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| Definition: Argument stammt vom lateinischen argumentum:
Beweis, Beweisgrund, derjenige Teil einer Beweisführung, welche die
Verlässlichkeit (Wahrheit) der Aussage begründet. Argumentieren heisst also
nichts anderes als Begründen, demonstrieren oder, wo möglich, Beweisen.
Argumentation ist also ein weitaus umfassenderes Gebiet als die
Wissenschaften, sogar als die Philosophie.
1. Grundsatz: Mit einem
der die Anfangssätze bestreitet ( |
Argumentiert wird mit der Sprache. Bewiesen wird mit sinnvoll geordneten und verständlichen Worten. Hierin liegt der Ursprung aller Logik:
Definition Logos (gr.): ursprünglich Wort, Rede, Sprache; dann Gedanke, Begriff, Vernunft, Sinn, Weltgesetz (Philos. Wörterbuch. Kröner)
Hierin liegt sogar der Ursprung aller menschlichen Kultur, denn bereits bei Moses heisst es: Im Anfang war das Wort, und das Wort war Gott. [Am Ende stand das Geschwätz, und das Geschwätz war des Teufels. *]
Der Logos thronte ursprünglich als Weltvernunft noch über den Göttern, wurde später zur Vernunft Gottes und damit der Orientierung der Stoa, dann zum fleischgewordenen Wort Gottes (Jesus) und seit den Kirchevätern, als 2. Erscheinungsform Gottes, zum heiligen Geist. Hier muss sich auch die christliche Kirche den Vorwurf machen lassen, über Jesus- und Marienkult, den heiligen Geist sträflich vernachlässigt zu haben. Die Kirche hätte hier eigentlich nach wie vor einen gewichtigen Beitrag zu leisten zur Entwicklung des Denkens, das nicht den Wissenschaften alleine überlassen werden sollte. Hätte sie diese Erscheinungsform nicht so vernachlässigt, wären uns vielleicht Absurditäten wie Scientology und dergleichen erspart geblieben.
| Die Frauen sind so unberechenbar, dass man sich
nicht einmal auf das Gegenteil dessen verlassen kann, was sie sagen. Sir Peter Ustinov |
Der Sinn von Diskurs und Kommunikation ist, mit gezielten, gekonnten und geprüften Argumentationen pro und kontra zu einem wohlüberlegten und gesicherten Schluss zu kommen. So kann die Rhetorik, genau wie Wissenschaft oder Religion, dem Guten dienen, der Suche nach der Wahrheit - aber auch dem Gegenteil.
Rhetorik ist die Kunst einer klaren und wirkungsorientierten Kommunikation. Dazu müsste man allerdings erst klar und wahr denken können, und wissen, was man mit der Kommunikation eigentlich erreichen will.
Diskussion ist nicht das Selbe wie Argumentation, denn Diskussion bedeutet auf lateinisch: Auseinanderklopfen, Auseinanderlegen von Sachverhalten, ist also ein vorwiegend analytischer Meinungsaustausch und Meinungsbildungsprozess und damit bloss Bestandteil der Argumentation.
Die Debatte ist die härteste Form, sie bedeutet niederboxen, niederschlagen - während in der Diskussion bloss der zu behandelnde Gegenstand analysiert, also zerschlagen wird, schlägt die Debatte auch auf die Person des Gegners ein, der in einer Wortschlacht niedergemacht werden soll.
Diese Form des "Dialoges" wird, zu recht, recht wenig geschätzt. Aber dennoch hat sie eine Existenzberechtigung, denn es gibt Situationen, in denen sachliche Argumentation nicht den gewünschten Erfolg bringt, also nicht die notwendige Wirkung erziehlt, und, entgegen der landesüblichen Meinung: sachlich bleiben, nicht persönlich werden - direkt auf Personen zu zielen ist. s. gutes Projekt - sektenähnliche Organisation Ziel: Projekt erhalten - problematische Personen kritisieren und entfernen.
| Etwas wirklich zu wissen heißt, seine Gründe zu
kennen. Francis Bacon |
Hinterlistiger, aber dennoch zulässig wo nötig, ist die Eristik. Da der Ausgangspunkt dialektischer Argumentationen nicht x-beliebige Meinungen, sondern Meinungen von bekannten Grössen, mit Reputation ist; ehemals der Alten, der Meister, der Weisen, heute der Populären, der Kader und Führer; kann es auch Ziel der Auseinandersetzung sein, die Reputation des Gegners zu zerstören (sehr beliebt bei gerichtlichen Klagen, die ja ebenfalls der Wahrheitsfindung dienen sollten) - oder auf das rechte Mass zurückzustufen. Eristik beschränkt sich also nicht auf die Widerlegung der Argumente sondern zielt auch auf die Person des Gegners. Geschieht dies in einem Alltagsgespräch, privat oder in der Firma, kommt als Antwort meist: Sachlich bleiben, nicht persönlich werden! Diese Differenzierung ist allerdings oft etwas schwierig zu bewerkstelligen, insbesondere wenn sachliche Angriffe, was häufig der Fall ist, persönlich genommen werden. Gerade in der politischen Auseinandersetzung zwischen Links und Rechts dominiert oft die gegenseitige Beschimpfung über den eigentlichen Zweck der Argumentation, also über die Suche nach sachlich, ethisch, sozial, politisch, historisch, emotional und wirtschaftlich richtigen Lösungen (also nicht bloss nach der billigsten, wie die wirtschaftliche Betrachtung nahelegen würde).
| Eva kreischt Adam an: "Du bist immer anderer Meinung als
ich!" Adam: "Zum Glück, sonst hätten wir ja beide Unrecht". http://www.frauenfeindlichesarschloch.de/chauvilebenshilfe.html |
Insbesondere zur Erweckung des Interesses, bei Gerichtsprozessen aber auch zur Beeinflussung der Geschworenen oder Richter, werden gerne Gefühle eingesetzt um zu überzeugen! Noch mehr geschieht dies in der Werbung - aber auch in der Politik sind gefühlsbetonte Symbole, oft ohne jegliche sachliche Aussagekraft, gern benutzte "Argumente": Heimat, die Fremden, die Fahne ...). Aber nicht nur mit nationalen Gefühlen wird Schindluder betrieben, sondern auch Feministinnen vergessen gerne, wenn sie sich eine mehr gefühlsbetonte Arbeitswelt und Politik wünschen, dass unter Gefühlen eben nicht nur Fürsorge, Liebe und Freundschaft zu verstehen sind, sondern auch Ärger (über Andersartige, die sich nicht anpassen), Hass (auf alle, die Profitieren, wo ich nichts erhalte), Wut (über echte oder empfundene Ungerechtigkeit), Schmerz (durch Verletzung eigener Gefühle), Hoffnungslosigkeit (durch Ausgrenzung), Macht- oder Ohnmachtbewusstsein und vieles mehr. So besehen dürfte uns eine gefühlsbetontere Argumentation kaum weiter bringen als die sachliche, wenn sie im gleichen Masse exklusiv betrieben wird.
Dialogtypen:
| Denken überzeugt Denkende; darum überzeugt Denken
selten. (Karlheinz Deschner, dt. Schriftsteller u. Historiker, *1924) |
| Das Argument gleicht dem Schuß einer Armbrust - es ist
gleichermassen wirksam, ob ein Riese oder ein Zwerg geschossen hat. (Francis Bacon, engl. Staatsmann u. Philosoph, 1561-1626) |
Marco Rühl fasst in seiner Dissertation: Arguing and Communicative Asymmetry: The Analysis of the Interactive Process of Arguing in Non-ideal Situations [Europäische Hochschulschriften. Series XIII. Vol 263. Peter Lang. Europäischer Verlag der Wissenschaften. Frankfurt a. M. 2002. Äusserst interessante Darstellung ... aber genau so doktoral und mühsam geschrieben.] diese Dialogtypen in zwei Hauptgruppen zusammen, der dogmatischen (1, 4, 6) und der emergenten (2, 3, 5, 7) Argumentation zusammen. Er macht, insbesondere für die emergente, die ergebnisorientierte Argumentation, auf die Bedeutung des Lernens aufmerksam. Bei jedem Argument muss geprüft werden, wie das Argument ankommt, ob die Gegenseite es so interpretiert, wie es vom Argumentierenden gedacht war - zuerst sogar, ob es überhaupt verstanden wurde. Das erfordert die Bereitwilligkeit auf der andern Seite, alte Denkformen abzulegen und bestehendes Wissen anzupassen. Dies erfordert aber auch die Bereitwilligkeit der einen Seite, Argumente zu erklären und auszulegen. Und präzise an diesen Anforderungen, an der Lernwilligkeit und Lernfähigkeit, also der Sturheit der einen Seite, wie an der Begabung, Argumente verständlich erklären zu können, "ankommen zu lassen", also dem Hochmut der anderen Seite, scheitern die meisten Diskussionen. Argumentieren müssen wir also dringend wieder lernen, denn:
Truth is not born nor is it to be found inside the head of an individual person,
it is born between people collectively searching for trtuth in the process of their dialogic interaction
(Bakhtin 1994, zit. in Rühl S. 179)
| Argumentationstyp: | dogmatisch | emergent | |
| Interaktion | Funktion der Argumentation | konservativ-retrospektiv | heuristisch-prospektiv |
| argumentatives Verhalten | Wettbewerb | Kooperation | |
| Präsenz argumentativer Asymmetrie | forensisch | deliberativ | |
| Modifikation des kommunikativen Hintergrundes | Monolog: gegnerisches Dogma in Zweifel gezogen | Dialog: Interaktiver Aufbau von Dogma | |
| Verteilung der argumentativen Rollen |
statisch: Komplizierung: Argument mit Hintergrund nicht kompatibel Kontrast: Einige Grundlagen widersprechen dem Argument Erklärung |
dynamisch: Spezifizierung: Selektion eines triftigen Hintergrundarguments Präzisierung: Ein Element des Hintergrundwissens wird genauer umschrieben Schlussfolgerung: Das Argument wird als logische Folge aus den Grundelementen präsentiert |
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| argumentativer Hintergrund | Angefochtenes/anfechtendes Argument | gesamter Ansatz (s. Fundamentalismus & Eristik) | unterschiedliche Bestandteile und Aspekte des kommunikativen Hintergrundes |
| Bezug zum sozialen Kontext | bedeutungslos | deutlich | |
| Beharrlichkeit bez. des kommunikativen Hintergrundes | konservativ | liberal | |
| Beweislast liegt bei | dem, der das Dogma anzweifelt | bei allen Argumentierenden | |
| Struktur der Argumentation | Komplexität & Umfang | wenig komplex und kurz | sehr komplex und ausgedehnt |
| Lösungsversuche | selten, ohne intra-argumentative Produktivität | zahlreich und hochproduktiv | |
| Am meisten verwendete argumentative Ansätze | Komplizierung, Kontrast und Erklärung | Schlussfolgerung |
Ausgangspunkt der Philosophie ist nicht ein gesicherter Bestand an Wissen der erweitert werden soll (Wissen-schaft), sondern eine Frage, ein Problem. Anders als Wissenschaften und Parteipolitiker kann sich Philosophie bei der Lösung aber nicht auf dogmatisch gesetzte Selbstverständlichkeiten berufen, sie steht unter Argumentationszwang.
