Musik als Sprache der Gefühle ______________________________________________________________
[Bildatlas der Sprache. Aitchison, Murdoch, Comrie; Matthews, Polinsky (Hrsg.) Nikol Verlag. Hamburg 2007]
Sprache formt den Menschen - wurde und wird aber auch durch ihn geformt. Sprache, so wird heute angenommen, entstand vor ca. 100'000 Jahren vermutlich in Ostasien und verbreitete sich innert 50'000 Jahren nach Westasien. Schimpansen können durch Training etwa das abstrakte Verständigungsniveau eines zweijährigen Kindes erreichen. Die Sprache von Delphinen und Walen ist nach wie vor nicht entschlüsselt. Die Verständigung mit "Ausserirdischen" dürfte dem entsprechend noch um einiges schwieriger werden ...
Die Neandertaler hatten auf Grund ihrer Kehlkopflage ein bloss beschränktes Artikulationsvermögen (das allerdings heute noch vielen genügt: hä? aha! ä'ä. In 5000'000 Jahren entwickelt aus der Urform: Variante: uh? uga! pss.) Die hohe Lage des Kehlkopfs findet sich noch heute bei Neugebohrenen. Er senkt sich dann nach und nach ab - mit dem Nachteil, dass der Mensch nicht gleichzeitig Atmen und Essen oder trinken kann, da er sich sonst verschluckt. Die Neandertaler entwickelten bereits ein komplexes soziales Verhalten mit Pflege der Alten und Kranken, und Bestattung. Spätestens vor 40'000 Jahren trat die moderne Form des Sprechens auf, als es auf den Gebieten Kunst und Technik (Stein-Werkzeuge, Hüttenbau, Vorratsschächte ...) eine starke Entwicklung gab. (s. älteste Höhlenmalerei).
In welchem Sinne es sich um "Kunst" handelt, ist hier eben so umstritten wie angesichts moderner Kunst. Man nimmt heute eher an (oder genau so wie heute?), dass diesen gemalten Abstraktionen eine magische Wirkung zugeschrieben wurde, also dass damit der Jagderfolg begünstig werden sollte.
Bereits 1787 fand eine in Petrograd publizierte Studie 279 Sprachen: 171 für Asien, 55 für Europa, 30 für Afrika und 23 für Amerika. Heute sind ca 5-6000 Sprachen bekannt die sich in etwa ein Dutzend Hauptgruppen einteilen lassen:
Das Indogermanische (s. Karte von H.J. Holm) gehört zum Uralischen Sprachbereich. Aus seinem Kernland, den Steppen nördlich des Schwarzen Meeres, hat es sich nach Indien; in den Iran; zu den Tocharern (Westliches China); zu den Armeniern, Griechen, Albanern; Kelten und Römern, Slawen; Balten und Germanen verbreitet. Erkannt wurde die Verwandtschaft dieser Sprache anhand der Deklination: Sanskrit: asmi, asi, asti, smas, stah, sunti entspricht formell präzise dem lateinischen sum, es, est, sumus, estis, sunt. Detaillierte Vergleiche zeigten eine Menge weiterer Aehnlichkeiten in den Grundstrukturen dieser Sprachen.
Die Sprachenfamilien der Welt: Die Uebersicht macht die Dominanz Indoeuropäischer Sprachen deutlich, erklärt aber auch sofort, warum es geographisch eigentlich gar nicht verwunderlich ist, dass es in Europa zwei Länder gibt, die eine Uralische Sprache sprechen (Finnland und Ungarn), denn gar so weit weg ist deren Ursprung gar nicht. Wäre das Osmanische Reich etwas dynamischer gewesen, und mit Seefahrern ausgestattet, wäre diese Karte heute vielleicht eher Olivgrün.

Hat sich in den letzten 15'000 Jahren verbreitet, ausgehend von den Steppen nördlich des Schwarzen Meeres. Die Lingua franca im Europa der mittleren Breite war zur Eisenzeit das Keltische ("Gallisch"), südlich Latein, nördlich germanisch. Letzte Ueberbleibsel der keltischen Sprache sind das Bretonische (1 Million Sprecher) und Walisische (1/2 Million). Das Kornische ging bereits im 18. JH unter (wird allerdings "wiederbelebt"), Manx (von der Isle of Man) mit dem letzten "Ureinwohner" um 1974. Schottisches und irisches Gälisch (Gallisch, Keltisch) überlebt noch auf den Hebriden und an der Westküste Irlands..
Kaukasus: Ein Sonderfall, eine Reminiszenz an die alte Sprachvielfalt der Vorgeschichte. Die Sprachen sind isoliert, quasi "fossil", mit keiner anderen Sprachfamilie verwandt.
Das Georgische hat hier eine lange literarische Tradition seit dem 5. JH bC. Alle kartvelischen Sprachen sind für ihre komplexe Morphologie und die vielen Handlungsarten des Verbs bekannt.
Der letzte Sprecher des abchasisch-adygeischen Ubychisch ist 1992 gestorben. Wie die andern abchasisch-adygeiischen Sprachen hatte es enorm viele Konsonanten (80) bei einer sehr tiefen Vokalanzahl (2-3).
