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Nicht Dummheit, Manipulation ist Antiphilosophie.

Wie Sie verbale Manipulation erkennen und sich dagegen wehren können

[Andreas Edmüller, Thomas Wilhelm: Manipulationstechniken. So setzen Sie sich durch. Jokers n. Haufe Lexware GmbH. Freiburg. 2010]

Philosophie ist die Liebe zur Weisheit, also die Suche nach Wahrheit, nach zutreffenden kausalen Zusammenhängen und trefflichen Zielen. Am andern Pol sitzt damit nicht Dummheit als Nichtwissen, Ignoranz, sondern das bewusste Verbiegen und Verfälschen der Wahrheit, was meist als Hauptzweck der Rhetorik angesehen wurde - und weshalb Rhetorik vermutlich an den Schulen eben so wichtig wäre wie Mathematik.

Die wichtigsten hier aufgeführten rhetorischen, d.h. eristischen Tricks der Rechthaberei sind:
  1. Beziehung betonenPersönliche Verpflichtung / Spiegeltrick / <> Angriff auf die Person (ad personam, ein klassisches Verfahren).
    1. Bestätigung: Abklärung der gegnerischen Meinung um besser Zustimmen zu können. Extremfall Populismus
    2. Appell an Emotionen (besonders geeignet: Zorn, schlechtes Gewissen) - emotionale Begriffsattacken
  2. Autoritäten (hier) als Garanten
    1. Besonders faules Prinzip, die eigene Autorität: Garantietaktik
  3. Menge/Masse: Was viele tun oder sagen, muss stimmen.
  4. Macht: starker Mann / letztes Wort / good cop - bad cop / Eskalation / Tabuisierung
    1. Vollendete TatsachenSachzwang / Zeitdruck
  5. Logik: Zirkelschluss, Lüge, kausaler, genetischer und konditionaler Fehlschluss, Analogiefalle, Begründung eines Beliebigen aus Nichtwissen, <> Konsistenz einfordern
    1. Falsches Dilemma, falsche Alternative, Schwarzweissmalerei: Der "richtigen", eigenen Lösung wird eine äusserst problematische, unbrauchbare, einzige andere Lösung gegenüber gestellt.
  6. Objektivität/Unparteilichkeit absprechen: Nur zulässig, wo vom Angeschuldigten begründet (Rolle) ein anderer Standpunkt erwartet wird als sein eigener.
  1. Ablenkung: Trivialität
    1. Mauern und Blockieren
    2. Nebenschauplatz
    3. Verzettelung
    4. Irrelevanztaktik
    5. Perfektionsfalle / Präzisionsfalle
    6. Schwarzseherei, Rutschbahn
    7. Anker: Viel Unsinn verzapfen, die Welt als Chaos darstellen - und dann die eigene Lösung als einzig vernünftige einwerfen.
  2. Darstellung: Einige Worte wirken positiver als andere (s. Atomkraft, Kernenergie, Nuklear...)
    1. durch schwarz-weiss-Malerei den Kontrast erhöhen
  3. Werte, Normen, Prinzipien - eine alte Taktik, bekannt als petitio principii (Freiheit oder Sozialismus!)
    1. Brunnenvergiftung, Perspektivenfalle, Evidenztaktik: Wer die vorgelegte Meinung nicht kritiklos und ohne Vorbehalt teilt, ist ein Landesverräter, Trottel, Querulant etc. Einstampfen des Gegners
      1. Appell an Vernunft, Mitleid,
      2. Traditionstaktik
  4. Rückzug durch Aenderung der Definition/Interpretation

Nehmen wir die Suche nach Wahrheit und Weisheit als Hauptzweck der Philosophie an, so lassen sich verschiedene Sonderphilosophien an ihren Inhalten bewerten:

Die Suche nach Wahrheit, Gültigkeit, Wirklichkeit muss immer Bestandteil der Philosophie sein, auch wenn wir solche Erkenntnis nur anstreben, aber nie wirklich erlangen können. (s. Perfektionsfalle)

1 Ueberzeugen durch Begründung, also den richtigen (eigenen) Standpunkt und echte (nicht vorgeschobene) Gründe

Das Argument besteht aus zwei Teilen:

  1. Standpunkt, Meinung, Behauptung, die begründet werden soll
  2. Gründe, die benutzt werden, um den Standpunkt zu stützen, zu erklären

Jemanden von etwas zu überzeugen ist schwierig, mühsam - aber auch spannend (s. Argumentation). Abgesehen vom Wissenschaftler und Philosophen, der meist mit sich selbst argumentiert (= Definition von Denken) und diskutiert, seine eigenen Gedanken und Thesen nach den Gesetzen der Logik und Interpretation prüft, findet Ueberzeugungsarbeit immer in Gruppen statt. Je grösser die Gruppe, desto wichtiger ist es, die Regeln der Gruppendynamik zu kennen. Ein einfaches Aufzeigen von Argumenten die für die eigene Position sprechen, ergänzt durch Argumente, die gegen die Position des oder der Opponenten sprechen, reicht nicht in der Gruppe. Hier muss eine Mehrheit gewonnen werden, was nur gelingen kann, wenn die vorgetragenen Argumente der Mehrheit verständlich - und einleuchtend sind. Da jeder Mensch seine eigene Denk- und Wertestruktur hat, muss dem Gegenüber auch ausreichend Freiraum gelassen werden, die vorgetragene Idee in seine eigenen Denkstrukturen einbauen zu können. Die Forderung, abweichende Denkstrukturen einfach und völlig an die neuen Argumente anzupassen, bedeutet Gehirnwäsche, und wird von allen fundamentalistischen Religionen und Polit-Parteien betrieben. s. Strukturänderndes Lernen.

Die Argumente müssen also an den Empfänger individuell angepasst werden, oder, im Falle der Ansprache an Massen, an die Mehrheit. Dazu dienen heute Meinungsumfragen, früher die Topik. Sie sucht den Ort, an dem für eine bestimmte Gruppe Sinn und Inhalt zu finden sind, nicht die U-topie.

Die vier Komponenten der Ueberzeugungskraft sind also:

  1. Klarheit: Die Botschaft ist präzise und verständlich
  2. Empathie/Verstehen des Gegenübers: Der Sender muss die Gefühle erfassen können, die seine Hörer oder Leser beim Empfang seiner Botschaft entwickeln werden. Dies ist die wahre Grundlage der Rhetorik, nicht das akzentfreie Sprechen ohne grammatische Fehler.
  3. Sinnstiftung: Wenn wir Dinge erklären und begründen, müssen sie auch in ein Gesamtbild passen, stimmig sein, Sinn ergeben ("machen" auf  Neudeutsch). Der Mensch ist sinnorientiert. Nur wenige Menschen machen Dinge, die ihnen sinnlos erscheinen, meist nur, wenn sie dafür bezahlt werden.
    1. Argumente, ja das ganze Konzept, müssen Konsistent sein, also sinnvoll zusammenhängen.
    2. In unserer utilitaristischen Produktions- und Konsumgesellschaft ist eines der wirksamsten Argumente der Nutzen.  Nur was nützlich ist, kann sinnvoll sein. > Welchen Nutzen bringt der Standpunkt dem Adressaten? (Kommunikationsanalyse: Welchen Nutzen bringt der Standpunkt dem Manipulator).
  4. Offenheit: Eigene Ansichten und Wünsche offen, ehrlich und authentisch äussern.

1.1 Vom individuellen Ich zum mehr oder weniger objektiven Wir

Universelle Argumente: > Leistet der Standpunkt einen Beitrag zum Erreichen gemeinsamer Ziele?

Normen/moralischer Imperativ:

> Gibt es wichtige Normen. durch die Ihr Standpunkt gestützt werden kann? Trägt Ihr Standpunkt zur Einhaltung einer Norm bei?

Der Block ist nicht ganz so einfach wie das Kant oder auch Edmüller/Wilhelm sahen. Den grössten Block bilden heute die Vereinbarungen, bei denen ein Kompromiss erarbeitet (Beteiligung an Ausarbeitung des Vertrages), oder ev. auch von einer Partei die Vorgaben einfach unterschrieben wurden (keine Beteiligung). Traditionelle Gepflogenheiten, Pflichtsysteme sind oft sehr beengend, und der eigentlich Treibstoff der Bauern weltweit aus der Landwirtschaft in die Städte treibt (nebst der Armut natürlich, die aber in städtischen Slums auch nicht geringer ist als auf dem Land). Von solch traditionellen Normen, übermittelt durch Kirche und Adel, hat uns die amerikanische und französische Revolution erlöst. Allerdings hat der Liberalismus dann dazu geführt, dass die neuen Normen primär von denen erstellt werden, die im Besitzt der Produktionsanlagen sind, also der Kapitalisten, was besonders Marx und Lenin bereits im 19. JH sauer aufstiess.

