Etwas systematischer:
DAS Grundproblem mit dem Geld ist, dass es unterschiedliche Funktionen hat, wobei also die Aenderung der Bedeutung der Funktionen die anderen Funktionen ändert oder beeinträchtigt. Es geht dabei vor allem um die Funktionen:
Grundlage des Geldewertes (Geld kommt von gelten, braucht also ein Mass dafür, was und wieviel es gelten soll), war früher Gold (s. Goldstandard). Zwischen 1944 und 1973 galt das Bretton-Woods-Abkommen, das den Dollar an Gold band - und andere Währungen an den Dollar. Dieser Kurs belief sich auf 35 Dollar je Unze Feingold, dabei entsprach eine Unze 31,104 Gramm Gold. Für die entstandene Gleichstellung zwischen Dollar und Unze hatte sich die Federal Reserve Bank of New York (FED), die US-Zentralbank, freiwillig verpflichtet, diese durch Goldkäufe beziehungsweise –verkäufe zu sichern, das heißt den Dollar zu dem Kurs (35 Dollar je Unze) zu kaufen oder zu verkaufen.
Triffin zeigte mit seinem Dillemma bereits 1959 auf, dass das System so nicht stabil sein kann. Die USA müssen immer grössere Mengen an Dollars exportieren um den Weltmarkt liquide zu halten, zur selben Zeit müssten sie aber entsprechende Goldmengen einkaufen, wozu ihnen die Mittel fehlen. Die Deckung des Dollars durch Gold wird also immer dünner - und das Vertrauen schwindet.
Dazu kam, dass für die Finanzierung der Kosten des Korea- und Vietnamkrieges die USA vor allem die Druckerpresse verwendeten, also Inflation produzierten. Stützungskäufe vermochten den Wertverfall nicht aufzuhalten. Die USA konnten auch 1969 dem Begehren von Frankreich nicht nachkommen, Devisenbestände gegen Gold einzutauschen. Am 15. August 1971 löste der US-amerikanische Präsident Richard Nixon die Verpflichtungen auf, US-Dollars in Gold zu tauschen. Viele Mitgliedsländer verkauften daraufhin ihre Dollarbestände. Es kam zu einer Abwertung, einem enormen Absinken des Dollarkurses. Der US-Dollar erlebte seinen Tiefststand: Beispielsweise wurde 1971 der Dollar zur D-Mark um 13,57 Prozent abgewertet, der Kurs entsprach 3,22 Mark/Dollar. Damit brach das Bretton-Woods-System zusammen und die Golddeckung wurde nach und nach von den meisten Ländern aufgegeben. Die Geldmenge muss also heute der Leistung der Volkswirtschaft entsprechen.
Der Vorschlag von Keynes, für internationalen Handel eine eigene Währung zu schaffen, den Bancor, wurde leider nicht weiter verfolgt. So ist der US-$ nach wie vor die wichtigste Handelswährung - gefolgt vom Euro ... es sei denn, der schwächelt grad mal wieder, dann kriegen die Schweizer Exportprobleme:

Da die USA immer noch so agieren, wie wenn sie die Welt mit Dollars versorgen müssten (oder könnten, s. auch unverdiente Gewinne durch Seignorage), geht der Kurs des Dollars den einzigen Weg, der ihm unter den Bedingungen bleibt: nach unten. Seit Wochen hängt er nun bereits unter 1 Fr (Ende Sept. 2010) - und alles was die USA anbieten, ist wieder mal ein Krieg, mit Iran, oder gar mit China:
Die Gewaltige Entwicklung die der Goldpreis zur Zeit in $ zeigt, müsste also richtigerweise nicht als Anstieg des Goldpreises, sondern als Verfall des Dollarwertes interpretiert werden. Hier eine Vergleichskurve mit Euro, der ja auch grad etwas gelitten hat mit Griechenland, aber dennoch eine weitaus gemässigtere Preisentwicklung aufzeigt.
Palladium, Silber und Platin zeigen allerdings noch weitaus stärkere Steigerung, was aber knappheitsbedingt ist. s. Rohstoffpreise
Gold ist ein Mittel, das Sicherheit garantiert, dazu in Form von Schmuck noch atraktiv aussieht, weshalb es vor allem in Asien so beliebt ist. Gold ist damit aber auch Rohstoff (nicht nur der Industrie), und sein Preis damit von der Nachfrage abhängig. Diese Nachfrage wurde in den letzten Jahren vor allem durch China und Indien, noch mehr aber durch Zertifikate (Gold-ETFs) extrem gefördert. Diese müssen jeweils mit Gold hinterlegt sein, generieren also ihre eigene Nachfrage.