Die Grundlagen der Philosophie sind, anders als in der Mathematik, keine apodiktische, feste und sichere Grundlage. Philosophisches Wissen lässt sich nicht induktiv oder deduktiv von sicherem Wissen ableiten, was auch einen eindeutigen Vorteil hat, nämlich den der Freiheit: Wir können noch so gute Gründe haben, eine Handlung auszuführen, diese Gründe können die Handlung niemals verursachen, weil andernfalls der Begriff der Handlungsfreiheit seinen Sinn verlöre. s. Kuhlmann S. 25). Für ein vernünftiges Reden über Probleme die der mathematischen Analyse nicht zugänglich sind, braucht es deshalb eine Argumentationslehre, die Topik. Die kunstvolle Beurteilung eigener und fremder Argumente muss erworben werden, über methodisches Lernen wie über Erfahrung. Die Topik ist die Technik des Problemdenkens - zwischen sinnlicher und apodiktischer (wissenschaftlicher oder religiöser) Gewissheit.
Die Topik wurde vom Autor während 10 Jahren Arbeit am Problem forstlicher Entwicklungszusammenarbeit als zentrale Methode einer zielorientierten partizipativen Planung herausgeschält. Sie finden darum bereits einige Erklärungen dazu auf www.brainworker.ch
Topik Eine archaische Forschungsmethode zur Erschliessung des Gemeinsinns. (1995) Definition, Verhältnis der Topik zur Wissenschaft, Topik als Grundlage einer Paradisziplinarität, Topik als Ideologiekritik ...
Topik und Komplexität, Topik als Ziel qualitativer sozialwissenschaftlicher Erhebungen
Von Philosophie können wir aber nur reden, wenn genau wie bei den Wissenschaften, ein organisch-systematischer Begründungszusammenhang gegeben ist. Philosophen begründen Denksysteme so wie Wissenschaftler ihre Gesetze zu Systemen zusammenfassen. Wissenschaft schafft eine organische Teil-Ganzes-Relation in der die einzelnen Teile wechselseitig funktional aufeinander und auf das Ganze (seine Idee, sein Prinzip, seinen Zweck) bezogen sind. Es darf hier also keine unbegründeten oder unbegründbaren Übergänge geben. Collage und Konfettidialog sind keine Philosophie. Argumente und Erklärungen müssen einen erklärungsbedürftigen Sachverhalt in einen möglichst einfach strukturierten und verständlichen Ordnungszusammenhang bringen.
Aber auch gesichertes Wissen ist abhängig von der Situation, was seit Einstein sogar für fallende Äpfel zutrifft. Wissen ist also mehr oder minder kontextabhängig.
| parteien- | kontext- | |
|---|---|---|
| Rhetorik | variabel | variabel |
| Dialektik | fest | variabel |
| Analytik | fest | fest |
Argumente sind Argumente für etwas, also meist fallgebunden und somit kontextbedingt. Am geringsten, also noch berechenbar, ist diese Abhängigkeit in den Wissenschaften, die analytisch angegangen werden können. Philosophie kümmert sich in erster Linie um dialektische Probleme, Rhetorik eigentlich um alles. Das dialektische Problem behandelt Fragestellungen, die der Anstrengung bereits für würdig befunden wurden (wobei es allerdings oft stark vom "Zeitgeist" abhängt, welche Art von Fragen behandelt werden können und sollen). Der Bereich der Rhetorik, der alles und jedes behandelt, wird heute von den Medien in stärkerem Mass als je zuvor abgedeckt. Wie schon immer ist aber auch heute der bedeutendste Bereich dieser Rhetorik nicht die Suche nach Wahrheit, sondern das Lob der Herrschenden, heute also der Wirtschaft, die über Werbung den grösseren Teil der medialen Betriebsamkeit bezahlt.
| subjektive Gewissheit | objektive Wahrheit | |
|---|---|---|
|
+ - + - |
+ - - + |
Was den Wahrheitsgehalt betrifft, so gibt es 4 Kombinationen des Fürwahrhaltens (s. Tabelle rechts). Es ist besonders darauf hinzuweisen, dass Meinen, das durch die Meinungsfreiheit geschützt ist, mit Wahrheit wenig zu tun hat, sondern eigentlich das Gegenteil ist. Die negative Präsentation des Meinens hier muss vielleicht etwas relativiert werden. Meinen ist ja nicht in jedem Fall falsches Wissen, aber es ist kein gesichertes Wissen. Beim Meinen ist es also zufallsbedingt, ob es nun zutrifft oder nicht. Meinen ist die unsicherste Form des für Wahr haltens. Hier fangen wir meist an. Meinen ist ein vorläufiges Urteil.
Ähnliches gilt für den Glauben. Für Gläubige ist der Glaube die höchste Wahrheit, für Ungläubige Schwindel.
Fall 4, das Nicht-Glauben bewiesener Fakten, als Gegensatz des Glaubens unbewiesener Fakten, ist Verleugnung oder (psychologisch) Verdrängung. Fall 4 tritt ein, wenn das Subjekt entweder bewusst durch Propaganda in die Irre geleitet wurde (s. US-Politik) oder die Realität vollständig verkehrt interpretiert, was durch die Dominanz sinnlicher Eindrücke für die Gewissheit leicht geschehen kann. Für ihr Wissen, dass sich die Erde um die Sonne dreht, endeten mehrere Astronomen auf dem Scheiterhaufen. Dies nicht bloss, weil ihr Wissen dem Glauben widersprach, sondern auch, weil es in erster Linie der sinnlichen Wahrnehmung widerspricht. Falls Sie darauf vertrauen, dass Ihre Sinne Sie nie täuschen, besuchen Sie mal das Technorama in Winterthur, das wird sie, über positiv und wirksam eingesetzte Erlebnispädagogik, rasch eines besseren belehren.
Des weitern lässt sich Wissen nach Aristoteles in 5 Stufen gliedern:
Zur Überprüfung des Wahrheitsgehalts von Argumenten, also des Unterschieds von Meinung und Wissen, stehen uns mindestens 5 Möglichkeiten zur Verfügung:
apriori: aus rein logischer Erwägung. Diese Demonstration von kausalen Zusammenhängen, die allerdings nur in der Mathematik, und nicht mal dort, zu 100% funktionieren. Bereits in der Physik sind manche Zusammenhänge nur noch statistisch zu sichern, bei chemischen Vorgängen erhält diese Stochastik eine noch höhere Bedeutung.
a posteriori: Erfahrung, empirische Wissenschaften, Ingenieurswissenschaften
sensu homine: das persönliche für Wahr halten, die Meinung. Dies ist der Gegenpol intersubjektiver Gültigkeit - was allerdings nicht bedeutet, dass Meinungen nicht zur Schaffung von Mehrheiten eingesetzt werden können. Gerade hier finden sich oft Gründe, die der Opponent zwanglos akzeptiert, weil sie zu dem gehören, was er selbst glaubt, weil es sich in seine Lebenswelt problemlos einordnen lässt. Hier findet sich die Quelle der Argumente der Populisten.
sensu commune: das, was allgemein als War genommen wird: Topik
majeutischer (sokratischer) Dialog
In der Argumentation gibt es also nicht nur die harte wissenschaftliche Beweisführung, sondern insbesondere was sozialen Dialog und die Politik betrifft, wird vor allem auf den sensu commune abgestellt, auf das was allgemein als gültig, wahr oder wünschenswert ist. Solche Beweisführungen ergeben allerdings keine ewigen Wahrheiten, oft nicht mal allgemein zuträgliche. Dies ist nicht nur auf ändernde Trends und Einflüsse zurückzuführen ist, sondern vor allem auf die Herkunft des sensu commune aus der Demonstration ad hominem. Da letztere keine rein sachliche Argumentation ist, sondern auf der Fassungskraft, dem Verständnis, der Intelligenz von bestimmten Menschen oder Menschengruppen basiert, kann sie sehr leicht zur Propaganda umgeformt werden. Argumentation sensu homine, nach der Auffassungskraft und Begabung des Individuums, ist die notwendige und geschätzte Begabung jeden Lehrers, der fähig sein muss, die Denkstrukturen seiner Schüler zu erkennen - sie ist aber auch die gefährliche Begabung jedes Demagogen und Populisten, die damit einfach denkende (was oft als geradlinig karikiert wird) Menschenmassen, den Mob, in Bewegung setzen können. Hier wird nicht die beste Lösung vorgebracht, sondern die durchschnittlichste, weil sich damit am besten Mehrheiten gewinnen lassen. Propagandisten und Volksverführer sind zwar meist elitär, also vorwiegend auf ihr Eigenwohl und das ihrer Klientel bedacht, aber sie argumentieren mit mehrheitsfähigen Banalitäten. Hier geht es nicht um Wahrheit, sondern um Mehrheit und damit Macht. (Bezüge zur gegenwärtigen Situation der Schweiz, Italiens und der USA sind nicht ganz zufällig ...)