Unter den venachisch-dagestanischen Sprachen wird das Tschetschenische am häufigsten gesprochen (1 Mio), Awarisch und Lesgisch mit je 400'000. Tabassaranisch galt als Sprache mit den reichlichsten Fallkonstruktionen.Tsez hat deren 59, die zumeist eine räumliche relative Position und Bewegung bezeichnen (auf, unter, neben / weg, zu)
Baskisch: Eine isolierte Sprache ohne Verwandte, also ebenfalls ein Fossil. Allenfalls verwandt mit den kaukasischen Sprachen, die allerdings auch Bezug haben zum sino-tibetischen und den Nadene-Sprachen in Nordamerika.
Finnisch, Lappisch, Estnisch und Ungarisch gehören nicht zur indoeuropäischen, sondern, wie das Türkische, zur altaischen Sprachengruppe, die ein äusserst komplexes Fallsystem aufweist: 15 im Finnischen, 17 im Ungarischen, mit denen räumliche Bezeichnungen wie "hinauf" und "weg von" ausgedrückt und direkte wie indirekte Objekte eines Verbs gekennzeichnet werden.

Nach dem Altai benannt, stammen sie von noch weiter östlich, aus Zentralasien, wo sie heute auch noch am stärksten verbreitet sind. Nebst den Hauptgruppen der relativ homogenen türkischen (155 Millionen Sprecher!), mongolischen und tungusischen Sprache scheint auch das Japanische eine entfernte Verandtschaft zu dieser Gruppe aufzuweisen. Die Vielfalt ist weitaus grösser als sie hier dargestellt werden kann. Alleine die Turksprachen lassen sich in 40 Einzelsprachen aufteilen, die zwar relativ eng verwandt sind. Dominant sind allerdings, neben dem Türkischen selbst: Azeri, Usbekisch, Kasachisch, Uigurisch, Turkmenisch, Tatarisch und Kirgisisch:


Japanisch, ebenfalls eine Sonderform, nicht mit dem Chinesischen verwandt, obowhl es dessen Schrift verwendet, sondern eher mit dem Koreanischen, gehört also tendentiell zum altaischen Stamm (Mongolisch, Mandschu) ... hat aber starke austronesische Einflüsse. Die Japanische Schrift ist damit noch komplizierter als die Chinesische.
Im Fernen Osten gibt es noch Ketisch, (Jenisseisch: Paläosibirisch), Jugakirisch, und Niwchisch (2000 Menschen am Amur und auf Sachalin), die sich nicht zuordnen lassen.
Zur tschuktschisch-kamtschadalischen Familie gehören noch Alutorisch, Itelmenisch, Kerekisch, Korjakisch und Tschuktisch. Alle sind stark durch das Russische verformt und haben nur noch wenige Sprecher.
Ebenso Ainu, dass noch auf Hokkaido und den nördlichen Japanischen Inseln gesprochen wird. Diese isolierte Sprache könnte sich aber auch vor 10'000 Jahren von Japanisch/Koreanisch abgespalten haben.
In Südasien dominieren zwei Sprachfamilien, Drawidisch und Indo-Iranisch (ein Zweig des Indo-Germanischen). Munda und Tibeto-Birmanisch sind hingegen viel weniger verbreitet. Dieses Indo-Arische weist über 100 Einzelsprachen auf mit über 1 Milliarde Sprechern.
Hindi. die Amtssprache Indiens, und Urdu, die Amtssprache Pakistans, sind eigentlich bloss zwei Dialekte.


In Südostasien sind vier Sprachfamilien vertreten: Tibetisch-Birmanisch, Tai-Kadai, Mon-Khmer, und Hmong-Mien (Südchina), zumeist Tonsprachen, d.h. Sprachen, bei denen die Tonhöhe mit bestimmend ist für die Wortbedeutung. Standart-Thai kennt 5 Töne, Laotisch 6, Kam-Sui-Sprachen sogar 15. Die beim Schreiben verwendete Sanskrit-Schrift hat hier spezifische Zeichen für den Ton (wie die Arabische für die eigentlich nicht geschriebenen Vokale). Das Tai-Kadai wurde lange zum Sino-Tibetischen gezählt, da es einigen Wortschatz und Lautsysteme mit südchinesischen Varianten des Kantonesischen gemein hat. Heute nimmt man eher an, dass es sich um Vermischung der beiden Sprachen handelt.
Die austrische Hypothese, also die Annahme, die 4 Sprachen seien verwandt oder aus einer gemeinsamen Wurzel entstanden, ist strittig.

Sino-Tibetisch bildet mit 1.3 Millionen Sprechern die zweitgrösste Sprachfamilie der Welt, nach dem Indogermanischen. Nach der Anzahl ihrer Sprachen (etwa 340) nimmt sie weltweit den fünften Rang ein, hinter Niger-Kongo, Austronesisch, Trans-Neuguinea und Afroasiatisch. Die Unterschiede zwischen den chinesischen "Dialekten" sind allerdings so gross wie etwa der Unterschied zwischen Italienisch und Französisch - oder Schwedisch und Deutsch.
In der chinesischen Sprache werden grammatische Kategorien (Fälle, Zeit, Geschlecht etc.) nicht durch Endungen ausgedrückt, sondernd durch beigefügte unabhängige Wörter, sog. Partikel. Auch hier spielt die Tonhöhe (4 Töne: hoch, steigend, fallend-steigend, fallend. Z.B. anhand des Wortes fan: segeln/Aerger/drehen/Reis - also nicht Bedeutungen, die irgend einen Zusammenhang haben, was zu vielen seltsamen Aussagen bei Chinesisch Lernenden führt) eine entscheidende Rolle.