> Nutzt der Dialogpartner Werte in der Argumentation, müssen Sie klären, ob Ihr Standpunkt durch vom Adressaten akzeptierte Werte und Prinzipien begründet werden kann?

Zahlen, Daten, Fakten - und, last not least - Experten, die allerdings Autoritäten auf ihrem Gebiet, und nur dort, sein sollten.

Logische Implikationen (Vorsicht Sachzwangfalle): > Lässt sich der Standpunkt durch positive oder negative Folgen stützen?

Ueberzeugen kann man nur in einer Atmosphäre von Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Glaubwürdigkeit ist höher wo Autorität und Erfahrung vorhanden sind, wo ein wahrnehmbarer Wertestandpunkt besteht, wo Sprechen und Handeln übereinstimmen, und das Verhalten ethisch und integer wahrgenommen wird.

Wir sollten, um nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten, immer unterscheiden, zwischen legitimer Ueberzeugungsarbeit und Manipulation. Viele Menschen sehen heute in jedem, der persönliche Anliegen vertritt, einen Manipulator. Das ist Unsinn, denn wenn wir, jeder von uns, nicht zuerst mal unsere eigenen Interessen kennen und vertreten - wer soll es dann tun? In jedem Dialog wird zuerst ein Individuum angesprochen, das mit seinem eigenen persönlichen Hirn und Fokus auf diese Ansprache reagiert. Was seine Gruppen, die Familie, der Betrieb, die politische Partei, der Verein etc, davon halten, ist dann sekundär, wird durch die Rolle geordnet, die jeder in unterschiedlichsten Facetten zu spielen hat. Mit diesem neuen Ausdruck hat uns allerdings nichts anderes eingeholt, als die alte, mit den Nazis doch etwas in Verruf gekommene, Gesinnung.

Wir dürfen und müssen (insbesondere wo wir nicht wissen können, also vielleicht in den meisten Fällen) uns auf unsere eigene Meinung und Entscheidung verlassen, denn Propagandisten anderer Meinung übernehmen für mich nicht die Verantwortung, falls die Sache in die Binsen geht. ICH beobachte, ICH denke, ICH entscheide, ICH trage die Verantwortung. Eine öffentliche Meinung ergibt sich erst, wo alle sich mitgeteilt haben und eine Auswahl stattgefunden hat, nach ausgiebiger Diskussion. Aber auch diese Verdichtung, die öffentliche Meinung, ist noch lange kein Gesetz, besonders weil sie fast so wechselhaft ist wie die Medieninhalte.

Deshalb auch der meist unterschlagene Teil der Meinungsfreiheit: Jeder darf seine eigene Meinung haben und äussern - aber jeder hat auch die Freiheit, andere Meinungen anzuerkennen, abzulehnen, für schlichtweg lächerlich oder ganz einfach uninteressant zu halten. Der Ruf nach Solidarität - ohne Präzisierung wem die Solidarität gelten soll - verläuft so ins Leere, denn man kann von niemandem ernsthaft verlangen, auch mit den Gegnern solidarisch zu sein. Mehr als ein gewisses Verständnis darf da kaum gefordert werden, sonst wird der Begriff lächerlich und bedeutungslos.

Hier wird die Analyse eines Dialogs dann eben ein bisschen schwierig:

Die sachliche (objektive) Ebene des ES

Die persönliche (subjektive) Ebene des ICH

Die zielorientierte (strategische) Ebene des WIR
(auf englisch als speen bezeichnet, die Drehrichtung)

Die Beschränkung des Diskurses über Machtpositionen (s. Foucault: Die Ordnung des Diskurses):
  • Die Agenda des/der Redenden oder Schreibenden (s. Rolle / Rollenspiele):

    • Wer sagt was?

    • Warum tut er oder sie das?

    • Welche Rolle spricht aus der Person - welche Rolle wird angesprochen.

  1. WAS in einem Wissensgebiet sagbar ist - was zugleich die Sprechenden auf ihre "Wissens-Disziplin" festnagelt

  2. WER das Sagen hat, wer wann wie sprechen darf - und damit:

    1. was gesagt werden SOLL - und was nicht gesagt werden darf

1.2 Mittel zur Auflösung kritischer Situationen im Dialog

Präzisierungstrichter

Metaskop

Das Metascop zielt in die umgekehrte Richtung wie der Präzisierungstrichter, also Richtung Metadiskurs, Weitwinkel: Warum? Hilft gerade, wenn man sich in Diskussionen in den Details verloren hat.

Analysefilter

Das Problem einkreisen, präzisieren:

Skalierungsfragen

Frage nach der Ausnahme

Blickwinkelfragen

Lösungsangel

Sokratischer Dialog: Versucht in Widersprüche zu verwickeln, kann darum in endloser Konfrontation enden, insbesondere wenn die Beteiligten keine Philosophen sind. Für die Philosophen endet der sokratische Dialog im dialektischen Syntheseschluss - aus These und Antithese.

Wer überzeugen will, muss zuhören können, sich Dinge merken können - und dabei seinen eigenen Beitrag nicht vergessen

Framing: In einen bestimmten Rahmen/Kontext stellen, vergleichbar Rollenspielen

Bleiben Sie sachlich und fair, gnadenlos kooperativ, verlieren Sie nicht Ihr Ziel aus den Augen, reagieren Sie nicht kausal, d.h. vor allem, lassen Sie sich nicht reizen oder in ein vom Gegner vorgelegtes Argumentationsgeleise zwängen, konzentrieren Sie sich auf Konkretes und, last not least, bauen Sie dem Gesprächspartner eine goldene Brücke.

Kommunikationswerkzeug Frage:

Wissenschaft besteht aus 2 Teilen: Der Frage und der Antwort.

Amr Ibn Othman al-Makki (9. JH)

offene Fragen

sind geschlossenen vorzuziehen:

Die Kunst des geschickten Fragens:

Ein katholischer Pfarrer fragt beim Vatikan nach: Darf man beim Beten rauchen? Die kategorische Antwort des Vatikans: NEIN! Ein Jesuit (Jesuiten sind bekannt für ihre geschliffene Rhetorik) stellte hingegen folgende Anfrage: Darf man beim Rauchen beten? - was der Vatikan geflissentlich erlaubte.

Weitere Empfehlungen zu Fragen:

Gerade Killerphrasen lassen sich meist mit Fragen umgehen:

Präzisierungstrichter statt Rechtfertigungstiraden

Ignorieren und Weitermachen bei Störversuchen, z.B. der

Dummheit ist auch eine natürliche Begabung.

Wilhelm Busch

Dumm stellen und Band zurückspulen: Wenn jemand frühzeitig bereits seine Lösung anpreist, bevor Sie ihre Position erläutern konnten: Moment mal, ich bin etwas verwirrt, die Vorstellung der Lösungsvorschläge war für den Nachmittag vorgesehen, hab ich da was verpasst. Die Antwort macht auf ein Vorgreifen aufmerksam und gibt dem, der damit übervorteilt wird, so nicht nur die Möglichkeit, seine eigenen Ideen vorzustellen, sondern auch den Gegner ein bisschen vorzuführen. Diese Methode, das Einbringen der eigenen Lösung, bevor andere die Gelegenheit dazu haben, nachdem man ein generelles Chaos verursacht hat, in dem niemand den Ueberblick zu haben scheint - ausser der Urheber, ist das ideale Umfeld zur Platzierung eines Ankers.