Die Funktion der Hypothese bei der philosophischen Suche nach Wahrheit
Definition: Eine Hypothese (gr: Unterlage) ist keine wilde Behauptung, sondern eine wohlerwogene wissenschaftliche Annahme, die mit Tatsachen nicht in Widerspruch stehen darf. Durch das Experiment wird sie geprüft, bestätigend oder widerlegend. Die wesentliche Funktion von Hypothesen ist heuristischer Art, indem sie zu neuen Fragen und neuen Erkenntnissen führt. Hypothesen müssen mögliches ausdrücken, aus ihnen müssen sich die gewünschten Resultate ableiten lassen - ohne zu Hilfskonstruktionen greifen zu müssen. Hypothesen sind keine wilden Spekulationen, obwohl auch das ab und zu empfohlen wird.
Für die Philosophie lassen sich Hypothesen ebenfalls gewinnbringend nutzen, als heuristische Quelle, als problematische Vor-Urteile, die es auf die Probe zu stellen gilt.

Das schlagende Argument ...
| Das Schwierige am Diskutieren ist nicht, den eigenen
Standpunkt zu verteidigen, sondern ihn zu kennen.
(Andre' Maurois, frz. Schriftsteller, 1885-1965) |
Die Grundfrage der Argumentationslehre lautet: Was ist eine schlüssige und damit (zumindest potentiell) überzeugende Argumentation? - Eine Argumentation ist schlüssig, wenn sie die Wahrheit der These garantiert. Selbstverständlich muss dazu auch jede Argumentation logisch einwandfrei sein und es muss die Bedingung der idealen Sprechsituation erfüllt sein, so dass die Beteiligten einzig durch die Kraft des besseren Arguments zu einem zwanglosen Konsens über strittige Geltungsansprüche gelangen.
Toulmins Argumentationsschema besteht aus doppelter unterstützter Begründung (wenn) und Folge (dann, claim), die allerdings unter gewissen Gründen abgelehnt werden kann:
D=datum /grounds_______________________________________So, Q (qualifier), C (claim)
______________________________¦________________________________¦
____________________________since W (warrant)________________unless R (rebuttal)
______________________________¦
_____________________________on account of (backing)
Das Argumentationsschema von Völzing beruht auf der doppelten Abhängigkeit einer Handlung von ur-sächlichen Begründungen einerseits und Zielsetzungen (causa finalis) andererseits. Der Grund wird durch Berechtigung, Normen und Rechtfertigung gestützt, die Zweckkritik fehlt hier allerdings:
Grund__________________________ Handlung_____________________Zweck
¦ ¦
_______________Berechtigung___________________B
¦
_______________Normen_______________________N
¦
_______________Rechtfertigung__________________RF
Bei der Zulassung von Argumenten geht es nicht nur um die Schlüssigkeit, sondern auch um die Geläufigkeit. Gehört das Argument zum Bestand allgemein bekannter und akzeptierter Wahrheiten? Ist es geläufig? Ist es vertrauenswürdig (Wissenschaftlichkeit ist hier nur ein Faktor, Prominenz, Bekanntheit, Charakter, sind weitere, oft bedeutendere)
Datum _________________________________________ Deshalb - modale Operatoren - Schluss
¦ ____________________________________________¦
wegen (Schlussregel)____________________________________wenn nicht (Ausnahmebedingung, Wissenslücken)
¦
aufgrund von (Stützung)
Nebst der Geläufigkeit und Akzeptanz ist die Relevanz ein bedeutendes Kriterium, das meist bereits schon vor der Rede entscheidet, ob der Gegenstand den Aufwand wert ist, argumentativ behandelt zu werden:
Ein interessantes und potentiell fruchtbares Konzept wäre auch George Spencer-Brown?s Gesetz der Form, das den Raum, der durch ein Wort (Begriff, Ausdruck) markiert wird, durch den zugehörigen unmarkierten Raum ergänzt.
Der unmarkierte Raum ist aber, wie bei einer Beschreibung der ausgelassene Kontext, bestimmend für den Inhalt des Begriffs. Eine besondere Anwendung hatten und haben diese unmarkierten Räume in Analysen des Feminismus. Erst die Wahrnehmung der hier mitgetragenen Gestalt bestimmenden Inhalte führte zur Erkenntnis, dass Herrschaft auch unbewusst über Sprache transportiert werden kann und dies tut. Leider macht eine geschlechtsneutrale Schreibweise Texte unleserlich und kompliziert (weshalb ich meist darauf verzichte), und ab und zu wird auch über political correctness nur eine neue Waffe für Spiesser geschaffen, mit der sie anders Denkende abstechen können.
Dirk Baecker [In:
Christoph Deutschmann (Hrsg.): Die gesellschaftliche Macht des Geldes.
Leviathan. Sonderheft 21/2002. Westdeutscher Verlag] benutzt zur Demonstration
die heute am häufigsten genutzte Sprache, die des Geldes. Die Formanalyse
(Gestaltanalyse wäre mir lieber, denn der Begriff ist bekannt und steht
traditionell für "Das Ganze") macht bewusst, dass Geld nicht nur den Aspekt
Zahlungsfähigkeit hat, sondern auch die Zahlungsunfähigkeit in sich trägt.
Gerade der Zins begründet sich ja aus dem Risiko, dem Risiko des Verlustes, also
der Zahlungsunfähigkeit, die bei jeder Zahlung mitschwingt, vor der Zahlung beim
Kreditnehmer, nach der Zahlung beim Kreditgeber, vor der Rück-Zahlung beim
Kreditgeber, nach der Rück-Zahlung beim ehem. Gläubiger.
Wer bezahlt, kann selbst
zahlungsunfähig werden, wenn er nicht in der Lage ist, neue Zahlungsmittel zu
beschaffen. Wer nicht bezahlt wird, wird selbst zahlungsunfähig.
Hier kommt auch die Zeit ins Spiel.
Vor der Zahlung riskiert der Gläubiger seine Zahlungsfähigkeit - mit und nach
der Bezahlung der ehemalige Schuldner.
Tönt banal, wird aber von der
Wirtschaft immer häufiger unterlaufen, gerade wenn sie auf tiefe Löhne, wie auf
Auslagerung der Produktion in Tieflohnländer setzt. Dies bricht das Gesetz des
Kreislaufes zwischen Produktion und Konsum und sabotiert Says Gesetz -
Jedes Angebot findet seine Nachfrage - , auf dem die Angebotstheorie
basiert.
Bei den Unternehmen
lauten die zwei kritischen Terme auf Investition (Aufwand) und Gewinn (Ertrag).
Bringen die Investitionen keinen Rücklauf an Geld, der den Investitionen nicht
nur entspricht sondern sogar höher ist (Gewinn), wird der Betrieb
zahlungsunfähig.
Die entsprechende Zahlungsform
der Bank lautet:
Staat:
NGO/Soziale
Organisation/Gewerkschaft/Alternative Presse/Al Qaida etc....
Der hier an den Schluss
gestellte dürfte vielleicht der wichtigsten sein, denn er begründet, warum wir
unter entwickelten Staaten schon lange keine Kriege mehr führen (zu teuer) - und
wo die Grenzen dieser doch relativ positiven Wirkung des Gelderwerbs als
Aggressions- und Kriegsersatz liegen. Der dauernde Rollenwechsel zwischen
Geldbesitzer, Warenbesitzer und Zuschauer hält den wirtschaftlichen Kreislauf am
Leben. Dadurch kann sich jeder vorstellen, selbst (wieder) in die Lage des
anderen zu kommen und geht entsprechend diplomatisch mit seiner vorübergehenden
Macht um und setzt auf Tausch - verzichtet also auf der einen Seite darauf, sich
Zahlung durch gewalttätigen Zugriff zu verschaffen, sehen
Dritte, am direkten Tausch unbeteiligte, diesen Tauschhandlungen zu ohne sich
einzumischen - so lange sie nicht betroffen sind, d.h. so lange nicht knappe
Güter, um die es in der Wirtschaft ja immer geht, zwischen Auserwählten
getauscht werden, während ihnen der Zugriff verwehrt bleibt.
Und genau hier beginnt der Kapitalismus abzubröckeln.