Dazu kommt, dass die Notenbanken von Indien, Russland und Saudiarabien angekündigt haben, ihre Goldreserven aufstocken zu wollen. Gerade anhand des neuen Grossreservisten China zeigt sich das Problem. Chinas Nationalbank hält zur Zeit nur 1.6% ihrer insgesamt 2500 Milliarden Dollar an Reserven in Gold. Möchte China den internationalen Durchschnitt von 10% anstreben, müsste es 7000 Tonnen Gold kaufen, also die Gesamtmenge die innerhalb des letzten Jahres produziert wurde.
Da nebst dem dauernd schwächelnden Dollar nun auch der Euro sich als nicht all zu stabil erweist, da Staaten, die nicht unbedingt die USA unterstützen wollen, meist genau so wenig von der EU halten, versuchen sie (China, Russland, die Philippinen, manche Golf- und andere Oelstaaten) den Dollar loszuwerden und schwenken auf Gold um. Da die Produktion stabil blieb, stieg der Preis (allerdings, nota bene, vor allem in Dollar!).
Dazu kommt, dass die Staatschulden, obwohl seit 30 Jahren darüber gejammert wird, dauernd steigen, immer mehr Staaten an den Rand der Zahlungsfähigkeit geraten, weshalb die klassischen Staatsobligationen auch nicht mehr so ganz voller Vertrauen angenommen werden.
Mit Ausnahme der Schweiz (sic!), Schwedens und Luxemburgs erfüllt eigentlich kein EU-Land die Stabilitätsanforderungen mehr. Jährliche Defizite wie Schuldenquote übersteigen die einst festgelegten Grenzen zum Teil massiv, insbesondere bei Irland, Grossbritannien, Griechenland und Italien.
Wo die Menschen auf Geld-Wert setzen statt auf Tausch-Wert, also produktiv erwirtschafteten Wert, fehlt das Vertrauen in eine positive Entwicklung, was genau wie beim Goldpreis dann eben zur self-fulfilling prophecy werden kann. Zu denken geben muss hier die Tatsache, dass Gold zur Zeit eine Rendite von 4.4 % abwirft, womit es Rohstoffe (-1.1%), Immobilien (0%: Case shiller index seit 1970), Staatsanleihen (4%) übertrifft, und nur wenig hinter Aktien (5.3%) hinterherhinkt. Umgekehrt kann man heute für den Geldwert einer Unze Gold (31 g / 1300$) ein guter Anzug kaufen - genau wie zu Zeiten der Römer.
Hängt man diese Aussagen logisch zusammen, heisst das eigentlich, dass wir heute unter einer verborgenen generellen Deflation von 4% leiden. Der sog. "Wohlstand" macht also das Leben nicht nur mühsamer durch Lärm, Hetze und Umweltzerstörung (s. Indices der Lebensqualität unter Glücksforschung), sondern verbiegt sogar seinen eigenen Massstab, den Geldwert.
Dort wo also am meisten Geld in bar gehalten wird, ist das Vertrauen in eine produktive Wirtschaft am geringsten, die Erwartung von Problemen, speziell einer Deflation, am grössten:
Diese Werte zeigen auch, wie wenig die von der Freiwirtschaft erwünschte Umlaufsicherung, als Zwang, Bargeld dauernd zu investieren, in Umlauf zu halten - durch dauernde Entwertung, hier bringen würde. Die Wirtschaft Englands ist nicht in bester Verfassung - die Bargeldhaltung fast bei 0. Die Wirtschaft der Schweiz ist in recht gutem Zustand, die Bergeldhaltung fast maximal, nur noch von Japan übertroffen.
Ergänzungen vom 29.9.2010
Gemessen an den Vorgängen in den den USA, scheinen Staatsverschuldung und Staatsbankrott patente und heute beliebtere Mittel als Bomben und Attentäter, um sich des Staates zu entledigen. "Wir können uns den Sozialstaat nicht mehr leisten" - ein Argument, dass sich heute sogar linke zu äussern trauen, ohne rot zu werden (na ja, vermutlich waren sie das auch längst nicht mehr). Ob man sich aber was leisten kann oder nicht, ob man Schulden hat oder nicht, das liegt am Budget, und damit an einem bewussten Planungsvorhaben. Senkt man die Steuern - so entstehen entweder Schulden oder die Ausgaben müssen auch gesenkt werden, so banal ist das. Man darf sich aber ruhig auch fragen, ob denn die Steuern wirklich gesenkt werden sollen.