Das Tibetische hat sich bereits vor 6000 Jahren vom Chinesischen abgespalten und in 8 bis 9 Familien, 250-300 Sprachen aufgefächtert. Als Schrift wurde die Indische übernommen und angepasst, und dies bereits 600 BC im Tibet, 1100 BC in Birma (Myanmar).


Die wichtigsten Sprache Nordafrikas ist das Arabische, das in verschiedenen Formen von übe 200 Mio Menschen gesprochen wird. Sie dürfte die grammatisch-logisch am besten durchstrukturierte Sprache sein. Aus einer Wurzel, im Normalfall von 3 Konsonanten, lassen sich, regelgeordnet, ebenso die Formen von Zeit, Geschlecht, Fall, Passiv etc. ableiten. Allerdings sind der Regeln viele - und der Ausnahmen ebenso. Also ich hab in den vergangenen 30 Jahren nicht mehr als ein umgangssprachliches Niveau hingekriegt ....
Aethiopien ist hier ein ziemlicher Sonderfall. Liste der Sprachen Aethiopiens. Nicht nur 4 Sprachen, sondern 4 Sprachfamilien mit reichlich Einzelsprachen sind hier vertreten:



Bantu s. Volta-Kongo-Zweig der Niger-Kongo-Sprachen Bei diesen entscheidet, wie beim Chinesischen und Austroasiatischen Sprachen, die Tonhöhe über die Bedeutung. Sehr komplex ist die Bildung von Nominal-Klassen, die komplexe Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Wörtern bezeichnen wie etwa Frauen, Wolken, Bäcker, Flüsse, Kuh, Löwe, Ahne, Sitte, Kochen ... Die Fulani kennen 18 Klassen: Häuptlinge, Vorratsgefäss, Moskitos, Krokodil, Getränk, Land, Feuer, Schlafdecke, Grashütte ... (In Anbetracht der Schwierigkeiten die wir selbst mit unseren Kategorien haben, sollte man sich nicht voreilig darüber lustig machen.) Die Ausformung solcher Sprachstrukturen ist das Resultat komplexer Interaktionen von Gesellschaft mit Umwelt, weshalb Lévi_Strauss darauf gesetzt hat, eben solche Strukturen zu erkennen um unterschiedliche Völker besser verstehen zu können. Es war bekannt, schulisch trainiert, dass die Inuit etwa 20 Wörter haben sollen für Schnee. Offenbar ein Mythos. Sicher aber setzen sie sich mit Schnee mehr auseinander als ein Bewohner der Tropen. Umgekehrt haben die Shona offenbar rund 20 (sic!) Ausdrücke für "gehen", die wir durch Wortkombinationen ausdrücken müssen: chakwair: durch Schlamm gehen; duduck: rückwärts gehen; ridimar: freimütig schreiten; vefuk: unter einer schweren Last gebückt gehen etcetc. [S. 89] Im Irak etwa gibt es 120 unterschiedliche Varianten von Datteln (Dattelpalmen). Nimmt man dazu noch unterschiedliche Reifung, Grösse, Süsse, Qualität etc, versteht sich leicht, dass sich hier ein enormer Wortschatz entwickelt hat ... der heute allerdings nicht sehr gefragt ist. Aehnlich die Wakasch-Sprache Nuuchahlnuth (Eskimo-Aleutisch) im Westen der Vancouver Inseln, Kanada, die über ein extrem reiches Vokalbular verfügen, um Lachsvarianten zu bezeichnen.


Die grösste Sprachenvielfalt (na ja, allenfalls von Niger-Kongo übertroffen) herrscht im indopazifischen Raum, insbesondere auf Neuguinea und den Melanesischen Inseln (> 1000 Sprachen), Indonesien (200 Sprachen), Philippinen (70). Die Urheimat dieser Sprachfamilie scheint Taiwan zu sein. (Sprachenkarte Formosas vor der Einwanderung der Kuomintang). Zwischen 3000 und 2000 BC wurden von hier die Philippinen und Molukken besiedelt. Um 1000 BC ganz Ozeanien, und im 1. Jahrtausend unserer Zeitrechnung auch noch die letzte Insel: Madagaskar. Vanuatu hat, mit bloss 150'000 Einwohnern, über 105 unterschiedliche Sprachen.
Dieses Total von 1150 Sprachen wird von über 300 Milionen Menschen gesprochen. Noch eindrücklicher ist die räumliche Ausdehnung von Madagaskar bis zu den Osterinseln, von Taiwan bis nach Neuseeland. Erstaunlich sind hier die Philippinen, welche (unter Entwicklungsländern) die höchste Alphabetisierungsrate haben: 100%, trotz der enormen Sprachenvielfalt (die Schweiz ist mit 4 Sprachen, gegenüber den 70 auf den Philippinen, ja echt ein Waisenknabe). Aehnlich die Yali von Irian-Jaja: Knapp 2 Millionen Menschen sprechen 250 Sprachen.
Die Sprachenvielfalt Papua-Neuguineas wird damit erklärt, dass:
a) kulturelle Unterschiede hoch bewertet werden. Man grenzt sich vom Nachbarstamm ab - auch durch eine eigene Sprache, welche die Gruppenidentität stärkt. (s. Schweizerdeutsch, Bayrisch etc.)
b) Unterstützt wird dies durch zerklüftete Gebirge (weshalb ja auch die Walliser so seltsam reden oder die Basken immer noch eine isolierte, anderswo längst ausgestorbene Sprache pflegen.)