Die 80/20-Gesellschaft ist ein genau so trotteliges Weltbild wie das Schlaraffenland, denn bei beiden wird vergessen, dass auch hier bei den Konsumenten Geld vorhanden sein muss, um die Produktion nutzen zu können. Ausschluss aus Arbeit treibt in Zahlungsunfähigkeit, die dann nur noch durch Umgehung des Stillhaltegebots, also durch direkten Zugriff, wieder in Zahlungsfähigkeit gewandelt werden kann. (s. Frankreich zur Zeit).
Solche Überlegungen zum Versteckten, mitgetragenen Inhalt von Worten und Begriffen, sind geeignet, jeden Populismus und rhetorische Verführung zu entlarven. (s. weiterer Versuch s. anhand der Begriffe Freiheit, Wettbewerb, ... mit denen zur Zeit viel Schabernack getrieben
wird).
Weitere Argumentationsschemen:
Es liessen sich noch dutzende weiterer Argumentationsschemen aufstellen, aber da wir im weitern Text sehen werden, dass in der Realität meist mehr behauptet als argumentiert wird, brauchen wir es uns im Moment nicht all zu kompliziert zu machen. Bereits diese einfachen Argumentationsschemen eröffnen eine Reihe von Möglichkeiten, Argumente zu "bodigen". [Eine noch umfangreichere Liste an Argumentationstechniken, die allerdings nicht primär der Wahrheitsfindung, sondern eher der Überredung dienen, also präziser als Eristik zu bezeichnen wären, bietet Knill. Es ist aber auch aus der Perspektive derer, die da überredet werden sollen, gut zu wissen, wie das geschieht.]:
[Diese traditionellen Argumentationsformen werden z.B. erläutert in Schopenhauers Parerga und Paralipomena: Zur Logik und Dialektik]
Auch wenn man hinnehmen muss, dass sich über Fundamentalismus und mit Fundamentalisten nicht argumentieren lässt, so bleibt es Aufgabe der Aufklärung, Intoleranz zu entlarven und zu unterminieren, solange dazu noch Zeit ist, denn von selbst kommt es kaum besser. Jeder Mensch hat irgendwelche Grundprinzipien des Denkens und Handelns, die sich nicht mehr aus vorangehenden Prinzipien ableiten lassen, und die, logisch gesehen, "ideologisch" sind. Dies ist nicht unbedingt ein Problem. Die Sache ändert sich, wenn eine Ideologie fanatisch wird und beginnt, die Welt zu tyrannisieren. Beispiel: Die Wahrheit wiegt schwerer als die Humanität. Es gibt allerdings auch wirksame und einfache Strategien um Fundamentalisten blosszustellen, sie oder ihre Le(e)hre des Respekts zu berauben. Meist reicht dazu, wenn man ihre Aussagen ernst nimmt und durch klare Formulierung aufzeigt, was, welche Boshaftigkeit und Hinterlist, oder allenfalls Dummheit, dahinter steckt.
Ein äusserst probates Mittel im Umgang mit Fundamentalismus ist auch die Subversivität des Lachens. Beispiele: Herman Hesses Steppenwolf, der durch Auslachen für seinen Kadavergehorsam bestraft wurde. Umberto Ecos: Im Namen der Rose - In dem Mord und Totschlag das Lachen (über Gott) verhindern soll.
Ebenso geeignet ist das subversive Argumentieren ad oculos, durch "sichtbar machen": Hier wird nicht belegt oder widerlegt, sondern es werden ganz still die Tatsachen aufgezeigt, informiert, und es wird dem Leser überlassen, die Konsequenzen daraus zu ziehen. (Sie finden dazu eine Menge Beispiele zum Thema Liberalismus bei brainworker.) Im Detail beschrieben ist das Vorgehen bei Hubert Schleichert: Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren. Anleitung zum subversiven Denken. C.H. Beck. München 1997.Als Kritik des kapitalistisch-liberalen Wirtschaftssystems eignet sich immer noch Mandevilles Bienenfabel.Ein beliebtes Argument ist auch das Beispiel, der Fall, in der Rechtslehre als Kasuistik bekannt. Das im der modernen knowledge management gerne als Grundlage verwendete story telling gehört zur selben Kategorie. Hier werden allgemein gültige Regeln aus Einzelfällen abgeleitet, was bei der Unterschiedlichkeit aller Fälle zu den berüchtigten juristischen Haarspaltereien führt. Einerseits.
Kasuistik, Beispiele, story telling sind besser als das reine unbegründete Statement, da der Hintergrund, das Umfeld, der Kontext mitgeliefert wird. Kasuistik ist allerdings nicht systemisch integriert. Insbesondere story telling spricht meist in erster Linie die Gefühle an, ist also gut einsetzbar für die Erregung von Aufmerksamkeit (Werbung), aber nur mässig geeignet, Wissen systematisch zugänglich zu machen. Nur eine systemisch integrierte Story könnte dies. Eine solche müsste also zugleich Daten zu sämtlichen Bestandteilen des Argumentationskompasses beinhalten. Das in der Story enthaltene Wissen müsste nebst Sachwissen auch über Aspekte der Macht, der Interessen, der Zielgruppe, der Ökonomie, Politik und insbesondere der lokalen Rationalität (common sense) Auskunft geben, wäre also eine schriftstellerische Meisterleistung - und damit bereits wieder ein Artefakt, dessen Entstehungsbedingungen über die Interpretation mit bestimmen.
Story telling entspricht also eigentlich dem, was unsere Presse heute meist bietet. Damit kann zwar Information attraktiv transportiert und vermittelt werden, aber es handelt sich im Ganzen gesehen leider doch meist um additives, also Dummheit förderndes, Wissen.
| Typ des Diskurses | Art des Diskurses | angesprochene Werte | Zeit | Ort der Rede | Argumentatives Vorgehen | Typ des Redners | Art des Diskurses | behandelte Themen |
| Lobrede | Lob / Tadel | Schönheit, Wert, Hässlichkeit | Gegenwart | öffentliches Lob | Steigerung | Sophist | feierlich | Werte |
| juristisch | Urteil | gerecht, ungerecht | Vergangenheit | Gericht | Fallvergleich | Beschuldigte und Kläger | Plädoyer | Unschuld, Schuld |
| beratend | Beratung, Entscheidung | nützlich, schädlich, Glück | Zukunft | Markt, Versammlung | Beispiel | Bürger | Ansprache | Budget, Sicherheit, Wirtschaft, Gesetz |
Obige Tabelle macht auch darauf aufmerksam, dass Kasuistik sich an der Vergangenheit orientiert wie an Schuld und Anklage - auch hier ein starker Bezug zu rechtspopulistischer Politik, in der die Beschuldigung von Ausländern und Aussenseitern (Sozialhilfeabhängigen) zum Kernprogramm gehören. Falsch allerdings sind die angesprochenen Werte, denn es geht bei der Juristerei nicht um Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, dies ist Sache der Politik, es geht bei der Jurisprudenz nur um Recht oder Unrecht, was nicht das Selbe ist, denn Recht ist Gesetz und Gesetz wurde gesetzt, zementiert also oft längst überholte Zustände, die einmal als ideal, oder zumindest als schützenswerter Kompromiss empfunden wurden. Kasuistik ist konservativ. Das Ideal zukunftsorientierter Beratung findet sich also nicht in der Kasuistik, auch nicht in der Ansprache gelehrter Herren, sondern in der kommunikativen Rationalität (s.u.). Allerdings lässt sich auch eine Fallstudie als maieutischen, sokratischen Dialog durchführen:
Vorgehen beim gestuften maieutischen Verfahren:
|
Was Fakten betrifft, so müssen sie deren Begründung (am besten auch die Begründung der eigenen Argumente) auf ihre wahre Begründung untersuchen. Dabei dürfte folgender Argumentationskompass helfen:
Dann können Sie mit das maieutische Verfahren weiter entwickeln: |
Grundsatz:
| Gärtner und Garten. - Aus
feuchten trüben Tagen, Einsamkeit, lieblosen Worten an uns wachsen Schlüsse
auf wie Pilze: Sie sind eines Morgens da, wir wissen nicht woher, und sehen
sich grau und griesgrämig nach uns um. Wehe dem Denker, der nicht der
Gärtner, sondern nur der Boden seiner Gewächse ist! Friderich Nietzsche: Morgenröte 382 |
Produktive Argumentation setzt voraus, dass wir die andere Meinung verstehen, dass eine gemeinsame und geteilte Sammlung an Vor-Urteilen besteht. Dialog ist nur möglich, wenn man sich gegenseitig nicht bloss zuhört, sondern auch versteht. Die Argumentation versucht dann zu klären, warum bei gleichem Wissen unterschiedliche Schlüsse gezogen werden. Wer argumentiert, darf darum auch nicht stur an seinen Vormeinungen (s. "Thesen") festhalten, sondern muss diese in Frage stellen lassen - durch eine Betrachtung aus anderer Perspektive. Man muss sich, will man einen produktiven Dialog führen, also an die Stelle des Andern denken und aus einem allgemeinen Standpunkt, den man nur erkennen kann, wenn man unterschiedliche Standpunkte, insbesondere diejenigen der Gegner, überhaupt verstehen und einnehmen kann.
