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Denkwerkstatt

 

 

  1. Definition & Grundlagen
  2. Methode
  3. Vom Denken zum Handeln: Homo sapiens & Homo faber
  4. Topik - das konsensfähige Argument
  5. Kritik - die Suche nach Wahrheit
  6. Masse und Medien
  7. Komplexe Argumentation

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1 Rhetorik: Ziele, Stile und Texttypen

Rhetorik ist die Kunst der bewusst und kunstvoll gestalteten Rede und Schreibe, die ihrem Zweck und Zuhörer möglichst gut angepasst ist. Sie ist damit so ziemlich das Gegenteil eines Reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Rhetorik lehrt, die richtigen Worte und Formulierungen für jeden Zweck zu finden und zu nutzen: Beredt ist, wer Geringes in schlichter Weise, mittleres in gemässigtem Tone und Grosses mit Würde vorzutragen vermag.

Aristoteles begründete Rhetorik als Theorie des Meinungswissens und der wahrscheinlichen Schlüsse, der glaubhaften Argumentation und des Überzeugens durch Gefühlsgründe. Sie diente in Griechenland nebst der Politik vor allem auch der Vermittlung und Verbürgung des wahrend göttlichen Wissens, und damit zugleich zur Überredung der Menge und zur Anwendung für die Gesetze und das allgemeine Beste. Entscheidend sprechen und schreiben, befehlend, ist der höchste Grad rhetorischer Wirkung. Rhetorik, mit Unterstützung der Topik, hebt diejenigen Gesichtspunkte hervorheben und zur Geltung zu bringen, die im gegebenen Zusammenhang die nützlichsten sind. Rhetorik hilft wissenschaftliches Fachwissen in die reale Welt und die Praxis zu überführen.

Rhetorik hilft die Vielschichtigkeit der Rede zu erkennen und zu nutzen, zu unterscheiden zwischen oberflächlich erscheinender Aussage und dahinter verstecktem Sinn. Homer, als Erfinder der Rhetorik, schuf den Odysseus, als Meister der Praxis.

Rhetorik ist allerdings meist auch nur die Kunst des Monologs! (Die Erkenntnisse der Gesprächsrhetorik hab ich hier allerdings übersehen). Die Kunst des Zwiegesprächs wäre dann eben der Dialog, der auf keinen Fall durch vulgär-Rhetorik ersetzt werden darf, insbesondere nicht dort, wo dialektische Analyse und Synthese angebracht sind.. Was Journalisten, Volkstribune, Professoren und Webdesigner treiben, ist kein Dialog, sondern Monolog, auch wenn man's noch so oft interaktiv nennt. Wenn ich pro 50'000 Besucher eine(n) habe, der/die lobt [die Mehrheit] oder wäffelt [Webdesigner], so hat das wenig mit Dialog zu tun. "Interaktivität" die sich auf technischen Firlefanz beschränkt statt Dialog zwischen Menschen zu fördern ist auch nichts anderes als ein Monolog der Programmierer und Webdesigner.

Die rhetorisch gestaltete Rede erfüllt drei Hauptziele:

Belehrung (docere) – Dialog und Gespräch gelten als die geeignetste Form der praktischen Unterrichtung, die beste Methode, den Menschen zum Selbstdenken, zum richtigen und freien Gebrauch seines Verstandes zu erziehen.   (Kant).

                Beweisen ist notwendig - Sachlichkeit, Rationalität bilden die Basis. Fehlen diese, wird die Rede zur blossen Affektregulierung eingesetzt und geht in Propaganda über. Dem reinen Belehrungszweck angemessen ist der sachlich-nüchterne Stil (genus humile, subtile), der sich an die Fakten hält, sie möglichst direkt zum Ausdruck bringt und die Vernunftschlüsse klar und deutlich vor Augen stellt.

               

Daher ist nun die erste, ja schon für sich allein beinahe ausreichende
Regel des guten Stils diese,
dass man etwas zu sagen habe:
O, damit kommt man weit!

Schopenhauer

Mein Herr, Ihr Stil ist flüssig, Ihr Buch aber überflüssig.

(Gottfried Keller, schweizer. Schriftsteller, 1818-1890)

Die wichtigste Funktion der Rhetorik für die aufklärerische Popularphilosophie war es, den Leser in ein erhellendes Gespräch verwickeln, ihn zum aktiven Mitdenken bewegen, ihn zum Selbstdenker machen (Sokrates). Rhetorik ruht auf einer, dem Homo universale der Renaissance gemässen, umfassenden und universalen Bildung, wie sie in der wissenschaftlichen Prosa des 19. Jh, vor allem bei Schopenhauer, Brehm, Helmholtz, Jakob Burckhardt und Nietzsche zu finden ist.

                Während die römischen Rhetorik-Trainer (wie heute Business-Berater), die Beredsamkeit auf ein technisches Vermögen (Sozialtechnologie) reduzierten, brachte Cicero die Rhetorik zu einer neuen Blüte: Und nach meiner Ansicht wenigstens wird niemand ein in jeder Hinsicht vollkommener Redner sein können, wenn er sich nicht Kenntnisse von allen wichtigen Gegenständen und Wissenschaften angeeignet hat. Denn aus der Erkenntnis der Sachen muss die Rede erblühen und hervorströmen. Hat der Redner die Sachen nicht gründlich erfasst und erkannt, so ist sein Vortrag nur ein leeres und ich möchte sagen kindisches Gerede. Ob allem Streben nach Wirksamkeit, darf also nie vergessen werden, dass nur der, der auch etwas zu sagen hat, wirksam reden kann. So heisst es etwa von Bismarck, dass er nicht  redete wie ein Schriftgelehrter, sonder wie einer der Macht hat über Menschen und Dinge. Er sprach nicht glatt, war kein Cicero, aber Europa hörte ihm zu, weil er etwas zu sagen hatte (Naumann: Kunst der Rede. S. 85)).

Words are deeds.

Wittgenstein

Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

Victor Hugo

Emotionale Stimulierung, Erregung sanfter, gemässigter, milder Affekte (delectare, conciliare), von Vergnügen und Wohlwollen: Wenn auch der Redner niemals das Ideal des vir bonus, des guten Menschen, erreichen kann, muss das Publikum doch zur Überzeugung gelangen, dass es wirklich ein Ideal ist, dem er nachzustreben sich bemüht. Sympathie wird erzeugt durch anmutig, schönen Ausdruck, die Aufmerksamkeit erhalten durch Abwechslung. Dazu gehören auch das Erfreuen und Bezaubern, oder wie man heute vermutlich sagen würde: Die Erlebnisgestaltung.

Der wichtigste Punkt wirkungsorientierter, also rhetorisch durchdachter Rede (oder Schreibe), ist, dass sie anregt, sei es zum Denken oder zu Taten.

Das eigentliche Geheimnis der Rhetorik ist der Gedanke - nicht das Wort.