Die USA zeigen das Problem einer verquerten wirtschaftlichen Entwicklung über Produktivitätssteigerung exemplarisch:
Ein beträchtlicher Teil der heutigen Schulden sind Schulden der Sozialwerke. Logischerweise die Forderung: Die Leistungen müssen runter, die Schulden müssen weg. Dummerweise sind aber die Betroffenen weder an der Verursachung ursächlich beteiligt, noch haben sie die Mittel, das Problem zu beheben. Das reichste 1% der US-Bürger besitzt bereits 40% des Gesamtvermögens der USA. Dort ist das Vermögen, auch im Sinne von Potential, Können, Macht, es sich leisten können. Wessen sich die USA doch am meisten loben, ist die spitzenmässige Produktivität, weltweit ungeschlagen. Unbedacht dabei: Wenn ich doppelt so viel oder doppelt so schnell produziere zum selben Preis, so muss ich doppelt so viele Produkte auch absetzen können, falls sich der Preis bei einer Elastizität von 1 halbiert. Kann ich das nicht, geht mein Umsatz und mein Gewinn zurück, nicht trotz, sondern wegen erhöhter Produktivität. Die andere Möglichkeit ist, nur noch die Hälfte dessen zu produzieren, die möglich wäre, also die Hälfte der Angestellten in diesem Prozess zu entlassen. Da diese Produktivitätsopfer nicht einfach getrocknet, gepökelt oder tiefgekühlt gelagert werden können bis sie wieder irgendwo gebraucht werden, da sie anderswo auf genau die selben Probleme stossen, entsteht "Ueberschuss", der das bereits selbst nicht so schätzt, also gerne Rabatz macht (s. Nordafrika, Nahost), also zumindest fianziell eingermassen bei Laune gehalten werden muss. Wer vom "utopischen" Konzept der Vollbeschäftigung abgeht, der muss Antwort geben auf die Frage: Was ist mit den nicht mehr zu beschäftigenden? Dazu gab und gibt es eine Reihe von Lösungen: Arbeitszeitverkürzung - die traditionellste, Ferienverlängerung, neue Feiertage, z.B. erster, zweiter, dritter etc. Produktivitätsfeiertag (China hat kürzlich so was ähnliches eingeführt um den Binnenkonsum zu fördern) bis hin zum Grundlohn, also der Subventionierung freiwilliger Tätigkeit bis Untätigkeit. Auch eine Umverteilung ist kein Unglück, nicht mal ein Unwort, wo einige wenige sich hochproduktive Jobs organisieren können - immer mehr jedoch nur noch wenig produktive Beschäftigungen bis Gratisarbeit. Wo Vollbeschäftigung unmöglich scheint - bleibt eine Vollintegration der Bevölkerung für den Staat um so wichtiger für sein Ueberleben.
Die gegenwärtige Antwort der Republikaner auf diese Probleme: Steuern kürzen. Steuersenkungen für Einkommen über 250'000 $, Senkung des Maximalsteuersatzes von 35% auf 25%. Nieder mit Roosevelts new deal und Johnsons great society. Als amüsante Nebenbemerkung liefert Kilian (Tagesanzeiger 14. April 2011, S. 6) auch noch die Notiz, dass die grösste Prophetin der Eigenverantwortung in den USA, Ayn Rand (Atlas shrugged) ihre Heilungskosten vom Krebs von Medicare bezahlen, einer Institution die von ihr und den Republikanern so bekämpft wird, als stünde damit der Teufel auf der Türschwelle ihrer Kirche.
Weltweit am stärksten verschuldet sind zur Zeit Japan (190% des BIP), USA (83% des BIP). Die EU hat eine Schwelle von 60% gesetzt als Limite beim Beitritt. Inzwischen wird diese von einigen Ländern massiv überschritten, insbesondere von Italien (116%), Griechenland (115%), Belgien (97%) Frankreich (78%), Portugal (77%) ... Irland 64%, Island 57% ... Tja, und dann gingen die drei grössten Banken des Landes pleite, die 900% des BIP Islands an Schulden aufgehäuft hatten. Holland und England hatte damals seine Kleinsparer, die ihr Geld in Island verloren hatten, entschädigt, und erwartet nun von der Isländischen Bevölkerung, diese Schuld zu bezahlen - was die Isländer nun bereits zum 2. Mal abgelehnt haben. Gewinne der Bank - Schulden dem Volk - nein Danke.
Falls Sie in der Schweiz irgendjemanden jammern hören diesbezüglich, dürfen Sie ihn ruhig als Lügner oder zumindest extremen Schwarzseher bezeichnen, denn die Schulden der Schweiz betragen ganze 39% des BIP.