Vorteile:
Vergleichen wir den Lern-Prozess des maieutischen Verfahrens, mit dem Verfahren, dass den Kern der meisten Agenda 21 Prozesse bildete, nämlich der Moderation, so wird sofort klar, warum die meisten dieser Prozesse mehr oder minder in der Palaverphase stecken blieben. Moderation konzentriert sich auf die Herstellung der idealen Gesprächssituation, auf Brainstorming und auf die Lösung von Konflikten, kommt also nur bis maximal Punkt 3 von 10. Der argumentative Schlagabtausch, der Kampf um das beste Modell, um Macht und Geld unterbleibt, oder wird, wie bisher, von den traditionellen Parteien und Organisationen übernommen. Themen die von diesen nicht abgedeckt waren, werden es also auch nach der A21 (Agenda 21) nicht sein - Nachhaltigkeit hin oder her.
Muster: Fehlerhaftes Basismodell des gesamten Nachhaltigkeitsdiskurses der A21:
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| Agenda 21 Modell der Nachhaltigkeit | reelles Modell der Teilgruppen |
Ich hab zwar selbst versucht, die Unstimmigkeiten des Modells in den Agenda Prozess in Rheinfelden einzubringen, aber ohne Chance. Die Experten erklären einem lang und breit, warum das so sein muss, dass Politik kein Teilsystem von Bedeutung ist, dass Wirtschaft aber ganz anders, und von Gesellschaft praktisch unabhängig ist, sich teilweise ausserhalb von beiden abspielen kann - was eigentlich Unsinn ist.
Das Modell links würde eben bedeuten, dass es beträchtliche Teile der Oekonomie gibt, die sich völlig ausserhalb von Umwelt wie von sozialen Zielen bewegen - damit also in Konflikt stehen. In der Realität jedoch steht die Gesellschaft inmitten der Um-Welt, drum heisst sie ja so. Es gibt keine Gesellschaft ohne Umwelt. Kein Mensch ist rein virtuell oder transzendent.
Ebenso findet jegliches Wirtschaften innerhalb von Umwelt wie Gesellschaft statt, denn es gibt kein Wirtschaften ohne Menschen und Menschen sind immer Teil der Gesellschaft, sogar als Aussenseiter.
| Die recht umfangreiche und differenzierte Wahlforschung unterscheidet durchweg Stammwähler, Wechselwähler, Protestwähler und Nichtwähler und ist noch immer auf der Suche nach dem 'rationalen' Wähler.
(Heinrich Busshoff: Politische Argumentation. Überlegungen zu einer Argumentationstheorie der Politik. Nomos Verlagsgesellschaft. Baden-Baden 1997. S. 87) |
Anders als Wissenschaft und Philosophie sucht Politik nicht nach letzten Wahrheiten, sondern nach einem mehrheitsfähigen Konsens. Angesichts der zunehmenden Komplexität von Politik müsste so betrachtet eigentlich der Bedarf an legitimierender Kommunikation zunehmen. Dies um so mehr als die Politik ihre Gestaltungsmacht unter der Bedingung globaler Märkte und abnehmender Erwerbsarbeit in hohem Masse verloren hat. Versprechungen der Moderne wie Fortschritt, Wachstum, Sicherheit, Planbarkeit, Rationalität oder Autonomie zeigen Grenzen und unerwünschte Nebenwirkungen. Unsicherheit und Risiko werden zu zentralen Elementen des Diskurses. Die sich immer deutlicher abzeichnenden Grenzen des Wachstums stellen uns eine uralte philosophische Frage: Welches Leben, welche Natur, welche Technik wollen wir? In einer globalisierten Welt werden Zukunftsplanung und Lebensentwürfe unsicher - aber auch freier (oder freier, aber unsicherer) und darum strittig. Auf jede Frage gibt es unterschiedliche Antworten die alle mit Geltungsanspruch auftreten. Zudem sind Nichtwähler inzwischen die grösste politische Gruppierung!
Globalisierung
Unter diesen Bedingungen lässt sich Unsicherheit nicht (mehr) durch Abschirmung bewältigen. Aber: Erstarkende konservative Regierungen setzen in einer immer komplexer werdenden Welt auf alte Rezepte (wie Repression), einfache Lösungen (wie Sparen) und kurzfristiges politisches Handeln (wie polizeiliche und militärische Aktionen). Sie kurieren Symptome, da das überlieferte und gesetzlich zementierte System durch Konservative per Definitionem gelobt, und nicht in Frage gestellt wird.
Die echte Politik, die Politik der harten Massnahmen, der kollektiv bindenden und prozedural abgesicherten Entscheidungen, schenkt der Alltagspolitik, den persönlichen Einstellungen, dem Bewusstsein, den soziale Normen zu wenig Beachtung. Es wäre zuträglich, den Aspekten politischen Handelns mehr Aufmerksamkeit zu schenken, auch, oder gerade, wenn die entsprechende Funktion nicht durch offizielle politische Organe erfüllt wird:
[Beck/Hajer/Kesselring (Hsg.): Der unscharfe Ort der Politik. Empirische Fallstudien zur Theorie der reflexiven Modernsierung. Leske & Budrich. Opladen 1999.]
| Politics, at its core, is about persuasion ...
Persuasion is ubiquitous in the political process; it is also the
central aim of political interaction. It is literally the stuff of
politics.
[Mutz, Sniderman, Brody 1996] |
Klassische politische Ziele nach Edelman:
Funktionsliste der politischen Sprache nach Graber:
Strategische Funktionen der politischen Sprache nach Becker's qualitativ-ideologischer Analyse:
Wie wir sehen besteht ein deutlicher Widerspruch zwischen den erwünschten Funktionen und der strategischen Realität, ein Unterschied der nur durch freie und kritische (also auch von wirtschaftlichen Zwängen freie) Medien aufgedeckt werden kann.
Kategorien von Argumenten
Typen von Aussagen:
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Modernität ist Risiko, aber auch Hoffnung. Sie soll das prekäre Glück traditionaler Bindungen durch das verlässlichere rationaler Entscheidungen ersetzen. Dahrendorf |
Webers Rationalitätsverständnis: Zweckrational handelt, wer sein Handeln nach Zweck, Mitteln und Nebenfolgen orientiert und dabei sowohl die Mittel gegen den Zweck, wie die Zwecke gegen die Nebenfolgen, wie endlich auch die verschiedenen möglichen Zwecke gegeneinander rational abwägt. Nebst der Zweckrationalität gibt es aber weitere, ebenso relevante Zugänge zur Rationalität und damit auch weitere Klassen von Argumenten:
Dazu käme als No 5 noch die Situation: Zustand der Aussenwelt, rechtliche Rahmenbedingungen, kommunikativer Druck ...
Dazu käme eigentlich noch No 6, das wirtschaftliche Argument: rentiert's, bringt's Gewinn, schafft's Mehrwert und allenfalls Arbeitsplätze - oder zumindest in der Form des allgegenwärtigen: Was kostet's? Wer soll das bezahlen? Obwohl dies die dominierende Rationalität unserer Zeit ist, kommt sie in den Rhetoriklehrbüchern (noch) kaum vor. Vielleicht ja zu Recht, denn bei einigen der fundamentalen "wirtschaftlichen Wahrheiten" wie insbesondere: Man muss den Markt frei spielen lassen. Die Marktkräfte müssen sich frei entfalten können! - handelt es sich eigentlich nicht um Argumente, sondern um einen billigen Ersatz des ehemals, insbesondere bei Fundamentalisten, so beliebten Scheinarguments: Es ist Gottes Wille!
Christoph Kuhlmann: Die öffentliche Begründung politischen Handelns. Zur Argumentationsrationalität in der politischen Massenkommunikation. Westdeutscher Verlag. Opladen/Wiesbaden 1999
Nur was politisch überzeugt ist politisch durchsetzbar . Politische Argumente werden, wie Argumente überhaupt, nicht in den luftleeren Raum gesprochen, sondern haben Adressaten. Politiker müssen eine Vielzahl unterschiedlicher Wissensbestände vermitteln können, und wissen nicht, oder nur als Interpretation von Wahlstatistiken, wie ihr "Wissen" bei den unterschiedlichen Straten des Publikums ankommt.
Ein weiteres Problem der Politik ist die Verkoppelung von Sachfragen mit normativen Fragen (Werte, Wertung, Bewertung) - um die die Wissenschaften einen grossen Bogen machen.
Politischer Dialog hat also die Qual der Wahl zwischen zwei extremen Ansätzen, dem populistischen Alltagswissen auf der einen, und dem Sonderwissen, Expertenwissen, Spezialistenwissen auf der andern Seite.
Da es in der Politik in erster Linie um Macht geht (das machen können, was man will), ist die politische Argumentation primär auf Maximierung ausgerichtet. Da die Parteien nur an die Macht kommen, wenn sie eine Mehrheit überzeugen, sind sie darauf angewiesen, für diese Mehrheit verständlich und attraktiv zu argumentieren, d.h. jede Partei muss bis zu einem beträchtlichen Grad populistisch argumentieren um sich eine möglichst breite Akzeptanz zu garantieren. Dies ist die Strategie der Maximierung. (s. Populismus)
Die Strategie der Optimierung versucht andererseits, die eigenen Klientel auf das Beste anzusprechen. Die Ansprache von Gruppen mit spezifischem Verständnis, das der Masse fehlt, eine Ansprache an Auserwählte, wird als <elitäre Argumentation> bezeichnet (was nichts mit Intelligenz zu tun hat und sich auch bei den meisten Sekten und Randgruppen findet.)