Wo Rhetorik betrügt, nutzt sie nicht (nur) geschickt missverständlich formulierte Tatsachen, sondern vor allem (Rollen-)Erwartungen,Zwänge und andere Gefühle.

Erregung von Leidenschaft (movere, concitare), Affekterregung (pathos) des Publikums: Der pathetische Stil als höchste Anspannung aller Kräfte entfaltet sich nur punktuell zu grösster Wirkung, länger anhaltend erscheint er angestrengt und künstlich

But words are things, and a small drop of ink,
Falling like dew, upon a thought, produces
That which makes thousands, perhaps millions, think.

Lord Byron

Sie bedient sich dafür der passenden Stilart:

  1. der niedere, schmucklose, einfache Stil für Belehrungen über einen schlichten Gegenstand (docere). Inhaltlich anspruchsvolle Texte vertragen kein schmückendes Beiwerk. [Aristoteles: Poetik] Das gilt auch für Webdesign, darum die Forderung: Mehr Scheissdesign!

  2. der mittlere, mässig geschmückte Stil

  3. der hohe, pathetische Stil für grosse Themen. Die Verkürzung der politisch-rechtlich-praktischen Rhetorik auf ästhetisch-literarisches ist allerdings eine Verfallserscheinung, da Rhetorik immer auf Praxis zielte, und des übertriebenen pompösen Schmuckes nicht bedarf. Gerade die enthusiastische Rhetorik zielt über Gemütserregung auf praktische Entscheidung und Handlung, ihre bewegende (= motivierende) Macht zeigt sich in erster Linie in der Beeinflussung des Willens, nicht des Erkenntnisvermögens.

Die fünf wichtigsten Grundsätze einer Rede sind:

Die fünf Quellen wahrer Sprachkunst sind:

Mittel eines rhetorischen Kampfes, bei dem Gewinnen über der Suche nach Wahrheit steht:

Hier (cklick) ein weiteres Dutzend Beispiele von Schopenhauer und Knill. Und weitere 27 Kunstgriffe der Eristik finden Sie in Elertsen/Hartig: Moderne Rhetorik. Rede und Gespräch im technischen Zeitalter. 8. Auflage. Sauer Verlag. Heidelberg. 1979.

Polemik, die vielgeschmähte, ist hier ein Sonderfall , quasi als Mittel eines rhetorischen Kampfes, bei dem Gewinnen über der Suche nach Wahrheit steht, bei dem aber weder Gewinnen noch Konsens möglich sind, weil beide Parteien die Wahrheit "wissen".

 

Definition Polemik:

Streitkunst, ein literarischer oder wissenschaftlicher Streit, eine gelehrte Fehde (griech. polemikós = kriegerisch). In der Theologie bedeutet Polemik die Bekämpfung dogmatischer Anschauungen anderer christlicher Konfessionen. Es kann sich aber um jede Art dogmatischer Anschauungen handeln, die sich, im Westen zumindest, heute eher in Politik und Wirtschaft als in Religion äussern. Polemisieren heißt, eine Ansicht zu bekämpfen. Polemik sucht nicht den Konsens, sondern will fundamentalistisch niederkämpfen.
Es ist keine unfaire Rhetorik, es wird zwar überspitzt aber streithaft. Allerdings wird unversöhnlich auf der eigenen Meinung beharrt. Wer sagt: "Ich will nicht polemisieren!" meint damit: "Ich will versöhnlich argumentieren, auf eine Einigung und Ausgleich hinarbeiten."

Kennzeichen von Polemik sind oft scharfe Äußerungen, persönliche Angriffe und der Verzicht auf sachliche Argumente, die dem sachlichen Charakter einer vernünftigen, rationalen Diskussion entgegenstehen. Polemik bedient sich also oft der Eristik, da sachliche Argumente und Logik in Glaubensdingen unwirksam sind oder von Fundamentalisten sogar als Häresie abgelehnt werden: Wer in seiner Argumentation Logik benutzt, ist ein Häretiker ("man tamantaqa tazandaqa". Al Ghazali. In: 3.6.3 The Ash'arites Versus the Muta'zilites / Prima Causa Versus Causa Secunda [after J.C. Buergel]).

Polemik ist also DIE fundamentalistische "Argumentationsweise". Sie steht meist für Dogmatismus, Vorurteile und Intoleranz, die sich allerdings, wie gesagt, nicht bloss bei religiösen Fundamentalisten, sondern immer mehr bei politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Fundamentalisten findet, für die es keine alternativen und akzeptablen Lösungen ausserhalb der eigenen, meist recht kleinen, Welt gibt. Aufbrechen lässt sich diese fundamentalistische Argumentation nur, wenn man die Fundamente kritisch begutachtet, und entweder Gemeinsamkeiten, tolerierbare Differenzen oder wirklich totale Unstimmigkeit findet. Letzteres ist allerdings selten, da wir alle auf der selben Erde leben. Ersteres ist eine schwierige Sache, die den Willen zu lernen und andersartiges zu tolerieren voraussetzt. Das beste Beispiel für solch einen erfolgreichen Ansatz zur Auflösung von Polemik dürfte Lessing in seinem Nathan der Weise geliefert haben.

nach http://de.wikipedia.org/wiki/Polemik  u.a.

Es gibt aber seltsamerweise auch Situationen, in denen sachliche Argumentation nicht den gewünschten Erfolg bringt, also nicht die notwendige Wirkung erziehlt, und, entgegen der landesüblichen Meinung: sachlich bleiben, nicht persönlich werden - direkt auf Personen zu zielen ist. s. gutes Projekt - sektenähnliche Organisation

Nicht nur sprachlicher, sondern umfassender psychischer Tricks bedient sich das Rollenspiel zum eigenen Vorteil, das alter casting.

Stil- und Figurenlehre

Arten der klassischen Rede und Redeziele

Briefe, ein wichtiges Textmedium, als schriftliche Rede einer Person an eine andere, von ihr abwesende, dürften verschiedensten Arten angehören, je nach Anliegen der Mitteilung.

A healthy male adult bore consumes each year one and a half times his own weight in other people's patience.

John Updike

Das Geschwätz: Eine verbale Form der Mitteilung ohne Inhalt, die sich immer mehr verbreitet in Talkshows und sogar von der Werbung der verschiedenen Telecombetriebe gefördert wird: Gratis telefonieren - schwätzt was das Zeugs hält! Ohne Inhalt, ohne Form - aber nicht ganz ohne Sinn, denn das Geschwätz dürfte der wirksamste und billigste soziale Kitt sein. Trotz dieser wichtigen Funktion darf man das Resultat von Geschwätzigkeit nicht als Grundlage für Entscheide, für Handlung nehmen, denn Geschwätz basiert eben nicht auf wahrheitssuchender Argumentation. Geschwätzigkeit soll unterhalten, ohne Anstrengung - die Wahrheit dagegen liess sich noch kaum je ohne Anstrengung erobern. [s. Event] Rhetorisch betrachtet ist gerade das Geschwätz aber eigentlich der Gegenpol zur rhetorisch durchdachten Rede, denn es hat weder ein Ziel noch eine Struktur.