Interessant an dieser spezifischen Grammatik ist ein Unterschied zwischen persönlichem Pronomen Plural (wir) mit und ohne Einbezug des/der Angesprochenen, was die Bedeutung sozial präziser Ausdrücke betont.
MehrsprachigkeitDie Schweiz hält sich einiges zugute für ihre politische Stabilität - trotz 4 Sprachen. Sie steht allerdings in der Welt nicht alleine da als mehrsprachiges Land. Es gibt da noch weitaus extremere Fälle. Die Hälfte der Weltbevölkerung ist zwei bis mehrsprachig. In Kameroun z.B. mindestens zwei lokale und eine Fremdsprache, Französisch. Mehrsprachigkeit fördert das Bewusstsein für Sprachen - und ihre Willkürlichkeit einerseits, ihre Traditionsgebundenheit andererseits. |
Mehrsprachigkeit ist hier der Normalfall, da sich bei derart wenig Sprechern pro Sprache alle Beziehungen extrem verdünnen würden. Es ist also normal, dass Vater und Mutter zwei Sprachen sprechen, die Grosseltern ev. nochmals andere, und die Kinder also mehrsprachig aufwachsen. Oft haben sich die lokalen Sprachen dann auch mit der Sprache der Kolonisatoren vermischt (melanesisches Pidgin), und die möglichen Handelsbeziehungen weiter entwickelt. Hier könnte sich also das Geheimnis der Hadramis lüften (Einwohner des Hadramaut, im südlichen Jemen), die seit jeher als gewiefte Händler bekannt sind. Die reichsten Saudis stammen aus der Gegend. Was das mit Indonesien zu tun hat? Indonesien ist mit 240 Millionen Einwohnern der Bevölkerungsreichste islamische Staat - und die Mehrheit der arabischen Einwanderer stammt, eben, aus dem Hadramaut.
Die Arborigines haben Australien bereits vor ca. 50'000 Jahren besiedelt. Zur Zeit der englischen Uebernahme 1788 gab es etwa 700 Stämme (0.5 bis 1 Million Menschen) - jeder mit seinem eigenen Idiom, die sich zu 250 Sprachen zusammen fassen lassen, die komplizierte Sozialstrukturen abgebildet hatten. Auch die Sprachen der Arborigines kennen den unterschied zwischen einschliessendem und ausschliessendem Wir. Keine dieser Sprachen hat irgend eine Beziehung zu einer anderen Sprache der Restwelt (Begriff analog zum walliser <Uesserschwiiz>, die äussere Schweiz, die Restschweiz). Viel der australischen Sprachen sind mit der Kolonialisierung verloren gegangen. Diejenigen die überleben konnten, taten dies vor allem im heissfeuchten tropischen Nordwesten (Northern Territory: Darwin). Zur Weitergabe, besonders von Mythen, wurden nebst einer Zeichensprache auch ein Fadenspiel genutzt. Begriffe aus diesen Sprachen, die heute weltweit genutzt werden sind etwa: Wallaby, Koala, woomera (Bumerang) - nicht aber das Didgeridoo, das seine Bezeichnung offenbar eher besoffenen Iren verdankt.
Noch übler erging es den Bewohnern von Tasmanien, die um 1830 auf die Isel Flinders verbannt wurden, wo sie an den neuen importierten Krankheiten - und Alkohol - starben.
Aehnlich wie Australien und Tasmanien ging es Nord- und Südamerika. Die reiche Sprachkultur, mit dutzenden von Sprachfamilien, die vielfältiger war als das gesamte Indogemanische, wurde praktisch ausgelöscht.
Da keine Dokumente erhalten sind, ist eine vermutete Verwandtschaft amerikanischer Sprachfamilien ("Indianische Sprachen") mit dem Sino-Tibetischen zwar plausibel, aber dennoch hochgradig hypothetisch. Ausnahme: Das Eskimo-Aleutische im Norden. Hier waren (vor der globalen Erwärmung) Kontakte über das Polareis immer möglich. Wie weit die Wikinger mit ihren Booten gelangt sind, ist hingegen strittig.


Auf Grund der Unzugänglichkeit vieler Regionen und damit Völker und Stämme in den Urwäldern und Gebirgen, haben in Südamerika mehr Ureinwohner überlebt als auf dem nördlichen Halbkontinent. Wie in Ostasien sind Wortbedeutungen häufig von Ton-Höhe abhängig.
Pidgin-Sprachen sind Mischsprachen, die im Kontakt mit Nachbarn oder den von Invasoren eingeführten Sprachen entstanden. Bereits im 16. JH entstand um Malakka ein portugiesisches Kreol und ein chinesisch-malayisches. Es gibt also Kreolsprachen vor allem auf der Basis von Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Holländisch und Afrikanisch. Wird eine solche Mischsprache zur Muttersprache, heisst sie Kreolsprache.