Parteien können selten elitär sein, da sie nach Mehrheit streben müssen. Sie brauchen also eine geschickte Optimierung zwischen elitärem Diskurs für die eigene Klientel und populistischer Sprache für das Volk. Wenn sich die Inhalte der beiden Konzepte zu sehr voneinander entfernen, wird offensichtlich das Volk für elitäre Interessen benutzt - durch Propaganda. Hier, in der propagandistisch-maximierenden Nutzung des Arguments sensu homine dürfte die Ursache für die weit verbreitete Meinung und Ursache der politischen Abstinenz liegen: Die (in Bern, da oben, oder wo immer) machen ja doch was sie wollen! Logisch. Denn die Parteien sammeln Stimmen mit sehr allgemein gehaltenen Argumenten. Dass die Interessen, die sie vertreten, dann sehr oft ganz und gar nicht diejenigen der Wähler sind, stellt sich oft erst viel später anhand der Folgen heraus.
| Wenn es in der Welt logisch zuginge, würden die Männer
im Damensitz reiten. (Rita Mae Brown,
Schriftstellerin) |
Aristoteles bezeichnete das Problem der Maximierung und Optimierung als gegenläufige Tendenzen des Logikers und des Rhetorikers. Argumentation ist also weder reine Logik (Wissenschaft) noch reine Rhetorik (schöne Sprache, unabhängig vom Gehalt), sondern beides. Es handelt sich hier nicht um ein Wahrheitsdilemma, sondern um ein Beteiligungsdilemma. Wer also nach mehr Freiheit und weniger Staat schreit, eliminiert das einzige Forum, das eine volle, demokratische Beteiligung aller eigentlich erst möglich macht. Der Markt schliesst immer wieder aus, Personen als arbeitslose (un-wirtschaftlich ... im doppelten Sinne), Regionen als strukturschwach (wirtschaftlich rückständig), Länder als finanzschwach (wirtschaftlich unterentwickelt).
Der Markt, als Konkretisierung der Macht des Geldes, funktioniert ebenfalls nach zumindest zwei Perspektiven der Wahrheit. Erstens Qualität, zweitens Quantität. Nur wenige Luxusprodukte können vorwiegend auf die Strategie der Qualität bauen, die meisten müssen die Strategie der Quantität wählen. Diese Marktstrategie der Preiskonkurrenz, des Billigen, ist aber zugleich eine Strategie, die Mittelmass sogar noch unterläuft. Gälte dies nur für Güter ... wen kümmerte es. Tragischer ist, dass die "Mehrheit des Billigen" ("ich bin doch nicht blöd") schon längst auch geistige Güter, insbesondere die Medien erfasst hat. Nur was sich in ausreichender Masse verkaufen lässt, ist gut. So bleiben eben vor allem die billigenWahrheiten auf dem Markt, die störenden gehen bei einer allumfassenden Vermarktlichung unter - denn Wahrheit war nie eine Massenware sondern hat schon immer gestört.
Hinter dem Dilemma der Beteiligung steht ein noch problematischeres, dasjenige des Verständnisses. Wenn neue und komplexe Probleme zu lösen sind, müsste dafür erst ein Verständnis bei der Mehrheit geschaffen werden, das Problem müsste "thematisiert" werden, zum Topos gemacht. Dies lässt sich vermutlich am einfachsten durch Platos Höhlengleichnis erklären. Derjenige der sieht, wie seine Mitgefangenen durch Schattenspiele getäuscht werden, muss jene eigentlich erst aus ihren Denk-Fesseln befreien, bevor sie seine Argumente überhaupt verstehen können. Darum hat das Argument sensu homine eine derart herausragende Bedeutung in der Politik: In der Sprache des Volkes reden, mit dem Volk reden, das Volk verstehen - alles richtig und wichtig, aber leider können bei derartiger Rede oft nur Plattitüden, bereits Bekanntes und Gemeintes vermittelt werden. Präzise so wie an der Börse (s. Trend) nicht die beste Firma die höchsten Kurse erzielt, sondern diejenige, die von den meisten für die beste gehalten wird, zählt in der Politik das Argument, das für die Mehrheit auf Grund persönlicher, individueller Wertung am akzeptabelsten scheint, und weitaus nicht dasjenige Argument, das am besten begründet ist und eher auf Wahrheit als auf Meinung basiert. Das volkstümliche Argument, welches die persönliche Meinung einer Mehrheit anspricht, ist damit der Gegenpol der Banalität zum wissenschaftlichen Argument, das für den gesellschaftlichen Dialog genau so banal ist wie das persönliche Meinen, da es nur für einen sehr begrenzten Bereich und unter sehr speziellen Bedingungen gilt, nämlich unter den Bedingungen, unter denen es geprüft wurde (Folge davon, s. 4.1 Risikogesellschaft).
Diese herausragende Bedeutung der gezielten Ansprache persönlichen Wissens und Meinens für die Gewinnung von Mehrheiten zeigt auch, wie sträflich Rhetorik und noch mehr Topik in unserem Bildungssystem vernachlässigt wurden und werden. Um politisch handlungsfähig zu sein, reicht wissenschaftliches Wissen bei weitem nicht aus. Dieses muss an Mann und Frau gebracht werden, es muss motivieren können. Nebst überprüfbarem Wissen braucht es also mehrheitsfähige Argumente. Ein politisches Projekt, das über keinerlei wissenschaftliche Absicherung verfügt, aber über mehrheitsfähige Argumente (s. Hitler), kann um vieles leichter zu Stande kommen als der gegenteilige Fall (s. Entwicklungszusammenarbeit, wo zwar viel Wissen vorhanden ist, dieses aber oft lokal nicht einsetzbar ist, da es argumentativ wertlos ist). Präzise diese Erkenntnis führe zu dem, in einer verwissenschaftlichten Welt etwas schwer verständlichen Ansatz forstlicher Entwicklungsforschung im Jemen.
Trotz der Notwendigkeit einer populistischen, also mittelmässigen Dialogs, bleibt die Chance für rationale Lösungen erhalten. Think Tanks sind hier die schwächere Lösung, da sie keine unabhängige wissenschaftliche Forschung betreiben sondern einen bestimmten Auftrag haben, erarbeiten sie meist eher Collagen, je nach dem für Links oder Rechts, als voll integrale Denksysteme.
Aber das, umso mehr das nächste Kapitel, sind in Anbetracht der Realität natürlich (leider) reine Theorie. BS Grossratspräsident Roand Stark in einem Interview mit der Basler Zeitung (Patrick Marcolli: Der Lärm ist zu gross, die Präsenz zu gering. 29.7.08, S. 23): Tatsächlich sind die Meinungen nach den Kommissionsberatungen und den Fraktionssitzungen mehr oder weniger gemacht, das Abstimmungsergebnis ist dann bei den knappen Mehrheitsverhältnissen nur noch eine Frage der Präsenz. Mein Antrag, im Grossen Rat das Vorlesen von ausgeschriebenen Manuskripten zu verbieten und dmit die Debatte lebendiger und spontaner zu gestalten, wurde fraktionsübergreifend abgelehnt. Es kommt deshalb viel zu selten vor, dass die Rednerinnen und Redner in der Diskussion wirklich auf die Argumente der Gegenseite eingehen. [Ob der auf der selben Seite darüber publizierte Artikel mit dem Titel: <Ein Waschlappen nach Mass> bloss zufällig dort gelandet ist? Passen würde er auch hier, denn vertreten wird nur noch das, wozu die Gruppe den Einzelnen autorisiert hat. Und dies offenbar nicht bloss bei der SVP.Die moderne Kommunikation banalisierte die komplexe Welt, die Postmoderne macht darauf aufmerksam, die kommunikative Rationalität versucht das Problem zu lösen. Bereits das altehrwürdige Modell der Dialektik scheint heute zu anspruchsvoll: These, Antithese, Synthese - das Abwägen aller Vor- und Nachteile, die Gegenüberstellung von Lösungen und Neukombination. Die Kritik am Fernsehen wird mit der Konzentration auf das visuell Darstellbare oder mit der zeitlichen Begrenztheit der Möglichkeiten dieses Mediums begründet, was gelegentlich auch zur Freisprechung der Politik genutzt wird. Noch übler wirkt sich für die Wahrnehmung von Politikern wohl die Praxis des kurzen Fernsehinterviews aus. Niemand kann schliesslich seine Einschätzung eines halbwegs komplexen Sachverhalts in 30 Sekunden in einem rationalen Gedankengang begründen. (Patzelt 1994)
Einerseits müssen Medien natürlich selektieren und es wäre nicht nachvollziehbar, wenn sie Details gegenüber globalen Aussagen bevorzugen würden. Die politischen Akteure verzichten in der Auseinandersetzung tendenziell auf Details und die Medien zeigen auch wenig Interesse an der Vermittlung solcher Detailinformationen.
