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Beiträge aus Brainworker's Denkwerkstatt zum Thema |
Definition
Gentechnik:
Gebiet der Molekularbiologie und Biotechnologie, isoliert und analysiert die
Gene und deren Regulatoren, verändert sie und baut sie wieder in lebende
Organismen ein. [Gentechnik:
Geschichte, Methoden, Resultate, Anwendungen und die genetische Differenzierung
beim Menschen].
Stammzellenforschung und Gentherapie sind eine spezielle Richtung, die im Moment hier nicht diskutiert wird. Es geht dabei um die Korrektur genetischer Strukturen beim Menschen mit dem Ziel, funktionelle Störungen zu beheben. Von besonderem Interesse sind dabei die embryonalen Stammzellen, also Zellen, die sich noch zu allen möglichen Zelltypen entwickeln können und noch nicht auf einen spezifischen Typ festgelegt sind wie Muskelzelle, Nervenzelle, Hautzelle, etc.
Definition Gen: Erbfaktoren, Erbanlagen, Einheit der Vererbung eines Merkmals von einer Generation auf die nächste. Chromosomenabschnitte die Informationen zur Synthese von Polypeptiden oder RNA, die dann wiederum spezifische Proteine aufbauen.
Definition Genetik: Restriktionsenzyme schneiden präzise bestimmte Abschnitte der DNA aus. Durch deren Einbau in Bakterien lassen sich Proteine, Hormone, Antikörper, Impfstoffe, Insulin etc. in Massen, und günstiger, produzieren. Der Schwerpunkt liegt zur Zeit noch in der Herstellung pharmakologischer Produkte mittels Mikroorganismen:
Definition Technik: [gr. techne: Kunst, Kunstwerk] Die Art und Weise, etwas durchzusetzen, zu erreichen, ... im allgemeinsten Sinne die menschliche Tätigkeit, insofern sie darauf gerichtet ist, das Vorgefundene, Gegebene, menschlichen Bedürfnissen und Wünschen entsprechend zu ändern. Technologie wäre die Lehre von der Technik. Die häufige Verwendung von x-logie zeigt, wie stark hier Forschung, Lehre und Anwendung verquickt sind.
| Das Resultat der Abstimmung vom 26./27. November 2005 ist
in dieser Hinsicht erfreulich. Die Freisetzung von gentechnisch
manipulierten Organismen wird für 5 Jahre untersagt. Das gibt
Gelegenheit neben der existierenden Hurraforschung: Gentechnologie löst alle
Probleme - nun auch noch die "Nebenwirkungen" zu prüfen, ohne die es ganz
sicher auch in dem Gebiet nicht abgeht. (s.
Novartis Campus) Es wäre günstig, die 5 Jahre auch gleich zu nutzen für eine Diskussion über Sinn, Zweck und Struktur der Forschung, die heute von geldbringender Verwertbarkeitsforschung klar dominiert wird, was der auch bei Wissenschaftlern angebrachten Prudentia (Vorsicht, Weisheit) doch einigen Abbruch tut. |
Da sich die Angelegenheit ja expressis verbis Gentechnologie/Gentechnik nennt, darf man ihr keinen Betrug vorwerfen, wenn sie (fast) mehr praktisch und wirtschaftlich agiert als wissenschaftlich. Man braucht sich den Unterschied zwischen Technik und Wissenschaft bloss bewusst zu machen, dann werden die Einwände gegen die Umsetzung und Freisetzung gleich viel begründeter und akzeptabler, und die wissenschaftliche Aura schwindet. Natürlich lässt sich Forschung nicht verbieten. Das hat die Kirche im Mittelalter versucht, als sie das Sezieren verbot. Ihre Gründe waren damals vielleicht doch noch ehrenwerter als die der (oft hochdekorierten) heutigen Gentechnik-Propagandisten. Damals ging es immerhin um die Frage, ob durch die Sektion die Seele verloren gehen könnte (und allenfalls der Glaube). Heute geht es eigentlich nur um die Frage, wie produzieren wir eine möglichst hohe Rendite.
