Wie lässt sich Politik betreiben, wenn sich komplexe Systeme
nicht lenken lassen?
Optimale Gesellschaftsmodelle aus der Perspektive der Sozialwissenschaften. Die unterschiedlichen Vorstellungen des 20. Jahrhunderts (von Marx bis zur Postmoderne) darüber, was Soziologie sein sollte und was ihre Aufgabe wäre.
Die schizophrene Weltmaschine Kapitalismus produziert: Prozesse statt Produkte, Güter statt Wohl-Sein, Preise statt Werte, Effizienz statt Weisheit. Eine Rehabilitation der 68er Kulturrevolution.
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| Definition Feudalismus: Herrschaftsbeziehung zwischen Kriegeradel (Wehrstand) bzw. Kirche und Bauern (Nährstand) Der mittelalterliche Feudalismus war ein starres Gesellschaftssystem, das keine Aufstiegsmöglichkeiten bot. Seinen Stand erhielt man durch Geburt oder Einheiraten, und war (dennoch) stolz darauf. Die Religion stützte diese Ungleichbehandlung von Menschen. http://magnet.atp.tuwien.ac.at/scholz/projects/WUGeschichte/node4.html Feudalistische Herrschaft basierte auf Bodenbesitz, nach der Regel: Nulle terre sans seigneur! ______________________________________________ |
Beanspruchte der klassische Feudalherr, seinen Reichtum und seine Macht von Gott erhalten zu haben, so begründet der heutige seinen Herrschaftsanspruch mit "Leistung". War der Auftrag der damaligen Lehensnehmer, das Lehen profitabel zu verwalten und zu mehren, so ist der Auftrag heute ... genau der selbe.
Der moderne Feudalist besitzt meist keine Armeen und nur relativ wenig Ländereien - aber Häuser, Firmen, Beziehungsnetze und Heere von Juristen, die als Advokaten noch heute das oberste Amt des Steuereintreibers (s. Vogt) besetzen. Der moderne Feudalist erntet aber ebenfalls da, wo er nicht gesät, über Zinsen und Kapitalgewinne, die zumeist noch steuerlich begünstigt werden.
Heute hat der Boden nicht mehr ganz so viel Ordnungsfunktion wie damals, und auch weniger Bedeutung für die Produktion und Aneignung von Rente. Bodenbesitz erlaubt allerdings nach wie vor Renditen abzuschöpfen, die nicht durch eigene Anstrengung geschaffen wurden, sondern durch die Gemeinschaft: Erschliessung, Infrastruktur, Strassenbau, Städtebau, etc. Die hohen Grundstückspreise und Mieten für Geschäfte an der Bahnhofstrasse in Zürich beruhen nicht auf Leistung der Unternehmer, sondern ganz einfach darauf, dass es sich um eine bekannte und sehr gut besuchte Strasse handelt, an der sich entsprechend viel Umsatz machen lässt. Diese Rente wird von den Grund- und Hauseigentümern abgeschöpft - und Staat wie Stadt beteiligen sich ein bisschen daran - nicht umgekehrt.
Aber auch günstige Steuern kommen nicht in erster Linie den Bewohnern zugute, denn auch diese werden über höhere Mieten von den Grund- und Hauseigentümern abgeschöpft, die hier eine völlig unverdiente Feudalrente beziehen. Dass trotzdem eine Volksabstimmung nach der andern Bachab geht, welche die Situation der Mieter verbessern will, liegt daran, dass sich die Mehrheit der Stimmbürger, obwohl sie zu 2/3 der Mehrheit der Mieter angehören, als zukünftige Ver-Mieter sehen, und dann eben gerne auch profitieren und auf den Mietern rumtrampeln möchten.
Wozniewski fasst hier eigentlich kurz und prägnant die Grundlage des Aufstandes der Freiwirte und ihres Strebens nach einem neuen Bodenrecht zusammen.
Unsere Rechtsordnung lässt es zu, dass ein in Deutschland "als Deutscher" geborener Mensch sein Leben dazu verdammt sein kann, für den Fleck Erde, auf dem er lebt, an einen anderen "bezahlen" zu müssen. Miete oder Pacht nennt man das, und man findet nichts Ungewöhnliches dabei.
Dr. Harald Wozniewski: Moderner Feudalismus (Meudalismus) in Deutschland - oder - Die Rezession heute und morgen. http://www.dr-wo.de/schriften/feudalismus/feudalismus.htm
| Teamwork ist, wenn fünf Leute für etwas bezahlt werden,
was vier billiger tun können, wenn sie nur zu dritt wären und zwei davon
verhindert. (Charles Saunders) |
Basiert der mittelalterliche Feudalismus auf dem Grund-Lehen, eben der Feude, so setzt der moderne Feudalismus auf Geld-Lehen oder besser Kapital-Lehen. Der CEO erhält die Firma als Lehen, mit dem Auftrag, das Maximum an "Abgaben" rauszuholen (s. shareholder value). CEO wie andere Mitarbeiter (Lehensnehmer) schwören den Treueeid, der heute zwar meist als Loyalität, oder noch lieber, als Teamfähigkeit (womit meist Kritiklosigkeit gemeint ist) verkauft wird: Die Firma ist die beste (auch wenn sie kurz vor dem Zusammenbruch steht), ihre Produkte sind einzigartig und unübertroffen (auch wenn der Markt vom selben Schrott in grün und rot überschwemmt ist), unser Führer ist genial (auch wenn er weder fachlich noch menschlich was bringt). Die damaligen Fronbauern wurden ersetzt durch "flexible" Arbeitnehmer, die sich je nach Bedarf, zu minimalen Kosten und ohne jegliche soziale Verpflichtung einsetzen und ersetzen lassen.
Das Konzept Neofeudalismus erlaubte auch eine ergiebigere Analyse des Freiheitsgetöses, mit dem von rechts alle linken Argumente übertönt werden. Der Feudalismus erlaubte nicht nur die Aneignung allen Landes durch einige wenige, er forderte es. Die Landbesitzer leiteten aus ihrem Besitz das Recht auf Abgaben ab.