Während dem sich die Sprache in den letzten 100'000 Jahren entwickelt hat, ist die Geschichte der Schrift weitaus kürzer. Die ersten als Symbole verwendeten Vollobjekte (Kugeln, Scheiben, Kegel, Zylinder) wurden in Choga Mish im Iran (Ostrand von Mesopotamien) gefunden und sind rund 10'000 Jahre alt. In Uruk wurden sie 3400 BC offenbar in grosser Zahl benutzt. Man vermutet, dass sie zur Buchhaltung über die als Steuern eingenommenen Waren dienten. In der 2. Hälfte des 4. Jahrtausends BC wurden diese Objekte durch einfache beschrieben Tontafeln ersetzt. In eben dieser Zeit entstand die 1. Schrift der Welt, die sumerische Keilschrift. Diese war weder eine phonetische, wie unsere, noch eine Silbenschrift, sondern eine pictographische, also abstrahierend symbolische, wie die chinesische heute noch. s. Symbolentwicklung von Urform über Hamurabi, Assyrisch und Neubabylonisch. Nach und nach entstanden so auch Symbole für einzelne Buchstaben. Der persische König Dareios etwa entwickelte eine altpersische Silbentabelle, mit 41 Zeichen ein gewaltiger Fortschritt gegenüber den Sumerern, Babyloniern und Assyrern, die noch hunderte von Symbolen benötigten.
Ein erster Beleg für die total eigenständig entstandene ägyptische Hieroglyphenschrift stammt von 3100 BC, König Narmer, ist also nur 300 Jahre jünger als die sumerische Keilschrift. Aus der Bildschrift der Hieroglyphen entwickelte sich nach und nach die hieratische Schrift, mit deutlich weiter gehender Abstraktion, und daraus ab dem 6. JH BC die demotische Schrift. Der Stein von Rosetta, auf dem der selbe Text in Hieroglyphen, demotischer Schrift und Griechisch eingemesselt war, erlaubte Champollion die Entzifferung der Hieroglyphen.
Lautzeichen, also das was heute alleinige Funktion unseres Alphabets ist, gab es 26, aber dazu auch 100 bikonsonantische Zeichen und 50 trikonsonantische.
Die ägyptische Wortwurzel enthielt meist 3 Konsonanten, während die vokalischen Werte fehlten - was heute noch präzise so ist in der arabischen Sprache.
Die Proto-Sinai-Schrift, die eine semitische Sprache trägt, scheint sich recht frei aus altägptischen Hieroglyphen entwickelt zu haben. Ihre Entwickler und Träger waren westsemitische Kanaanäer. Aus dieser Sprachgruppe stammt auch das Hebräische, die einzige Sprache die überlebt hat, oder vielmehr wieder belebt wurde.
Ugaritisch war ab ca. 1500 in diesem nordsyrischen Stadtstaat gebräuchlich. Eine nordwestsemitische Sprache. Dieses erste reine Silbenalphabet wurde vom 14. JH BC bis zur Zerstörung der Stadt (70 BC) verwendet. Heute findet sich an dem Ort, an der Libanesischen Küste, Ras Shamra.
Die äethiopische Schrift (Geetz) hat sich aus dem hymiaritischen (altsüdarabischen, Jemen) Alphabet entwickelt. (Die neusüdarabischen Sprachen wie Socotri, Mehri etc. knüpfen offenbar nicht an das Altsüdarabische an, sondern sind neuere, eigene Entwicklungen.)
Dieses elegante und einfache Schriftsystem wurde entlang der Handelsroute (indische Spezereien, Weihrauch aus dem südlichen Jemen und Somalia) und bildete die Grundlage für zahlreiche präarabische Sprachen der Arabischen Halbinsel. In Afrika entwickelte sich daraus eben die äthiopische Schrift, die noch heute in der Kirchen-literatur-sprache Ge'ez verwendet wird.
Die protokanaanische Schrift entwickelte sich im 11. JH BC zur linear-phönizischen mit 22 Zeichen, ausschliesslich für Konsonanten. Da die Phönizier das ganze Mittelmeer befuhren, und lange sogar die Römer bedrohten (als Karthager: Hannibal), verbreitete sie sich rasch und weiträumig. Das phönizische Alphabet, verwendet bis ca. 500 BC, diente als Grundlage ebenso für das griechische und römische im Westen (links: Griechisch und Römisch), wie für das arabische Alphabet im Osten (recht: Hebräisch und Arabisch).
Das phönizische Alphabet und die Sprache wurden auch direkt weiter verwendet im Libyschen (vermutlich einer frühen Form der Berbersprache) und im Tifinagh, der Schrift der Berber und Tuareg.
Aramäisch entwickelte sich als Sprache und Schrift seit dem 11. JH. BC. Es war die lingua franca des Persischen Reiches, Anatoliens, der Levante, Aegyptens und Mesopotamiens. Die aramäische Schrift löste die hebräische ab. Das moderne Hebräisch bedient sich ihrer. Auch diese ist eine reine Konsonantenschrift.
Die Nabatäer, als arabischer Stamm, verwendeten das Aramäische. Und selbst Jesus dürfte Aramäisch gesprochen haben.
Moabitisch: Das älteste bekannte hebräische Dokument ist der Gezer-Kalender (10. JH. BC) ... allerdings auf Moabitisch. Nach ihrem Exil (600 BC) verwendeten die Juden die hebräische Schrift immer seltener, bis sie ganz verschwand, d.h. nur noch von den Samaritern als liturgische Schrift verwendet wurde - und wird, bis heute.
Die arabische Schrift entwickelte sich nach und nach aus dem Nabatäischen, also einer Variante des Aramäischen.
Ebenso die syrische Schrift und Sprache, die im Englischen, etwas plausibler, "assyrisch" genannt werden. Assyrisch macht auch deutlich, dass vor dem Aramäischen bereits Sprachen verwendet wurden, in dem Falle akkadisch, das das Babylonische, Sumerische und Eblaitische umfasst.