Die grosse Menge der Mitteilungen konzentriert sich auf einfache strukturierte Formen. So bestehen zwei Drittel der Begründungen in den Pressemitteilungen und drei Viertel der medial vermittelten Begründungen aus nur einem Begründungselement, so dass hier von einer Argumentations-Struktur gar nicht gesprochen werden kann. Die übrigen Begründungen gehen tendenziell eher in die Breite als in die Tiefe: In den Pressemitteilungen finden wir in gut einem Viertel aller Fälle mindestens zwei parallele Begründungen (Breite), aber nur in etwa 16% eine Begründung für eine Begründung (Tiefe). Von 2870 untersuchten Argumentationen war eine einzige hochkomplex, mit 9 Argumenten und 5 Begründungen. Die real existierenden Begründungen entsprechen den Vorstellungen der Argumentationstheorie so gut wie nie. (S. 216) Kuhlmann präsentiert Resultate einer Inhaltsanalyse von knapp 4500 politischen Texten. Deren argumentativer Gehalt wurde auf Grund des folgenden, recht banalen, Argumentationsmodells untersucht:
Handlung_____________Ziel--Interesse/Wert
____________¦_ Regel-Stützungswissen
| Zahl der dem Schema entsprechenden Elemente | n | |||||
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | ||
| Pressemitteilungen | 29.4 | 62.6 | 7.1 | 0.7 | 0.3 | 1584 |
| Berichterstattung | 47.1 | 49.4 | 3.1 | 0.4 | 0.1 | 2870 |
| Total | 40.8 | 54.1 | 4.5 | 0.5 | 0.2 | 4454 |
Dabei wird deutlich, dass politische Handlungen also häufig durch Ziele begründet wird, ohne dass die Effektivität der Handlung plausibel gemacht werden kann. (.S 218)
Es besteht allerdings ein gewichtiger Unterschiede zwischen Politik und Medien: Während in den Pressemitteilungen immerhin noch gut zwei Drittel aller Begründungen mindestens ein Element aus dem Argumentationsschema enthalten, sind es in der Medienberichterstattung nur gut die Hälfte.
Ziele politischen Handelns werden in den Pressemitteilungen zu etwa einem Viertel, in den Medien zu einem Fünftel begründet. 75% aller Ziele werden nicht begründet (ev. weil Konsens besteht) - ebenfalls sind die Ziele des politischen Konkurrenten so gut wie nie Gegenstand der Kritik (vermutlich weil es eh unmöglich ist, über fundamentale Grundhaltungen zu diskutieren). Bei der Begründung von Zielen dominiert nicht Webers Wertrationalität, sondern vielmehr die Vertretung von Interessen.
Am besten begründet wird Kritik (84% in Pressemitteilungen, 67% in den Medien), während nur etwa die Hälfte der Forderungen rational begründet wird.
Es findet sich, ganz anders als bei der Parteipropaganda, kaum je (bei weniger als einem Viertel der Texte) ein Bezug auf Werte. Die Argumentation basiert eher auf dem Partei-Nutzenprinzip: Wem nutzt es - wem schadet es? Es wird also, wie zu erwarten, wirtschaftlich argumentiert und in erster Linie der homo oeconomicus angesprochen.
Sachzwangargumente werden vermieden und eher als angemessene Reaktion auf die Situation beschrieben, um den Eindruck von Hilflosigkeit zu umgehen.
Politik kämpft ohne gesichertes Wissen im Trial-and-Error-Verfahren mit den komplexen Problemen der Realität. Sie hat zwar Ziele (Arbeitslosigkeit senken, Umwelt schützen, Wirtschaftsstandort sichern ...), verfügt aber kaum über die Mittel zu ihrer Realisierung. Ihre ohnehin knappen zweckrationalen Begründungen werden von der Presse noch einmal drastisch gekürzt. Pflegt ein Politiker noch die Gunst der Argumentation, wird er im Sinne der Ausgewogenheit der Berichterstattung auf das Niveau der Mehrheit gekürzt. Hier bewirkt eine Spirale der Banalisierung die Degeneration politischer Debatte. Argumentation wird auf dem niedrigsten Niveau nivelliert: x sagt, y sagt .... entscheidet selber - was eben auch für Journalisten (und Herausgeber) dem Niveau des geringsten Widerstandes entspricht. Ein treffendes Beispiel für diese Rhetorik, die mit der ursprünglichen Idee von Rhetorik als denkendem Reden völlig bricht, jedes Argument gleich weglässt und nur noch auf das Ziel hinarbeitet findet sich, amüsant gestaltet, unter http://www.topos-online.at/f/phrasenschleuder.htm
Dieser Kampf gegen den Zerfall jeder Orientierung und Sicherheit des Wissens ist nicht erst ein Ergebnis der Postmoderne, sondern wurde als Kampf gegen den Tod der Vernunft (Misologie) bereits von Platon geführt. Vernunft strengt sich dort an, wo es um Alternativen geht, wo man geteilter Meinung sein kann, wo man aber Stellung nehmen und zu einem Entscheid kommen muss. Vernunft hat also doch eine starke Beziehung zur Handlung, versucht aber, als Philosophie, in einer gewissen objektivierenden Distanz zur Anwendung zu bleiben, um sich den Handlungszwängen zu entziehen. Philosophie ist also weder Wissenschaft noch Kunst, sondern kritische Betrachtung der Produkte beider Sphären, der Forschung und der Gestaltung.
Die Folge dieser medialen Argumentationsmisere zeigt sich in den USA (issue voting) wie hier deutlich. Immer mehr wird entweder gar nicht mehr gestimmt, oder die Wähler re-agieren als Stammwähler, Wechselwähler oder Protestwähler auf die thematischen Positionen der Partei, die ohne Begründung hingenommen werden.
Ein Ausweg wäre einfach zu finden. Einerseits könnten und sollten die Bürger von den Politikern bessere, rationalere und stichhaltigere Begründungen fordern <> andererseits sollten die Politiker mehr Argumente als Schlagworte anbieten, zumal sich die Schlagworte je nach Mode austauschen lassen (Ausländer, Sparen, Rentenklau ... ).
Trotz der oben dargestellten vernichtenden Tatsachen, informieren sich die meisten Parlamentarier in den Medien, was z.B. die neusten technischen Entwicklungen betrifft. Meist entscheiden sie sich für die Unterstützung und Beschleunigung technologischer Entwicklung, um Zukunft und Arbeitsplätze zu sichern.
Im Gegensatz zur global wirkenden Wirtschaft bleiben Steuerungsversuche auf die Nationalstaaten beschränkt - also gleich mit dem Motto der globalisierten Verantwortungslosigkeit unterlaufen: Wenn wir's nicht tun tun's die andern ...
Technisch-ökonomischer Fortschritt und Wachstum führt jedoch nur noch zu kurzfristigen quantitativen Wohlstandssteigerungen, und auch dies nur noch für kleine Teile der Bevölkerung. Der politisch und wirtschaftlich erwünschte und geförderte Produktivitätszuwachs führt eben nicht nur zu mehr Wettbewerbsfähigkeit, sondern ebenso zum Abbau von Arbeitsplätzen. Damit wird aber nicht nur der Wohlstand der entlassenen Personen in Mitleidenschaft gezogen, sondern die Nachfrage der Gesamtwirtschaft und damit der Wohlstand der gesamten Bevölkerung.
Die Hoffnung auf eine Politik, die dem entgegenwirkt, entpuppt sich auf Grund zunehmender Komplexität und gleichzeitig abnehmender sachlicher Argumentationslust und -Fähigkeit als Illusion. Das Potential für Systemzusammenbrüche durch Spezialisierung der Subsysteme steigt, das Potential für eine nur halbwegs verlässliche Gesamtkoordination sinkt, sinkt um so mehr als Globalisierung und Entpolitisierung der Wirtschaft zunehmen.
Technisch operierende Wissenschaften haben die Forschungslogik auf den Kopf gestellt. Wurden Theorien früher erst im Labor ausgetestet und dann die Ergebnisse ausgewertet und umgesetzt, so werden Kernreaktoren erst gebaut und in Betrieb gesetzt, bis sie Erfahrungen zu Risiken generieren können. Retortenbabies und Klone müssen erst geboren werden, bevor experimentell überprüft werden kann, ob sie "einwandfrei funktionieren" . Genetisch veränderte Pflanzen müssen ausgesetzt werden, um ihre Lebensfähigkeit prüfen zu können. Die kontrollierbare Laborsituation wurde aufgegeben, Gesellschaft und Welt sind zum Labor geworden, mit schwer wiegenden Folgen.
Der Wechsel von quantitativem zu qualitativem Wachstum ist zwar in aller Munde, aber nur dort. Schäden und Risiken wachsen überdimensional. Durch Versicherungen sind weder die Gefahren eines nuklearen Unfalls noch diejenigen einer gentechnischen Katastrophe abdeckbar. In diesen Fällen übernimmt der Staat quasi die Rückversicherung, ohne dafür entsprechende Prämien von den Versicherten einzufordern. Seine Institutionen legitimieren solche Gefahren, können sie aber nicht kontrollieren. Auf Grund der Irreversibilität, der Unzurechenbarkeit und des Schadenspotentials der industriell erzeugten Gefahren untergraben Risikotechnologien die Gemeinwohlidee und widersprechen damit demokratischen Grundprinzipien. Die Versicherer tragen Mitverantwortung, auch diejenigen Versicherer, die nicht mal Prämien einziehen, also der Staat.
Es geht bei staatlichen Vorschriften also nicht nur um die Behinderung der freien Wirtschaft, sondern um Absicherung, ein Gedanke dem in den politischen Diskussionen eindeutig zu wenig Rechnung getragen wird. Der Staat als organisiertes Forum der Bürger trägt oft die Folgen riskanter Entwicklungen, darum ist ihm auch Mitsprache bei der Entwicklung derselben zu gestatten. Wenn er in Fällen des nicht Wissens oder nicht wissen Wollens oder Könnens quasi stillschweigend Versicherung spielt, trägt er Mitverantwortung für den Schadensfall
Im Falle von Risikokonflikten können Politiker nicht länger auf wissenschaftliche Experten setzen und vertrauen. Die Spezialisten widersprechen sich, je nach Perspektive der eigenen Wissenschaft. Die Gewichtung von Risiken ist Sache der Betroffenen, nicht der Wissenschaft. Die Frage, wie wollen wir leben, ist eine philosophische. Was ist ein Beweis? Was ist Angemessen? Was ist Wahrheit? Was ist Gerechtigkeit? Hier wäre eine zweite Moderne notwendig, eine zweite Aufklärung die unser Verständnis, unsere Augen und die Institutionen für die Unmündigkeit der ersten industriellen Zivilisation öffnet.