| Die Verwandlung der feudalen in eine kapitalistische
Exploitation: Die industriellen Kapitalisten, diese neuen Potentaten, mussten ihrerseits nicht nur die zünftigen Handwerksmeister verdrängen, sondern auch die im Besitz der Reichtumsquellen befindlichen Feudalherren. ... Die Ritter von der Industrie brachten es jedoch nur fertig, die Ritter vom Degen zu verdrängen, dadurch, dass sie Ereignisse ausbeuteten, an denen sie ganz unschuldig waren. Karl Marx: Das Kapital. 1.1. S. 867 2. Expropriation des Landvolkes: Der Raub der Kirchengüter, die fraudulente Veräusserung der Staatsdomänen, der Diebstahl des Gemeineigentums, die usurpatorische und mit rücksichtslosem Terrorismus vollzogene Verwandlung von feudalem und Claneigentum in modernes Privateigentum, es waren ebenso viele idyllische Methoden der ursprünglichen Akkumulation. Sie eroberten das Feld für die kapitalistische Agrikultur, einverleibten den Grund und Boden dem Kapital und schufen der städtischen Industrie die nötige Zufuhr von vogelfreiem Proletariat. S. 890 |
Das selbe Prinzip herrscht heute in Bezug auf Geld und Kapital generell. Wer im Besitz des Kapitals ist, kann und darf damit fast unbeschränkt gestaltend oder zerstörend umgehen, darf Zinsen und Abgaben erheben, die oft weit über dem Zehnten liegen, dessentwegen Wilhelm Tell den herrschaftlichen Abgabeneintreiber (Vogt = Advocat) erlegt hat. Und genau so wie die Herrschaft über den Boden die Freiheit der "bodenlosen" beschränkt, so beschränkt die Herrschaft über das Kapital die Freiheit derer, die nicht über dieses Potential verfügen. Wer heute in einer entwickelten Wirtschaft über kein Kapital verfügt, ist in der selben Situation wie damals (und heute noch in vielen Ländern der 3. Welt) die einfachen Leute, die über nichts verfügen als die Kraft ihrer Hände und Arme, dank derer sie dem Boden ihren Unterhalt abringen. So wie diese durch feudale Grossgrundbesitzer ins wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Abseits getrieben wurden und werden, genau so treibt ein freies Kapital die Kapitallosen ins Abseits, denn auch Kapital lässt sich nicht grenzenlos vermehren. Und wenn Wettbewerb herrscht über begrenzte Ressourcen - führt der zu Ausschluss. §
Corinne Maier hat in: Die Entdeckung der Faulheit. Von der Kunst bei der Arbeit möglichst wenig zu tun. Goldmann Verlag. dazu 10 Thesen aufgestellt, die dem hier dargestellten einigermassen entsprechen. Ihre Erfahrungen bestätigen, dass der Erfolg sich in Unternehmen nur noch selten einstellt, wozu auch Diplome immer weniger beitragen. Die Unternehmen kümmern sich vor allem um sich selbst, kaum um die Mitarbeiter. Diese werden mit leeren verbalen Hülsen wie etwa der "Unternehmenskultur" abgespiesen. Maier sieht die Arbeit in Grossbetrieben in der Anbindung der Individuen, in der Verhinderung des selbständigen Denkens. Präzise deshalb werden Gehorsame, die den Buckel machen, die sich ins Team einfügen, bevorzugt. Amüsant, die Funktion, die sie Unternehmensberatern zubilligt: Für viel Geld das sagen, was die Unternehmensleitung hören will. [Kommt vermutlich manch einem der derartiges miterlebt hat bekannt vor, auch ohne Enron], sowie die Empfehlung, eine möglichst überflüssige Stelle im Betrieb zu besetzen, da man bei diesen den Beitrag zum Geschäftserfolg nicht qualifizieren kann.
Ähnlich sieht es aus mit der soooo sehr erwünschten Flexibilität. Wer sich flexibel zeigt, sich ab und zu auch für was anderes als den angestammten Beruf interessiert, wird rasch deklassiert als unzuverlässiger Abenteurer mit zweifelhafter Loyalität und mangelhafter Teamfähigkeit, flatterhaft und unschlüssig. Manuela Specker (CASH 41. 17.3.05. S. 41-42]: Die viel gelobte Flexibilität entpuppt sich als Geschwätz. Bevorzugt wird eine lineare Karriere ohne berufliche Seitensprünge. Es gilt also heute wie im Mittelalter: Wer seinem Feudalbereich untreu wird, wird daraus verbannt.
Die "grossen" Veränderungen beim Übergang des auf Grundbesitz basierenden Feudalismus auf die auf Kapitaleigentum basierende neofeudalistische Plutokratie:
| Feudalismus | moderne Plutokratie |
Boden
|
Kapital
Geld & Körper
|
Natürlich sollte man obige Tabelle etwas humoristisch und nicht all zu klein kariert nehmen. Dennoch bietet sie meiner Ansicht nach einen guten Denkanstoss.
Die heutigen Wirtschaftsimperien sind in ihrem Umgang mit den Untertanen und Unterworfenen nicht viel weniger zimperlich als dazumals. Auch heute hinterlassen ihre Kriege verbrannte Erde und zerstörte Existenzen.
Man darf insbesondere (was ich zwar selbst polemisch gerne immer wieder tue), Macht mit Geld gleichsetzen, denn oft eignen sich Menschen mit wenig Geld die Macht anderer Gelder an, was insbesondere bei der Verwaltung der Pensionskassengelder in der Schweiz der Fall ist. Die Pensionäre der USA sind da offenbar machtbewusster. Die selbe Anmassung von Macht geschieht durch die CEOs, die ihre Lehen quasi als von Gott eingesetzte Fürsten verwalten - und dabei immer öfter sogar ihre Herren, die Kapitalgeber, shareholder, Aktionäre, zu Schaden kommen lassen. In solchen Fällen schritten früher Kaiser oder König korrigierend ein, heute gehen sie vor Gericht als "allenfalls bedauerliche Entwicklung" straffrei aus (s. Mannesmann - Ackermann).
Schmidt verlangt deshalb folgende Korrekturen:
1. Beschränkung der Aufsichtsratsmandate pro Person auf ein Mandat.
2. Entkopplung der Exekutive (Management) und Legislative (Aufsichtsrat): Wer Vorstand eines Unternehmens ist, kann nicht gleichzeitig in einem anderem Unternehmen Aufsichtsrat sein.
3. Abschaffung des Stimmrechts bei Aktien, um Kapitalverschachtelungen zu vermeiden.
Diese Maßnahmen sind notwendig, damit Grossbanken oder Fondsgesellschaften anderen Unternehmen nicht weiter ihren Willen aufzwingen können. Demokratien können sich dauerhaft keinen Monopolkapitalismus leisten, sondern benötigen Unternehmenslenker, die sich selbst reflektieren und verantwortungsbewusst mit der Macht umgehen.
Wer die Marktwirtschaft vor Unfreiheit bewahren will, muss die äußere Verfügungsgewalt über Unternehmen einschränken und die innere Macht der Unternehmen stärken. Kapitalgesellschaften mit neutralisiertem Kapital sind eine freiheitliche Alternative, um die Mitarbeiter an der unternehmerischen Willensbildung zu beteiligen. Damit wird sichergestellt, dass feindliche Übernahmen abgewehrt und dass anmaßende Gehaltserhöhungen von Vorständen vermieden werden. Es sollten deshalb nicht Großaktionäre oder Aufsichtsräte die Vorstände bestimmen, sondern die Mitarbeiter gemeinsam mit gewählten Vertretern des Unternehmens.
Feudalismus in den Chefetagen. Der Mannesmann-Prozess. Artur P. Schmidt 22.07.2004
Massnahme 3 ist meines Erachtens eben so unzulässig wie untauglich, denn natürlich soll ein Kapitaleigentümer mitbestimmen können, was mit seinem Kapital geschieht. Aber die Sache bleibt extrem unvollständig, auch wenn man die Einbindung der Mitarbeiter begrüsst, denn was völlig fehlt ist die Einbindung der Betriebe in ein Ganzes, in Gesellschaft und natürliche Umwelt. Die ausschliessliche Festlegung von Betriebszielen von Innen ist genau so zweifelhaft wie die Bestimmung derselben durch ein verfilztes Grosskapital.
Im mittelalterlichen Feudalismus, der genau so chaotisch war wie heutige Beziehungen zwischen den Organisationen und Betrieben, war es die Obliegenheit des Königs, eine Gesamtordnung zu schaffen. Im modernen Feudalismus fehlt diese Ordnungsmacht. Da wir heute von Königen meist nicht mehr so begeistert sind (auch nicht von denen, die sich als demokratisch gewählte Präsidenten tarnen) sondern der betroffenen Bevölkerung eine möglichst breiter Beteiligung an Entscheiden garantieren wollen, müsste die Ordnungsfunktion durch eine demokratische politische Organisation erfolgen. Diese Bedingung erfüllt heute aber weder WTO, UNO noch sonst eine Organisation. Die Wirtschaftsreiche werden sich selbst überlassen, obwohl sie bestimmen, wie und wie gut oder wie schlecht wir leben. Der Markt ist in dieser Beziehung ein Nichts, denn er bedeutet nichts anderes, als der Stärkere gewinnt, der Schnellere, der Grössere, der Bessere, der Hinterlistigere - je nach Konstellation. "Der Markt regiert" bezeichnet also einen Feudalismus ohne die ordnende Hand des Königs (oder Kaisers), ein kriegerischer Wettbewerb unter Fürstentümern, von denen jedes nur das eigene Wohl im Sinne hat.