Texttypen der Gegenwart, von denen jeder seine spezielle Struktur und Funktion hat:

Abhandlung - Auch synonym für Argumentation
Abmahnung
Adressbuch
Aktennotiz
Almanach (bebilderte Textsammlung, literar. Querschnitt, Jahrbuch. aus dem Arabischen, für astronomische Kalender)
Anklageschrift: bestes Beispiel ist Shakespeares Julius Cäsar. Antonius: Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann.
Ankündigung

Anmeldeformular
Anthologie (Blütenlese,
Eine Sammlung ausgewählter literarischer Texte, von verschiedenen Autoren, wie Gedichte, Kurzgeschichten, Lyrik oder ähnlichem.)
Anwesenheitsliste
Anzeige 1: Glückwunsch, behördliche Mitteilung,; Todesanzeige, Werbetext
Anzeige 2: Strafanzeige, Verlustanzeige
Aphorismus: 
kurzer, einprägsamer Sinnspruch, ein Gedankensplitter von philosophischem Tiefgang - aber ohne Begründung Umfassende Sammlung von Aphorismen
Artikel
Arztrezept
Attest
Aufsatz
Auftrag
Aussage
Ballade (erzählendes Gedicht)
Bau-, Montageanleitung
Bedienungsanleitung (manual)
Beglaubigung (amtliche Echtheitsbestätigung)
Beipackzettel (einer Ware beigelegte Inhaltsinformation)
Bericht: kurze oder längere Nachricht mit mehr oder weniger Deutungshintergrund, also bereits anspruchsvoller als die reine Nachricht
Bestellung (z.B. bei einem Versandhaus; -> Auftrag)
Betrachtung (Essay)
Betriebsvereinbarung
Beurteilung (zu Charakter und Leistung einer angestellten Person)
Beweis (mathematisch)
Bewerbungsschreiben
Bibliographie (Literaturverzeichnis, Schrifttumsnachweis)
Biographie (Lebensbericht)
Brief: Geschäftsbrief, Amtsbrief, Leserbrief, Privatbrief, Abschiedsbrief, Liebesbrief, Reisebericht,
Cassetten-Label

Cartoons/Karikaturen: Hier tritt zwar der Text gegenüber der Zeichnung formell in den Hintergrund - die meist wenigen Worte werden aber gerade dadurch um so stärker hervorgehoben. s. Cartoons zum Krieg im Irak
concrete poetry (Lyrik aus lautmalerischen Wortkonstrukten)
Datenblatt (-> Verzeichnis von -> technischen Daten)
Dialog (Unterredung, Zwiegespräch / literarischer)
Dienstplan
Directory (Datei-Liste)
Dissertation (Doktorarbeit)
Dokumentation
Drama:
Die literarische Verarbeitung eines Handlungszwangs
Eid(esformel)
eidesstattliche Erklärung
Einkaufszettel
Einladung
Elegie (Klage-Gedicht, antike Form des Gedichts, nebst Hymnus und Ode)
E-mail
Entschuldigungsschreiben
Erzählung: Kurzgeschichte, Novelle
Essay (literarische, philosophische -> Betrachtung)
Fahrtenbuch
Fax
Flugblatt (z.B. Streik-Aufruf)
Funkspruch
Fußnote (-> Zitatnachweis)
Gebot (kirchlicher Glaubenssatz)
Gedicht (Lyrik)
Gesetzestext
Glossar (erklärende -> Wortliste)
Glosse (humorist.-satir. Betrachtung, in Zeitungen/Zeitschriften). Die Glosse hat allerdings ihren Ursprung in den Uranfängen der Hochschulen, den Klosterschulen. Diie Glosse erschloss Texte erst analytisch dadurch, dass sie diese Wort für Wort durchging, dann synthetisch Satz für Satz erklärte und den inhaltlichen Sinn der ganzen Schrift bestimmte. Dies geschah durch Notizen am Rande und zwischen den Zeilen. Der heutige Inhalt des Begriffs ist also ein stark reduzierter.
Glückwunsch (z.B. auf Postkarte)
Gutachten (Expertise)
Handbuch - Manual
Hilfstext (Computer, *.hlp)
Hymne (z.B. Nationalhymne. Preis-, Lob- und Festgesang)
Hymnus (z.B. das Hohe Lied Salomonis)
Impression (kurze Charakterstudie, Beschreibung, Betrachtung)
Impressum (in einem Printmedium)
Index (alphabetisch gegliederter Anhang, Stichwortliste)
Inhaltsverzeichnis
Interview (wissenschaftliche Nutzung)
Kalender
Karteikarte
Katalog
Katechismus (Sammlung von Glaubensregeln, evangel.)
Klappentext (auf Innenseite[n] von Buchumschlägen)
Kochrezept
Kommentar: interpretierende Stellungnahme in Zeitungen / juristische Gesetzeserläuterung. Auch dieser Begriff stammt aus dem mittelalterlichen Universitätswesen. Er ersetzte die Glosse und hatte die Aufgabe, den in einem Text enthaltenen Gedanken so genau wie möglich in seiner logischen Ableitung und sachlichen Konsequenz zu erschliessen.

Es gibt (nach Schneider/Raue) 5 Typen von Kommentaren:

  1. Einerseits-Andererseits, das argumentativ zum Fazit kommt

  2. Pro und Kontra, das denkend, verarbeitend zur Synthese kommt

  3. Der reine Meinungsartikel - der geschickterweise populistisch mit der verbreiteten Meinung beginnt und die vorsichtig umdreht.

  4. Der geradeaus-Kommentar / der Kurzkommentar / Leitglosse: Kurze scharfe Beurteilung - ohne Argumentation

  5. Das Pamphlet: Ein Kurzkommentar als polemischer Keulenschlag gestaltet (verwandt also der. Debatte, die ihren Namen ja von "Niederschlagen" hat). Kann in "Hasspredigt" ausarten.

Ein Kommentar muss zu einem Schluss kommen, sonst taugt er nicht.