Perspektive wechseln: Die Beispiele die Edmüller/Wilhelm hier bringen tendieren nach Metadiskurs, also das Gegenüber darauf hinweisen, dass er Ihre Argumentation permanent untergräbt, sabotiert, Sie zu überrumpeln versucht, Nebenkriegsschauplätze eröffnet, Ablenkungsmanöver startet, Vereinbarungen unterläuft - oder sich in seiner Position einmauert, auf stur macht, blockiert und es partout nicht einsehen will, dass man die Dinge auch anders sehen kann. Nur das Letzte wäre eigentlich der Perspektivenwechsel. Wenn also eine Lösung zu sehr auf einseitigen Interessen beruht, meist gestützt auf einseitige Machtverteilung, darf und soll darauf hingewiesen werden, dass weniger reiche, weniger redebegabte oder durchsetzungsfähige Mitmenschen deshalb noch lange nicht den Auftrag haben, eben diesen ersteren dauernd zuzudienen, auf die eigenen Interessen zu verzichten.

Das was bei Edmüller/Wilhelm unter Perspektivenwechsel schon mal geschildert wurde, kommt dann, richtigerweise, unter "aus der Situation treten" nochmals. Aus der Diskussion austreten und über die Art und Weise zu reden, wie die Diskussion geführt wird, ist dort nötig, wo die Manipulation wiederholt, massiv, unfair (persönliche Angriffe unter der Gürtellinie) - oder zu erfolgreich für die Gegenseite ist. [sorry, aber Schlauheit ist als Basis der Ueberzeugung meist erfolgreicher als Wissen.]

Bewusste Uebertreibung: z.B. wenn man empfangen wird mit "Ah, die Mafia ist da, an die Jackentaschen greifen: Mist, ich hab die Pistole zu Hause liegen lassen. Derart dämliche Bemerkungen kann man eigentlich nur mit Schlagfertigkeit und Witz entschärfen - oder gar ins Gegenteil verkehren. Aber da muss eben die Schlagfertigkeit vorhanden sein.

Wattebausch-Methode: Harte, eigentlich unzulässige, da beleidigende Bemerkungen darf man heute ja nicht mehr mit einer Aufforderung zum Duell beantworten, auch eine gerichtliche Klage dürfte meist mehr Kosten als Befriedigung bringen. Hier stehen vor allem 2 Möglichkeiten zu Verfügung:

  1. Wattebausch: Den Gegner quasi ins Leere schlagen lassen, ihm zeigen, dass sein Angriff nicht trifft, sondern ins Leere verpufft. Beispiel bei Edmüller/Wilhelm:
    1. Ute: Ein solches Ausmass an Inkompetenz habe ich noch nie gesehen.
    2. Beate: O.K. Was stört sie sonst noch? / Meine Antwort: Ist Ihr Spiegel kaputt? Also jemand der mit dem Personal in einem solchen Ton umgeht, muss ja wohl kaum über Kompetenzen reden wollen.
    3. -
    4. Egon: Sie sind ja wohl eine richtige Null.
    5. Petra: O.K. Was ist Ihnen sonst noch aufgefallen? / Meine Antwort: Sicher, ein Milliönchen braucht ja auch eine ganze Menge Nullen.

Wer sein Gegenüber kennt, also auch seine Schwächen, und über die notwendige Chutzpe verfügt, erhält hier die Möglichkeit, so rabiat zuzuschlagen (verbal), dass sein Gegner tobend oder gar weinend wegrennt. Eine mittlere Lösung wäre das Argumentationsjudo: Den Gegner aus dem Gleichgewicht bringen, über die eigenen Füsse fallen lassen, ihm seine eigene Attacke, gespiegelt, um die Ohren hauen.

Sachliche Robustheit hilft immer, sich aus solchen Gefilden fernzuhalten.

Beweislast: Wer etwas verändern will, gegen den Status Quo argumentiert, neue und ungesicherte Behauptungen in ein Gespräch einbringt, etwas vertritt, dass der allgemeinen Meinung widerspricht, für die riskantere Seite argumentiert - trägt die Beweislast. Die Betroffenen versuchen nun gerne, dieses Verhältnis umzukehren, was Sie verhindern müssen, falls auf der konservativen Seite.

Begründungsdruck aufbauen

Verhandeln

2 Trickkiste der psychologischen Manipulation: Meist Einschüchterung oder Verunsicherung

> Zu prüfen ist hier jeweils, ob das Geschenk wirklich einen Inhalt hat, und, eigene Erfahrung, ob der Inhalt einer Spende wirklich würdig ist. Oft zahlt man hier freiwillig weitaus mehr als wenn man dem Mist in einer esoterischen Buchhandlung gekauft hätte.

Ein Beispiel aus China, von S. 169: Max ist in China, um mit seinem Gegenüber, Herrn Wang, die Rahmenbedingungen für ein gemeinsames Joint Venture zu verhandeln. Herr Wang ist mit allen Wassern gewaschen.
Wang: Wie wichtig ist Ihnen Freundschaft und eine gute Beziehung zu ihren Geschäftspartnern?
Max weiss, dass Freundschaft ein wichtiges Konzept in den Beziehungen zu Chinesen ist. Er ist jetzt sehr vorsichtig und behutsam in dem, was er sagt.
Max: Freundschaft ist sehr wichtig für uns. Auch zu Ihnen wollen wir gute freundschaftliche Beziehungen pflegen.
Wang: Das freut mich sehr zu hören. Glauben Sie dann auch, dass bei einer guten Freundschaft der Stärkere dem Schwächeren helfen sollte?
Max: Ja sicher.
Wang: Auch das freut mich zu hören.
In diesem Moment ahnt Max schon, in welcher Falle er sitzt und sieht diese sehr deutlich, als Herr Wang formuliert:
Wang: Sie wollen freundschaftliche Beziehungen zu uns. Sie sind der stärkere Partner. Sie haben mehr Erfahrung, mehr Know-How. Da ist es doch fair, wenn Sie uns lehren, welche technologischen Möglichkeiten es gibt, um uns an unserem gemeinsamen Unternehmen stärker partizipieren zu lassen.
Bei Max schrillen jetzt die Alarmglocken. Wie kommt er hier wieder herraus?

> Ganz soo tragisch wie geschildert ist die Falle nicht. Chinesen, bei aller Freundlichkeit, wissen sehr wohl zu unterscheiden zwischen Geschäft und Freundschaft. Auch eine chinesische Partizipation basiert nicht auf dem Hilfeprinzip (der Stärkere hilft dem Schwächeren), sondern auf dem Gewinnchancenprinzip (der Schwächere wird manchmal vom Stärkeren eben doch gebraucht). Generelle Empfehlungen Edmüller/Wilhelms zum Schutz vor Konsistenzfallen sind:

  1. Um solche Fallen wissen
  2. Tempo verlangsamen, nachfragen, wozu die Frage dienen soll (dürfte nicht viel nützen, denn wer eine solch hinterlistige Strategie einsetzen kann, der ist auch in der Lage, unverdächtige Antworten zu geben).
    1. Da Sie noch nicht wissen, wie dieses Schachspiel weiter geht, definieren sie die Figur (den Standard, auf dem Sie behaftet werden sollen) und ihre Spielmöglichkeiten besser gleich selbst. So bleibt Ihnen mehr Offenheit in der Interpretation.
  3. Klar stellen, dass die Abgeleitete Position sich eben nicht aus der 1. Zusage ergibt (s.o: Hilfe unter Freunden ist was anderes als Kooperation in der Wirtschaft).

Ein grösseres Konsistenzproblem bilden Wissenschaft und Philosophie. Um in den Wissenschaften mitreden zu können, braucht es ein beträchtliches Wissen über die Forschung die dort geleistet wurde, beantwortete Fragen und offene Fragen. Unsere heutigen methodischen, meist kausal orientierten Wissenschaften haben unendliche Türme an Wissensbeständen aufgebaut, die allerdings eben schlecht integriert sind, wenig konsistent - sobald sie aus der Perspektive einer andern Wissenschaft oder der Philosophie betrachtet werden. Sehr beliebt sind insbesondere weitreichende Schlüsse, aus Resultaten die sich irgendwo anhand eines Details von einem Detail ergeben haben. Da aber Kategorisierung eine anspruchsvolle philosophische Tätigkeit ist, kommt der immer häufigere Vorwurf des Kategorienfehlers nicht von ungefähr.