Die dringend notwendige komplexe Abstimmung der Subsysteme ist heute noch nicht mal Ansatzweise gelöst, denn "Markt" bedeutet kaum mehr als "Zufall" oder "Schicksal".
Wir sollten dazu die Betriebe weder als Feinde verstehen - noch als heilige Organisation mit göttlichem Auftrag - sondern als Organisation mit Macht und Wirkung, mit der je nach Macht und Wirkung entsprechend zu verfahren ist. Auch früher wurden zu grosse oder zu ausbeuterische Feuden mit Keulen und Helebarden zu Fetzen geschlagen. Je grösser die Macht auf der einen, desto grösser die Ohnmacht auf der andern Seite. Und Ohnmacht ist die Basis revolutionärer Entladungen.
Zur Abstimmung dieser "Reiche" und zur besseren Bewältigung von Wirtschaftskriegen wäre vielleicht die Idee mit einem zum politischen ergänzenden Wirtschafts- und einem ethisch korrigierenden Kultur- und Grundwerteparlament nicht das Dümmste. [oder hier eine detaillierter Präsentation der Vorstellungen über optimale Gesellschaftsmodelle].
Martin Herzog, Rheinfelden, 7. Februar 2005
Links:
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Merkantilismus ist wirtschaftlicher Nationalismus. Hauptziel des Merkantilismus war, den Reichtum des Staates zu mehren, womit aber nicht der Staat als Organisation gemeint ist, sondern die Gesamtheit seiner Strukturen und Bewohner. Der Erfolg wurde gemessen in Geld und Gold. Man versuchte also einen Handelsüberschuss zu erzielen. Man versuchte also billige Rohstoffe zu importieren, den Export derselben zu verbieten, dafür teure Produkte zu exportieren, und den Import derselben mit Steuern zu erschweren. Staatliche Manufakturen und Monopole wurden dazu gerne verwendet.
Das Modell funktioniert nur, solange Finanzwirtschaft ein Fremdwort ist und die Wirtschaft quasi in der analen Phase stecken bleibt: Zurückhalten, Besitzen, drauf sitzen. Die Grenzen werden sofort klar, sobald jemand fragt: Ja, aber was machen wir denn nun mit den ganzen Geld und Goldhaufen?
Positiv daran war, dass man sich erst um das Land sorgte, bevor man sich in wirtschaftliche Abenteuer stürzte der Geldvermehrung oder Verwendung wegen. Die eigenen Industrie wurde stark gefördert - allerdings auch die Löhne durch Maximallöhne beschränkt und Taglöhner oft zur Zwangsarbeit verurteilt. Man dachte an den Staat als ganzes, der allen den Konsum günstiger Güter ermöglichen wollte. Das Modell funktionierte unter dem Absolutismus: Jedem Bürger am Sonntag sein Huhn im Topf. So musste der Staat auch nicht seine ländliche Bevölkerung und die andern Untertanen ausbeuten, wie das im Feudalismus der Fall war.
Während der Merkantilismus vorrangig die wirtschaftlichen Außenbeziehungen (im Zuge der Kolonialisierung) im Auge hatte und hier die Quelle ökonomischen Reichtums sah (und damit vornehmlich Gewerbe und Handel förderte), liegt der Schwerpunkt der Physiokraten in der Analyse des Wirtschaftskreislaufes einer geschlossenen Volkswirtschaft. Also auch hier noch keinerlei Grundlagen für eine Globalisierung.
Entgegen der Theorie führte der Merkantilismus eben doch zu einer Verarmung des Landvolkes, auch wenn diese vielleicht nur relativ war, wie heute - wo ein einfacher Arbeiter in der Stadt das Doppelte eines selbständigen Bauern verdient.
Für die Physiokraten war einzig die Landwirtschaft eine produktive Wirtschaft. Alle andern profitierten von dieser Grundlage
1. produktiver Sektor: Landwirtschaft
=> Die Landwirtschaft erwirtschaftet einen Mehrwert (Rente), der auch
Nettoinvestitionen erlaubt
2. distributiver Sektor: Landeigentümer erhalten einen Teil der Rente
3. steriler Sektor: Kaufleute, Handwerker, Beamte, Arbeiter in Manufakturen
erwirtschaften nur die Reproduktionskosten und damit keinen Mehrwert (Löhne auf
Subsistenzniveau).
Die Physiokratie, die heute doch wieder einige Anhänger hat in Kreisen, die auch der Freiwirtschaft zugeneigt sind, ist also eine Art Traum von der Guten alten Zeit, vor der Entwicklung der Städte, mit denen der Überfluss erst richtig begann. Man konnte so lange davon träumen, als man sich noch vorstellen konnte, durch Landarbeit ein Auskommen zu finden. Inzwischen geht es ja den Bauern derart an den Kragen, dass sich die Theorie von selbst erledigt hat.
Trotz aller Kritik an und Probleme mit der Physiokratie sollte man aber den armen König Midas nicht vergessen, dem sich alles was er berührte, gemäss seinem Wunsch, in Gold verwandelte - und der so eines traurigen Todes sterben musste.
Setzt darauf, dass, wenn jeder das tut, was er am besten kann, und seine Produkte/Dienstleistungen am Markt anbietet, der Markt durch Rückkoppelung alle Probleme löst, ohne politisches Eingreifen.

| Die Finanzmärkte sind zu den Richtern und Geschworenen jeder Wirtschaftspolitik geworden. The Economist. 7.10.95 Der Economist sieht darin natürlich nur Vorteile - obwohl sich dahinter ein enormer Widerspruch verbirgt. Die Zentren der Globalen Unternehmen, insbesondere die Internationalen Finanzzentren, betreiben nämlich genau das, was sie als grösstes Problem der Wirtschaft überhaupt ansehen: Zentrale Wirtschaftsplanung. Aus der Perspektive sind die gelobten Global Cities nicht viel anderes als regionale Vertretungen eines Wirtschaftskremls. |
Dogma: Nur privates Eigentum kann die Freiheit des Einzelnen garantieren.
Damit haben sie nicht mal so ganz unrecht ... und hier könnte man den Stier am Schwanz packen: Wenn nur privates Eigentum Freiheit garantiert, privates Eigentum aber höchst ungleich verteilt ist, die Hälfte der Bevölkerung davon überhaupt nichts hat, dann ist also auch die Freiheit ungleich verteilt? Denk mal ... eine pareto-Verteilung (80/20) von Freiheit. Was wohl Wilhelm Tell davon gehalten hätte?
In seiner Neuauflage, dem Neoliberalismus, liegt die These aber falsch: Der Markt ist gut - staatliche Eingriffe sind schlecht.
Bullshit. Der Markt ist weder gut noch schlecht, er ist einfach. So sind auch die Resultate des Marktes an und für sich weder gut noch schlecht, sie sind einfach so, wie die herrschenden Bedingungen sie geschaffen haben. Und da gibt es nun ja eigentlich keinen glaubhaften Grund, warum z.B. die Kapital- und Geldhändler beliebig mit dem Markt spielen dürfen (wenn ausreichend viele Kapitalhändler die gleiche Strategie spielen, schaffen sie durch die "self-fulfilling-prophecy die gewünschte Marktbewegung. Da sie dazu wissen, wie diese entstanden ist, können sie auch rechtzeitig sich wieder empfehlen, und die Dummen zahlen die Zeche), der spekulativen Gewinne wegen - der Staat sich aber rauszuhalten habe. Diese liberale Basisideologie heiligt selbstsüchtiges Handeln und verbietet Handeln zum Wohle der Gemeinschaft, schafft also eigentlich erst die Gesellschaft rücksichtsloser Profitjägern, zu der uns ihre Theorie machen will.
| Kommunismus ist,
wenn jeder von allem genug hat.