Kompendium (kurzgefaßtes -> Lehrbuch, Nachschlagewerk)

Konzertprogramm (-> Theaterzettel)
Kurzkommentar

Leitartikel
Lexikon

Lebenslauf (curriculum vitae)

Legende 1: wundersame Geschichte
Legende 2: Erläuterung(en) zu geographischer Karte

Lehrbuch (Sach-, Fachbuch)
Libretto (=Textbuch; für Oper, Operette, Musical) Lied: Kunstlied, Song (auch: Protestsong), Couplet, Schlager (Hit), Volkslied
Limerick
Liste (Verzeichnis)
Lobrede (Laudatio)
Märchen
Meldung (-> Protokoll)
Memorandum, diplomatisches (aide-mémoire)
Monolog (z.B. am Anfang von "Faust I")
Note, diplomatische (s. Memorandum)
Nachruf (Leichenrede, Nekrolog)
Nachwort (Epilog)
Notiz (kurze Mitteilung)
Ode (lyrisches Gedicht: "An die Freude")
Offenbarungseid
Pamphlet (=Streit-, Schmähschrift)
Parabel äxgüse Parabel (Gleichnis)
Parteiprogramm (scheiss drauf)
Personenbeschreibung (auf polizeilichem Steckbrief)
Personen- und Sachregister (in Buch-Anhang)
Plakat

Pornographie: Obwohl auch hier, wie bei Cartoons/Karikaturen, meist das Bild oder die Zeichnung im Vordergrund steht (s. Cartoons zum Thema Erotik zensuriert: Mangas), gibt es auch die literarische Pornographie, d.h. erotische Literatur - zensuriert, die sich auch heute noch auf Indizes mit verbotenen Büchern finden. Von einer "Rhetorik der Pornographie" oder "Rhetorik der Erotik"  zu reden wäre übertrieben ...  der Rede nicht wert ... denn Rhetorik ist die Kunst der wirkungsvollen Rede oder Schreibe. Die Wirkung die Pornographie erzielen soll ist beschränkt. Sie soll geil machen, Begierde wecken, das Begehren entzünden. Deswegen ist sie auch banal ... und kommt darum bei den Massen so gut an. Die Erotik kann also, was sie meist ja auch tut, am Anfang einer Beziehung stehen, diese aber werder schaffen noch erhalten. Das ist Sache des zwischenmenschlichen Dialogs. s. Beziehungslehre)

Porträt: Künstler-, Landschafts-, Städte-
Postkarte
Präambel (feierliches Vorwort, z.B. zum Grundgesetz)
Projektbericht
Propaganda
Protestsong
Protokoll): Gerichtsprotokoll, Polizeiprotokoll, Sitzungsprotokoll (Versammlungsniederschrift)
Psalm (-> Ode)
Quittung
Rätsel
Rechnung
Rede
Referat (-> Vortrag)
Reisebericht (R.-Impression)

Reportage: In dieser verwirklicht sich die Erzählkunst des Journalisten. Sie erzählt eine Begebenheit oder beschreibt eine Situation, und will dadurch dem Leser die Augen öffnen. Die Reportage ordnet Fakten nach einem unterhaltsamen Drehbuch - und führt zu fundierten Aussagen. Grundlage ist die Recherche, die recht aufwändig sein kann. Dem Leser werden nicht kalte Fakten geboten, sondern er wird in die Geschichte hineingezogen und erlebt sie mit (wenn die Reportage gut ist).
Rezension: Buchbesprechung, Fernsehkritik, Filmkritik, Konzertkritik, Theaterkritik > Rezension
Roman
Rundfunk-, Fernsehprogramm
Satzung (öffentliches oder Privatrecht: Partei, eingetragener Verein)
Satire
Seminarbescheinigung ... apropos Seminar. Also in Japan scheint da jemand den Begriff Seminar, der ja von "Sähen" kommt, etwas zu wortwörtlich übersetzt zu haben, was dann eben leicht ein bisschen pornographisch  wird. (Achtung! Im Link zum Seminar ist ebenfalls pornographisches Material, d.h. geschlechtliches wird "geschrieben", d.h. gezeigt) zensiert!
Sketch (s. Monty Python)
Skript 1 (das Geschriebene, eines Films, Fernsehspiels)
Skript 2 (Vorlesungsniederschrift)
Speisekarte

Sportreportage (z.B. über ein Fußballspiel, Rennen)

Sprichwort: Ein Sprichwort ist ein kurzer Satz, der sich auf lange Erfahrung gründet.
(Miguel de Cervantes, spanischer Schriftsteller, 1547-1616)
Stapel-Datei (batch file)
Statement (persönliche Aussage)
Stenogramm (genaue Niederschrift von etwas Gehörtem / Kurzschrift mit zu Symbolen zusammengefassten Lautgruppen)
Strafmandat ("Ihnen wird zur Last gelegt...")
Synopse (zwei- oder mehrsprachiger Paralleltext, vergleichende Uebersicht)
Tagebuch
Tagesordnung (Agenda)
technische Daten (specifications)
Telefonbuch (s. Adressbuch)
Telegramm (s. Telegraphie)
Testament
Textaufgabe (Mathematik, Physik, Chemie)
Theater-Szene
These
Thesenpapier (-> Tischvorlage)
Theaterzettel
Traktat
Trauungszeremonie (ritueller Text) suchen Sie's nicht im Internet, da sind ein paar ganz Fiese am Werk
Urkunde
Verhör(s)protokoll
Vertrag (-> Urkunde)
Verzichterklärung
Verweis (-> Abmahnung)
Vorladung (zu einem Gerichtstermin oder Polizeiverhör)
Vorlesung (Skript) auweia ...
Vorlesungsverzeichnis
Vortrag (-> Aufsatz)
Vorwort (-> Präambel , -> Prolog [früher ein Vorwort, heute eine Programmiersprache)
Widerruf (=Dementi, das Entlügen, die Hauptbeschäftigung von Bush; als Presseerklärung, -mitteilung)
Witz, Witz-Theorie
Wörterbuch (-artikel)
Wortliste (auch rückläufig!) Eusserscht wichdig:
Wortliste reformierter Schreibweisen
Zahlungserinnerung (Mahnung, Mahnschreiben)
Zeugnis (s.a. Urkunde : Betriebs- (=Arbeits-), Schul-
Zitat (1. wissenschaftliches, 2. literarisches --)

 

(nach Dr. Wolfgang Näser, Marburg  http://staff-www.uni-marburg.de/~naeser/formkomm-tx.htm) - ohne Links!

Martin Herzog, Dipl. Ing. ETH, WEBDESIGN für Wissensanbieter, Rheinfelden, 22.04.03

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Rhetorik des SCHWEIGENS

Definition Schweigen:

Schweigen ist eine Verhaltensweise des Menschen, die sich in der Religionsgeschichte als Ausdruck der Ehrfurcht und als eigtl. gottgewollte Haltung findet. In der Mystik  ist Schweigen ein Mittel der Meditation, im Mönchtum oft eine asketische Forderung, die ebenso für das indische Mönchstum gilt wie für das christliche, das sie in den Orden der Karthäuser und Trappisten am strengsten befolgt wird.

Meyers Grosses Taschenlexikon

Ein viel zu wenig genutztes rhetorisches Stilmittel ist das Schweigen. Während Rhetoriker, Philosophen und Politiker sowieso einen grossen Bogen um das Schweigen machen, wird es von Zynikern gerne genutzt. Nichts kann, wenn zur Rechten Zeit eingesetzt, so viel zur Klärung beitragen - aber auch verärgern oder verunsichern wie das Schweigen.

