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Entwicklung
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Martin Herzog Inselstrasse 62 4057 Basel Tel/Fax: (061) 831 80 15
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WELTANSCHAUUNG
Definition (nach Philosophisches Wörterbuch. G. Schischkoff. Kröner. Stuttgart 1978):
1. Ergebnis metaphysischen Forschens als Welterkennen nach Epoche, Volk, Rasse.
2. Von induktiver Erfahrung unabhängiges Apriori-Wissen.
3. Ganzheit, Zusammenfassung des Wissens, nicht auf Sachbestände begrenzt sondern auch Werte und Rangordnungen der Lebensgestaltung umfassend. Nach M. Scheler "die einen ganzen Kulturkreis oder eine Person beherrschende Art der Selektion und Gliederung, in der sie die puren Weisheiten der physischen, psychischen und idealen Dinge faktisch in sich aufnimmt, gleichgültig ob und wie sie dies reflexiv weiss oder nicht".
WELTBILD
Im Unterschied zur Weltanschauung die im Zusammenhang geordnete Summe des anschaulichen Wissens von der Welt, "die Gesamtheit der gegenständlichen Inhalte, die ein Mensch hat" (Jaspers).
Diese Definition von Weltbild kann klar machen, warum ich die Situationsanalyse die für Entwicklungsprojekte in fremden Kulturen notwendig ist, gerne den Begriff <Weltbildforschung> wähle.
Die folgende Graphik stammt aus
Shrubland Management in Tribal Islamic Yemen,
Kapitel: Knowledge - Action -Learning.
Sie ist weder ein "wissenschaftliches"
noch ein ausgereiftes philosophisches - sondern bloss ein heuristisches Modell. Es soll
als Denkanstoss dienen, bewusst machen, was Handlung bedeutet, worauf sie basiert. Bewusst
mache ebenso, dass wissenschaftlich oder technisch begründete Massnahmen noch lange nicht
"weiser" sind als traditionelles Handeln.
Oben: Strukturen die sich gegenseitig beeinflussen.
Links: Die Gesellschaft - mit ihren sozialen, politischen und ökonomischen Strukturen, Prozessen und Steuerungsmitteln.
Rechts: Das Wissen über die Natur - ergänzt um die Geisteswelt (Intelligenz [Information], Vernunft [Wissen], Weisheit [Wertung]. Letztere basiert vor allem auf dem Wissen von Gott und über die göttlichen Gesetze (Religion), aus Philosophie, speziell Ethik.
Dazwischen die Natur per se, die als solche die Gesellschaft beeinflusst, Strukturen wie Verhalten wie auch ganz deutlich das Denken. Umgekehrt wird die Natur auch beeinflusst durch die menschlichen Tätigkeiten traditioneller wie moderner technischer Art.
Im Zusammenwirken dieser materiellen und geistigen Strukturen entwickelt sich die Gesellschaft - zwischen "selbstgestaltend" und durch Notwendigkeit gestaltet.
Mitte: Wo Wissen nicht mehr alleine des Wissens wegen geschaffen wird, sondern als Grundlage für Entscheidungsfindung und Handlung dienen soll, muss das in vielen Köpfen und Institutionen verstreute Wissen sich zu Kultur/Orientierungswissen/Weltbild verdichten (was leider nur unter einigen Verlusten an Präzision [Situationsbezug] möglich ist.) In der Graphik wird zwischen Orientierungs-Wissen, Weltbild und Kultur/Tradition unterschieden. Basierend auf den Erfahrungen im Jemen scheint es mir angebracht zwischen einem Wissen (vielleicht dürfte man auch von "Weisheit" reden, da es um Wertungen geht) zu unterscheiden das mehr geistigen Ursprungs ist [aus Wissenschaft, Philosophie und Theologie] und einer Weisheit die unabhängig von Religion und Wissenschaft über kulturelle Normen und Traditionen transportiert wird, wie dies vor allem bei Stammesgesellschaften geschieht..
Nach obiger Definition sollten unter dem Terminus WELTBILD alle diese Betrachtungsweisen vereint sein.
Weltbild-Forschung bedeutet also das Verstehen der Faktoren (Determinanten/Bestimmungsgrössen) die zu einem bestimmten Weltbild führen. Der Sinn dieses Unternehmens liegt vor allem darin, herauszufinden, wie sich schädliches (nicht nachhaltiges) "Verhalten" ändern liesse, wie sich die gesellschaftliche Entwicklung in andere Bahnen lenken liesse. In "wissenschaftlicher" Terminologie wäre sie damit vor allem Grundlage des "social marketing".
Unten: Hier sind zwei Stränge dargestellt die zu Taten führen:
Links die freie Handlung die sich selbst Ziele setzt, sei es individuell oder gemeinsam. Sie kann auf vielerlei möglichen Interessen und Motiven basieren. Sie wird kontrolliert durch die Tugenden: Gerechtigkeit, Besonnenheit, Mut und Weisheit.
Rechts die technische "Handlung" die eher kausal begründet ist, vor allem im ökonomischen Bereich eher als Sachzwang denn als freie Wahl auftritt. Der Zwang zu immer mehr Umsatz reduziert Verantwortung und Motivation auf ein Minimum. Entscheide fallen primär aufgrund der Machbarkeit. Gerechtigkeit und bewusste freie Entscheidung gelten als Kriterien nur noch am Rande. Da solche "Handlungen" unter Druck entstehen, also eine Reaktion und keine freie Entscheidung darstellen, sind sie eher als Verhalten zu klassieren.
Von der Entscheidung zur Ausführung und Durchsetzung kommt der Wille zum Zuge - bei jeder Art von Handlung, technische bedingter oder freier.
Handlung wird einerseits bestimmt durch Wissen - andererseits führt das Ergebniss der Handlung auch wieder zu neuem Wissen. Das Handeln mehr und mehr durch reagieren ersetzt wird wirkt sich so auch auf den Wissenstransfer aus. Ganzheitliche Bildung wird unter dem Aspekt der Verwertbarkeit mehr und mehr zur Vermittlung technischen Wissens, oft sogar nur noch in der Form als training on demand. Das für Dialog und Konsens wie für freie Handlung notwendige Orientierungswissen geht verloren. Es ist also kein Widerspruch, dass trotz immer mehr Wissen, pardon, immer mehr Informationen, immer mehr Leute immer orientierungsloser werden.
Wir können hier einen Link (und 2400 Jahre) zurück, zu Protagoras. Nach ihm ist der Mensch das Mass aller Dinge. 2400 Jahre da sollten wir doch ein Stück weiter sein? Wir sind es insofern als wir dem Menschen die belebte und unbelebte Natur gegenübersetzen. Wir sind es insofern als wir den individualistischen Absolutismus (Anarchie) der auch darin stecken kann nicht mehr für realisierbar halten. Andererseits, wenn wir bedenken - was ist denn nun heute das Mass aller Dinge? Ist es nicht das Geld? Der Zins? Der Gewinn? - nach dem sich alles richtet, nach dem die gesellschaftliche Entwicklung sich zu richten hat? Sind wir also wirklich klüger als Protagoras?
[For original text and more extensive explanations, in english, click here or on picture "Weltbild"]