Anfrage an den Sender Jarewan: Frage an Radio Eriwan: Frage an Radio Eriwan: "Wo sitzt eigentlich
der, der immer die Witze über Radio Eriwan erfindet?" |
Setzt darauf, dass die Menschen erst miteinander ihre Bedürfnisse aushandeln, und dann die dazu notwendige Infrastruktur, Produkte und Dienstleistungen gemeinsam herstellen.
Setzt darauf, dass die Menschen gleiche Rechte haben sollten, was bei ungleich verteiltem Vermögen nicht der Fall sein kann. Da sich Vermögen immer auf Vermögen häuft, setzt der Kommunismus, wie übrigens die meisten Stammesorganisationen, alt oder neu, auf Gemeinschaftsbesitz, Allmend.
Ganz so neben den Schuhen, wie wir das gerne hätten, stand er übrigens gar nicht, der alte Marx. Der hat vor über 150 Jahren eine ganze Menge der Probleme bereits erkannt, die einem heute zwar nur so um die Ohren fliegen, aber von politischen wie wirtschaftlichen Grössen einfach weggewäffelt werden. So z.B. das Problem der hierarchischen Einspannung in der modernen Produktion, die eigentlich jede Idee von Freiheit mit Füssen tritt. Es ist unbestreitbar, dass Kommunistische Regimes mit Autorität und Zwang regierten. Eben so unbestreitbar wäre aber, dass sie sich dabei nicht auf Marx berufen können::
Das Privateigentum des Arbeiters an seinen Produktionsmitteln ist die Grundlage des Kleinbetriebes, der Kleinbetrieb eine notwendige Bedingung für die Entwicklung der gesellschaftlichen Produktion und der freien Individualität des Arbeiters selbst. Allerdings existiert diese Produktionsweise auch innerhalb der Sklaverei, Leibeigenschaft und anderer Abhängigkeitsverhältnisse. Aber sie blüht nur, schnellt nur ihre ganze Energie, erobert nur die adäquate klassische Form, wo der Arbeiter freier Privateigentümer seiner von ihm selbst gehandhabten Arbeitsbedingungen ist, der Bauer des Ackers, den er bestellt, der Handwerker des Instruments, worauf er als Virtuose spielt.
Diese Produktionsweise unterstellt Zersplitterung des Bodens und der übrigen Produktionsmittel. ... Sie ist nur verträglich mit engen naturwüchsigen Schranken der Produktion und der Gesellschaft. Sie verewigen wollen, hiesse, wie Pecqueur mit Recht sagt, "die allgemeine Mittelmässigkeit dekretieren". ... Ihre Vernichtung, die Verwandlung der individuellen und zersplitterten Produktionsmittel in gesellschaftlich konzentrierte, daher des zwerghaften Eigentums vieler in das massenhafte Eigentum weniger, daher die Expropriation der grossen Volksmasse von Grund und Boden und Lebensmitteln und Arbeitsinstrumenten, diese furchtbare und schwierige Expropriation der Volksmass bildet die Vorgeschichte des Kapitals. S. 924-5
Die Expropriation vollzieht sich durch das Spiel der immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion selbst, durch die Zentralisation der Kapitale. Je ein Kapitalist schlägt viele tot. Hand in Hand mit dieser Zentralisation oder der Expropriation vieler Kapitalisten durch wenige entwickelt sich die kooperative Form des Arbeitsprozesses auf stets wachsender Stufenleiter, die bewusste technische Anwendung der Wissenschaft, die planmässige Ausbeutung der Erde, die Verwandlung der Arbeitsmittel in nur gemeinsam verwendbare Arbeitsmittel, die Ökonomisierung aller Produktionsmittel durch ihren Gebrauch als Produktionsmittel kombinierter gesellschaftlicher Arbeit, die Verschlingung aller Völker in das Netz des Weltmarkts, und damit der internationale Charakter des kapitalistischen Regimes. S. 926
Die aus der kapitalistischen Produktionsweise hervorgehende kapitalistische Aneignungsweise, dahinter das kapitalistische Privateigentum, ist die erste Negation des individuellen, auf eigene Arbeit gegründeten Privateigentums. S. 927
Weitere Zitate von Marx, nachträglich gefunden und eingefügt, die belegen, dass Marx eine ganze Menge der Dinge die bei Brainworker kritisiert werden, bereits vor über 1.5 Jahrhunderten erkannt hat:
- Marx als Prä-Schumpeter
- Kapitalismus als religiös verbrämtes Machtstreben und Geiz
- der Prozess der Machtkonzentration
- von Sklaverei zur Ueberzeit (Ueberarbeit)
- Armut ist Freiheit
- Verwohlfeilung der Wahre ist Verwohlfeilung der Arbeiter
- wie man die Löhne drücken kann
- wie man überflüssige Arbeitskräfte los wurde
- Ein Leistungspotential (Arbeitsvermögen), dass sich nicht verkaufen lässt, ist nichts wert
- Jeder Bauer der sein Land verlässt, wird zur billigen Arbeitskraft der Stadt
- Handel löst bestehende Produktionsstrukturen auf - bringt also nur dort Vorteile, wo die "freigestellten Arbeitskräfte" ebenso oder noch besser noch produktiver eingesetzt werden können.
- steigende Zinsen = fallende Aktienpreise
- die Aneignung durch Wenige, erleichtert durch das Glückspiel der Börse
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Geld und Markt sind die wirklichen Polizisten des Kapitalismus. Gilles Deleuze, Felix Guatarri: Anti-Oedipus. Kapitalismus und Schizophrenie. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft. 224. Frankfurt a.M. 1974. S. 307 |
Der Kapitalismus löste den Feudalismus und das Zunftwesen der Städte im 17. JH ab. Er basiert auf Calvins und Zwinglis Interpretation, dass sich göttliches Wohlwollen bereits auf Erden zeige. Durch Sparsamkeit, vollen Einsatz von Kapital und Arbeit und Reinvestition der Gewinne entstand eine Konkurrenz des Habens, die als Repräsentativ nicht bloss für irdisches, sondern gar für himmlisches (späteres) Sein genommen wurde. Das Problem, das uns heute am meisten zu schaffen macht, nämlich das auf der Erde alles was wächst irgend wann an eine Grenze stösst, war also von Anfang an im Konzept angelegt. Es wurde nicht so weit gedacht, wie es inzwischen gekommen ist, denn für die Calvinisten, Puritaner, Pietisten etc. war Wohltätigkeit Teil des Konzepts. Allerdings erlag diese bald mehr und mehr dem Drang zu Macht und Beherrschung, die als "Wettbewerbsfähigkeit" lange wohl getarnt blieben, bis, dank der Globalisierung, deren Auswirkungen auf lokale und nationale Wirtschaften deutlicher und zerstörerischer wurden. Die volle Entfaltung des Kapitalismus kam erst mit dem Industriezeitalter. Dieses begann zwar im 18. JH, wurde aber erst im 19. als solches erkannt und beschrieben.
Frühkapitalismus
Global, also im Rahmen der damals bekannten Welt, wird eigentlich schon seit tausenden von Jahren. Auch Geld ist seit etwa 2500 Jahren im Umlauf. Die Grundlagen, die den Kapitalismus aber voll zum Ausbruch brachten, Doppelte Buchführung, Banken und Kredite, kamen aber erst auf mit den Städten, fürstlichen Herrschaften und Repräsentationen. Im Frühkapitalismus beschränkte sich das Kapital und seine Herren noch auf die eigenen Domäne - obwohl es bereits früh Ausnahmen gab, wie etwa die Fugger, die sich ihre Kaiser und Päpste kauften, also gleich auch die Politik und Religion.