Im Internet finden Sie unter dem Stichwort "Schweigen" meist umfangreiches Gelaber zum Thema Zuhören. Das ist qualifizierter Unsinn. Die Leute verwechseln Rhetorik mit Dialog. Rhetorik ist aber die Kunst des Redens, also des Monologs, wären dem die Kunst des Gedankenaustausches zwischen zweien oder mehreren Dialog genannt wird. Die Anforderungen an den Dialog sind weitaus höher als die an den Monolog, da das klare, deutliche und verständliche Reden, also die Anwendung der Rhetorik, für den Dialog nur EINE Voraussetzung ist. Dialog beruht auf dem Willen, auf gegnerische Argumente einzugehen, sie zu entkräften, oder, wo nicht möglich, eben daraus zu lernen und die eigene Haltung zu ändern. Dialog ist also vor allem ein Lernprozess, kein Schweigeprozess. Ab und zu Schweigen hilft, reicht aber bei weitem nicht aus. Das wichtigste beim Dialog ist das Mit-Denken, das natürlich nur möglich ist, wenn man auch zuhört. Dass qualifiziertes Zuhören genau so schwierig ist wie wirkungsvolle Rede zeigt sich, wieder mal, am chinesischen Schriftzeichen für zuhören, das sich zusammen setzt aus den vier Zeichen für Herz, Verstand, Ohren und Augen.

Die Disziplin des Schweigens beim Vorgang des Redens und Zuhörens muss von den Subjekten konsequent angewendet werden, weil es sich hier um ein absolutes Muss der dialogischen Kommunikation handelt. Das erste Signal, das zeigt, dass das redende Subjekt zuhören kann, ist die Kontrolle unter Beweis zu stellen, nicht nur bei der Notwendigkeit, selbst zu Worte zu kommen, was natürlich sein Recht ist, sondern auch hinsichtlich seiner zutiefst zu respektierenden persönlichen Lust daran, sich zum Ausdruck zu bringen.

[Paulo Freire: Pädagogik der Autonomie. Waxmann. München, New York, Münster, Berlin. 2008]

 

Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.

Ludwig Wittgenstein

Genau das ist Schreiben: es ist die Ausformung eines Schweigens - eines Schweigens, das sehr voll ist.

J.P. Sartre

Ein Wort

Ein Wort, ein Satz-: aus Chiffren steigen
erkanntes Leben, jäher Sinn,
die Sonne steht, die Sphären schweigen
und alles ballt sich zu ihm hin.

Ein Wort - ein Glanz, ein Flug, ein Feuer,
ein Flammenwurf, ein Sternenstrich -
und wieder Dunkel, ungeheuer,
im leeren Raum um Welt und Ich.

Gottfried Benn

Man frage nicht

Man frage nicht, was all die Zeit ich machte.
Ich bleibe stumm;
und sage nicht, warum.
Und Stille gibt es, da die Erde krachte.
Kein Wort, das traf;
man spricht nur aus dem Schlaf.
Und träumt von einer Sonne, welche lachte.
Es geht vorbei;
nachher war's einerlei.
Das Wort entschlief, als jene Welt erwachte.

________________

Erst gewahrten wir vergnüglich
Wilden Wesens irren Lauf;
Unerwartet, unverzüglich
Trat ein neuer Kaiser auf.
Und auf vorgeschriebenen Bahnen
Zieht die Menge durch die Flur;
Den entrollten Lügenfahnen
Folgen alle. - Schafsnatur!

Karl Kraus

Karl Kraus, der begabteste Polemiker des 20. Jahrhunderts, hat mit kaum einem Text so viel negative Reaktionen und Unverständnis erzeugt, wie mit seinem Schweigen zu Hitler. Dabei hätte allerdings jedem der Kritiker klar sein müssen, dass dahinter mehr steckt. Wenn ein ganzes Volk Hitler mit seinem ganzen Lügengebäude als Führer akzeptiert, dann reicht reden nicht mehr aus. Dann müsste das Volk zum Denken gebracht werden ... was allerdings bei Schafsnaturen über die Kapazitäten des Poeten geht.

Eugen Gomringer (1925-), der Schweizer Erfinder der konkreten Poesie, hat die Tatsache, dass Schweigen etwas ist, dass sich nicht durch Worte ausdrückt, wie folgt dargestellt:

schweigen schweigen schweigen
schweigen schweigen schweigen
schweigen                    schweigen
schweigen schweigen schweigen
schweigen schweigen schweigen

 

So ist "zum Schweigen bringen" eine weitaus beliebtere Methode als selbst zu schweigen. Diese war insbesondere im Mittelalter beliebt, als sogar Kirchenfürsten sich ihre Schlägertruppen hielten, die mit Fäusten nachhalfen, wenn die verbale Debatte nicht überzeugend genug war. Schlagfertigkeit hatte damals eine offenbar ziemlich handfeste Bedeutung. Eine moderne Variante dieser Verfahren sind Klagen wegen Ehrverletzung, Geschäftsschädigung, Marktverzerrung etc. mit der Kritik unterbunden wird. Eine postmoderne Variante des zum Schweigen Bringens sind Attacken von Hackern auf ganze Websites, Überflutung mit Massenmails, Bombardierung mit Viren- und Trojanermails etc. [Ich hab da selbst so meine Erfahrungen, denn ich habe mit solchen Reaktionen immer dann gehäuft zu rechnen, wenn ich mal wieder einem Webdesigner darüber aufgeklärt habe, dass sich Besucherzahlen genau reziprok verhalten zu dem, was heute als guter Design angesehen wird. (. s. Scheissdesign).]

Schweigen ist ein Argument, das kaum zu widerlegen ist.

(Heinrich Böll, dt. Schriftsteller, 1917-1985)

Die Schweigepflicht ist, so seltsam das tönt, ist für Ärzte, Apotheker, Psychologen, Juristen, Pfarrer, Versicherungsagenten, Amtsträger, Banken ... das wichtigste Mittel den Dialog mit ihren Kunden zu fördern. Sogar für Philosophen gilt oft: Si tu t'aurais tu, tu serais resté philosophe.

Enorm wichtig ist das Schweigen im Internet. Nicht, weil irgend jemand eine Aussage sehen und falsch interpretieren könnte, oder weil einem eventuellen zukünftigen Chef eine öffentliche Aussage auf den Keks gehen könnte, sondern weil im Internet nur das Schweigen die Ausbreitung von Mist verhindert.

Empfehlung: Regt Sie was auf, ist ein Artikel wirklich Mist, so fluchen Sie ruhig mal vor sich hin, aber schicken Sie ihn nicht an alle Freunde und vor allem, kommentieren sie den Mist nicht im Internet. Noch wichtiger: Legen Sie keinen Link darauf, denn all dies holt den Mist aus der Grube. Gerade heute Morgen (30.12.04) ist mir so einer übergekommen, als ich mal "webdesign brainworker" überprüfte. Da macht sich einer grosszügig über einige dutzend Websites her, die er als überflüssig erklärt (u.a. www.brainworker.ch ), liefert aber sonst nichts als überflüssige zweitklassige Familienfotos beim Grillieren. Dümmer geht's nümmer. Er kriegt keinen Link auf seine überflüssige Website, mag er mich oder sich noch so ärgern ...