ANATOLIEN
In Anatolien hatten sich auch einige Ableger indogermanischer Sprachen verbreitet. So vor allem das Hethitische, das babylonische Keilschrift verwendete, dieses aber durch Lautzeichen noch komplizierter gestaltete.
Palaisch und besonders Luwisch (Hieroglyphen) waren ebenfalls stark verbreitete indogermanische Sprachen. Nicht indogermanisch sondern ohne bekannte Beziehungen ist das Hattische.
GRIECHENLAND
Eine den luwischen Hieroglyphen entfernt verwandte Schrift wurde offenbar auch auf Kreta verwendet, die kretischen Hieroglyphen, die bis heute nicht entziffert werden konnten.
Aus diesen Hieroglyphen scheint sich "Linear A", die minoische Schrift entwickelt zu haben. (17.-15. JH BC), vom 15.-12. JH Linear B (umfassendere Beschreibung, engl.), das auch auf Knossos Verwendung fand. Interessant ist, dass auch hier die erhaltenen Dokumente, präzise wie im Falle der ältesten zur Keilschrift, der Inhalt fast immer Eigentums- und Steuer-, allenfalls Palastinventare betrifft. In Mesopotamien wurden vom Palast sogar Bäume und Aeste inventiert, klassifiziert nach der Verwendbarkeit für Werkzeuge oder Waffen. Dazu gehörten auch ausgedehnte Inventare von Wäldern und Bäumen des Palastes, und die weltweit ersten schriftlichen Vorschriften über deren Bewirtschaftung. s. 4.6.1.2.2 Trees and Timber in Mesopotamia
Man muss daraus schliessen, dass der Mensch also NICHT in erster Linie ein geistiges, sondern ein ziemlich materiebezogenes Wesen ist. Nicht Geist und Ewigkeit haben ihn beschäftigt, sondern die Sicherung seiner Habe und deren Verwendung. Zu all diesen historischen Zeiten war auch das Amt des Schreibers, also all derjenigen die überhaupt schreiben konnten, hoch bezahlt, was sich heute noch ausdrückt im Begriff "Notar". Da kriegen sie nix geschrieben, was sie nicht beträchtlich was kostet.
Linear B wurde offenbar auf Cypern weiter entwickelt zum kyprisch-monoischen I, II und III, die in Ugarit gefunden wurde.
Im 9. JH BC wurde das griechiesche Alphabet entwickelt, ebenfalls aus der phönizischen Schrift. Das griechische Alphabet enthält noch Doppelkonsonanten, z.B. x, (+ psi, phi, chi) das sich, ohne Verlust, als ks schreiben lässt. Dass das x nicht aus dem römischen und damit unserem Alphabet gestrichen wurde, liegt vermutlich an der Bedeutung des Griechischen für unsere Sprache und Kultur.
ROM
Das etruskische Alphabet wurde dann, auf dieser Basis, fast zur völligen Silbenschrift (Ausnahme: x). Das oskische und umbrische blosse Varianten davon. Das sich daraus entwickelnde lateinische Alphabet ist heute weltweit am stärksten verbreitet.
Die bei den Germanen und Kelten bekannte Runenschrift wurde ursprünglich vermutlich von Druiden verwendet. Wie alle Symbole so wird ja auch Schriftzeichen oder Formeln oft eine magische Bedeutung zugesprochen (womit die Macht des Wortes allerdings zumeist grandios überschätzt wird).
Rechts die Ogam-Runen. Eindrücklich, nicht. Liesse sich doch glatt als Strichcode für Computer verwenden. Ob da ein Zeitreisender dahinter steckt?
GOTISCH
Die gotische Schrift, die z.B. für die Wulfilabibel im 4. JH. verwendet wurde, nam sich wieder das griechische Alphabet als Vorlage.
Ebenfalls aus dem griechischen abgeleitet war das
Lykische, Alphabet einer indogermanischen Sprache Anatoliens; das Koptische, das ab dem 3.-4. JH eine ebenfalls aus dem Griechischen abgeleitetes Alphabet verwendete, das das alte demotische ersetzte - mit Ausnahme der letzten 4 Buchstaben. Altkirchenslavisch - oder Altbulgarisch, die älteste bekannte slavische Schriftsprache, verwendete ebenfalls ein von den Griechen abgeleitetes Schriftsystem, mit dem die griechischen Missionare Kyrillos und Methodhios die Bibel übersetzten. Mit 43 Zeichen ist das kyrillische Alphabet umfassender als unser westliches Alphabet.
Armenisch und Georgisch (Mkhedruli) wurden vom Heiligen Mesrop und Sahak erfunden, basierend auf der aramäischen Schrift wie sie für das iranische Pahlavi verwendet wurde.
INDIEN
Die älteste Schrift Indiens wurde 2500-1750 BC im Industal entwickelt, die aber wenig bekannt ist. Seit dem 3. JH BC ist jedoch eine ganz andere Schrift belegt. Die zwei Schriftformen Karoshthi und Brahmi (rechts) sollen ebenfalls aus der aramäischen Konsonantenschrift des Perserreiches entwickelt worden sein. Karoshthi wiederum von einer einzelnen Person! Nicht von einem Team ... Obwohl diese Version angezweifelt wird, besteht generell kein Zweifel am semtischen Ursprung. Dewanagari ist das Schriftsystem des Sanskrit, der heiligen Sprache Indiens, die eben den östlichen Teil des Indo-Germanischen bildet - und Grundlage des modernen Hindi ist.