Hochkapitalismus
Definition: Kapitalismus ist die Forderung nach unbegrenzter Kapitalakkumulation durch den Einsatz formell friedlicher Mittel.
Luc Boltanski, Ève Chiapello: Der neue Geist des Kapitalismus.
Das vorrangige Merkmal des Kapitalismus ist, dass die als Kapital bezeichneten Finanzverträge in überwiegendem Umfang die Form eines Wertpapieres haben, verbrieft sind, und an der Börse gehandelt werden.
Ein nachrangiges Merkmal des Kapitalismus ist die Zurücknahme des Staates an jenen Bereichen der Wirtschaftstätigkeit, die ebenso gut (oder sogar besser) von privater Seite gestaltet werden können.
Spremann, Gantenbein: Kapitalmärkte. UTB2517. Lucius&Lucius, Stuttgart, 2005. S. 13
Spätkapitalismus
Wie Sie anhand der Definitionen sehen (falls sie bei Hoch- und Spätkapitalismus klicken), sollten wir uns eigentlich bereits im späten Spätkapitalismus oder im Nachkapitalismus befinden. Leider haben sich da nicht bloss der alte Lenin, sonder auch der weniger alte Habermas, ziemlich getäuscht, denn das Beste sollte erst noch kommen, nämlich die totale Nutzung des Kapitals über den Kapitalmarkt (s. Geigy & Die Selbstüberschätzung der Kapitalmärkte):
Die Spaltung zwischen Kapital- und Arbeitsmarkt
Die Ideologie des Kapitalismus lautet: Wenn die Betriebe (von den Inhabern wird da nur selten geredet ...) Profite machen, können sie investieren, neue Produkte schaffen und neue Märkte erobern - wodurch auch neue Stellen entstehen. Die Realität in den USA wie für viele Länder Europas lautet aber eher auf jobless growth. Warum das?
Das dürfte vor allem an den immer seltsameren Produkten der Finanzmärkte liegen, die sogar von Fachleuten gerne als Spielgeld bezeichnet werden. Die von und an diesen Märkten geschaffenen "Werte" verlieren immer mehr den Bezug zu realen Werten und Prozessen, die sie massiv überschätzen. Deswegen ist auch nur noch eine beschränkte Umwandlung von Börsenwerten in realen Geldwert möglich. Dazu:
Jeremy Grantham, Chairman der Bostoner Vermögensverwaltung Grantham, Mayo & Otterham (GMO) schätzt etwa, dass der US-Börsenindex S&P 500 von heute 1200 auf 725 Punkte fallen wird, was eine Überbewertung, und damit eine Absturzgefahr, von 40% bedeutet. Seine Prognose basiert auf der historischen Tatsache, dass bei den meisten Crashs die auf das Zerplatzen von Spekulationsblasen zurückzuführen sind, der Kurs nach dem Crash dem vor dem Boom entsprach. Einigermassen logisch. Die Internetboomblase des Millenniumswechsels wurde zudem von der Zentralbank (Greenspan) durch tiefe Zinsen begünstigt, wie auch durch die Steuerkürzungen. Die Blase zeigt deutlich das Problem. Das durch Steuerlasse und günstige Zinsen zur Verfügung gestellte Geld fand keine produktiven Anlagemöglichkeiten, sondern stürzte sich auf alles was zu haben war an Anlagen und trieb die Preise der Aktien in die Höhe - ohne dass diesem Anstieg in der Realwirtschaft entsprechende Gegenwerte gegenübergestanden hätten. Das Kurs-Gewinn- Verhältnis, das zu "normalen" Zeiten bei 16 lag, liegt heute noch bei 21, obwohl es vor dem Crash noch weit höher lag. Das Verhältnis der Börsenwerte zu den Ersatzkosten, also den Kosten, die ein Neuaufbau der entsprechenden Firma verursachen würde, lag 1982 bei 1/2, im Jahr 200 bei 2.5/1 und heute immer noch bei 1.5/1. Das heisst, für 2/3 des Börsenwertes könnte man die Firmen gleich neu bauen.
Aktien von Schwellenländern liegen heute im Trend. Goldman Sachs hat ausgerechnet, dass China bis zum Jahr 2015 Japan überholen wird und bis 2039 sogar die USA. Bis 2040 könnten Brasilien, Russland, Indien und China zusammen mehr Gewicht (und Macht) haben, als die zur Zeit grössten 6 Wirtschaftsnationen. Während Grantham Schwellenländer als Alternative empfiehlt, insbesondere Südkorea und Brasilien, zeigen die Untersuchungen von Wirtschaftsprofessor Paul Marsh, Global Investment Returns Yearbook 2005, dass höheres Wachstum nicht unbedingt höhere Gewinne bedeutet. Es wurden dafür 53 Länder untersucht, deren Daten in 17 Fällen 105 Jahre umfassen. Die Erträge (hellblau) fallen von rechts nach links - und haben mit Wachstum (grün) offenbar kaum etwas zu tun: Australien 7.6% - Wachstum 1.9%, über die USA mit 6.6%, Wachstum 2%, Schweiz 4.2%, Wachstum 1.8%, Japan 4.2%, Wachstum 3.6% ... Bei den Erträgen handelt es sich um reale, inflationsbereinigte Gesamterträge von Aktien, also Dividende + Kursveränderung.

| Unternehmen | Konzerngewinn | Veränderung bei |
| Mio Fr. | Mitarbeitern | |
| UBS | 8539 | -672 |
| Novartis | 6862 | 330 |
| Roche | 6641 | 309 |
| Nestlé | 6262 | 0 |
| Credit Suisse | 5653 | -900 |
| Zürich | 2907 | -500 |
| Swiss Re | 2127 | -25 |
| Swisscom | 1603 | -655 |
| Holcim | 892 | leicht im Minus |
| Serono | 589 | -4 |
| Swiss Life | 584 | 0 |
| Syngenta | 547 | -90 |
| Swatch | 546 | -95 |
| Adecco | 459 | 0 |
| Synthes | 442 | 140 |
| Givaudan | 385 | leicht im Minus |
| Ciba | 379 | -70 |
| Richemont | 366 | -43 |
| SGS | 294 | leicht im Minus |
| ABB | 292 | 0 |
| Baloise | 225 | 0 |
| Julius Bär | 210 | 0 |
| Clariant | 159 | -350 |
| Lonza | 136 | 0 |
| Kudelski | 62 | 0 |
| Unaxis | -321 | 0 |
| Total | - 2625 |
Die Tabelle rechts (nach Pascal Schuhmacher: 2625 Arbeitsplätze verschwinden. CASH 17. Februar 2005. S. 10-11) zeigt, dass trotz zunehmender, beachtenswerter, und von der Börse auch beachteter, Gewinne, kaum Stellen geschaffen werden. Im Gegenteil. Arbeitsplätze werden, falls überhaupt, im Ausland geschaffen, wo sie günstiger sind. Sie fühlen sich also dem Kapitalmarkt stärker verpflichtet als den Mitarbeitern oder gar der regionalen oder nationalen Volkswirtschaft. Die lachen, wenn sie so was schon bloss lesen. Calida lässt eh nur noch aus der Ferne grüssen und produziert nur noch in Osteuropa und Fernost. (Sollen sie den Scheiss auch dort verkaufen, würd' ich da sagen, wenn ich dürft').