Mit Scheisse im Internet sollte man das Selbe tun, was man sonst so damit tut:
Spülen - und der Kläranlage
(also dem Vergessen) überlassen.

Kritischer zu bewerten ist das Schweigen dort, wo es um politisches oder wirtschaftliches agenda-setting geht, das wichtig wäre, denn Ereignisse werden erst zu solchen, wenn die Medien sie dazu machen. Durch Schweigen mache sie aus einem Etwas ein Nichts.

Empfehlung für eine saubere Referenz, aber ohne die Vergünstigung der Verlinkung, die den Schrott sonst bei Google noch fördert:  www.xxxxyyy.xy  oder www.xxx(irgendeinscheiss)yyy.xy      

Umgekehrt muss ich natürlich sagen: Ich merke schon, wenn jemand sich meiner Texte bedient und sich derart toll findet, im vergleich zu meinen lausigen Präsentationen, dass er nicht mal einen Link auf den Urheber legt. OK, gut - aber dann Auge um Auge, Zahn um Zahn: Wer sich als zu gut empfindet, auf den Urheber zu verweisen, den beschenkt der Urheber nicht mit Links. (Dies als Begründung, warum sich die eine oder andere Website bei mir nicht findet, die eigentlich ähnliche Anliegen verträte). Sie sehen wie hinterhältig, strategisch-taktisch und gerissen es im Web so zugeht ...

 

Katastrophenrhetorik:

Verfehltes Reden aus Sensationsgier und verfehltes Schweigen aus übertriebenem Respekt vor Autoritäten kommen oft gleichzeitig vor. Die dominante Form der Erledigung von Katastrophen ist ebenfalls - das Zum-Schweigen-Bringen. 

Gott gebe mir die Gelassenheit,
   Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut,
   Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit,
   das Eine vom Anderen zu unterscheiden.

Friedrich Christoph Oetinger (1702- 1782)

Das sog. Gelassenheitsgebet, gerne als Kalenderspruch verwendet, enthält eigentlich die konzentrierte Weisheit des Buddhismus und Taoismus.

Wie wortreich sich Sprachlosigkeit und Schweigen heute ausdrückt, zeigt in unserer Medienüberfluteten Gesellschaft gerade das Seebeben in Südostasien. Mir fehlen die Worte füllt Seiten und Zeitungen, mir hat es die Sprache verschlagen ganze Fernsehabende und -Tage. Und diese Sprachlosigkeit durch ein bereits gewaltiges Unglück reicht offenbar nicht: Cholera ... Es gibt keine Cholera! Cholera! .... Es gibt keine Cholera! Cholera!! Es gibt keine ...  Lauthals fordert die mediale Unglücksvermarktung nach noch mehr Unglück und noch eindrücklicheren Zahlen, 140'000 Tote (160-220'00) reichen offenbar nicht. Bringt sie zum Schweigen die Aasgeier!, denn Gelaber hat noch selten ein Unglück verhindert.

Am aktuellen Fall des Erdbebens von Südostasien zeigt sich auch die Unwirksamkeit der Medien, und zwar in zweierlei Beziehungen:

  1. Lösen Medienevents höchst selten Probleme. Die Medien springen von Event zu Event. Das neuere, grössere Event bringt das ältere, kleinere, zum Schweigen.

  2. Sind die Medien derart darauf fixiert, ihre News den Massen zu verkaufen, dass sie eine rasche Information der direkt betroffenen oft eher behindern als fördern.

Die Sprache der Frau

Ja = Nein
Nein = Ja
Vielleicht = Nein
Es tut mir leid = Das wird Dir leid tun
Wir brauchen = Ich will
Entscheide Du = Die richtige Entscheidung müßte offensichtlich sein
Mach wie Du willst = Dafür wirst Du noch zahlen
Wir müssen reden = Ich muß mich über etwas beschweren
Natürlich, mach es wenn Du willst = Ich möchte nicht, daß Du es machst
Ich bin nicht sauer = Natürlich bin ich sauer, Du Arschloch!
Du bist so männlich = Du solltest Dich mal wieder rasieren
Du bist heute wirklich nett zu mir = Kann es sein, daß Du immer an Sex denkst?
Mach das Licht aus = Ich habe Zellulitis
Die Küche ist so unpraktisch = Ich möchte ein neues Haus / eine neue Wohnung
Ich möchte neue Vorhänge = und Teppiche, und Möbel, und Tapeten
Ich habe ein Geräusch gehört = Ich habe gemerkt, daß DU eingeschlafen bist
Liebst Du mich? = Ich möchte Dich nach etwas Teuerem fragen
Wieviel liebst Du mich? = Ich habe etwas gemacht, was Dir nicht gefallen wird
Du musst lernen zu kommunizieren = Du mußt einfach nur meiner Meinung sein
Nichts, wirklich = Es ist nur, daß Du ein riesengroßes Arschloch bist!!

Die Sprache der Männer

Ich habe Hunger = Ich habe Hunger
Ich bin müde = Ich bin müde
Schönes Kleid! = Geile Titten!!
Was ist los? = Ich kann nicht glauben, daß du so eine Tragödie daraus machst
Was ist los? = Durch welches undefinierbare, selbst erfundenes Trauma schlägst Du Dich gerade durch?
Ja, Dein Haarschnitt gefällt mir = Vorher fand ich sie besser
Ja, Dein Haarschnitt gefällt mir = 50 Mack und kein bißchen anders!
Gehen wir ins Kino? = Ich möchte Sex mit Dir machen!
Kann ich Dich zum Essen einladen? = Ich möchte Sex mit Dir machen!
Kann ich Dich mal anrufen? = Ich möchte Sex mit Dir machen!
Wollen wir miteinander tanzen? = Ich möchte Sex mit Dir machen!
Du siehst angespannt aus, soll ich Dich massieren? = Ich möchte Sex mit Dir machen!
Was ist los mit Dir? = Ich schätze mal, daß das mit dem Sex heute nacht nichts wird...
Ich langweile mich = Willst Du mit mir schlafen?
Ich liebe Dich = Laß uns miteinander schlafen, jetzt!
Ich liebe Dich auch = Okay, ich habe es gesagt und jetzt können wir miteinander schlafen
Reden wir = Ich möchte gut auf Dich wirken, damit Du glaubst, ich wäre eine tiefgehende Person und dann willst Du vielleicht auch mit mir schlafen.
Willst Du mich heiraten? = Ich will, daß es illegal wird, wenn du mit anderen Männern ins Bett gehst

http://www.frauenfeindlichesarschloch.de/sprache.html

1. Ältere und "kleinere" Katastrophen zum Schweigen gebracht:

Ebenfalls zu viel geredet haben all die, die bei dem Unglück, das noch bis vor wenigen Wochen das grösste war, nämlich Bam, Unterstützung versprochen haben. Die internationale Gemeinschaft sagte eine Milliarde an Hilfe zu - die Uno erhielt jedoch bloss 32 Millionen an schriftlichen Zusagen - und davon wurde bloss die Hälfte bezahlt. 30'000 Tote - 17 Millionen an Hilfeleistungen - und die Überlebenden leben heute noch in den Trümmern! Flutkatastrophe Bangladesh 1991: 140'000 Tote. Erdbeben in Tangshan, China 1976: 240'000 Tote (die grosszügig den Chinesen überlassen wurden). Darfur, Kongo: Im Kongo irren 3 Millionen Menschen durchs Land), Irak (Das grosse Schweigen: Palästina im Abseits), Afghanistan... etcetc.. Das mediale Theater ist jeweils gross - das Gedächtnis aber kurz.