Orija mit seiner auffallend gekrümmten Schriftführung war geeignet für das Schreiben auf Palmblättern, die dadurch nicht einrissen.
Kanaresisch benutzt ein aus Dewanagiri und Orija abgeleitetes Schriftsystem, allerdings angewendet für die drawidische Sprachfamilie.
Kambodschanisch, das seine Schrift aus der Brahmi-Schrift entwickelt hat, gehört zur austro-asiatischen Sprachfamilie. Das Selbe gilt für das Laotische, zur Tai-Kadai-Sprachfamilie gehörend. Da die Thai-Schrift sich wiederum von der Kambodschanischen ableitet, jene aus der Indischen, und jene aus dem nahöstlichen Aramäischen, wird die Bedeutung der Urkulturen Mesopotamiens noch deutlicher. Allerdings mussten hier Zusätze geschaffen werden, um die Tonhöhe angeben zu können (Ausnahme Tibetisch, das ähnlich mühselige Unterschiede zwischen antiquierter Schrift und Aussprache aufweist wie das Französische).
KOREANISCH
Die koreanische Schrift, geschaffen von König Sejong (na ja, in Auftrag gegeben ...), gilt als eine der perfektesten der Welt. Da die Urheber sich auf die mongolische Phagspa-Schrift basierten, die selbst auf die tibetische Schrift zurückgeht (was wenig wundert, denn es wurden tibetische Mönche damit beautragt), die tibetische Schrift aber von der indischen, und diese wiederum von, na?, eben der nahöstlich-aramäischen abstammt ...
Die tibetische Schrift ihrerseits basiert wiederum auf der indischen, hat allerdings nur einen Vokal. Die anderen werden mit diakritischen Zeichen dargestellt.
Java entwickelte im 8. JH, basierend auf der indischen Schrift, Kavi, woraus sich wiederum die Batak-Schrift von Sumatra und das Buginesisch von Celebes entwickelten.
CHINA & JAPAN
Auch China kennt frühe (5000 BC) abstrakte Darstellungen (Linien), bei denen allerdings zweifelhaft ist, ob sie als Schrift interpretiert werden können. Ab dem 2. Jahrtausend (Shang-Dynastie: Orakelknochen) entwickelt sich allerdings klar ein, von allen andern bekannten völlig unabhängiges eigenes Schriftsystem.
Aehnlich wie die frühsumerische Schrift ist die chinesische logographisch und piktoraphisch.
Japan hat die chinesische Schrift, transportiert durch koreanische Gelehrte des 3. bis 5. JH, übernommen und bis zum 8. JH. angepasst.
Die mongolische Schrift, ein Alphabet, wurde 1208 vom uigurischen Schreiber Tatar-Tonga geschaffen. Zu diesem Zweck passte er das Uigurische Alphabet an die neuen Anforderungen an. Dieses stammte seinerseits über das Sogdische Alphabet vom Syrischen Alphabet ab.
Zeitungs-Schriften
Normalerweise finden Sie die hier aufgeführten "Sprachen" nicht unter dem Titel. Ich hatte diesen Eindruck allerdings a) schon mal als Student vor 30 Jahren, b) nochmals als Forscher vor 20 Jahren, dass die disziplinären Wissenschaften primär auf der Beherrschung einer spezifischen Sondersprache und Taxonomie beruhen. Der Student muss sich erst mal mit den ganzen Fachausdrücken und ihren Inhalten rumschlagen, womit er zumindest bis zum Abschluss des Bachelors beschäftigt ist. Erst dann kann er die damit verbundene Methodik der Erkenntnis auch anwenden, womit er dann allerdings dann eben bis zum Master beschäftigt ist. Der Dr. würde nun theoretisch eigentlich erlauben, sich mit Inhalt und Struktur der betreffenden Wissenschaft selbst zu befassen, sich also quasi eine Metaposition zwecks Metakritik der eigenen Disziplin zu erarbeiten, erschöpft sich allerdings bei den meisten in einer etwas komplexeren Anwendung des Gelernten. Die M;etakritik wird sogar von Professoren höchst ungern angegangen, denn sie sind ja dafür angestellt, ihre Disziplin zum Erfolg zu bringen (möglichst auch wirtschaftlich verwertbaren Erfolg), nicht nicht sie zu zerlegen oder umzubauen. Diese Aufgabe bleibt also oft der Kritik von Aussen überlassen, worin sich die Philosophen dann ruhig auch einlassen dürfen - nicht bloss Oekonomen und Politiker, die primär Sparvorschläge bringen.
Grundlage aller Wissenschaft ist Messen und Ordnen, also der Bereich der Mathematik - die nicht nur eine eigene Sprache der Abstraktion und Logik (zu der auch die verhasste Mengenlehre gehört) entwickelt hat, sondern auch entsprechende Zeichensysteme (Alphabete der Logik):
Mathematische Sprachen: Numerik, Zahlentheorie, Algebra, Analysis, Geometrie, Wahrscheinlichkeitstheorie/Stochastik
Die Kategorientheorie oder die kategorielle Algebra: allgemeine Theorie mathematischer Strukturen Gruppen, Ringe, Moduln und topologische Räume) nicht über Relationen zwischen Elementen (der Trägermenge(n)) definiert, sondern gleichsam durch Vergleiche (mittels „Morphismen“ und „Funktoren“) sowohl innerhalb von als auch zwischen Kategorien.