Gentechnik stellt, was die Verquickung von Forschung und Anwendung betrifft, ein besonders problematisches Gebiet dar. Geschehen hier Fehler durch übereiltes Handeln, sind sie nicht mehr zu korrigieren. Ich vergleich das gerne mit den Kaninchen in Australien. Diese relativ handlichen und zudem schmackhaften Viecher, die eben aus dem Grund in Australien eingeführt wurden, lassen sich nicht mehr entfernen. Verbreiten sich genetische Eigenschaften über Bakterien oder Viren, so wird eine Korrektur gleich völlig illusorisch.

Am stärksten verbreitet ist Gentech-Nahrung in den USA, aber im Anbau auch schon in Argentinien und Brasilien. 64% des Soja-Saatguts ist heute gentechnisch verändert, 43% der Baumwolle, 24% beim Mais. Es ist absolut klar, wo hier die treibende Kraft steckt ...
Gentechnisch veränderte Pflanzen
In den USA sind nur noch 3% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, dennoch liefert die USA fast die Hälfte der Weltjahresproduktion an Mais. In den USA können pro ha ca 7 Tonnen geerntet werden, in Mexiko nur 1.7 Tonnen. Dazu beträgt der Aufwand in den USA 1.2 Stunden pro Tonne, in Mexiko 17.8 Tage.
Der Weltmarktpreis wird an der Börse in Chicago gebildet. Seit 1994 sind die Preise für Mais auf die Hälfte gefallen und haben eine halbe Million mexikanischer Bauern von ihrem Land vertrieben. Der Preis für Tortillas ist seltsamerweise aber auf das Dreifache gestiegen ...
Erschwerend kommen die Bedingungen der Grosseinkäufer hinzu, die uniforme Standards setzen - die mit natürlich gewonnenem Saatgut kaum einzuhalten sind. Durch solche technisch bedingten Kriterien erhalten gentechnisch erzeugte Produkte einen Vorsprung.
Gentechnik wirft aber gerade in solchen Situationen enorme Probleme auf. Mexiko ist die Heimat des Maises. Bereits heute vermischt sich aber der gentechnisch erzeugte mit den einheimischen Sorten, die so für immer verloren gehen könnten.
Roman Berger: Das ist eine neue Form der Kolonialisierung. [Tagesanzeiger, 10. Februar 2005. S. 12]
Obwohl in Genbanken weltweit über 250'000 verschiedene Maissorten aufbewahrt werden, droht eine genetische Verarmung. Wegen schlechter Lagerung ist bereits mehr als die Hälfte dieser für die Zucht wichtigen Vorräte unbrauchbar geworden.
Der Verlust genetischer Vielfalt ist insbesondere tragisch für die Bananen, da diese eh als Monokultur gezogen - und generell durch Klonung vermehrt wird. Wilde Ursprünge der domestizierten Banane gibt es kaum mehr.
Gentechnisch veränderte Tiere (eingestellt, da vom
Konsumenten nicht angenommen)
Eingliederung unbekömmlicher Genprodukte: Der Fall Pusztai (Kartoffeln)
Produktion von neuen Allergenen
Tödliches Tryptophan
gene flow - nicht nur durch Pollenflug, sondern auch durch bakterielle
Übertragung, Schädigung der Fähigkeit, Stickstoff zu binden, damit sind auch
tiefere Erträge verbunden!
Nancy Matheson: Genetic
Engineering of Crop Plants.
Agronomy Technical Note.
With much more information on the status of genetic engineering in the
USA -from a critical perspective.
http://www.attra.org/attra-pub/geneticeng.html /
z.B. Übertragung von Herbizidresistenz auf verwandte Arten:
http://www.defra.gov.uk/environment/gm/research/pdf/epg_1-5-151.pdf Genübertragung zwischen Pilzen, wie z.B. für die Übertragung
eines krankheitserregenden Gens von Stagnosphora nodorum, wo das Gen
stark varriert und Blattbräune auslöst, auf Pyrenophora tritici-repentis,
wo es stets identisch ist und Weizenblattdürre auslöst.
Weiterer Verlust an Biodiversität und ursprünglichen Rassen:
Joscha Wullweber: Die Bedeutung und der Verlust von Biodiversität.