Die Reingewinne der im SMI-Index aufgeführten Firmen betrugen im Jahr 2004 rund 47 Milliarden. Davon erwirtschafteten alleine die 5 grössten, nämlich UBS und CS, Nestlé, Roche und Novartis, über 30 Milliarden.
Diese Realität belegt obigen, etwas scherzhaft gemeinte aber doch leider reale Verwandtschaft des mittelalterlichen Feudalismus mit dem modernen Grosskapitalismus. Die Lehensnehmer fühlen sich nicht in erster Linie für die Bewohner der Feude (damals die Bauern) verantwortlich, sondern für das Auspressen einer möglichst grossen Kapital-Rendite.
Für diese Loyalität gegenüber dem Kapital lassen sich die Lehensnehmer allerdings fürstlich belohnen [s. Spitzengehälter des Top-Managements]
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| Kaum ein Land exportiert derart viel Kapital ins Ausland wie die Schweiz. Hier als % des BSP im Ländervergleich | hier die Auslandsinvestitionen der Schweiz in Milliarden Fr. |
Man
sieht hier auch deutlich, wo das Geld hin geht, das nicht über Löhne in den
Wirtschaftskreislauf gelangte: Es schafft Arbeitsplätze im Ausland. Schweizer
Firmen beschäftigen zusätzlich zum Personal im Inland (4.4 Millionen) nochmals
50% mehr im Ausland. Hier vermutlich der Hebel, mit dem die Löhne seit Jahren
tief gehalten werden, d.h. Lohnerhöhungen abgelehnt werden:
Wäre das die Situation in Russland oder China, man würde es
Erpressung nennen ....
| Nach Arbeitsplätzen im Inland: | Nach Arbeitsplätzen im Ausland | ||
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54480 41126 39292 29007 15477 11839 10900 10623 8000 7891 7498 7034 6800 6594 6477 6269 6049 5400 5300 4723 |
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240'000 96'700 70'492 57'092 46'200 35'331 32'700 23'501 21'000 20'823 20'205 19'505 16'936 15'338 13'577 12'555 11'769 10'207 9'830 8'665 |
Der Umfang der Herrschaftsgebiete, was Untergebene anbelangt, zeigt doch, dass die neofeudalen Herrschaftsgebiete kleine Herrschaften sind, sogar im Falle der Migros.
Was die Erträge oder sogar die Investitionen angeht liegt die Sache allerdings anders. Bereits die Gewinne dieser Grossfirmen sind ein Vielfaches dessen, was mancher 3.Weltstaat als nationales Budget zur Verfügung hat:
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Wir sehen klar, dass die neue Feudalherrschaft weitaus weniger mit Personen, als
mit Geld zu tun hat. Diese 20 führenden Betriebe beschäftigen in der Schweiz
insgesamt 291'000 (6%), mit dem Ausland 782'000 Mitarbeiter. Das Positive daran
ist, dass mit der Begrenztheit der personellen Auswirkungen Krisen leichter
aufgefangen werden können. keine einzelne Feude beherrscht ihn, DEN
Arbeitsmarkt, den es in der Form ja gar nicht gibt. Das System bleibt also
relativ stabil, auch beim Zusammenbruch einzelner Feuden.
Daraus ergibt sich aber auch eine äusserst kritische Frage: Wenn die Feudalherren die Volksmeinung offenbar nicht über direkte Gefolgschaft manipulieren können, wie dann? Lesen Sie eine Zeitung, dann merken Sie's. Nämlich genau so wie alle Feldherren zu allen Zeiten: Über ideologische Propaganda. Nur heisst die heute nicht: Das Volk soundso ist hinterlistig, gemein, minderwertig - und profitiert von uns. Sondern: Ihr müsst mehr Arbeiten und weniger Verlangen. Was geschieht, ist gott... äh, pardon, Was geschieht, ist vom Markt bestimmt. Wir müssen uns fügen, uns dem Markt anpassen, wir haben darauf keinen Einfluss. Unsere Führer sind von Gott (Markt) erwählt - Unsere Angestellten jedoch von uns, sie sollen sich also ruhig halten. Neofeudalistische Propaganda, wie jede andere Propaganda, setzt nicht auf das Argument das stimmt, sondern auf das Argument, das (emotionaloderwieauchimmer) eine Mehrheit überzeugt, denn Mehrheit reicht hier, Wahrheit ist Luxus für die "Macher". [s. Populismus]. Die Neofeudalisten liefern also 6 bis höchstens 10 % der Stellen, bestimmen aber die Volksmeinung darüber, was Wirtschaft ist und zu sein hat.
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| Unternehmen | Konzerngewinn Mio Fr. |
| UBS | 8931 |
| Novartis | 7162 |
| Nestlé | 6717 |
| Credit Suisse | 5628 |
| Roche | 4339 |
| Zurich Financial Services | 3208 |
| Swiss Re | 2475 |
| Swisscom | 1594 |
| Xstrata | 1308 |
| Holcim | 914 |
| Post | 837 |
| Winterthur Versicherungen | 699 |
| Zürcher Kantonalbank | 695 |
| Rentenanstalt/SwissLife | 624 |
| Serono | 614 |
| Syngenta | 571 |
| Migros | 545 |
| Nach Investitionen 2004 in Mio. Fr. | |
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3295 2732 2351 1576 1136 1123 972 674 431 294 289 279 275 262 259 237 222 205 202 200 |

Handelszeitung Nr. 26. 29. Juni 2005. S. 65-71.
Im Internet,
Daten gegen Bezahlung.
Es wäre hier vor allem interessant zu wissen, wohin die Erträge flossen, die nicht investiert wurden, vor allem, wie viel davon als Schuldzinsen abgehen, denn im Allgemeinen fordert die Wirtschaft ja Erträge die den Aufwand übersteigen, also Gewinne, um in die Zukunft investieren zu können. Aber, wie die Vorgänge bei der Post gegenwärtig zeigen, üben sich die Unternehmen gerne in Bescheidenheit, wenn sie über die Gewinne, die laut eigener Propaganda das erste und wichtigste Ziel sind, Auskunft geben sollten. Geld regiert die Welt, und es tut dies, wie alle nicht demokratischen Regierungen, lieber hinter verschlossenen Türen. Korrektur: Nicht Geld regiert die Welt, sondern diejenigen die über das Geld verfügen regieren die Welt. [Mascha Madörin S. 95]
M. Herzog, Basel, 5.7.05
p.s: Apropos Feudalismus ... ein von Feudalherren gerne angewendetes Mittel, ihren Besitz zu vergrössern, war ja die Heirat. So hat z.B. Daniel Vasella die Nichte des damaligen Sandoz-Chefs Marc Moret geheiratet ... Dank des selben Mittels gelangte Walter Boweri (Gründer von Braun-Boweri) an die notwendigen 500'000 Fr. für die Firmengründung. Victoire Baumann, Tocher eines Zürcher Industriellen hat sie 1891 als Mitgift in die Ehe gebracht ... Weitere Beispiele finden Sie en Masse im jährlichen Bericht von BILANZ: Die 300 reichsten Schweizer.
p.s.p.s: Zum neofeudalistischen Gehabe passt auch, dass sich immer mehr der neuen Geldherren hinter alte Schloss- oder Burgmauern zurückziehen. Etwa 130 der gut erhaltenen 330 Burgen und Schlösser der Schweiz gehören heute Privaten:
Schloss Rhäzüns, GR, Christoph Blocher
Burg und Schloss Haldenstein, GR: Ems Chemie, Stiftung
Schloss Rietberg, GR: SP-Nationalrat Andrea Hämmerle
Schloss Oetlishausen, TG: Flughafendirektor Felder
Schloss Sonnenberg, TG: Christian Baha (Superfund Investment, OE)
Schloss Mammertshofen, TG, seit langem in Besitz der Familie von Planta
Schloss Eugensberg, TG: Familie Erb
Schloss Weinfelden, TG: von Finck
Schloss Hüttwilen, TG: Ehepaar Thorn
zum Verkauf stehen im Kanton Bern: Schloss Burgdorf:, Belp, Büren, Schwarzenburg, Blankenburg, Laupen, Trachselwald, Schlosswil, Aarwangen - und die Amtshäuser Wimmis, Meiringen, Erlach und La Neuveville.