[Johannes Böhning: Das Verkehrsforum Salzburg - Studie einer reflexiven Institution. S. 253-275]
Mobilität ist ein Thema der Riskogesellschaft. Der ständig wachsende Bedarf an Mobilität moderner Gesellschaften hat zu einem enormen Anstieg der Belastung für Mensch und Umwelt geführt. Abgase erhöhen den CO2 Gehalt in der Luft, Strassen verschandeln und zerstören die Landschaft, und er Verkehrslärm betäubt die Anwohner.
In Salzburg wurde das Verkehrsforum gegründet, in dem 20 Vertreter die Blockade zwischen Wirtschaft und Umwelt überwinden sollten. Während 1 Jahr übten diese Akteure mit verschiedenen Hintergründen eine offene systematische Reflexion dieses Problembereichs. Ihre Aufgaben waren:
Eine neutrale Mediation sollte den Teilnehmern ein positives Gefühl der praktischen Bedeutung ihrer Arbeit vermitteln.
Die Verhandlung, das bargaining zwischen Wirtschaftsstandort und Lebensraum wurde aber einerseits unterlaufen durch die Umweltvertreter, die auf der Basis wissenschaftlich-technischer Rationalität argumentierten, und systematisch von der Wirtschaft abgelehnt wurden. Allerdings versuchten die Vertreter der Lebensqualitätskoalition argumentativ zu überzeugen, während die Wirtschaft im allgemeinen einfach mit dem Austritt aus den Verhandlungen drohte. Letztere verstanden es auch, die Storyline Ökonomie immer im Zentrum zu halten!!! Nur die Alternativstory Salzburg als Lebensraum konnte, allerdings am Rande, ein gewisses Gegengewicht bilden. Die Wirtschaftsvertreter verweigerten sich aber konsequent einer Quantifizierung der Verkehrsströme, also der Planung. Die Schönheit Salzburgs wurde zwar zum legitimen Argument, blieb aber ohne Einfluss.
Eine Diskussion der möglichen Abhängigkeit der Mobilität von einem Werterahmen wurde konstant blockiert, ebenso mögliche Konsequenzen für das eigene Verhalten. Hier verhinderte die Trennung von Fakten und Werten die Möglichkeit, Mobilität als sozialen Prozess zu begreifen. Eben so wenig war es möglich, eine gemeinsame Rationalität zu erarbeiten.
Ein weiterer wichtiger Grund des Scheiterns war die Vermischung von Diskurs und Entscheidungskompetenz, da hier das Problem der Weitergabe von Entscheidungskompetenz total ausgegrenzt wurde ... (wie das vermutlich überall geschehen ist anlässlich der mal so gelobten Agenda 21)
[Kerstin Dressel: Auf der Suche nach reflexivem Wissen - Wissensformen in 15 Jahren Waldschadensforschung S. 211-230]
Nach mehr als 15 Jahren Waldschadensforschung ist es auch heute noch nicht gelungen, ein zutreffendes Erklärungsmodell für die Waldschäden zu entwickeln, insofern gilt die Waldschadensforschung allgemein als gescheitert.
Obwohl die Resultate zumindest zeigten, dass menschliche Stickstoffeinträge das Ökosystem Wald destabilisieren, war aber auch klar, dass sie weder damals noch heute der auslösende Faktor für die Erkrankung und das Absterben von Wäldern und Bäumen waren. So teilten sich die Meinungen bald in zwei Lager, von denen das eine vom Begriff Waldsterben abging um von "neuartigen Waldschäden" zu reden, während das andere, das auch in der Forstwirtschaft stark vertreten ist, das "neuartige" Auftreten wie die "Waldschäden" generell bestreitet.
Die Forschung war damals wirklich diffus, konfus, hektisch, unsystematisch und grossenteils unkoordiniert, da sie sich primär nach den Eigeninteressen der Institute und auf kurzfristige Ziele ausgerichtete, was auch als Ferkelmarkt beschrieben wurde. Zudem wurde die eigentliche wissenschaftliche Methode durch die Komplexität des Systems Wald eigentlich ausgeschlossen. Die Reduktion auf Laborversuche scheiterte an deren Mangel an Aussagekraft. Es ist bis heute eigentlich nicht einmal klar, was Gesund und Krank bei einem Baum bedeuten, viel weniger noch bei einem ganzen Wald. (Dazu ist allerdings zu bemerken, dass hier ja schliesslich auch Menschen noch einige Unklarheiten herrschen, sogar was den Tod betrifft.)
Dressel betont vor allem die unterschiedlichen Wissensbestände im Waldschadensdiskurs:
| Praktikerwissen | wissenschaftliches Wissen |
|---|---|
|
|
Die Waldschadensforschung zeigt einmal mehr, dass man neue risikogesellschaftliche Fragen nicht mit alten Lösungsmodellen beantworten kann. Waldschadensforschung kann so als Beispiel einer (noch gar nicht geglückten) postnormalen Wissenschaft dienen, in der es zu jeder Expertise eine Gegenexpertise gibt. Die Wissenschaften, die eigentlich allgemeingültige Gesetze liefern sollten, werden hier mehr und mehr kasuistisch. In der spätmodernen Gesellschaft wird auch wissenschaftliches Wissen mehr und mehr untauglich für einigermassen verlässliche Vorhersagen (womit sie die eigentliche Grundlage ihrer Finanzierung zu verlieren droht). Zudem wären bei der immer noch bedrohlichen potentiellen Entwicklungen Entscheide und Massnahmen dringend nötig. Auf der wissenschaftlichen Seite werden Fakten aber in komplexen Modellen generell diffus, auf der politischen Seite sind Werte in einer pluralistischen Gesellschaft der Diskussion unterworfen.
Dies erfordert einen verstärkten und interaktiven Dialog zwischen WissenschaftlerInnen und andern Beteiligten. Wissenschaftler sollten nicht länger nur in den eigenen Reihen diskutieren, da Massnahmen wie Auswirkungen solcher Entwicklungen (Wald, CO2) von Bevölkerung zu tragen sein werden. Die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnis wird so zum Objekt gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse, die wissenschaftlichen Ansätze ebenfalls. Insbesondere was das Problem der Umsetzung betrifft, haben wir das klassische Problem der Politik, die Akzeptanz, die sich primär über Topik lösen lässt:
In welchem Umfang sind Waldschäden tolerierbar? Die, im Nachhinein sich Gott sei Dank als falsch erweisende, Erwartung der Forscher war, dass der Wald grossflächig zusammenbricht. Auf Grund dieser Erwartungen waren die 10 bis 20% geschädigten Bäume nur der Anfang, dem es zu wehren galt (hier ein typisches slippery slope Argument).
Die entgegen gesetzte Meinung wird am drastischsten durch den damals fast ebenso beliebten Kleber ausgedrückt: Mein Auto fährt auch ohne Wald - der quasi Toleranz auch für 100% Waldschädigung und Waldvernichtung ausdrückt. Diese Fundamentalismen können, wie alle Fundamentalismen, nur aneinander vorbei reden.
Was damals nicht angesprochen werden konnte, und auch heute noch enorme Probleme verursacht in der Diskussion um die globale Erwärmung, ist die Verknüpfung der Wirkung (Waldsterben) mit der Ursache (übermässige Belastung der Luft mit Abfallprodukten unseres Wirtschaftens), und vor allem deren Behebung, die ein radikales Umdenken und eine Lösung von der nach wie vor herrschenden Wachstumsideologie fordern. Da heute fast weltweit ökonomisches Denken unsere Entscheide bestimmt, sind die Chancen für wirklich greifende Massnahmen sehr gering, da diese Massnahmen die freie Wirtschaft beschränken.
Ein zusätzliches Problem bietet der globale Rahmen des Problems. Liberalismus besteht darauf, dass sich Umweltprobleme durch Verhandlungen zwischen Verursachern und Betroffenen wirtschaftlich, ohne Zutun des Staates, lösen lassen. Diese Lösung bedingt aber, dass Verursacher und Betroffene sich erstens klar identifizieren lassen, und dass sie Verhandeln wollen oder müssen - und können. Beides ist im Falle der "neuartigen Waldschäden" genau so illusorisch wie im Falle von CO2. Der Economist hat schon vor Jahren festgestellt, dass es weitaus günstiger käme, die Betroffenen auf den von Überschwemmung bedrohten Pazifikinseln umzusiedeln, als die Wirtschaft mit Einschränkungen und Abgaben zu belasten. Die Verantwortung für die Folgen lässt sich um so leichter auf andere abschieben, je weniger fassbar die Verursacher sind. Je globaler die Wirtschaft, desto schwieriger die Zuordnung von Verantwortung. Globalisierung ist also mit ein Faktor, der die eigentlich zu fördernde Systemintegration untergräbt.
Martin Herzog, Webdesign, Rheinfelden (> heute Basel), 28.12.03
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* Finden Sie die Aussage treffend oder bekloppt? Im zweiten Fall haben Sie recht, denn
das Palaver, der eben so platte wie bunte Konfettidialog, der quasi spielerischen Austausch von Informationen erlaubt, und nicht die rationale Analyse, ist die Hefe sozialer Beziehungen. [Am
besten zeigt sich das anhand arabischer Märkte: s.
Jemen: socialising
market]