Patentierung von genetischen Ressourcen: "Schutz" der biologischen Vielfalt oder "Biopiraterie"? Diplomarbeit im Fachbereich Biologie der Universität Hamburg.Für die Biodiverstität müssen wir drei Arten an Diversität unterscheiden, die genetische, die der Arten und die Diversität der Ökosysteme. Die Diversität der Gene repräsentiert die Vielfalt der Gene innerhalb von Populationen. Die Diversität der Arten beschreibt die Vielfalt an Arten, Gattungen, Familien und Stämmen und die Diversität der Ökosysteme die Vielfalt von Biomen
, Landschaften, Ökosystemen und ökologischen Nischen.Biodiversität hängt meist mit der Grösse zusammen. Nimmt die Größe einer Population ab, so verringert sich die Diversität der Gene. Wird eine Population sehr klein, schränkt das die Vermehrungsfähigkeit ein und es kann zum Aussterben dieser Population bzw. dieser Art kommen. Eine Abnahme der Diversität der Gene kann so auch zu einer Verringerung der Diversität auf der Ebene der Arten führen.
Biodiversität, also eine hohe Vielfalt, ist wichtig für die "Pufferung" des Biosystems gegenüber unerwarteten Einflüssen. Eine hohe Diversität bedeutet eine hohe Chance, dass das richtige Muster, der richtige Baustein, für die Anpassung an eine sich verändernde Umwelt, im System noch vorhanden ist. Eine hohe genetische Diversität gewährleistet eine bessere Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Umweltbedingungen und mindert die Aussterbewahrscheinlichkeit einer Art.
Bereits die traditionelle Landwirtschaft hat die natürliche Vielfalt aber enorm reduziert. Die Landwirtschaft nutzt heute global 21 Tier− und 7000 Pflanzenarten, wovon sieben Tier− und dreißig Pflanzenarten die Hauptquelle der menschlichen Ernährung darstellen. Diese dreißig Pflanzenarten bilden mit insgesamt etwa 95% die Hauptnahrungsquelle für die Menschheit. Davon wiederum entfallen ganze 56% auf nur drei Arten: Weizen, Mais und Reis. Alle drei werden zur Zeit dazu noch massiv genetisch manipuliert. Alle drei basieren auf einer Katastrophenwirtschaft.

Die moderne
Pflanzenzüchtung entstand Ende des 19. Jahrhunderts und löste sich von der bis
dahin gültigen einfachen Massenauslese ab. Sie basierte vor allem auf den
wieder entdeckten Erbgesetzen Gregor Mendels (1822 − 1884), der Mitte des 19.
Jahrhunderts ein theoretisches Modell für die Weitergabe bestimmter
Eigenschaften auf die nächsten Generationen entworfen hatte. Auf dieser
Grundlage konnte die Kombinationszüchtung systematisch entwickelt und
ausgebaut werden, indem bestimmte, ungewünschte Merkmale ausgekreuzt oder
gewünschte Merkmale eingekreuzt wurden. Das Endprodukt ist eine so genannte
"reine Linie", also eine Sorte, die in ihren Merkmalen stabil ist und diese
auf die nächsten Generationen reproduziert.


Die moderne Landwirtschaft basiert nur auf relativ wenigen Pflanzenarten und −sorten. Besonders in den Industriestaaten wird in der Landwirtschaft überwiegend eine relativ kleine Anzahl an Hochleistungssorten
50 angebaut. Beispielsweise werden in Deutschland auf den etwa 17,3 Mio. Hektar landwirtschaftlich und gartenbaulich genutzten Flächen auf 6,4 Mio. Hektar (ca. 37%) nur sieben Getreidearten mit jeweils nur wenigen Sorten angebaut (vgl. Oetmann−Mennen/ Begemann 1998: 42).
Auf dem indischen Kontinent wurden früher ca.50.000 verschiedene Reissorten angebaut. Nach der Grünen Revolution sind es vor allem zehn dominante Reissorten, die drei Viertel der Anbauflächen beherrschen und insgesamt nur etwa 30 − 50 Sorten, die weiterhin angepflanzt werden. In Indonesien sind etwa 1.500 regional angepasste Reissorten ausgestorben um die notwendige Anpassungsfähigkeit der Nutzarten an sich wandelnde Umweltbedingungen, wie neu auftretende Krankheiten, resistente Schädlinge oder Klimawandel zu gewährleisten, muss, wie erwähnt, in die Nutzarten ständig neues genetisches Material eingekreuzt werden. Dieses genetische Material stammt aus der ständig abnehmenden Agrobiodiversität der traditionellen lokalen Landsorten.