Postkapitalismus:
Post-Kapitalismus: Effiziente Netzwerke statt teuerer Strukturen auf der einen - Motivation durch Sachzwang und Angst auf der andern Seite.
Gegenwärtig noch in Aufbauphase: Der sich vom Sachkapital befreiende, aber dennoch äusserst herrschsüchtige, Nachkapitalismus der Kulturhändler. Dort finden Sie auch einen schlagenden Beleg für die Refeudalisierung, trotz zunehmender Trennung von Sach- und Finanzkapital. 27.9.05
Die wohl umfassendste Kritik des Kapitalismus stammt (nebst Marx und Lenin natürlich) von Robert Kurz: Schwarzbuch Kapitalismus
Hans Rentsch: Der befreite Bauer. avenir suisse: Mit Vollgas zurück ins 19 JH ... oder besser gleich ins feudalistische Mittelalter.
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Ein aktiver Kämpfer gegen den modernen Feudalismus,
Meudalismus
genannt, ist Dr. Harald Wozniewski,
der grad ein Netzwerk zu gründen sucht. Falls Sie Interesse haben, selbst
Beiträge dazu verfasst haben und mitmachen möchten, melden Sie sich doch
bitte. "rrreiche" von Groovti, Politpop von Theo Krönert:
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und wie die Verteilung des Wohlstands, inklusive des Wachstums, so aussieht
Hans Kissling, pensionierter Ex-Chef des statistischen Amtes des Kantons Zürich hat die Verhältnisse in diesem Kanton zwischen 1991 und 2003 mit Zahlen belegt und publiziert in einem Buch mit dem passenden Titel: Reichtum ohne Leistung:
| Anteil an | Anteil an versteuertem | durchschnittliches | Anstieg der Vermögen | |||
| Gruppe | Anzahl | Bevölkerung in % | Vermögen in % | Vermögen | von 1991-2003 in % | |
| 3 Superrreiche | 3 | 0.000410959 |
56 |
8.5 Milliarden | 300 | |
| 10 Superreiche | 10 | 0.001369863 |
66 |
200 | ||
| Zehntelpromille | 73 | 0.01 | 157 Millionen | 100 | ||
| 100 Superreiche | 100 | 0.01369863 |
75 |
|||
| 1 Promille | 730 | 0.1 | ||||
| Das reichste eine % | 7300 | 1 |
95 |
6.8 Millionen | 70 | |
| Die ärmsten 27% | 197100 | 27 | 0.00 |
0 | 0 | |
| Total | 730'000 | 100 |
100 |
35000 | 21 | |
Bereits die 3
Reichsten (Viktor Wekselberg: 14-15 Milliarden), Walter Haefner (7-8 Milliarden)
und Jorge P. Lehmann oder Michael Schmidt-Ruthenbeck (4-5 Milliarden) besitzen
bereits mehr als die Hälfte der kantonalen Vermögen in Zürich, die 10 Reichten
bereits 2/3. 1% der Bevölkerung besitzt 95% des Gesamtvermögens, d.h. 99%
besitzen Peanuts, abgestuft, von Stücken bis Hand voll, die untersten 27% keinen Pfifferling. Dieser Anteil
hat sich von 25 auf 27% erhöht.
Das ist aber nicht das ganze Problem. In den letzten 20 Jahren
haben nicht nur in den USA bloss die Reichen ihren Wohlstand vermehrt, sondern
auch in der Schweiz. Je reicher - desto mehr Wachstum. Der Durchschnitt erzielte
eine "Rendite" von 21% auf seinem Vermögen - in diesen 12 Jahren, also
nichts grandioses. Das reichste % immerhin schon 70%, die reichsten 73 100%, die
reichsten 10 gar 200, und die reichsten 3 300%. Und diesen sollen zwecks
Standortsverbesserung die Steuern erlassen werden - während diejenigen die
nichts haben gefälligst bezahlen.
Und das stellt ja nun wohl doch jede Bananenrepublik in den Schatten ... Man fragt sich da schon, ob es wirklich der Staat ist, der "Leistung" demotiviert ... |
Im übrigen sind bei diesen Zahlen nur die steuerbaren Vermögen berücksicht, also keine Liegenschaften ausserhalb des Kantons, keine Altersvorsorge, Hausrat und "nicht steuerbares Vermögen".
Diese Vermögen werden fast automatisch vermehrt, ohne Arbeit, und vererbt, ohne Steuern. Sie begründen also eigentliche Feudalherrschaften - die wiederum die Futtertröge verteilen, nach Loyalität und Begabung in der Geldvermehrung, also nicht nach dem was gemeinhin unter "Leistung" verstanden wird. Auch weniger talentierte oder intelligente Mitglieder dieser Gesellschaft werden durch Privatschulen und Eliteschulen mit den richtigen und wichtigen Papieren versehen, damit sie die Herrschaft antregen können.
Diese Vermögen üben über Lobbying auch enormen Einfluss auf die Politik aus, nicht bloss in den USA. Keine Partei als die Milliardärspartei, die SVP, kann so viel Geld für Werbung ausgeben, nicht mal die FDP, die früher diesen Vorteil genoss.
Als Lösung wird eine Erbschaftssteuer vorgeschlagen, diesmal aber nicht um die Kleinen zu plagen, sondern um vererbte Herrschaft, also eben Feudalismus, Geldadel zu verhindern. Ab 1 Million soll diese bis zu 50% betragen.
Erbschaftssteuern, im allgemeinen Einvernehmen weitgehend abgeschafft, wären allerdings die wirtschaftlich am wenigsten demotivierenden Steuern - und ein probates Mittel, wirtschaftliche Machtballungen zu korrigieren (die ihrerseits ja auch den freien Markt beeinträchtigen ...). Während dem Einkommensteuer den Leistungswillen beeinträchtigen kann, Vermögenssteuern die Sparneigung beeinträchtigen, verhindern Erbschaftssteuern eben bloss Machtbildung von Familienclans, also Feudalismus.
Kritisiert wird daran, dass diese zur Abwanderung reicher Familien führen wird. Da aber in vielen Ländern die Erbschaftssteuern für sehr grosse Erbschaften bereits 50% betragen, wäre das nur möglich, wenn wieder ein Kantönchenspiel möglich wäre - weshalb eben eine nationale Erbschaftssteuer vorzuziehen wäre. Die Akzeptanz beim Volk wäre da nicht mal so schlecht. Da 30% eh nichts erben, 54% ein Butterbrot (2% des gesamten Erbschaftswertes), wäre eine Mehrheit leicht zu gewinnen. Da dem Volk aber das Butterbrot wichtig ist, fanden anlässlich einer Umfrage 2004 nur 24% eine Erbschaftssteuer richtig. Bis 2007 war die Zustimmung allerdings bereits auf 49.8% angestiegen (dank der Abzocker vermutlich). Bei hohem Freibetrag, d.h. einem dicken freien Butterbrot von einer Million Franken sind dann allerdings 70.5% der Schweizer für eine Erbschaftssteuer. "Unfreiheit" oder antiliberale staatliche Abzockerei ist das ebenfalls kaum, denn der urliberale Staat, die USA, gewährt zwar einen Freibetrag von 2 Millionen Dollar pro Nachlass - erhebt aber auf grösseren Erbschaften ebenfalls 48% Steuern.
