdings klassisch:

 

Auf der irakischen Seite fanden keinerlei Kontrollen statt. Bis nach Bagdad hat ein Kontrollposten den Pass mal oberflaechlich angesehen. Weder Irakis noch Amerikaner, die erst ca. 100 km vor Bagdad so langsam sichtbar werden, scheinen hier irgend eine Kontrolle auszuüben.

Da es bereits 10 abends war als wir in Mosul eintrafen und der Weg weitere 4 Stunden durch ein eher unsicheres Gebiet beanspruchen würde, übernachteten wir in Mosul, setzten die Reise am naechsten Morgen fort und erreichten Bagdad am Mittwoch den 3. Maerz 2004 um 12.

Martin Herzog, Bagdad, 6. Maerz 2004

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Die Kolumbianisierung Bagdads

Während sich einerseits die Koalition, Kurden, Schiiten und reiche Sunniten hinter dicke Mauern und Bunker verziehen, intensivieren die andern ihre Angriffe, und schiessen mit Raketen ueber die Mauern hinweg. Laengst handelt es sich nicht mehr nur um pro- oder kontra Saddam, pro und kontra USA. Die irakische Gesellschaft   zeigt erste Zeichen der Aufloesung und Darwinisierung. Mit Sicherheit die uebelste Erscheinung sind die Entführungen, vor allem von Kindern. Die Banden machen reiche Familien ausfindig, lauern den Kindern vor der Schule oder vor dem Haus auf, zerren sie in ein Auto, und melden sich oft erst Tage später mit Forderungen. Immer wieder allerdings kommt es vor das Kinder auf Grund von Gewalt – oder schlichtweg aus Angst - sterben. Oft allerdings lassen die Leute mit sich handeln. Ein Entführer, der ein entferntes Familienmitglied in seine Gewalt gebracht hatte, verlangte erst 120'00 Dollar, reduzierte dann aber seine Forderung auf 2600, was allerdings kein Anlass ist, derartiges leicht zu nehmen.

Ein weiterer Faktor der für Gesundheit und Nerven aeusserst belastend ist, ist der Verkehr. Erstens hat dieser extrem zugenommen auf Grund der zollfreien Einfuhr von Fahrzeugen. An den Hauptverkehrsachsen Bagdads laesst sich die Luft kaum mehr atmen und verursacht Halsschmerzen. Zweitens fehlen die lenkenden Polizisten und drittens sind an verschiedensten Orten wichtige Durchgangsstrassen blockiert, da sie eine amerikanische Besatzungszone kreuzen. Insbesondere was die Haengebruecke betrifft, ist die Meinung der Irakis: "Der Saddam hatte die Sache offenbar doch mehr im Griff und weniger Angst. Zu seiner Zeit durfte man die Bruecke neben seinem Palast noch benutzen."

Was die Polizisten betrifft, so tauchen sie zwar langsam wieder aus der Versenkung auf, trauen sich aber noch nicht ganz, ihr Amt wahr zu nehmen. Musste man frueher sein Auto beim Verkehrsamt suchen und drei Tage lang Formulare ausfüllen, so sieht heute die Nutzung einer 6-spurigen Strasse mit Halteverbot wie folgt aus:

Die Randspur wird zum Parkieren benutzt, die zweite zum ein- und aussteigen lassen, beladen und entladen von Gütern. Da es auf der Gegenfahrbahn gleich zu und her geht, versucht es dann oft noch einer als Geisterfahrer auf der andern Seite der Schranken, womit das Chaos perfekt ist. Ein Versuch den Bus in einer dieser Zonen zu nutzen (Shorja Markt), ergab eine Geschwindigkeit von 1km pro Stunde. Ein zweiter Versuch zu Fuss ergab allerdings ebenfalls nur eine geringfuegige Steigerung, denn die Autos stehen so dicht, dass auch zu Fuss oft kein Durchkommen mehr ist.

Zudem hat offenbar ein Ami das arabische Shurti mit shorty verwechselt. Die grosse Mehrheit der neuen Polizisten besteht aus freundlichen, kleinen, runden Maennchen, was zwar ganz im Sinne der Demokratisierung sein mag, aber das Verkehrschaos wohl kaum beheben wird.

Was den Besatzern heute vor allem vorgeworfen ist, ist das enorme Chaos und die fehlenden Verbesserungen. Die Zustaende sind nach wie vor beinahe die selben wie kurz nach dem Krieg. Die Milliarden an Entwicklungsgeldern  (Restrukturierung) fliessen offenbar vor allem in die Kassen von US-Firmen und zum Teil in die Beutel einheimischer Maffiosi. Da ich auf Grund meines Bartes und der immer noch hellen Haut leicht als Auslaender zu identifizieren bin, wurde ich anfänglich oft gefragt: Amriki? Bei zunehmender Nachdunkelung dann aber: Irani? Turki? – Was sicherheitstechnisch leider keine Verbesserung darstellt. Immerhin, als Schweizer ist man aus all diesen Querelen relativ fein raus - sofern nicht erst geschossen, und dann gefragt wird, was offenbar auf beiden Seiten immer mehr zum Standard wird. Auf meine Gegenfrage, ob denn Auslaender sein ein Problem sei im Irak, war die Antwort doch recht intelligent: Ausländer oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle. Wir haben nichts gegen Ausländer, aber wir hätten gerne wieder Arbeit und was zu leben.

Die klare Aufforderung an die Koalition lautet also:

Rule or move out!

Martin Herzog, Bagdad, 2.4.04

p.s. vom 8.2.06: In der Zwischenzeit hat China Kolumbien deutlich überholt was Entführungen betrifft. 2004 wurden in China 3864 Entführungen verzeichnet, was 1000 mehr sind als zur selben Zeit in Kolumbien (China ist natürlich auch ein bisschen grösser ..) Der Hauptgrund ist die immer ungleicher werdende Verteilung des Reichstums. Mit einem Gini-.Koeffizienten von 0.45 (Schweiz 0.3x) liegt China heute an der Spitze der Länder mit hochgradig ungerechter Vermögensverteilung.

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