Pflanzenzüchtung erfolgt:
zur Verbesserung von Krankheitsresistenzen bei Nutzorganismen
zur Erhöhung der Erträge
zur Veränderung von Produkteigenschaften (z.B. Fettsäurezusammensetzung beim Rapsöl)
zur Einführung neuer Produkte (z.B. Lein, Hanf)
Gentechnische Veränderungen erfolgen meist zur Erhöhung der Herbizidtoleranz.
Aus denselben Gründen dominieren einige wenige Arten im Agrarsystem, nämlich die wenigen "leistungsfähigen" Genotypen innerhalb der Arten, denen zudem optimale Bedingungen durch Dünger, Pestizideinsatz und Mechanisierung der Landwirtschaft geschaffen werden müssen.
Die Pflanzenzüchtung ist aber regelmäßig auf neue genetische Ressourcen, also auf das Einkreuzen von traditionellen, aus den Ursprungsländern kommenden, bzw. noch nicht hochgezüchteten Landsorten, angewiesen.
Die verlorenen Sorten stehen nicht mehr für mögliche Einkreuzungen zur Verfügung, womit bestimmte Eigenschaften, wie Resistenzen oder andere Qualitäten, verloren gehen (auf die bei der gebräuchlichen Kreuzung noch kaum geachtet wird). Die Abnahme der Sortenvielfalt ist nun kein natürlich stattfindender Prozess, sondern vor allem durch tief greifende Veränderungen im landwirtschaftlichen Bereich zu erklären. Diese Veränderungen sind direkt auf staatliche Politik und die Interessen von ZüchterInnen bzw. der Agroindustrie zurückzuführen. Gegenbewegungen, wie Pro Spezie Rara, die der Erhaltung alter Rassen dienen, sind also sehr zu begrüssen und zu fördern.

http://www.biopiraterie.de/texte/basics/wullweber_1kap.pdf
Meine Meinung:
Gentechnik ist -
beim heutigen Wissensstand -
und reduktionistisch-disziplinärem Forschungsansatz -
ein wildes Gebastel -
mit massiven Risiken.
Gentechniker können heute einen grossen Teil der DNA kartieren, Teile identifizieren, extrahieren und wieder einfügen. Man weiss aber immer noch von nur einem kleinen Teil der Gene, was sie wie bewirken. Gene produzieren ja nichts als Proteine, die dann in einem komplexen, und noch kaum verstandenen Zusammenspiel, sich zu einem Organ zusammenfügen das sich in einen Organismus integrieren muss.
Dazu ein Beispiel aus der traditionellen Genetik, der Selektion trockenresistenter Bäume (s. Tannenforschung). Drei Jahre intensivster Forschung (1985-88) haben vor allem gezeigt, dass:
Dennoch wird die Anwendung und Freisetzung mit aller mobilisierbaren wissenschaftlichen Autorität propagiert. Offensichtlich wird Gentechnik von Gnostikern betrieben, die 1. über göttliche Eingebung verfügen und für die 2. Gott, als Demiurg, eh einiges verpfuscht hat, dass von ihnen wieder in Ordnung zu bringen wäre.
Martin Herzog, Dipl. Ing. ETH, Rheinfelden. 14.01.05
Diese Meinung wurde gerade recht brutal bestätigt durch den Versuch mit dem Antikörperpräparat TGN1412, der in England 6 Männern beinahe das Leben gekostet hätte. TGN1412 hätte T-Zellen stimulieren sollen, die das Immunsystem bremsen, also Autoimmunkrankheiten wie Multiple Sklerose und Rheumatoide Arthritis verhindern könnten. Statt das Immunsystem herunterzufahren wurde es aber massiv überstimuliert. Als Spätfolge des Versuchs zeichnet sich bei einer der 6 Versuchspersonen sogar Lymphdrüsenkrebs ab.
