Kommt jetzt die demokratische Weltrevolution?
Die Unruhen in Nordafrika und im Nahen Osten (bis hin nach China) wären eigentlich hier zu besprechen. Da aber das Thema bereits am 9.2 im Wissenscafe Basel besprochen wurde, werde ich die Diskussion auch dort weiter führen und neues Material dort anhängen:
- Die Unruhen in Nordafrika und im Nahen Osten, ein Anstoss zur Weltrevolution der Demokratie?
Hier nur kurz eine Zusammenfassung des Fazits:
Hier kommt einiges auf Europa zu: Ihr habt Geld, wir nicht. Wir kommen zu Euch, arbeiten … oder so. Der Ruf nach Demokratie ist ja zur Zeit eher ein Ruf nach einem menschenwürdigen Leben, ja Ueberleben, also nach Arbeit, anständigen Beschäftigungsbedingungen und Löhnen, zahlbaren Mieten - und vor allem zahlbaren Lebensmitteln. Last not least - nach einem sinnvollen Leben. Es sind also keine Beschäftigungsprogramme gefragt, sondern eine ganz andere Gestaltung der Wirtschaft. Beschäftigt waren alle Araber, immer. Der erste Selbstmord in Tunesien (Mohamed Bouazizi) betraf ja einen armen Gemüsehändler, dem sein armseliger Erwerb von Polizei und Bürokratie zum Sisyphoswerk gemacht wurde. Der Ruf nach Demokratie in der praktisch ganzen arabischen Welt heute ist ein Ruf nach einem besseren Leben.
Es ist also auch an der Zeit zu überlegen, wie gut sich ein wirtschaftliches Modell das auf Leistung setzt, die zugleich erlaubt, andere von notwendiger Leistung zwecks Ueberlebens auszuschliessen, als Grundlage des Zusammenlebens eignet. Der reine Preis-Mengen-Automatismus der Marktes tut’s ganz offensichtlich nicht mehr. Eine massive Unterstützung der Entwicklung der angrenzenden Räume - und damit eine deutliche Absage an beide Lieblingsfeindbilder der Europäer und Amerikaner: Sozialismus und Islam.
Eine Weltrevolution hin zur Demokratie scheint sich anzubahnen. Erfreulich … erfreulich? Sicher, aber das gibt Kosten, mit denen verglichen die “Integration” Ostdeutschlands in Westdeutschland ein Klacks war. Vor allem wenn man sich die Unterschiede überlegt. Die Ostdeutschen waren und sind mehr oder minder die selben Deutschen wie die Westdeutschen. Sie haben bis 1945 den selben historischen und wirtschaftlichen Hintergrund. Die nun wie Dominosteine kippenden arabischen Länder jedoch, sind sich untereinander sehr ähnlich - haben jedoch schon immer auf Distanz zum “ungläubigen” und total kommerzialisierten Westen geachtet - was von der Gegenseite durch ein entsprechendes Misstrauen, beruhend auf totalem Unverständnis, gegenüber allem Islamischen und Arabischen verstärkt wurde.
Europa (und damit auch die Schweiz, hier zieht die Sache mit dem Sonderfall nicht) ist nun im Süden und Osten quasi umzingelt von Nachbarn, die ökonomisch auf dem Zahnfleisch gehen und politisch als “failed states” (gescheiterte Staaten) betrachtet werden können, müssten, sollten, dürften. Da es sich im Osten um ca. 200 Millionen handelt, im Süden ebenfalls, total also eben so viele Menschen wie in Europa, dürfte die Siegerposte: Wir haben’s ja schon immer gesagt! nur noch unerfreulichere Resulate erzeugen. Es ist nun vordringlich, gemeinsam nach Lösungen zu suchen die eine aufbauende Entwicklung ermöglichen. Sich suhlen in den “guten alten Zeiten” dürfte keiner Seite viel bringen.
Der japanische Yen wie der Euro entwickelten sich praktisch parallel, mit dem Dollar, zu Schwachwährungen - während dem der starke Franken zwar Importe verbilligte, Exporte aber zunehmend erschwert. Inzwischen ist der Euro wieder deutlich näher bei Dollar und Yen, die europäische, also vor allem Deutsche Exportindustrie also wieder konkurrenzfähig auf dem Weltmarkt. Ursache für den Verfall des Euro ist das bisher grösste finanzielle Stabilisierungspaket aller Zeiten, mehr als die bisher 10 grössten zusammen genommen:

[Swiss Private Banking Guide 2010]
economiesuisse schliesst - aus einer selbst veranstalteten Umfrage - dass die wichtigsten Elemente der Bildung an der Volksschule die Erstsprache (also für diejenigen die das hier lesen vermutlich deutsch) und Mathematik sei. Kompetenzen in andern Fächern wie Naturwissenschaften, Englisch, weitere Fremdsprache folgen in beträchlichem Abstand, und/oder gewinnen erst an Bedeutung mit höherem Leistungsniveau.
Besonders widerlich sind die erwünschten nicht kognitiven “Kompetenzen”:

während dem für die Neoliberalen ads Geld herrschen - und der Staat diese Herrschaft schützen soll . Beides ist der Freiheit abträglich. Bei Staat wie bei Kapital müssen sich Freiheit und Verantwortung/Verpflichtung ergänzen. Man kann weder nur mit Freiheit, noch bloss mit Pflicht argumentieren. Diese sind zwei Schalen am selben Waagebalken: Des einen Recht - des andern Pflicht.