In Südostasien dürfte die Geschichte etwas anders verlaufen, vor allem weil all die Entwicklungsorganisationen, die nun hinter dem Geld und den Aufträgen her sind, wissen, dass Inder, Tamilen, Thailänder und Indonesier eine starke Arbeitsmoral sowie eine alte Tradition der Selbsthilfe haben, dass also damit zu rechnen ist, dass die meiste Arbeit bereits getan ist, bis die Entwickler bloss ihre weissen Geländewagen eingekauft, die Büros bezogen und die ersten Konzepte entwickelt haben. Hier ist also höchste Eile geboten! Die Sammlungen für Tsunamiopfer haben rund eine Milliarde $ gebracht - das World Food Programme hat aber erst einen fünftel der notwendigen Beiträge für die Hungerhilfe in Afrika erhalten, 1/8 der weltweit nötigen Mittel. Vom Büdget (360 Millionen) zur Unterstützung Heimkehrwilliger im Südsudan sind ebenfalls erst 7% finanziert.

Die Sprüche gewiefter Entwicklungspromotoren: Man darf sich nicht vorstellen, das Problem sei mit kurzfristigem Wiederaufbau gelöst. Das braucht Wiederaufbauprojekte für mindestens 10 Jahre - sind PR-Schrott. Es geht um die Wiederherstellung der lebens- und wirtschaftsnotwendigen Strukturen, und das innert möglichst kurzer Zeit. Innert Wochen bis Monaten muss die lokale Bevölkerung wieder im Stande sein, ihrem Erwerb nachzugehen - nicht in 10 Jahren! Geld scheint ja diesmal nicht das Problem zu sein. Der Wiederaufbau von Tangshan, wo 86% der Stadt zerstört wurde, 240'000 starben und weitere 600'000 Menschen in Trümmern lebten, hat 10 Jahre gedauert. Wenn es irgendwo noch eine Entwicklungsorganisation gibt, die sich an solch langfristige Einsätze traut, dann wäre da immer noch das Problem zu lösen, wie sich eine Verhaltensänderung erzielen lässt, die dazu führt, dass Wald pfleglich genutzt statt ausgebeutet wird. (s. Jemen, Somaliland ...)

2. Katastrophe Im nachhinein Medial verwertet - aber nicht zu Zeiten gewarnt:

Weder geschwiegen noch gelabert haben die Leute, die das Unglück kommen sahen und rechtzeitig warnten. Aus dem Misserfolg der Mitteilung zeigt sich klar der Unterschied zwischen Monolog (Rhetorik) und Dialog, sowie die Tatsache, dass manchmal Reden Gold wäre und Schweigen Scheisse - aber Reden mit den richtigen Partnern. Manuela Kessler hat in ihrem Bericht: Warum niemand vor der Flut gewarnt hat [Tages-Anzeiger 5. Januar 2005. S. 3] verpasste Chancen und dahinter liegende Probleme deutlich aufgezeigt:

Das Erdbeben das um 7.59 vor Bandar Aceh die Erdkruste um rund 10 m hob, auf einer Länge von 500 bis 1000 km (unterschiedliche Angaben), hatte eine Energie von 32 Milliarden Tonnen TNT. Es dauerte zwei Stunden bis die dadurch ausgelöste Flutwelle über die thailändische Küste hereinbrach, zweieinhalb Stunden bis sie in Sri Lanka und Indien anlangte, vier Stunden bis zu den Malediven und gar 7 Stunden bis nach Somalia.

Der Seismologe auf Sumatra, der das Erdbeben sofort mitbekam, aber erst dachte, der Nachbar arbeite mit einem Presslufthammer im Garten, konnte während 1 Stunde niemanden erreichen. Ein Reporter schickte die Meldung eine halbe Stunde später weiter. Das indonesische Erdbebenzentrum verschickte 90 Minuten nach dem Beben Emails an Partnerinstitute. Für Telephongespräche war kein Geld vorhanden.

In Japan wurde 7 Minuten nach dem Beben im seismologischen Zentrum von Nagano das Beben registriert. Ein Computerprogramm machte sofort die Gefahr eines Tsunamis deutlich. Die Meldung ging aber nur an die Vorgesetzten ...

Das Geowissenschaftliche Institut Canberra kam zu selben Schluss und sandte 40 Minuten nach dem Beben Warnungen an den nationalen Krisenstab und die australischen Botschaften rund um den Indischen Ozean. Die Regierungen der betroffenen Staaten direkt zu informieren hätte gegen diplomatisches Protokoll verstossen.

Das Frühwarnzentrum Honolulu stufte die Gefahr eines Tsunamis zwar als gegeben, nicht aber als gewaltig ein.

Das amerikanische Erdbebenzentrum in Golden, Colorado, erkannte rasch, dass es sich um eines der stärksten Beben der letzten Jahrzehnte handelt und verschickte die Botschaft an das Weisse Haus, das US-Aussenministerium und die wichtigsten Hilfsorganisationen. Eine Stunde später wurde eine klare Tsunamiwarnung verschickt, allerdings waren von den betroffenen Ländern nur Thailand und Indonesien an das Warnsystem angeschlossen.

Bangkok hatte also eine Warnung erhalten, allerdings hatte der dortige Direktor vor 6 Jahren mal einen falschen Tsunami-Alarm ausgelöst. Die Tourismusindustrie hatte kein Verständnis dafür, dass die Wirkung von Tsunamis vor allem von der Beschaffenheit des Bodens in Ufernähe abhängt, und hatte den Direktor mit Schimpf und Schande und Schadenersatzklagen überhäuft - statt dankbar zu sein, dass nichts geschehen war. Da eine Evakuation wirtschaftliche Schäden in Millionenhöhe verursacht, wurde diesmal auf einen Alarm verzichtet.

In Colombo hatte das nationale Meteorologische Amt ebenfalls Angst, ihre Kompetenzen zu überschreiten.