Durch die Einführung einer topologischen Struktur auf einer Menge lassen sich intuitive Lagebeziehungen wie „Nähe“ und „Streben gegen“ aus dem Anschauungsraum auf sehr viele und sehr allgemeine Strukturen übertragen und mit präziser Bedeutung versehen.
Eine eher "praktische Anwendung" der Mathematik sind Programmiersprachen. Dies ist das Gebiet, auf dem heute die kreativste Sprachschöpfung stattfindet:
Kurz ausgedrückt: Jede Sprak swere Sprak. Und dennoch unerlässlich für das Kulturwesen Mensch ... allerdings mit dem Nachteil, das jede Sprachstruktur den Menschen und die Gesellschaft gleich mitformt. Um so wichtiger das Bewusstsein, in welchem Sprachraum argumentiert oder erzählt wird, in einem gefühlsbetonen, erlebnisbasierten, historischen, wissenschaftlichen, oder gar völlig abstrakten; in einem ichzentrierten, auf eine bestimmte Kleingruppe zentrierten oder auf das Allgemeinwohl einer (immer noch bestimmten) Grossgruppe zentrierten. Sprache wurde nicht nur zur kommunikation verwendet, also zur Mitteilung und Begegnung, sondern auch zur Abtrennung, zum Erwerb einer besonderen Stellung bei Stämmen wie bei Individuen.
Die mathematische Sprache der Oekonomie, d.h. vielmehr die Verwendung einer mathematikähnlichen Sprache durch die Oekonomen, ist eine Täuschung. Ein Bereich, der praktisch völlig der Willkür und Macht untersteht, wird als objektiv und neutral, als wissenschaftlich verbrämt.
Nehmen wir z.B. den unverfänglich erscheinenden Begriff <Rohstoffe>. Sofort erkennen wir die sprachlich bedingten Verständnis- und Wertungsprobleme. Rohstoffe können mit naturwissenschaftlichen Methoden recht präzise auf physikalische und chemische Eigenschaften geprüft werden; mittels geographischer, petrographischer, seismischer etc. Methodik können die Lagerstätten gefunden und bemessen werden. Nun ist dieser <Roh-Stoff> aber plötzlich zwei-deutig, was man dem Wort von Anfang an hätte ansehen können, denn: Was ist roh an dem Stoff? Er ist Grundlage für weitere Verarbeitung, die mehr Wert schaft, eben Mehrwert. Da bisher der Mehr-Wert vor allem im Norden geschaffen wurde, die Roh-Stoffe im Süden sich fanden, der militärisch wie wirtschaftlich immer am kürzeren Hebel sass, kriegte der Norden dieselben für einen Appel und ein Ei, bis die OPEC dem ein Ende setzte.
Nun gut, kriegt man das Zeugs nicht billig, so muss man halt sehen, dass man es selber besitzt - was einen starken Antrieb darstellte im Erwerb von Kolonien. Irgendwann ist den Kolonisierten dann das auch verleidet, insbesondere als die Kolonisatoren dauernd von hehren Werten, Christentum und Demokratie redeten, den Betroffenen also Wein predigten, sie aber Staub fressen liessen.
Mit der Entkolonialsierung wurde also ein anderes Herrschaftsprinzip fällig, die Herrschaft der Finanzimperien, die per Börse auch ihre Satrapen und Vasallen beteiligen. Nicht mehr Heerscharen von Kriegern werden auf diese Roh-Stoffe losgelassen, sondern Myriaden von Futures, Derivaten und dergleichen. Da die armen Nationalbanken noch nicht wissen, wie sie gleichzeitig die Wirtschaft für die (echt armen) Arbeitnehmer in Gang halten sollen durch billige Kredite, aber das vorhandene Uebermass und damit die Uebermacht herumschwirrender Geldmächte beschränken sollen, pumpen sie es von einer Blase in die andere:
Geld ist eine Macht, eine flüssige Macht, die sich dem Souverän entzieht, mit ihm spielt, unter Druck entschwindet - aber selbst extremen Druck aufsetzen kann.
Eben drum ...
Mit dem sog. "linguistic turn" hat sich die Philosophie verstärkt auf die Untersuchung der sprachlichen Strukturen, damit der Bedingungen ihres eigenen Denkens verlagert. Dies endete allerdings in der Analytischen Philosophie, und diese mit der Erkenntnis, dass sich eben doch nicht alles logisch erfassen lässt, insbesondere das Leben des Menschen, der stets eine gewisse Anzahl an Freiheiten verlangt: Das Spezifische an Freiheit ist aber nun eben, dass sich das Ergebnis nicht rechnerisch vorherbestimmen lässt. Bereits mit Wittgensteins Philosophischen Untersuchungen s. Wittgenstein I und II) wird die im Tractatus versuchsweise angegangene Idee eines "Kalküls der Wahrheit" bereits wieder aufgegeben und Wahrheit wie Wissen wieder eher aphoristisch.
Linguistik: Jörg Schuster - Einführung in die Linguistik (Skript Uni München)
Ein Ausweg aus Aphoristik und Postmoderne als Beliebigkeit wird heute (auch von mir) gesucht über Topologie in Verbindung mit Kategorialanalyse.
Basel, 11.11.2009