Mit einer solchen Steuer liesse sich die Vermögenssteuer total abschaffen (418 Millionen im Jahr 2006 im Kanton Zürich), da die Einnahmen sich auf rund 2 Milliarden belaufen würden. Von den weitern 1.5 Milliarden könnte die Einkommenssteuer für tiefe, mittlere und sogar "nicht all zu hohe" Einkommen beträchtlich gesenkt werden (totale Einnahmen 2.5 Milliarden).
Man kann nun diese Zahlen auch in Relation setzen zum "unbezahlbaren Sozialstaat": Der Kanton Zürich muss jährlich ca. 600 Millionen für die Sozialhilfe aufwenden, 1/4 davon als Kosten der Institution. Dieser Aufwand wird als unbezahlbar betrachtet. Hier werden die Empfänger getriezt, geplagt, nackt ausgezogen, permament inspiziert, drangsaliert, reintegrativ bearbeitet. 600 Millionen ... eingespart durch effiziente, ausschliessende Wirtschaft, eingenommen eben von denjenigen, die hier führen, bezahlt von denen, die noch Arbeit haben.
Apropos Steuern, da hat doch Economiesuisse, unsere Wirtschaftsreligionsfundamentalisten, 2007 eine detaillierte Analyse bereit gestellt, die belegen soll, wie ungerecht verteilt die Steuern in der Schweiz sind, da die Reichen den weitaus grössten Brocken davon zahlen.
Gemessen am Potential müsste eigentlich dieses 1% nicht bloss die Hälfte, sondern 95% der Vermögenssteuern bezahlen? Das Gegenargument lautet natürlich: Doppelbesteuerung! Das Vermögen ist erspart. Es wurde bereits Steuern bezahlt als Einkommen. Nu ja, nun verdienen sie mal so ein paar Milliarden durch Arbeit. Wie lange müssen Sie da was auf die Seite legen? Also wenn der Vasella jedes Jahr 22 Millionen auf die Seite legt, braucht er dennoch fast 50 Jahre um auf eine Millarde zu kommen. Das hat also nix mit Leistung oder Sparen im üblichen Sinne zu tun. Die Sozialkosten schon, denn das sind die gesparten Ausgaben der Betriebe ... die dann der Staat übernehmen muss, weil ihm sonst die von den Sparern überflüssig Gemachten die Meinung geigen.
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[Constantin Seibt: Die Schweiz gleicht einem Feudalstaat. Tagesanzeiger 14. Mai 2008, S. 1/13]
Kommentare in der Presse zur Erhöhung der Erbschaftssteuer auf 50% bei Vermögen über 1 Million:
16.5.08, Tagesanzeiger, Analyse, S. 11, Christian Huber, Ex-Finanzdirektor des Kantons Zürich:
Huber findet es toll, dass das Vermögen "aller" im Durchschnitt um 20% zugenommen hat - hat also offenbar absolut nichts begriffen von wegen "aritmetischer Mittelwertsbildung" (bei 99 die nichts haben und einem der Milliardär ist, wäre das durchschnittliche Vermögen auch ganz fantastische 10 Millionen - 99 haben aber nix davon). Peinlich für einen Finanzdirektor. Als Gegenargument gegen die Machtballung in den Händen Reicher bringt er Hillary Clinton, die Probleme hatte, Spenden aufzutreiben, als Gegenargument gegen die Milliardärspartei SVP bringt er den Bauern Toni Brunner - und die Abwahl von Blocher. Das Vorhaben wird von ihm als unethisch, ungerecht, unvernünftig und unliberal bezeichnet - was die herrschenden Verhältnisse offenbar nicht sind. Er bemüht gar das Recht auf Leben, Freiheit und Eigentum ... übersieht aber geflissentlich, dass es eben um dieses Recht geht, bei denen, deren Leben von Eigentümern (der Arbeitsplätze) bestimmt wird, deren Freiheit durch Anforderungen der Betriebe massiv beeinträchtigt ist - und die über keinerlei nennenswertes Eigentum verfügen, eben weil sich andere alles aneignen.
Schwindelhaft wird es aber, wo Huber das Mäzenatentum bedroht sieht. Denn gerade dieses würde vermutlich massiv gefördert, nicht zerstört, da viele Reiche es vorziehen dürften, grössere Teile ihrer Vermögen einer Stiftung zu vermachen, bei der sie auf die Verwendung Einfluss haben, als das Geld dem "Verschwenderstaat" zu überlassen.
Diese Kritik ist Kokolores.
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In den Leserbriefen lautet das Hauptargument: Neid. Dieses rechtpopulistisch banale Argument verweigert jegliche Kritik an Reichtum mit dem einfachen Hinweis auf eine negative Charaktereigenschaft, die bei der Kritik mit beteiligt sein könnte. Der einseitig verteilte Reichtum verursacht aber Probleme. Das Neidargument ist nichts als Populismus. Das heisst, doch, es ist mehr. Es ist hinterlistige Rhetorik, es ist Eristik. Die moderne Oekonomie behauptet ja Tag für Tag, dass sie nur nach Preisen entscheiden soll, nicht nach andern Werten. Sie diffarmiert sozial Denkende als Gutmenschen, die den reellen Charakter der Menschen nicht erkennen. Das Menschenmodell der Wirtschaft ist der rücksichtslos nach Karriere strebende (Hochmut), geizig-gierige, berechnende, nimmersatte, egoistische Mensch - der mehr haben will als sein Nachbar. Der Mensch der allen Todsünden huldigt und auf Tugenden pfeift, es sei denn den Mut des Investors. Und aus dieser Haltung heraus kommen dann die selben Leute und kritisieren Kritik an extremer Selbstbereicherung als Neid? Na ja ... nicht sehr ernst zu nehmen, diese Kritik, wie diese Leute. Die einzige noch gültige Todsünde der modernen Wirtschaft ist die Faulheit, also der Mangel an strebsamer Ausbildung, Bewerbung, Suche nach Verwendbarkeit in der umtriebigen Wirtschaft.
Thorstein Veblen hat seine gesamte Wirtschaftstheorie auf der Bedeutung des Neides aufgebaut, Sein Theorem sagt, dass reiche Leute teure Güter nicht wegen ihres Gebrauchswertes schätzen, sondern vor allem deswegen, weil Ärmere sie nicht bezahlen können. Entgegen der Lehrbuchweisheit steigt also die Nachfrage nach solchen Gütern mit dem Preis. Veblens "feine Leute" kennen keine echten Bedürfnisse mehr. ... Nichts erfreut sie mehr als der Neid der anderen. Und so sehr sie gegegen staatliche Lenkung sind, genau so gerne beanspruchen sie den Staat zum Schutz ihres Eigentums und ihrer eigenen Vorteile (Bankgeheimnis z.B.)
Will ein Kanton seine Steuern mit Billigangeboten fördern, auf Kosten der andern Kantone, will die Schweiz das tun, auf kosten der andern Länder, wird ebenfalls mit Neid argumentiert gegenüber Kritik. Die Wirtschaftsmoral ist hier ziemlich bekackt:
Reiche die noch zusätzlich Geld vom Staat erhalten darf man nicht beneiden - Arme, die Geld vom Sozialamt holen hingegen schon. (s. degressive Steuern)
Auch diese Kritik ist Kokolores. Wer Kritikern übermässigen Reichtums auf der einen, "An-den-Rand-Drängen" auf der andern Seite vorwirft, sie seien bloss neidisch, sich also auf die Bühne von Ethik und Moral begibt, der muss sich auch der Diskussion um die Ethik des Kapitalismus stellen.