Innerhalb der Wissenschaften ist das Systemprinzip, gefördert und gefordert seit den Arbeiten von Bertalanffy in den 50ern, Norbert Wiener und andern Kybernetikern in den 60ern, Katastrophentheorie in den 70ern, Chaostheorie in den 80ern und komplexe adaptive Systeme seit den 90ern (s. insbesondere Selbstorganisation/autopoiesis (Maturana/Varela)) - immer noch problematisch. Hier wird viel gefaselt und wenig gewusst, obwohl es entscheidend ist, ob Dinge in einem System aufeinander und miteinander reagieren - oder unabhängig sind. Solche komplexen Interaktionen sind für viele Fehlsteuerungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft verantwortlich, führen oft dazu, dass die gegenwärtige, komplexe Gesellschaft als unsteuerbar (unregierbar) beschrieben wird, was einerzeit zu einer Zunahme von Beliebigkeit führt, die den Rahmen der Freiheit übersteigt, andererseits zu atavistischen Regressionen auf die "gute alte Zeit", in der es noch Herren gab und - Knechte.

Des Weiteren führt der immer noch primär separative Wissenschaftsbetrieb in kleinen und kleinsten Disziplinen dazu, dass der Raum zwischen den Disziplinen (s. Troglologie), der eigentlich der ertragreichste wäre, von vielen Zerberi der Professuren bewachte Terra Incognita des "Unwissenschaftlichen" bleibt.

Ein schwacher Gegensatz wird zu einem starken gemacht: Schwarz wirkt auf einer weissen Fläche am stärksten. Diese Argumentation finden wir meist bei relativ undifferenzierten Argumenten. Freiheit oder Sozialismus, Kapitalismus oder Zwangswirtschaft, wir haben eine gute Ordnung. Wenn was nicht stimmt, sind folglich die Ausländer schuld.

> Es empfiehlt sich in dem Falle, mal einen andern Vergleichspunkt zu wählen - ausserhalb von schwarz-weiss-Malerei

Der Manipulator sucht Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und sich, bietet sich quasi als Spiegel an. Das Ziel ist hier primär, Sympathie zu gewinnen.

> Fragen Sie sich bei Entscheiden in einem derartigen Umfeld einfach, ob Sie sich nun aus Sympathie so entschieden haben - oder wirklich aus Ueberzeugung.

Der Manipulator erkundigt vorsichtig Ihre Meinung - um sie danach darin zu unterstützen, also, ihre Sympathie zu gewinnen, wie oben.

Versucht, dem Gegner "den Schneid abzukaufen", sein Selbstvertrauen zu untergraben, was meist begleitet ist von Lautstärke und Rüpelhaftigkeit.  Diese Taktik funktioniert gut bei Menschen die eher kooperativ und vorsichtig sind, also sich nicht auf einen Streit einlassen wollen, des lieben Friedens willen.

> Ignorieren und weitermachen. Der Hund bellt, die Karawane zieht weiter.

Wenn in einem Quiz ein Zuschauervotum eingeholt wird, darf der Ratsuchende seine Vorliebe für die Lösung nicht bekannt geben, da sich die Menge sonst sofort daran orientiert (Der Anker ist ausgeworfen). Die Klugheit der Menge kann nur spielen, wenn die einzelnen Schätzungen der vielen voneinander unabhängig sind. Bei Massenbeeinflussung entsteht nichts anderes als, eben, ein massiver Fehler. Solche Befragungen werden gerne angewendet, bei Markteinschätzungen, Preisgeboten, Meinungsbildung und Verhandlungen (z.B. Gehalt).

> Vor dem Anker und der darauf meist folgenden <Besserwisserei> der Massen kann man sich schützen , indem man immer die Dinge zuerst selbst durchdenkt, bevor man sich einer Meinung anschliesst. So kann allenfalls ein Gegenanker gesetzt werden, was zu verschiedenen Perspektiven, basierend auf verschiedenartigen Informationsquellen führt.

Wenn Sie selbst einen Anker werfen, brauchen Sie sich nicht zu wundern, wenn Sie zwar recht - aber keine der vermutlich gesuchten alternativen Lösungen und Meinungen erhalten.

Das Glas ist halb voll - oder halb leer:

Beispiel:

Ihrem Unternehmen geht es schlecht, es muss eine schwierige Entscheidung getroffen werden. Das Unternehmen hat sechs Produktionsstätten und 1200 Mitarbeiter. Es geht um eine Ueberlebensstrategie. Zwei Pläne existieren:

Plan A rettet drei Produktionsstätten und 400 Arbeitsplätze.

Plan B hat eine Wahrscheinlichkeit von 33%, dass alle sechs Produktionsstätten und alle Arbeitsplätze gerettet werden, aber eine 2/3-Chance, dass gar kein Arbeitsplatz und überhaupt keine Produktionsstätte gerettet werden.

Welche Lösung würden Sie wählen?

Andere Formulierung/Darstellung des Problems:

Plan C führt in jedem Fall zu einem Verlust von drei Produktionsstätten und 800 Arbeitsplätze müssen abgebaut werden.

Bei Plan D existiert zwar eine 2/3-Chance, dass alle Arbeitsplätze und alle Produktionsstätten verloren gehen, aber immerhin eine 1/3-Chance, dass kein Arbeitsplatz und keine Produktionsstätte verloren geht.

Das Resultat der Umfragen zeigt, dass im 1. Fall 80% Lösung A bevorzugen, im 2. Fall 80% die Lösung D - obwohl es sich um den präzise selben Sachverhalt (Verlust- oder Gewinnerwartung) handelt. Aber unter drohendem Verlust entscheidet man sich lieber für Risiko (was vielleicht erklärt, warum an der Börse Gewinne gemacht werden, obwohl sich die Einschätzfehler eigentlich ausgleichen sollten. Aber es sind primär solche Fehlentscheide, vor allem bei Massenbewegungen an der Börse, die dann für die cooleren ausreichend Gewinn abwerfen. Die wissenschaftliche Grundlage für solche Entscheide, objektive Entscheide, ist die Spieltheorie.

Das Gegenüber wird darauf verpflichtet, dem Ansehen des Manipulators nicht zu schaden, da dieser bereits in Verhandlungen steht, die nicht dadurch gefährdet werden sollen, dass die Glaubwürdigkeit des Manipulators leidet (was natürlich schnell der Fall ist, wenn seine Machenschaften aufgedeckt werden.)

Gefühle und Emotionen sind mächtige Verbündete der Manipulatoren. Sie setzen die Vernunft ausser Kraft. Der Gegner wird durch Mitleid, Furcht, Solidarität, Neid, Hass, Stolz etc. dazu gebracht, eine Meinung, Behauptung zu akzeptieren oder abzulehnen. Sachargumente werden damit also umgangen. Instinkt herrscht.

Emotionen in Diskussionen einzubringen ist legitim. Wenn emotionale Bewegtheit allerdings das einzige Motiv bleibt und die Vernunft aussen vor lässt, herrscht Gefühlsduseligkeit, Instinkt, Hirnlosigkeit.

Die Wahrheit liegt in der Mitte. Dieses Argument kleidet die Vernunft in einen warmen Gefühlsmantel. Mit weniger Zynismus wird die Methode erfolgreich in der Philosophie angewandt, als Dialektik

> Diese Taktik kann einfach übergangen werden (oder per "Platte mit Sprung" gleich konterkariert werden), besser allerdings, wenn der Gegner aufgefordert wird, auch sachliche, objektive Gründe zu nennen. Persönliche Betroffenheit kann leicht zu ziemlich üblen Lösungen führen, wie etwa die Initiative "Todesstrafe für Sexualvergehen mit tödlichem Ausgang" gezeigt hat. Bei aller Rationalität sind die von einzelnen angesprochenen Gefühle aber ernst zu nehmen.

Sieht ein Manipulator seine Position bedroht, sich mit einem Thema konfrontiert, bei dem er möglicherweise den kürzeren zieht, wechselt er das Thema, weicht ab und aus. Er kann sich dazu einer ganzen Serie von Manövern bedienen, um sein Gegenüber vom eigentlichen Ziel abzubringen. Politiker sind in diesem Spiel wahre Meister. So ist es ein alte Tradition, auf aussenpolitische Probleme hinzuweisen (oder gar einen Krieg zu beginnen), wenn man sich innenpolitisch verfahren hat. Irak, Iran, Afghanistan dürften gute Beispiele dafür sein.