[Richard Manning: Das befreite Genom. Lettre International Winter 2004. S. 108-111]
Potrikus erfuhr mit seinem gelben Reis schmerzhaft, dass es nicht nur der Widerstand der Konsumenten ist, an dem die Gentechnologie anstösst, sondern, und sogar noch härter, die Patente. Die Produktion des "gelben Reises" verletzten siebzig Patente die sich in den Händen von 32 verschiedenen Firmen befinden. Die Rockefeller-Stiftung musste 2 Millionen $ aufwenden und drei Jahre lang Verhandlungen führen, bis mit Syngenta International und Monsanto Verträge geschlossen werden konnten, welche es überhaupt erst erlaubten, den gelben Reis zu produzieren. Dies, obwohl die gesamte Arbeit von Potrikus über 10 Jahre mit öffentlichen Mitteln finanziert worden war.
Hier wird also nicht Markt gespielt, sondern Monopoly. Für weitere wichtige Grundnahrungsmittel wie Maniok, Tef (das Grundnahrungsmittel für 68 Millionen Äthiopier) oder Favabohnen ist es mehr als zweifelhaft, dass jemand 2 Millionen für Lizenzvereinbarungen aufwirft.
Allerdings gibt es Alternativen, die zudem obige Kritik auflösen. Richard Jefferson, Biotechnologe, kritisierte, dass die Gentechnik, trotz ihrer Grosstuerei, nur auf einigen wenigen leistungsfähigen Genen beruhe, die jeweils nur eine einzige Funktion haben. Ihr Denken sei also digital:
Genome funktionieren jedoch nicht digital sondern analog. Obwohl die DNA, also die Gene selbst, digital aufgebaut sind, machen Regulierung und Expression der Gene das Ganze viel unübersichtlicher. Das Genom einer Pflanze ist ein unvorstellbar kompliziertes Milieu, das ständig auf sich reagiert und mit sich selbst interagiert.
Die Synthenie versucht also, bestehende Gene neu zu regeln, zu aktivieren oder zum Schweigen zu bringen.
Susan McCouch's Kartierung der 40'000, auf zwölf Chromosomen verteilen Genen des Reises war ein spektakulärer Durchbruch (publ. 1988). Obwohl Reis das wichtigste Nahrungsmittel der Armen der Welt ist, wird vorwiegend in Forschung zur Verbesserung der industriellen Hauptprodukte Weizen und Mais investiert. Da aber, nach Weizengenetiker Michael Gale, die Genomkarten von Reis, Weizen, Mais und allen anderen wichtigen Getreidearten, die zwei Drittel der gesamtem menschlichen Ernährung ausmachen, wie russische Puppen ineinander passen, lässt sich die Erkenntnis übertragen. Was es beim einen gibt, gibt es auch beim andern. Der Reisschlüssel passt auch in die Bibliothek des Weizens und der anderen Getreide.
McCouch entdeckte aber auch, dass sich enorme
Ertragssteigerungen und Resistenz gegen Schädlinge erzielen lässt, indem man
Reiszüchtungen mit wilden Varianten kreuzt. In China konnte durch dieses
einfache Verfahren eine Ertragssteigerung von 30% bei der besten Hybridsorte
erzeugt werden. In Mexiko liessen sich Maissorten auf Resistenz gegen einen
verheerenden Virus züchten, obwohl keiner der Elternteile diese Resistenz
aufwies. Die wilden Gene sind also viel leistungsfähiger als bisher
angenommen, und ihr Potential lässt sich ohne jede genetische Manipulation
erschliessen. Dies zeigt auch, wie wichtig es ist, die wilden Urrassen
zu erhalten und vor genetischer Veränderung zu schützen.
Bereits ohne Genmanipulation wurden Betalaine, Antioxidantien, Schwefelverbindungen und Tannine gerne weggezüchtet, da sie oft für grelle Farben und strenge Geschmäcker verantwortlich sind. So wurden unsere Äpfel (wie anderes Obst und Gemüse) immer mehr einem Massengeschmack angepasst und immer geschmackloser. Auf Grund der Massenproduktion ging dabei auch noch die Sortenvielfalt zurück. Heute zeigt sich jedoch, dass oft gerade diese Stoffe nicht bloss der Pflanze selbst gegen Schädlinge und Krankheiten helfen, sondern auch beim Menschen Krebs verhindern. Auch aus gesundheitlichen Gründen wäre eine grössere Vielfalt und Verbreitung ursprünglicher Rassen also wünschbar. Das erfordert aber, die Konsumenten wieder auf den Geschmack zu bringen, ihn über die Inhaltsstoffe aufzuklären und dazu zu bringen, für diese "inneren Werte" auch einen entsprechenden Preis zu bezahlen.
