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Politiker und die Wirtschaft brauchen Rhetorik zur
Produktion ihres Images. Da aber allein Rhetorik lehrt Rhetorik zu
erkennen steht der Perfektion der politischen und wirtschaftlichen Rhetorik
leider nach wie vor kein entsprechendes rhetorisches Wissen der Bevölkerung
gegenüber. Seit Beginn des
20. JH, bis zum Beginn des 21. JH, stimmt leider Nietzsches Klage: Auch
die beste rhetorische Praxis unsere Moderne ist nichts als Dilettantismus und
rohe Empirie. Der Grund für die enorme Abneigung gerade im deutschsprachigen
Europa gegenüber der Rhetorik liegt an deren übelstem propagandistischem
Missbrauch im 20. Jahrhundert durch Hitler. Bereits zuvor war die Meinung des
starken Staates: Räsoniert – aber gehorcht. Die politische Rede
erschöpfte sich in Verlautbarungsrhetorik, arm an Emotionen, arm an Schmuck, arm
an Gesprächigkeit, aber auch arm an Begründungen und Nachweisen. Rhetorische
Anstrengungen führten allenfalls zu einem grassierenden Schwulststil in
öffentlichen Repräsentationen des Staates, der Künste und Wissenschaften. Dazu
kam und kommt eine unkultivierte Alltagsrede und briefliche Korrespondenz.
Die gegenwärtige Rhetorik ist geprägt von Massenmedien, denen es nicht um die Ergebnisse der Rede, also nicht um politische Entscheidungen geht, sondern um wirtschaftlichen Umsatz bei den Medien, um massenwirksame Darstellung bei den Politikern:
Die massenkommunikative Verbindungsfunktion des Rede-Erlebnisses wird in den Dienst politischen Machtstrebens, politischer Machtergreifung und Machterhaltung gestellt. … Der direkte Kontakt, das Händeschütteln, Kinder-Hochheben, Zuhörer-Ansprechen sind in Wahrheit Simulationen, Ergebnisse sorgfältiger Inszenierung. (Ueding: Moderne Rhetorik S. 89)|
Truman's Law: If you cannot convince them, confuse them. |
Hitler war ein Meister in der Kunst der Vereinfachung und Zuspitzung. Er erreichte leichte Verständlichkeit durch klare, wirksam gegliederte Argumentationsreihen. Er erzielte Aufmerksamkeit durch ironische Zitate, schneidende Widerlegung und eine emotional bewegenden Redeweise die zunehmend pathetische und polemische Techniken nutzte. Redeziel solcher Propaganda war und ist die Verkündigungsrede, die Offenbarungsrede, die Beherrschung des Publikums, die Vernichtung der gegnerischen Meinungen - Verbunden mit dem Wecken menschlicher Leidenschaft bis zum rauschhaften Gemeinschaftserlebnis: Dann war es die Aufgabe von zwei Stunden, zwei- bis dreitausen Menschen aus ihrer bisherigen Überzeugung herauszuheben, Schlag um Schlag das Fundament ihrer bisherigen Einsichten zu zertrümmern und sie schliesslich hinüberzuleiten auf den Boden unserer Überzeugung und Weltanschauung. Hitlers Reden waren inszeniert, einstudiert und eingeübt. Er begann gemessen, mit einem langsamen Einstieg, in dem er professoral dozierte; riss die Zuhörer von Zeit zu Zeit schrill in die Gegenwart zurück, und wurde im Verlauf der Rede immer kürzer und schneller im Redetakt, wie auch lauter. Diese Art Rede zielt nicht auf Beratung und Konsens. Die Wahrheit soll durch den, der sie besitzt, allen, denen sie noch fehlt, unwiderruflich aufgeprägt werden. Es ging weniger um Inhalte als um ein Spektakel, das die vornehmlich emotionalen, ästhetischen Bedürfnisse eines Massenpublikums befriedigte.
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Spark's ten rules for the Project Manager:
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Und dies gilt leider bis heute. Bei vielen öffentlich-politischen Diskussionen, Musterbeispiel Arena, kommt es wenig auf auf sachliche Erkenntnisse an. Der Streit der Meinungen soll nicht den besten Konsens, sondern die spannendste Inszenierung hervorbringen. Es geht hier nicht um Kritik als Mittel der Konsensfindung, sondern um die Mobilisation von Massen zu Konsum und/oder Krieg. Demokratie ist nun mal eine Massenveranstaltung - und das ist in dem Falle ihre Schwäche. Hat sich nicht eben der Präsident der „ältesten“ Demokratie der Welt eine Mehrheit gesichert, durch Lügen (We know they have weapons of mass destruction, we are going to find them and to destroy them. They are a danger for us and for the world), die von willfährigen Massenmedien in Millionen von Haushalte geliefert wurden? Eine kritiklose Mehrheit genügt - Hauptsache Mehrheit.
Über derartige Werbung und Propaganda werden Menschen, vor allem als Konsumenten, manipuliert. Diese Medienrhetorik, besser Shows, dient der Gleichschaltung und Unterordnung. Wo es dem Redner oder Autor gelingt, das Publikum mit seiner Botschaft zu identifizieren, so hat er damit auch die umfassendste und dauerhafteste Wirkung erreicht. Rhetorik nutzt hier die Motivationsforschung und bildet in der Form die Grundlage für privatwirtschaftliche Rhetorikkurse in Manager- und Verkäuferschulen. Der Mangel rhetorischer Lehrinhalte in der Ausbildung bedeute einen Verlust an kritischer rhetorischer Rationalität und förderte die Entstehung einer manipulierbaren Öffentlichkeit in der Massengesellschaft. Solche Öffentlichkeitsarbeit wäre eine wichtige Aufgabe, deren sich der Internetjournalismus annehmen könnte.
Martin Herzog, Rheinfelden, 21.04.03