Da der Mensch ein soziales Wesen ist, versucht er sich dauernd unterschiedlichsten Gruppen anzupassen: Familie, Beruf, Politik, Interessen etc. Einerseits ist die Aussenseiterposition in Gruppen ist immer schwierig, meist für beide Teile. Andererseits besteht eben jede Gruppe aus unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen, Interessen, Absichten und Fähigkeiten. Jede Gruppe muss also eine gewisse Vielfalt gelten lassen. Wo Gruppendruck aufkommt (ein anderer, vielleicht präziserer Ausdruck für die Konsensfalle), muss sich die Minderheit fragen, ob ihre Argumente wirklich stimmen. Ist sie aber der Ueberzeugung dass dem so ist, hat sie wenig Grund, einfach des "lieben Friedens" willen sich der Mehrheit zu unterwerfen. Wäre dem so, sässen wir immer noch auf den Bäumen und würden uns gegenseitig lausen. Eine andere, meist noch vorgehende Methode ist es, sich zu vergewissern, ob dies Mehrheit wirklich besteht, oder bloss behauptet wird. Man erlebt da meist einigen Ueberraschungen - die oft so weit gehen, dass jegliche demokratische Tarnung zum Schluss fallen gelassen wird und der Gruppenführer einfach durchgibt was zu gelten hat. In dem Falle wissen Sie, in was für einer Art Gruppe Sie sich befinden - und es wäre vermutlich an der Zeit, sich daraus zu empfehlen.

Beim Adressaten, meist von Kritik, wird ein Schuldgefühl erzeugt, das ihn dazu bringt, zu tun, was eben von ihm verlangt wird.

> ignorieren - oder aufzeigen, dass Sie ihrer Verantwortung wohl nachkommen und die Kritik verfehlt ist.

> Sind quasi tödlich für den Anwender, da ist dann jegliches Vertrauen dahin. Also am besten Aufdecken. Das ist, für Könner, ein fast so guter Forfeit wie die persönliche Beleidung. s. Wattebausch-Methode

Hier geht es dem Manipulator vor allem darum, sein Gegenüber in Verwirrung zu stürzen. Er versucht, Detaildiskussionen zu starten, darin oft phantasievolle Szenarien unüberwindbarer Hindernisse zu entwickeln. Das funktioniert besonders gut, wenn das Thema komplex ist und Detailfragen nicht geklärt sind.

An ähnliche Grenzen der Dialogmöglichkeit stossen Sie mit Alkoholikern. Dort nennt man das dann Konfabulation.

> Beitrag wohlwollend aufnehmen, ihn aber auf seinen Platz verweisen, als Detail, dass dann an entsprechenden Ort zur entsprechenden Zeit diskutiert werden wird. (tönt einfach, ist aber meist recht schwierig. Als Gegendruck gegen Störenfriede hilft dann der Einsatz der Gruppe (Konsensfalle), die meist nicht Zeit vertrödeln will mit Dingen, die weit weg und von wenig Bedeutung für sie sind.

Aufwändiger: Mittels Präzisierungstrichter, Metaskop, Analysefilter, Lösungsangel, Framing etc versuchen, Ordnung in das vorgelegte Chaos zu bringen. Falls das nicht gelingt, wäre das für Sie eigentlich ein Erfolg, und die Absicht des Gegners, inklusive das Mittel (Konfettidialog: bunt aber unbedeutend) offen gelegt.

Eine Rolle ist konziliant, kooperativ, mitteilsam und unterstützend - die andere setzt das Opfer unter Druck, täuscht Wutausbrüche vor, oder attackiert das Opfer gar (Edmüller/Wilhelm meinen mit Worten, in der Realität bleibt es allerdings nicht immer dabei).

Das Spiel ähnelt dem der Nachverhandlungstaktik. "Gesteht" der so unter Druck gesetzte nicht freiwillig (mehr zu), riskiert er die bereits erzielte Zustimmung "des Guten" auch noch zu verlieren.

> Guter Rat: Erst mal ausgiebig lachen. Mit dem Trick wollten mich mal zwei Möchtegernpolizisten in Nairobi ausnehmen. (Warnung: Man muss sich natürlich sicher sein, dass es bloss Möchtegerns sind).

Eine langjährige gute Zusammenarbeit, kollegiale Beziehung, eben Beziehung, wird dafür genutzt, um (günstige) Freundschaftsdienste zu fordern. Dies wirkt noch besser, wenn der Angegangene in der Schuld des Manipulators steht.

> Nur darauf eingehen, wenn der Deal auch sachlich zumindest halbwegs stimmt, nicht zu abenteuerlich ist und vor allem, nicht primär auf ihre Kosten geht.

Dieser "Sachzwang" ist besonders beliebt bei technokratischen Abläufen, die Geld kosten. So wird geplant und geplant, und irgendwann hat die Planung mehr gekostet als das Werk, das man dann natürlich nicht mehr ablehnen kann - als rational, ökonomisch denkender Mensch. Sagt dann allerdings die Mehrheit trotzdem nein, kann's teuer werden - was die Mehrheit dann auch zu bezahlen hat. Akute Beispiele sind der Umbau des Bahnhofs von Stuttgart oder das Polizei- und Justizzentrum in Zürich (Planungskosten, alias sunk costs, im ersteren Fall 1/2 Milliarde, im zweiteren bloss 60 Millionen). > Auch hier soll ein 300m-langes Haus entstehen, also eine der typischen neuen Menschen-Zucht-Anstalten über die Basel schon reichlich verfügt.

Sofort zuschlagen, entscheiden, kaufen, unterschreiben.

> Die Knappheit ist meist gar nicht vorhanden. Ueberlegen Sie sich, ob Sie das Ding eh gekauft hätten und es nun günstiger kriegen, denn einfach was kaufen weil es günstig ist, kommt meist teuer zu stehen. 3 für 2 ist immer noch 2 x zu teuer, wenn man eigentlich gar keines davon braucht.

Der Manipulator setzt sein Zielobjekt unter Druck, z.B. durch Anschuldigung ungenügender oder verspätet abgelieferter Leistung beim Chef.

> Hier wird's problematischer. Durch Reaktion wird das Spiel bloss angeheizt. Konfliktmanagement ist nötig.

Exkurs: Chinesische Manipulationstrategien

Machiavelli:  "Denn die Art, wie man lebt, ist so verschieden von der Art wie man leben sollte, dass, wer sich nach dieser richtet statt nach jener, sich eher ins Verderben stürzt, als für seine Erhaltung sorgt; denn ein Mensch, der in allen Dingen nur das Gute tun will, muss unter so vielen, die das Schlechte tun, notwendig zugrunde gehen. Daher muss ein Fürst, der sich behaupten will, imstande sein, schlecht zu handeln, wenn die Notwendigkeit es erfordert."

Machtspielvariationen:

3 Trickkiste der logischen Manipulation

Argumente bilden einen Begründungszusammenhang. Dieser muss a) logisch stimmig sein, b) inhaltlich. Ein genetischer Fehlschluss zielt auf fehlerhafte Beibringung der Inhalte: Meier ist bloss Chauffeur, der versteht doch nichts von Betriebswirtschaft. - Oder umgekehrt: Müller, Papst aller Yoghurtfabriken, hat gesagt: Alles Quark.

Hier nutzt der Manipulator konditionale Aussageformen (bedingte Aussagen), die allerdings logisch falsch sind (Wenn es regnet, gehen wir nicht spazieren. > Wir gehen nicht spazieren, also regnet es). Derartiges müsste theoretisch leicht zu durchschauen sein, verbirgt sich allerdings oft unter einem Redeschwall, bei dem man dann eh nicht mehr weiss, was nun ist und was nicht.

Schwarzweissmalerei ist das besonders in der Politik typische entweder-oder, das allerdings sogar im Alten Testament gerühmt wurde: Deine Rede sei: Ja, ja - nein, nein. Diese Argumentation macht es sich leicht, da sie eine Menge von weitern Lösungen zum Vornherein ausschliesst: Entweder wir investieren in Aktien oder in Immobilien. Hier liesse sich auch beschliessen, dass wir gar nicht investieren, sondern a) das Geld verprassen oder verschenken, b) es vorerst mal sparen, c) damit alte Schulden zahlen, d) ... Schwarzweissdenken blockiert Alternativen, was sich besonders in der Wirtschaft zeigt: Kapitalismus oder Kommunismus! Tertium non datur. Secundum kaput, finito, morto.

Ein ähnliches Prinzip wie oben. Hier wird eine unbrauchbare Alternative zitiert - um dann die eigene Lösung als DIE, einzig brauchbare Lösung vorzulegen.