Was das Problem der Patente betrifft, so gibt es offensichtlich mehrere Auswege, die teuren Monopole rechts liegen zu lassen. Richard Jefferson gründete hiezu einen Genetic-thinktank namens cambia. Die von den beteiligten Wissenschaftlern dort präsentierten Techniken können und dürfen von andern Wissenschaftlern, vor allem in der dritten Welt, frei genutzt werden. Jefferson nennt dies: invent around, technologische Kniffe, die es erlauben, rechtliche wie politische Widerstände zu umgehen. (Man sollte also vielleicht doch ein Auge drauf haben, was sich da tut ...).
HATS (homologe allelische Rekombinationstechnik, engl. Abkürzung) bewirkt eine Art Neuausrichtung des gesamten Genoms, woraufhin es sein Unterprogramm selbst schreibt. Es wird also kein Gen eingepflanzt, sondern bloss quasi die "Idee" von einer Pflanze geholt. Die angestrebten Veränderungen führt die behandelte Pflanze dann selbst durch.
Durch Apomixis (asexuelle Fortpflanzung) soll auch der Nachteil (für die Bauern, Vorteil für die Samenproduzenten) von Hybriden umgangen werden, deren Samen unfruchtbar sind. Durch Apomixis würden identische Nachfahren erzeugt, welche alle Leistungsmerkmale der Hybriden erhalten.
Cambia sieht diese Technologien als enabling technologies, die für privatwirtschaftliche wie öffentliche Entwickler frei zur Verfügung stehen -so ähnlich wie open source (Linux z.B.) im IT-Bereich.
1.3.05
Links:
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Apropos Bücher
... brauchen Sie |
Gentechfrei-Initiative SAG (Schw. Arbeitsgruppe Gentechnologie)
Research and Patenting in Biotechnology. A Survey in Switzerland:


s. auch:
Die Grundlage der Pharmaindustrie und Biotechnologie:
Kommentar zum Reistheater: Die in kleinsten Spuren (0.01% = 1 von 10'000 Reiskörnern) gefundenen LL 601, die zur Einlagerung von tausenden von Tonnen geführt hat, ist mediales Theater. Das Allel LL 601, ein Protein, inaktiviert Phosphinothricin, ein Herbizid, ist also weder Plutonium noch Strichnin oder was ähnliches. Das ganze Theater war also vermutlich eher ein PR-Warnschuss gegen die US-Landwirtschaft als eine ernst zu nehmende Warnung vor Gesundheitsschäden. - Was aber trotzdem nicht für genetisch veränderte Nahrungsmittel spricht. Aber dafür dagegen zu sein gibt es ausreichend vernünftige Gründe, auch ohne Theater. s.o.
Vorschlag für eine problem-lösende statt problem-verursachende Subventionierung von Nahrungsmitteln:Gemüse und Obst für die Gesundheit - statt Pharma Menschen mit tiefen Einkommen, also Einkommen im Bereich des Existenzminimums, leben von Reis, Nudeln, Speck, billiger "entvitaminisierter" Fleischwurst (10.- Fr das Kilo), Zwiebeln & Knoblauch (wichtig, da Abwehrstoffe!), Bohnen, Käse (wichtig als Proteinlieferant), Brot, Butter, Milch, Tee und Kaffee ... und Gewürze - leider aber keine frischen Kräuter - obwohl gerade diese eigentlich meist Heilmittel währen, also auch für die Gesundheit präventive Wirkung hätten. Den
Armen wird also das Leben verkürzt Zu den gesunden Nahrungsmitteln zähle ich nun z.B. den golden rice gewiss nicht. Aber dieser verdeutlicht das Problem. Genmanipulation ist ein kapitalintensives Unternehmen, dass zu zentralistischen Strukturen führt, dem Individuum aber nur Standardlösungen bietet. Dieses Problem, die gesunde Ernährung, liess sich aber über tausende von Jahren lokal lösen, und sie lässt sich weiter und mit viel mehr Gusto lokal lösen. Vorschlag:
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