Ähnlich Indien: Die indische Luftwaffe lieferte bereits eine Stunde nach dem Beben Bilder der total zerstörten Andamanen und Nikobaren. Wenig später versank eine weitere Militärbasis im Wasser. Das Verteidigungsministerium wurde informiert, das meteorologische Institut schlug Alarm, der Krisenstab des Innenministeriums, die "Katastrophenmanager" liessen sich zwei Stunden Zeit ... das Kabinett einzuberufen.

Wäre die Meldung zeitig an die Radios der betroffenen Küstengebiete gegangen, so hätte vermutlich doch ein Teil der Bevölkerung (wie die Urvölker und Tiere der Andamanen und Nikobaren) richtig reagiert und sich in die Höhe verzogen (während andere, natürlich gerade wegen der Meldung, mit ihrer Kamera "das Spektakel" in "sicherer", also so ca. 20 m, Distanz, zum Meer erwartet hätten ...)

Inzwischen haben Analysen der Sandablagerungen gezeigt, dass solche Erbeben und Tsunamis bereits um 900 AD und 1400 vorkamen, also so alle 5 bis 600 Jahre damit zu rechnen ist ... was eine Vorwarnung doch eher zu einem schwierigen, da extrem langfristigen Geschäft macht. Wer glaubt denn da nach 600 Jahren noch, dass da was kommt .... bloss weil's hupt.

Wissenschaftliche- und philosophische Rhetorik

Irgendwo zwischen (besser) Schweigen und Katastrophe steht die Rhetorik der Wissenschaftler im deutsch- und französischsprachigen Raum. Während in England ein Wissenschaftler als eher beschränkt angesehen würde, könnte er seine Sache nicht klar und verständlich präsentieren, ist es bei den deutschsprachigen umgekehrt: Was jeder versteht, kann ja wohl nicht wissenschaftlich sein! Frankreich scheint wiederum ein ganz anderes Problem zu plagen, nämlich das der Sprachverliebtheit. Insbesondere die französischen Philosophen drechseln so lange an ihren Texten rum, bis sie theaterreif sind, aber man den Inhalt zwischen lauter Phrasen fast nicht mehr findet.

Was normalerweise übliche Bestandteile der Rhetorik sind, nämlich sachlicher Inhalt, emotionales Ansprechen des Lesers und anregen einer Leidenschaft des Lesers, wird bei wissenschaftlichen Texten auf reinen Inhalt reduziert (es sei denn, es geht um den Job, da wechselt man sehr rasch über zu Propaganda. s. ETH, ganz unten).

Standardform des wissenschaftlichen Berichts:

  1. Problem

  2. Methodik

  3. Resultate

  4. Interpretation

  5. Diskussion

Furztrocken. Dennoch, präziser betrachtet, bedient sich die wissenschaftliche Rhetorik eigentlich eines Täuschungsmanövers über Autorität und Objektivität. Die wissenschaftliche Autorität wird erzielt durch absolute Neutralität des Schreibstiles. Da gibt es kein ich, sondern man oder es hat irgend was gemacht, und es gibt keinen Zufall, sondern nur rein rationales Vorgehen, obwohl jeder erfolgreiche Forscher weiss, dass Fleissarbeit und Statistik meist nichts bringt, sondern dass neue Erkenntnis meist in den "Ausreissern" und all den Dingen stecken, die ganz und gar nicht zu dem passen, was man eigentlich sucht und erwartet. Also ein Biochemiker, der nach Jahren des Wurstelns eine neue Synthesemethode für ein Protein gefunden hat, der dürfte nie schreiben: Nachdem mir beim zigtausendsten Sch...versuch in diesem Sch...labor mit dieser Sch... synthese ein Stück meins Käsesandwiches in den Erlenmayerkolben gefallen ist, da funktionierte es plötzlich. Das katalysierende Element zu finden, war dann Peanuts.  Sondern das würde etwa lauten: Nach jahrelangen systematischen Versuchsreihen zur Synthese, brachte ein speziell angelegtes Experiment die Erkenntnis: Käse! [Weiteres s. Wissenschaftsjournalismus]

Die Philosophen nutzen eine viel grössere Auswahl an Formen der Präsentation. Das geht vom mathematisch-formelhaften Wittgenstein's tractatus logico-philosophicus, über systematische Beschreibungen der Welt und dessen, was sie zusammenhält (Aristoteles, Kant und Nachfolger), Aphorismen (Schopenhauer), Essays (Kierkegaard), Erzählungen, Romane (Sartre, Musil) ... bis zu den rhetorischen Meisterwerken Nietzsches. Es kann also niemand sich damit entschuldigen, Philosophie sei zu kompliziert, denn man findet sie in allen Varianten.

Ein Unterschied zwischen literarischer und wissenschaftlicher Präsentation ist mir selbst erst aufgefallen. Ich lese komplizierteste Dinge wie Dissertationen, Marx, wirtschaftliche Abhandlungen etc. rasch, sortiere, bewerte - und merke mir, was wichtig ist. Derart gelesenes lässt sich auch noch nach Wochen abrufen, bei einigem Grübeln. Lese ich jedoch einen Roman, insbesondere einen gigantischen wie die von Tolstoi oder Musil, dann krieg ich Zustände. Da müsste ich mir sämtliche Personen merken, die Beziehungen, die Geschichten und Erfahrungen ... und da fehlt mir dann irgendwie das Interesse, da mir diese Fiktionen zu unbedeutend erscheinen. Drum hab ich für 1000 Seiten Musil, obwohl sehr lesenswert und hervorragend geschrieben, 9 Monate gebraucht, für 1000 Seiten Marx 4 Tage. Warum also sollte ich mich mit Dostojewski rumärgern, wenn ich diese Informationen in einem Bruchteil der Zeit in zwei psychologischen und soziologischen Lehrbüchern finde?

Und Sie können sich sagen: Warum sollte ich mich mit Wissenschaft rumquälen, wo ich das selbe, erst noch vergnüglich, in der Literatur finde?

So kriegt jedes Denkkonzept das ihm entsprechende Futter. Falls Sie sich, laut Meinung anderer, kulturell falsch ernähren, lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen, denn -  nur "nicht denken" ist unkultiviert. Der Besuch von unverstandenen Theaterstücken, eine Bibliothek voller ungelesener Weltliteratur, hat nichts mit Kultur zu tun.

Fazit:

Jede(r) sollte sich die für ihn(sie) wichtigen Information
(da ich nur an Wahrheit orientierte Informationen als wichtig betrachte, meine ich also wissenschaftliche oder philosophische Informationen),
in der Form besorgen, die für ihre/seine Gehirnstruktur am besten zu verarbeiten ist.

Martin Herzog, Webdesign, Rheinfelden

 

Man muß einfach reden, aber kompliziert denken - nicht umgekehrt.
(Franz-Josef Strauß, dt. Politiker, 1915-1988)
Oberflächliches Denken braucht komplizierte Formulierungen, um tiefsinnig zu wirken.
(Michael Richter, 'Wortbruch')