> Der Ausweg ist relativ einfach. Man muss a) bloss zeigen, dass es noch andere Initiativen gäbe, b) dass die als einzige vorgelegte darunter nun wirklich nicht das Gelbe vom Ei ist.

Nochmals ein ähnliches Prinzip, das statt einer Wahl unter verschiedenen Alternativen bloss noch das Problem darstellt, zwischen einer guten und einer schlechten Lösung zu wählen. Das ist Manipulation im reinsten Sinne. Sie entsteht durch Verdrängen aller Lösungen durch die eigene Vor-Wahl, den eigenen Vor-Zug. Pro und Contras werden nur noch spielerisch genützt, um die eigene Wahl als beste aller Wahlen zu allen Zeiten darzustellen.

Was die Ursache welcher Reaktion ist, ist die Basisarbeit jeglicher Forschung. Des öftern werden am Anfang ev. gar Ursache und Wirkung verwechselt, oder man verfolgt eine deutliche - aber zufällige Korrelation (Zunahme der Fersehantennen <> Abnahme der Störche), oder es wird fälschlich eine Ursache angenommen, die allerdings kaum Wirkung zeigt. Multivariate statistische Verfahren (schrittweise Regression, logistische Regression, Hauptkomponenten, Clusteranalysen, Faktoranalysen etc) helfen hier bei der Wahl.

Korrelationen sind jeweils auf ihre Häufigkeit und Signifikanz zu testen, wobei insbesondere der Zeitablauf und das Alter von Bedeutung sind.

Die negativen Konsequenzen einer Meinung oder Position werden herausgestrichen. Hier bemüht sich der Manipulator nicht mal mehr darum, das eigenen Modell als besser zu schildern, sondern kritisiert nur noch alle bösartigen Effekte welche die Anwendung des gegenerischen Prinzips mit sich brächte.

> Man kann und soll darauf aufmerksam machen, auch darauf, dass die negativen Schlüsse höchst subjektiv Beurteilungen und damit gar nicht gesichert sind. Noch besser: positive Konsequenzen ergänzen.

Wenn wir nur einen Schritt in diese Richtung tun, sind wir geliefert. Wir schaffen hier einen Präzendenzfall etcblababla Gerne verwendet hier der Manipulator die Strohmantaktik um die Position seines gegenübers erst so weit zu verzerren, dass sich daraus überhaupt all die bösen Folgen ableiten lassen. Diese Lawine kommt nur ins rutschen, falls genug Schnee liegt und der Untergrund rutschig genug ist. Sind die Beziehungen zwischen Aussage und behaupteten Folgen zu locker, kommt die Lawine nicht weit. Man fängt hier, listigerweise, am besten mit dem schwächsten Glied an, dann geht's am schnellsten - oder bei einem stärkeren, dann kann man das Gegenüber um so besser vorführen.

Diese bildet einen ähnlich faulen Zauber, wie der Ansatz mit: Nehmen wir mal an, (x sei = y) ... aus dem dann xbeliebiges abgeleitet werden kann. Im einen Fall ist die Analogie darauf zu prüfen, ob sie wirklich eine ist (häufig: Verwechslung von gegebener naturwissenschaftlicher Kausalität mit (meist) wählbarer sozial- und geisteswissenschaftlicher Finalität. Insbesondere die Märkte, Finanz- wie andere, beruhen nicht auf Naturgesetzen, sondern auf Konventionen, Psychologie, speziell Massenpsychologie. Märkte sind ein Produkt des Menschen, seine Welt, die von ihm abhängt, nicht seine Um-Welt, von der er ab-hängt (was für einzelne, eben Lohn-Abhängige, dann allerdings extrem der Fall ist).

Hier werden Zahlenangaben, Statistiken, Prozente angezweifelt, oft auf Grund der Herkunft: Der hat doch keine Ahnung! Noch genereller: Traue keiner Statistik die Du nicht selbst gefälscht hast!  - Oder, eben so beliebt, man fördert den Glauben an das eigenen Modell durch ein möglichst wissenschaftliches Daherkommen, mit vielen Zahlen und möglichst unverständlichen Tabellen und Symbolen.

Experten, Fachleute, bekannte Persönlichkeiten, Institute: Dies sind die Adressaten des common sense, der Topik im klassischen Verständnis, in einem etwas verbogenen Verständnis auch der Presse. Denn hier lässt man gerne bekannte, beliebte, populäre Gestalten auftreten, allerdings oft ein Popstar, Schauspieler oder Sportler zu Sachfragen befragt, von denen er keinen blassen Dunst hat. (Meinung zur Atomkraft z.B. oder Gentechnologie etc.)

> Bei der Autoritätstaktik ist also immer zu prüfen, ob die vorgeschobene Autorität wirklich eine ist auf dem Gebiet, das zur Diskussion steht.

Der Brunnenvergifter versucht der Opposition gleich von Anfang an jegliches Argumentieren zu versauern, in dem er alle abweichenden Meinungen als staatsfeindlich, unschweizerisch, nicht mit dem normalen Menschenverstand verträglich, unehrlich, gegenüber den gemeinsamen Zielen verräterisch brandmarkt. Kein vernünftiger Mensch wird .... blablabla

Will man gegen einen solchen Angriff vorgehen, darf man also keine Hemmungen haben, kurz als Blödmann dazustehen. Das Vorgehen schafft Spannungen unter den Teilnehmern, macht also selbst genau das, was es den eventuellen Kritikern schon mal zum Voraus vorwirft. self-fulfilling-prophecy. Wenn man sich allerdings in einer Gesellschaft befindet, der man selbständiges Denken zutraut, kann man leicht auch eine Umfrage machen: Hand hoch, wer wirklich findet, eine Kritik an xy (im Notfall Strohmann nutzen, Ansatz des Gegners übertreiben) wirklich idiotisch?

Hier wird ein Sachverhalt als völlig klar, unzweifelhaft sicher, evident dargestellt. Das hat also eine gewisse Aehnlichkeit mit der Brunnenvergiftung.

Sie sehen bereits an der Anzahl der Beispiele, wie beliebt diese Parabel ist.

Wie bei der Brunnenvergiftung muss man sich hier trauen, für kurz ev. als blöd dazustehen. Das verkehrt sich allerdings bald ins Gegenteil, wenn das Gegenüber gar nicht in der Lage ist zu erklären, warum denn die Sache so klar, unbestreitbar und sicher ist.

Der Manipulator versucht hier die Richtigkeit seines Standpunkts zu verbürgen:

> Was macht Sie da so sicher? Hier muss man mehr Gründe einfordern, darf dabei ruhig dem Manipulator klar machen, dass es mit seiner Glaubwürdigkeit nicht all zu weit her ist. Oder, noch brutaler, man verlangt eine materielle Absicherung, also finanzielle Garantieleistung. Damit enttarnt sich hohle Rhetorik am schnellsten.

Diese kann eigentlich nur von Chefs eingesetzt werden, die sich einer Diskussion um bestimmte Punkte einfach verweigern. Vielleicht weil da schon zu viel Zeit sinnlos verbraten wurde, vielleicht aber auch, weil da irgendwo der Wurm drin ist. Kann man eigentlich nur auflösen, wenn man ein positives Angebot macht, das Problemlösung oder gar Einsparungen/Gewinne verspricht.

Auch diese eine klassische Blockadestrategie. Weil das Vollkommene angestrebt sei, lehnt man alle Vorschläge ab, die nicht perfekt sind. Da nichts auf der Welt perfekt ist ...

> Hier muss der Blockierer um bessere Lösungen angegangen werden, als das blosse Neinsagen.

Liefert der Manipulator statt echter Gründe bloss bunte Papierschnitzel (s. Konfettidialog), so will er ablenken. Er erweckt zwar den Eindruck, beim Thema zu sein, unterläuft es aber.

Man kann den Gegner auf diese Irrelevanz hinweisen, was zu längeren Gegenargumenten führen wird. In dem Falle ist mit ihm, per Metadialog, zu klären, weshalb er um die Probleme herum faselt.

Hier wird aus der Tatsache, dass A noch nie als existierend oder nicht existierend bewiesen werden konnte, geschlossen, dass A sein kann - oder auch nicht. Bei Verbrechen gilt da der Grundsatz: In dubio pro reo (Im Zweifelsfalle für den Angeklagten.). Wenn man also nicht sicher weiss, dass er schuldig ist, kann ihm diese Schuld nicht angelastet werden. Oder, weil nie bewiesen wurde ob Gott existiert - oder nicht, ist der Glaube an seine Existenz genau so ein Glaube, wie der Atheismus, als Glaube an seine Nichtexistenz. Der Eristiker macht nun aus dem fehlenden Beweis der Existenz oder Nichtexistenz jeweils einfach (aber wortreich) das Gegenteil.

Die übelste, aber auch häufigste Methode der Manipulation ist es, den Angriff anstatt über die Sache, die sachliche Diskussion, auf die Person selbst zu richten. Man schiesst auf sein Gegenüber (argumentum ad hominem), zieht seinen Charakter, seine Vertrauenswürdigkeit oder Motive in Zweifel, spricht ihm das Recht ab, zu einer gewissen Sache überhaupt auszusagen. Dabei wird gerne das Publikum eingespannt, insbesondere wenn sich die angegriffene Person eh anfällig gegen Mobbing zeigt.

> Als Antwort darauf wird meist klargestellt, dass man hier über die Sache streiten soll, nicht über Personen: Sachlich bleiben, nicht persönlich werden! Der gewiefte Rhetoriker kann natürlich, genau wie beim Wattebausch, einen persönlichen Angriff allerdings auch als Forfeit betr. Ehrverletzung ausnutzen, und um so ungehemmter wirklich scharf schiessen.

Die Sache ist zweischneidig, insbesondere wo sich Unparteilichkeit dann grad noch Objektivität nennt. Objektiv sein müssen wir bei Dingen die rein abstrakt sind, also naturwissenschaftlichen Gesetzen und dergleichen. Alles andere aber, überall wo es um Wahl, Ziele, Werte, etc geht, da sind wir frei in der Wahl, also will-kürlich, und eigentlich darauf verpflichtet, unsere eigenen Interessen, unser eigenes Leben zuerst zu sichern. Genau dies bedeutet Eigenverantwortung. -Oder wir sind durch unsre Familie, unsern Betrieb, unsern Wohnort, unsere Heimat auf ein gewisses, verantwortungsvolles, nachhaltiges Handeln mit Rücksicht auf Gemeinschaft und Umwelt verpflichtet.

Angriffe auf Voreingenommenheit, selbstsüchtige Motive, heimliche Interessen legen den Träger auf bestimmte Positionen fest. Einerseits ist dies sein persönliches Recht - andererseits aber, gerade wenn diese Person als Vertreter der Oeffentlichkeit, der Bürger, der Nation auftritt, dann muss er sich der Kritik stellen. Oft auch bei Gruppengesprächen oder im Dialog muss sich der eine oder andere Teilnehmer fragen, woher denn wohl die Positionen seines Gegenübers kommen. (s. Diskussionsanalyse).

Ueberall wo sich mehrere an einer Verhandlung beteiligen, oder auch unbeteiligt dann doch dem Verhandlungsresultat unterworfen sind, haben diese das Recht und die Pflicht, die Verhandlungen nach solchen Abhängigkeiten zu untersuchen (Politiker mit Verwaltungsratsmandaten, Unterstützung von Parteien etc.)

Hier entstehen einige Denkfehler, da man auf Grund dominierender Prinzipienhaltung gewisse Dinge einfach nicht wahrhaben kann. Hier muss man die Prinzipien darauf untersuchen, unter welchen Bedingungen sie welche Ausprägung annehmen sollen. s. Wertekompass

Die Wortwahl alleine kann schon eine Diskussion einfärben.

Wo Arbeitsgruppen zum "nutzlosen Palaver" werden, muss man prüfen, ob dem so ist, also die Gruppenleiter durch bessere Moderatoren ersetzt werden müssen, oder ob da jemand bloss Angst hat um sein Jöbchen oder Steckenpferd.

Fies, sehr fies: Dem Gesprächspartner wird ein fiktiver Standpunkt unterstellt, begründet durch seine Aeusserungen - die mehr oder minder masslos übertrieben werden. Aus dieser verbogenen Position ist er dann viel leichter angreifbar. Wenn sich jemand allerdings zu sehr versteckt, keine klaren Aussagen macht, oder der Gesprächspartner hat nicht zugehört, wird er schlecht verstanden, woraus ähnliche Folgen entstehen können. Hilfreich sind hier Uebertreibungen, Vereinfachungen, Verallgemeinerungen, Weglassen von Beschränkungen und Nuancen, Vernachlässigung des Kontextes - wenn Sie die Methode selbst anwenden, sonst eben die entsprechende Korrektur.

Hier zielt der Manipulator zwar richtig - aber auf eine Nebensächlichkeit. Mit der Taktik wird das Gegenüber irregeführt, provoziert oder zermürbt. Dem Anwender dient es ansonsten bloss zum Verstecken der Tatsache, dass er eigentlich nichts zur Sache zu sagen weiss, keine Argumente hat. Auch dieser Trick ist für den Gegner äusserst hilfreich, so er ihn erkennt, er kann nämlich aus dieser Erkenntnis heraus den Manipulator als Banausen blossstellen.

Im Zirkelsschluss begründet sich das Argument durch sich selbst: Die Gerechtigkeit verlangt, dass alle die gleiche Steuerlast tragen. Denn es ist ein Gebot der Fairness, dass alle Bevölkerungsgruppen zu gleichen Teilen Steuerbeiträge leisten.

Das Argument mit der Masse: 75% haben dafür gestimmt. 30 Millionen Nazis können sich doch nicht getäuscht haben! Die Mehrheit hat früher auch mal geglaubt, dass die Erde eine Scheibe sei, sie selbst auserwählt - und der Rest der Erdbevölkerung eigentlich Untermenschen. Die Mehrheit bestimmt nicht über Wahrheit, sondern nur über den Willen der Mehrheit, stecke da Wahrheit drin oder eben auch nicht.

Dies ist eigentlich eine Zusammenfassung manch anderer Taktiken, etwa der Brunnenvergiftung und Evidenztaktik: Die vom Manipulator erwünschte These wird immer höchst positiv dargestellt, andere meist gar nicht, oder negativ. Beliebt ist hier, ein bisschen auf Tolerant zu machen, der Gegenthese einen kleinen Vorteil zuzugestehen, um dann die Vorteile der eigenen These um so mehr zu überhöhen.

Edmüller/Wilhelm schildern hier den bewussten Rückzug beim Scheitern der eigenen Strategie des Manipulators, indem dieser die Bedeutung seiner Aussage neu auslegt, meist dadurch, dass er behauptet falsch verstanden oder interpretiert worden zu sein.

Hier drückt sich der Manipulator von Anfang an unklar und mehrdeutig aus, um sich später um so leichter aus der Schlinge ziehen zu können. Es ist dies das typische Verhalten der Opportunisten, die sich auf nichts festlegen um sich dann der Meinung anschliessen zu können, die sichern Gewinn (zumal an Status und Achtung, da man ja recht gehabt hat) verspricht.

Auch dies ein Fall, bei dem die Hintertür von Anfang an geöffnet wird: Praktisch alle Mitglieder sind befragt worden. .... Der eine der nicht befragt wurde, ist dummerweise der Entscheidungsträger. Aehnliche Möglichkeiten bieten:

In beiden Fällen ist es ratsam, sich die Definitionen des Gegners aufzuschreiben, allenfalls klären zu lassen, denn sonst kommen sie aus dem Dunst nie raus.

Beispiel:

Ein komplexes Modell der Manipulation bei Durchsetzung der eigenen Meinung als Wahrheit

Ausgangslage und eingesetzte manipulative Mittel:

Schwarzfärberei:

Bereits hier liesse sich die Sache eigentlich relativ einfach entscheiden, wenn man Ziel und Zweck des Dialogs in Betracht zieht: Wer nicht gewillt ist, zu argumentieren, sich Gegenargumente anzuhören, mit dem kann man nicht diskutieren - also braucht man es auch nicht.

Taktik des legitimen Nichtwissens des einfachen Bürgers - die logischerweise gleich noch zur Irrelevanztaktik wird:

Wenn wir im Dialog die reine Ablehnung der Logik zulassen, können wir eigentlich ebenfalls auf den Dialog verzichten, denn wo 1+1 nicht mehr zwei geben, wird's eigentlich noch komplexer, meist zu komplex für einen einfachen Dialog.

Hintergrund: Wissen ist immer manipulativ. Diejenigen die es haben, können damit die andern manipulieren. Die Abschaffung des Wissens im Dialog ist als Gegenmittel allerdings so wirksam, wie die Verleugnung von Geld oder Machteinflüssen. Diese müssen bestimmt, nicht negiert werden.

Prinzipienfalle:

Ein derartiges Argument lässt sich eigentlich nur dann äussern, wenn man entweder die Möglichkeit hat, seine Werte und Ziele per Diktat durchzusetzen, oder per populistisch manipulierter Demokratur oder ähnliches. Es lässt den sicheren Schluss auf Rechtaberei zu und vermutlich auf Integrationsprobleme, da bei solchen Voraussetzungen das politische Verhandeln von Zielen, Werten und Interessen eigentlich unmöglich wird.

Die hier sehr stark eingesetzte Irrelevanztaktik vermag zwar keine alternativen Lösungen zu finden - aber die vorgebrachte Argumentation doch nachhaltig zu stören, den Eindruck erwecken, da sei einiges nicht richtig - ohne selbst irgend was als "richtig/begründet" belegen zu müssen. Meist wird diese Situation dann ausgenutzt, um die eigenen Lösung als klar und unproblematisch vorzuschlagen. Und eigentlich musste alle, die irgendwo zum Wesen einer Sache durchdringen wollten, einen enormen Lernaufwand auf sich nehmen, Erfahrungen sammeln, sich auf eben diese Sache konzentrieren, ohne Ablenkung.

Perspektivenfalle/Prinzipienfalle - manchmal gar Brunnenvergiftung:

Hier zeigt sich, warum Max Weber darauf bestand, dass Wissenschaft keine Werturteile fälle (s. Werturteilsstreit). Würde nur diejenige Forschung unterstützt, die "Werte" erzeugt, so wären die Linken nur noch für Forschung zu haben, die Arbeitsplätze und mehr soziale Gerechtigkeit erzeugt, die Rechte nur noch für Forschung, die Innovation erzeugt, also immer neuen, weiteren Umsatz und Gewinn. (Man sieht, dass die Sache mit der Wertefreiheit der Wissenschaft offensichtlich nicht durchgezogen wurde, denn heute dominiert eindeutig der zweitere Typus von Forschung, alles andere gilt als Geldverschwendung, abgehoben, links, theoretisch - also unpraktisch, etc.

Wir müssen also zuerst mal sehen, ob und wie wir Manipulation von Ueberzeugungsarbeit trennen können.

Definition Manipulation:

Allgemein ist Manipulation ein Begriff aus der Psychologie, Soziologie und Politik und bedeutet: die gezielte und verdeckte Einflussnahme, also sämtliche Prozesse, welche auf eine Steuerung des Erlebens und Verhaltens von Einzelnen und Gruppen zielen und diesen verborgen bleiben sollen.

Von Manipulation eines Menschen spricht man dann, wenn die Annahme eines Identifikationsangebots oder einer Ware und Dienstleistung nicht zu seinem Vorteil, sondern zu seinem Nachteil führt. Von unsittlicher Manipulation spricht man, wenn der Versuch zu überreden oder überzeugen bei den Beeinflussten ökonomischen oder sittlichen Schaden verursacht.

Der Begriff der Manipulation ist negativ besetzt; Manipulation kann laut Definition nicht positiv sein – wird ein positives Ergebnis angestrebt oder erreicht handelt es sich um Kommunikation zur Überredung oder Überzeugung. Manipulierte Menschen handeln nicht aus eigenen Einsichten oder Überzeugungen, sondern fremdbestimmt. Die angestrebte Lenkung durch gezielte Beeinflussung von Außen erzeugt beim Erkennen zumeist negative Emotionen, da der Manipulierte zur bloßen Marionette des Manipulierenden gemacht werden und nur noch dessen Vorstellungen gemäß reagieren soll.

Methoden der Manipulation:

Die beiden folgenden gehören zur höheren Schule der Manipulation wie sie 1 in Werbung und 2 (+ teilweise 1) im Management verwendet wird:

  1. Klassische Konditionierung, Instrumentelle und operante Konditionierung, Erlernte Hilflosigkeit
  2. Gruppenzwang, Induced compliance, Neurolinguistische Programmierung

Rhetorisch jedoch absolut zulässige Verfahren der Ueberzeugung, welche die Grundlage menschlicher Kommunikation bilden: Argument, persuasive Kommunikation, Rhetorik, Dialektik.

Der Vorwurf selbst manipulativ zu sein, obwohl man nur zu einem Thema Argumente liefert, positive wie negative, gehört als argumentum ad hominem, als Angriff auf die Person, ebenfalls in die unterste, allerdings beliebteste Kiste der Rabulistik.

Ein wissenschaftlicher oder auch "bloss" philosophischer" Dialog ist unter den Prämissen unmöglich. Aufgabe des objektiven Forschers ist es, zu einer Frage alles relevante Wissen zusammen zu tragen, eine möglichst präzise Hypothese zu verfassen - und diese zu prüfen. Liefert das Labor andere Resultate als die erwarteten, ist zwar eine Aussage seitens des Forschers wie: "Verdammter Mist" zulässig, obwohl wertend. Seine Aufgabe ist es aber dann, mit den Resultaten die Hypothese umzuformulieren - und neu zu prüfen. Es ist eh das häufigste Resultat der Forschung, dass entweder das Gegenteil von dem rauskommt, was erwartet wurde, oder gar nichts das überhaupt irgendwie sinnvoll scheint. In Anbetracht solcher Resultate schmeisst der Forscher jedoch nicht die ganzen mühsam gesammtelten Daten in den Papierkorb, sondern überlegt sich:

  1. Habe ich aus dem untersuchten System wichtige Teile ausgeschlossen, die diese Resultate erklären könnten?
  2. Wurden die Daten überprägt durch einen Faktor, der mit den zum System gehörigen eigentlich gar nichts zu tun hat? (Alter, Temperatur, spezifische Nebeneffekte (Artefakte, bias) der Sonderbehandlung die der auffälligen Klasse zuteil wurde
  3. Habe ich überhaupt das richtige System untersucht oder hängt die von mir erforschte Wirkung von etwas ganz anderem ab?
  4. ...

α Bei jedem Forschungsvorhaben lernen wir mehr über die Strukturen und Funktionen der untersuchten Systeme, auch über Subsysteme und Systeminteraktionen. Mit diesem Wissen und Wissensgewinn arbeitet auch der Philosoph weiter, bringt das Wissen einen kleinen Schritt weiter - was nicht geschieht, wenn bei jedem abverheiten Experiment die Antwort zum Holzhammer der groben Hypothesen greift: Es sind eh die Ausländer schuld / Es muss die Mondphase sein / Es ist verhext .... Unser Wissen soll durch Forschung und Dialog detaillierter, feiner, umfassender werden, nicht geistige Müllhalden mit unbedarften Hypothesen füllen. Da übertreiben Poppers Anhänger, genau wie die radikalen Konstruktivisten, manchmal massiv.

Dazu haben viele Theorien bei der Anwendung auch "Nebenwirkungen", die sich oft erst nach Jahren oder Jahrzehnten zeigen. Das heisst aber nicht, dass die Theorie falsch war, sondern dass mit der Anwendung was schief ging (Autos, Schwerindustrie, Plastik, Rationalisierung zu Lasten der Arbeitskräfte - die zugleich Konsumenten wären etc). Einfache Lösungen wie "mehr Geld bitte", sind da meist eben nicht so einfach. Also ist eine Neuanalyse und Neubewertung des Gesamtsystems nötig - ohne Ausschluss der Nebenfolgen (Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe zu Lasten des Staates statt der Verursacher, also der Rationalisateure).

Ω Anyhow, wie Schluss 1 sagt: Eigentlich müssen wir uns mit Leuten die derart banale Ansichten vertreten, gar nicht rumärgern. Mit einer Ausnahme: Wo es um Volksabstimmungen geht, also derartige Argumente populistisch eingesetzt werden, da muss sich jeder verständige Bürger auf seine Art wehren, Irrtümer im Dialog mit andern, per Leserbriefe, Artikel, durch Schrift und Tat blosstellen - und zwar möglichst sichtbar und hart.

Martin Herzog, Basel, 21.11.2010